Tankred Lerch

Fakten und Faxen: Mehr Chancengleichheit bei der Jobsuche

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Die Antidiskriminierungsstelle lobt anonymisierte Bewerbungsverfahren. Gute Idee, aber Chancengleichheit ensteht nicht durch das Weglassen von Informationen.

18.04.2012 | 

Fakten

In Deutschland wurden im letzten Jahr auf Initiative der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) testweise anonymisierte Bewerbungsverfahren angeboten. Zu diesem Zweck wurde bei Bewerbungen für ausgewählte Stellen auf persönliche Daten wie Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand verzichtet.

Durch die Maßnahme erhoffte man sich Erkenntnisse darüber, “ob es bisher oft benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Migrationshintergrund, Ältere und Frauen mit Kleinkindern tatsächlich öfter in Vorstellungsgespräche und in Jobs schaffen würden, als bisher”.

Ziel der Studie: „Chancengleichheit in der ersten Phase des Verfahrens.” Das Ergebnis wird positiv bewertet. Durch das anonymisierte Bewerbungsverfahren haben es tatsächlich mehr Menschen zumindest bis zu einem Vorstellungsgespräch geschafft.

Faxen

Deswegen: Erstmal Glückwunsch! Eine durchaus hehre Idee, unsere demokratische Welt ein bisschen schöner und gerechter und gleicher zu machen. Aber wo ein Wille ist, muss nicht unbedingt jeder Weg zum Ziel führen. Natürlich macht es Sinn, falls man als deutscher Verfassungsschützer die NPD unterwandern will, erstmal so zu tun, als wäre man Nazi. Und natürlich fühlt man sich gebauchpinselt, wenn man zum Beispiel zu einem Modelcasting eingeladen wird.

Aber was bringt es, wenn man hässlich ist? Da hätte ein Foto die Reisekasse durchaus weniger belastet.

Werden wir noch polemischer: Was will der Rocker als DJ in einer Technodisco oder was nützt der Frau in Burka ein Arbeitsplatz in der Männersauna am Aufguss?

Aber schön, dass sie es bis zum Bewerbungsgespräch geschafft haben. Natürlich kann auch ein Krebskranker in Nullkommanix geheilt werden. Von Kopfschmerzen. Mit einer Aspirin.

Chancengleichheit entsteht nicht durch das bewusste Verschweigen relevanter Informationen. Das führt bloß zu Irritationen. Die Frustration erfolgt zwangsweise beim Vorstellungsgespräch. Stellen Sie sich vor, Sie treffen sich in einem Restaurant zu einem Blind Date mit einer Ärztin Mitte Dreißig und es kommt ein Taliban Ende Fünfzig. Da ist der Konflikt doch vorprogrammiert.

Zwei Beispiele:

Frauen verdienen in Führungspositionen durchschnittlich weniger Geld als Männer. Frauen in Führungspositionen werden im Durchschnitt aber auch wesentlich häufiger schwanger als Männer in Führungspositionen. These: Das gibt den Personalchefs den Spielraum zur Rechtfertigung ihrer Lohnpolitik.

Es gibt im Profifußball keinen bekennenden Homosexuellen. Homosexuelle werden im Profifußball diskriminiert. These: Homosexuelle Profifußballer outen sich nicht, weil sie Angst haben.

Ob das moralisch richtig ist, soll und wird hier nicht zur Diskussion gestellt. Sich daraus aber ergebende Fakten: Frauen werden bei Vorstellungsgesprächen immer sagen, dass kein Kinderwunsch besteht und homosexuelle Fußballer werden offiziell heterosexuell.

Und hier geht es um qualifizierte „Wunschangestellte“, die auch nach der „Phase Vorstellungsgespräch“ gezwungen sind, nicht die volle Wahrheit zu sagen, um ihre „Chancengleichheit“ zu bewahren. Chancengleichheit entsteht nicht durch das Vorenthalten von Informationen, sondern in unseren Köpfen und Herzen. Mephisto kam nicht als Teufel, sondern als Pudel, zu Faust. Stanley wird nicht Loretta, weil er keine Mumu hat und Frauen dürfen nicht zur Steinigung. So weit Goethe und Monty Python.

