Nicole Britz | 5 Kommentar(e)
Bei den Piraten wird mal wieder über den Frauenmangel in den Vorständen diskutiert. Aber “Frau sein” allein ist noch kein sinnvolles Auswahl-Kriterium.
04.09.2012 |
Der tatsächliche oder gefühlte Frauenmangel in der Piratenpartei führt angesichts diverser Vorstandsneubesetzungen oder Kandidierendenlisten für kommende Parlamentswahlen zu merkwürdigen Reflexen. Da wird von Personen jedweden Geschlechts gewettert, daß zu wenige Frauen überhaupt antreten, und von denen auch nicht alle gewählt werden. Manchmal auch keine. Das ist blöd. Aber im Rahmen von demokratischen Wahlverfahren ist es möglich und zulässig, eine gegebene Person nicht zu wählen. Sonst könnte man sich den ganzen Aufriss mit den Wahlen sparen und einfach per Losverfahren den Vorstand bilden und paritätisch besetzen.
Das Wort “Wahl” ist bekanntermaßen Bestandteil des Wortes Auswahl. Wenn ich (als Frau) von beispielsweise fünf Kandidatinnen alle auf die Liste wählen soll, fühle ich mich als Wählerin um mein Wahlrecht betrogen, weil ich ja keine Auswahl mehr habe. Soll ich ernsthaft eine esoterische Verschwörungstheoretikerin (willkürliches Beispiel) wählen, nur, um den Frauenanteil in einem Vorstand oder auf einer Liste zu erhöhen? Geschlecht ist keine Leistung. Und erzähle mir bitte niemand, dass das dann etwas anderes sei als die vielgescholtene Alibi- oder Quotenfrau. Ist es Sexismus, wenn niemand die beispielhafte esoterische Verschwörungstheoretikerin in Amt und Würden sehen möchte? Oder kann es auch im Sinn der Frauenmangelzustandsbeklagenden zulässig sein, aus sachlichen Gründen sogar eine Frau nicht zu wählen?
Hinsichtlich des passiven Wahlrechts werden die Anforderungen nicht wirklich besser. Ginge es nach einigen rigorosen Frauenanteils-Verfechter[inne]n, müsste jede Piratin automatisch für Ämter und Mandate zur Verfügung stehen, und das ungeachtet der persönlichen Präferenzen. Das hat dann mit weiblicher Selbstbestimmung nichts mehr zu tun. Und ich (als Frau) möchte auch gerne selbst entscheiden, ob ich mich zur Wahl stelle oder nicht. Und dann bitte auch, ohne von verschiedenen Seiten angemotzt zu werden, wenn ich mich dagegen entscheide. Es haben nicht zwingend alle, die sich politisch engagieren, ausreichend Spaß an Parlaments- oder Gremienarbeit. Es gibt bei allen Geschlechtern Personen, die ihrem Brotberuf den Vorzug geben, und die Parteiarbeit in der Freizeit machen wollen. Das muß so akzeptiert werden, und ich erwarte hier einfach mehr Respekt vor den persönlichen Entscheidungen anderer.
Crosspost von dyfustifications. In weiteren Artikeln will sich Nicole Britz der Ursachenforschung widmen.






Vielleicht ist die Ursache darin zu suchen, dass es nicht genügend Frauen gibt, welche sich ohne Quote in die piratige Parteipolitik wagen. Warum wohl nur? Man sieht es an Anke Domscheid Berg und Julia Probst, welchen Vorurteilen sie ausgesetzt sind, nehmen sie ihre politischen Rechte tatsächlich wahr.
In den anderen Parteien funktioniert es ja auch, dass Frauen alllmählich politisch in den Vordergrund treten. Die Situation von Frauen national und international ist immer noch so, dass es eine Quote erfordert um hier mehr Gerechtigkeit herzustellen.
Mit der Argumentation im Artikel schneiden die Frauen an ihrem eigenen politischen Ast. Diese Argumentation kann erst zum tragen kommen, wenn das quantitavie Problem keines mehr ist.
Die Frauenquote ist eine gesellschaftspolitische Bringschuld, die den “geschützten” Rahmen bildet, mehr Frauen in die Politik zu bringen. Ohne diesen geht es meiner Meinung nicht.
Das verstehe ich jetzt nicht. Die beiden genannten Frauen werden ohne Quite politisch aktiv und die Reaktionen sind teilweise, na ja, seltsam. Sollte das mit Quote wirklich besser werden? Die “Du-bist-ja-nur-ne-Quotenfrau”-Keule ist dann schnell ausgepackt.
Und die Quote funktioniert erst dann, wenn das “quantitative Problem” gelöst ist. Wenn es Frauen gibt, die in ihrer Partei aktiv werden und ein Amt übernehmen wollen (und sich womöglich einer abwehrenden Männerfront gegenüber sehen). Ohne Frauen, die dazu bereit sind, läuft eine Quote leer. Oder soll es heißen, dass Parteigremien nicht vollständig besetzt werden (und u.U. dann nicht satzungskonform sind), weil es nicht genug Frauen gibt?
@ johnny nogo
was für ein verschwurbeltes Gequassel. Interpretieren Sie hier die Realität anhand Ihrer vorgefassten Meinungen? Soweit mir bekannt steht eine Bestandsaufnahme der Sinnhaftigkeit von Geschlechterquoten immer noch aus. Niemand vermag bisher zu sagen, ob dadurch irgend ein anderer Mehrwert geschaffen wird als zusätzliche Medienöffentlichkeit für die Lobbyisten der Quote.
Dass eine Quote, also eine nach willkürlichen politischen Gesichtspunkten ausgestaltete Zwangsverordnung zur Stellenvergabe die ihren Ursprung in den Köpfen einiger weniger hatte, der kulturell überkommenen Andersbehandlung der Frau positive Abhilfe entsprechend den zeitgemäßen Vorstellungen von Positiv und Negativ schafft, wage ich zu bezweifeln. Ich sehe genauso die Möglichkeit, dass dieses “mit dem Kopf durch die Wand-Theater” dem notwendigen und längst laufenden Normalisierungsprozess einen Bärendienst erweist.
Als ehemaliger DDR Bürger erkenne ich hierin eine interessante Parallele. Die SED war auch der Ansicht, dass alle Bürger gleich gemacht werden sollten. Auch dort hat man nie gefragt, ob alle gleich sein wollen.
Le Marquis
Eben. Trotzdem ist das eine lustige Aussage, wenn man sie im Lichte mancher Frauenrecht[links]ler_*Innen betrachtet. Das haette ja mal ich schreiben sollen…
Es entlarvt so schoen, wie diejenigen, die uns alle aus den Geschlechterrollen befreien wollen, selbst so dermassen darin gefangen sind. Deshalb bin ich ja auch so froh, dass es die Piraten gibt. Sie fuehren mustergueltig all die Dinge vor, von denen ich frueher schon immer mal wissen wollte, wie genau sie in der Realitaet scheitern wuerden. Generationen von Politikwissenschaftlern werden aus dem reichen Fundus schoepfen koennen. Und ich darf mich an solchen Artikeln erfreuen. Danke dafuer. Und nicht boese sein, liebe Piraten.
Man kann ja auch eine vernünftige Qutoierung wie ei uns in der Linkspartei einführen. Finde ich schon wichtig, ansonsten wird diePP keine einzige Frauenstimme mehr bekommen, falls sie bisher eine hatte;-)