Wolfgang Michal

Sarrazin, Höhler, Spitzer: Ist der deutsche Buchmarkt reaktionär geworden?

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Bücher, die als Bestseller angelegt sind, verkaufen sich nur mit steilen Thesen. Das war schon immer so. Neu ist aber, dass die jüngsten Bestseller alle in die gleiche Richtung tendieren: Bildungswutbürger flüchten in eine vermeintlich bessere Vergangenheit.

03.09.2012 | 

Thilo Sarrazin (“Deutschland schafft sich ab”) will ein gesellschaftlich stubenreines Deutschland mit möglichst wenig dummen Ausländern, möglichst wenig Sozialgedöns, möglichst wenig Euro und vielen gebärfreudigen deutschen Frauen aus der Mittelschicht.

Gertrud Höhler (“Die Patin”) will eine klare liberalkonservative Politik, die im übersichtlichen und strenggläubigen Wertesystem katholischer westdeutscher weißer Männer verankert ist und nicht im pragmatischen Utilitarismus und Relativismus einer protestantischen ostdeutschen Hausfrau, der das richtige System im Zweifel wurscht ist.

Manfred Spitzer (“Digitale Demenz”) will eine übersichtliche Erziehungs-Welt, in der junge Menschen freiwillig auf Computer und anderen technischen Schnickschnack verzichten, Hausmusik betreiben und sich im Religionsunterricht im rechten christlichen Glauben unterweisen lassen.

Alle diese Bestseller-Autoren verfolgen – auf unterschiedlichen Gebieten (Gesellschaft, Politik, Familie) – ein Leitbild von vorgestern, und die Buchverlage, die einmal für Fortschritt und Moderne und Aufbruch und Öffnung standen, schenken diesen gedanklichen „Modernisierungsverlierern“ außerordentlich viel Raum und Aufmerksamkeit.

Die Rückwärtsgewandtheit der wütenden deutschen Bildungsbürger (die in der Rückwärtsgewandtheit mancher Talkshow-Moderatoren einen idealen Transmissionsriemen finden, weil diese dem gleichen Milieu entstammen) ist für die übergroße Mehrheit der Menschen nur beschränkt unterhaltsam oder nützlich, denn die kulturpessimistische Dauerklage darüber, dass die Welt nicht mehr so ist, wie sie im 19. und 20. Jahrhundert in einer bestimmten kleinen Schicht vielleicht einmal war, hat etwas Ermüdendes und Verzagtes.

Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, mit der Globalisierung, mit komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entscheidungsstrukturen, mit Technik und Internet, mit Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten – also mit der heutigen Welt – etwas anzufangen weiß?

 

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76 Kommentare

  1. Hardy Prothmann |  03.09.2012 | 01:33 | permalink  

    Guten Tag!

    Ihre Schlussfrage ist einfach zu beantworten: Im Internet.

    Gruß
    Hardy Prothmann

  2. hardy |  03.09.2012 | 06:18 | permalink  

    das ist, wie ich finde, eine ziemlich seltsame liste und vor allem ist es eigentlich eine, die ich eher im spiegel zu finden gewohnt bin: böse buben & eine quotenfrau zum bashen,

    was nun wirklich einen quartalsirren, eine geltungssüchtige petze und einen vielleicht ein klitzekleines bißchen verwirrten älteren herren “gemein” haben sollen, verstehe ich aber irgendwie trotzdem nicht.

    _der_ hardy ;-)

  3. Friedemann Karig |  03.09.2012 | 09:40 | permalink  

    “Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, mit der Globalisierung, mit komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entscheidungsstrukturen, mit Technik und Internet, mit Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten – also mit der heutigen Welt – etwas anzufangen weiß?”

    Also, was den Buchmarkt der Bestseller aus renommierten Verlagshäusern angeht – wann war das denn in den letzten 30 Jahren anders? Definiert sich die Intelligenzia hierzulande nicht schon lange implizit über einen gewissen Kulturpessimismus und eine diffuse Technikskepsis?

    Das sind (ich bin 1982 geboren) keine rhetorischen Fragen.

  4. Klaus Jarchow |  03.09.2012 | 09:49 | permalink  

    Der Sachbuchmarkt (derjenige auf Holzfasern) trocknet mit dem Verschwinden seiner Alterskohorte naturgemäß aus. Insofern ist es auch nicht ungewöhnlich, dass ihn bis dahin Zellulitis- und Zellulosethemen dominieren. Links und rechts sind aber falsche Begrifflichkeiten: Hie Digitalia, da Analogorrh …

  5. Friedemann Karig |  03.09.2012 | 10:20 | permalink  

    Und, nächste Frage, die sich jeder “von uns” stellen sollte: Welches Buch würde ich schreiben, das anders mit den Themen umgeht? Warum habe ich das noch nicht geschrieben? Lassen wir uns die Initiative von den “reaktionären” abknöpfen, sind wir selber nicht quasi reaktionär geworden?

  6. Wolfgang Michal |  03.09.2012 | 10:40 | permalink  

    Man sollte nicht in den Fehler verfallen, die Sorgen, die in diesen Bestsellern artikuliert werden, einfach beiseite zu wischen oder für irrelevant zu halten (siehe Mitt Romney/Paul Ryan). Die Intensität, in der sich seit einigen Jahren ein “kulturpessimistischer Komplex” (in Anlehnung an den “militärisch-industriellen Komplex”) öffentlich äußert, beruht ja – und das ist neu – auf der totalen Verquickung von Talkshow und konstruiertem Bestseller. Dieser kulturellen Hegemonie, die von einer relativ kleinen Schicht ausgeübt wird, haben die “Internetfuzzies” bislang wenig entgegenzusetzen – weil sie sich lieber mit Randthemen beschäftigen und bevorzugt ihre Kasperl in den Talkshows verheizen lassen.

    Es ist doch kein Zufall, dass man uns täglich mehrere Talkshows vorsetzt, deren Wirkkraft hundertmal stärker ist als jene der Bildzeitung, dem – immer noch – Lieblings-Punchingball im Netz.

  7. DJ Nameless |  03.09.2012 | 12:56 | permalink  

    Friedemann Karig schrieb in Kommentar Nr. 3:
    [quote]Also, was den Buchmarkt der Bestseller aus renommierten Verlagshäusern angeht – wann war das denn in den letzten 30 Jahren anders? Definiert sich die Intelligenzia hierzulande nicht schon lange implizit über einen gewissen Kulturpessimismus und eine diffuse Technikskepsis?
    Das sind (ich bin 1982 geboren) keine rhetorischen Fragen.[/quote]

    Ich bin auch 1982 geboren. Ich habe das Gefühl, dass der Artikelschreiber Wolfgang Michal Recht hat. Zumindest als ich noch jung war, in den 90ern, waren zumindest die Jugendsachbücher, die ich damals gelesen habe, der Zukunft und Moderne sehr offen gegenüber. Schönes Beispiel ist da die “Was-ist-was”-Reihe, in Bezug auf moderne Medien etwa der Band 100 “Multimedia und virtuelle Welten”. Das war Mitte der 90er wirklich ZEITGEMÄSSE Literatur. Dagegen mag “Digitale Demenz” sich viel häufiger verkaufen, aber es ist wie gesagt total rückwärtsgewandt – zumindest so, wie Manfred Spitzer es schreibt.

    Allerdings merke ich selber, dass die moderne Technik – und genau das beklagt Manfred Spitzer auch – das Problem hat, teilweise abartig viel Zeit beansprucht, wenn man sich etwa manche Computerspiele (z. B. Wirtschaftssimulationen) anschaut, oder wenn junge Leute daran interessiert sind, selber Software auf aktuellem Niveau zu entwickeln. Und da sagt Spitzer, die Jugend verbrächte zu viel Zeit am PC, und damit hat er im Kern auch wieder Recht.

    Man hat zwar mit der modernen Computertechnik zwar viel mehr Möglichkeiten als früher – man vergleiche etwa ein modernes Videoschnittprogramm mit den Super-8-Projektoren der 80er – aber der Zeitaufwand, um diese ganzen Möglichkeiten alle auch auszunutzen, ist einfach zu groß geworden. Eine Lösung hierfür sehen die Internet-Freaks noch nicht. Dass aber die Jugend wirklich teilweise zu lange vor dem PC hockt, steht sicher außer Frage. Das merkt man auch im realen Leben, wenn z. B. Kulturveranstaltungen für junge Leute einfach aufgegeben werden müssen, weil zu wenig Leute kommen und das Publikum lieber zuhause am PC abhängt.

    Und noch ein Zitat aus dem Artikel:
    [quote]Manfred Spitzer (“Digitale Demenz”) will eine übersichtliche Erziehungs-Welt, in der junge Menschen freiwillig auf Computer und anderen technischen Schnickschnack verzichten, Hausmusik betreiben[/quote]
    Ja… Hausmusik… ich finde es schade, dass es die kaum noch gibt. Auch ich als 1982 Geborener habe noch riesigen Spaß daran, in meiner Freizeit zu musizieren. Aber es ist tatsächlich schwierig, Mitstreiter zu finden, weil die Leute einfach lieber am Rechner hängen.

    Sicher bietet das Netz auch viele Möglichkeiten, in gewissem Sinne gemeinsame Projekte aufzubauen. In der Praxis ist aber das Gemeinschaftsleben da kaum vorhanden. Viele Foren, Chats, etc. werden so gut wie gar nicht genutzt. Selbst bei großen Portalen wie Youtube erhalten viele Videos keinerlei Bewertungen oder Kommentare. Das Gemeinschaftsleben scheint im Netz einfach nicht zu funktionieren. Die Frage ist doch wirklich: Wenn etwa ein Online-Game es nicht schafft, eine Community aufzubauen, ob dann nicht eine Runde Monopoly mit ECHTEN Freunden doch mehr Spaß macht. Genauso ist doch die Frage, ob gemeinsames Musizieren oder Weggehen auf eine REALE Party nicht doch besser ist, als bei einem Online-Radio zu landen, wo außer einem selber gerade noch 2 andere Leute zuhören und im zugehörigen Chat null User sind.