Eine Änderung der empirischen Gegebenheiten kann man nicht abstrakt herbeiführen. Deswegen möchte ich allen Personalchefs für in Zukunft anstehende Bewerbungsgespräche, die sich auf Basis korrekt und vollständig eingereichter Unterlagen ergeben sollten, ein Zitat von Olli Kahn mit auf den Weg geben.

„Eier, wir brauchen Eier!“

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15 Kommentare

  1. Orange Appelsina |  18.04.2012 | 18:52 | permalink  

    Frohe Ostern! Nur wieso sollten Eier bei der Auswahl eines Bewerbers relevant sein? Werden die beim Einstellungstest unter die Lupe genommen? Und inwiefern sind Eier sie für Kompetenz und Leistung der Bewerbenden verantwortlich? ist mir nicht klar.

  2. Tankred |  18.04.2012 | 19:06 | permalink  

    Es soll ja nicht der Bewerbende seine “Eier” zeigen, sondern der Arbeitgeber welche haben.
    Die “Eier” stehen symbolisch für den Mut der Personalchefs, Menschen zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, auch wenn sie nicht komplett der eigentlichen Vorstellung entsprechen, ohne dass die Bewerber wichtige Tatsachen erst einmal verschweigen müssen. Die “Eier haben”, eine mutige Entscheidung zu treffen. Und bei den von mir gewählten Beispielen von Frauen und Homosexuellen erschien mir dieses Zitat des Torwarttitans doppelt passend.

  3. theo |  18.04.2012 | 19:20 | permalink  

    Waren die Ostereier mit Likör gefüllt? Was hat das mit Verfassungsschutz, Burkha, Blind Date in einem Restaurant zu tun?

    “Chancengleichheit entsteht nicht durch das bewusste Verschweigen relevanter Informationen.”

    Es geht nicht um Chancengleichheit allgemein, sondern um „Chancengleichheit in der ersten Phase des Verfahrens.” Die Grundlage der Einladungen zum Gespräch soll die berufliche Befähigung sein, nicht aber die persönliche Herkunft. Die relevanten Infos liegen also bereits bei der Einladung zum ersten Gespräch vor.

  4. Tankred |  18.04.2012 | 19:39 | permalink  

    Wenn es bei Bewerbungen nur um berufliche Qualifikation gehen würde, dann wäre diese Massnahme ja eh nicht notwendig, oder? Natürlich sind die die relevanten Infos zur Person des Bewerbers gemeint. Wir reden hier nicht von der Welt wie sie sein sollte, sondern wie sie ist. Und da steht der Arbeitgeber auch im persönlichen Gespräch vor der Entscheidung über seinen Schatten zu springen. Oder eben nicht.

  5. theo |  18.04.2012 | 23:10 | permalink  

    Tankred,

    ich fürchte, du hast es immer noch nicht verstanden. Es geht darum, dass allein Dinge wie der Name Mehmet oder Igor einen ersten Kontakt verhindern können. Sitzt man sich erst einmal gegenüber, zählt der Gesamteindruck. Da muss dann auch keiner über seinen Schatten springen. Im Gegensatz zu Dir haben einige Firmen die Initiative ausdrücklich begrüßt.

  6. Jens Würfel |  18.04.2012 | 23:45 | permalink  

    Ich habe lange nichts mehr auf Carta kommentiert, aber heute bluten mir dann doch mal die Augen.

    Das, was Sie für originelle Metaphorik halten, Herr Lerch, verfehlt sämtlich, sonders und schrammenfrei die Wirklichkeit jobsuchender Menschen und ist in seinem Zynismus so lustig wie ein Bauchschuss.

    Dieser Beitrag ist lässig das Arroganteste, was ich jemals auf Carta gelesen habe. Er ist vollkommen nutzlos und bringt keinen Menschen in keiner vorstellbaren Lebenssituation weiter. Es ist, als hätte Dreck die Form von Buchstaben angenommen.

    Sie haben zweifelsfrei nicht die leisesteste Ahnung von dem Thema, über das sie schreiben. Eigentlich habe Sie sich mir und und allen (hoffentlich wenigen) anderen Lesern gegenüber des Zeitdiebstahls schuldig gemacht.

