Wolfgang Michal

Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums

 | 95 Kommentar(e)


Die Kritiker des geistigen Eigentums werden nicht müde, auf herzerfrischende Weise inkonsequent zu sein. Anstatt das Eigentum grundsätzlich in Frage zu stellen, halten sie das Sacheigentum weiter für segensreich, während sie das „geistige Eigentum“ verwerfen. Warum so zimperlich?

06.03.2012 | 

Seit Jahr und Tag gehen die Kritiker des geistigen Eigentums mit dem Satz hausieren, die Urheber seien als Werkschöpfer nur Zwerge, „die auf den Schultern von Giganten stehen“. Deshalb sei das Konzept vom „geistigen Eigentum“ kulturfeindlicher Unsinn.

Da möchte man mit Bertolt Brechts „lesendem Arbeiter“ zurückfragen: Ist das mit den Zwergen und den Giganten nicht auch beim Sacheigentum so? Wurde „das siebentorige Theben“ etwa nicht von Tausenden von Arbeitern erbaut, deren Arbeitskraft sich im Sacheigentum des Königs verdinglichte? Woher rührt die Geringschätzung des Dings? Warum wird nicht gesagt, dass auch Möbel, Autos, Häuser oder iPhones aus zahllosen Einzelleistungen unterschiedlichster Mitarbeiter und Generationen hervorgegangen sind? Dass Zwerge eben auch hier auf den Schultern von Giganten stehen?

Was spricht also dagegen, auch beim Sacheigentum ein allgemeines Nutzungsrecht für diejenigen zu fordern, die an der Herstellung der Produkte beteiligt waren? Und wenn wir den moralischen Maßstab der Kritiker des geistigen Eigentums anlegen, dann könnten wir sagen: die ganze Menschheit war beteiligt, also hat jeder Mensch ein Recht auf Nutzung. Die Menschheit hat das iPhone hervorgebracht. Und das Auto. Und den Kartoffelacker. Und das Fertighaus. Man könnte sogar bis zur Entstehung des Lebens oder bis zum Urknall zurückgehen. Denn im Zweifel hat immer die Vergangenheit die Gegenwart hervorgebracht. Die Gegenwart ist das Zwergenreich, das auf dem Giganten Vergangenheit steht.

Mag sein, ich übertreibe. Aber ich möchte den tapferen Kriegern wider das „geistige Eigentum“ (deren Motive ich sehr sympathisch finde) vor Augen führen, in welch argumentativen Dschungel sie sich ohne Not hineinphilosophieren. Da sie das Eigentum nicht (wie Platon oder Rousseau) gänzlich in Frage stellen (also auch nicht den Zorn der Sach-Eigentümer auf sich ziehen können), merken sie nicht, dass sie der Position der „User“ mit dieser Debatte einen Bärendienst erweisen.

Thomas Stadler schreibt z.B. in seiner Kritik des geistigen Eigentums – mit Berufung auf Dirk von Gehlens Buch „Mashup“:

„Es gibt keine originären Werke, die aus dem Nichts entstehen. Vielmehr knüpft jeder Urheber an etwas Bestehendes an und entwickelt es weiter. Und an dieser Stelle offenbart sich das Dilemma des Urheberrechts, das bislang ignoriert wird. Das Urheberrecht erweist sich als Hemmschuh, das selbst wirkliche Genies wie Mozart ausgebremst hätte.“

Das ist natürlich ein richtiger Gedanke. Andererseits ist es auch eine Binsenweisheit aus dem Poesiealbum: Ja, wir knüpfen alle an Bestehendes an und entwickeln es weiter. Auch materielle Güter ruhen auf den „Schultern von Giganten“. Warum also wird aus dieser wunderbaren Einsicht nicht die Konsequenz gezogen, geistiges und nicht-geistiges Eigentum gleichermaßen zu hinterfragen? Wenn schon, denn schon.

Wenn ich Thomas Stadlers Beitrag zum geistigen Eigentum richtig verstehe, so möchte er dieses vom Zeitpunkt seiner Veröffentlichung an sozialisieren – seine Kanzlei-Einrichtung, seinen Computer und seine sonstigen Wertsachen aber nicht. Die sollen der Allgemeinheit nicht zur Verfügung stehen. Niemand soll sie ohne Erlaubnis nutzen oder gar umgestalten dürfen. Stadler schreibt, man möge doch endlich erkennen…

„…dass es dem Wesen des ‚geistigen Eigentums’ entspricht, einer wesentlich stärkeren Sozialbindung zu unterliegen als das Sacheigentum. Denn Geisteswerke sind gleichzeitig auch Bestandteil des Wissens und der Kultur der gesamten Menschheit und als solches ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung auch Allgemeingut.“

Ein bildschöner Gedanke! Doch in Artikel 14 des Grundgesetzes steht nicht: „Geistiges Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“. In Artikel 14 steht: „Eigentum verpflichtet“ – ohne jede Einschränkung. Warum also soll ein Filmemacher mehr Verpflichtungen haben als ein Bauunternehmer oder ein Rechtsanwalt? Sollte nicht auch ein Mietshaus vom Tage seiner Fertigstellung an zum Allgemeingut werden? Bremst es nicht die Entwicklung der Menschheit, wenn die Nutzung eines Angebots (oder einer Leistung) nur auf jene beschränkt bleibt, die dafür eine Nutzungsgebühr entrichtet oder irgendeine Sonder-Erlaubnis bekommen haben? Der Bauunternehmer, könnte Stadler argumentieren, hätte sein Haus ja nicht – für jedermann sichtbar – ins (Straßen-)Netz stellen müssen. Und er hätte festlegen können: Ich will im Stadtplan (also in der analogen Suchmaschine) auf keinen Fall gefunden werden.

Es sind diese immer wieder recycelten Argumentationsmuster, die eine konstruktive Debatte über die Reform des Urheberrechts verhindern. Es ist ein Ausweichen ins Grundsätzliche samt den dazu gehörenden Haarspaltereien (etwa über das „Wesen“ des geistigen Eigentums). Zugegeben: Es entbehrt nicht einer gewissen kirchen-fundamentalistischen Komik und hat einen gewissen Unterhaltungswert, sich mit abseitigen ontologischen Fragestellungen zu befassen, etwa derjenigen, wie viele Engel wohl auf eine Nadelspitze passen? In der Sache bringt uns das aber nicht weiter. In der Sache müsste eher auf §24 Urhebergesetz hingewiesen werden, der eine “freie Benutzung” anderer Werke sehr wohl erlaubt:

„Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.“

Ganz so innovationsfeindlich, wie manche Leute es darstellen, ist das Urheberrecht also nicht. “Kreatives Kopieren” ist durchaus erlaubt. Anstatt aber den Sinn und den Unsinn der Nutzungsrechte für Sacheigentum und Immaterialgüter zu diskutieren und beide miteinander zu vergleichen, verheddern sich die Kritiker des geistigen Eigentums in einem Kategorienfehler: Sie vergleichen analoges Sacheigentum mit digitalen Kopien. Sie sagen: Das eine kann man stehlen, das andere nicht. Was niemandem weggenommen werden kann, ist auch kein Eigentum.

