Till Bastian

Die ausgebrannte Republik

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Die Zahl psychischer Erkrankungen steigt. Depressionen und Burnout sind zu Volkskrankheiten geworden. Droht dem Land ein seelischer Zusammenbruch? Ein paar Gedanken zum Tag der Arbeit und zur Multitasking-Gesellschaft.

30.04.2012 | 

Für die Ökologie-Bewegung spielt seit der UNO-Umweltkonferenz von Rio 1992 der Begriff „Nachhaltigkeit“ eine große Rolle. Er stammt ja aus der Forstwirtschaft und besagt, dass nicht mehr verbraucht werden soll als wieder nachwachsen kann. Als klinisch tätiger Arzt stieß ich ebenfalls auf diesen Begriff. Ich erkannte, dass unsere Gesellschaft zwar damit begonnen hat, den Energieumsatz und den Verbrauch von Rohstoffen nachhaltig zu organisieren. Die Ergebnisse dieser Bemühungen sind zwar noch nicht befriedigend und es bleibt noch viel zu tun, aber es sind jedenfalls Ziel und Richtung vorgegeben. Keinerlei Nachhaltigkeit herrscht indes bei der Nutzung des „Humankapitals“, des „Faktors Arbeit“. Brutal gesagt: Das „Menschenmaterial“, die Ware Arbeitskraft, wird derzeit erbarmungslos „verbrannt“ wie kein zweiter Rohstoff.

Diese Raubbauwirtschaft hat Folgen. Regelmäßig berichten wissenschaftliche Studien von einem dramatischen Anstieg der seelischen und der zumindest seelisch mitbedingten Erkrankungen. Die Deutsche Rentenversicherung registrierte für 2010, dass 20 Prozent ihrer stationären Rehabilitationsmaßnahmen wegen seelischer Probleme durchgeführt worden sind: eine Zunahme um 33 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. Im Sommer 2011 hat Deutschlands größte Krankenkasse, die Barmer GEK, bekanntgegeben, dass 1990 3,7 von 1000 Versicherten wegen psychischer Probleme in einem Krankenhaus behandelt werden mussten – zwei Jahrzehnte später, also 2010, waren es 8,5, ein Anstieg um 129 Prozent, also um mehr als das Doppelte. Depressionen und Burnout sind zu Volkskrankheiten geworden. Immer mehr Menschen kommen deswegen hierzulande für immer längere Behandlungen ins Krankenhaus.

Die in meinen Augen wahrscheinlichen Ursachen dieser Entwicklung sind:

  1. das immer höhere Tempo aller sozialen Vorgänge,
  2. die ständige, massive Überflutung mit Reizen aller Art und
  3. die permanente Notwendigkeit von immer intensiveren Synchronisationsleistungen.

Was das im Einzelnen bedeutet, werde ich später erläutern.

Zum Thema Burnout ist zuvor noch eine kurze Erläuterung notwendig: Der Begriff stammt von dem in Frankfurt a. M. geborenen Psychiater Herbert Freudenberger (1926 – 1999). Er beschrieb schon 1974 seine eigene Überforderung und Erschöpfung. Freudenberger, der täglich von 8 Uhr bis 18 Uhr in seiner Praxis arbeitete und danach mehrfach die Woche bis in die Nacht hinein ehrenamtlich in einer Klinik für Drogenabhängige und Obdachlose tätig war, prägte damals den klassischen Satz: „Je müder ich wurde, desto mehr trieb ich mich an“. Der New Yorker Arzt erkannte sehr genau, dass gerade überengagierte, sich um das Gemeinwohl kümmernde Menschen gefährdet sind, sich zu überfordern und die eigenen Kraftreserven raubbauartig aufzubrauchen. Im Originalton: „Genau wegen dieses Engagements tappen wir in die Burnout-Falle. Wir arbeiten zu viel, zu lange und zu intensiv. Wir fühlen einen inneren Druck, zu arbeiten und zu helfen, und wir fühlen einen Druck von außen, zu geben…“

