Google nur knapp vor Gazprom

Bei der neuen Transparenzrangliste multinationaler Unternehmen von Transparency International finden sich Apple, Amazon und Google alle ziemlich am Ende wieder. Dabei verdienen ausgerechnet diese Unternehmen mit der Transparenz ihrer Kunden ihr Geld.

Wer die jüngst veröffentlichte Transparenzrangliste der 105 größten börsennotierten Unternehmen studiert, ist vielleicht wie ich erstaunt, dass Amazon, Apple und Google auffällig schlecht abschneiden [Disclaimer: Der Autor ist Geschäftsführer von Transparency International Deutschland e.V.]. Gemeinsam mit Facebook, die zum Zeitpunkt der Unternehmensauswahl der Studie noch nicht an der Börse waren, bilden sie die Big Four des neuen Internetzeitalters, zumindest laut des SPIEGEL-Titels vom Ende letzten Jahres. Warum sind gerade diese Unternehmen so intransparent?

Zunächst zu den Fakten. Apple findet sich mit 3,2 Punkten auf Platz 91 der Rangliste, Google mit 2,9 Punkten auf Platz 95 und Amazon mit 2,8 Punkten auf Platz 99. Zum Vergleich: Der russische Energiekonzern Gazprom besetzt mit 2,8 Punkten Platz 98 der 105 Plätze umfassenden Rangliste, direkt vor Amazon. Die Punktzahlen rangieren von 0 bis 10, wobei 0 am intransparentesten und 10 am transparentesten ist. Die Rangliste basiert auf der Analyse von öffentlich zugänglichen Informationen der Unternehmen, meist in den Geschäftsberichten und deren Websites.

26 Fragen wurden im Rahmen der Untersuchung geprüft. Verbieten die Unternehmen politische Spenden oder, falls sie diese zulassen, veröffentlichen sie diese? Fehlanzeige bei allen dreien. Gibt es eine eindeutige Firmenpolitik, dass Schmiergeldzahlungen verboten sind und ist diese Politik auch öffentlich erklärt? Wieder Fehlanzeige. Dabei muss man wissen, dass rechtlich im Korruptionsbereich zwischen Schmiergeld- und Bestechungszahlungen unterschieden wird. Bestechung ist, wenn ich eine Leistung, die mir nicht zusteht, erhalte. Schmiergeld zahle ich für eine Leistung, die mir zwar zusteht, aber deren Wartezeit mir zu lang ist. Behördliche Papiere oder die Freigabe von Waren im Zoll sind da häufig genannte Beispiele. Nicht in allen Jurisdiktionen sind Schmiergeldzahlungen verboten, weswegen es so wichtig ist, dass Unternehmen sie dennoch ausschließen, und viele Unternehmen tun dies. Auch bei der Unternehmensstruktur erzielen die drei keine guten Ergebnisse, denn es werden nicht alle wesentlichen Tochterunternehmen veröffentlicht.

Warum diese drei US-amerikanischen Unternehmen so schlecht abschneiden, darüber kann man verschiedene Hypothesen aufstellen:

  1. Es gibt eine Vertrauenskultur in den jungen Unternehmen, die klare, dokumentierte Regeln und Transparenz nach außen überflüssig macht.
  2. Die Unternehmen sind bisher nicht mit Korruptionsskandalen konfrontiert gewesen und kennen die Welt schmieriger Regierungen (noch)nicht.
  3. Was kümmert Transparenz, wenn der Börsenkurs steigt.
  4. Amazon, Apple und Google sind aus völlig unterschiedlichen Gründen am Ende der Rangliste.
  5. Das ganze Transparenzgequatsche nervt (außer es geht um Kundendaten).