Eigentum ist aber eine gesellschaftliche Übereinkunft – in beiden Fällen. Ob es materiell oder immateriell, kulturell nützlich oder schädlich ist, spielt für die gesellschaftliche Festlegung keine Rolle. Die Kritiker des geistigen Eigentums begreifen nicht, dass es um “das Wesen” des geistigen Eigentums überhaupt nicht geht. Die Frage der Zuteilung oder der Einschränkung von Nutzungsrechten ist mit ontologischen Haarspaltereien über das “Wesen des Eigentums” nicht zu lösen.

Allerdings fällt die Debatte ums geistige Eigentum unweigerlich auf seine Kritiker zurück. Sie müssen nun erklären, warum sie in Fragen des Eigentums so inkonsequent sind. Zwar glaube ich nicht, dass der freiheitlich gesinnte Thomas Stadler eine sozialistische Insel der Besitzlosigkeit mitten im Kapitalismus schaffen möchte, aber was will er dann? Zu wessen Gunsten würde die Enteignung der Künstler mitten im Kapitalismus ausfallen? Richtig: zugunsten anderer Kapitalisten, und nicht etwa zugunsten der vielbeschworenen Allgemeinheit. Womit wir wieder bei der leidigen Systemfrage wären: Glaubwürdig sind die Kritiker des geistigen Eigentums nur, wenn sie das Eigentum ohne jede einschränkende ‘Vorsilbe’ in Frage stellen. Aber genau das trauen sie sich nicht.

 

Mehr zu : | | | | |

CARTA Kaffeekasse

95 Kommentare

  1. krugar |  06.03.2012 | 21:51 | permalink  

    “zugunsten andeer Kapitalisten, und nicht etwa zugunsten der vielbeschworenen Allgemeinheit”.

    da war die hand aber noch in der leistungsschutzrechtsverargumentierungskeksdose, oder?

    netter trollversuch. es gibt einen klaren unterschied zwischen kopie und raub, digital oder anderweitig.

    für alle, die den troll nich so recht erkennen wollen, die iProdukt-analogie nochmal:

    wenn ich das ipad nachbaue (hallo, samsung), habe ich ein zweites ipad. apple fühlt sich dann nachvollziehbarerweise betrogen, weil es* die gute idee hatte und jetzt konkurrenz bekommt, die den entwicklungsaufwand nicht bezahlen musste.
    das original ipad ist aber noch da, und kann genauso benutzt oder verkauft werden wie zuvor, nur gibt es plötzlich einen markt.

    *) corporations aren’t people

  2. Ralf Petring |  06.03.2012 | 21:51 | permalink  

    Ist die von Wolfgang Michal propagierte mutige Aufforderung zu weniger Zimperlichkeit vielleicht bei näherer Betrachtung selbst recht zimperlich ausgefallen?
    Ja! Und es handelt sich gleichzeitig um ein – wenn auch unterhaltsames – Spiel mit Worten.
    Was bringt es, wenn eine Seite der anderen Seite die doch wohl durchaus angezeigte, diskussionswürdige, vertretbare und m. E. erforderliche und zielorientierte Differenzierung zwischen “Sacheigentum” und “Geistigem Eigentum” vorwirft, um sodann stattdessen das gleiche oder sogar selbe Fass mit dem Kategorisierungsversuch “Sinn und Unsinn der Nutzungsrechte für Sacheigentum und Immaterialgüter” zu öffnen bzw. zumindest anzustoßen?
    Führen die Fragen des Kollegen Stadler nicht durchaus ebenfalls zu für ein neues Urheberrecht relevanten Überlegungen und danach vielleicht auch zu relevanten Erkenntnissen?
    Was soll dann der – wohl “schelmische” – Aufruf zu im Ergebnis weniger Differenzierung zwischen “Sacheigentum” und “Geistigem Eigentum”?
    Das von Wolfgang Michal angesprochene Institut der “Freien Benutzung” gem. § 24 UrhG zeigt doch bereits, dass dem Gesetzgeber gebotene Unterschiede in der Gewährung oder Bestätigung von Nutzungsrechten Dritter bezogen auf “Sacheigentum” und “Geistiges Eigentum” durchaus nicht völlig unbekannt und nicht ungewollt waren. Ein Hinterfragen dessen, WAS wem warum Zustehende eigentlich von unterschiedlichen Interessenträgern geschöpft, genutzt, monopolisiert, kopiert, vermehrt, beschädigt, verbessert etc. wird, scheint mir nicht unbedeutend und nicht falsch. Das Spiel “Alles oder nichts” geht dem gegenüber nicht an die Wurzel der Erkenntnis.
    Schließlich: Ist das bloße Fokussieren auf unterschiedliche Nutzungsrechte nicht viel weniger “radikal” und damit zimperlicher, als eine Beleuchtung der “Schöpfung”, der (absoluten) Rechte daran und deren Grundlagen und (vermeintliche) Rechtfertigung?

  3. Benjamin |  06.03.2012 | 21:54 | permalink  

    Zunächst: Danke für den Beitrag. Mit der Kritik an der Überstrapazierung des Mashup-Arguments haben Sie mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Ähnliches dachte ich auch beim Lesen von Stadler, wobei ich – wie Sie – das Mashup-Argument natürlich nicht in den Wind schießen will.

    Ohne den ganzen Text zu kommentierten zwei kleinere Anmerkungen zum Verständnis des Stadler-Textes.

    Stadler schreibt – im Gegensatz zu Ihnen – nicht “man möge doch endlich erkennen”, dass Gemeineigentum sozialisiert werden soll. Er schreibt “Um dieses Spannungsverhältnis, das unter den Gegebenheiten einer Informationsgesellschaft noch deutlich verschärft wurde, aufzulösen, sehe ich grundsätzlich zwei unterschiedliche (rechtsdogmatische) Lösungsansätze.”, von denen einer der von Ihnen missverstandene Allgemeingut-Absatz ist.

    Weiterhin begehen sie m.E. einen neuen Kategorienfehler, indem sie von Stadlers sprachtheoretischer Kritik vollends auf seine Sicht zum Immaterialgüterrecht schließen. So schreibt Stadler: “Wir müssen uns deshalb wohl die Frage stellen, ob der erste Schritt hin zu einer halbwegs neutralen Herangehensweise nicht in der Abkehr von unpassenden und irreführenden Begriffen besteht. Begriffe wie geistiges Eigentum und Raubkopie dienen der Ideologisierung und behindern damit die notwendige Sachdiskussion.” Ich denke nicht, dass Stadler ein solcher (Post)strukturalist ist, dass er vom Diskurs auf die Sache schließt bzw. diese gar nicht mehr trennt ;-) Dies impliziert aber meiner Meinung nach Ihr Beitrag in Teilen.

  4. Klischeepunk |  06.03.2012 | 22:09 | permalink  

    Ich äußer mich in aller Kürze, da der Artikel eigentlich den Kommentar nicht Wert ist, da er quasi durchweg Inkonsequent ist, unvollständig und aus Teilwahrheiten besteht.

