Meine fünf Zent zum Mainzer Männer-Medien-Disput

Wenn Themen allgemein debattiert werden, sollte die Diskussionsrunde nicht bloß einen Blickwinkel abbilden. Tut sie aber, wenn nur Männer teilnehmen.

Der Deutsche Journalistinnenbund hat einen etwas sarkastischen offenen Brief an Thomas Leif, den (Mit-)Organisator des Mainzer Mediendisputes geschrieben, in dem kritisiert wird, dass bei diesem Ereignis praktisch nur die Ideen und Ansichten von Männern zur Diskussion gestellt werden. Die Mit-OrganisatorInnen nahmen Leif daraufhin in einer Stellungnahme in Schutz und rechtfertigten ihre Speaker-Auswahl mit der immer wieder beliebten Rechtfertigung, man hätte keine Frauen gefunden bzw. die, die man gefragt hätte, hätten abgesagt.

Wie immer, wenn so was mal wieder in die Diskussion kommt – und dazu gibt es ja reichlich Gelegenheit – ging es im anschließenden Für und Wider der Argumente vor allem um die Frage, woran es denn wohl liegen könne, dass die Damen sich so zieren, woher man welche bekommt und wie viel Aufwand Veranstaltern zuzumuten ist, um die scheuen Rehe in ihre Konferenzen zu locken. Und es gab wieder Überlegungen, ob wir (Frauen? Feministinnen?) nicht eine schöne handliche Liste mit Kandidatinnen leicht auffindbar im Internet zusammenstellen sollten, damit es die armen Organisatoren von Veranstaltungen nicht so schwer haben, uns zu finden.

Es spricht natürlich gar nichts dagegen, solche Listen aufzustellen, wenn eine Lust dazu hat.

Worüber ich aber viel lieber diskutieren würde, das wäre die Frage, welche implizite falsche Vorannahme hinter dem “Wir haben keine Frauen gefunden”-Argument steht: Nämlich die, dass Frauen deshalb eingeladen werden sollen, um ihnen irgendwie etwas Gutes zu tun, oder auch einer ominösen “Gerechtigkeit” halber.

Das ist aber nicht der Grund:

Frauen sollten eingeladen werden, weil zu keinem beliebigen Thema der Welt sinnvoll diskutiert werden kann, wenn Männer dabei unter sich bleiben. Eine solche Veranstaltung ist ganz einfach nicht in der Lage, allgemein Relevantes hervorzubringen, und wird deshalb unweigerlich eine schlechte Veranstaltung sein. Oder anders: Eine Gruppe, die (fast) ausschließlich aus Männern besteht, kann sinnvollerweise nur über das Thema “Männer in den Medien” diskutieren, aber nicht über “Medien” generell.

Das Argument “Wir haben keine Frauen gefunden und daher nur Männer eingeladen” ist für einen Kongress über Medien also in etwa so sinnvoll wie das Argument “Wir haben keine Ingenieure gefunden und daher lieber Stewardessen eingeladen” für einen Kongress über Maschinenbau.

Das Problem an komfortablen Speakerinnenlisten für faule Veranstaltungsmacher liegt darin, dass ein Umdenken so erst recht nicht stattfinden muss. Veranstaltungsmacher kriegen die Frauen dann praktisch auf dem Silbertablett serviert, und sie werden sie vermutlich sogar einladen, weil es erstens ihrer Ansicht nach ja völlig egal ist, ob eine Frau oder ein Mann spricht, und, meine Güte, warum auch keine Frauen, wenn es keine Umstände macht und aus irgendeinem Grund heutzutage politisch korrekterweise erwartet wird.

Verstehen tun sie diesen Grund aber nach wie vor nicht. (Okay, vielleicht ist das auch ganz egal? Weil sie sowieso demnächst aussterben?)

Außerdem: Eigentlich müssten wir dann Speakerinnenlisten zu sämtlichen Themen der Welt aufstellen, denn eine Frau zu sein, heißt ja noch nicht, zu diesem oder jenem Thema auch etwas sagen zu können. Beim Mainzer Mediendisput waren Medienfrauen gesucht, bei anderen Themen sind andere Frauen gesucht. Wir bräuchten also nicht eine Speakerinnenliste, sondern unendlich viele.

Ich finde eigentlich: Wer für die eigenen Kongresse nicht genügend relevante Speakerinnen und Speaker findet, kann eben keinen Kongress organisieren. So einfach ist das. Für mich hat das auch die ganz praktische Seite, dass ich in der Fülle von Veranstaltungen und Themen schon mal alle die, die reine Männeransammlungen sind, links liegen lassen kann.

Crosspost von Aus Liebe zur Freiheit