    DJ Nameless

  8. Matthias Schwenk |  03.09.2012 | 17:49 | permalink  

    Mit Deinen Thesen, Wolfgang, bin ich voll und ganz einverstanden. Nur: Was sollten Buchverlage anderes tun? Ihr Geschäft machen sie im Kern mit wenigen Bestsellern. Als Autoren für solche Bestseller kommen aber überwiegend nur prominente Personen aus eben der “bestimmten kleinen Schicht” in Frage, die sich gut in den Talkshows und Feuilletons platzieren lassen.

    Die “Internetfuzzies” haben hierzulande einfach noch nicht den Rang und Status, als dass ihre Bücher (oder E-Books) den Rang von Bestsellern einnehmen könnten. Also arrangieren sich die Verlage eben mit den steil-reaktionären Thesen bestimmter Autoren und trösten sich damit, dass so ein Bestseller die Existenz des Verlages für ein bis zwei sichert (und damit auch das umfangreiche Nischenprogramm, das dort ja auch noch publiziert wird)…

  9. Wolfgang Michal |  03.09.2012 | 18:41 | permalink  

    Lieber Matthias, ich gehe mal davon aus, dass Buchverlage nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch programmatisch denken. Und gerade die Buchverleger waren einmal weltoffen, neugierig und der Zukunft zugewandt. Das kann ich in diesen rückwärts gewandten Programmen nicht mehr erkennen.

    Aber möglicherweise spiegeln sich ja in den Bestsellern von heute die Sorgen der ganzen Branche.

    Intellektuell finde ich es ein bisschen dürftig, alles Übel in Euro, Ausländern, Internet und Merkel zu sehen. Das ist (auch betriebswirtschaftliche!) Grips- und Papierverschwendung. Aber noch übler verhalten sich die Talkshowanstalten öffentlichen Rechts.

    Deshalb ist es großartig, dass sich jetzt Aftertalk-Talkrunden im Netz zusammenfinden…

  10. hardy |  03.09.2012 | 19:15 | permalink  

    @friedemann

    >> Definiert sich die Intelligenzia hierzulande nicht schon lange
    >> implizit über einen gewissen Kulturpessimismus und eine
    >> diffuse Technikskepsis?

    hat sie mal – sie wurde dann mitte der 80er durch eine generation ersetzt, die kleine kisten mit angeschlossenen kassettenrecordern (datenspeicher) und fernseher als monitore betrieb und sich eigentlich eher auf robert anton wilsons “cosmic trigger” einigen konnte als auf den – im grunde naziverseuchten – teutonischen pessimismus ;-)

    der optimismus derer, die sich in den 70ern entweder noch einen zum besseren modifizierten planeten oder aber das wortwörtliche ende der welt vorstellen konnten oder mussten, wurde allerdings in den 80ern/90ern von äußerst konsumistisch gestimmten generationen “überholt”.

    die und deren nachfolger, die ewig nach der noch besseren variante eines produktes such und sich über diese definiert, zynisch und gelangweilt bis in die knochen, diese generation meint spitzer … und auch wenn er hier als buhmann abgefertigt werden soll – wenn man sich an eine publizistik erinnert, die in allem, was sie nicht verstand, zwanghaft “terroristensympathisanten” ausmachen musste – so unrecht hat er nicht.

    nur weil er “altvordern” rüberkommt und dinge propagiert, die “unzeitgemäß” sind, ihn direkt in die “reaktionäre” ecke zu stecken ist mir zu simpel.

    ich habe mit einem ti 99 4/a angefangen, monate in das umdefinieren des ascii zeichensatzes investiert, um eine grafik zu erzeugen … aber, hoppla – ich habe kein handy, kein facebook und all das, wovon der “moderne mensch” denkt, man müsse das haben.

    mir sind echte leute lieber als facebook freunde … und ich alpträume jeden tag von dem, was jetzt kommt: die google brille und das versinken der menschen in virtuell verstärkte wirklichkeiten.

    aber hey, macht euch nix draus, wir sterben irgendwann aus und gehen euch dann nicht mehr auf den wecker mit unseren ewigen nörgeleien über generationen, die den hedonismus, den leary mal gepredigt hat, ein bißchen mißzuverstehen scheinen.

    grummel …

  11. marco tullney |  03.09.2012 | 22:26 | permalink  

    Früher war alles besser, sagst du gleich selber, kann mich nicht erinnern, dass die Bücher mal besser waren. Erstens ist es Käse, diese Bücher in eine Reihe zu stellen und 2. gibt es Dutzende Bücher dieser Art jedes Jahr, nicht alle kommen in die Bestseller-Listen.

  12. hardy |  03.09.2012 | 22:52 | permalink  

    >> marco

    ich hoffe mal, du meinst nicht mich, marco – weil ich finde “früher” war echt sch###e.

    leute, die über die straße riefen “beim adolf hätten sie so was wie dich vergast”, sie haben dich nicht lehrer werden lassen, weil du mal auf einer anti-npd demo mit bist, die von “kommunisten” veranstaltet wurde etc etc etc.

    früher war einfach “ernster”.

    lustfeindlicher. ideologischer. entspannt hat sich das erst, als guildo horn den grand prix sang (halte ich immer noch für einen “knackpunkt”)

    heute ist “lustig” und da sind so “spaßverderber” wie spitzer einfach iBäh!

    dabei ist – was spitzer betrifft – die sache im grunde einfach: sender/empfänger modell. die, die sich von ihm “angegriffen” oder “unverstanden” fühlen, sind gar nicht die adressaten seines buch-rants. die, die sich über ihn aufregen, sind die, die (hoffentlich) intelligent genug sind, ihren internetkonsum selbst zu zügeln, nicht jede dummheit, die als allumfassende mode daher kommt, mitmachen, menschen statt facebookfreunde kennen.

    die “dummen”, die die jeden sch#### mitmachen, weil das alle machen, es “geil” ist und man “ohne handy ja gar nicht mehr kann”, die ihre kinder an computern herumdaddeln lassen, weil sie zu faul sind, sich um sie zu kümmern, die blauäugig jedem heislversprechen folgen – weil die reklame ja nicht lügt: das sind die adressaten.

    die waren auch die adressaten des buches von neil postman, über das ich mich damals fürchterlich aufgeregt habe, weil ich dachte, er meint mich. kann er aber gar nicht, weil ich mir jede woche eine tv-zeitung kaufe und ankreuze, was ich sehen will. im nachhinein hatte postman _recht_.

    ich habe übrigens 3 erwachsene töchter. die gehen _jetzt_ mit computern um, früher haben sie mit ihren freunden gespielt (oder mit mir “buffy” geguckt). aber an computern hatten sie _glücklicherweise_ kein interesse.

    ich denke, das ist so ähnlich wie mit dem kiffen: die woche lief durch die medien, daß kiffen blöd macht. DER BEWEIS.

    blöd nur: es macht menschen blöd, wenn sie damit anfangen, wenn sie “jugendlich” sind – wenn du also, sagen wir einmal – mit 23 damit angefangen hast, sollten sich die schäden im rahmen halten.

    aber vielleicht hast du mich ja gar nicht gemeint, aber dann bitte das nächste mal adressieren, wen du meinst ;-)

  13. frank krings |  03.09.2012 | 23:05 | permalink  

    in die reihe gehören auch noch die “gebt uns die d-mark”-werke. und buebs “lob der disziplin” – war in den talkshows auch ein renner. alles gnadenlose komplexitäts-reduzierer.

  14. Amigo Seure |  03.09.2012 | 23:55 | permalink  

    Der deutsche Buchmarkt ist weder reaktionär noch das Gegenteil. Er ist so vielseitig, dass jede politische, weltanschauliche oder religiöse Richtung vertreten ist.

  15. hardy |  04.09.2012 | 00:37 | permalink  

    amigo,

    das war jetzt gemein: da hat der autor so einen schönen drohenden tornado konstruiert und du sagst: “kommt raus aus den löchern, hier draussen scheint die sonne”. ts ts ts. spaßverderber!

    ansonsten: 100% zustimmung …

  16. Mephisto966 |  04.09.2012 | 00:44 | permalink  

    Wenn Modernisierung mit Volksverdummung auf allen Wellenlängen ist, dann bin ich gerne mit ein Modernisierungsverlierer und mit mir noch einige zigmillionen Deutsche. Die Bildungsbürger haben es satt mit Plattitüden aller Art gefüttert zu werden, die dann einen dünnen aber nicht haltbaren “revolutionären Anstrich” bekommen und sie erfolglos hinter den Bildungsöfen hervorlocken sollen.
    Es ist in Ordnung, wenn solche Bücher geschrieben, verlegt und auch sehr zahlreich verkauft werden, das sollte die allzu leichtgläubigen Politiker/inne/n in ihren Wahn aufrütteln und ihnen den Hohlspiegel vorhalten, in dem sie sich allzu lange geaalt haben.
    Ist es eine “kulturpessimistische Dauerklage” wenn heute 14-16 Jährige die Werte ihrer Uromas und Uropas entdecken? Ist es so verkehrt, wenn es in unseren ratlosen und wertefreien Zeiten auf Altbewährtes zurückgegriffen wird? Altbewährtes, welche ein Deutschland aus den Trümmern hervorgebracht hat, das auf Jahrzente die zur Recht erwiesenen Anerkennung und Bewunderung bescherten, im Gegensatz zu den Wirbeln, die das Land – in dem Strudel aus den Fugen geratener Wirtschaftsystemen und nicht funktionierenden Verwaltungsvereinheitlichungen gerutscht – herumwirbeln? Seit etwa 4,5 Jahrzenten irrt das Land eigentlich führungslos herum, einige Seher zeigen zumindest die Eckpunkte dieser Irrwege auf, die Bildungsbürger freuen sich darüber und lüften den Schleier so vieler Irrglauben von ihren Augen – wohl einem Land, einer Gesellschaft, welche solche Mahner und solchen wachen Geister noch hat.
    Häme gegenüber diese Autoren, ihren Büchern und vor allem aber deren Konsummenten ist weder richtig, noch angebracht. Sie sollten sich darum kümmern, daß die Umstände, die zu der Entstehung solcher Bücher führe abgestellt, wenn nicht, dann wenigstens abgemildert werden. Ohne “basching”.

  17. Mephisto966 |  04.09.2012 | 00:54 | permalink  

    Karl Valentin die ewige Ehre erweisend zitiere ich ihn gerne:

    „Früher war die Zukunft auch besser.“
    „Heute ist die gute, alte Zeit von morgen.“

    So fähig in seine Zukunftserspähung, so passend seine Äußerungen – jederzeit.

