ARD/Spanien: Wie das Netz funktioniert

| 26.09.2012 | 6 Kommentare

- oder: Wie sich die alternativen Medien mittlerweile ergänzen. Anlässlich der lächerlich geringen Berichterstattung der ARD-Nachrichtensendungen über die Proteste in Spanien ging ein mittleres Gewitter auf den Facebook-Account der tagesschau nieder.

Analog zu den gestrigen Livestreams von den Ereignissen in Madrid berichten nun Blogs über ein erneutes öffentlich-rechtliches Kommunikationsversagen. Ulf Kippke hat ferngesehen und eine kleine Chronik angefertigt:

Circa 19 Uhr
schreibt jemand in einem Kommentar auf Facebook, dass ihm aufgefallen ist, dass die ARD keinerlei Meldung zum Tagesgeschehen in Madrid hat verlauten lassen. Keinerlei Aktivität diesbezüglich zu finden, weder auf der Facebookvertretung noch auf der Homepage der Tagesschau.

Kippke schaut und schreibt weiter, bis zum Nachtmagazin, und heute gibt es Updates.

Uhupardo, der als Journalist in Madrid lebt und regelmäßig über Spanien bloggt, hat aktuelle Fotos und Videos; seit gestern berichtet er fortlaufend weiter:

Ganz zum Schluss der Demonstration wurde übrigens dazu aufgerufen, sich heute ab 19 Uhr an selber Stelle zu versammeln angesichts der gestrigen Vorfälle und die Proteste fortzuführen. Es ist damit durchaus möglich, dass es heute Abend zu weiteren Zusammenstössen kommt, denn Cifuentes warnte schon in der Nacht: “Am Mittwoch wäre die Demonstration illegal und wir werden mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, dagegen vorgehen.”

Unterdessen befasst sich Konrad Weber aus der Sicht des Fernsehjournalisten mit der Kritik an der tagesschau:

Diesmal hat es die ehrwürdige Tagesschau der ARD getroffen: Angesteckt durch die Occupy-Proteste in Spanien (Berichterstattung bei RTVE, bei BBC) versuchen sich am Dienstagabend auch in Deutschland User Gehör für ihre Proteste zu verschaffen. Und wo geschieht das abends zu Hause sitzend am Besten? Genau, im Netz und zwar dort, wo einerseits die kritische Masse vorhanden ist und andererseits bei jenen, die stolz den Qualitätsjournalismus propagieren: auf der Facebook-Seite der ARD Tagesschau.

Der Internet-User hat natürlich noch viel mehr Kanäle, viel mehr Auswahl zur Verfügung. Doch allein diese drei Berichte beleuchten schon ein fokussiertes Thema in einem bestimmten Zeitraum aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Es ist lachhaft, dass die ARD das mit ihren – demnächst noch deutlich erhöhten – Gebührenmillionen und Gegenseitigkeitsabkommen nicht hinbekommt.

Nachtrag:
Die arme, gebeutelte tagesschau beschwert sich auch tüchtig:

Gestern war es mal wieder soweit. Uns erreichte über Facebook ein ordentlicher Shitstorm.

Shitstorms sind die neuen Fernsehpreise. Allerdings sollte man nicht – berechtigte – Kritik damit verwechseln und sich auf die eigene hehre Unabhängigkeit berufen. Es könnte jemand auf die Idee kommen, von der Besetzung der öffentlich-rechtlichen Fernsehgremien bis zur anteiligen Berichterstattung über einzelne Parteien in den Sendern eine Buchführung aufzumachen.