Redaktion Carta

Die FAZ und das Fähnchen im Wind

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Bei den Frankfurtern ist die Liebe zu den PiratInnen deutlich abgekühlt. Wurde Jens Seipenbusch noch vor kurzem als Intellektueller von Format gefeatured und Marina Weisband als Julia Timoschenko-haftes Piraten-„Gesicht“ gelobt, gibt’s nun eins auf die Mütze.

21.04.2012 | 

Da sich in den Feuilletons inzwischen die Urheber-Promis die Klinke in die Hand geben, um gegen die Kostenlos-Republik der Piratenpartei anzuschreiben, sah die FAZ schon leicht nach gestern aus. Nun hat sie offenbar doch noch die Kurve gekriegt. FAZ-Redakteur Harald Staun und Tatort-Regisseur Niki Stein rechnen kurz vor den Landtagswahlen mit den Piraten ab. Den Newcomern werden nicht mehr – wie vor kurzem noch – Aufbruch und Intellektualität bescheinigt, sondern geistige Unzurechnungsfähigkeit („Pille-Palle“) und kommunistische Enteignungsfantasien („Unter Piraten“).

So schnell ändern sich die Zeiten (It’s journalism, stupid!). Auch gegen den Kapitalismus wird ja in letzter Zeit in der FAZ nicht mehr so wild argumentiert wie im vergangenen Herbst.

 

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3 Kommentare

  1. Aleks |  21.04.2012 | 16:12 | permalink  

    Man könnte es auch einfach Meinungspluralität nennen

  2. A. G. |  21.04.2012 | 18:36 | permalink  

    ‚Pille-Palle‘ hab ich gelesen. Pille-Palle. Von einzelnen Ausrastern ausgehend wird verallgemeinert. Das passt fast eher in die Kategorie Unterhaltung als ins Feuilleton.

    Immerhin schreiben die Piraten was zur Bildung
    http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Bildung und liegen nicht völlig neben der Kappe: http://netzpolitik.org/2012/polen-setzt-auf-offene-bildungsmaterialien/ .

  3. André Rebentisch |  22.04.2012 | 01:23 | permalink  

    Die Tageszeitungen reflektieren nicht ausreichend ihre Sittenwächterfunktionen unter den inter-medialen Bedingungen. Ihre Anstandsregeln sind immer an Prämisse gebunden, dass die entsprechende Person Macht und Einfluss hat. Es gibt inzwischen Akzeptanz für mehr Rauschen und Sanktionsfreiheit, das haben sie bereits erkannt. Tageszeitungen polarisieren kräftig mit, als Schreibe, nicht als Überzeugung. Sie müssen sich fragen wie viel Vielfalt sie ihrem Leser zumuten wollen. Parteien brauchen das nicht, sie sind nicht für ihre Mitglieder verantwortlich. Denen eine Linie vorzugeben weist tendenziell in totalitäre Gefilde unter den veränderten medialen Bedingungen. Die “hierarchischen” Medien mussten und müssen Verantwortung zeigen. Sie müssen sich selbst an ihre Linie halten, weil sie Intermediäre sind, aber sie können diese nicht auf andere zu projizieren. Die Linie folgt als Bürde aus einer Hierarchie.

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