Das Märchen vom Glühbirnen-Verkaufsverbot

Ab morgen gilt die vierte Stufe einer seit 2009 bestehenden EU-Verordnung. Die Vermittlung dieser Normen und ihre Auslegung in den Medien ist allerdings ein Sommermärchen der etwas anderen Art.

Seit drei Jahren berichten zahlreiche Medien in jedem Spätsommer über “Glühbirnen-Verkaufsverbote” in der EU ab dem 1. September und dass – mit jährlich angepassten Zahlen – die 100-, 75-, 60-, 40- und 25-Watt-Glühlampen nun endgültig aus den Regalen verschwänden. Kein Wort davon ist wahr.

Das ARD-Morgenmagazin (Link zur Mediathek) verkündete zum Beispiel diese Woche mit unterschwelliger Trauer, dass ab Samstag die 40- und 25-Watt-”Glühbirnen” in der EU nicht mehr verkauft werden dürften. In Wahrheit gibt es aber nur ein Herstellungs- und Vertriebsverbot – und das gilt höchstens für einen Teil der ineffizienten Stromfresser. Das Verkaufen bleibt weiterhin unbegrenzt erlaubt.

Tagesschau.de erklärte, dass der letzte Tag nahe, an dem Glühbirnen verkauft werden dürften – das spätere Nachlaufen könne schwierig werden. Selbst ein Jahr nach dem vermeintlichen Aus für die klaren 60-Watt-Glühlampen gibt es aber derzeit offensichtlich noch keine Nachschubprobleme. Selbst die seit September 2009 aus der Vertriebskette verbannten 100W-”Birnen” sind noch zu haben. Zwar darf ein Hersteller solche Lampen nicht mehr an Großhändler und diese wiederum nicht an Einzelhändler ausliefern. Das Zentrallager etwa einer Baumarkt- oder Discounterkette dürfte aber weiterhin seine einzelnen Märkte mit den “verbotenen” Lampen beliefern – bleibt ja im eigenen Unternehmen und ist somit kein Vertrieb im Sinn der EU-Regelung.

Vollends abenteuerlich wird die Berichterstattung häufig, wenn es um die möglichen Alternativen zur Glühlampe geht. Fast durchweg wird der umgangssprachlich verwendete Begriff “Energiesparlampe” mit “Kompaktleuchtstofflampe” gleichgesetzt (Sie wissen schon: Die Dinger, die wegen ihres Quecksilbergehalts für Schlagzeilen, unausgegorene TV-Dokus und Panikattacken gesorgt haben). Nun darf sich aber nicht jede Leuchtstofflampe “Energiesparlampe” nennen und eine Energiesparlampe ist nicht zwingend auch eine Leuchtstofflampe.

Da kommt’s nämlich laut EU-Regelung ausschließlich auf die Energieeffizienz (Lumen pro Watt) an. Hier schneiden LED-Lampen im Vergleich aller Leuchtmitteltypen besonders gut ab, fallen tatsächlich in die beste Effizienzklasse A und dürfen sich deshalb zu Recht “Energiesparlampen” nennen. Sowohl Tagesschau.de als auch Welt-Online scheinen bei dieser relativ neuen Beleuchtungstechnik noch nicht auf der Höhe der Zeit zu sein: Beide verbreiteten diese Woche teils veraltete, teils völlig falsche Daten über Preise, Lebensdauer und Effizienz der so genannten “Retrofit”-LED-Lampen.

Zahlreiche Belege für die Falschinformationen finden sich auf Fastvoice