    1. Der Vergleich “öffentliches zur Verfügung stellen” kultureller Werke vs. Rechtsanwaltscomputer. Allein der Schutz der Daten des Computers verlangen unter allen Umständen, dass dieser _nicht_ öffentlich zur Verfügung gestellt wird. Man könnte das ganze auf andere materielle Dinge weitertragen und hier die Diskussion führen, aber wie gesagt. Ist den Aufwand nicht Wert.

    2. “geistiges Eigentum” http://www.youtube.com/watch?v=ubXr9vmpVoo soviel zur Begrifflichkeit und dem Unterschied “Immaterialgut” vs. “materielles Gut”

    3. §24 UrhG wurde Verkürzt zitiert. Absatz (2) ist hier gerade bei kulturellen Gütern exorbitant Wichtig: (2) Absatz 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.

    4. Eigentum ist eben nicht in beiden Fällen eine gesellschaftliche Übereinkunft. Es sei denn wir streichen alle, die sich gegen geistiges Eigentum zur Wehr setzen aus der Gesellschaft. Alle die es nicht Begreifen auch noch. Dann bleiben nicht mehr viele Übrig.

    5. Verhaspelst du dich selbst zwischen den Begriffsfragen “geistiges Eigentum” vs. Immaterialgüter indem du in einem Teil der Argumentationskette die Existenz zu Grunde legst und sie im anderen Teil ausschließt.

    Not Like. EOT.

  5. A. G. |  06.03.2012 | 22:10 | permalink  

    Wie viel will jeder teilen?
    Wer darf überhaupt teilen? Muss das so bleiben?
    Wie können Anreize zum Teilen geschaffen werden (Beispiel Carsharing)?

    Es geht um die ganz großen Verteilungsfragen, die unsere Gesellschaft bei knapper werdenden materiellen Ressourcen künftig prägen können. Immaterielle Ressourcen wachsen hingegen, noch.

    Ich finde die Diskussion, das Posting – ernsthaft – spannend. 

  6. Peter böser Urheber |  06.03.2012 | 22:13 | permalink  

    @krugar (#1)

    Der Urheber bekommt auch Konkurrenz, die den Entwicklungsaufwand nicht bezahlen musste. Dass er seinen Schutz behalten und im Bedarfsfall auch ausweiten und durchsetzen möchte, ist daher vollkommen legitim.

  7. Wolfgang Michal |  06.03.2012 | 22:14 | permalink  

    @Das freie Kopieren vervielfacht z.B. die Aktivitäten auf Facebook. Und Facebook ist meines Wissens (noch) kein volkseigener Betrieb.

    @Benjamin: Wenn etwas ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung Allgemeingut ist – ist es dann nicht sozialisiert?

    @Ralf Petring: Ja, wir sollten über Nutzungsrechte reden. ODER über Eigentum. Die Kritiker des geistigen Eigentums wollen m.E. eigentlich über Nutzungsrechte (im Sinne der Ausweitung von Schrankenregelungen) reden. Dann sollten sie es aber auch sagen und sich nicht philosophisch-historisch am Begriff Eigentum abarbeiten.

  8. Stefan |  06.03.2012 | 22:29 | permalink  

    Guter Einwand – und zack! lässt sich der Bogen von der Abschaffung des geistigen Eigentums zum Grundeinkommen schlagen. Dass man materielles Eigentum nicht einfach so abschaffen kann wie immaterielles ist offensichtlich: Über ein Ding hat letztlich immer jemand die Verfügungsgewalt, im schlimmsten Falle Faustrecht oder der Staat. Aber klar können auch die Verfügungsgewalten so modelliert werden, dass sie allen eine faire Beteiligung ermöglichen. Grundeinkommen/Sozialabgaben sind da ein Punkt, aber auch nat. Gesetze zum Umweltschutz, Lärmschutz, Gebäudesicherheit, und und und sind alles Gesetze, die in die hypothetisch unendliche Eigentumsfreiheit eingreifen.

    Die Kritik lässt sich also wunderbar aufgreifen und ist keineswegs eine Inkonsequenz der Netzpolitiker, wenn überhaupt nur eine Unvollständigkeit.

  9. Wolfgang Michal |  06.03.2012 | 22:32 | permalink  

    @A.G. Ja, in diese Richtung müsste man diskutieren.

    @klischeepunk: Dein Kommentar zu meinem wertlosen Stück ist nun wirklich zu lang. Aber zu deinen Punkten:
    - Warum können nicht mehrere Leute den gleichen Computer nutzen? Es gibt doch Passwörter.
    - Gesellschaftliche Übereinkunft bedeutet: die Definitionsmacht hat das jeweils vorherrschende Interesse, oder das austarierte Interesse, je nachdem, wie stark die beteiligten gesellschaftlichen Kräfte sind.
    - §24 Absatz 1 UrhG gilt trotzdem, oder?
    - Ob es geistiges Eigentum oder Immaterialgüter heißt, ist ganz egal. Das Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum heißt jetzt MPI für Immaterialgüterrecht. Geistiges Eigentum klingt zu besetzt. Spielt aber letztlich für die Reform des Urheberrechts keine Rolle.

  10. Wolfgang Michal |  06.03.2012 | 22:37 | permalink  

    @Stefan: Unvollständigkeit ist nett formuliert. :-)

  11. Slash |  06.03.2012 | 23:03 | permalink  

    Die Antwort ist simpel:
    Weil die Vorleistungen auf denen das Sacheigentum aufbaut, vergütet sind.
    “Geistiges Eigentum” (sic!) ist hingegen ein Theoriekonstrukt, dass besagt “ALLES mein’s *an sich reißende Geste* und ihr kriegt NICHTS ab (obwohl auch eure eigene Leistung von mir umfasst ist). Getreu der Logik dieses Theoriekonstruktes ist das Erheben eines geistigen Eigentumsanspruchs somit geistiger Diebstahl.
    Jenes Theoriekonstrukt fährt sich selbst gegen die Wand; der derivative Charakter geistiger Werke verpflichtet zu einem anderen Umgang mit geistigen Werken im Vergleich zum Umgang mit Sacheigentum; einem freizügigerem.
    Urheber genießen hiernach ein Vorrecht auf ihr Schaffen, gleichzeitig müssen jedoch auch Zugeständnisse an die Allgemeinheit gemacht werden.