  18. hardy |  04.09.2012 | 01:53 | permalink  

    mephisto,

    etwas essig in deinen wein:

    ich liebe ja diese wunderbare formulierung “Altbewährtes, welche ein Deutschland aus den Trümmern hervorgebracht hat”. ich würde mal sagen, ähnlich gepolte hetzer wie sarrazyn haben deutschland zuerst mal in diese trummer gebracht, indem sie dazu beitrugen, daß eine bevölkerungsschicht mit bausch und bogen stigmatisiert, verfolgt und letztlich vernichtet wurden.

    daß er jetzt dem mob eine stimme gibt, muss man nicht als bereicherung empfinden. bereichert haben sich daran vor allem der autor, der spiegel und die BLÖD. und, äh, die haben das nicht gemacht, um “alte werte” wiederherzustellen, die wollten einfach mit dem schäbigsten dreck kasse machen, zynische mittäter, die dann am rand stehen und “haltet den dieb” plärren.

    der höhler sehe ich das nach,

    sie bringt ja tatsächlich ein existierendes unwohlsein über die frage, was die kanzleröse eigentlich treibt, zum ausdruck und ich fand die frage, ob wir _wissen_, daß die merkelsche überhaupt eine demokratin ist, gar nicht mal soooo unangebracht. sie hat natürlich die größe hassgemeinde, weil die merkelsche gerade regiert und die schleimbeutel & die taschenträger es halt nicht mögen, wenn das kind “die alte ist doch nackisch” plärrt.

    spitzer und höhler wird ja gerne der vorwurf gemacht, sie machten das alles nur, um aufmerksamkeit und ergo daraus resultierend die schäbige penunze einzukassieren. wird vor allem und nur zu gerne von denen erhoben, die selbst _nicht_ an die schäbige penunze kommen.

    sarrazyn ist ja nicht satisfaktionsfähig und bueb nur halb so schlimm wie das, was in sog. “boot camps” oder “triple t” propagiert wird – ich bin mit einer erzieherin verheiratet und habe mehrere jahre auf einem hof gelebt, einer “last frontier” für hardcore-kiddies. wenn ich bueb auf die beziehe, ist er harmlos und seine anregungen approbat. für meine kids allerdings ein absolutes “no go”.

    bei spitzer denke ich, handelt es sich um ein großes mißverständnis und ein noch größeres trara von leuten, die sich zu unrecht angegriffen fühlen – und so den eigentlichen vorwurf nicht mitbekommen: eltern lassen ihre kinder verdummen – weil sie selbst zu faul sind, sich darum zu kümmern, daß sie die “werte” lernen.

    wie denn auch, sie haben sie ja selbst in den 80er/90ern in den nachmittäglichen talkshows verlernt – sie geben nur weiter. da fühle ich mich einfach nicht angegriffen und er artikuliert nur meine eigenen erfahrungen (stichwort: patchwork-family …) – ich denke nicht, daß eine “sozialisierung” via ballerspiele oder facebook das ist, was ich mir vorstelle. aber wir leben ja in der “schönen neuen welt” und keiner mag die “spaßverderber”.

    es mag aber auch keiner die, die dann den dreck wegräumen müssen, vor allem die “wohlmeinenden”, deren kinder ja angeblich nie in so was landen würden.

    ach ja: auch bei valentin, essig: liesl karlstadthat ihn glücklicherweise ertragen.

  19. Rabauk |  04.09.2012 | 08:51 | permalink  

    Die Dekadenz einer Gesellschaft spiegelt sich auch in der Literatur wieder. Und zwar in jedem Themenbereich. Ich habe gezielt danach gesucht und kann deswegen diesen Kommentar hier schreiben. ;-)

  20. Herr Neumann |  04.09.2012 | 09:17 | permalink  

    Es besteht hier doch (noch?) eine gewisse Meinungsfreiheit. Warum wird im Rahmen der sog. politischen Korrektheit alles an Meinungen was sich rechts von der politischen Mitte befindet als Reaktionär, Ewiggestrig oder gar Nationalsoziallistisch dargestellt? Wenn früher alles ach so schlecht war müßte es “uns” ja jetzt blendend gehen.
    Herr Michael, wollen Sie jetzt Bücher verbieten oder gar verbrennen?
    Und was kommt danach? Genau, dann werden IHRE Ansichten überflüssig und nicht mehr publiziert!

  21. Wolfgang Michal |  04.09.2012 | 09:35 | permalink  

    Das Buchmarkt-Talkshow-Kartell hat Schlagseite, Herr Neumann. Das wird man in Deutschland doch wohl noch sagen dürfen ;-)

  22. ZDF log in: Manfred Spitzer, Jimmy Schulz und icke | Spreeblick |  04.09.2012 | 09:36 | permalink  

    [...] „Wenn Spitzer Studien zitiert“.UPDATE Prof. Dr. Heinz Moser zu Spitzers Buch.„Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, m…Positionen ReflexionenJohnny Haeusler | 30.08.2012 um 01:15 Links: Johnny. Rechts: Jimmy. Nicht im [...]

  23. CM |  04.09.2012 | 09:42 | permalink  

    Das hier beschriebene Phänomen ist nicht wirklich neu. Schon 2006 hat Chrsitian Rickens diese “Neuen Spießer” aus (neo)liberaler Sicht kritisiert: http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/buch.php?id=11173&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz&PHPSESSID=0ef5a0cfd8d991b090455055e6cd25d2

  24. nachdenker |  04.09.2012 | 11:20 | permalink  

    Nunja, im Falle von Spitzer würde ich widersprechen. Ich habe zwar sein aktuelles Buch nicht gelesen, dafür einige seiner Vorträge auf DVD oder auf youtube gesehen. Sie lohnen sich, und wie recht er hat, was die Erziehung/Begleitung von Kindern angeht, haben mir auch Pädagogen bestätigt. Er denkt sich die Studien, die er zitiert, ja nicht aus. Es gibt sie, der negative Einfluss diverser Medien auf die Heranwachsenden ist nachweisbar. Wer sind wir denn, dem zu widersprechen? Es gab diesen Zustand in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nicht, dass wir einer so gewaltigen Flut von Informationen ausgesetzt sind, die auf so verschiedene Art und Weise an uns herangetragen werden. Wir lernen auch weiterhin nicht, damit richtig umzugehen. Manchmal ist weniger eben doch mehr, und Fortschritt ist nicht gleichzusetzen mit “guter Weg”. Warum sollte man nicht Entwicklungen kritisieren, die man für falsch hält und es teilweise auch noch belegen kann. Mir will nicht einleuchten, warum “rückwärtsgewand” gleichbedeutend mit ewiggestrig oder schlecht sein soll. Es muss doch nicht alles gut sein, nur weil es neu und anders ist als früher. Lehrt nicht unsere Geschichte, dass sich gewisse Dinge immer wieder durchsetzen, auch wenn man sie unterdrückt? Freiheitswille, Demokratie…wie oft wurden die in Frage gestellt bzw. wurden von “oben” herab bekämpft…
    Wir brauchen viel mehr eine breite gesellschaftliche Diskussion wo wir als Menschheit hin wollen, da sind Philosophen gefragt, die viel zu wenig eingebunden werden. Warum spielen sie in der Ökonomie keine Rolle? Gerade die Ökonomie, die alles bestimmende Wissenschaft, soll man denen alles überlassen? Im blinden Fortschrittsglauben? Sollten wir nicht dankbar sein über die, die da mahnen und sagen: Heh Leute, da und dort entwickelt sich gerade etwas in die falsche Richtung. Klar gibt es da ach solche Vollpfosten wie Sarrazin, aber die muss man aushalten und gut ist.
    Fazit: Es greift zu kurz einfach die, die sagen, dass früher dies und das eben doch besser war, als ewiggestrig zu betiteln.

  25. Wolfgang Michal |  04.09.2012 | 12:20 | permalink  

    “Digitale Demenz” – “Klicken wir uns das Gehirn weg?”
    Klingt das für Sie nach wissenschaftlichen Studien oder eher nach diffusem kulturellem Unbehagen?
    Die heute 1 oder 2 Millionen Demenzkranken sind ja alle ohne Computer und Internet aufgewachsen.
    Und morgen kommt dann einer und sagt: Straßen abschaffen. Wir sollten unsere Pfade wieder selbst mit der Machete freischlagen müssen – sonst verlieren wir unsere Orientierungsfähigkeiten…

  26. Matthias Ulmer |  04.09.2012 | 12:52 | permalink  

    Wenn drei Bücher von rund 2 Mio lieferbaren deutschen Titeln für Sie ein Zeichen für eine Rechtslastigkeit des Buchmarktes sind, dann haben SIe vermutlich ein Problem mit Ihrer selektiven Wahrnehmung.
    Wenn diese drei Titel Bestseller sind, dann ist das auch kein Indikator für eine Geisteshaltung des Marktes (absurder Gedanke), sondern ein Indikator für die Interessen der Käufer. Machen Sie für die aber nicht den Buchmarkt oder die Verlage verantwortlich.
    Drehen wir die Argumentation doch einmal um und fragen, was eigentlich Ihr Problem mit Spitzer ist. Finden Sie das Buch wichtig aber nicht ausreichend wissenschaftlich?
    Oder fühlen Sie sich bedroht davon, dass einer mal nicht in die Hurra-Euphorie der Internet-Gläubigkeit einstimmt? Dass einer mal nicht noch mehr Computer vom Kindergarten bis ins Altersheim fordert? Dass einer mal nicht das digitale Schulbuch, das digitale Kinderbuch, das digitale Lehrbuch, die online Plebiszite, die digitalen Klassenräume, das E-Learning, die E-Papers ach man kann den Sermon endlos schreiben… Haben Sie Sorge, die unglaublichen Geldberge, die von EU, Bundesregierung, DFG, MPI und anderen über dem ganzen Digitalen ausgeschüttet werden könnten versiegen? Oder es könnte jemand etwas davon auf Kitaplätze, Bildung oder Wohnraum umlenken?
    Haben Sie das Gefühl, dass Google, Amazon, Apple, Samsung und Co. dringend mehr Raum in den Nachrichten, in den Zeitungen, in den Sitzungen der Politik, bei der Lobbyarbeit usw. bekommen sollten?