So betrachtet, wäre das Ausbrennen quasi eine Facette des drei Jahre später von dem Münchner Psychotherapeuten Wolfgang Schmidbauer beschriebenen „Helfer-Syndroms“ („Die hilflosen Helfer“, 1977). Aber Vorsicht: Engagierte Helfer und „Kümmerer“ mögen zwar in besonderem Maße gefährdet sein, mit sich selbst und den eigenen Kräften nicht-nachhaltig umzugehen – sie bilden sozusagen eine Hochrisikogruppe. Aber der Umkehrschluss gilt nicht, denn auch andere Menschen sind vom Ausbrennen bedroht, wie der Fall des Fußballtrainers Ralf Rangnick deutlich gemacht hat. Ein überhoher Selbstanspruch ist auch auf anderen Tätigkeitsfeldern als in sozialen Berufen möglich. Hinzu kommt, dass in den fast vierzig Jahren, die seit Freudenbergs und Schmidbauers Publikationen vergangen sind, das gesellschaftliche System sich samt dem ihm zugehörigen Umgangsformen radikal gewandelt hat.

Dieser soziale Wandel hat sich indes nicht aus dem Nichts vollzogen. Der amerikanische Soziologe David Riesman (1909 – 2002) hat in seinem kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erschienenen Bestseller „Die einsame Masse“ die These gewagt, dass der Charakter des modernen Menschen ein „außengeleiteter“ sei. Nicht innere Konflikte bestimmen unser Leben, sondern der Außendruck, der wirkliche oder vermeintliche Zwang, sich nach den Anderen zu richten. Erscheinungsformen dieses Zwanges sind:

  1. die Beschleunigung aller sozialen Abläufe. Mobilität, das Leitmotiv der Epoche, bedeutet ja, dass immer mehr Handlungsvollzüge und vor allem auch Handlungsoptionen in immer kleinere Zeiteinheiten hineingepackt werden. Die Folge davon sind Eile, Hektik, aber auch permanenter Entscheidungsdruck – und die Angst, das Wichtigste zu versäumen.
  2. Das Grundrauschen unserer Industriezivilisation, die Menge der Sinneseindrücke und Informationen, die auf uns einströmen, hat exponentiell zugenommen (in jedem Laden wird man mit Musik zwangsbeschallt!) und verlangt uns immer öfter ein so genanntes „multitasking“ ab, zu Deutsch: mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, was in der Regel bedeutet, eines davon nicht gut zu bewältigen.
  3. Es wächst die Zahl der Synchronisationsleistungen, die wir erbringen müssen, um am Leben überhaupt teilnehmen zu können – Terminkalender führen, Anrufbeantworter abhören, Formulare ausfüllen usw. usw. Die Vielzahl dieser Leistungen – mit denen ja kein Euro verdient, kein Wert geschaffen wird: sie sind schlicht notwendig, um im mainstream mitzuschwimmen! – entspricht der Überfülle der Gebote, die erfüllt werden müssen, um sich alltagspraktisch „richtig“ zu verhalten (etwa die Notwendigkeit, sich eine Vielzahl von Geheimzahlen, PIN-Nummern und Passwörtern merken zu müssen!) und der unerlässlichen Pflichten, uns in einer oft recht genau bestimmbaren Art zu benehmen, wenn wir uns der jeweiligen Kultur oder Subkultur zugehörig fühlen wollen. All das macht müde, erschöpft, unzufrieden. Aber noch mehr: Gerade bei den sensibleren Naturen entsteht oft ein Gefühl der inneren Leere, der Sinnlosigkeit, aber auch jener Ich-Abwertung, die häufig den ersten Schritt auf dem Weg in die Depression bildet.

