Leute, kauft Facebook-Aktien!

Sollten wir nicht lieber Facebook-Miteigentümer als nur Mitglieder sein? Die Chance dazu wird uns bald gegeben - durch den Börsengang.

Wie Facebook unsere Zukunft verkauft, hat Sascha Lobo in seinem Text über „Facebooks Vermessung der Gefühlswelt“ ja gerade sehr schön dargelegt. Es wird Zeit, dass wir sie uns zurückkaufen.

Die Idee dazu ist ganz einfach (wenn auch eher ein Gedankenexperiment): Wenn die 900 Millionen Menschen auf der Welt, die aktuell Mitglieder bei Facebook sind, nun auch Facebook-Aktien kaufen würden, würde aus dem kapitalen Netzwerk wirklich ein soziales Netz für die Gemeinschaft seiner Mitglieder. Aus dem Anteilsschein für privilegierte Investoren würde ein Volksaktie. Die Nutzer könnten Facebook also ausgerechnet  mit einem kleinen Umweg über den Kapitalmarkt sozialisieren, zu ihrem Eigentum machen, es für sich nutzen und nach ihren Vorstellungen gestalten.

Die Aktionäre wären fortan an den Gewinnen, die das Unternehmen mit den von ihnen erstellten Inhalten erzielt, beteiligt. Läuft es gut, winkt die Dividende – wird zu wenig auf Facebook (mit-)geteilt, fällt der Gewinn vielleicht magerer aus. Auch die Regeln für das Zusammenleben in dieser Netzgemeinschaft bis hin zu den leidigen AGB – alles könnten die Mitglieder-Aktionäre unter sich ausmachen.

Es ist ein alte Forderung der Gewerkschaften, Mitarbeiter an Unternehmen zu beteiligen. Bei vielen Börsengängen gibt es „Friends&Familiy“-Programme – warum nicht auch „Member-Shares“ bei Unternehmen wie Facebook. Eigentlich wäre das mal ein feiner Zug gewesen, den Menschen, die Facebook groß gemacht haben und die es mit sekündlich mit Inhalten füllen, etwas zurückzugeben.

Leider wird die Idee der Facebook-Volksaktien in der harten Realität der Börsen nicht zu ohne weiteres umzusetzen sein. Denn zum einen stehen nicht genügend Anteile zum Verkauf und zum anderen würde eine massenhafte Nachfrage natürlich den Preis in noch absurdere Höhen treiben als derzeit ohnehin schon.

Obwohl also Mark Zuckerberg den Volksaktionär gar nicht fürchten muss, haben er und seine Vertrauten vor kaum etwas so viel Angst, wie vor der Mitsprache und dem Einfluss der Aktionäre. Und sie haben deshalb, ohne viel Aufsehen zu erregen, Vorsorge getroffen.

Das Aktienrecht hilft ihnen dabei, sich vor lästigem Fremdeinfluss zu schützen. Zuckerberg besitzt zwar „nur“ noch einen Anteil von knapp 29 Prozent an dem Unternehmen aber er kontrolliert mindestens insgesamt 57,1 Prozent der Stimmrechte über Vereinbarungen mit anderen Aktionären. Er habe, so berichtet zdnet, anderen Investoren ihr Stimmrecht für 100 Dollar in bar abgekauft. Darunter einige der frühen Investoren in das Unternehmen, wie der Napster-Mitgründer Sean Parker, der gleichzeitig erster Facebook-Präsident war (die Informationen finden sich alle in den SEC-Files, man müßte sich nur die Mühe machen, das alles zu lesen). „Das zeige, welche Überzeugungskraft Zuckerberg habe, den Investoren klar zu machen, dass er am besten wisse, was gut für das Unternehmen ist“, schreibt zdnet.

Genau das ist der Punkt: Ein Kopf entscheidet über 900 Millionen anderer Köpfe hinweg. Facebook ist eben keine soziales Netzwerk, sondern ein Unternehmen zur Datenerhebung und Verarbeitung mit angeschlossener Werbeabteilung. Und es umgeht sogar in Teilen die Mitbestimmungsregeln des Kapitalmarkt.

Und so werden wir nun bald verkauft und mutieren zu einem „Asset“ in einem börsennotierten Unternehmen. Wie fühlt sich das eigentlich an? Ich bin gespannt. Und vielleicht kaufe ich doch eine Aktie, auch wenn ich nicht mitreden kann. Dann ist es wenigstens auch mein Unternehmen und ihr müßt für mich arbeiten.