  7. Whik |  19.04.2012 | 03:05 | permalink  

    Ich hätte gerne gewusst, warum persönliche Daten wie Geschlecht, Alter oder Herkunft per se “relevante Informationen” sind? Natürlich sehe ich auch, dass Taliban bei Bewerbungen immer ihr Geburtsdatum angeben sollten, aber für das Gros der ausgeschriebenen Stellen sind diese Daten doch völlig unerheblich. Dass die Nicht-Anonymisierung die Ausnahme wird, ist absolut angebracht.

  8. Tankred |  19.04.2012 | 07:25 | permalink  

    Sehr geehrter Herr Würfel!

    Zweifelsfrei dürfte Sie das Verfassen Ihres Textes mehr Zeit gekostet haben, als das Lesen meines “Drecks in Form von Buchstaben”. Trotzdem ist es doch schön, dass Sie sich mit dem Thema genau so beschäftigen wie ich. Vielleicht sind unsere Herangehensweisen nicht die Gleichen, aber zum Thema Chancengleichheit dürften wir auf derselben Seite stehen. Der Unterschied ist, daß Sie so eine Kröte, wie das anonymisierte Berwerbunbgsverfahren, zu schlucken bereit scheinen. Meine Meinung ist, dass es nichts ändern wird und die Teilnehmer auf Arbeitgeberseite lediglich eine Plattform genutzt haben, um sich medial als “die Guten” inszenieren zu können. Sie wussten ja, was passiert und dass das Thema seinen Weg in die Medien finden wird. Auch (@ Theo) Igor und Mehmet werden es bloß bis zum Vorstellungsgespräch schaffen, wenn die Grunddenke der Jobschaffenden bleibt, wie sie zu sein scheint. Und damit scheint man ja zu rechnen, sonst wäre der Versuch des anonymisierten Bewerbungsverfahren eher sinnlos. Deswegen (@ Whik) nenne ich Geburtstdatum, Alter und Herkunft relevante Informationen. Und damit gehe ich nur auf Tatsachen ein. Keinesfalls bin ich der Meinung, dass es so sein sollte. Aber durch eine Aktion wie “Achtung! Ich schmeiße jetzt mal was in den Klingelbeutel, alle mal gucken!” – ändert man nichts.
    Ich habe nichts gegen ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren, ich halte es bloss für sinnlos. Wird der Personalchef im persönlichen Gespräch dann vom Saulus zum Paulus? Das passiert doch wohl eher von innen heraus.
    Ein letzter Satz zu Herrn Würfel. Ich bezeichne mich selbst als extrem liberal. Ich arbeite gerne mit “anders Begabten” und viel mit Ex- Junkies und bin selber behindert.
    Und für originelle Metaphorik würde ich es halten, ihre e-mail zum Beispiel als “Würfelhusten” zu bezeichnen.

  9. theo |  20.04.2012 | 19:47 | permalink  

    Die Frage, die ich dann doch noch gerne an den Autor stellen würde:

    hast du eigentlich zu dem Thema mehr Infos gehabt als eine Presseverlautbarung? Hast Du selbst z.B. teilnehmende Firmen oder irgendwen sonst befragt? Was ist die Informationsgrundlage für deinen Kommentar?

  10. Ali Schwarzer |  21.04.2012 | 11:33 | permalink  

    Der Text ist polemischer Schwachsinn. Mir scheint, der Autor hat so gar keine Ahnung, warum ein solches Verfahren notwendig sein könnte. Das zeigt sich ganz besonders an den absurden Beispielen. Es geht hier um die Tatsache, dass Menschen ein viel größeres Risiko haben, gleich aussortiert zu werden, nur weil sie “Ali” (wie ich), “Kevin” oder dergl. heißen, oder weil sie vielleicht mal Mutter werden könnten, oder weil sie nicht weiß sind (wie ich). Wenn man es bis zum Gespräch geschafft hat, gibt es wenigstens eine minimale Chance, dass sich der Gesprächspartner nicht von solchen Äußerlichkeiten ablenken lässt.

  11. Adile |  22.04.2012 | 23:25 | permalink  

    Wer hat hier überhaupt was verstanden? *Theo, *Herr Würfel ganz zu schweigen von *”Orange Appelsina”.

    Warum müssen sich Menschen beleidigen, *Herr Würfel, wenn sie lediglich von ihrem Recht der Meinungsfreiheit gebrauch machen. Wie steht es mit unserer Streitkultur? Von der Kunst des Streitens scheinen wir hier weit entfernt und dem rethorischen Bloßstellen des Gegners bedenklich nahe. Ich habe auch nicht wirklich den objektiven Sinn Ihres Kommentars zu dem Thema verstanden, Herr Würfel.