  27. flavo |  04.09.2012 | 14:09 | permalink  

    Nicht minder jämmerlich ist der Vergleich von Sarrazin mit Spitzer. Manfred Spitzer ist ein seriöser Wissenschaftler. Sarrazin ist, ich weiß es nicht. Wie bei allem, gilt auch bei den Elektrogadgets ein Weg der Mitte als sinnvoll. Und die Lerntheorien, die Spitzer implizit einbaut, müssen erstmal durch andere widerlegt werden. Und Spitzer hat ja keineswegs alles angesprochen was der Switch von Facetoface zu Interface bedeutet. Seriöserweise kann man nicht alles wegklicken, wie am Touchscreen.

  28. Falk D. (Top-Kommentator) |  04.09.2012 | 14:17 | permalink  

    Außer der Pflicht-Lektüre und dreier Formelsammlungen im Studium habe ich in den vergangenen 20 Jahren kein Buch gekauft und sehe nicht, warum sich das ändern sollte.

  29. Harald Hinnerwisch |  04.09.2012 | 14:50 | permalink  

    Herr Michal zieht dort eine politische Frontlinie, wo es keine gibt.
    Weder Thilo Sarrazin noch Gertrud Höhler sind reaktionär (Herrn Spitzer kenne ich nicht).
    Thilo Sarrazin hat u. a. ein Problem aufgegriffen, das von den herrschenden Eliten gerne ignoriert wird: die gescheiterte Integration von Zuwanderern aus kulturell stark abweichend geprägten Ländern. Reaktionär sind nähmlich viele dieser Zuwanderer, was in einer säkularen Leistungsgesellschaft wie der deutschen Gesellschaft zu den bekannten Problemen (ein ausgeprägter islamischer Fundamentalismus und Antisemitismus sowie allgemeine Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft) geführt hat und wohl leider noch führen wird. Man sollte sich zudem die Leute genau ansehen, die ständig noch mehr Zuwanderung fordern. Dies sind schon lange nicht mehr nur politisch linke Gruppen, sondern ebenso konservative Unternehmer, die sich davon entsprechende Vorteile erhoffen (niedrige Löhne durch ein Überangebot an Arbeitskräften sowie das wohlwollen der Kundschaft in den ausländischen Kulturkreisen der Zuwanderer).
    Zu dem Buch von Gertrud Höhler ist zu sagen, dass Sie mit ihrer Kritik an der Politik von Frau Merkel recht hat. Die gegenwärtige Politik verschärft unsere Probleme, anstatt sie zu lösen. Die Abgeordneten werden zu Abnickern degradiert weil Merkels Politik ja schließlich “alternativlos” ist. Welcher noch so überzeugte “Europa-Eiferer” findet es demokratisch, wenn ein “Gouverneursrat” ohne jede Einspruchmöglichkeit unbegrenzte Milliardenbeträge von D anfordern kann?

  30. Freeflight |  04.09.2012 | 15:13 | permalink  

    @flavo
    Wir leben anscheinend in unterschiedlichen Realitäten, ich kann nämlich keinerlei wissenschaftliche Seriosität erkennen. Zumindest nicht bei Forderungen wie “Gewaltsteuer auf Medien” bzw. der Forderung das man in Zukunft doch Gentests nutzen sollte um zu bestimmen ob Kinder auf die Hauptschule oder das Gymnasium gehen sollen. Und das sind nur zwei kleine Beispiele..

    Vor allem letztere Forderung, legt einen Sarrazin Vergleich sehr nahe. In beiden Fällen führt Unwissenheit und blindes Vertrauen in Technik (Aber nur solcher die einem selbst genehm ist!) zu pauschal dämlichen Aussagen, bei denen sich jeder halbwegs gebildete Mensch nur an den Kopf langen kann.

    Aber diese Leute verkaufen sich, sind in den Medien sehr offensichtlich vertreten und von daher wird da ein Vertrauensvorschuss aus Unwissenheit gewährt. Noch dazu wird sehr oft ein extrem vereinfachtes Weltbild präsentiert in welchem die Lösungen ja so offensichtlich und einfach sind.

    In Zukunft werden einfach alle Taschenrechner mit Rechenschieber ersetzt, dann steht einer Bildungsexplosion ja nichts mehr im Weg…

  31. Matthias Ulmer |  04.09.2012 | 15:23 | permalink  

    Eigentlich hatten die Denker der Postmoderne mal festgestellt, dass rechts und links, hinten und vorne und modern und nicht als Kategorien nicht taugen. Da war man einen großen Schritt weiter. Für manche ist das natürlich ein bitterer Verlust an Orientierung. Es ist einfacher, wenn es ein richtig und falsch gibt. Und so ist jemand, der die Welt in Reaktionäre und Fortschrittsfreundliche einteilt in seiner Modernität ein zutiefst reaktionärer Mensch. Da aber die Apostel des Internet für das Internet ja wenig Argumente haben außer “finden die Leute gut”, und dieses Argument sich politisch leider schlecht ins Feld führen lässt gegen Leute, die das Internet schlecht finden, muss ein absolutes Kriterium her, eben der Fortschritt, der das Internet per se gut macht und damit Leute die es schlecht finden nicht mehr von denen differenziert, die es gut finden, sondern ganz kategorial einfach als falsch abstempelt, eben reaktionär. Dann lässt sich mit dem Schema wunderbar arbeiten, die guten hier die schlechten da und nach drei Büchern hat man auch schon den ganzen Buchmarkt, die Intellektuellen, die Verlage, die Leser ach überhaupt alle irgendwie gleich mal ins Schema eingeteilt und postet das befriedigt. Da kann man von seinem Tagwerk gut ausruhen, wenn man so schön Ordnung geschafft hat.

  32. Harald |  04.09.2012 | 16:17 | permalink  

    Die hier genannten Pamphlete drücken doch nur eins aus: die kümmerlichen Krisenbewältigungsstrategien bürgerlicher Apologeten.

    Ziel: Der alte Wein in neuen Schläuchen (s. Platons Schriftkritik) soll das Mittelstandsbürgertum von der Krise des privatwirtschaftlich agierenden Arbeits- und Produktionssystems ablenken und damit eine Art Kompensationsraum schaffen, in denen die persönliche Ohnmacht ob der oktroyierten Verhältnisse privat in schärferem Treten nach unten, gegen die eigenen Kinder oder gegen Ausländer manifestieren DARF, ja SOLL, glaubte man den drei genannten Schreibern.

    Und das ist das eigentlich Gefährliche: Eine dringend notwendige Grundsatzdiskussion über die wirtschaftliche Verfasstheit des Landes und der übrigen Welt unterbleibt, stattdessen greifen die Stumpfsinnigen wieder zu den am nächsten erreichbaren Stammtischparolen. Das ist das reaktionäre Element daran: Der diesen Machwerken zugrunde liegende Hörigkeits- und Befehlshabitus. Hierarchie und Dogma ersetzen kritisches Hinterfragen der offiziellen Krisenbewältigungsstrategien.

    Die Chance, welche die Krise in sich birgt, etwas Neues zu denken und auch einmal zu diskutieren, dürfen sich aufgeklärte Demokraten weder hier noch sonstwo von solchen Hirnverneblern nehmen lassen. Sonst geht es, und soweit man sieht, tut es das ja bisher nahezu auch, einfach so weiter, nur mit noch weiter angezogenen Daumenschrauben. Die Krise ist für die herrschende Nomenklatura die perfekte Gelegenheit, im Angesicht drohender Absatzschwächen noch die letzten sozialen Sicherheiten zu schleifen.

    Doch mittlerweile bleiben die Sprachrohre der Vermögenden nicht mehr dort stehen: Mit der Forderung, den bereits jetzt ohne nennenswerte direkte demokratische Kontrolle agierenden EU-Institutionen noch mehr Macht zu geben, wollen sie den Teufel mit Beelzebub austreiben: Hinter verschlossenen Türen sollen die Büttel des Großkapitals dann auch noch die verbliebenen urdemokratischen Entscheidungsfindungen wie die Verabschiedung des nationalen Haushalts, an die EXEKUTIVE, denn nichts anderes sind die Regierungschefs und Minister im Ministerrat/Rat.

    Eine unglaubliche Dreistigkeit, dies unter dem Deckmäntelchen einer besseren Bewältigung der Krise zu tun. Denn die dort verabschiedeten Maßnahmen wären mit Sicherheit eine Art Agenda 2010 im europäischen Maßstab.

    Fazit: Die substanzlosen Argumentationsketten der genannten Autoren sind zu entlarven, ihre gesellschaftspolitische Reaktion zu demaskieren und schließlich alternative Sichtweisen zur herrschenden Meinungsbildung in Bezug auf die Krise zu prüfen und ggfls. zu propagieren.

  33. Matthias Ulmer |  04.09.2012 | 17:53 | permalink  

    Ach Harald, wir danken Dir! Das musste doch mal gesagt sein!

  34. Amigo Seure |  04.09.2012 | 19:54 | permalink  

    Ich zitiere Sie:
    “Thilo Sarrazin (“Deutschland schafft sich ab”) will ein gesellschaftlich stubenreines Deutschland mit möglichst wenig dummen Ausländern, möglichst wenig Sozialgedöns, möglichst wenig Euro und vielen gebärfreudigen deutschen Frauen aus der Mittelschicht.”
    Was wollen Sie, Herr Michal?

  35. hardy |  04.09.2012 | 21:17 | permalink  

    [...] ein paar boshafte bemerkungen zur diskussion beim quixiot [...]

  36. Wolfgang Michal |  04.09.2012 | 21:20 | permalink  

    @amigo Seure: Ihre Phantasie beim Erfinden von Tarnnamen hätte ich gerne :-)

  37. Was so bewegt! » Blog Archive » Eine Sendung im Fernsehen, mediale Reaktionen darauf und eine Meinung |  04.09.2012 | 21:28 | permalink  

    [...] Hier wiederum geht es nicht direkt um die Sendung, sonder um „Bestsellerautoren“ der jüngeren Vergangenheit, wobei folgende abschließende Frage durchaus zum Nachdenken anregen kann: „Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, mit der Globalisierung, mit komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entscheidungsstrukturen, mit Technik und Internet, mit Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten – also mit der heutigen Welt – etwas anzufangen weiß?“ [...]

