Wolfgang Michal

Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten

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09.05.2012 | 

Das offizielle Grundsatzprogramm der Piraten äußert sich zum Thema Urheberrecht in erstaunlicher Schlichtheit. Im Kern reduzieren sich die Forderungen auf zwei konkrete Punkte: Erstens soll nicht-kommerzielles Kopieren in Zukunft generell erlaubt und gefördert werden. Und zweitens soll die Geltungsdauer des Urheberrechts (das erst „70 Jahre nach dem Tod des Urhebers“ erlischt) deutlich verkürzt werden.

Darüber hinaus versprechen die Piraten, die Persönlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen und einen „fairen Ausgleich“ zwischen Nutzern und Urhebern anzustreben. Doch viele Urheber sind misstrauisch, weil sich die beiden Hauptforderungen der Piraten widersprechen.

 

Forderung Nr.1: Nicht-kommerzielles Kopieren soll generell erlaubt werden

Dieser Programmpunkt ist den Piraten der wichtigste. Er beginnt mit einigen Sätzen zur technisch bedingten Umwälzung unserer Gesellschaft, um das „freie Kopieren“ quasi als neues Naturrecht zu etablieren:

Der uralte Traum, alles Wissen und alle Kultur der Menschheit zusammenzutragen, zu speichern und heute und in der Zukunft verfügbar zu machen, ist durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in greifbare Nähe gerückt. Wie jede bahnbrechende Neuerung erfasst diese vielfältige Lebensbereiche und führt zu tief greifenden Veränderungen. Es ist unser Ziel, die Chancen dieser Situation zu nutzen und vor möglichen Gefahren zu warnen. Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem “geistigem Eigentum” basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.“

Das alte Verständnis vom „geistigen Eigentum“ bzw. von der „eindeutigen Verfügungsgewalt der Urheber über ihre schöpferischen Leistungen“ wird vom Grundsatzprogramm der Piraten abgelehnt. Das jetzige „Monopolrecht“ der Urheber, mit ihrer Arbeitsleistung nach Belieben verfahren zu können, wird bestritten. Die Piraten wollen, dass schöpferische Leistungen allen Menschen gehören, weil sie a) auf den schon erbrachten schöpferischen Leistungen anderer aufbauen, und b) durch ihre leichte Kopierbarkeit die Entwicklungschancen aller Menschen vergrößern.

Der schöpferische Prozess soll also vergesellschaftet werden – während die übrigen Arbeitsprozesse weiterhin der kapitalistischen Verwertungslogik unterliegen. Diese Sonderstellung der Kreativen wird damit begründet, dass der schöpferische Prozess von Anfang an ein gemeinschaftlicher sei. Die Erbringer geistiger Leistungen würden nichts anderes tun, als aus vorhandenen Werken mit Hilfe einiger Umwandlungstechniken neue Werke herzustellen – so wie eine Kuh aus dem Gras einer saftigen Wiese Milch herstellt. Schließlich gehört die Milch nach dem Melken auch nicht der Kuh (der Vergleich hinkt, gefällt mir aber trotzdem).

Weiter im Piratentext:

Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern (durch Kopierschutz etc.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch (!), daher lehnen wir diese Verfahren ab.

…Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich (!) betrachtet werden sollte…

Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar…“

Wir halten Folgendes fest: 1. Kopieren ist nach Auffassung der Piraten eine Art Naturrecht. 2. Systeme, die das freie Kopieren einschränken, machen „aus einem freien Gut ein wirtschaftliches“ und 3. Jede Beschränkung der Kopiermöglichkeit ist „unmoralisch“.

Die schöpferische Arbeitsleistung eines Urhebers ist nach Meinung der Piraten ein „freies Gut“, das durch künstliche Verknappung zur kapitalistischen Ware wird.

Dem Urheber, der unter Umständen jahrelang an einem Werk gearbeitet hat, wird so die Möglichkeit genommen, die Verwertung seiner Arbeitsleistung nach eigenem Gutdünken festzulegen. Es geht ihm wie der Milchkuh, die über die Verwertung ihrer Milch nichts mitzureden hat. (Allerdings bekommt sie Kost und Logis gratis – mithin das Äquivalent des bedingungslosen Grundeinkommens).

Das Urheberbild der Piraten unterscheidet sich vom Urheberbild der Verwerter nur in einer (wichtigen!) Nuance: Für die Piraten sind Urheber Milchkühe, die von der Allgemeinheit nach Bedarf gemolken werden können, für die Verwerter sind die Urheber dagegen Zitronen, die man für den eigenen Profit bis zum letzten Tropfen auspressen darf. Beide Vorgänge werden – von Piraten wie von Verwertern – als „natürlich“ bezeichnet.

 

Forderung Nr.2: Die Urheberpersönlichkeitsrechte sollen gewahrt werden

Beginnen wir mit dem Satz, der konträr zur ersten Hauptforderung der Piraten steht. Er lautet:

Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an.“

Nimmt man die Kernaussagen des geltenden Urheberpersönlichkeitsrechts, so stimmen die Piraten damit folgenden Leitsätzen „in vollem Umfang“ zu:

„Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist.“ (§12 UrhG)

„Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk.“ (§13 UrhG)

„Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden.“ (§14 UrhG)

 

Der Grundwiderspruch bleibt bestehen

Womit wir beim Grundwiderspruch angelangt wären, den die Piraten bislang nicht befriedigend auflösen können: Einerseits erkennen sie die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihren Werken „in vollem Umfang“ an, andererseits wollen sie das freie nicht-kommerzielle Kopieren von Werken im Sinne eines unbeschränkten Nutzerrechtes gesetzlich verankert wissen.

Eine solche Begrenzung des Urheberrechts – etwa in Form einer Schrankenregelung – würde jedoch tief in das Urheber-Persönlichkeitsrecht eingreifen. (Die Grünen haben exakt zu diesem Rechtsproblem ein aufwändiges Rechtsgutachten erstellen lassen).

Wer vorgibt, die Persönlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen – wie die Piraten – muss den Urhebern gleichzeitig zusichern, dass sie weiterhin darüber bestimmen können, ob und wie ihre Werke zu veröffentlichen sind. Zu dieser Verfügungsgewalt gehören selbstverständlich auch Beschränkungen und Verbote (d.h. „künstliche Verknappungen“).

Um den inneren Widerspruch ihres Programms zuzudecken, fordern die Piraten einen vage bleibenden „Ausgleich zwischen den Ansprüchen der Urheber und denen der Öffentlichkeit“. Hier hätte man gern Konkretes erfahren, aber genau in diesem Punkt halten sich die Piraten bedeckt. Während sie die „Ansprüche der Nutzer“ sehr klar benennen, bleiben die „Ansprüche der Urheber“ irgendwo im Nebel:

„Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung (!) von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung (!) in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.“

Die Interessen der Urheber finden sich im Piratenprogramm also lediglich in der Allerwelts-Formel vom „fairen Ausgleich“. Doch dieses inhaltslose Trostpflästerchen reicht den Urhebern nicht aus. Sie möchten wissen, was die Piraten unter einem „fairen Ausgleich“ konkret verstehen.

 

Die Piraten arbeiten an einer Neupositionierung

Mittlerweile haben die Piraten, die sich mit der Materie beschäftigen, begriffen, dass sie ihr ‘Urthema’ Urheberrecht stärker durchdringen und verständlicher erklären müssen. Das „Argumentationspapier“, das rund drei Dutzend Piraten um Christian Hufgard beim Bundesparteitag im Dezember 2011 in Offenbach vorgelegt haben (PA 149), ist ein Beispiel dafür. Es konnte sich gegen einen von Andi Popp und anderen eingebrachten Konkurrenzantrag (PA 151) durchsetzen. Dieses „Argumentationspapier“, das später ins Bundeswahlprogramm der Piraten einfließen soll, ist ein minimaler Fortschritt gegenüber dem existierenden Grundsatzprogramm. Es ist differenzierter und zeugt von größerer Kenntnis der komplexen Materie. Aber es gleicht noch immer einer Materialsammlung – nicht einem durchdachten Konzept oder gar einem großen Wurf.

Selbst die kürzlich in einer überhasteten Reaktion veröffentlichten 101 Statements künstlerisch tätiger Piraten führen nicht weiter. Auch da heißt es, man wolle das Urheberpersönlichkeitsrecht nicht antasten – im Grunde will man es aber doch.

Dieser Grundwiderspruch in der Argumentation durchzieht alle Piraten-Äußerungen zum Thema. Daniel Neumann, J.Martin und Jessica Karger schreiben etwa bei den Ruhrbaronen:

„Einen Rechtsbegriff „geistiges Eigentum“ gibt es in Deutschland nicht. Er müsste also zunächst gesetzlich definiert werden, um ihn dann wieder abzuschaffen. „Geistiges Eigentum“ ist damit bestenfalls eine Metapher für kreative Leistungen und Ideen.“

Die gleichen Autoren verweisen in ihrem Beitrag für die Ruhrbarone aber auf ihr „Argumentationspapier“. Und was steht da?

„Man mag zum Thema “geistiges Eigentum” philosophisch stehen wie man will. Die juristische Realität geht aber davon aus, dass es so etwas gibt. Sich davor zu verschließen bringt die Diskussion nicht weiter.“

Also, was nun? Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten, den inneren Widerspruch der Piraten beim Thema Urheberrecht aufzulösen: Entweder plädieren sie für die Einführung einer (verfassungsrechtlich gut begründeten) Schrankenregelung, wodurch die nicht-kommerzielle Privatkopie u.U. gegen den Willen der Urheber erlaubt wird (= Kulturflatrate nach dem Modell der grünen Bundestagsfraktion oder Tauschlizenz nach dem Modell von Volker Grassmuck) oder sie machen sich für die komplette Herauslösung des Urheberpersönlichkeitsrechts aus dem Urheberrecht stark (und folgen damit dem Copyright-Vorbild USA). Das Urheberrecht würde dann zu einem reinen (übertragbaren) Vermögensrecht (= Immaterialgüterrecht), während die Urheberpersönlichkeitsrechte in ein neu zu schaffendes allgemeines Persönlichkeitsrecht einfließen würden. Rechtsdogmatiker würden das begrüßen. Ob es für die Urheber besser wäre, darf jedoch bezweifelt werden. Der Streit darüber dauert in Deutschland schon mehr als 100 Jahre an.

Die Piraten müssen sich mit dieser fundamentalen Problematik endlich auseinandersetzen und dürfen nicht länger um den heißen Brei herumreden. Matthias Schrade vom Bundesvorstand der Piraten hat deshalb einen „Runden Tisch“ vorgeschlagen. Möglicherweise ist dieses bewährte Möbelstück hilfreich, den inneren Widerspruch des Piratenprogramms aufzulösen.

 

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86 Kommentare

  1. Paul Ney |  09.05.2012 | 14:39 | permalink  

    [digitale Plagen] Guckt man sich Dokumente der Piratenpartei an, egal ob als Freund oder Feind oder eben neutral stehend, da fallen einem diverse Ungereimtheiten auf, da kann man ziemlich überall nachhaken. So überrascht mich dieser Artikel gar nicht. Aber da fehlt im Parteiprogramm auch das gewisse Wort “Plagiat” !? Soll auch “copy & paste” irgendwie hoffähig werden?!

    Danke auch für den Link zum Grundsatzprogramm — “Beschlossen auf der Gründungsversammlung am 10. September 2006 in Berlin.” und ein paar mal ergänzt (nicht überbearbeitet?) in den Jahren 2009-2011. Das PDF-Dokument wurde “Erstellt am: 20.12.2011 15:18:54″ und der Tag “Kopieren von Inhalt: Zulässig” ist sinngemäß konsequent. Extra möchte ich den zum Ausdruck gebrachten digitalen Umweltschutz loben: Eine PDF-Datei mit 24 (A4-)Seiten belegt lediglich 182KB! So manch’ anderer hätte daraus eine Multimegabyte-Datei gemacht, womöglich mit 24 Seitendruckbildern, damit die Leser/innen bloß kein Wort kopieren können…

  2. Hans Retep |  09.05.2012 | 15:22 | permalink  

    Eine Ergänzung hätte ich noch: Der Begriff der Privatkopie, die angeblich nicht-kommerziell ist, ist fürs Internet nicht anwendbar. Dort ist jede Kopie öffentlich, und selbst wenn mit ihr keine kommerziellen Zwecke verfolgt werden, konkurriert sie als kostenloses Angebot gegen alle Versuche eines Urhebers, sein Werk kommerziell zu verwerten. Selbst wenn er nicht mal von Nutzern Geld haben will, sondern nur mit Werbung auf seiner Website verdient, muss das scheitern, weil die Aufmerksamkeit von kostenlosen öffentlichen Kopien abgezogen werden kann. Ist alles eine Frage der Google-Platzierung. Google weiß nicht, was Original und was Kopie ist.

