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Redaktion Carta

Was?!? Jetzt dürfen wir nicht einmal zur Website der Olympischen Spiele verlinken?

 | 18 Kommentar(e)


Das IOC und das britische NOC haben sich zur Berichterstattung über die Olympischen Spiele interessante Regeln ausgedacht.

14.07.2012 | 

Wir haben in den letzten paar Wochen eine Menge darüber gehört, wie London von den Olympischen Spielen übernommen werden wird: Raketenwerfer auf den Dächern, nicht zugelassene Chips Pommes frites auf dem Olympia-Gelände sind verboten, Protest wird bestraft, Twitter-Accounts werden zensiert. Aber wir müssen zugeben, dass wir die Versuche der olympischen Organisatoren nicht bemerkt hatten, die Art und Weise der gesamten Internet-Nutzung zu verändern. Wir wurden durch die Modalitäten zur Nutzung der Website “London 2012″ darauf aufmerksam, die sehr deutlich machen, unter welchen Umständen verlinkt werden darf:

1 . Links zur Website. Sie können im Reintextformat auf die Site verlinken. Sie dürfen keinen Link auf die Website setzen, um eine unerlaubte Beziehung zwischen einer Organisation, einem Geschäft, Waren oder Dienstleistungen und London 2012 zu implizieren. Sie stimmen zu, weder uns noch eine der anderen offiziellen “London 2012″-Organisationen (oder unsere oder deren Aktivitäten, Produkte oder Dienstleistungen) durch Verlinkung in einer falschen, irreführenden, abfälligen oder anderweitig anstößigen Weise darzustellen. Die Verwendung unseres Logos oder anderer olympischer oder “London 2012″-Symbole als Link zu der Site ist nicht gestattet. Beachten Sie unsere Richtlinien zur Nutzung der Symbole.

Habt ihr das begriffen? Ihr dürft nur auf die offizielle Website der Olympischen Spiele verlinken, wenn ihr freundliche Dinge über die Olympiade sagt.

Das stellt mich vor ein Problem. Ich möchte wirklich, wirklich sagen, dass dies eines der dümmsten Dinge ist, die ich in meinem ganzen Leben gelesen habe, und dass sich ein solches Maß an Kontrollwahn nicht einmal die härtesten Olympia-Skeptiker hätten vorstellen können. Nur: Wenn ich zu der Seite verlinken würde, die diese Informationen enthält, bräche ich damit die Regeln, so dass ihr selbst dort nachsehen müsstet.

Ich werde also nichts Derartiges sagen. Ich werde sagen, dass dies ein brillantes Stück Brand Management ist, das überhaupt nicht für Spott und Hohn sorgen wird, und dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass irgendjemand jemals einen Witz über diese Regel machen wird, indem er zur Olympia-Seite in einer Sprache verlinkt, die “falsch, irreführend, abfällig oder anderweitig anstößig” sein könnte.

Hier ist der Link zu den äußerst vernünftigen Nutzungsbedingungen.
 
Ein Text von Padraig Reidy, Übersetzung Vera Bunse
 

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18 Kommentare

  1. Andreas |  14.07.2012 | 15:14 | permalink  

    Also ich lese das so, dass man nicht mit einem Link etc. suggerieren darf, offizielle Seite zu sein, die zu den Spielen gehört/lizenziert oder so ist und darauf Rufschädigung zu betreiben.

  2. Lia |  14.07.2012 | 15:59 | permalink  

    Ich frage mich, ob das erlaubt ist, denn ich habe dazu folgendes bei Heise gefunden:

    “Grundsätzlich, so führten die Bundesrichter aus, verstoße es nicht gegen das Urheberrecht, wenn man einen Link auf Inhalte fremder Webseiten setze, die urheberrechtlich geschützt seien. Denn derjenige, der seine Werke auf einer Homepage verfügbar halte, mache diese selbst öffentlich zugänglich. Anders sei es aber dann, wenn ein Berechtigter den Zugriff durch Dritte auf die Inhalte mit Hilfe von Schutzmaßnahmen ausdrücklich beschränkt (“Deep Link”).

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/BGH-Linksetzung-kann-Urheberrechte-verletzen-1135956.html

  3. Tobias Beuscher |  14.07.2012 | 18:48 | permalink  

    @Andreas (#1): Da ist aber die Frage, ob ein kritischer Kommentar schon als “abfällig” eingestuft werden kann, also bspw. eine kritische Berichterstattung oder auch (berechtigte) negative Äußerungen zu London2012 bzw. der Website.

    Das man sich nicht als eine offizielle bzw. lizensierte Website ausgeben darf, ist klar. Alles andere ist da sehr schwammig formuliert.