    Und auch, wenn Art. 14 GG ein wichtiger Grundpfeiler bei der Entwicklung des Urheberrechts ist, so muss bedacht werden, dass der Schutzgegenstand des Urheberrechts scharf von Sacheigentum abgegrenzt wurde. In der Erstfassung des UrhG heißt es im Vorwort der “Schranken des Urheberrechts” genau zu der hier inhaltlich diskutierten Stelle:

    “Gegenüber einer solchen Abgrenzung des Urheberrechts ist insbesondere aus Kreisen der Urheber eingewandt worden, das Urheberrecht müsse als sogenanntes geistiges Eigentum dem Sacheigentum gleichgestellt werden und dem Urheber eine unbeschränkte Herrschaft über sein Werk gewähren. Hierbei wird jedoch verkannt, daß zwischen dem Sacheigentum und dem Urheberrecht grundsätzliche Unterschiede bestehen. Sinn des Sacheigentums ist es, dem Eigentümer die alleinige Herrschaft über die ihm gehörende Sache zu geben, damit er andere von der Benutzung ausschließen kann. Urhebergut ist dagegen seinem Wesen nach Mitteilungsgut. Ein Geisteswerk soll gerade – jedenfalls von dem Augenblick an, in dem der Urheber es veröffentlicht hat – in seinem Gedanken- oder Gefühlsinhalt möglichst vielen anderen Menschen zugänglich gemacht werden. Im Gegensatz zum Sacheigentum ist das Urheberrecht also letztlich nicht dazu bestimmt, andere von der Benutzung des Werkes auszuschließen. Es soll vielmehr in erster Linie dem Urheber die rechtliche Grundlage dafür geben, Art und Umfang der Benutzung seines Werkes zu überwachen und aus dessen Verwertung Einnahmen zu erzielen. Die Folgerung, die aus der Gleichstellung des “geistigen Eigentums” mit dem Sacheigentum gezogen wird, daß nämlich jede sachliche Beschränkung des Urheberrechts – auch im Interesse der Allgemeinheit – mit der Rechtsnatur des Urheberrechts nicht vereinbar sei, ist hiernach nicht berechtigt. Diese Folgerung ist darüber hinaus auch deswegen unrichtig, weil schon das Sacheigentum dem Eigentümer keine uneingeschränkte Herrschaft über die Sache gibt, sondern sein Inhalt und seine Schranken nach Artikel 14 des Grundgesetzes durch das Gesetz festgelegt werden.” – http://www.urheberrecht.org/law/normen/urhg/1965-09-09/materialien/ds_IV_270_B_01_06.php3

  12. Jan Dark |  06.03.2012 | 23:22 | permalink  

    man kann scih gegen die Realität wehren und polemisch unsiing werden. Süß finde ich, wenn man zur Begründung seines Unsinns sich auf die Schultern von Brecht und Wikipedia stellt. Das hier referierte Wikipedia ist übrigens frei zitierbar und kopierbar, die Server auf denen es läuft bleiben Sacheigentum.

    Es wäre wirklich besser gewesen, wenn wir von Aristoteles auch eine Theorie der Komödie bekommen hätten, dann wäre die hier gespielt nicht so schlecht geworden.
    Aber man kann es wie die CDU/CSU machen: einfach die Augen zu machen und die Realität verdrängt: In Bayern die Alleinherrschaft verloren, in Baden-Württemberg die Macht. Weiter so mit der Realitätsflucht: dann sinken die Konservativen weiter in die Bedeutungslosigkeit. :-)

  13. Wolfgang Michal |  06.03.2012 | 23:33 | permalink  

    @slash: Danke für diesen schönen Hinweis. Wenn ich Ihr Zitat gegen den Strich lese, dann schlägt es gerade dann Funken, wenn ich das Sacheigentum und das geistige Eigentum gleichsetze (und nicht – wie im Zitat – unterscheide!). Dann würde man den Grundgedanken des Urheberrechts auf das Sacheigentum übertragen und z.B. die Frage stellen: Warum ist das Sacheigentum eigentlich nicht seinem Wesen nach ein “Mitteilungsgut”, also ein geteiltes Gut? Am Ende des Zitats wird das ja in Verbindung mit Art.14 GG direkt angesprochen.

    Kurzum: Mit dem Urheberrecht könnte man (netz-)politisch viel besser argumentieren als gegen das Urheberrecht.

    Leider geht das im Netz aber immer unter.

  14. LordSnow |  06.03.2012 | 23:36 | permalink  

    Der Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern ist, der das immaterielle bzw. digitalisierte oder auch digitalisierbare Güter nur so lange knapp sind bis man sie veröffentlicht. Und deshalb ist es auch nur solange sinnvoll machbar Eigentumsrechte daran zu geben, denn nach der Veröffentlichung sind sie nicht mehr knapp bzw. muss eine künstliche Knappheit geschaffen werden, u.a. mit enormen Freiheitseingriffen.

    Von daher ist es wichtig dass man an dieser Stelle nicht mehr von Eigentum spricht, weil idR Eigentum mit Knappheit und Verfügungsgewalt einhergeht und man diese bei immerteriellen Gütern eben erst mit extremen Mitteln erzwingen müsste.

    Statt dessen geht es eben darum die Verbreitung/Vervielfältigung als etwas positives zu begreifen. Und wenn die Allgemeinheit nicht mehr bereit sein sollte so unglaublich viel Geld, wie derzeit der Fall, für Dinge auszugeben, die sie auch problemlos aus dem Netz von diversen Portalen ziehen oder vom Kumpel/Arbeitskollege/Familienmitglied von der Terrabytefestplatte rüberkopieren können, ja dann muss eben die Erstveröffentlichung verkauft werden, denn die ist knapp und über die hat der Urheber die Verfügungsgewalt und da kann man auch von Eigentum sprechen, wenn es denn sein muss. Ansonsten kann man diesen Kampfbegriff auch einfach lassen, weil ihn idR eh nur Leute gebrauchen um im nächsten Moment irgendetwas von Enteignung zu erzählen, siehe das letzte Kapitel ihres Artikels, ist ja immer wieder die gleiche kausale Kette die da versucht wird aufzubauen. Das würde bei zeitgemäßen Geschäftmodellen, die knappe Güter wie die Erstveröffentlichung, handsignierte Datenträger, Merchandise, Liveauftritte etc verkaufen oder sich über Werbung finanzieren einfach wegfallen, also braucht es auch keine Kampfbegriffe mehr.

    Viele Grüße
    René

  15. Slash |  06.03.2012 | 23:37 | permalink  

    @ Wolfgang:
    Schon mal was von Poststrukturalismus gehört ? (Das ist jetzt nicht provokant gemeint) Sprache prägt Denken; sachungemäße Rechteverwerter-Kampfbegriffe sind dementsprechend kein gutes Diskussionsumfeld für eine sachgemäße Reformierung des Urheberrechts.

    Mir fehlen bei meinem vorherigen Beitrag leider 2 Dinge:
    1. Eine Stärkung der Verbindung zw. Text und Zitat
    2. Eine Editier-Funktion.

    Darum hier der Nachgriff:
    Der Rechtsgedanke des Urheberrechts in seiner unkorrumpierten Fassung ist eine Reflexion des Umstandes, dass geistige Werke und Sacheigentum grundsätzlich unterschiedlich sind.
    Gerade aufgrund des derivativen Charakters von geistigen Werken, den Sacheigentum hingegen nicht besitzt, ist das Urheberrecht nicht als absolutes Recht, sondern als Vorrecht mit Zugeständnissen an die Allgemeinheit ausgestaltet, die deutlich weitreichender als die Beschränkung des Sacheigentums sind.

  16. Andi |  06.03.2012 | 23:47 | permalink  

    Als einer der angesprochenen Kritiker des geistigen Eigentums möchte ich mal dazu antworten. Vorweg: Sie werfen uns einen Kategoriefehler vor, weil wir Sacheigentum und “Geistiges Eigentum” in einen Topf werfen, sagen aber, dass die Forderung nach Abschaffung des geistigen Eigentums unweigerlich in der Forderung nach der Abschaffung des Sacheigentums mündet. Finden Sie das nicht paradox?