  3. Bruno Kramm |  09.05.2012 | 15:31 | permalink  

    Es exisitert ebenso weing ein Widerspruch wie zwischen dem UrhR und den bish. Schrankenregelungen. Neben den allseits bekannten Trittbrettfahrereffekten nach der Erstkopie eines Werkes, der nicht zu rechtfertigenden Totalüberwachung und dem berechtigten Interesse der Allgemeinheit am freien Zugang, der durch das bish.UrhR eklatant beschränkt wird (90 Prozent aller Werke sind nicht verfügbar, da einerseits Verlagsrechte existieren, die andererseits mangels Erfolgsaussichten nicht wHrgenommen werden) , ist diese Reform des UrhR dringend erforderlich. Zumal jeder normale User mit einfachsten Vorgängen im Netz in den Bereich der kriminellen UrhRVerletzung gedrängt wird. Nein, es ist das geltende UrhR, das im Widerspruch zur modernen Informationsgesellschaft steht. Gerade deshalb muss reformiert werden und gleichzeitig über neue Honorierungsmodelle für Schöpfer kreativer Inhalte nachgedacht werden. Und natürlich sträubst sich die alte Lobby mit allen Mitteln dagegen und instrumentalisiert Urheber zum Protest um sie weiterhin an der kurzen Leine im Prekariat zu halten.

  4. Wolfgang Michal |  09.05.2012 | 15:46 | permalink  

    @Bruno Kramm: Also bitte jetzt keine Nebelkerzen werfen! Bislang sprechen die Piraten nur vom “fairen Ausgleich”, ohne jemals zu sagen, was sie konkret damit meinen. Aber nachdem Sie es ja ansprechen: Wie soll denn eine (mit der Verfassung vereinbare) künftige Schrankenregelung der Piraten aussehen? Könnte man mal Konkretes erfahren? Oder heißt es jetzt wieder: So weit sind wir noch nicht…

  5. LordSnow |  09.05.2012 | 16:06 | permalink  

    “Wer vorgibt, die Persönlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen – wie die Piraten – muss den Urhebern gleichzeitig zusichern, dass sie weiterhin darüber bestimmen können, ob und wie ihre Werke zu veröffentlichen sind. Zu dieser Verfügungsgewalt gehören selbstverständlich auch Beschränkungen und Verbote (d.h. „künstliche Verknappungen“).”

    Ich habe mal versucht das Hauptargument herauszugreifen, also von den 3 Persönlichkeitsrechten, kurz gesagt:
    1. korrekte Namensnennung
    2. Schutz vor Entststellung
    3. Recht auf Veröffentlichung

    wird laut dem Artikel eigtl. nur das letzte potentiell tangiert oder habe ich etwas überlesen?

    Bei dem letzten Punkt ist die bisher beste Argumentation die, dass eine Veröffentlichung nur einmal erfolgen kann, danach ist es dann ja öffentlich und dieses Recht also quasi das Recht auf “Erstveröffentlichung”, würden manche sagen, will die Piratenpartei nicht antasten. Es hängt aber eben davon ab, wie man “Veröffentlichen” defininiert, evtl. wäre es hier doch sinnvoll im Gesetz Klarheit zu schaffen, damit nicht gewiefte Juristen doch wieder ein der Öffentlichkeit bereits zugängliches Gut als nicht-öffentlich deklarieren.

    Viele Grüße
    René

  6. tauss |  09.05.2012 | 16:11 | permalink  

    *ROFL*

    Der Nebelkerzenwerfer Michal wirft ausgerechnet Bruno Kramm Nebelkerzen vor und bemüht die Verfassung. Sagen wir mal so: Das heutige “Recht” beruht weniger auf dem “Eigentum verpflichtet” des GG denn auf Einflussnahmen der Contentmafia auf EU-Kommission und Gesetzgeber.

    Da halte ich es lieber mit dem Max-Planck-Institut für immaterielles Recht, das diesen Begriff des geistigen Eigentums (Prof. Hilty) in Frage stellt oder gar mit dem stockkonservativen Rechtsgelehrten Hans Forkel, der die Fehlentwicklung in den 80igern wohl schon heraufdämmern sah. Zitat:

    “Allerdings vermeidet man es im deutschen Privatrecht, von “geistigem Eigentum” zu sprechen, aus der Erkenntnis heraus, dass immaterielle Güter wegen ihrer Eigenart und ihrer Bedeutung für das menschliche Zusammenleben rechtlich weiterhin anders zu bewerten sind als Sachgüter, für die das bürgerliche Recht Eigentum anerkennt”.

  7. Hans Retep |  09.05.2012 | 16:19 | permalink  

    @Lord Snow: “Korrekte Namensnennung” gehört zum Persönlichkeitsrecht des Urhebers und soll nicht angetastet werden? Dann sollten die Piraten vielleicht mal genauer ins Netz horchen, wo die Probleme sind mit dem Urheberrecht. Ich mache zur Zeit eine eher unfreiwillige Aufräumaktion bei meinen Gedichten. Ich führe keine Strichliste, und gefühlt sind es 99%, aber sagen wir mal es sind nur 80% der Kopien, die ohne den Namen des ursprünglichen Verfassers auskommen müssen. Die Nutzer sind also schon viel weiter als die Piraten sich trauen. Ich kann mir allerdings auch keine wie auch immer geartete Reform vorstellen, die solches Tun billigte. Das heißt aber auch: Gesetzlich lassen sich die Probleme nicht lösen, man müsste schon den steinigen Weg von Bildung und Aufklärung gehen. Aber so was ist nicht sehr hip.

  8. Wolfgang Michal |  09.05.2012 | 16:31 | permalink  

    @Tauss: Ach, wir wollen jetzt nicht schon wieder um das geistige Eigentum streiten. Dass es im Lauf der Zeit zum “Kampfbegriff” wurde – geschenkt. Es hat aber einen Doppelcharakter. Es ist auch das Äquivalent des Immaterialgüterrechts – wenn man es seiner ideologischen Bezüge entkleidet. Lesen Sie vielleicht mal Rigamonti (Diss.) dazu.

    Hier geht es nur darum, dass die Piraten einerseits die Urheberpersönlichkeitsrechte “in vollem Umfang” anerkennen, gleichzeitig aber auch ein sehr umfassendes Nutzerrecht begründen wollen, das in die Rechte der Urheber stark eingreift. Das ist zunächst mal der Widerspruch. Um diesen aufzulösen, möchte ich mal was Gescheites von den Piraten hören und nicht immer nur Ausflüchte und Floskeln wie “fairer Ausgleich”.

    @Lord Snow: Nee, es werden die Punkte 2 und 3 tangiert. Die Argumentation mit der Erstveröffentlichung ist Unsinn. Aber das wissen Sie sicher auch.

    @Hans Retep. Privatkopien von Computer zu Computer sind nicht öffentlich.

  9. LordSnow |  09.05.2012 | 16:37 | permalink  

    “@Lord Snow: Nee, es werden die Punkte 2 und 3 tangiert. Die Argumentation mit der Erstveröffentlichung ist Unsinn. Aber das wissen Sie sicher auch.”

    Beweis durch Behauptung?

    Viele Grüße
    René

  10. Sven Geggus |  09.05.2012 | 16:49 | permalink  

    Wann beginnt eigentlich endlich die Diskussion auf Basis nicht mehr änderbarer Tatsachen?

    Das Wesen aller IT ist die Kopie. Kopierschutz und DRM funktioniert nicht.

    Kris hat es vor 3 Jahren in diesem wunderschönen Artikel hervorragend auf den Punkt gebracht:

    http://blog.koehntopp.de/archives/2518-Falscher-Planet,-falsches-Jahrtausend.html

  11. Wolfgang Michal |  09.05.2012 | 16:57 | permalink  

    @Sven Geggus: Die Probleme fangen immer dann an, wenn Leute vom “Wesen” reden. Jeder interpretiert nämlich genau das hinein, was herauskommen soll. Siehe Naturrecht! Bleiben wir lieber beim positiven Recht.

    @LordSnow: Beweis durch Behauptung? Nein, Beweis durch Lesen. Lesen Sie einfach die drei zitierten Paragraphen zum Urheberpersönlichkeitsrecht.

  12. Sven Geggus |  09.05.2012 | 17:15 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Hast Du den Artikel von Kris mal gelesen?

    Die ganze Diskussion krankt doch gerade daran, dass die meisten Leute nicht einsehen wollen (offensichtlich auch Du), dass es ein bisschen schwanger nicht gibt.

    Erst wenn alle verstanden haben, dass eine künstliche Verknappung digitaler Güter in einer demokratischen Gesellschaft weder erstrebenswert noch grundrechtskonform möglich ist kann eine Diskussion über die zukünftige finanzielle Entlohnung der Schöpfer kreativer Werke sinnvoll beginnen.

  13. Thomas Elbel |  09.05.2012 | 17:49 | permalink  

    Mir ist ein neuer schöner Begriff zur Grundhaltung der Piraten eingefallen, wenn ich die Kommentare hier lese. Die Piraten sind eine technoliberale Partei. “Erlaubt ist alles, was technisch geht.” ist das permanente Mantra der Piraten oder umgekehrt formuliert: “Jede staatliche Beschränkung technischer Potenz ist falsch.” Klingt nach fast nach Adam Smith 2.0. Die ethische Leere dieses Arguments lässt mich frösteln.

    Es ist bei genauer Betrachtung auch eine Rückbesinnung auf das gute alte Recht des Stärkeren: Dem Urheber sagt man “Dein Recht kann verletzt werden und da du diese Verletzung vielleicht behindern aber in letzter Konsequenz nicht verhindern kannst, musst du es zu dulden.” Wieviel Unrecht könnte man mit solcher einer schlichten Denke zum Recht umdeuten. Mir wird noch kälter.

    Die Frage in einem Rechtsstaat darf niemals sein, was möglich ist, sondern was fair ist.

  14. LordSnow |  09.05.2012 | 18:07 | permalink  

    “Die Frage in einem Rechtsstaat darf niemals sein, was möglich ist, sondern was fair ist.”

    Wobei du vermutlich die Deutungshoheit darüber möchtest, was “fair” ist und was nicht?

    @Wolfgang:
    Habe ich gelesen, die korrekte Angabe des Urhebers will die Piratenpartei auf keinen Fall antasten, genausowenig, wie den Schutz vor Entstellung des Werkes, davon findet sich auch in deinem Artikel überhaupt nichts.

    Bei einer Veröffentlichung wird für dich nicht etwas öffentlich gemacht?

    Viele Grüße
    René

  15. Kurz verlinkt: Fahrräder, Piraten, Geistiges Eigentum |  09.05.2012 | 18:12 | permalink  

    [...] sich bei Carta mit dem Urheberrechtsprogramm der Piraten und macht Ungereimtheiten und einen ungelösten Grundwiderspruch aus: „Einerseits erkennen sie die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihren Werken „in vollem [...]

  16. Sven Geggus |  09.05.2012 | 18:22 | permalink  

    @Thomas Elbel: Huh? Aus welchem Kommentar liest Du denn das raus, dass alles erlaubt sein soll, was technisch geht? Ich denke nicht das irgendjemand in einer solchen Welt leben möchte. Ach ja und ich bin im übrigen kein Wähler der Piratenpartei sondern Verfechter freier Software, die von einem starken Urheberrecht profitiert.

    Ich habe geschrieben dass man auf Basis realer Grundlagen diskutieren muss und diese reale Grundlage heißt halt nun mal, dass es eine Technik gibt die 1:1 Kopien nahezu kostenlos zur Verfügung stellt und dass man diesen Fakt technisch nur verhindern kann wenn man die demokratischen Grundrechte defakto abschafft.

    Gruss

    Sven

  17. Wolfgang Michal |  09.05.2012 | 18:24 | permalink  

    @Sven Geggus: Ich werde hier nicht über das Wesen der Kopie diskutieren (siehe dazu den Kommentar von Thomas Elbel #13). Es geht schlicht darum, das sich die Piraten der Anstrengung unterziehen müssen, ihren selbst produzierten inhaltlichen Widerspruch aufzulösen bzw. konkrete Vorschläge zu machen, mit welchen Mitteln sie einen “fairen Ausgleich” gestalten wollen.

  18. Thomas Elbel |  09.05.2012 | 18:41 | permalink  

    @Sven Geggus: Das war keine direkt an Dich gerichtete Formulierung, sondern eher die Quintessenz meiner Diskussionen mit den Piraten. Dort wird die Legalisierung von Tauschbörsen im Prinzip auf drei verschiedene Arten begründet:
    1. Technisch: Was man nur durch Totalüberwachung völlig verhindern kann, muss man legalisieren. Diese Begründung ist falsch, weil sie eine Schwarz-oder-Weiß-Situation suggeriert, die so nicht stimmt. Tatsächlich gibt es eine ganze Menge Schweinereien im Internet, die man nicht völlig verhindern kann, deren Legalisierung aber niemand allein aus diesem Grund ernsthaft fordern würde. Die dritte Möglichkeit wäre hier, das Verbot aus spezialpräventiven Gründen bestehen zu lassen, und die Verfolgung auf ein angemessenes Maß zurückzuschrauben und mit den Übertretungen, die sich auf dieser Grundlage nicht verhindern lassen, zu leben.
    2. Volkswirtschaftlich: Geistige Schöpfungen gibt es nicht, weil sie immer auf den geistigen Schöpfungen anderer beruhen, und daher von vornherein Allgemeingut sind. Siehe dazu oben den Hauptartikel; das Beispiel mit der Milchkuh.
    3. Betriebswirtschaftlich: Eine Leistung, die endlos kopierbar ist, hat einen ökonomischen Nullwert. Sie verdient daher keine Vergütung.