  38. Sarrazin, Höhler, Spitzer – Internet | rotstehtunsgut.de |  04.09.2012 | 21:36 | permalink  

    [...] im Grunde genommen völlig verschiedene Themen, aber Wolfgang Michal hat geradezu kongenial die Verknüpfung hergestellt: Das alte Bürgertum schlägt wild um sich. Ob Sarrazin gegen die „dummen Muslime” agitiert, ob [...]

  39. hardy |  04.09.2012 | 21:51 | permalink  

    falk,

    wenn du eine empfehlung brauchst: wie wär’s mit david van reybrouck “kongo, eine geschichte”.

    aber ich befürchte, du bildest dir zu allem überfluss ein, _nicht_ zu lesen mache einen zum “topkommentator”, denn das ist ja der kern von “dummheit” – man weiss es nicht besser.

  40. Irene |  04.09.2012 | 22:51 | permalink  

    @ Matthias Schwenk:

    Mit Deinen Thesen, Wolfgang, bin ich voll und ganz einverstanden. Nur: Was sollten Buchverlage anderes tun? Ihr Geschäft machen sie im Kern mit wenigen Bestsellern.

    Das ist kein Schicksal, das haben sich die Verlage teilweise so ausgesucht. Siehe der Beitrag von Zoe Beck: http://culturmag.de/crimemag/zoe-beck-differenziert-das-ebook-thema/56809

    Ihr Artikel liest sich wie eine Antwort an den kulturpessimistischen Artikel in der ZEIT von letzter Woche – da ging es um den Teufel Amazon, der die guten ehrwürdigen Verlage unter Druck setzt (der Zeit-Artikel ist in meinem Blog verlinkt).

  41. Falk D. |  04.09.2012 | 23:06 | permalink  

    @hardy: Danke, aber die Selbstverliebtheit eines van Reybrouck, ist schon in den Auszügen völlig ausreichend für weitere zwanzig buchlose Jahre.

  42. hardy |  04.09.2012 | 23:14 | permalink  

    Falk,

    sselbstverliebt sind immer nur die anderen ;-)

  43. Zufallszahl 235 711 |  04.09.2012 | 23:46 | permalink  

    @36: Im Gegensatz zu Ihnen, sehr geschätzter Herr Michal, verdiene ich mein Geld nicht mit Schreiben, so dass ich meinen Namen nicht zu einer Marke machen muss. Ich äußere lediglich meine unmaßgebliche Meinung oder stelle eine Frage wie in Kommentar Nr. 34, die Sie beantworten können oder eben nicht.
    Vielleicht sollte man Kommentare nur fortlaufend nummerieren oder mit einer Zufallszahl versehen, damit die (guten oder schlechten) Argumente wieder in den Vordergrund treten. Auch bei Kommentatoren (egal ob mit Klarnamen oder unter Pseudonym) gibt es zu viele, die sich einen Namen machen wollen.
    Auf Carta kommentieren die wenigsten unter ihrem richtigen Namen, selbst die Vornamen klingen oft erfunden, z.B. DJ, Amigo, Mephisto, Rabauk, Herr, CM, nachdenker, flavo oder Freeflight.
    Die E-Mail-Adresse sollte stimmen, meine ich. Manche Blogs schalten (automatisiert) Kommentare nur frei, wenn eine Rückmeldung per gültiger E-Mail erfolgt.

  44. Florian Müller |  05.09.2012 | 00:01 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Haben Sie alle drei Bücher vollständig gelesen?

  45. Wolfgang Michal |  05.09.2012 | 00:10 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Zufallszahl 235711,
    ich muss keine Marke sein oder werden, das karge Dasein als Autor reicht mir völlig. Meines Erachtens kann man in einer Demokratie durchaus unter seinem richtigen Namen schreiben, ich setze dabei aber auf Freiwilligkeit (und hin und wieder auf die leise Drohung, dass Anonymschreiber mit Sicherheit in die Hölle kommen). Dass ich den Menschen, die anonym bleiben, manchmal nicht ganz so ernsthaft antworte, bitte ich Sie mir nachzusehen.
    Ihren letzten Absatz finde ich bedenkenswert (das würde aber ein permanentes Nachprüfen von email-Adressen voraussetzen).

    Kommen wir aber auf die Troika Sarrazin-Höhler-Spitzer zurück. Mir geht es um das Bestseller-Talkshow-Kartell, das eine kulturelle Hegemonie unter unserem Niveau anstrebt. Sascha Lobo hat dazu heute auf Spiegel Online sehr viel Richtiges geschrieben. Die Lost Generation ist nämlich die Offline-Generation. Aus diesen Gründen kann ich ihre Frage auch nicht so plakativ beantworten, wie Sie es möglicherweise gerne hätten. Gucken bzw. googeln Sie einfach, was ich sonst noch so schreibe.

  46. hardy |  05.09.2012 | 00:24 | permalink  

    werter amigo,

    >> zu viele, die sich einen Namen machen wollen.

    wenn ich ein klitzekleines bißchen “ausholen” darf:

    also, ich habe einen namen und den schon ganz lange.

    ganz zu anfang (in den frühen 90ern) habe ich ihn, naiv oder optimistisch wie ich nun mal bin, auch vollständig ausgeschrieben. da gab es noch kein google, das bka hatte noch keine ahnung, was im netz lief und es gab auch noch nicht die boshafte tendenz, “profile” von menschen zu erstellen und damit geld zu verdienen..

    irgendwann (nach der einführung von google) bin ich dazu übergegangen, ihn zu verschweigen und habe nur noch unter “pseudonym” geschrieben.

    heute, nach der einführung von facebook, nenne ich ihn wieder zur hälfte, weil ich denke, daß in einer welt, in der alle naggisch herumlaufen, es nicht so schlimm sein kann, den nackten oberkörper zu zeigen.

    über die frage, warum wir posten, habe ich ja gerade (link oben) mal wieder einen meiner üblichen rants verfasst:

    wir wollen einfach nur ein einziges mal RECHT HABEN.

    ich verstehe aber dieses “einen namen machen wollen” durchaus – weiss jetzt aber nicht, wie es dir damit geht. ich jedenfalls verstehe, daß das die “regeln des spiels” sind: du wirst nur wirklich ernst genommen, wenn jemand nachgucken kann, was du für einer bist.

    mir ist das ja im grunde – ich gehöre zu einer generation, die den oberlehrer im kopf hat, der einen ständig belehrt, daß das, was man tut, furchtbar peinlich ist – unangenehm mich selbst zu verlinken. nur, äh, wenn ich es nicht tue, werde ich nicht gehört. ich muss also etwas tun, was mir zutiefst widerstrebt.

    ich finde also, so sehr ich deiner wortmeldung unter 14 zustimme, deinen letzten beitrag etwas “kapriziös” – es ist deinem ärger eine so blöde antwort wie die nr 36 zu bekommen geschuldet und okay.

    aber: und das ist jetzt mein einwand – was wir hier erleben ist jenseits des von mir beklagten, indifferenten und zum teil absolut sinnentleerten herdentriebs ein verteilungskampf um aufmerksamkeit.

    du schreibst auch, weil du willst, daß man dir und deiner meinung aufmerksamkeit schenkt. wie wolfgang michal. er hat sich halt ein thema durch die kombination von konsensuellen allgemeinplätzen zusammengeschraubt und profitiert nun von der aufmerksamkeit, die ihm ein gerade populäres strittiges thema beschert.

    das ist natürlich ein bißchen “abstauben” und die these, die michal aufstellt ist so was von hirnrissig, daß ich mich beömmeln könnte – aber, äh, es funktioniert. kein schwein ist daran interessiert, sich mit dem, was ggfl. an brauchbaren sachen in spitzers – ebenso aufmerksamkeitsgeilen – buch stehen könnte, auseinanderzusetzen.

    “wir”, die netzgemeinde sind erbost, daß der kerl es wagt, “uns” für “dumm” zu erklären: kreuzigt ihn! der rest ist herdentrieb, alle laufen in die selbe richtung – wie die lemminge.

    aber, daß es hier um aufmerksamkeit geht … sorry, das ist banal. es geht allen um aufmerksamkeit, simple sache, auch dir.

    worum es leider nicht geht: die versprochene vielfalt des internets dadurch im leben zu füllen, daß man dinge schreibt, die die “anderen” nicht erwartet haben. das hast du in 14. getan und ich fühlte mich “bereichert”.

    vieles vom rest ist nur der versuch, seine position in der hierarchie des affenclans und damit die röte des eigenen #####s zu beweisen, indem man zustimmend an dem des anderen leckt (ich nenne keine nummer).

    also, wenn das nicht die von spitze beklagte dummheit ist, und wenn das irgendwie zu irgendetwas “nutze” sein soll, dann bin ich von einem anderen planeten und der hier wird ausschließlich von einer horde kreischender schimpansen bewohnt.

    sorry für die länge, aber ich hoffe doch, etwas _unerwartetes_ gesagt zu haben ;-)

  47. hardy |  05.09.2012 | 00:32 | permalink  

    wolfgang,

    sorry, ich habe deinen beitrag erst gelesen, nachdem ich amigo geantwortet habe.

    denk bitte mal darüber nach, ob es sinnvoll ist, sacha lobo und den spiegel als beweis deiner these zu nutzen. für mich gehört lobo nicht zu den leuten, bei denen ich mir meine meinung abhole. er ist ein snob und verwechselt sich selbst mit “der” netzgemeinde. ich habe keine ahnung was das sein soll, aber wahrscheinlich ist das der uniforme mob, der spaß daran hat, sich in einem virtuellen “wir” zu suhlen, dessen könig er ist. das ist, äh, putzig.

    ansonsten: jeder beitrag, den jemand hier auf deine hahnebüchene these schreibt, erhöht die aufmerksamkeit, die man deinem beitrag schenkt, der – da klage mal jemand über die indifferenz spitzers! – vor vereinfachungen nur so strotzt, weil du äpfel und birnen vermischst. aber: chapeau, du triffst den nerv der auf teeren und federn geeichten gemeinde …

  48. hardy |  05.09.2012 | 00:59 | permalink  

    nachtrag:

    zur “erleuchtung” verweise ich mal auf die doku “heitschi bumm beidschi”, die anschaulich zeigt, in was für einem land wir _immer noch_ leben. daran hat sich seit den 60ern nichts geändert.

    wie da jetzt plötzlich etwas “geworden” sein soll, was schon immer so war, weil wir nun mal so sind, verstehe ich nicht wirklich.