Zusammengefasst: Die Kultur der Moderne, unsere technokratische Multi-Options-Gesellschaft, wirkt gerade durch ihre verwirrende Überfülle an Angeboten, Stimuli und Möglichkeiten wie eine riesige Vakuum-Pumpe, ein „Exhauster“, der durch seinen Sog unsere innere Stabilisierung durch traditionelle „Ich-Leistungen“ aus ihrer Balance wirbelt. Und wenn diese Stabilisierungsvorgänge nicht mehr oder nur unzureichend funktionieren, wird es äußeren Instanzen leicht gemacht, die Kontrolle über unser inneres Leben zu übernehmen. Es ist daher nicht mehr – oder jedenfalls nur vergleichsweise selten – der klassische „neurotische Konflikt“ mit seinen Folgeerscheinungen (etwa den von Sigmund Freud und Joseph Breuer 1895 beschriebenen Konversionssymptomen), der die seelische Realität der Menschen von heute bestimmt, sondern die auf das verzweifelte Bemühen nach „Dabei-Sein“, nach Mit-tun immer öfter folgende Ermattung, die Erschöpfung, das „Burnout-Syndrom“ und die depressive Herabgestimmtheit aller Art. Überforderung und Übermüdung statt innerem Zwiespalt, statt Widerstreit von „Pflicht und Neigung“, wie es in der Sprache der Klassiker und des deutschen Idealismus hieß. An die Stelle von „Herkules am Scheidewege“ tritt „Herkules, der Überforderte und Ausgebrannte“ – ein trauriger Held der Gegenwart, der sich in seinem Wunsch nach Ruhm, Anerkennung und erfolgreichem Mithalten im Lebenskampf schlicht und einfach zuviel zugemutet hat.

Droht unserer Republik also der seelische Zusammenbruch? Ich halte das für durchaus möglich. Aber was hilft?

„Wacht auf, – denn eure Träume sind schlecht!“, rief der heute leider weitgehend vergessene Dichter Günter Eich (1907 – 1972) seinen Lesern zu. Die Mahnworte waren damals als Warnruf angesichts des atomaren Wettrüstens zu verstehen; rund 70 Jahre später taugen sie auch als Appell angesichts der Technisierung des Lebens schlechthin:

„Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“

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17 Kommentare

  1. A. G. |  30.04.2012 | 22:03 | permalink  

    Solange so ein (aalglatter) Mist auf gutbesuchten Veranstaltungen – wie neulich – verkündet wird: http://www.youtube.com/watch?v=-6lLHW11MuE&feature=youtube_gdata_player , na ja… 

    Der letzte Satz des Postings hat besonders was.

  2. Markus Väth |  30.04.2012 | 22:58 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Bastian,

    vielen Dank für Ihren aktuellen Artikel, der das Thema Burnout in einen größeren Rahmen mit der modernen Welt bringt. Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang, auf mein Buch “Feierabend hab’ ich, wenn ich tot bin. Warum wir im Burnout versinken” hinzuweisen:
    http://www.amazon.de/Feierabend-hab-ich-wenn-tot/dp/3869362316

    Mir ist es ebenfalls ein Anliegen, Burnout und psychische Erkrankungen nicht nur auf den Einzelnen abzuwälzen (wie das leider in unserem Gesundheitssystem immer noch viel zu oft getan wird). Auch Gesellschaft und Wirtschaft leisten durch Multitasking, inkompetente Führung, Amoral etc. ihren Beitrag zum “strukturellen Burnout”, wie ich ihn nenne. Leider scheinen die Mainstream-Medien diesen Umstand in seiner Brisanz noch gar nicht wahrgenommen zu haben. Ich vermisse jedenfalls in Medien wie dem SPIEGEL oder der ZEIT seit Längerem einen Artikel mit der Deutlichkeit, wie Sie ihn gebracht haben. Dafür nochmals Danke.

    Herzliche Grüße,
    Markus Väth

  3. Vera Bunse |  01.05.2012 | 01:43 | permalink  

    Oh ja. Schöne, belesene Worte. Keines darüber, wie Betroffene, die nicht mehr nutzbringend verwertbar sind, von Arbeitsverwaltung und Sozialbehörden behandelt werden.

  4. Tim |  01.05.2012 | 12:00 | permalink  

    Man sollte nicht alles glauben, was Psychologen erzählen und schreiben, sondern stelle sich die Frage: Burnout-Diskussion – cui bono?

  5. Markus Väth |  01.05.2012 | 13:37 | permalink  

    @VeraBunse
    Das ist auch nicht das Topic.