    Alle drei Argumente werden parallel benutzt. Alle drei Argumente sind, wenn man sie konsequent zu Ende denkt, geeignet zu begründen, dass ein Urheber für seine Leistung keine Gegenleistung erwarten kann. Der Gesichtspunkt, dass der Urheber seine Schöpfung mühevoll erarbeitet hat, und damit denselben Ausgangspunkt hat, wie jemand der etwas materielles schöpft, spielt in diesen Betrachtungen primär keine Rolle.
    Die Piraten berücksichtigen das nur sekundär, in dem sie dafür plädieren, dass ungeachtet ihrer eigenen Argumentation eine faire Bezahlung verdient hat. Das hat dann den charmanten Vorteil, dass diese Vergütung eher als eine Art gnädige Aufwandsentschädigung daher kommt.
    Das bisherige System der Vergütung pro verkaufter Einzelkopie wird abgelehnt, weil es tendenziell uferlos sei. Das ist oberflächlich betrachtet richtig, entspricht aber nicht der ökonomischen Realität in der die Künstler trotz der theoretischen Uferlosigkeit faktisch im Schnitt viel zu wenig verdienen.
    Wenn man aber dieses System durch eine Flatrate, Crowdfunding oder ähnliche Systeme ersetzen will, geht damit die direkte Relation von der individuellen Qualität der Leistung und der Höhe ihrer Bezahlung unter, die bei dem alten System durch die Anknüpfung an die verkaufte Menge gewahrt ist.

  19. LordSnow |  09.05.2012 | 19:44 | permalink  

    “1. Technisch: Was man nur durch Totalüberwachung völlig verhindern kann, muss man legalisieren. Diese Begründung ist falsch, weil sie eine Schwarz-oder-Weiß-Situation suggeriert, die so nicht stimmt. Tatsächlich gibt es eine ganze Menge Schweinereien im Internet, die man nicht völlig verhindern kann”

    Welche Schweinereien sind das und wieso bist du der Meinung, dass sich diese nicht zum Großteil verhindern lassen?

    Falls du KiPo meinst, dann würde ich schonmal vorweg widersprechen. An KiPo zu kommen ist fast unmöglich, weil es 99,99% der Bevölkerung klar ablehnen, jedoch um illegal an einen Song oder ein eBook zu kommen, muss ich nur mal kurz in irgendeinem social network fragen und bekomme sofort hunderte freundliche Hinweise, ähnlich wie damals bei der Alkoholprohibition in den USA, die sich ebenfalls nicht gegen den Willen großer Teile der Bevölkerung durchsetzen ließ.

    In deiner Aussage klingt es so, als würdest du dich nur auf das Internet beziehen, in der letzten ,letzten Brennerstudie konnte man ja lesen, dass nur 19% der illegalen Verbreitung im Internet statt finden, was sagst du zu den 81% die Offline via Smartphone, USB-Stick, Rohlingen, externen Festplatten im Terrabytebereich geschehen, mittlerweile rasent schnell im Schneeballsystem? Kannst du dir vorstellen, dass die Welt zwar nicht komplett schwarz-weiß ist, aber doch in bestimmten Situationen stark zu einer der beiden Farbwerte tendieren?

    Viele Grüße
    René

  20. fritz.effenberger |  09.05.2012 | 21:33 | permalink  

    Wolfgang, bitte entschuldige, aber du ziehst hier eine künstliche Diskussion auf. Du unterscheidest nämlich (womöglich bewusst) nicht zwischen Urheberpersönlichkeits- und Verwertungsrecht. Das eine ist – auch den Piraten – unantastbar, das andere muss sich der Realität stellen: Es wird kopiert und via Internet (und anderen Medien) verteilt, und das lässt sich nicht ändern. Also brauchen wir eine Lösung, die dieser Realität Rechnung trägt. Glücklicherweise haben wir als Gesellschaft diese Lösung schon entwickelt, weil nämlich Kopieren schon länger ein (Marginal-)Problem des Urheberrechts ist. Die Lösung heisst Kopierabgabe, es gibt sie auf Leermedien und Kopiergeräte, und es gibt sie in ähnlicher Form auch für Streaming und Internetradio. Alles, was wir erreichen müssen, ist, eine solche Pauschalabgabe auf Internetzugänge festlegen, die, wenn man wie Philippe Aigrain von La Quadrature du Net nachrechnet, bei 2,31 Euro pro Anschluss in Deutschland liegt. Für alle Kultur- und Wissensparten. Mehr ist nicht.

    http://11k2.wordpress.com/2012/05/02/das-urheberrecht-wird-verschwinden-fur-231-euro-pro-monat/

  21. Spider |  09.05.2012 | 22:08 | permalink  

    Es gibt noch ein weiteres Problem beim Urheberrecht. Und zwar bei der Definition des “Werkes”.

    Zum Beispiel bei einem Musikstück. Was ist das Werk? Die mp3? Oder doch die Originalspuren.

    Um das ganze mal auf die Spitze zu treiben:

    Ist dieser Kommentar ein Werk im Sinne des Urheberrechts?

    Wenn ja, was könnte ich verlangen, dass Sie dieses hier weiterverbreiten (Keine Angst, ich möchte kein Geld dafür!). Jeder Aufruf dieser Seite ist eine Kopie meines Werkes, auf der Seite ist Werbung, also wäre dies eine geschäftsmäßige Verbreitung meines Werkes.

    Wenn nein (Vermutlich wegen Schöpfungshöhe): Wieviele Absätze muss ich hinzufügen um ein Werk zu erstellen. Und wo könnte ich dann evtl. das ganze Geld abholen.

    Woran erkennt man überhaupt ein Werk? Ok, dazu stehen ein paar schwammige Absätze in §2 des Urheberrechts und es gibt sicher jede Menge juristische Literatur dazu. Aber die eigentliche Frage ist doch:

    Wie erkenne ich als juristischer Laie ein solches Werk? Da mich es mich finanziell sehr stark einschränken könnte, wenn ich ein solches Werk nicht erkenne, sollte es eine einfache Möglichkeit geben festzustellen, was ein ‘Werk’ ist.

  22. Thomas Elbel |  09.05.2012 | 22:38 | permalink  

    @Fritz Effenberger:
    Einzugsgerechtigkeit? (Ich konsumiere keine Kultur)
    Verteilungsgerechtigkeit? (Mein Buch ist viel toller und mehr, als das Musikstück von XY)
    Organisation? (Staatlich oder Privat)
    Wer definiert Bezugsobjekte? (Was ist Kunst?)
    Wer definiert Bezugssubjekte? (Wer ist Künstler?)
    Gibt es Rechtsschutz?

    2,31 Euro ist leider nur ein Bruchteil der Antwort auf eine sehr komplexe Frage. Und wie kommt diese Summe eigentlich zustande? Ist das brutto oder netto? Inflationsbereinigt auf welchem Stand? Nach welchem Kostenindex wird das angepasst? Wird das zusätzlich zu herkömmlichen Vergütungen/Tantiemen gewährt oder darüber hinaus?

    @Spider:
    Woher wissen Sie eigentlich was Eigentum, Mord, Wertpapier, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, Meinungsäußerungsfreiheit, Werkmangel, Anfechtung, Schönheitsreparatur, Verwaltungsakt bedeutet?

  23. Wolfgang Michal |  10.05.2012 | 10:30 | permalink  

    @fritz: Nein, das ist keine künstliche Diskussion. Derzeit versprechen die Piraten den Urhebern und den Nutzern, was diese beiden Gruppen gern hören wollen (Populismus). Aber “voller Umfang der Urheberpersönlichkeitsrechte” und weitgehende Nutzerrechte – das geht hierzulande nicht zusammen. Es geht mir gar nicht um Piratenbashing, sondern darum, dass die Partei klar sagen muss, wie sie diesen Widerspruch auflösen will. Ich habe die Möglichkeiten ja im letzten Abschnitt angedeutet.
    Das deutsche Urheberrecht ist weitgehend von der monistischen Theorie geprägt, dass nämlich Persönlichkeitsrechte und Vermögensrechte aus einem gemeinsamen Stamm erwachsen, deshalb greifen Änderungen IMMER in beide Rechte ein. Vermutlich wäre es politischer (und entspräche auch den bisherigen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts), Änderungen des Urheberrechts mit Artikel 14 GG (Sozialbindung des Eigentums) zu begründen.
    Rein rechtlich (rechtsdogmatisch) wäre der Versuch interessanter, langfristig den Gedanken des Immaterialgüterrechts zu etablieren, wodurch Vermögens- und Persönlichkeitsrechte getrennt betrachtet würden. Das hätte den Vorteil, dass die heutige, sehr einseitige Betrachtung des Urheberrechts als reine Interessenvertretung der Urheber durch einen echten Interessenausgleich abgelöst werden könnte, ohne dabei jedes Mal über den ‘vorbelasteten’ Eigentumsbegriff gehen zu müssen. Da die Piraten eine politische Partei sind (oder sein wollen) und keine Juristenvereinigung, läge der erste Weg wohl näher.
    Das Offenlassen, was “ein fairer Ausgleich” sein könnte, ist jedenfalls keine Lösung.

  24. theo |  10.05.2012 | 11:56 | permalink  

    Lieber Wolfgang Michal, ich gehe mit Ihnen d´accord. Unabhängig davon genieße ich es, wenn jemand – so wie Sie – mit Niveau und profundem Wissen diese Thematik angeht. Danke dafür.

  25. Spider |  10.05.2012 | 17:45 | permalink  

    @Thomas Elbel:

    “Woher wissen Sie eigentlich was Eigentum, Mord, Wertpapier, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, Meinungsäußerungsfreiheit, Werkmangel, Anfechtung, Schönheitsreparatur, Verwaltungsakt bedeutet?”

    Das mit dem Wissen ist so eine Sache. Ich habe allerdings das Gefühl verstanden zu haben, was diese Dinge bedeuten, bei manchen mehr und bei manchen weniger. Z.B. kann ich Eigentum und Besitz ohne Probleme auseinanderhalten.

    Beim ‘Werk’ im Urheberrecht fehlt mir aber jegliches Verständniss für den Begriff, und das obwohl ich mich seit einiger Zeit damit beschäftige.

    Die Frage, ob mein Kommentar ein urheberrechtliches Werk darstellt, ist daher auch keine rhetorische, sondern ein Versuch diesen Begriff zu verstehen. Leider habe ich dazu noch keine verwertbaren Antworten bekommen.

    Die Fragen, die Sie stellen (Was ist Kunst, Wer ist ein Künstler) sind im Grunde auch meine Fragen.

  26. Linksammlung Urheberrecht |  10.05.2012 | 18:07 | permalink  

    [...] “Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten” (9.5.2012, Wolfgang Michal, Carta.info) [...]

  27. DJ Nameless |  11.05.2012 | 00:38 | permalink  

    Der Vergleich mit der Milchkuh finde ich gut. Im Übrigen habe ich auch aus Urhebersicht kein Problem damit, wie eine Milchkuh behandelt zu werden, wenn es als “fairen Ausgleich” halt Kost und Logis gratis gibt.

  28. Michael Vonau |  11.05.2012 | 11:23 | permalink  

    @ Spider
    Sie könne davon ausgehen, dass zumindest Blogbeiträge theoretisch vergütbar sind, sofern sie dabei einige Formalien beachten. D.h. die Seite, auf der Sie veröffentlichen, muss von normierten Zählern erfasst werden, eine bestimmte Zugriffzahl erfüllt werden, Sie müssen VG-Wort-Mitglied sein etc. Hier ein Beispiel: http://www.selbstaendig-im-netz.de/2011/10/10/geld-verdienen/nuetzliche-vg-wort-plugins-und-die-auszahlung-fuer-2010/

  29. Nachtrag zur Urheberrechtsdebatte « H I E R |  11.05.2012 | 12:08 | permalink  

    [...] Piraten. Wolfgang Michal hat hier noch mal präzise aufgedröselt wie uneingestanden inkohärent und bigott die Postion der Piraten [...]

  30. Ingo Herzke |  11.05.2012 | 12:16 | permalink  

    Ich bin als literarischer Urheber sehr froh, dass Sie diesen unaufgelösten Grundwiderspruch so deutlich benennen; ich habe mich in den letzten Monaten an einigen Netz-Diskussionen zum Thema beteiligt und nirgendwo auch nur ansatzweise befriedigende Antworten auf ähnliche Fragen gefunden.
    Für mich beginnt jedoch die Fragwürdigkeit ein Stück früher, nämlich bei dieser meiner Ansicht nach geradezu wahnsinnigen Einschätzung der Piraten:
    »Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung (!) von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.«
    Weil ich Shakespeare gelesen habe, verdanke ich jedes meiner eigenen Gedichte seinen Schöpfungen, ja? Und darum gehören sie nicht mir?
    Warum bezahle ich dem Kunsttischler mehr als sein Material, es haben schließlich schon vor ihm Leute Tische gebaut, und er kupfert nur ab!
    Es geht auch mir, wie so vielen Urhebern, die sich beklagen, überhaupt nicht um Überwachung und Strafe. Das lehne ich ebenso ab wie die meisten Nutzer des Internet, denn ich bin schließlich auch einer.
    Es geht mir um eine Kultur der Anerkennung. Aus vielen Kommentaren, die ich lese, spricht die Haltung: »Ich bezahle nur, wenn ich nicht mehr als einen Klick dafür brauche und es kaum teurer ist als umsonst.« Wieso sollen solche Menschen Kultur konsumieren(!) dürfen, die ihnen die Schöpfer eigentlich nicht schenken wollten?
    Mir würde, wie DJ Nameless, schon anständige Kost und Logis reichen – aber selbst das scheint ja vielen zu viel.