  49. Wolfgang Michal |  05.09.2012 | 11:09 | permalink  

    @hardy: Du solltest mehr schlafen!

  50. Aktuelles 5. September 2012 — neunetz.com |  05.09.2012 | 12:52 | permalink  

    [...] Sarrazin, Höhler, Spitzer: Ist der deutsche Buchmarkt reaktionär geworden? — CARTA “Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, mit der Globalisierung, mit komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entscheidungsstrukturen, mit Technik und Internet, mit Bildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten – also mit der heutigen Welt – etwas anzufangen weiß?” Gute Frage. [...]

  51. Gabriele Lorenz-Schayer |  05.09.2012 | 15:57 | permalink  

    Ich habe keines der 3 Bücher gelesen; man sollte aber zur Kenntnis nehmen, dass sie offenbar einen Nerv treffen; interessanter ist doch: was uns das als Gesellschaft sagen soll? Die Themenfelder der Autoren beschäftigen viele Menschen, die zunehmend beunruhigt und desorientiert sind. Das zu bewerten, masse ich mir nicht an – es sei denn es ist extremistisch. Ich kann nur entscheiden: kaufen/ lesen – ja oder nein. Es zu ignorieren, ist fatal, denn ob es mir “schmeckt” oder nicht – auch das ist Teil unserer Demokratie und Gesellschaft , die offenbar nicht mehr so genau weiss: wo gehöre ich hin und was macht Sinn. Und auf Ihre Frage, wo der Teil des Bildungsbürgertums geblieben ist, die mit der “heutigen Welt” etwas anzufangen weiss, fällt mir nur ein: Arbeiten bis zum Umfallen, um den Arbeitsplatz und gesichertes Einkommen kämpfen, Baby- und/oder Pflegefall-Windeln wechseln, Single-Börsen abgrasen, Netzwerken, Schulprobleme bewältigen, Simsen, schrubben etc. etc.

  52. Wolfgang Michal |  05.09.2012 | 18:07 | permalink  

    @Gabriele Lorenz-Schayer: Ist es wirklich so, dass der modernere Teil des Bürgertums so sehr mit Beruf, Familie, Überleben beschäftigt ist, dass er sich nicht mit eigenen Bestsellern zu Politik und Gesellschaft zu Wort melden kann? Oder dringen deren Themen einfach nicht durch bei den Verlagen und Talkshowredaktionen?
    Sicher ist aber richtig, dass der rückwärtsgewandte Teil des Bürgertums vor allem deshalb so viel Zeit für seine Bestseller hat, weil er sehr großzügig mit Steuergeldern (Professoren! Bundesbanker!) alimentiert wird.
    Ist kein Vorwurf, muss man nur sehen.

  53. Matthias Ulmer |  05.09.2012 | 18:26 | permalink  

    Goot im Himmel, Herr Michal, Ihr Beitrag war ja schon eine wilde Ansammlung von skurrilen Aussagen. Aber müssen Sie das nach der vielseitigen und differenzierten Kommentierung, die im Tenor aber wenige gute Haare an Ihren Aussagen gelassen hat jetzt immer schlimmer machen? Der moderne Teil des Bürgertums? Die Themen des modernen Teil des Bürgertums dringen bei Verlagen und Talkshowredaktionen nicht durch? Der rückwärtsgewandte Teil des Bürgertums wird großzügig mit Steuergeldern alimentiert? Welche wilde Behauptung aus ihrem dichotomen Weltbild kommt als nächstes?

  54. hardy |  05.09.2012 | 18:57 | permalink  

    wolfgang,

    old-school programmierer arbeiten nachts …

  55. Art Vanderley |  05.09.2012 | 19:54 | permalink  

    “und die Buchverlage, die einmal für Fortschritt und Moderne und Aufbruch und Öffnung standen, schenken diesen gedanklichen „Modernisierungsverlierern“ außerordentlich viel Raum und Aufmerksamkeit”

    Hat auch viel mit den Reaktionen auf diese Bücher in vielen Medienbereichen zu tun.

    Der Buchmarkt gibt schon auch andere Stimmen her , den servilen Hype in Presse und TV gibt es aber immer nur um jene Inhalte , die dem rechtskonservativem Spektrum zugerechnet werden können.
    Lassen Leute wie Bueb oder Sarrazin einen fahren , haben sie sofort einen Rattenschwanz sabbernder Journalisten im Schlepptau , seriöse Stimmen aber werden gezielt ignoriert.
    Es wird immer mal wieder über den Niveauverfall des deutschen Buchmarkts diskutiert und sicherlich ist da auch was dran , aber mit der Einseitigkeit der übrigen Medienbereiche, Ausnahme Internet, können sie nicht “mithalten”.

  56. Wolfgang Michal |  06.09.2012 | 00:49 | permalink  

    @hardy: Stimmt, hatte ich vergessen :-)

  57. hardy |  06.09.2012 | 02:57 | permalink  

    wolfgang,

    ich gebe auch immer so antworten, wenn ich nicht auf das eingehen will, was eingewandt wird. mißachte trotzdem den tipp mit “heidschi …” nicht: wenn man das gesehen hat, versteht man (ich zumindest nach gut 40 jahren, in denen ich das was erzählt wird, nie in diesem kontext gesehen habe), was im grunde in diesem land (immer noch) schief läuft:

    damals wie heute sitzen bei uns in den vorstandsetagen der medien (incl. ÖRs) leute, die sich im kern nie so recht vom nazitum entfernt haben. nicht weil sie “nazis” wären, sie haben bloß einfach nicht bemerkt, daß ihr treiben von einem streben nach “exklusion” und dem fernhalten von “rassefremdem” (wie rock’n'roll) geprägt ist.

    wenn dann so etwas wie sarrazyn auf “den deutschen” prallt, versteht der bis heute nicht, warum das “nazistoff” pur ist und warum es (hoffentlich) “unsereins” bei so was nur noch gruselt.

    das ist ein _strukturelles_ problem und nicht eines eines offen zur schau getragenen “reaktionären” denkens: heute ist man nicht mehr “reaktionär”, alles ist seit ca 8 jahren so kuschelig weich, daß es eh keine unterschiede mehr macht, lechts und rinks haben die bedeutung verloren.

    “böse” sind in dieser gesellschaft nur noch die “spaßverderber” – und das ist der kern meiner kritik: du heulst in dieser indifferenz mit den wölfen – ohne das zu beabsichtigen – weil du die indifferenz nur noch mit dieser – sorry – hirnrissigen liste vergrößerst.

    man sollte in jedem der drei fälle sagen können, was einem konkret gegen die hutschnur geht und nicht so ein faß aufmachen, in dem für alle halt was drin ist.

    ich kann für mich jedenfalls – ausser bei sarrazyn, den ich für ein ausgemachtes …… halte – in den beiden übrigen büchern spuren von dingen ausmachen, über die ich bereit bin, _nachzudenken_.

    aber “nachdenken” ist keine “tugend” in einer zeit, in der man nach 3 sekunden eine meinung haben und diese (zwanghaft) posten muss. ich verstehe den mechanismus, ich verstehe den druck, aber ich bin nicht bereit, von thema zu thema zu hoppen, bevor ich es _verstanden_ habe.

    ich denke also immer noch drüber nach …

  58. hardy |  06.09.2012 | 04:02 | permalink  

    kleiner nachtrag: ich finde übrigens, daß das buch von frau müller-münch “die geprügelte generation” mehr aufmerksamkeit verdient als “die digitale demenz” und beim verständnis dessen, warum dieses land so tickt, wie es tickt, erheblich hilfreicher ist …

  59. hardy |  06.09.2012 | 06:46 | permalink  

    das laute nachdenken der letzten tage habe ich unter “macht uns das internet eigentlich schlauer?” gepackt.

  60. Kunterbunte Blogger-Welt: Tollwut, Demokratie & Nussrisotto | Jeden Tag ein Tipp |  07.09.2012 | 11:07 | permalink  

    [...] Buch Blog: Die Kiste der Beziehung: gelesen von Annette Frier & Christoph Maria Herbst Bücher über alles: Verachtung des Trends buecher.de: Buchtipp: Roger Willemsen – Momentum CARTA: Sarrazin, Höhler, Spitzer: Ist der deutsche Buchmarkt reaktionär geworden? [...]

  61. Bernie |  09.09.2012 | 13:24 | permalink  

    @Herr Wolfgang Michal

    Sie schreiben:

    “[...]Sarrazin, Höhler, Spitzer: Ist der deutsche Buchmarkt reaktionär geworden?[...]”

    Frage:

    Haben Sie die Bücher – oder auch nur Auszüge aus denen – gelesen?

    Ich selbst teile Ihre Kritik an Sarrazin, aber das Buch von Frau Höhler finde ich gar nicht so unwahr – sieht man mal davon ab, dass die die FDP als “liberale Partei” – über den grünen Klee lobt, und behauptet, dass wir ohne FDP längst in einer Mehrparteiendiktatur leben würden, d.h. auch ohne die Linkspartei, aber die zählt für Frau Höhler als “ausgegrenzte Partei”. Für mich bleibt – nach Lesen des Buches – übrig, dass Frau Höhler die Kritik, die viele “Linke” an Merkel haben eben aus rechtsneoliberaler Sicht auf den Punkt bringt. Ich selbst, als “Linker” sehe schon lange eine Art neoliberaler Einheitspartei in Berlin, und habe eigentlich erwartet ein Buch aus einer “linken” Feder zum Thema zu lesen. Jetzt hat Frau Höhler eben, wie bereits eins aus rechtsneoliberaler Sicht geschrieben, welches vieles beschreibt was auch – nicht allein ich – so mancher “Linker” im Netz über die Merkel-Regierung schreibt.