  4. Lia |  14.07.2012 | 19:09 | permalink  

    Vielleicht hilft der englische Text der Terms-Of-Use zur Klarheit weiter:

    a. Links to the Site. You may create your own link to the Site, provided that your link is in a text-only format. You may not use any link to the Site as a method of creating an unauthorised association between an organisation, business, goods or services and London 2012, and agree that no such link shall portray us or any other official London 2012 organisations (or our or their activities, products or services) in a false, misleading, derogatory or otherwise objectionable manner. The use of our logo or any other Olympic or London 2012 Mark(s) as a link to the Site is not permitted.

    Aus der engl. Version lese ich, dass man schon Links setzen kann, aber die müssen in Textform sein. Nun die Frage: Was genau heißt Textform bzw “text-only format”? Gebe ich nun den Link so an ohne URL dahinter verlinkt oder darf ich nur die URL nicht hinter einem Bild verlinken aber bei einem Text “Website zu London…” schon? Unglückliche bzw. unpräzise Formulierung!

    Bzgl. der negativen Berichterstattung ist es auf jeden Fall auch schwammig geschrieben. Was bedeutet hier das “, and” im Satzbau. Sind die 2 Sachen kummulativ zu verstehen? = 1. nicht den Anschein einer offiziellen Verbindung und zusätzlich nicht 2. keine negative Darstellung. Oder steht das jedes für sich?

    Den deutschen Text hab ich auf der Website so gar nicht finden können sondern nur die Wahl zwischen Englisch und Französisch (kann ich jedoch nicht gut genug sprechen/lesen für juristische Ausdrücke). Aber soweit ich es verstehen konnte, ist auch in der französischen Variante das mit “und” bzw “, et” verknüpft:

    a. Liens vers le Site. Vous pouvez créer vos propres liens vers le Site à condition que votre lien soit uniquement textuel. Vous n’êtes autorisé à utiliser aucun lien vers le Site pour créer une association non autorisée entre un organisme, une entreprise, des biens ou des services et Londres 2012, et vous vous engagez à ce qu’aucun de ces liens ne nous présente ni ne présente aucun autre organisme officiel associé à Londres 2012 (ou nos ou leurs activités, produits ou services) de manière inexacte, trompeuse, désobligeante ou inacceptable. L’utilisation de notre logo, d’une marque Olympique ou d’une marque de Londres 2012 pour faire un lien vers le Site n’est pas autorisée.

  5. Daniel |  14.07.2012 | 20:03 | permalink  

    @Lia Es ist im Grunde vollkommen egal wie der Wortlaut nun genau heißt, denn es ist überflüssig. Es darf sich sowieso niemand als Offizieller Partner […] der Spiele ausgeben, wenn er es nicht ist. Dafür baruchst keine Nutzungsbedingungen. Freilich erst Recht nicht für Links. Einfach peinlich sind solch unbeholfenen Versuche einer Organisation mit Angstklauseln Alltagsrecht der Gemeinheit (Verlinkung von Dokumenten) kontrollieren oder gar verbieten zu wollen.

  6. Sammelmappe » Blog Archive » Links verboten |  14.07.2012 | 20:11 | permalink  

    [...] zum Artikel bei CARTA Juli 14th, 2012 in Fundstücke, Netzpolitik | tags: London, Netzpolitik, Olymische Spiele [...]

  7. vera |  14.07.2012 | 20:40 | permalink  

    Solchen Mist lese ich seit ca. zwei Monaten, sowohl von IOC und NOC als auch bei den Sponsoren. Die wollen das wirklich wasserdicht haben: Keine Händifotos an den Sportstätten, keine ‘unerlaubten’ Getränke, Imbisse und Snacks, keine kritischen Tweets, und, und, und. Beim Guardian und der BBC geht das seitenweise so. Die UEFA ist ein Kleingärtnerverein dagegen.

  8. ben_ |  14.07.2012 | 22:05 | permalink  

    Über die “Olympiade” darf man sicher auch unfreundliches sagen, die hat nämlich keine eigene Webseite, weil sie den Vier-Jahres-Zeitraum bezeichnet, der die Spiele umgibt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Olympiade

  9. Thomas Knüwer |  15.07.2012 | 07:54 | permalink  

    Liebes Carta-Team,

    bitte zitiert keine fremden Texte, die offensichtlich falsch sind. Dass der Autor falsch liegt ist durch schlichte Lektüre des Textes doch klar.

  10. vera |  15.07.2012 | 12:04 | permalink  

    @Thomas
    Hm, “nicht autorisierte Verbindung ” wäre genauer als “unerlaubte Beziehung”, aber der Sinn ändert sich dadurch nicht. Mir scheint, dass sie das bewusst unter “Linking policy” gesetzt haben, um möglichst viel damit zu erschlagen.