    Sie haben natürlich vollkommen damit Recht, dass Eigentum aus gesellschaftlicher Einkunft entsteht. Und genau hier setzt die Kritik doch an. Millionen von Menschen betreiben regelmäßig Filesharing und stellen damit die gesellschaftliche Übereinkunft in Frage. Und hier ist es sehr wichtig über die dem gesellschaftlichen Eigentumsbegriff zugrunde liegenden Maxime zu sprechen. Und die Tatsache, dass man Werke eben nicht wegnimmt wenn man sie kopiert ist genau das zentrale Argument.

    Sie mögen das als Nebenkriegsschauplatz sehen, aber ich denke dass das kosmetisches Herumdoktern an den Nutzungsrechten genau dieser Nebenkriegsschauplatz ist. Wenn man den Begriff des Geistigen Eigentums nicht hinterfragt, dann muss ihn sich bei Debatten in konkreten Fragestellungen immer wieder als Totschlagargument anhören und damit kommen wir keinen Millimeter weiter.

  17. Sven Geggus |  06.03.2012 | 23:52 | permalink  

    Grundlegenden Unterschied nicht verstanden:

  18. Meldungen aus der Welt des Webs « The Dead Cat Bounce |  07.03.2012 | 00:10 | permalink  

    [...] Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums (Wolfgang Michal, carta.info) Es sind diese immer wieder recycelten Argumentationsmuster, die eine konstruktive Debatte über die Reform des Urheberrechts verhindern. Es ist ein Ausweichen ins Grundsätzliche samt den dazu gehörenden Haarspaltereien (etwa über das „Wesen“ des geistigen Eigentums). Zugegeben: Es entbehrt nicht einer gewissen kirchen-fundamentalistischen Komik und hat einen gewissen Unterhaltungswert, sich mit abseitigen ontologischen Fragestellungen zu befassen, etwa derjenigen, wie viele Engel wohl auf eine Nadelspitze passen? In der Sache bringt uns das aber nicht weiter. In der Sache müsste eher auf §24 Urhebergesetz hingewiesen werden, der eine “freie Benutzung” anderer Werke sehr wohl erlaubt: [...]

  19. Wolfgang Michal |  07.03.2012 | 00:21 | permalink  

    Ihr müsst mir jetzt nicht alle den Unterschied zwischen Sacheigentum und geistigem Eigentum erklären. Der ist mir schon klar. Ich weiß auch, was ein Kampfbegriff ist. Aber das Reizvolle ist ja gerade, Sacheigentum und geistiges Eigentum einmal gleichzusetzen. Das bringt neue Gedanken in die Debatte. Das Nachbeten der Juristen- und Netzpolitikerargumente ist mir zu langweilig. Es kommen auch immer wieder die gleichen Klischees. Viele im Netz kapieren einfach nicht, dass das Urheberrecht auch viele positive Ansätze/Schätze bietet, die man heute – wo das Urheberrecht wirtschaftlich so bedeutend ist, dass es praktisch jeden betrifft – heben könnte. Im Netz muss nur irgendein Heveling “geistiges Eigentum” rufen und schon stürzen alle freudig erregt ins Getümmel. Man muss aber den Spieß “geistiges Eigentum” auch mal umdrehen…

    So, genug für heute, morgen lesen wir alle gemeinsam Jeremy Rifkin, The Age of Access.

  20. Eric |  07.03.2012 | 07:16 | permalink  

    Puh, bei allen komplizierten Argumenten für und wieder die Idee, geistiges und materielles Eigentum gleich zu behandeln, habe ich hier folgenden, kleinen Unterschied nicht gefunden: Wenn Person A Sacheigentum N gerade nutzt, kann Person B dies gerade nicht nutzen. Wenn Person A aber geistiges Eigentum M nutzt, schränkt das Person B überhaupt nicht ein.

    Und da man bei Freiheiten sinnvollerweise auch immer im Zusammenhang mit den “Freiheiten der anderen” nachdenkt, finde ich das nicht unerheblich.

  21. Jan Dark |  07.03.2012 | 07:58 | permalink  

    “Ich weiß auch, was ein Kampfbegriff ist. Aber das Reizvolle ist ja gerade, Sacheigentum und geistiges Eigentum einmal gleichzusetzen. Das bringt neue Gedanken in die Debatte. ”

    Die klassische Troll-Argumentation, die an ernsthafter Debatte nicht interessiert ist. Gelangweilter Bildungsbürger, Streit um des Streites willen.

  22. Kleine Antwort an die Befürworter des geistigen Eigentums |  07.03.2012 | 08:03 | permalink  

    [...] Michal hat auf Carta eine “kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums” gestellt. Er meint, einen Argumentationsfehler gefunden zu haben. Wer argumentiert, es gebe [...]

  23. Hans Retep |  07.03.2012 | 09:05 | permalink  

    Ich will nicht weiter auf die Diskussion eingehen, das ist eh müßig. Nur ein Gedanke zum Rechsanwalt Stadler, der Urheber auf den Schultern von Riesen sieht und daraus Freiheiten für Nichturheber ableiten will. Vielleicht schaut der Rechtsanwalt mal ganz vorsichtig nach unten, dann sieht er, wie hoch ein Anwalt auf den Vorarbeiten anderer sitzt. Die Juristerei ist doch nichts Anderes als das Verkaufen von Leistungen, die Riesen erbracht haben. Oder woher kommen die Gesetze, Kommentare und Lehrbücher? Im Prinzip ist es eine Frechheit von jedem Anwalt, für das Herumsitzen auf Schultern Geld zu verlangen.

  24. Spießer Alfons |  07.03.2012 | 09:10 | permalink  

  25. Christian Buggedei |  07.03.2012 | 09:16 | permalink  

    Sagen wir es einmal so: Wenn ich bei dem Verzicht auf das Konzept Sacheigentum dennoch die Verfügungsgewalt über meinen Krempel behalte, sprich mich darauf verlassen kann, dass zB mein Kochlöffel und mein Essen in der Küche sind, wenn ich Hunger habe – dann verzichte ich sehr gerne und sofort.

    Und natürlich steht im Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet. Leider wird das immer mehr umgangen, teilweise dadurch, dass das Eigentum in die Hände von Kapitalgesellschaften wandert und dadurch “virtualisiert” wird.

  26. Klaus Jarchow |  07.03.2012 | 09:23 | permalink  

    Sagen wir’s doch so: Die Kopisten würden sich auch gern mal schöpferisch vorkommen dürfen … es ist im Kern die Ideologisierung des ‘Prinzips Guttenberg’.

    Das alte Urheberrecht sie sollen lassen stahn (oops, eine Kopie!), sowohl die Leistungsschützler von der verlegerischen Geldnasenfront wie auch die Teilchenbäcker aus Simpliciushausen.

