Fakten und Faxen: Mehr Chancengleichheit bei der Jobsuche

Die Antidiskriminierungsstelle lobt anonymisierte Bewerbungsverfahren. Gute Idee, aber Chancengleichheit ensteht nicht durch das Weglassen von Informationen.

Fakten

In Deutschland wurden im letzten Jahr auf Initiative der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) testweise anonymisierte Bewerbungsverfahren angeboten. Zu diesem Zweck wurde bei Bewerbungen für ausgewählte Stellen auf persönliche Daten wie Name, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand verzichtet.

Durch die Maßnahme erhoffte man sich Erkenntnisse darüber, “ob es bisher oft benachteiligte Gruppen wie Menschen mit Migrationshintergrund, Ältere und Frauen mit Kleinkindern tatsächlich öfter in Vorstellungsgespräche und in Jobs schaffen würden, als bisher”.

Ziel der Studie: „Chancengleichheit in der ersten Phase des Verfahrens.” Das Ergebnis wird positiv bewertet. Durch das anonymisierte Bewerbungsverfahren haben es tatsächlich mehr Menschen zumindest bis zu einem Vorstellungsgespräch geschafft.

Faxen

Deswegen: Erstmal Glückwunsch! Eine durchaus hehre Idee, unsere demokratische Welt ein bisschen schöner und gerechter und gleicher zu machen. Aber wo ein Wille ist, muss nicht unbedingt jeder Weg zum Ziel führen. Natürlich macht es Sinn, falls man als deutscher Verfassungsschützer die NPD unterwandern will, erstmal so zu tun, als wäre man Nazi. Und natürlich fühlt man sich gebauchpinselt, wenn man zum Beispiel zu einem Modelcasting eingeladen wird.

Aber was bringt es, wenn man hässlich ist? Da hätte ein Foto die Reisekasse durchaus weniger belastet.

Werden wir noch polemischer: Was will der Rocker als DJ in einer Technodisco oder was nützt der Frau in Burka ein Arbeitsplatz in der Männersauna am Aufguss?

Aber schön, dass sie es bis zum Bewerbungsgespräch geschafft haben. Natürlich kann auch ein Krebskranker in Nullkommanix geheilt werden. Von Kopfschmerzen. Mit einer Aspirin.

Chancengleichheit entsteht nicht durch das bewusste Verschweigen relevanter Informationen. Das führt bloß zu Irritationen. Die Frustration erfolgt zwangsweise beim Vorstellungsgespräch. Stellen Sie sich vor, Sie treffen sich in einem Restaurant zu einem Blind Date mit einer Ärztin Mitte Dreißig und es kommt ein Taliban Ende Fünfzig. Da ist der Konflikt doch vorprogrammiert.

Zwei Beispiele:

Frauen verdienen in Führungspositionen durchschnittlich weniger Geld als Männer. Frauen in Führungspositionen werden im Durchschnitt aber auch wesentlich häufiger schwanger als Männer in Führungspositionen. These: Das gibt den Personalchefs den Spielraum zur Rechtfertigung ihrer Lohnpolitik.

Es gibt im Profifußball keinen bekennenden Homosexuellen. Homosexuelle werden im Profifußball diskriminiert. These: Homosexuelle Profifußballer outen sich nicht, weil sie Angst haben.

Ob das moralisch richtig ist, soll und wird hier nicht zur Diskussion gestellt. Sich daraus aber ergebende Fakten: Frauen werden bei Vorstellungsgesprächen immer sagen, dass kein Kinderwunsch besteht und homosexuelle Fußballer werden offiziell heterosexuell.

Und hier geht es um qualifizierte „Wunschangestellte“, die auch nach der „Phase Vorstellungsgespräch“ gezwungen sind, nicht die volle Wahrheit zu sagen, um ihre „Chancengleichheit“ zu bewahren. Chancengleichheit entsteht nicht durch das Vorenthalten von Informationen, sondern in unseren Köpfen und Herzen. Mephisto kam nicht als Teufel, sondern als Pudel, zu Faust. Stanley wird nicht Loretta, weil er keine Mumu hat und Frauen dürfen nicht zur Steinigung. So weit Goethe und Monty Python.

Eine Änderung der empirischen Gegebenheiten kann man nicht abstrakt herbeiführen. Deswegen möchte ich allen Personalchefs für in Zukunft anstehende Bewerbungsgespräche, die sich auf Basis korrekt und vollständig eingereichter Unterlagen ergeben sollten, ein Zitat von Olli Kahn mit auf den Weg geben.

„Eier, wir brauchen Eier!“