    Was Herrn Spitzer angeht, das Buch sollte man auch erst einmal gelesen haben, und ich bin gerade mittendrin, und wundere mich, dass auch hier Ihre Kritik nicht so ganz zu passen scheint, aber ich lass mich immer noch von Herrn Spitzer überraschen – Das Kapitel wo Herr Spitzer explizit auf Vorurteile gegenüber seiner Person eingeht ist sehr interessant, denn Herr Spitzer ist nicht per se gegen Computer – er hat, seinen eigenen Worten nach, sogar selbst einen Computer als Arbeitsgerät – das mit der Hausmusik und dem rechten christlichen Glauben habe ich noch nicht gelesen, und bin mal gespannt ob ich im Buch von Herrn Spitzer drauf stosse – Übrigens, wenn Herr Spitzer so einen “rechten christlichen Glauben” hat, dann wundere ich mich, dass seine Bücher auf einem Portal von Atheisten, Religionskritikern und Agnostikern besprochen werden, dass sich auch mit Hirnforschung und Wissenschaft befasst – http://www.denkladen.de.

    Fazit:

    Ich weiß nicht ob Sie die Bücher gelesen haben, die Sie kritisieren, oder auch nur Auszüge daraus, aber ich empfehle jedem genau dies zu tun – Ich selbst, als Atheist habe z.B. die Bibel von vorne bis hinten gelesen, um nur ein Beispiel zu nennen wie ich vorgehe, um Bücher zu kritisieren, die meine Meinung nicht teilen – Deswegen bin ich noch lange nicht gläubig geworden, sondern mein Atheismus ist nur noch fester geworden – nach der Bibellektüre. Dieses Beispiel erwähne ich nur, weil ich diese Vorgehensweise auch bei den Büchern von anderen Autoren empfehle, eben Sarrazin, Spitzer und Frau Höhler.

    Gruß
    Bernie

  62. Bernie |  09.09.2012 | 13:28 | permalink  

    Noch was, Herr Spitzer plädierte auch – in einem anderen Werk, dass ausführlich auf der eben erwähnten Homepage besprochen wird für eine neue Aufklärung 2.0, d.h. das mit dem “rechten christlichen Glauben” werde ich wohl nicht bei Spitzers neuem Buch finden – Oder waren die Aufklärer, die Spitzer meint gar Kirchenleute?

    Nichts für ungut….

    Gruß
    Bernie

  63. Wolfgang Michal |  09.09.2012 | 14:22 | permalink  

    @Bernie: Ich kenne von Spitzer nicht nur sein letztes Buch. Das mit der Religion finden Sie z.B. in “Lernen” (erschienen 2002). Und auch bei den anderen beiden Büchern sollten Sie mir vertrauen.

    Es steht übrigens in allen drei Büchern auch Richtiges. Aber die Marketingstrategien verführen Autoren und Verlage in ihrer Gier nach Auflage und Talkshow-Würdigkeit zu extremen Vereinfachungen, unseriösen Zuspitzungen, steilen Thesen. Die Autoren machen sich die Debatte selbst kaputt. Kein Wunder, dass der häufigste Satz aller drei Autoren in solchen Debatten dieser ist: “Das steht nicht in meinem Buch!”

  64. Bernie |  09.09.2012 | 15:10 | permalink  

    “[...]Die Autoren machen sich die Debatte selbst kaputt. Kein Wunder, dass der häufigste Satz aller drei Autoren in solchen Debatten dieser ist: “Das steht nicht in meinem Buch!”[...]”

    Sorry, ich dachte eben Sie hätten die Bücher nicht gelesen – Habe mich wohl geirrt ;-)

    Ihre Kritik an den Büchern teile ich nun, aber in einem Punkt bleib ich dabei – ich finde, dass man durchaus die von Ihnen kritisierten Bücher lesen sollte, oder auch nur passende Auszüge der Autoren, denn nur so kann man sehen was für hanebüchenen Unsinn diese reaktionären Autoren von sich geben.

    Das Lesen färbt ja keineswegs auf den Leser ab, wie manche Menschen in meinem persönlichen Umfeld denken, die meinen, dass jemand der ein Buch liest, dass gar nicht seiner Meinung entspricht sofort auf einem persönlich abfärbt…

    Ein Hinweis noch:

    Es ist keineswegs nur der deutsche Buchmarkt der reaktionäre Autoren kennt – auch im angelsächsischen Raum gibt es Autoren, die man als reaktionär bezeichnen könnte.

    Es scheint wohl eher ein, altes und globales, als ein rein deutsches Problem – was den Buchmarkt angeht – zu sein? Vielleicht schreiben Sie auch mal was dazu? Natürlich nur insofern Sie Zeit dazu haben.

    Wie vieles, so glaube ich, dass die reaktionären Buchautoren in Deutschland Oberwasser spüren, weil es in anderen Ländern – die ihre Autoren ins Ausland (hier meine ich Deutschland) exportieren – eben auch andere Gleichgesinnte gibt – Spitzer beruft sich nicht umsonst auf reaktionäre US-Autoren in seinem neuen Buch “Digitale Demenz” – Als geschichtsinteressiertem Laien ist mir übrigens auch aufgefallen, dass es z.B. mit Robert Gellately auch Historiker in anderen Ländern gibt, die man als reaktionär bezeichnen könnte – Ich halte mich, schon seit Jahren, eher an “linke” Autoren aus dem In- und Ausland, gerade bei Geschichts- und Gesellschaftsthemen, die reaktionär besetzt sind……zum Glück gibt es auch noch “linke” Verlage und Buchhandlungen……in diesen reaktionären Zeiten…..

    Gruß
    Bernie

  65. Bernie |  09.09.2012 | 16:35 | permalink  

    Was Frau Höhler angeht, da finde ich einen Satz in ihrem Buch ja fast schon entlarvend, aber anders als Frau Höhler dies ursprünglich beabsichtigt hat – Sie beschreibt die angebliche Sozialdemokratisierung der CDU, und bringt dann das Beispiel wo die CDU bei der SPD geplündert hat – Nämlich bei so Urgesteinen wie, ohne Witz, Rente mit 67, der Agenda 2010 und Hartz IV.

    Tja, wenn dass Frau Höhlers Meinung ist, dann liege ich wohl nicht ganz falsch, wenn ich von einer Konservatisierung der Schröder-Fischer-SPD schreibe, und die nun eben von Merkel als Sozialdemokratisierung der CDU weitergeführt wird – Gute Nacht, Sozialdemokratie kann ich da nur schreiben….

    Gruß
    Bernie

    PS: Frau Höhler beschreibt Merkels Kurs ja wohl eher sogar noch als Sozialististischwerdung der CDU, was ich für übertrieben halte, aber was für mich erklärt was Neoliberale eben unter Sozialismus verstehen – Weiter so, auf das auch der letzte merkt, liebe Frau Höhler, der Sozialismus der CDU ist der der Reichen und Superreichen……alle anderen Arten des verdammenswerten “bösen Sozialismus” findet man beim Wohlfahrtsstaat und der alten Sozialen Marktwirtschaft – Das ist für Neoliberale wie Frau Höhler, Herrn Westerwelle, Rösler, Bahr & Konsorten eben reinster Stalinismus……der böse alte Sozialstaat Kohl/Blümscher Prägung……

  66. hardy |  10.09.2012 | 03:35 | permalink  

    noch so eine verdammte reaktionäre

    mein lieblingssatz: “wir erschaffen unsere technologieen … und dann formen _sie_ uns.”

    bloß nicht d’rüber nachdenken … diese blöde turtle hat sicher auch was gegen das uns alle schlauer machende internet (gepriesen sei sein name!)

    @bernie

    >> das mit dem “rechten christlichen Glauben” …

    was soll ich sagen? ich bin buddhist …

    das bin ich, weil die unterweisung im “rechten christlichen Glauben” einiger eifriger redemptoristenpatres mir das im zarten alter von 14 jahren im unterricht überhaupt erst nahe brachten.

    es ist das eine, genau zu sehen, daß reaktionäre a######er ihre heuchelei unter diesem segel verbergen wollen – das andere sind in diesem glauben erzogene menschen, die das vielleicht “ernst” meinen mit dem christentum – und das dann auch realiter umsetzen, sich bei der “tafel” engagieren, in der betreuung asylsuchender, in der hilfe für arme menschen und und und …

    christ zu sein, sich auf christliche _werte_ zu berufen, bedeutet ja nicht per se, ein “schlechter mensch” zu sein.

  67. hardy |  10.09.2012 | 04:04 | permalink  

    mir fällt gerade auf, daß ich mich mittlerweile schon dazu hinreissen lasse, das wort “reaktionär” so indiffernt zu verwenden, wie das hier üblich zu sein scheint.

    für mich schließt der begriff aber im grunde immer eine gewisse aggressive feindseeligkeit ein. “reaktionär” in diesem sinne sind für mich zb. leute, die ein stück land als deutschland betrachten, weil da ein paar deutsche knochen vor sich hin verrotten … und dies nur möglich ist auf “kosten anderer”.

    das korrekte adjektiv in dieser causa wäre “erz-” oder “stock-konservativ”.

    reaktionäre sind ja auch nur dann “gefährlich”, wenn sie einen “resonanzboden” haben, deutschtümelei, ressentiments gegen andere (völker, religionen, sexuelle orientierungen etc).

    und, tut mir leid das sagen zu müssen, mir ist in den letzten 10 jahren kein “reaktionär” mehr in den medien vor die flinte gelaufen, der nicht sofort in einem kugelhagel aus hohn und spott verreckt wäre.

    selbst “erzkonservative” wie dieser lustige geis aus der csu, der – konfrontiert damit, daß DIE SCHWULEN! !kreisch! jetzt auch nochzu allem überflüss gleiche rechte fordern – aus dem stottern (“wo kommen wir denn hin, wenn wir erst mal sooooo anfangen”) nicht mehr herauskommt (soll ich den link zum interview noch mal posten?) sind doch heute nur noch putzige soalsobs einer medial heilen welt.

    in was für einem land lebt _ihr_, liebe reaktionärenbasher, eigentlich?

    jedenfalls nicht in meinem. hier ist alles so eiapoppeia, daß ein paar verwirrte schon als “reaktionärenersatz” herhalten müssen. verkauft mal einem rtl2-fan “reaktionäres” gedankengut, also so etwas wie “arbeit macht frei” oder “asoziale gehören dies oder das …” (sprich ins lager, den arbeitsdienst oder schlicht und ergreifend vergast).

    ich jedenfalls kann mir den darauf einsetzenden shitstorm wütender harz4ologen auf f#ckbook genüßlichst ausmalen.