  27. Jan Dark |  07.03.2012 | 09:28 | permalink  

    @Hans Retep
    Rechtsanwälte werden bei uns für die Dienstleistung bezahlt. Wenn sie einen Schriftsatz erstellen, werden sie nicht dafür bezahlt, wieviele Kopien davon gemacht werden. Ganz besonders süß finde ich in der Urheberdiskussion Fotografen: Wenn die mit einer Maschine fotomechanische Kopien der Realität machen, wollen die für Kopien der Kopien bezahlt werden. Ich habe noch nicht gehört, dass Sekretärinnnen in Gerichten Urheberrechte reklamieren, wenn sie Stadlers Schriftsätze fotokopieren, wie Fotografen das machen. Aber so absurd, wie “Urheber” die Diskussion führen, wird die Forderung sicherlich kommen.

    Draussen im richtiogen Leben wird es eher dazu kommen, dass das leistungslose Abzocken tendenziell verschwindet. Angestellte Urheber bei Rundfunkanstalten werden auch nicht nach Zuschauern bezahlt, sondern nach Zeit im Gehalt. Wie Stadler nach Dienstleistungspreisliste.

  28. Lesetipps für den 7. März | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 |  07.03.2012 | 09:33 | permalink  

    [...] EIGENTUM Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums: Die Kritiker des geistigen Eigentums werden nicht müde, auf herzerfrischende Weise [...]

  29. Bernd Monitor |  07.03.2012 | 09:52 | permalink  

    Lieber Wolfgang,

    es ist doch ganz einfach. Jeder groessere Versicherungskonzern bietet Sachversicherungen an. Versuch doch bitte mal, Dein “geistiges Eigentum” dort zu versichern. Wenn Dir das gelungen ist, können wir die Diskussion gerne weiterführen.

    Gruss
    Bernd

  30. Jan Dark |  07.03.2012 | 09:53 | permalink  

    In Großbritannien setzte man zuerst das Urheberrecht durch mit dem Erfolg, dass die Urheber schlechter Vergütung wurden als anderswo und der Output sank.
    http://www.heise.de/tp/artikel/33/33092/1.html

    “In Großbritannien setzten die Gewerkschaften in den 1950ern durch, dass Heizer auch auf E-Loks mitfuhren. Diese Regelung wurde von der britischen Premierministerin Margaret Thatcher während ihrer Regierungszeit (1979 – 1990) abgeschafft, nachdem sie die Macht der Gewerkschaften deutlich beschnitten hatte.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heizer
    (Das Zitat steht unter CC-Lizenz, darf also frei weitergegeben werden, ohne dass der Urheber oder irgendwelche Zwischenhändler sich daran bereichern)

    In Deutschland gibt es skurille Köpfe, die sich der Neuzeit wie die Engländer verweigern wollen, die Produktivität und Kreativität kappen wollen durch ein anachronistisches Urheberrecht. Aber ich glaube, die Wohlstandsverweigerer werden sich nicht mehr wie vor hunderten von Jahren in England auch in Deutschland durchsetzen.

  31. Bruno Kramm |  07.03.2012 | 10:03 | permalink  

    Die Argumentation des physischen Knappheitsprinzip zieht zwar gegenüber der virtuellen Welt ein Grenze, darf aber nicht überbewertet werden.
    Die Argumentation, daß die Aneignung digitaler Immaterialgüter keine Entlohnung auf Grund der unendlichen Kopierbarkeit im Internet benötige, ist ebenso wenig haltbar wie die pauschale Gleichstellung von physischen und geistigen Gütern. Auf Grund des fehlenden Knappheitsprinzip erfährt das einzelne kopierte Immaterialgut zwar keine begründete Entlohnung, doch steht ihm gegenüber die Knappheit der schöpferischen Kraft an sich. Im besonderen Masse jene, die künstlerisch und wissenschaftlich herausragenden gesellschaftlichen Stellenwert tragen und sich durch ihre Schöpfungshöhe auszeichnen. Verdichtung, Umdeutung und Neuschöpfung sind Summe von Eigenleistung und kulturell gewachsener Inspiration, ohne welche die Gesellschaft immer wieder vom intellektuellen Nullpunkt aus beginnend neu schöpfen müsste.
    Doch gerade eine Gesellschaft,die so stark von einer Vergeistigung ihrer Werte in digitaler Form geprägt ist, muss ihre Urheber, die als Quell zeitlich und inhaltlich begrenzt sind, angemessen entlohnen.
    Gerade eine vernetzte Gesellschaft des Miteinanders muss das soziologische Prinzip der gegenseitigen Beziehung und des Austausches zwischen den Bezugssystemen achten. So wird zwar dem Urheber durch die Aneignung nichts entwendet, der Benutzer erfährt aus dem Download jedoch einen Zugewinn in Form einer kulturell affirmativen Dienstleistung, Unterhaltung und Wertschöpfung.
    Entlohnung schöpferischer Tätigkeit und der Wunsch nach anonymen und kostenlosem Zugriff verlangen im gleichen Zuge einen digitalen Fair Trade der eine umfassende Neugestaltung und Bewertung von Erlösstrukturen und Lizenzzahlungen fordert. Statt einer Stärkung von Eigentumsrechten an Immaterialgütern muß die schöpferische Tätigkeit an und für sich stärker entlohnt werden. Vielfältige Förderkonzepte helfen Künstlern unmittelbar, im Gegensatz zu Regulierungsversuchen. Sowohl eine größere Verfügbarkeit von öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten, unterstützter Zugang zu Produktionsmitteln und die Bereitstellung von detailliertem Wissen bzgl. Marketing und Geschäftsmodelle, aber auch die Förderung der Selbstständigkeit und ein unkomplizierter Zugang zur Künstlersozialkasse helfen Schöpfern von geistigen Gütern bei den Kernaufgaben selbstbestimmten Urhebertums.

  32. Klardeutsch |  07.03.2012 | 10:32 | permalink  

    Ich finde es zunehmend unerträglich, wie die Kritiker geistigen Eigentums ihre persönliche Gier, ihr Haben-Wollen, ihr “Ich will will will” hinter dem angeblichen Recht einer Allgemeinheit verstecken. In Wirklichkeit geht es darum, dass man für etwas nicht bezahlen will, weil man es ja auch kostenlos haben könnte. Egoismus. Nix anderes. Punktum.

    Warum sollte es ein Menschenrecht auf Lady Gaga geben? Warum sollte die Allgemeinheit ein Recht darauf haben, Hollywood-Filme einfach so zu sehen?

    Es kann ja jeder, der will, selber komponieren, selber einen Film drehen, ein Videospiel programmieren oder ein Buch schreiben.

    Demnächst erscheint mein neues Buch. Dafür habe ich rund hundert Bücher selber gelesen (gekauft und aus der Bibiothek geliehen), Dutzende Interviews geführt und ein dreiviertel Jahr daran geschrieben. Wer das nicht bezahlen möchte: Bitteschön, dann muss er sich die Arbeit halt selber machen. Aber nicht behaupten, er als Allgemeinheit habe er ein Recht auf das Ergebnis meiner Arbeit.

    Es ist völlig einsichtig, hier materielle und immaterielle Güter nicht zu unterscheiden. Aber es reicht auch schon, die Forderungen über die unmittelbare Gier-Zone hinaus zu betrachten. Es geht nämlich in der Diskussion fast nur um Güter, die an denen die Urheberrechtskritiker ein unmittelbares, persönliches, egoistisches Interesse haben. Die Bauanleitung von Lasermaschinen deutscher Maschinenbauer ins Internet zu stellen, damit die Chinesen sie problemlos kopieren können – danach ruft selten jemand. Und wenn doch – dann wäre bald niemand mehr da, der das schöne bedingungslose Grundeinkommen bezahlt.