    @Tim
    Cui bono? (Für Nichtlateiner: Wem nützt es?) – Den vielen Betroffenen, die immer nur hören, sie hätten ein Persönlichkeitsproblem und dann vom Arbeitgeber auf 6 Wochen Kur geschickt zu werden, nur um nachher in der gleichen Tretmühle zu landen.

  6. Линковете за Първи май « De Libertate Iuris Digitalis |  01.05.2012 | 15:49 | permalink  

    [...] немски сайт CARTA и вчера там попаднах на материала Die ausgebrannte Republik (Прегорялата република), който представя доста [...]

  7. A. G. |  01.05.2012 | 16:27 | permalink  

    “Das ist auch nicht das Topic.”

    Huuah, eben das ist das Problem: Funktionieren müssen, sich anpassen. Manche ‘Experten’ haben bis heute nicht verstanden, dass Menschen sich einbringen, auch Themen verändern, setzen.

  8. Tim |  01.05.2012 | 19:24 | permalink  

    @ Markus Väth

    In einer aufgeklärten Gesellschaft wäre es angesichts von sehr fortgeschrittener Arbeitsteilung und hohem Leistungsdruck überhaupt kein Problem zu sagen: Ich kann nicht mehr. Ich brauche mal eine Auszeit. Oder auch: Ich habe keine Lust mehr auf die Tretmühle, zumindest für einen gewissen Zeitraum.

    Aber was machen wir? Wir definieren ein krankheitsähnliches “Syndrom” herbei, für das es “Therapien” gibt, und individualisieren dadurch das Problem. Der Mitarbeiter kann nicht mehr? Dann ab in die Werkstatt mit ihm!

    Das erbärmliche Burnout-Gerede ist in Wirklichkeit ein Indiz für die Unfähigkeit von Gesellschaften, sinnvoll über ihren Leistungsbegriff zu debattieren.

  9. Markus Väth |  01.05.2012 | 21:55 | permalink  

    “Aber was machen wir? Wir definieren ein krankheitsähnliches “Syndrom” herbei, für das es “Therapien” gibt, und individualisieren dadurch das Problem. Der Mitarbeiter kann nicht mehr? Dann ab in die Werkstatt mit ihm!”

    Genau davon rede ich. Schön, dass wir hier einer Meinung sind.

  10. Vera Bunse |  02.05.2012 | 02:47 | permalink  

    @Markus Väth
    Thema ist, was ich spontan bei einem Text empfinde. In diesem Sinn äußere ich mich, was man ignorieren kann. In jedem Fall beweist es deutlich bessere Erziehung als Ihre Zurechtweisung.

  11. Markus Väth |  02.05.2012 | 07:35 | permalink  

    @VeraBunse
    Es besorgt mich etwas, dass Sie eine Meinungsäußerung, die nicht Ihrer Vorstellung entspricht, als Zurechtweisung empfinden. Aber das ist, denke ich, Ihr Thema und nicht meins.

  12. Max Meander |  02.05.2012 | 13:14 | permalink  

    Die Kommentare sind doch immer interessanter als der eigentliche Artikel !
    Es gibt in der Psychologie ein Streitthema welches ich für sehr beachtenswert
    empfinde, nämlich die These nach der die Kranken eigenlich schon wieder eher
    mehr gesund sein sollen als die “Normalen Gesunden” !
    An welcher Stelle ist unsere Welt denn nicht pathologisch?
    Nur immer mehr Menschen halten diesen Wahnsinn nicht mehr aus und der
    Körper sendet die entsprechenden Signale.
    Was gibt es da zu streiten wenn sich ein Mensch krank fühlt und tatsächlich
    arbeitsunfähig ist ?
    Wenn man dem dann noch einen Namen gibt weil es ein Massenphänomen ist,
    kann es ein erster Schritt sein sich in der Gesellschaft dieses Problems gewahr
    zu werden.

  13. A. G. |  02.05.2012 | 20:25 | permalink  

    “Die Kommentare sind doch immer interessanter als der eigentliche Artikel !” 