    Wie wäre das Thema “Chancegleichheit” zu diskutieren, wenn sich niemand jemals hierzu Gedanken gemacht und diese auch kritisch zur Disposition gestellt hätte, auf welche Art und Weise auch immer. So wäre bestimmt keiner auf die Idee gekommen ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren ins Leben zu rufen (btw in Amerika ist dies seit vielen Jahren usus; wobei ich an dieser Stelle nicht auf Chancegleichheit in den Staaten eingehen möchte).

    Lassen wir doch Tankred seinen Zynismus oder vielleicht sogar seine verbale Kreativität und Vielfalt. Ist es nicht auch das, was wir genau mit diesem anonymisierten Bewerbungsverfahren erreichen wollen. Eine größere kulturelle Vielfalt ohne Klischees und Vorurteile bezüglich Geschlecht, Herkunft und Religion. Nur wie kommt es dazu? Warum rennen wir am Anfang des 21 Jh mit diesen Vorurteilen rum. Ist es nicht genau das, was Tankred bemängelt? Machen wir nichrt Urlaub in der Türkei, Ägypten, Thailand und sind entzückt über die Diversität und bunte Andersartigkeit der Menschen. Wehe aber es läuft eine Frau mit einem Tschador durch Kreuzberg!

    Solange ich Deutsche reden höre, die erleichtert sind, dass es in den Schulklassen ihrer Gemeinde überwiegend oder ausschließlich “deutsche” Schüler gibt als anderer nationalen Herkunft so wage ich zu bezweifeln, dass dieses anonym. BV eine Lösung sein kann. Solange Politiker von sich geben, der “Islam gehöre nicht zu Deutschland” und solange wir die Vorteile unseres Wohlstandes nutzen ohne verstanden zu haben, was sozial und liberal heißt, sollten wir vorerst nochmal die Schulbank drücken, um mitreden zu können über Chancengleichheit, die ja auch über die Probezeit hinaus praktiziert werden sollte, oder?

    “Chancengleichheit entsteht nicht durch das Vorenthalten von Informationen, sondern in unseren Köpfen und Herzen.” DANKE TANKRED!

  12. Whik |  23.04.2012 | 09:15 | permalink  

    Was bedeutet denn “Vorenthalten von Informationen”? Doch sowas wie bewusstes Zurückhalten oder Verheimlichen von relevanten Angaben. Wann aber werden Geschlecht oder Herkunft zu relevanten Angaben? Doch nur wenn ich Bewerber schon im Vorfeld ausschließen, d.h. diskriminieren möchte.
    Tankred erkennt ganz richtig, dass dieser Misstand gegenwärtig noch allgemeine Praxis ist. Was er deshalb sagt ist: “Anonymisieren bringt nichts, nach dem Vorstellungsgespräch wird eh diskriminiert. Was sich ändern muss, ist die Einstellung der Menschen”. Wie das aber passieren soll, darüber verliert er kein Wort. Der Artikel beteiligt sich also nicht konstruktiv an einer Debatte über Chancengleichheit, sondern erschöpft sich in Polemik über die Unsinnigkeit des Anonymisierens. Das kann man dem Artikel durchaus in aller Deutlichkeit (ohne zu beleidigen) vorwerfen, denn damit ist in der Tat niemandem geholfen (auch nicht jenen, die nur unterhalten werden wollen, denn so richtig lustig ist der Artikel m.E. auch nicht – no offense (außerdem bezweifele ich, dass Leser mit dieser Intention zu Carta kommen)).

    Ich denke die Ansicht von Ali Schwarzer (gratuliere, wenn das dein richtiger Name ist) ist absolut nachvollziehbar: dass mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch eine Hürde abgebaut wird und so eventuell die Chancen für bisher tendenziell Diskrimierte erhöht werden. Eine Konsequenz dessen könnte sein, dass Vorurteile abgebaut werden, Vorstellungsgespräche mit Kevin, Ümit und Melanie zur Norm werden und sich ergo die Einstellung in den Köpfen (und von mir aus auch in den Herzen) ändert. Also ein bisschen wie bei der Frauenquote: alle finden sie scheiße, aber eine bessere Lösung, um die Denke der Leute zu ändern hat auch keiner – zumindest keine, die so schnell Wirkung zeigt.