  33. egghat |  07.03.2012 | 10:37 | permalink  

    Eric #20 hat eigentlich den entscheidenden Unterschied schon genannt: Materielles Eigentum kann immer nur von einem gleichzeitig benutzt werden, geistiges Eigentum nicht.

    Die Kosten für das Kopieren sind halt sehr unterschiedlich. Wenn ich materielles Eigentum kopiere, spart das kaum Geld. Niemand wird enteignet, wenn ich ein Haus kopiere und zum zweiten Mal baue. Das erste kostet 220.000 Euro, das zweite vielleicht 200.000, weil der Architekt und die Handwerker etwas schneller sind. Mehr Sparpotenzial ist aber nicht da. Bei geistigem Eigentum kostet hingegen das Kopieren so gut wie nichts.

    Die Idee des Artikels, das materielle Eigentum zu hinterfragen, ist ein guter, weil dadurch tatsächlich ein paar unlogische Gedankengänge in der Argumentation der Kritiker des geistigen Eigentums offengelegt werden. Leider ist dieser Artikel auch nicht logischer und ich habe hier nicht mehr Logik einzubringen.

    Ich glaube auch generell, dass es in diesem Gebiet keine logische und konsistente Lösung gibt. Es ist immer ein mehr oder weniger schiefer Kompromiss. Nur sind IMHO die Rädchen, an denen gedreht wird, im Moment falsch eingestellt. Wenn auf Medikamente, die Leben retten/verlängern, 20 Jahre Patentschutz gewährt wird, auf Micky Maus Filme hingegen 75, sind diese Rädchen IMHO ziemlich falsch eingestellt.

  34. rauskucker |  07.03.2012 | 11:11 | permalink  

    Ohne das lange begründen zu wollen werfe ich mal einen Satz ins Plenum:

    Im Kapitalismus gibt es kein Urheberrecht.

    Mit “Urheberrecht” ist gemeint, daß jeder Urheber eines Werkes, einer Idee, eines Kunstwerks Anspruch darauf hat, daß sein Werk allen interessierten Menschen frei zur Verfügung steht. (Und daß er selbst nicht von einer materiellen Verwertung, “Bezahlung” für seine Arbeit, abhängig ist.)

    @Klardeutsch: du dagegen kämpfst für dein Recht, im Puff zu arbeiten.

  35. Wolfgang Michal |  07.03.2012 | 11:12 | permalink  

    @Bruno Kramm: Ganz wichtiger Gedanke. Mir gehen diese Knappheitstheoretiker auch auf die Nerven. Der Tag hat 24 Stunden. Das ist die Knappheit des 21. Jahrhunderts. Die Kritiker des geistigen Eigentums reden zwar gern und häufig von Immaterialgütern, denken aber in den (juristischen) Kategorien der kapitalistischen Industriegesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts.
    Sie betrachten allein die Kosten der Kopie, nicht die Kosten der Arbeit (siehe @Klardeutsch Kommentar 32).

    @Jan Dark
    http://carta.info/14725/der-troll-im-netz/
    Erkennen Sie sich wieder?

  36. @Killikus |  07.03.2012 | 11:23 | permalink  

    Der Gedanke, mit kostenlosen Angeboten im Internet Kunden zu gewinnen, hat am Ende dazu geführt, dass der Kunde das vermeintlich ‚kostenlose Angebot’ heute als „Gemeingut“ betrachtet. Jetzt soll die Politik Probleme lösen, die die Kreativwirtschaft in 20 Jahren Internetentwicklung komplett verschlafen hat!

    Wird der Fehler – im Internet eine junge dynamische und teils aggressive ‚Kostenlosgesellschaft“ heranzuziehen – nicht schnellstmöglich behoben, ist das Internet in 20 Jahren eine ‚ausgegraute’ virtuelle Wüste, den die Hoffnung der Kreativwirtschaft – mit dem Internet Umsätze zu erzielen – wird irgendwann sterben, wie das Killikus® Bildarchiv bereits heute zeigt. Das Killikus® Bildarchiv wurde im Jahr 2010 um 75% reduziert und zum großen Teil ‚ausgegraut’.

    Nach der Umstellung der Killikus® Fotografien, von Vollfarbe zu eher Grau, hat sich gezeigt, dass ‚ausgegrautes’ Bildmaterial im Internet nicht mehr kopiert oder verbreitet wird, wobei das Interesse der User an dem Bildmaterial nicht verloren gegangen ist, denn die Listung in den Suchmaschinen ist erhalten geblieben.

  37. Christian Buggedei |  07.03.2012 | 11:31 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Richtig, Zeit ist das knappe Gut de jour. Die Frage dann ist aber auch: Wer gehört für dessen Verbrauch entlohnt?

    Was den Einwand von Klardeutsch angeht: Kritiker des Konzeptes “Geistiges Eigentum” wollen ja gar nicht, dass Inhaltsersteller nicht bezahlt werden. Im Gegenteil, ich zumindest will, dass diese Leute sogar sehr gut bezahlt werden, und trage meinen Teil dazu bei.

    Allerdings verschließe ich mich auch den technischen Realitäten nicht und versuche anhand der neuen Randbedingungen (Kopieren kostet quasi nichts und ist nicht verhinderbar) neue Regeln aufzustellen, bzw. die Tauglichkeit der alten Regeln zu überprüfen.

    Wir werden als Gesellschaft nicht umhin kommen, ein neues Finanzierungsmodell für Inhaltsschaffende zu finden. Es gibt da viele schon jetzt funktionierende Ansätze für, die Frage ist, wie diese skalieren und wann sie allgemein akzeptiert werden.

    Was den Export unserer Ideen und Konzepte nach China angeht: Das lässt sich doch jetzt schon kaum verhindern. Auch hier gilt, dass wir die Entwicklung maximal verlangsamen, nicht aber aufhalten werden können.

  38. Peter böser Urheber |  07.03.2012 | 11:59 | permalink  

    @Klardeutsch (#32)

    Sie haben es begriffen. Es geht um die Reproduktionskosten der geistigen Produktion. Und es sind ganz klar materielle Interessen, die hinter diesem abstrusen Angriff auf das Urheberrecht stehen. Es liegt im Interesse des Urhebers, dass sein Werk verbreitet wird. Aber es liegt ebenso in seinem Interesse, mit größerer Verbreitung auch mehr Einkommen zu erzielen.
    Sich dabei allein auf die werbende Wirtschaft, Spenden, Pauschalvergütungen nach dem Gießkannenprinzip oder die Hobby-Autoren zu verlassen, führt in gerader Linie in die geistige Verarmung der Gesellschaft.
    Erst ist alles für alle umsonst verfügbar. Und dann wird nichts neues mehr geschaffen.
    Solche Experimente sind beim Sacheigentum schon einmal grausam gescheitert.
    Auf ein weiteres Experiment dieser Art, diesmal mit dem geistigen Eigentum, verzichte ich gern.

