Tankred Lerch

Gespräche mit meinem Therapeuten Kurt über das Fernsehen (2)

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Der TV-Autor hatte aufgrund der Wahlkampfsendungen und der Divergenz der Vergütung von Nachrichten- und Unterhaltungswerten eine schlimme Woche und musste sich dringend die Welt von seinem imaginären Therapeuten Kurt gerade rücken lassen. Folgender Text basiert auf dem Protokoll vom 30.04.2012.

30.04.2012 | 

Lieber Kurt!

Meine Woche war nicht gut, deswegen bin ich sehr froh, dass du heute noch Zeit für mich gehabt hast. Unser erstes Thema war wieder einmal meine narzisstisch gestörte Persönlichkeit. Fest gemacht hast du diese Störung an der Tatsache, dass ich  dachte, meine vierzehnjährige Tochter bei „n-tv live“ in einer Übertragung aus dem Bundestag gesehen zu haben, wie sie pubertierend beleidigt und maulend auf einem Sessel gesessen und ihren „Ihr seid alle doof, mit euch spiele nicht mehr“-Ausdruck zur Schau gestellt hätte. Du konntest mir aber mit Hilfe des Internets erklären, dass es nicht meine Tochter war, die ich gesehen habe, sondern die deutsche Familienministerin Kristina Schröder. Und was ich mit „verhaltensgestört“ bezeichnen würde, wäre eben ihre Art. Das hat mich beruhigt. Ich muss einfach genauer hinschauen.

„Günter Jauch“ hat am Sonntag eine Sendung über ALDI gemacht. Du meintest aber, dass es Quatsch wäre darüber zu spekulieren, ob es ihm finanziell nicht so gut gehen würde, weil er ja nur von der ARD bezahlt und nicht von der DEGETO eingekauft wird. Mein Argument, dass Thomas Gottschalk hingegen bei „Gottschalk live“ noch keine Sendung über LIDL oder NETTO gemacht hätte, tatest du als Unfug ab.  Und auch meine Überlegungen, die eher kargen „Insolvenz- oder  ‘Freier Fuß’-Einkünfte“ von Kim „Dotcom“ Schmitz oder Anton „A.“ Schlecker von deutlich unter 100.000 p.m. an Moderatorengagen anzugleichen, weil deren „Nachrichtenwert“ doch deutlich über dem der beiden „GEZ-Millionären“ läge, fandest du kindlich, ja geradezu kindisch.

Dann sprachen wir über ein Wahlplakat von Herrn Norbert Röttgen, welches ich am Sonntag in der Sendung „Berlin direkt“ gesehen habe. Auf diesem Plakat fordert er uns auf, alles durch die Augen unserer Kinder zu sehen. Wahrscheinlich…

In einem Interview hat er aber nicht gesagt, ob er das wegen des Betreuungsgeldes meint, sondern nur gewettert, dass die Piratenpartei gar kein richtiges Programm hätte. Meinen Einwand, dass er dann am besten die Piratenpartei wählen solle, weil die seiner Meinung nach  ja eher kindlichen Gemütes in die Wahl gehe, tatest du als groben Unfug ab. Genau so wie nde, dass die Firma debitel all ihre 4, 4 Mio Kunden – mit denen sie werben -  zwingen könnte die FDP zu wählen, nur weil die ja anscheinend alles unterschreiben. Das sei – wie du sagtest- genau so ein Irrsinn wie zu glauben, dass man durch  “Krombacher saufen” den kompletten Regenwald retten könne.

Dass ich mit dem Tatort, den sie Polizeiruf nennen, recht einverstanden war, hast du als positiv vermerkt. Meine Bemerkung, dass ich – als Norddeutscher -  mit ein paar Untertiteln auch mehr verstanden hätte, hast du sogar im Ansatz verstehen können.

Wir machen Fortschritte.

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1 Kommentar

  1. ulric thiede |  11.05.2012 | 17:18 | permalink  

    die angesprochene firma debitel ist wohl die sog. mobilcom-debitel, die ich auch
    als mobilcom-debil kennengelernt habe, so blöde und frech behandeln sie ihre kunden, wenn die sich gegen lastschriften von betrüger-abzockfirmen wehren und die abgebuchten beträge (einziger rechlich sinnvoller weg!) bei ihrer bank wieder stornieren lassen. gut, das endet dann mit der sperre durch die debitel, die sich meint, ihren gesetzlichen pflichten entziehen zu könneng, und daraufhin muss man die rechtswidrige sperre zum grund der eigenen fristlosen vertragskündigung wg. schweren vertragsbruchs nehmen und beantworten. such is life mit blödleuten in der telekommunikationsbranche!

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