  31. Raventhird |  11.05.2012 | 19:42 | permalink  

    Danke. Diesen Artikel kann man komplett so unterschreiben und noch ergänzen: Dieser Widerspruch taucht nicht nur bei den Piraten auf, sondern im ganzen Netz und bei allen “Urheberrechtsgegnern”. Das Argument läuft letztlich immer auf “ich will ja, dass die Künstler irgendwie entlohnt werden, aber ich will gefälligst auch straffrei runterladen und nicht verfolgt werden” hinaus, auch wenn es über Nebelkerzenumweg (angeblich geht es um die “Remixkultur” und “YouTube-Nachsingen von Liedern”, was so gut wie niemanden wirklich betrifft) vermittelt wird. Nur wie genau die Künstler entlohnt werden sollen, das weiß niemand, im Idealfall kommen dann schwammige Ideen von Crowdfunding über Kulturflatrate bis Grundeinkommen, die, wenn man auch nur kurz mal näher reinstochert, in sich zusammenfallen. Tja.

    Fazit: Keiner hat ne Idee, wie dieses Problem zu lösen ist, aber alle Netzleute schreien – zumeist aus eigennützigen Motiven – nach einer “Reform” (aka “Aufweichung”) des Urheberrechts.

  32. Harald |  11.05.2012 | 23:48 | permalink  

    Ihre Vorstellungen zum Urheberrecht sollen die Piraten ruhig ausarbeiten, also Utopie, aber nicht als Forderung. Ihren Vorstellungen zur Änderung sind, unabhängig davon ob sie richtig oder falsch sind, schlicht und einfach zu umfangreich. Sie im Ganzen umzusetzen würde die kreative Wirtschaft in ein Chaos stürzen. Jede einzelne ihrer Positionen hat Auswirkungen auf das Einkommen und die Existenz von Personen in diversen Bereichen.

    Es gibt mit Sicherheit eine Reihe von Problemen mit dem Urheberrecht und verwandten Rechten, die durch das Internet und die digitale Kopie entstanden sind. Diese herauszuschälen und danach die Forderungen zu priorisieren ist längst überfällig – nicht nur bei den Piraten.

    Die 100-Euro-Abmahnung z.B.: längst überfällig. Oder die private Weitergabe an einzelne Personen: warum ist kann es nicht legal sein, wenn ich ein paar MP3s an einen Freund weitergebe? Oder die hier schon öfters genannten Themen Kulturflatrate (nicht gerade mein Favorit …), Exklusivverträge und verweiste Werke.

    Die Piraten sollten langsam mal lernen Prioritäten zu setzen.

  33. tauss |  12.05.2012 | 08:10 | permalink  

    Es ist hoch interessant zu beobachten, wie hier der Weberaufstand tobt. Während die Weber tatsächlich noch von sozialer Katastrophe und nacktem Elend bedroht waren, machen hier die Besitzstandswahrer gegen eine freiheitlich angelegte Technik und deren Nutzer Stimmung.

    Dabei wird Urheberrecht, Urheberpersönlichkeitsrecht, Verwerterrecht und Urhebervertragsrecht munter durcheinander geworfen.

    In Wahrheit geht es nicht um die Privatkopie, sondern um die Erhaltung von Monopolen nach Muster der GEMA. Es geht um die Bevormundung von Menschen bis hin zur Schaffung eines Überwachungsstaats zur Verhinderung heutiger mechanischer Webstühle, sprich Internet. Zur Ablenkung hiervon konstruieren die Befürworter einer sich nicht ändern dürfenden Welt ideologisch-juristische Kampfbegriffe wie die vom “geistigen Eigentum”.

    Gelogen wird dabei noch, dass sich die Balken biegen (siehe GEZ-finanzierte Drehbuchautoren, Musikindustrie oder Börsenverein des Deutschen Buchhandels). Wie gesagt: Hoch interessant. Und entlarvend.

    Schon deshalb kann man den Piraten dankbar sein, dass sie in dieses Geflecht schon mafiöser Strukturen hineingestochen haben. Ihr Irrtum ist lediglich die Annahme, man könne sich sachlich und zivilisiert mit gut organisierten Lobbyverbänden auseinandersetzen, von deren Einfluss in Regierungen und Parlamenten andere Wirtschaftsvertreter, einschließlich der Pharma- oder Atomindustrie, nur träumen können.

    In unserem Rechtsstaat hat diese Contentmafia, übrigens einschließlich der Pornoindustrie, dank fliegendem Gerichtsstand mit den Kammern am Landgericht Hamburg bereits eine eigene Gerichtsbarkeit zur Durchsetzung ihrer Interessen installiert. In 15 Jahren Bundestag (ähnlich Europaparlament) habe ich keine Lobby mit vergleichbarer fraktionsübergreifender Wirkung und Verhinderungsgewalt gegen zarteste Veränderungen zu deren Lasten erlebt.

    Da halte ich es lieber mit jungen, sympathischen Künstlerinnen wie ZOELEENA, die mit GEMA und diesem gesamten Gesocks nichts zu tun haben wollen. Gut so! Diese geschilderten Strukturen müssen aufgebrochen werden.

    Carta ist hierzu ein gutes Forum- aber bitte, liebe Carta-Autoren, überlasst dabei nicht Herrn Michal mit seinen Oberflächenanalysen das Feld.

    Jörg Tauss
    MdB von 1994 – 2009

  34. Thomas Elbel |  12.05.2012 | 09:10 | permalink  

    Interessant, dass Herrn Tauss hier als Analogie als erstes die Weber einfallen. Da verteilen sich meine Sympathien fast automatisch. Entlarvend ist dabei die aggressive Kampfrethorik, die Herr Tauss an den Tag legt. Da werden wieder alle widerlichen Klischees bemüht (Contentmafia), um die Urheber bestmöglich zu diffamieren und in die Ecke der Unbelehrbaren zu stellen. Ich empfehle stattdessen diesen ergänzenden Post: http://mspr0.de/?p=2949

  35. Rolf |  12.05.2012 | 09:56 | permalink  

    Das ist doch Kindergartenniveau, weil hier nicht unterschieden wird zwischen Urheberpersönlichkeitsrecht, Urheberveröffentlichungsrecht und Urheberverwertungsrecht.
    Außerdem werden hier die Urheber technischer Ideen (Erfinder) ignoriert, denn die müssen Anmelden, Gebühren zahlen, erhalten ihr Recht nur im jeweiligen Land und auch nur für maximal 20 Jahre ab Anmeldung.
    Verstöße gegen das Urheberrecht wie gegen das Patentrecht bedeuten den gleichen “Ideenklau”, die gleiche Beeinträchtigung geistigen Eigentums und objektiv spricht überhaupt nichts dagegen Erfinder exakt so wie einfache Urheber zu behandeln, da beide eine objektive Neuheit nachweisen müssen (Prioriätsprinzip), so wie auch die ausreichende Schöpfungshöhe (bei Erfindern Erfindungshöhe genannt). Da an Erfinder höhere Anforderungen gestellt werden, sollten sie eigentlich bevorzugt werden, da sie neben viel mehr Entwicklungsarbeit auch zusätzlich Recherchearbeit aufbringen müssen, den sie auch nachweisen müssen.

  36. tauss |  12.05.2012 | 10:42 | permalink  

    @Thomas Elbel

    Wieso? So langsam bekomme ich selbst für den Zorn eines @mspr0 Verständnis, auch wenn ich gerne ein modernes Urheberrecht und vor allem Verwerterrecht will.

    Ansonsten bleibe ich schon aus politischer Erfahrung gerne bei der korrekten Formulierung “Contentmafia”. Hier die etwas umfangreichere Begründung meines Rants:

    http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=3385

    Ergänzend sehr schön (und natürlich viel sachlicher) ;)
    :
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Wir-sind-die-Urheber-Kritik-an-Kuenstleraufruf-1573617.html

  37. asklahre |  12.05.2012 | 17:01 | permalink  

    Bin über die Leseempfehlung der Freischreiber auf Carta aufmerksam geworden – und angetan. Störend nur, dass Carta von Zeit online “vermarktet” wird bzw. sich vermarkten lässt. Müssen die Macher von Carta dafür bezahlen? Und was bedeutet das fürs Urheberrecht?

  38. Wolfgang Michal |  12.05.2012 | 18:38 | permalink  

    @asklahre: Vermarktung heißt, dass sich Zeit Online um die Anzeigen auf dieser Seite kümmert (wie bei netzpolitik.org). Mit den redaktionellen Inhalten hat das nichts zu tun.

    @Tauss: Ihre “Tiefenanalyse” zur Contentmafia versucht leider, von dem hier geschilderten Problem abzulenken. Die Piraten werden eine Lösung anbieten müssen.

  39. Eine Lanze für die Solidarität | Carla Berling |  12.05.2012 | 19:01 | permalink  

    [...] generell erlaubt und gefördert werden soll, ist mir zu hoch. Wolfgang Michal hat darüber bei CARTA einen sehr guten Artikel geschrieben. Ich bin kein Politiker, ich bin Autorin. Und meine eigene [...]

  40. tauss |  12.05.2012 | 19:36 | permalink  

    @Michal

    Nein, müsssen sie nicht. Die Piraten haben bis an die Grenze der Zumutbarkeit “geliefert” und nun muss die Gegenseite den Nachweis erbringen, dass sie überhaupt bereit ist, zu “verhandeln” und an Lösungen Interesse hat.

    Das sehe ich nicht. Im Gegenteil: Mit der Forderung, eine der letzten Schranken des Urheberrechts zu Gunsten von Bildung zu beseitigen, haben die Scharfmacher beim Börsenverein die Oberhand gewonnen. Aus diesem Grunde ist ein “Dialog” derzeit nicht möglich.

    Insofern ist der Leidensdruck für die Gegenseite mit noch immer horrenden Gewinnen und Managerbezahlung offensichtlich nicht groß genug und muss verstärkt werden. Dies wäre der einzige “Vorwurf”, den ich den Piraten mache: Zu schnell radikalere Positionen geräumt und Kompromisse angeboten zu haben.

  41. Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten « Das Urheberrecht |  13.05.2012 | 00:11 | permalink  

    [...] Piraten wollen das Urheberpersönlichkeitsrecht in vollem Umfang erhalten, bloggt Wolfgang Michal auf Carta. Sharen mit:TwitterFacebookFlattrE-MailGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem diese(r) Artikel [...]

  42. Millus |  13.05.2012 | 01:19 | permalink  

    also, wenn jemand zu mir kommt (egal ob Pirat oder Nicht-Pirat) und sagt: “Ich will dein Wissen, deine Kunst, deine Geheimnisse haben und ich will sie am besten umsonst. Ich will sie auch kopieren und verteilen. Wir haben ein Recht dazu, weil wir alle Menschen sind und es ist unser Grundrecht Wissen/Kunst umsonst zu erhalten!”
    Dann sage ich einfach: “Nein.”
    Und die Diskussion ist beendet.

    Und falls die Leute, es wagen, mir mein Wissen, meine Kunst, meine Geheimnisse zu stehlen, oder das Wissen, die Kunst und die Geheimnisse anderer zu stehlen, dann werden sie dafür zur Rechenschaft gezogen. Mit aller Härte.

    Heute wollen sie dein Wissen, deine Kunst, deine Geheimnisse… was werden sie morgen verlangen? Deine Frau, deine Kinder, dein Blut, deine Organe… ?

    Wenn ihr eine Cola wollt, dann bezahlt dafür.
    Wenn ihr eine Playstation wollt, dann bezahlt dafür.
    Wenn ihr ein Film sehen wollt, dann bezahlt dafür.
    Wenn ihr Aspirin wollt, dann bezahlt dafür.
    Wenn ihr ein Buch lesen wollt, dann bezahlt dafür.
    Und falls ihr nicht genug Geld dafür habt, dann wird euch der Staat helfen, so wie er es seit Jahren macht.
    Aber umsonst ist nichts im Leben. Und Stehlen ist keine gute Sache.
    Wenn ihr etwas haben wollt, dann müsst ihr es euch verdienen.
    Beweist, dass ihr es verdient. Und wenn euer Leben wirklich davon abhängt und ihr in den nächsten 10 Minuten sterbt, wenn ihr das nicht bekommt was wir haben, dann werden wir es euch wohl geben, denn wir sind keine Unmenschen.
    Aber wir sind auch nicht dumm und wir lassen uns auch nicht bestehlen.

