Einige Gedanken zur Benzinpreisentwicklung

| 14.04.2012 | 8 Kommentare

Irgendwie ist es schon seltsam, dass die Politik gegen die konzertierten Preiserhöhungen der Mineralölkonzerne so ganz und gar machtlos ist. Im Telekommunikationssektor klappt es doch auch mit der Marktliberalisierung.

Mineralölkonzerne und Warenterminhandel sorgen seit geraumer Zeit dafür, dass sich die Preisschraube für Kraftstoffe in immer höhere Sphären schraubt – und das im deutschsprachigen Raum offenbar so beliebig, dass christlichen Feiertagen das Merkmal „Faktorspezifik“ zurechenbar ist. Wohlgemerkt, vor dem Verbrauch, also vor den Reisewellen!

 

Preisbildung im Nebel

An Ostern 2012 kumulierten zaghafte Versuche der Politik in Deutschland und Österreich, der missbrauchten Marktmacht Einhalt zu gebieten. Dennoch rücken die Einschläge näher an die Mineralölkonzerne heran. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich die mediale Aufmerksamkeit, die Agenden der Redaktionsstuben sich dieser Thematik annehmen wollen. Die Vergangenheit zeigte, dass das Preiskalkül und die Beharrlichkeit einer öffentlichkeitsscheuen Industrie zur Resignation der Masse beiträgt und damit auch ein ums andere Mal die Wirkung massenmedialer ad hoc-Thematisierung sowie Social Media-Initiativen aushöhlt.

Dieser Effekt ist letztlich auch auf die unheilige Allianz von Mineralölkonzernen und Fiskalpolitik zurückzuführen, die augenscheinlich sehr gut mit dem Mythos einer Hilflosigkeit in Regulierungsfragen leben können.

 

Mythos Unregulierbarkeit

Von einem Mythos kann jedoch nicht gesprochen werden! Verwandte Märkte stark nachgefragter Güter belegen das Gegenteil und sind mitsamt ihrer Regulierung Bestandteil des Alltags und des Wettbewerbs.

Die Rede ist von dem Telekommunikationssektor. Nachdem im OECD-Raum Mitte/Ende der 1990er Jahre die Marktliberalisierung, also das Auflösen staatlicher Telekommunikationsmonopole einsetzte, sind die Ergebnisse bis heute hoher Wettbewerb, stark gefallene Preise bei anhaltender Preis- und Verteilungsregulierung. Das letzte aktuelle Beispiel zitiert die einheitlichen Roaming-Gebühren (Preisobergrenzen) innerhalb der Europäischen Union. Auf nationaler Ebene überwachen Regulierungsbehörden die Märkte. In Österreich ist es die Telekom-Control-Kommission unter dem Dach der RTR-GmbH, in Deutschland die Bundesnetzagentur, die dazu auch für den Energiesektor (sic!) tätig wird.

Weshalb hier der Kraftstoffsektor unberücksichtigt bleibt, ist logisch nicht unmittelbar ableitbar. Der Markt ist nur durch sehr verhaltenen Wettbewerb gekennzeichnet und setzt durch ihre Protagonisten auf die Verknappung massenhaft verfügbarer Güter. Die Interessen zur Beibehaltung oder Verschärfung des Status Quo liegen offenbar begründet in Ideologien, Altersvorsorge, in der Budgetpolitik sowie im Management, „strategische Alternativen in der Niedergangsphase, Abschöpfung“ (vgl. Michael E. Porter: Wettbewerbsstrategie, Kapitel 12: Wettbewerbsstrategie in schrumpfenden Branchen, S. 340, Frankfurt u.a. 1999). Die drohende Erschöpfung weltweiter Ressourcen langt hinlänglich als Kulisse der Einschüchterung, wenngleich es hier durchaus unterschiedliche Auffassungen über Zeithorizonte und Aktivitäten gibt.