  68. Bernie |  10.09.2012 | 13:40 | permalink  

    @Hardy

    Also zunächst einmal ich versteh unter “reaktionär” das selbe wie Herr Wolfgang Michal – Lass dir es einmal von dem erklären, und übrigens was du als angebliches “reaktionärenbasher” bezeichnest könnte man auch getrost als Verharmlosung des NSU-Terrorismus bezeichen, wenn man bösartig wäre.

    Was den “rechten christlichen Glauben” angeht, da halte ich es wie mit allen Religionen – auch dem Buddhismus, der ja angeblich keine Religion sein will, sondern Atheismus pur – ich halte den für rückwärtsgewandt – Die Diskussion um die Pius-Brüder, den Großinquisitor Benedikt XVI ist dir ja – als angeblichem Buddhisten – völlig entgangen – Oder?

    Ich halte es, auch ohne gleich Marxist zu sein, mit dem alten Karl Marx, der einmal geschrieben haben soll “Religion ist Opium für das Volk”, und mit Dawkins, der alle Formen von Glauben für “Gotteswahn” hält.

    Tja, und nun überlasse ich dir das Dawkins-Bashen….*grins*

    Amüsierte Grüße
    Bernie

  69. Gwendolin Tauer |  10.09.2012 | 18:31 | permalink  

    Der Buchandel ist nur reaktionär, wenn man linke Verlage nicht sehen will. Hier mal ein Buchtipp aus der anderen Richtung: http://suite101.de/article/kellner-des-kapitalismus-a136917. Und hier mal was zu einem ganz anderen Verlag: http://suite101.de/article/blick-zurueck-nach-vorn-a136588

  70. hardy |  10.09.2012 | 19:10 | permalink  

    bernie,

    zu blöd – ich mag dawkins und könnte mich ömmeln, wenn ich ihn höre (ich habe mir mal den “gotteswahn” als hb zugelegt..), bin ansonsten ein ausgesprochener fan von michael schmidt salomon (den ich persönlich kenne und der das mit dem buddhismus durchaus ähnlich sieht/sah wie du) und neige, das hast du schön erkannt, dem zen-buddhismus (zen oder die kunst sein fahrrad zu warten) zu.

    das ändert für mich nichts daran, daß mir eine gesellschaft, die ihre werte (zur not) über “religiöse” inhalte tradiert lieber ist als eine, die sich solche werte zusammenresamplet und versucht, diese auf biegen und brechen durchzusetzen. hatten wir in diesem land schon mal und haben gesehen, was dabei herauskommt, wenn “mitleid” zb. keine und körperliche eigenschaften die entscheidende kategorie ist. diese gefahr sehe ich zb. nicht gebannt, im gegenteil, ich entdecke im “jetzt” nicht nur spuren des “früher”. dafür brauche ich keine lustige männer mit “schnurres”

    welche übersprungshandlung sich in deinem gehirn abspielt, wenn du von höhler (über die ich heute nacht angefangen habe, laut nachzudenken, ergebnis demnächst) zur NSU springst, sei mal dahin gestellt – ich konnte ihrem interview in phoenix jedenfalls mit genuss zuhören. zuhören ist nicht zustimmen.

    man muss ja nicht die ansichten des gegenüber teilen, um ihm/ihr zuhören zu können, die eigene an der des anderes zu “messen” und einfach nur spaß an der fähigkeit, etwas zu formulieren, zu haben – mache ich so seit ca 1987 via dlf, swr etc. einfach mal meinen tv3.link anklicken.

    ich verbuche deine antwort also unter: “du hast recht und es mir gerade so richtig gezeigt.” zu blöd: ich sehe es immer noch anders, und halte deinen einwurf für ziemlich witzlos, weil du mir die indifferenz unterstellst, die ich wiederum seit beginn dieser diskussion wolfgang unterstelle (beitrag 2 …)

    ich weiss noch ganz genau, was das ist “reaktionär” – ich bin in einer erzreaktionären welt mit dem spruch “so was wie dich hätte man früher vergast” (4 mal täglich …) aufgewachsen. heute suche ich “reaktionäre” (mit gesellschaftlicher bedeutung!) mit der lupe, bin aber entzückt, daß “die jugend” (kicher) schon jeden spielverderber mit einem reaktionär verwechselt

    reaktionäre wollen ausgesprochen ihre gegner _weg_ haben. das kann ich nur bei sarrazyn und seinen kohorten erkennen, aber selbst dieser ###### geht bei mir nicht als “reaktionär” durch. er ist einfach nur ein ########.

    ich sage bescheid, wenn ich mich durch höhler und das “reaktionäre” “durchgetaumelt” habe. es ist wie. ich gerade lese, mal wieder ein ziemlich unübersichtlicher ritt durch die pampa, aber was will man von mir schon erwarten ;-)

  71. hardy |  10.09.2012 | 20:15 | permalink  

    bernie,

    weil du nicht warten kannst, hier schon mal der erste teil des taumels über dieses reaktionäre biest. wenn du, was ich gerade getan habe, das auf wiki nachguckst: nichts genaues weiss man nicht über “reaktionäre”, hier scheint die “schönheit” im auge des betrachters zu liegen. vielleicht hilft dir ja mein kleiner taumel weiter …

    [...] an mein herz, du reaktionäre teufelin! [...]

  72. Vera Bunse |  10.09.2012 | 23:43 | permalink  

    Es wäre nett, wenn ihr die Spammerei hier unterlassen würdet. Die Namen sind nett ausgedacht, trotzdem fällt es auf, wenn plötzlich und fast zeitgleich auf verschiedenen Blogs dieser Verlag in den Kommentaren auftaucht. Carta-Leser ebenso wie die Leser anderer Blogs suchen sich ihre Verlage aus, wenn sie Bedarf haben.

  73. Karl-Heinz Albers |  18.09.2012 | 10:35 | permalink  

    Mit digitaler Demenz, der Patin hinterher, zur Abschaffung Deutschlands?
    So lautet meine Überschrift zu diesem Kommentar.
    Mit dem Artikel kann ich nicht übereinstimmen: Erst das Zustimmende:Die eindeutig reaktionäre Zielrichtung von Herrn Sarrazin, ja, diese Warnung kann ich gut mittragen. Da muss man sehr wachsam bleiben – auch wenn einige seiner Auslassungen zutreffen!
    Doch wohin führt uns der „ pragmatische(n) Utilitarismus und Relativismus einer protestantischen ostdeutschen Hausfrau“? Meint der Autor, aus dieser Ecke kommen die richtigen Antworten? Mit Sicherheit nicht. Da ist es gut, dass wenigsten die liberalkonservative Frau Höhler es endlich wagt, den Finger in einige selbstherrliche Wunden der „Pragmatikerin“ zu legen. Von liberal-linker Ecke habe ich bisher kaum derartige Ross und Reiter-Kritik gehört, sondern ich nehme allseits mehr oder weniger klammheimliche Bewunderung für die „ostdeutsche Hausfrau“ wahr.
    Mag Herr Spitzer auch überzeichnen, doch wo bleiben die kritischen Stimmen zur Erziehung oder zum Computereinsatz von “fortschrittlicher“ Seite?? Fehlanzeige!
    Wer verfolgt ein Leitbild von vorgestern? Die zitierten Autoren tun es von der Grundhaltung her, unbenommen, doch was vertritt Herr Michael?
    Ist es auf der Höhe der Zeit, sich über die vermeintlich geistigen „Modernisierungsverlierer“ und deren „Gejammer“ zu erheben? Was, wer ist eigentlich rückwärtsgewandt? Derjenige der sagt „Nein, mit einem prinzipienlosen „Weiter so“ geht es nicht gut voran mit der gesellschaftlichen Entwicklung und Politik?“ Oder, wie es der Autor wohl favorisiert, läuft es besser mit mehr Fortschritt, Technik, Rationalisierung, Unternehmergeist, fortschreitende Internationalisierung usw. .“Mehr vom selben“, das soll weiterhin für die Zukunft der Menschheit ein Segen sein? Das glaubt doch nur, wer sich zu lernen weigert. Das ist die Position, die fixiert bleibt und „zurückgeblieben“ ist.
    Ja, wo sind sie wohl geblieben, jene aufgeschlossenen alten Bildungsbürger, die auf Globalisierung, Komplexität, technische Lösungen usw. gesetzt haben?
    Sie verstecken sich. Vielleicht realisieren sie endlich, dass ihr naiver Weg der Zugriffsmentalität schon lange dabei ist, gegen immer mehr Wände zu fahren. (Sie haben nämlich das Wesentliche nicht im Griff, schwärmen aber weiter von der faszinierenden Überkomplexität) Ihren Optimismus werden sie nicht aufgeben, sondern weiter werkeln, weiter versprechen. Wonach der Autor sich wohl sehnt. Ich rufe wie er: „Wo sind sie?“ – Ich rufe es allerdings, damit man sie endlich zur Verantwortung für ihre vergangenen „Helden-Taten“ ziehen kann und derartige Rezepte für die heutige Zeit diskreditiert bleiben.

  74. Wolfgang Michal |  18.09.2012 | 12:59 | permalink  

    @Karl-Heinz Albers: Die Entwicklungen kritisieren, ohne diese zu dämonisieren, Einfluss nehmen auf die in den drei Büchern beschriebenen Entwicklungen und Befürchtungen, ohne in einen Zustand zurückkehren zu wollen, den es nicht mehr gibt – das müsste von denen kommen, nach denen wir hier rufen. Da sind wir, glaube ich, einer Meinung.

  75. ZDF log in: Manfred Spitzer, Jimmy Schulz und icke - YEPA NEWS |  11.11.2012 | 14:14 | permalink  

    [...] “Wo ist eigentlich jener Teil des Bildungs-Bürgertums abgeblieben, der mit dem Fortschritt, m… [...]

  76. Das Geschäft mit der “German Angst” oder Wie bringt man ein Sachbuch auf die Bestsellerliste? | Karlshochschule International University |  30.07.2013 | 10:52 | permalink  

    [...] die zahlreichen Medienauftritte von Herrn Spitzer und gehe der Frage nach, wie man in Deutschland ein Sachbuch auf Platz 1 der Bestsellerliste [...]

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