  43. Debatte über Urheberrecht – Ich könnte kotzen | Schallgrenzen | Blog: Musik & Kultur |  13.05.2012 | 09:00 | permalink  

    [...] haben sich argumentativ etwas unglücklich zu Wort gemeldet. Die Piraten, eine Partei die in Sachen Urheberrecht nicht weiß was sie tut (und ansonsten auch gerne mit ihrer Ahnungslosigkeit koketiert), macht einer Menge Künstler [...]

  44. Harald |  13.05.2012 | 11:32 | permalink  

    Ich würde mich freuen, wenn die Vergleiche Äpfel und Birnen mal weggelassen werden. Ein digitales Produkt kann nicht wie eine Cola oder Jeans bewertet werden, eher wie eine Sendung Fernsehen oder Radio, die meistens nicht direkt vom Kunden bezahlt werden.

    Wenn ich eine MP3 oder ein Ebook “kaufe”, dann will ich natürlich auch, dass der Künstler davon etwas abbekommt, aber in erster Linie bezahle, weil ich die Organisation der Website gegenüber chaotische verteilten und virenverseuchten Downloadseiten einen Mehrwert darstellt. Schließlich bevorzuge ich auch oft Sender, die mit Werbung durchsetzt sind, weil halt das Angebot stimmt. Solange mich die Werbung nicht nervt, ist das in Ordnung.

    Auf lange Sicht wird das private Kopieren in vielen kreativen Bereichen nur noch eine geringe Rolle spielen. Viel wichtiger ist langfristig zu klären, wie mit den Onlineangeboten umgegangen werden darf und sicher zu stellen, dass die Urheber angemessen bezahlt werden. Deshalb ist der Streit zwischen Youtube und GEMA so zentral, deshalb sind zentrale Abrechnungsstellen wie Verwertungsgesellschaften so wichtig, damit nicht eine Verwaltung die Einkünfte aus Bezahlsperren und Werbung schluckt.

  45. Rolf |  13.05.2012 | 11:59 | permalink  

    Ja, ich bin auch Haralds Meinung.
    Aus mathematischer Sicht bedeutet ja das Urheberrecht an Dateien die Privatisierung der natürlichen Zahlen, die private Aneignung von natürlich vorhandenem, denn ein digitales oder digitalisiertes “Werk” ist nichts anderes als eine Datei und damit die Repräsentation einer natürlichen Zahl als eine Folge von Bytes. Das Urheberrecht ist daher die Anwendung des Heimstattprinzips (Homesteadprinciple) auf die natürlichen Zahlen – mit der Besonderheit das es nicht nur auf die eine Repräsentation des Urhebers/Wählers angewendet wird, beispielsweise die Original-Datei auf seiner Festplatte, sondern auch auf alle anderen Repräsentationen, beispielsweise Kopien, und insbesondere auch diejenigen von anderen. Einige Urheber geben dies auch ganz offen und direkt zu, wie beispielsweise die kanadische Post, die geistige Eigentumsrechte auf als Postleitzahlen verwendete natürliche Zahlen geltend macht, 2012 sogar mit einer Klage auf Unterlassung und Schadensersatz: http://www.heise.de/tp/blogs/8/151800 . Ähnliche Ansprüche gab es früher auf Telefonnummern.
    Und schon vor einigen Jahren sind einige natürliche Zahlen für illegal erklärt worden, beispielsweise die illegalen Primzahlen: http://de.wikipedia.org/wiki/Illegale_Primzahl
    Also den Unsinn kann ich weder mitmachen noch befürworten und ich lasse mir keine einzige der natürlichen Zahlen nehmen oder verbieten!

  46. Harald |  13.05.2012 | 13:24 | permalink  

    @Rolf, Ihrer Argumentation kann ich auch nicht ganz folgen. Die Diskussion um Urheberrecht an Zahlenfolgen oder auch an mathematischen Formeln ist eine ganz andere.

    Es geht um die Nutzung, um die Wiedergabe eines Werkes, unabhängig vom Datenträger und Speicherformat. Weil das Urheberrecht nicht veräußert werden kann, ist auch der Kauf einer Schallplatte im Wesentlichen nichts anderes als der Erwerb einer Lizenz zur Wiedergabe.

    Ob die Daten jetzt Nullen und Einsen sind oder in Stein gehauene Buchstaben, ist erst dann relevant, wenn durch das Speicherformat die Verteilung geändert wird dadurch erhebliche Nachteile von Beteiligten und Ungerechtigkeiten entstehen. Dann müssen wir über die Rechte zur Lizenzierung reden und nicht das Urheberrecht als solches in Frage stellen.

  47. Die Piraten, Teil 1: Das Urheberrecht | Jakob Carstens |  13.05.2012 | 14:02 | permalink  

    [...] Zeitung mehr, die sich nicht mit dem Thema beschäftigt hätte. Lesenswert ist hier vor allem der Beitrag “Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten” von Wolfgang [...]

  48. Sherlock Holmes, das Dartmoor und das Urheberrecht | WK-Blog |  13.05.2012 | 15:49 | permalink  

    [...] Die verengte Sicht von Wolfgang Michal, der sich am sogenannten „geistigen Eigentum“ abarbeitet, das sich nicht mit unserem Sachenrecht des Eigentums zur Deckung bringen lässt und zudem die Sozialbindungspflicht des Eigentums nach Artikel 14 Grundgesetz völlig außer Acht lässt, ist da wenig hilfreich. [...]

  49. Rolf |  13.05.2012 | 16:24 | permalink  

    Es ist unglaublich wie wenig die Urheber hier wissen, dass sie juristisch so ungebildet sind, das sie nicht zwischen Urheberpersönlichkeitsrecht, Urheberveröffentlichungsrecht und Urheberverwertungsrecht unterscheiden können!
    Zudem wird hier so getan als ob analog urgehebtes gleich einer Datei, einer Repräsentation einer natürlichen Zahl ist, weil das doch angeblich so ähnlich ist.
    Im Physik-Studium würden sie damit kaum das Vordiplom schaffen. Beispielsweise wiegt ein auf Papier geschriebener Roman einige hundert Gramm, in Form einer Text-Datei weniger als ein Wasserstoffatom und kann praktisch unbeschränkt repliziert und verbreitet werden, während zum Vervielfältigen des beschriebenen Papiers aufwändig gedruckt werden muss und das Verteilen per Snail-Mail erfolgt.
    Es sind Unterschiede um Faktoren von eine Milliarde mal eine Milliarde mal eine Milliarde und deshalb wird es digitale Revolution genant.
    Aber ungebildten Urhebern, die nur oberflächlich diskutieren, vom Thema keine Ahnung haben nur die Chewbacca-Verteidigung beherrschen ist das natürlich nicht zu vermitteln.

  50. ohminus |  13.05.2012 | 17:20 | permalink  

    @Millus

    Nicht so dumm, sich bestehlen zu lassen, aber dumm genug zu glauben, dass man Geld verdient nur weil man sagt, dass man es verdient.

    Wenn ich eine Cola will, dann weil sie mir schmeckt und weil ich überzeugt bin, für das Geld, was ich dafür bezahle ein angemessenes Maß an Erfrischung zu bekommen. Wenn ich nicht davon überzeugt bin, dann will ich eben diese Cola nicht. Und diverse Erfrischungsgetränkehersteller investieren Millionen, um mich davon zu überzeugen, dass ich eben jene Erfrischung bekomme und sie mein Geld wert ist.

    Es ist immer wieder erschreckend, wie in dieser Diskussion regelmäßig die Marktwirtschaft von Leuten beschworen wird, die glauben, das Wesen der Marktwirtschaft sei, dass man Anspruch auf Geld habe. Das ist, mit Verlaub, gröbster Unfug. Geld gibt es für Dinge, materiell oder immateriell, von denen der Abnehmer mehr oder weniger überzeugt ist, dass sie eben jenes Geld wert sind. Wenn er davon nicht überzeugt ist, dann gibt’s auch kein Geld. Wenn er z.B. davon überzeugt ist, dass bei einer bereits bezahlten Summe die fragliche Leistung selbstverständlicherweise mit abgegolten war, wird er sich weigern, nochmal extra zu bezahlen – die Leistung wird unter “selbstverständlicher Service” abgegolten.

    Zweitens: Nur weil jemand meint, dass eine Leistung den Betrag X wert sei, heisst das noch lange nicht, dass sich selbiger Betrag auch erzielen lässt. Wenn zu viele Leute überzeugt sind, dass die Leistung maximal X/2 wert ist, dann wird der Anbieter die Leistung nicht zu diesem Preis loswerden – er riskiert bestenfalls auf seinem Angebot sitzenzubleiben, schlimmstenfalls von anderen komplett aus dem Markt gedrängt zu werden – und im Fall kopierbarer Angebote eben das kursieren von Kopien.

    Das Gerede vom “Stehlen” ist tatsächlich eine Bankrotterklärung des eigenen marktwirtschaftlichen Verständnisses, denn es schiebt die Verantwortung dafür, dass der Markt den verlangten Preis nicht trägt, den bösen Abnehmern zu, die zu geizig und ignorant sind.

    Kleiner Hinweis: Während Apple eine derartige Strategie gefahren hat, steckten sie in Insiderkreisen fest. Seit sie einen Weg gefunden haben, den Leuten zu vermitteln, dass ihre Produkte auch maßlos überteuerte Preise wert sind verkaufen sich selbige Produkte wie geschnitten Brot.

    Die Liste ist also tatsächlich anders aufzusetzen:
    Wenn Du eine Cola verkaufen willst, lass die Leute glauben, dass Du Ihnen tatsächlich Erfrischung verkaufst.
    Wenn Du eine Playstation verkaufen willst, mach die Leute glauben, dass Du Ihnen Spaß und Unterhaltung verkaufst.
    Wenn Du einen Film verkaufen willst, gleichfalls.

    Etc. ad nauseam. Zu glauben, dass die Leute Dir Geld schulden, nur weil Du etwas anbietest, ist nicht marktwirtschaftlich sondern narzisstisch. Um nicht noch drastischere Worte zu gebrauchen. Zu erklären “wenn Ihr etwas haben wollt, dann müsst ihr es euch verdienen”, aber gleichzeitig glauben, das Geld anderer Leute sei selbstverständlich davon ausgenommen ist schizophren. Wenn Du X Euro von jemandem haben willst, musst Du ihm schon einen guten Grund liefern, warum er sie Dir geben soll. Denn ob die silbern lackierte Streichholzschachtel, die Du ihm anbietest, ihm tatsächlich X Euro wert sind, das entscheidet er selbst – und nicht Du.

  51. Wolfgang Michal |  13.05.2012 | 18:21 | permalink  

    @ohminus: Sie gehen bestimmt auch kostenlos ins Kino und bezahlen hinterher nur, wenn Ihnen der Film gefallen hat, stimmt’s?

    @Rolf: Ich glaube, Sie kennen die Zusammenhänge zwischen Urheberpersönlichkeitsrecht und Urheberverwertungsrecht nicht. Macht ja nichts, man kann ja trotzdem seinen Senf dazugeben.
    Nach Ihrer verqueren Logik dürfte es auch keine Menschenrechte geben, weil die Menschen ja eh nur aus Atomen bestehen.

  52. ohminus |  13.05.2012 | 19:50 | permalink  

    @Wolfgang Michal

    Netter Vergleich – weil er zeigt, wie absolut weltfremd die Argumentation ist. Bevor der Film überhaupt in die Kinos kommt, bin ich schon mit Trailern, Plakaten, Interviews etc. etc. ad nauseam bombardiert worden. Ich gehe ins Kino, weil man mich überzeugt hat, dass ich für das Eintrittsgeld etwas bekomme. Um diese Überzeugung zu erreichen, haben die Studios in der Regel Millionen ausgegeben.

    Viel deutlicher als Sie es hier getan haben, kann man eigentlich nicht machen, dass man sich mit einem Beitrag, auf den man geantwortet hat, präzise GAR NICHT auseinandergesetzt hat, sondern wieder nur das dummdreiste Gratis-Programm abspielt.

    Im Übrigen: Ich gehe nur sehr selten ins Kino – weil ich zu oft enttäuscht worden bin. Das ist eben die Konsequenz davon, wenn man den Leuten Geld abknöpft ohne einen als adäquat wahrgenommenen Gegenwert zu liefern. Sie haben kein Interesse mehr.

  53. Geralt |  14.05.2012 | 01:37 | permalink  

    Wer vorgibt, die Persönlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen – wie die Piraten – muss den Urhebern gleichzeitig zusichern, dass sie weiterhin darüber bestimmen können, ob und wie ihre Werke zu veröffentlichen sind. Zu dieser Verfügungsgewalt gehören selbstverständlich auch Beschränkungen und Verbote (d.h. „künstliche Verknappungen“).
    Und genau das ist ein Fehlschluß. Die Urheberpersönlichkeitsrechte erlauben es dem Urheber über die Veröffentlichung seines Werkes nach Belieben zu bestimmen – er kann es veröffentlichen oder auch nicht. Warum sich daraus direkt auch die Möglichkeit erben soll dem Werk “Beschränkungen und Verbote” aufzuerlegen, erschließt sich mir nicht.