  13. Tankred |  23.04.2012 | 09:26 | permalink  

    @ Adile: Danke!
    @ whik: Das ist nicht wahr. Mein Denkanstoss steht ganz klar am Ende des Aufsatzes. Wenn derjenige, der einen Job zu vergeben hat, bereit ist, auf bestimmte “benachteiligende” Kriterien als Bewertungsmaßstab zu verzichten, ist doch wohl eine wichtige Hürde genommen. Wenn derjenige “die Eier hat” auf Vorurteile zu verzichten, geht es nur noch um Qualifikation. Und diese Denke entsteht nicht durch anonymisierte Bewerbungsverfahren.

  14. Whik |  23.04.2012 | 09:47 | permalink  

    Nein, das stimmt: Eier entstehen nicht durch Anonymisierung. Aber eventuell erreicht man, dass Eier nicht mehr nötig sind, weil das, was jetzt Eier erfordern würde, in Zukunft ganz normal ist: nur auf berufliche Qualifikation zu achten.

    Und natürlich sehe ich auch, dass Eier super sind. Aber nur an die charakterliche Größe potentieller Arbeitgeber zu appelieren, damit – finde ich – macht man es sich ein bisschen zu einfach.

  15. Tankred |  23.04.2012 | 10:19 | permalink  

    Lieber whik.

    Damit hast du absolut Recht. Ich wollte an dieser Stelle auch nur darauf aufmerksam machen, dass ein anonymisiertes Bwerbungsverfahren ein Weg ist, aber denjenigen die Vorurteilen unterliegen, die Kriterien dafür nicht nimmt.
    Meine Meinung ist, dass man keinen Misstand generell sofort und abstrakt ändern kann. Der Mikrokosmos muss den Makrokosmos beeinflussen. Dann verändert sich ein System nachhaltig.
    Ein Beispiel: Ich bin Vegetarier. Ich kann Massentierhaltung und alles was daraus entsteht nicht ertragen. Jetzt kann ich natürlich dagegen auf die Strasse gehen und schreien oder Tiere (die eh schon behindert und verseucht sind) befreien oder in großen Aktionismus verfallen. Gegenargumente gibt es aber leider genug. z.B.: Arbeitsplätze in der Fleischindustrie, günstiges Essen, der Mensch ist Fleischfresser etc.. Ich bin mir sicher, dass ich jedes Argument einzeln entkräftigen kann. Ich stehe also einer Masse, die aus verschiedenen Gründen nicht meiner Meinung ist, gegenüber. Das verringert meine Chancen durchzukommen. Also mache ich es anders. Ich kaufe kein Fleisch und keine Wurst. Wer mit mir einkaufen geht, muss mit mir darüber reden, wer von mir zum Essen eingeladen wird, muss mit mir darüber reden. So kann ich jedem in Ruhe meine Beweggründe erklären und stosse auf Interesse. Ich habe ein halbes Jahr als Koch in einer Klinik gearbeitet und da ich auch für den Einkauf zuständig war, haben die Patienten einmal die Woche Biofleisch bekommen und wir haben Eier von “richtigen” Hühnern, welchen mit Beinen und Federn und so eingekauft. Das gab erstmal Theater, aber wurde dann doch akzeptiert.
    Was ich sagen will: Ich agiere in meinem Dunstkreis und hoffe, dass es größere Kreise zieht.
    Und genau so verfahre ich mit dem Thema Chancengleichheit. Ich habe ja nicht gesagt: Schafft den Blödsinn ab, ich habe nur versucht auf das eigentliche Problem aufmerksam zu machen.
    Ich bin freier Produzent für verschiedene TV Sender. Ich buche Kamera- und Tonleute, ich stelle Cutter ein und beschäftige – je nach Produktion – Redakteurinnen und Redakteure und Praktikanten. Ich habe dabei noch nie auf Alter, Geschlecht, Aussehen oder Behinderungen geachtet. Die Leute müssen ihren Job können und ins Team passen. Ich bin für mich Mitteleuropäer mit deutschem Pass und ich glaube nicht an etwas wie Geburtsrecht. Aber auch nicht an Chancengleichheit durch anonymisierte Bewerbungsverfahren!

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