    Das Posting finde ich auch interessant. Dann finde ich es amüsant, dass unter #2 versucht wird, ein Buch anzupreisen – und der Autor sich nachfolgend disqualifiziert. Ich weiß jedenfalls, was ich NICHT kaufen würde. Echt nicht. Trainer. :)

  14. Markus Väth |  02.05.2012 | 21:13 | permalink  

    @A.G.
    Sie müssen es selbstverständlich nicht kaufen. Sehen Sie es einfach als Möglichkeit zur Horinzonterweiterung.

  15. A. G. |  02.05.2012 | 21:15 | permalink  

    Das meinen Sie.

  16. André Rebentisch |  04.05.2012 | 02:00 | permalink  

    Schwermut finde ich sinnvoll zur Persönlichkeitsbildung. Jeder mit Anspruch erlebt Schwermut.

    Wer sich medial überlastet, wie ein Automatensüchtiger seine elektronischen Kanäle füttert, erleidet Burnout. Das ist ein sinnvolles Warnsignal, dass man das mediale Verhalten ändern muss, das richtige Maß finden.

    Alles eine Frage der Einstellung zu dem Phänomen. Was sich in unserer Kultur geändert hat, das ist die Unfähigkeit damit anders als pathologisierend umzugehen, und das Verlernen der kulturellen Programme romantischer Art zur Katharsis. Die
    Unfähigkeit zu angemessenem Pessimismus. Der unterdrückte Ausdruck, der ungehörte Fluch, der stumme Schrei muss sich dann in einer Krankheit Depression Bahn brechen. Eine rein symptomatische Heilbehandlung hilft nicht, denn unser Körper begeht keinen Fehler, er teilt uns etwas mit.

    Die Muße zur Schwermut ist das Gegengift zur Krankheit Depression.

  17. linsenspaeller |  04.05.2012 | 21:32 | permalink  

    “Die Muße zur Schwermut” ist gut, da fühle ich mich verstanden, aber Depression ist definitiv mehr als eine exzentrische psychische Hilferuf-Symtomatik. Das Gehirn und speziell der kognitive Apparat gehen bei der Beurteilung der individuell relevanten Situationen immer dieselben falschen Wege im Kreis herum. Und das läßt sich neurochemisch exakt belegen und wurde in den letzten Jahrzehnten umfassend erläutert. Anhaltende Schwermut gab es ebenso im Mittelalter, bei Römern und Griechen ist Depression belegt. Es ist aber relativ schwierig, sich vorzustellen, welche anderen Streßfaktoren damals eine Rolle spielten. Soweit ich weiß, ist noch nicht ganz geklärt, inwieweit es ansteckende depressive Phänomene gibt und ob man depressive Reaktionen lernen kann (z.B. von der Mutter).

    Beim Burnout stimme ich dem Autor oben völlig zu, das ist etwas anderes als Depression, es fühlt sich ganz anders an, die Motivation und Antriebskraft gehen nicht verloren, man will, ist aber zu müde und unfähig. (Ich möchte es hier mal vergleichen mit einen Autofahrer, der 20 h hinterm Steuer gesessen ist, aber noch 100 km bis nach Hause vor sich hat.) Es liegen auch kaum neurochemische Erkenntnisse zu der Krankheit vor, aber es scheint festzustehen, daß man Burnout nicht mit den Therapien der Depression bekämpfen kann. Ich würde derzeit nicht ausschließen, daß noch pathogene Erreger, Prionen, Retroviren oder dergleichen gefunden werden, welche die Krankheit erzeugen. Oder toxische Wirkungen z.B. von Schimmelsporen in Kombination mit Fungiziden, die ja auch mal etwas komplizierter sein können in unserer Zeit, wo man immer gleich denkt, die atemberaubende moderne Analytik würde das im Handumdrehen heraus finden. Es erkranken ja nicht alle Berufstätigen, auch nicht alle jene, die viel Streß oder Frust erdulden müssen, auch nicht alle, die Tag und Nacht einem Überangebot an irrelevanten Informationen ausgesetzt sind. Es wäre aber schon mal interessant, zu erfahren, ob es statistische Häufungen gibt, wahrscheinlich streiten sich die Experten aber noch 10 Jahre um Diagnoseschlüssel und Kostenfragen, anstatt die eigentliche Arbeit anzupacken.

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