  54. Millus |  14.05.2012 | 02:12 | permalink  

    ohminus, teilweise hast du schon recht, deswegen investiert man Millionen in Werbung :)
    und wenn man ein Produkt herstellt, dann will man das meiste Geld daran verdienen (ist das falsch? unmenschlich? verkehrt? wir leben im Kapitalismus), so viel wie möglich. Das Ziel ist es ein Produkt mindestens 3mal so teuer zu verkaufen als die Produktionskosten, weil man damit Vertrieb/Händler und die Produktion ausgleichen muss.
    Sollte nicht der Hersteller über den Wert seines Produktes entscheiden? Wenn er jetzt die 1 Liter Cola für 20 Euro verkaufen will, dann soll er es ruhig machen. Wenn er ein guter Geschäftsmann ist, dann wird er es sogar schaffen, die Cola für 20 Euro zu verkaufen, sogar wenn die Cola schlecht schmeckt und alle es für zu teuer halten.

    Aber die Hersteller sind nicht dumm, sie wissen, dass sie ihre Produkte qualitativ gut machen müssen und sich eine gute Strategie ausdenken müssen, um Geld zu verdienen. Das Problem sind ja nicht nur die Konsumenten (das ist meisten das kleinste Problem),sondern die Vertriebswege, Pressearbeit, Vermarktung etc.
    Ein Hersteller hat es schon unglaublich schwer ein Produkt in den Handel zu bringen und es bekannt zu machen, wenn dann noch die Leute anfangen seine Produkte zu klauen, dann ist sein Ende schon so gut wie vorprogrammiert.

    Aber ich denke, all diese Urheber Probleme werden sich im Laufe der Zeit von alleine lösen. Heute kriegt man schon für 11 Euro eine Filmflat mit Filmen und TV Serien auf legalen Weg. Die Qualität und der Service ist viel besser als die ganzen illegalen Angebote. Für ca. 10-20 Euro werden sich die ganzen illegalen Downloader, Streamer, Filesharer etc. irgendwann die ganze Mühe sparen.

    Anstatt das sich jetzt Urheber, Konsumenten etc. gegeneinander bekämpfen, beleidigen, sollten sie gemeinsam eine Lösung finden.

    Zum Beispiel, wenn die Filesharer Truppe kostenlose Filme etc. verlangt, dann sollte man sie fragen, wie man das alles finanzieren soll, ob sie eine Lösung dafür haben.
    Eine gute TV Serie, ein guter Film oder ein gutes Computerspiel kostet Millionen in der Produktion. Wie soll man das finanzieren?
    Nehmen wir mal an, ich will ein Film drehen. Zum ersten Mal. Ich habe kein Geld. Ich gehe zu einem Filmstudio und die fragen mich, was ich schon gedreht habe. Ich sage nur einen Kurzfilm. Die gucken mich und lächeln. Finden meine Filmidee ganz nett, aber das Risiko ist zu hoch in einen Unbekannten zu investieren. Sie stecken lieber das Geld in einen Film mit Johnny Depp.
    Ich geh also zur Filmförderung, die bezahlen nur einen Bruchteil des Films und schicken mich zu einer Bank, wo ich paar Hundert Tausend Euro Schulden machen muss, um meinen Film zu beginnen.
    Ich dreh meinen Film. Ein Filmverleih nimmt meinen Film ins Programm. Der Film kommt gut an, gewinnt sogar mehrere Preise, aber anstatt das die Leute den Film kaufen, downloaden sie ihn oder schauen ihn im Stream. Ich bleibe so auf einen Berg von Schulden sitzen. Um die Schulden abzubezahlen muss ich nun was ganz anderes machen, weil niemand mir wieder Geld gibt/leiht, um einen neuen Film zu machen, weil es ja bei meinen ersten Film auch nicht zum großen Gewinn kam. Und falls jemand den film ab und zu doch kauft, geht das Geld direkt an die Bank/Verleih etc.
    Und das wars.

  55. ohminus |  14.05.2012 | 08:23 | permalink  

    @Millus

    “Sollte nicht der Hersteller über den Wert seines Produktes entscheiden? Wenn er jetzt die 1 Liter Cola für 20 Euro verkaufen will, dann soll er es ruhig machen. Wenn er ein guter Geschäftsmann ist, dann wird er es sogar schaffen, die Cola für 20 Euro zu verkaufen, sogar wenn die Cola schlecht schmeckt und alle es für zu teuer halten.”

    Die Antwort auf die Eingangsfrage ist zumindest in der Marktwirtschaft “Nein”. Der Hersteller entscheidet allenfalls über den Preis, und wenn er eben 20 Euro für die Cola verlangt, riskiert er, nichts abzusetzen und auf seiner Cola sitzenzubleiben. In einer Marktwirtschaft entscheidet nunmal der Kunde, ob er kauft oder nicht.

    “Ein Hersteller hat es schon unglaublich schwer ein Produkt in den Handel zu bringen und es bekannt zu machen, wenn dann noch die Leute anfangen seine Produkte zu klauen, dann ist sein Ende schon so gut wie vorprogrammiert.”

    Falsch. Wenn die Leute “anfangen seine Produkte zu klauen”, dann hat sein Marketing versagt. Denn hätte es funktioniert, wäre das Produkt den Leuten auch Geld wert.

    “Zum Beispiel, wenn die Filesharer Truppe kostenlose Filme etc. verlangt, dann sollte man sie fragen, wie man das alles finanzieren soll, ob sie eine Lösung dafür haben.”

    Jaja, um Lösungen soll sich immer die andere Seite kümmern, das spart einem natürlich, über eigene Fehler nachzudenken.

    Das Problem dabei ist: Das Gros der Filesharer-Truppe verlangt gar nicht nach kostenlosen Filmen etc. Es verlangt danach, Filme, Musik etc. auf ihnen angenehmen Wegen beziehen zu können und nicht für einen Mehraufwand, den man ihnen aufbürdet, auch noch bezahlen zu müssen. Die Musikindustrie hat jahrelang gemauert, was Musik-Downloads angeht und darauf bestanden, die Leute müssten CDs kaufen. Dabei hat man übersehen, dass es in der Marktwirtschaft keine Garantie gibt, dass ein gegebenes Geschäftsmodell auf alle Ewigkeit so funktioniert.

    Wenn die Leute anfangen, sich massiv nach anderen Wegen umzusehen, dann ist das ein ziemlich deutliches Zeichen, dass das etablierte Geschäftsmodell nicht mehr trägt. Und dann muss ich das ändern. Insbesondere, wenn es keine vernünftigen Wege mehr gibt, das alte Geschäftsmodell zu retten (und ein Generalverdacht gegen alle im Internet tätigen ist mit Sicherheit kein vernünftiger Weg).

    Die Musikindustrie hat lernen müssen, dass wenn die Leute Musik via Internet direkt downloaden wollen, man ihnen das so anbieten muss, um im Geschäft zu bleiben. Auch die Computerspiele-Industrie hat das eingesehen, was ihre Produkte angeht. Und so wird das weitergehen. Und auch im Filmbereich gibt es eben mittlerweile die entsprechenden Portale.

    “Ein Filmverleih nimmt meinen Film ins Programm. Der Film kommt gut an, gewinnt sogar mehrere Preise, aber anstatt das die Leute den Film kaufen, downloaden sie ihn oder schauen ihn im Stream. ”

    Tja, da würde ich sagen, es ist Dir nicht gelungen, ihnen zu vermitteln, dass Dein Film Geld wert ist. Bzw. dem Filmverleih. Überleg Dir mal, was dessen Aufgabe sein sollte. Einfach den Film ins Programm nehmen? Oder ihn auch entsprechend zu promoten?

    Genau das ist die Crux in dieser Diskussion: Anstatt sich über die Leute aufzuregen, die die Sache versaubeutelt haben, keift und spuckt man gegen die, deren Geld man haben will. Dass das nicht funktionieren KANN ist eigentlich trivial.

    Hier ist eine alte Weisheit aus der Marktwirtschaft: Es ist noch niemandem langfristig bekommen, Krieg gegen die eigenen Kunden zu führen.

  56. ohminus |  14.05.2012 | 08:37 | permalink  

    Letztendlich bedeutet das kostenlose Downloaden eben NICHT, dass man prinzipiell nicht bereit ist, Geld auszugeben, sondern dass beim verlangten Preis kein adäquater bereitgestellter Nutzen gesehen wird. Dass man diesen bei einem Null-Preis sieht ist trivial, heisst aber nicht, dass man nicht auch Geld dafür ausgeben würde. Marktwirtschaftlich gibt es zwei mögliche Reaktionen:
    1.) Ich gehe mit dem Preis runter (so z.B. etliche Software-Hersteller in Asien, die sich darauf besonnen haben, dass die Wahl zwischen wenig und gar kein Geld zu verdienen eigentlich eindeutig ist und man ggf. auf Kreuzfinanzierung setzen muss)
    2.) Ich vermittle den Leuten, dass sie einen höheren Nutzen haben – real oder eingebildet ist dabei zunächst sekundär, wobei ersteres natürlich nachhaltiger ist. Dann ist auch das Kosten/Nutzen-Verhältnis ein anderes und mehr Leute sind ggf. bereit, den verlangten Preis zu zahlen.

  57. LordSnow |  14.05.2012 | 09:47 | permalink  

    Wolfgang Michal wrote:
    “Sie gehen bestimmt auch kostenlos ins Kino und bezahlen hinterher nur, wenn Ihnen der Film gefallen hat, stimmt’s?”

    Gerade solche Aussagen zeigen, dass es nicht die Piraten sind, welche grundlegende Dinge nicht verstanden haben.

    Das Geschäftsmodell des Kinos ist es, ich lasse nur Menschen rein die bezahlt haben. Dieses Geschäftsmodell funktioniert einwandfrei. Ein Geschäftsmodell, was aber jede angefertigte Kopie in einer Welt voller privater (!) Kopiermaschinen mit einem Geldstrom verbinden möchte, funktioniert hingegen nicht.

    Und wenn man sich wirklich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dann muss man einfach mal die Realität akzeptieren und erst dann weiterdenken. Wenn jemand nach unzähligen Diskussionen immer noch den Vergleich mit dem Kino bringt, dann weiß ich nicht, warum derjenige nicht auf Diskussionshöhe kommt bzw. kommen will.

    Der Urheber entscheidet selbst, ob er sein Werk veröffentlicht oder nicht, das möchten die Piraten nicht absprechen, aber das Ergebnis einer Veröffentlichung ist dass das Werk öffentlich ist, und dann funktionieren in der Realität (!) eben nur noch bestimmte Geschäftsmodelle bzw. manche eben nur noch mit einem gewissen Vertrauen in seine Kunden, die man sich deshalb bestenfalls auch nicht noch zum Feind macht. Leider wurde aber schon sehr viel Porzellan zerbrochen, so dass dieses Vertrauensverhältnis in manchen Bereichen erst schwer wieder aufgebaut werden muss.

    Viele Grüße
    René

  58. Thomas Elbel |  14.05.2012 | 10:04 | permalink  

    Merke: Wer sein Werk veröffentlicht, ist dumm, denn er begibt sich in eine Zwangslage, in der folgendes Gesetz gilt:
    Bist Du nicht nett zu mir und machst genau das was ich will, beklau ich Dich.
    Andere Leute nennen so was Erpressung.

  59. LordSnow |  14.05.2012 | 10:38 | permalink  

    “Bist Du nicht nett zu mir und machst genau das was ich will, beklau ich Dich.
    Andere Leute nennen so was Erpressung.”

    Durch solche Polemik mit “klauen” für “vervielfältigen” wird das Vertrauensverhältnis nur noch mehr beschädigt, so dass irgendwann einfach aus Trotz keiner mehr Geld für Kopien ausgeben wird. Aber auch dieser Realität kann man sich natürlich verschließen…

    Viele Grüße
    René

  60. Wolfgang Michal |  14.05.2012 | 11:13 | permalink  

    @Geralt: Wenn es so einfach wäre! Es ist Ihr Fehlschluss, dass es allein um veröffentlichen oder nicht veröffentlichen gehen würde. “Ob und wie” bedeutet etwas mehr als das.

    @LordSnow:
    Die Ansicht, dass ein Urheber ab der Veröffentlichung seines Werks nicht mehr kontrollieren kann, was mit seinem Werk geschieht, offenbart eine gewisse Genugtuung über den vermeintlichen Kontrollverlust, Realität ist jedoch, dass die Zahl der Abmahnungen exorbitant gestiegen ist und die Rechtsdurchsetzung sehr wohl stattfindet. Das kann man nun unendlich so weitertreiben, mit allen gesellschaftlichen Folgen (Überwachung, Providerhaftung etc.) ist aber letztlich unproduktiv.

    Seit vielen Jahren bemüht man sich deshalb um gesellschaftsverträgliche Lösungen, um etwa die nicht-kommerzielle Privatkopie über eine Pauschale abzugelten. Da die Piraten die Kulturflatrate/Tauschlizenz aber ablehnen, müssten sie endlich mal sagen, was sie stattdessen anstreben – http://is.gd/63oksJ Da ist aber im Programm der Piraten eine Lücke bzw. nur die Allerweltsfloskel “fairer Ausgleich”. Um dieses Thema geht es.

