Spanien-Milliardenhilfen für Formel 1 und Ferrari? (Update)

Was passiert eigentlich mit den Unsummen für die Banken? Natürlich werden sie nur für unabdingbar notwendige wirtschaftliche Rettungsaktionen verwendet. Oder?

Update, 23.7. »

Heute Nachmittag hat der Bundestag mehrheitlich den Milliardenhilfen für spanische Banken zugestimmt. Aber nicht allen Finanzinstituten auf der iberischen Halbinsel scheint es schlecht zu gehen – zu besichtigen bei der Formel 1 am Hockenheimring.

Die spanische “Banco Santander” profiliert sich schon seit Jahren als eifriger Motorsport-Sponsor. Darüber könnte ich als Motorsportfreund und ehemaliger Hobby-Rennfahrer eigentlich nicht meckern. Wenn allerdings unter anderem dieses Sponsoring offensichtlich die realen finanziellen Möglichkeiten der Bank weit übersteigt, weil sie völlig marode ist und ohne Milliardenhilfen der EU den Laden dichtmachen müsste, dann darf man sich schon mal fragen, wo das Geld eigentlich genau landet.

Seit 2007 bezahlt Santander jährlich eine unbekannte Millionensumme an den Formel-1-Zirkus von Bernie Ecclestone, tritt als Hauptsponsor einzelner Rennen auf (wie an diesem Wochenende bei “Großen Preis Santander von Deutschland”), dazu sponsorte die Bank das Team “Vodafone McLaren Mercedes “, seit 2009 darf sich der Ferrari-Formel-1-Rennstall über Werbegelder freuen. Der entsprechende Vertrag wurde erst im Februar bis 2017 verlängert, ungeachtet der horrenden Defizite in der Bankenbilanz.

Rund 70 Prozent der “Santander”-Aktien sind in der Hand von Kleinanlegern, die zusammen mit den kleinen Kontoinhabern schon seit Monaten keine ruhige Zeit mehr haben und um ihr Erspartes bangen müssen. Sie dürften wohl kaum Verständnis dafür haben, dass ihre Bank immer noch direkt oder indirekt wohlhabenden Unternehmen und Magnaten Geld in den Allerwertesten bläst.

Die ebenfalls in Schieflage geratene “Bankia” war bisher eher als Sponsor bei den Zweiradsportlern vertreten, musste aber diesen Monat die Reißlinie ziehen und als Hauptfinanzier des Moto3-GP-Teams “Aspar” aussteigen. Diese Entscheidung konnte allerdings direkt die spanische Regierung betreiben, weil “Bankia” im Mai verstaatlicht worden war. Dass auch andere spanische Banken und Sparkassen (wie die “Caixa de Catalunya”) traditionell Motorsport-Sponsoren sind, sei hier nur mal am Rand erwähnt, weil eine ausführliche Aufzählung schier endlos wäre.

Heute Nachmittag geht es also um 100 Milliarden Euro für spanische Banken aus dem europäischen “Rettungsfonds” EFSF. Es würde mich nicht wundern, wenn auch Bernie Ecclestone und “Scuderia Ferrari”-Teamchef Stefano Domenicali die Daumen drücken, dass der deutsche Bundestag zustimmt.

Update: Wie erwartet, gab es am späten Nachmittag eine breite Zustimmung für das Hilfspaket. Bei der namentlichen Abstimmung wurden 473 Ja-, 97 Nein-Stimmen und 13 Enthaltungen gezählt.

Crosspost von Fastvoice

Update, 23. Juli

Zu diesem Beitrag schrieb mir Alicia Santa Maria, Pressereferentin der “Santander Consumer Bank AG” in Deutschland, heute einige Richtigstellungen und Anmerkungen. So sei die Muttergesellschaft “Banco Santander S.A.” – im Gegensatz zu anderen spanischen Finanzinstituten – eine der wenigen europäischen Banken, die im Zuge der Finanzkrise auf öffentliche Finanzhilfe verzichteten und diese Hilfe auch in Zukunft nicht benötigten. Das hätten auch der Internationale Währungsfonds und die „Stresstests“ der unabhängigen Unternehmensberatungen Oliver Wyman und Roland Berger bestätigt. Die im Beitrag gemachten Äußerungen erweckten daher ein falsches Bild.

Banco Santander sei eine international tätige Bank mit einer starken Präsenz in zehn Kernmärkten, darunter Deutschland, Großbritannien, Brasilien und den USA. Gemäß den Kriterien der europäischen Bankenaufsicht sei Santander eine der solidesten und solventesten Banken in Europa und habe weltweit über 100 Millionen Kunden, die in knapp 15.000 Filialen betreut würden. Somit verfüge Santander über das größte globale Filialnetz einer international tätigen Bank.

Die “Santander Consumer Bank AG” wiederum sei ein deutsches Finanzinstitut nach deutschem Recht, das seit über 50 Jahren in Deutschland tätig sei und deren Kundeneinlagen durch ein zweistufiges Einlagensicherungssystem gesichert seien: Über die Mitgliedschaft bei der “Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH” (EdB) seien die Einlagen bis zu einer Höhe von maximal 100.000 Euro pro Kunde geschützt. Zusätzlich sei Santander in Deutschland Mitglied im Einlagenfonds deutscher Banken e.V.. Das bedeute, dass alle Einlagen, die nicht über die gesetzliche Sicherungseinrichtung (EdB) abgedeckt würden, durch den Einlagensicherungsfonds geschützt seien – aktuell in Höhe von über 459 Millionen Euro pro Kunde. Geschützt seien dabei alle Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen.