Nicht nur im Fernsehen sind Wiederholungen öde. Im Netz auch.

Messen wir dem Vorhaben, ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage einzuführen, nicht etwas zu viel Bedeutung bei?

Es gibt im Netz kein zweites Thema, das so zuverlässig Aufregerwellen produziert wie das Leistungsschutzrecht (LSR). Bei keinem anderen Sachverhalt bemühen wir so viel Grips, schreiben wir so leidenschaftliche Polemiken, finden wir so schlagende Argumente wie bei diesem Gesetzentwurf. Arabellion? Längst vergessen. Europa? Scheißt der Hund drauf! Leistungsschutzrecht – das zieht immer. Diesen Knochen nagen wir ab, bis auch der letzte Schneidezahn daran stumpf geworden ist.

Ja, das LSR ist überflüssig. Definitiv. Sämtliche Argumente sind tausendfach gewendet und breitgetreten worden. Wie oft wollen wir sie noch recyceln? Vor allem: Wie lange will Google die Sache noch aussitzen, ohne Maßnahmen zu ergreifen (Delisting!) oder Maßnahmen wenigstens verbindlich anzukündigen? Wie lange soll uns das Thema LSR noch die Zeit stehlen? Was bindet uns derart fest an dieses Thema?

Könnte es vielleicht sein, dass uns das Leistungsschutzrecht – ohne dass wir viel dafür tun müssten – in strahlendes Kämpfer-Licht taucht? Dass wir durch die verbale Zerlegung dieses Vorhabens wie die großen Wortführer aussehen: überlegen, Bescheid wissend und superwichtig? Dass WIR – DIE GUTEN! DIE GALLIER!! – in dieser Sache heldenhaft „die Freiheit im Internet“ verteidigen, während die Römer die wahre Entscheidungs-Schlacht längst geschlagen haben?

Für welches andere Thema würde unsere Leidenschaft wohl brennen, wenn wir das Leistungsschutzrecht nicht mehr zur Verfügung hätten? Mit was würden wir die große Lücke füllen?