    @Tauss: Um “verhandeln” zu können, müssten die Piraten wohl noch ein wenig an Bedeutung zulegen. Vorerst handelt es sich um eine kleine Oppositionspartei.

  61. LordSnow |  14.05.2012 | 11:35 | permalink  

    “Realität ist jedoch, dass die Zahl der Abmahnungen exorbitant gestiegen ist und die Rechtsdurchsetzung sehr wohl stattfindet.”

    Die Massenabmahnungen werden doch einfach so an viele Haushalte geschickt, in der Hoffnung, dass irgendjemand schon bezahlen wird, insbesondere diejenigen mit Kinder. Einige sind natürlich auch nicht so versiert, mal ein paar Minuten zu recherchieren, wie sie downloaden können, ohne sich der Gefahr auszusetzen oder wie sie gegen den Abmahner rechtlich vorgehen müssten.

    “Seit vielen Jahren bemüht man sich deshalb um gesellschaftsverträgliche Lösungen, um etwa die nicht-kommerzielle Privatkopie über eine Pauschale abzugelten.”

    Dagegen sage ich auch nichts, natürlich ist es sinnvoll über diese Dinge nachzudenken. Wichtig ist jedoch, dass man bevor die Einführung solcher Maßnahmen gefordert wird auch deren Notwendigkeit belegt ist. Bisher ist es doch so, dass der Kulturgütermarkt boomt wie kaum ein anderer, wer Qualität liefert und es sich nicht bewusst mit seinen Kunden verdirbt (durch DRM oder überhebliche Beschimpfungen usw.) kann sehr viel Geld verdienen, mehr als jemals zuvor in der Geschichte. Vor diesem Hintergrund wäre die Einführung staatlicher Maßnahmen letztendlich (zur Kulturförderung) zu betrachten.

    “Da die Piraten die Kulturflatrate/Tauschlizenz aber ablehnen,”

    Die Piratenpartei steht einer KFR kritisch gegenüber, sie lehnt sie nicht pauschal ab, in der Grundlage zum Wahlprogramm wird sogar explizit die Abgabe auf Leermedien und Kopiergeräte befürwortet, obwohl man sich damit nicht unbedingt Freunde macht! Der piratennahe CCC hat sogar ein eigenes Modell erarbeitet, welches versucht Privatsphäre und Verteilungsgerechtigkeit möglichst zu wahren. Jedoch besteht bisher aus Piratensicht bei einem so rasant wachsenden Kulturgütermarkt nicht die Notwendigkeit eine KFR bzw. die KWM Einzuführen, aber natürlich werden dazu bereits jetzt Modelle diskutiert, falls es wirklich dazu kommen sollte, dass niemand oder ein erheblicher Anteil der Bevölkerung kein Geld mehr für Kopien ausgibt und andere Geschäftmodelle dies nicht kompensieren können.

    Viele Grüße
    René

  62. Millus |  14.05.2012 | 14:00 | permalink  

    @ohminus
    aber wenn man sich die Marktwirtschaft ansieht, dann ist doch die Antwort eher “Ja”, oder?
    Der Hersteller überlegt sich was der Kunde zahlen würde, zahlen kann, wie viel die Konkurrenz verlangt und was man gerne kassieren möchte/muss. Und daraus wird dann ein Preis entschieden.
    Als Hersteller will man doch den Kunden so wenig Entscheidungsrecht wie möglich geben. Man will ihren Bedürfnissen entsprechend und gezielt Produkte anbieten und sie so teuer wie möglich verkaufen.
    Es geht ja ums Geld verdienen.
    Siehe Apple und Apple Produkte. :)

    Die freie Entscheidung des Kunden ist doch auch sehr selten. Auf den Markt schaffen es nur einige Produkte, meistens setzen sich nur die großen Konzerne durch.
    Am besten sieht man das im Buchhandel, wo die Regalplätze hart umkämpft sind.
    Nur ganz bestimmte Titel schaffen es auf die Schaufensterplätze oder an den populären Verkaufsplätze auf Augenhöhe. Der normale Kunde sucht ja nicht wirklich, er weißt oft nicht mal was es noch für tolle Werke es gibt, da sich nur die großen Unternehmen teure und große Marketingkampagnen leisten können und den Kunden mit ihren Werbestrategien dazu verleiten ihre Produkte zu kaufen. (Sogar, wenn die eher schlecht sind als gut.)

    Es gibt viele tolle und sehr gute Lieder (Filme etc.), die kaum einer kauft und sehr viele illegal downloaden. Wieso bezahlen dann diese Leute kein Geld, wenn sie das Lied so sehr schätzen und so toll finden?
    Als Hersteller wie z.B. von Musik kann man heute nicht mit der Garantie leben, das die Leute wirklich das Lied bezahlen werden, sogar wenn sie das Lied großartig finden.

    Ich sage nicht, das die Konsumenten eine Lösung finden sollen, sondern ich frage einfach, ob sie “auch” oder “bessere” Lösung bzw. Alternative zum Problem haben. Die Hersteller arbeiten ja auch sehr hart daran, um eine Lösung zu finden, aber da darf man niemals vergessen, das sie es in erster Linie aus dem Standpunkt des Wohlergehens der Hersteller machen.

  63. Geralt |  14.05.2012 | 15:14 | permalink  

    @Wolfgang Michal:
    Wenn es so einfach wäre! Es ist Ihr Fehlschluss, dass es allein um veröffentlichen oder nicht veröffentlichen gehen würde. “Ob und wie” bedeutet etwas mehr als das.
    Wir reden hier nach wie vor den Urheberpersönlichkeitsrechten der §§12-14 des aktuellen UrhG, ja? Davon ist aber lediglich die Erstveröffentlichung berührt und bei dieser sollte der Urheber natürlich entscheiden ob und in welcher Form sie stattfindet.

    siehe auch http://www.boehmanwaltskanzlei.de/urheberrecht-medienrecht/urheberrecht/rechte-des-urhebers/urheberpersoenlichkeitsrechte/654-veroeffentlichungsrecht.html

    Nach § 12 UrhG darf der Urheber darüber bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist. [...] Es ist dem Urheber vorbehalten, den Inhalt seines Werkes öffentlich mitzuteilen oder zu beschreiben.

    Veröffentlichen bedeutet gem. § 6 Abs. 1 UrhG, dass das Werk oder dessen wesentlicher Inhalt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

    Gemeint ist alleine die Erstveröffentlichung des Werkes. [...] Ihm alleine [Anm: dem Urheber] soll die Entscheidung zustehen, über den konkreten Zeitpunkt und über die konkreten Umstände der ersten Veröffentlichung zu bestimmen.

    Alles was darüber hinaus geht, nämlich die Verwertung (u.a. durch künstliche Verknappung) gehört dagegen nicht zu den Persönlichkeitsrechten.

  64. Wolfgang Michal |  14.05.2012 | 15:51 | permalink  

    @geralt: Die Urheberpersönlichkeitsrechte sind IMMER involviert, egal, ob es sich um die erste, die zweite, die dritte oder die x-te Veröffentlichung handelt.

  65. Thomas Elbel |  14.05.2012 | 16:05 | permalink  

    @Geralt: Alles was darüber hinaus geht, nämlich die Verwertung (u.a. durch künstliche Verknappung) gehört dagegen nicht zu den Persönlichkeitsrechten.
    Aber die Art der Verwertung ist doch ganz klar das WIE der Veröffentlichung, über das der Autor gem. § 12 UrhG mitbestimmt.

  66. LordSnow |  14.05.2012 | 16:15 | permalink  

    “die erste, die zweite, die dritte oder die x-te Veröffentlichung”

    Wenn ein Totengräber einen Menschen unter der Erde vergräbt, ist das dann auch die zweite Tötung? Wenn die Würmer dran nagen die dritte Tötung? Oder kann man einen Menschen doch nur einmal töten und er ist dann tot, genauso wie man etwas auch nur einmal veröffentlichen kann, weil es dann schon öffentlich ist?

    Können wir nicht auch ohne so einen stark herbeikonstruierten Widerspruch darüber diskutieren, ob eine KFR oder allgemein ein staatliches Eingreifen in diesem Markt notwendig ist oder geht es vorrangig nicht um ein konkretes Anliegen sondern einfach darum die Piraten zu verunglimpfen?

    Viele Grüße
    René

  67. Thomas Elbel |  14.05.2012 | 16:47 | permalink  

    Es ist irgendwie immer etwas seltsam, wenn anderen Leuten vermeintliche Unwissenheit und/oder Widersprüche vorgeworfen und dabei eher eigene Wissensmängel offenbart werden. Im Buchmarkt werden durchaus mehrere Veröffentlichungen unterschieden, so z.B. wenn nach einer Veröffentlichung als Hardcover, dann die als Taschenbuch, dann die als eBook und schließlich eine Veröffentlichung in einem anderen Verlag oder gar eine korrigierte Neuauflage erscheint. Egal ob die Verwendung des Begriffes Veröffentlichung in diesen Fällen sprachlich besonders gelungen erscheint, so ist dies nunmal die Fachsprache des Marktes.
    Was das alles aber mit Verunglimpfung der Piraten zu tun hat und was diese Bemerkung wirklich mit den vorangegangenen Postings zu tun hat, weiß hier glaube ich außer dem Autor keiner so richtig. Ich jedenfalls nicht. Die strittige Frage war, ob die in § 12 UrhG beschriebenen, vom Autor mitzubestimmenden Urheberpersönlichkeitsrechte, auch die Frage der Verwertung z.B. durch künstliche Verknappung betreffen, ob also der Autor auf der Grundlage seines Urheberpersönlichkeitsrechts z.B. vom Verlag verlangen könnte DRM einzusetzen (egal, ob das nun besonders clever wäre oder das Gegenteil). Die Kommentarstelle, die Geralt zitiert, scheint das nahezulegen, auch wenn er selbst das anders sieht.

  68. LordSnow |  14.05.2012 | 17:05 | permalink  

    “so z.B. wenn nach einer Veröffentlichung als Hardcover, dann die als Taschenbuch, dann die als eBook”

    Hier werden verschiedene Dinge veröffentlicht, ganz klar zu unterscheiden von einer reinen 1:1-Kopie, wie sie Wolfgang als Veröffentlichung werten will.

    “und schließlich eine Veröffentlichung in einem anderen Verlag”

    Hier spricht man von Zweitverwertung, nicht von Zweitveröffentlichung, zumindest diejenigen, die sich ein wenig damit befasst haben.

    “oder gar eine korrigierte Neuauflage erscheint.”

    Und die ist nach §12 UrhG auch wieder eine neue Veröffentlichung und nicht “nur” eine neue Verwertung.

    Vielleicht selber nochmal schlau machen, bevor man anderen Unwissen vorwirft.

    Wolfgang geht es auch ganz klar darum, dass die Piraten (bisher) keine KFR fordern, wie die Grünen, die er schon in früheren Artikeln dafür “gelobt” hat. Also hätte er auch einfach über die KFR oder vielleicht sogar über die piratennahe KWM schreiben können, statt zu versuchen mit sehr weit hergeholten Konstrukten der Piratenpartei einen Widerspruch im Programm zu attestieren.

    Es steht auch nirgendwo im Programm, was die Piratenpartei als Urheberpersönlichkeitsrechte sieht, also da steht keinesfalls, dass damit die bisherigen 3 Paragraphen im UrhG gemeint sind, von daher wäre der erste Schritt in einer ernsthaft sachorientierten Diskussion geweseneine die Piraten zu fragen, was genau sie als Urheberperönlichkeitsrechte sehen, welche sie respektieren wollen. Aber so hat er es nicht gemacht, von daher ging es einfach sehr wahrscheinlich nur darum die Piratenpartei zu diskreditieren, was dir als Grüner sicherlich auch gut gefällt, nicht wahr?

    Viele Grüße
    René

  69. ohminus |  14.05.2012 | 23:21 | permalink  

    “Der Hersteller überlegt sich was der Kunde zahlen würde, zahlen kann, wie viel die Konkurrenz verlangt und was man gerne kassieren möchte/muss. Und daraus wird dann ein Preis entschieden.
    Als Hersteller will man doch den Kunden so wenig Entscheidungsrecht wie möglich geben. Man will ihren Bedürfnissen entsprechend und gezielt Produkte anbieten und sie so teuer wie möglich verkaufen.”

    Das macht der Hersteller, wenn er Marketing betreibt. Vernünftiges Marketing ist aber eher die Ausnahme als die Regel – und bedeutet gerade nicht, das Entscheidungsrecht des Kunden einzuschränken, sondern am ehesten, die Entscheidung vorwegzunehmen, indem man genau das liefert, was der Kunde will. Man kann dem Kunden nämlich grundsätzlich nicht das Entscheidungsrecht “Kauf oder Nichtkauf” abnehmen, es sei denn es handelt sich um kritisch notwendige Produkte.

    Der Hersteller sollte sich aber nicht zuletzt deswegen zuallererst überlegen, was der Kunde braucht bzw. was er will und wie er diese Bedürfnisse befriedigen kann. Dann hat er nämlich auch wesentlich mehr Spielraum beim Preis.