    Man kann den Passus also großzügig interpretieren, aber ihn ausschließlich auf “Sponsor, Lieferant oder Tickethändler” zu beziehen, gibt er meiner Meinung nach nicht her.

  11. Lia |  15.07.2012 | 16:37 | permalink  

    @Daniel: da kann ich Dir nur zustimmen – indiskutables Verhalten der Veranstalter.

    Heise hat heute auch darüber berichtet:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Olympisches-Komitee-will-zu-positiver-Verlinkung-der-Spiele-verpflichten-1641247.html

    Auch Social Networks will die IOC wohl zensieren:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/IOC-gibt-Leitfaden-fuer-Umgang-mit-Social-Networks-heraus-1269258.html

  12. Kritik an Link-Paragraph der offiziellen Olympia-Webseite - ComputerBase |  16.07.2012 | 08:09 | permalink  

    [...] Autor: Andreas Frischholz  Quelle: Carta « Vorige News | Nächste News [...]

  13. petra |  16.07.2012 | 14:04 | permalink  

    Finde ich ein bißchen peinlich, dass Ihr Euch dem alle beugt. Anzunehmen ist doch als erstes immer, dass solche Klauseln (A) unwirksam sind im Sinne des BGB, (B) überhaupt nicht sanktioniert werden können und man sich (C) doch selbst wenn das beides nicht gälte, auch einfach mal wehren könnte durch Subversion. Oder glaubst Du, dass sie morgen früh um vier mit Maschinengewehren vor der Tür stehen, wenn Du den Link doch setzt? Wenn Ihr bei sowas schon einknickt, was soll erst passieren, wenn die nächste totalitäre Partei das Land übernimmt?
    Petra

  14. Lia |  18.07.2012 | 09:16 | permalink  

    Natürlich heißt das nicht, dass man sich dem automatisch beugt, aber allein der Versuch der Organisatoren ist (negativ) bemerkenswert.

    Spiegel war es auch eine Erwähnung wert:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/netzticker-apples-app-store-anonymous-olympia-a-844575.html

  15. CW |  19.07.2012 | 09:34 | permalink  

    Nachdem die Spiele ja doch nichts anderes sind als eine Leistungsschau der Pharmaindustrie, sollten man das zur Kenntnis nehmen und die Olympiade ignorieren.

  16. Paul Ney |  20.07.2012 | 03:53 | permalink  

    [Beanstandung] Bei der Carta-Übersetzung steht “anstößige Weise” für “objectionable manner” (siehe englisches Original-Zitat im Kommentar #4). Ich würde lieber “beanstandbare Weise” — ggf. Anlaß zur Beanstandung geben kann — empfehlen.

    @ #4, comment-30465, Lia am 14.07.2012 19:09
    Das Posten des englischen und französischen Absatzes war ein netter hilfreicher Beitrag zur Debatte in diesem Carta-Thread. Neben “Terms of Use” habe ich auch weitere Seiten der Website [[www.london2012.com]] gelesen.

    Nun zu Ihrer Link-Frage «Was genau heißt Textform bzw “text-only format”?». — Ein Link besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: Die Internet-Adresse und das Objekt, dem die Adresse “unterschoben” ;-) wird; per Mausklick erreicht man das anvisierte Ziel (Seite, Bild usw.). Das gewisse Objekt soll also weder ein Bild noch ein Text wie “Olympiade 2012″ usw., sondern gerade die empfohlene Internet-Adresse sein. Zugegeben, die “Terms of Use” hätten das klarer formulieren können/sollen. Siehe dazu auch bei Wiki [[de.wikipedia.org/wiki/Hyperlink]]

    «Bzgl. der negativen Berichterstattung» — Man kann über Dinge auch so schreiben, daß man damit in die “bredouille” kommt ;-) Das sollte man lieber (unter)lassen, also ein dezenter Hinweis der Website. Und da steht nichts gegen “sportliche” Kritik.
    (nicht-klickbare Links in [[+]]-Klammern)

  17. Olympia 2012 – IOC verbietet mobile Hotspots | Handy Flatrate Vergleich |  26.07.2012 | 14:18 | permalink  

    [...] Bezug auf die olympischen Spiele 2012. beispielsweise dürfen Links auf die Seiten von Olympia 2012 nur noch gesetzt werden, wenn sie nicht abfällig sind. Private Aufnahmen von Bilder oder Videos dürfen nicht [...]

  18. London 2012: Olympia wird digital |  26.07.2012 | 14:21 | permalink  

    [...] zu den üblichen Kollisionen zwischen digitaler und analoger Welt. Auch in Deutschland machte ein angebliches Verlinkungsverbot des IOC die Runde. Für mich war dies ein Shitstörmchen im Wasserglas. Der Text bezieht sich für mich zweifelsfrei [...]

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