    “Siehe Apple und Apple Produkte. :)”

    Das ist das Extrembeispiel für hervorragend funktionierendes Marketing – da wurden über Jahrzehnte Gehirnschmalz und Geld und etliche Fehlversuche reingesetzt. Zu glauben, man habe einen Anspruch darauf, dass das so funktioniert, wie das einige in der Diskussion um Urheberrecht, Filesharing etc. tun, ist arrogant. Ich sage aber auch nur “hervorragend funktionierend”, nicht hervorragend, denn Apple ist ein Meister darin, Probleme zu lösen, die man ohne Apple gar nicht hätte, um den Leuten dann weiszumachen, dass sie diese Probleme schon immer gehabt hätten und sich dessen nur nicht gewahr waren…. Das funktioniert bei Apple grandios, birgt aber auch Risiken.

    “Am besten sieht man das im Buchhandel, wo die Regalplätze hart umkämpft sind.”

    … und mittlerweile immer mehr an Bedeutung verlieren. Denn bei Amazon findet sich alles.

    “Nur ganz bestimmte Titel schaffen es auf die Schaufensterplätze oder an den populären Verkaufsplätze auf Augenhöhe. Der normale Kunde sucht ja nicht wirklich, er weißt oft nicht mal was es noch für tolle Werke es gibt, da sich nur die großen Unternehmen teure und große Marketingkampagnen leisten können und den Kunden mit ihren Werbestrategien dazu verleiten ihre Produkte zu kaufen. (Sogar, wenn die eher schlecht sind als gut.)”

    Siehst Du, und genau in dieser Logik steckt das Problem: Du glaubst, dass teure und große Marketingkampagnen nötig sind, um den Kunden zu “verleiten”, Produkte zu kaufen. Genau das ist Unfug. Warum sind die Marketingkampagnen großer Unternehmen so häufig eher schlecht als gut? Weil diese Unternehmen weit weg sind vom Kunden. Sie haben wenig Ahnung, wie der Kunde tickt. Aber gerade im kreativen Bereich gibt es etliche Kleinverlage, die bestimmte Szenen bedienen, aus denen sie selbst geboren sind. Pippifax teure Marketingkampagne – ein Klapptisch auf einer Fanconvention kostet auch Geld, ist aber deutlich billiger, und mehr noch, das Verhältnis Zielpublikum zu Nichtinteressierten ist deutlich besser als bei einer auf die Welt losgelassenen Marketingkampagne. Nein, reich wird man so nicht – aber zahlende Kunden findet man so noch deutlich besser. Zumal man diese Kunden nicht verleiten muss, etwas zu kaufen, sondern etwas liefert, was sie haben wollen.

    Wer meint, Leute dazu “verleiten” zu müssen, für seine Produkte Geld auszugeben, muss sich nicht wundern, wenn das nicht mehr als einmal klappt und danach nach dem Motto “Fool me once, shame on you, fool me twice, shame on me” die Meinung vorherrscht “GELD gebe ich für den Sch… nicht nochmal aus…” Das heisst nicht, dass das immer passiert – Apple kommt damit nun schon geraume Zeit durch – das Risiko besteht aber, und genauso besteht das Risiko, erhebliche Resistenzen aufzubauen. Solange bei der “Man liebt es oder man hasst es”-Dichotomie gernügend auf der Seite der Liebe sind ist rein wirtschaftlich natürlich alles in Butter…

    Als Kreativer muss man damit leben, aus Sicht der Abnehmer relativ weit oben auf der Maslowschen Bedürfnispyramide zu kommen – das bringt die Notwendigkeit von einem deutlich höheren Maß an Überzeugungs- oder Bedarfsabklärungsarbeit mit sich, als sie z.B. ein Bäcker verrichten muss. Bei dem geht es eher darum, was für ein Brot gekauft wird und über welchen Vertriebskanal, als ob es überhaupt gekauft wird. Aber auch in diesem Bereich des Überlebensnotwendigen wird immer deutlicher, dass es keine Garantie gibt, das bestimmte Geschäftsmodelle auf ewig funktionieren. Eigenständige Metzgereien sind mittlerweile rar gesäht und auch handwerkliche Bäckereien werden immer mehr durch Filialen von Großbäckern, Backshops und auch Supermärkten bedrängt.

  70. Geralt |  15.05.2012 | 10:54 | permalink  

    Da meine letzte Antwort offenbar verloren ging, hier ein zweiter Versuch:

    @Wolfgang Michal
    “Die Urheberpersönlichkeitsrechte sind IMMER involviert, egal, ob es sich um die erste, die zweite, die dritte oder die x-te Veröffentlichung handelt.
    Ja, natürlich. Tut mir leid, das war ein wenig unglücklich formuliert. Der Teil bezog sich nur auf das Veröffentlichungsrecht (§12 UrhG), das lediglich die Erstveröffentlichung regelt. Wäre das nicht der Fall, würde es praktisch dem Vervielfältigungsrecht (§17 UrhG) entsprechen, das zu den Verwertungsrechten gehört.

    Die anderen Urheberpersönlichkeitsrechte (Schutz vor Entstellung und Recht auf Namensnennung) gelten natürlich dauerhaft.

    @Thomas Elbel
    Aber die Art der Verwertung ist doch ganz klar das WIE der Veröffentlichung, über das der Autor gem. § 12 UrhG mitbestimmt.
    Nein. Die Verwertung ist der Veröffentlichung nachgelagert. Das “Wie” bezieht sich auf die Umstände der Veröffentlichung selbst – also bspw. wo oder in welchem Medium das Werk erstmals präsentiert wird. Die Beispiele im verlinkten Artikel beschreiben das eigentlich recht gut.

  71. Urheberrecht - Urheberrechtsdebatte - Martin von IQ-Atrophie, Politik, Gesellschaft, Zeitgeschehen, Piraten, Anonymous, MeinungenDreibeinblog.Info |  15.05.2012 | 11:28 | permalink  

    [...] hält Wolfgang Michal entgegen: Das jetzige „Monopolrecht“ der Urheber, mit ihrer Arbeitsleistung nach Belieben verfahren zu [...]

  72. Erwin |  15.05.2012 | 20:12 | permalink  

    Also aus wissenschaftlicher Sicht ist das Problem Urheberrecht eigentlich ganz einfach, wenn man mal nachrechnet:
    Ein Bit hat eine Entropie von S = -k *ln(2) und damit eine Energie von E = -k *ln(2) *T.
    Ansonsten würden nämlich gespeicherte/übertragene Daten sehr schnell im Thermischen Rauschen verschwinden. Dies ist auch der Grund, weshalb Rechner Energie verbrauchen (genauer: dissipieren), wobei man da genau genommen noch zwischen reversiblen und irreversiblen Rechenschritten unterscheiden muss, aber das ist ein längeres Thema und hier nicht relevant.
    Aus der Energie ergibt sich wegen der Energie-Massen-Äquivalenz E=m*c² auch für Informationen, z. B. in Form einer Datei, eine Masse und damit eine Kategorisierung als Materie, denn Materie ist definiert als alles, was eine Masse hat.
    Dies ist nicht neu, sondern seit 1929 bekannt als der Tod oder die Widerlegung des Maxwellschen Demons.
    Information und Informationsverarbeitung ist ausnahmslos immer materiell, so wie auch Energie!
    Wäre dies nicht so, würden einige Naturgesetze wie der zweite Hauptsatz der Thermodynamik nicht gelten und wir würden in einer komplett anderen Welt leben.
    Die Idealisierung von Information und Informationsverarbeitung als immateriell ist so überholt wie die Idealisierungen der klassischen Physik, die durch die Heisenbergsche Unschärferelation 1927 obsolet wurden.
    Oder anders gesagt: Das, was Urheber machen, ist materiell und hat daher mit immateriellem/geistigen überhaupt nichts zu tun!
    Da an Dateien nichts immaterielles/geistiges ist, können daran weder immaterielle Rechte noch geistiges Eigentum geltend gemacht werden.

  73. Wolfgang Michal |  15.05.2012 | 20:32 | permalink  

    @Erwin: Das erinnert mich an einen Dialog über Spinoza in “Dantons Tod”. :-)

  74. Thomas Elbel |  15.05.2012 | 22:20 | permalink  

    Dann ist es ja doch Sacheigentum?! Perfekt. Wenn also das nächste Mal ein Urheberrechtsreformator den klassischen Brötchenvergleich ablehnt, werde ich ihm das so aufs Brötchen schmieren. Danach verwandele ich mich dann in Schrödingers Katze und drehe ihm eine Nase oder auch nicht, je nach Perspektive.

  75. Erwin |  15.05.2012 | 22:29 | permalink  

    @Thomas:
    Das kann die Bäcker anregen die Brötchen mit Lizensbedingungen zu versehen wie “nachbacken verboten”, “darf von nur einer Person gegessen werden”, “nur für Studenten” oder “erst nach Freischaltung mit Aktivierungscode genießbar”.

  76. Wolfgang Michal |  15.05.2012 | 22:35 | permalink  

    Am Knacken des Kopierschutzes von Brötchen kann man übrigens erkennen, ob sie frisch sind.

  77. Erwin |  15.05.2012 | 22:38 | permalink  

    Nachtrag: In der griechischen Antike gab es in Sybaris für Rezepte ein Urheberrecht (für ein Jahr), aber für Musik und Texte keines.
    Das Urheberrecht ist letztlich beliebig und nur ein Ausdruck der Mode. Das zeigt schon der Anfang des Urheberrechts der Neuzeit: Es war ein Druckerprivileg, ein Recht der Drucker, aber nicht der Autoren.
    Urheberrecht hat nichts mit immateriellem zu tun ist ist letztlich nur das Ergebnis von Lobbyismus.

  78. Harald |  15.05.2012 | 23:01 | permalink  

    Brötchen sind nur geschützt, wenn ihre Form eine gewissen Schöpfungshöhe aufweist, die klar von der traditionellen Form abzugrenzen ist.

  79. Wenn Avatare über Werte quasseln « The Honey Badger |  15.05.2012 | 23:11 | permalink  

    [...] 4 “Denn sie wissen nicht, wie Werke entstehen“, Wolfgang Kaube in FAZ.NET 5 “Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten“, Wolfgang Michal in Carta 5 “Ein notwendiger Protest“, Christopher Lauer in [...]

  80. Wenn Avatare über Werte quasseln « All die schönen Worte |  16.05.2012 | 12:39 | permalink  

    [...] Assheuer in Zeit Online 4 Denn sie wissen nicht, wie Werke entstehen, Wolfgang Kaube in FAZ.NET 5 Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten, Wolfgang Michal in Carta 5 Ein notwendiger Protest, Christopher Lauer in FAZ.NET  • Außerdem [...]

  81. Erwin |  16.05.2012 | 19:24 | permalink  

    @Harald
    Ja, deshalb ist beispielsweise Jesus aus heutiger Sicht ein Raubkopierer, der mit der Brotvermehrung eine massenhafte Geschmacksmusterverletzung begangen hat!
    Würde er die Tat heutzutage begehen, würde der für Jahre in’s Gefängnis gehen, länger als die Kino.to-Beteiligten, weil die nicht kopiert haben sondern lediglich zitiert (Links gesetzt) haben.

  82. Letztens war ich Urheber. Verwerter. Verwender. « 3Toastbrot |  18.05.2012 | 15:45 | permalink  

    [...] Einkommensmodelle in der Diskussion – Du bist kreativ? Mein Beileid. – Schluss mit dem Hass – Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten – Wir sind – ohne mich – Wir müssen über Geld reden – Unendliche Geschichte Urheberrecht. [...]

  83. Gedanken zum Copyright II - Martin Diller: Online + Dialog Marketing |  19.05.2012 | 03:16 | permalink  

    [...] Widerspruch im Parteiprogramm der Piraten wird auf carta.de aufgezeigt “Zankapfel Urheberrecht: Der ungelöste Grundwiderspruch der Piraten” und Michael Seemann “löst” den Konflikt, indem er das Urheberrecht gleich abschaffen [...]

  84. Urheberrecht - Antwort, Politik, Gesellschaft, Zeitgeschehen, Piraten, Anonymous, MeinungenDreibeinblog.Info |  20.05.2012 | 17:15 | permalink  

    [...] Ja zum Urheberrecht HEMD AB FOR YOUR RIGHTS at Das Tatort Urheberrecht eine Podiumsdiskussion Twittwoch e V Ein Witz namens ewiges Urheberrecht Zankapfel Urheberrecht Der ungelöste Grundwiderspruch der [...]

  85. Hacker-Mafia vs. Content-Mafia | Basedow1764's Weblog |  07.09.2012 | 15:37 | permalink  

    [...] einer, der die Positionen der Piraten zum Urheberrecht kundig analysiert. Ganz einverstanden damit ist Wolfgang Michal auf Carta allerdings nicht: “Dem Urheber, der unter Umständen jahrelang an [...]

  86. U- und E-Argumente « Der Lampiongarten |  10.12.2012 | 12:54 | permalink  

    [...] “kleinen und machtlosen” Künstler kämpft (siehe die vorherigen argumentativen Kniffe: Wir wollen ein Urheberrecht, das Downloads ermöglicht, aber die Künstler müssen auf jeden Fall au… bzw. Die Verlage sind wichtig, nur die Verträge mit den Künstlern sind ungerecht und [...]

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