  39. Klardeutsch |  07.03.2012 | 12:10 | permalink  

    @buggedei Ich finde es seltsam, wie ausgerechnet die Technikbegeistersten immer wieder ins Feld führen, das müsse man jetzt so hinnehmen, weil es technisch nicht anders gehe.

    Ich führe diese Diskussion ja nicht zum ersten Mal. Stets kommen zunächst irgendwelche wolkigen Argumente von “Allgemeinheit” und “Recht auf Kopie”. Irgendwann endete es aber bislang immer in einer Folgerung: “Das ist halt so. Musiker, Designer, Autoren, Programmierer werden in Zukunft aus Spaß an der Freude arbeiten müssen. Pech gehabt!” Statt jedoch das Konzept des Urheberrechts (es geht um das Konzept, nicht um den Reformbedarf im Detail) über den Haufen zu werfen, könnte man ja auch nach technischen Lösungen suchen. Diese müssten in der Tat eine Balance zwischen Freiheit und Überwachung finden – aber eben eine Balance.

    Das bedeutet am Ende ohne Zweifel einen Eingriff in die Freiheit des Internets. Aber Freiheitsbeschränkungen sind im Rechtsstaat normal, wenn es um einen Ausgleich der Interessen geht. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen und in Innenstädten sind da nicht anders als eine Software, die illegales Kopieren erkennt.

    Zum klassischen Argumentationsmuster, hinter dem Gier und Egoismus versteckt werden, gehört übrigens auch der Hinweis, das Urheberrecht schütze ja gar nicht die armen Künstler, Journalisten und Programmierer, sondern böse Rechteverwerter, die ja nur den (verwerflichen) Profit im Auge habe (@rauskucker: Ja, ich kämpfe für mein Recht, im Puff arbeiten zu dürfen! Ebenso wie für das Recht, nicht im Puff arbeiten zu müssen).

    Dieses Argument ist aber gerade durch das Internet obsolet. Niemand ist mehr gezwungen, seine Produkte durch Zwischenhändler vertreiben. Diese Zwischenhändler aber tragen ein wirtschaftliches Risiko – und sie erbringen eine Dienstleistung, im Verlagswesen z..B. den Lektor. Es sollte ja nicht verwundern, dass z.B. die meisten Romane bei Books on Demand Schrott sind. Wer auf einen Lektor verzichten will, auch hier gilt: Bitte schön! Dann muss er halt selber sehen, wie er Qualität zustande bringt.

    Kurzum: Ich bestreite, dass es ein “Recht der Allgemeinheit” an meiner Arbeit gibt. Und deshalb muss es auch kein neues Grundkonzept von Urheberrecht geben, dass dieses (nicht vorhandene) Recht mit meinem Recht auf die Verwertung meiner geistigen Arbeit in Einklang bringt.

  40. Wolfgang Michal |  07.03.2012 | 12:12 | permalink  

    Marcel Weiß hat auf meine kleine Anfrage geantwortet: http://www.neunetz.com/2012/03/07/kleine-antwort-an-die-befuerworter-des-geistigen-eigentums/

    Lieber Marcel,
    nicht die Kosten der Vervielfältigung sind bei Immaterialgütern entscheidend, sondern der Arbeitsaufwand für ihre Herstellung (zumindest ist das für die beteiligten Urheber so). Da gilt es, in der Postmoderne ein bisschen umzulernen. Du misst der Technik zu viel Bestimmungskraft zu. “Weil technisch ohne Kosten kopiert werden kann” ist kein Grund. Weil man irgendwelche Dinge tun kann, muss man sie noch lange nicht erlauben.

    Die von dir erwähnte Monopolbildung entsteht erst durch das Urhebervertragsrecht. Dagegen (gegen die Buy-Out-Verträge) laufen die Urheber seit langem Sturm (ohne dass sie von den Nutzern unterstützt würden). Das Urhebervertragsrecht könnte/sollte man ändern, ohne über Begriffe wie geistiges Eigentum überhaupt diskutieren zu müssen. Man könnte z.B. exklusive Nutzungsrechte zeitlich beschränken oder die einfachen Nutzungsrechte wieder als Normalfall betrachten. Man könnte über viele Paragraphen im Urheberrecht nachdenken, aber man sollte das Urheberrecht nicht mit dem Bade ausschütten. Die Kritik am Urheberrecht kommt im Netz häufig von Leuten, die kein Problem damit haben, beschissene AGBs bei sozialen Netzwerken zu unterschreiben, aber am Urheberrecht pauschal herumkritteln. Das Urheberrecht könnte ihnen noch sehr nützlich sein.

    Nein, es spielt für die Geltung keine Rolle, ob ein Gesetz kulturell nützlich oder schädlich ist. Die jeweils Herrschenden oder Gewählten legen das fest. Jede Zeit legt neu fest, was sie unter Eigentum verstehen will. Eigentum ist eine gesellschaftliche Übereinkunft, der alle unterliegen (auch wenn es ihnen nicht gefällt). Das kann man durch Reformen oder Umsturz zu ändern versuchen. Interessanter als das Eigentum sind die Einschränkungen des Eigentums (z.B. Wegerecht beim Sacheigentum, Schrankenregelungen bei immateriellen Gütern). Dazu hast du ja schon ein paar nützliche Vorschläge gemacht. Lasst uns in die Details gehen! Der Kampf ums geistige Eigentum produziert nur Pulverdampf.

    (In der kontinentaleuropäischen Debatte wurden Sacheigentum und geistiges Eigentum anfangs gleichgesetzt: nicht von Monopolisten, sondern von Philosophen wie Kant, Fichte etc. Schutzfristen gab es erst später. Aber das nur nebenbei)

  41. LordSnow |  07.03.2012 | 12:42 | permalink  

    “Demnächst erscheint mein neues Buch. Dafür habe ich rund hundert Bücher selber gelesen (gekauft und aus der Bibiothek geliehen), Dutzende Interviews geführt und ein dreiviertel Jahr daran geschrieben. Wer das nicht bezahlen möchte: Bitteschön, dann muss er sich die Arbeit halt selber machen. Aber nicht behaupten, er als Allgemeinheit habe er ein Recht auf das Ergebnis meiner Arbeit.”

    Denke lieber nochmal darüber nach ob du das Buch wirklich veröffentlichen möchtest, denn “veröffentlichen” bedeutet es der Öffentlichkeit zugänglich machen, siehe den Wortstamm “öffentlich”. Wenn du also nicht veröffentlichen möchtest, dann mache es wirklich nur ein paar wenigen ausgewählten Leuten zugänglich, denn sobald es veröffentlicht sein sollte wird es sofern es eine größere Anzahl Personen für kulturell wertvoll erachten einfach weiterverbreiten ohne dass du darüber noch irgendeine Kontrolle hast.

    Das paradoxe ist im Übrigen, dass ja gerade diejenigen, die sich die meisten Sachen kostenfrei im Netz besorgen, also diejenigen, die weder Probleme haben mit der technischen Hürde noch mit dem Rechtsempfinden, dass ausgerechnet diejenigen es sind, die zu Hause die Wohnung voll mit Kulturgütern haben die sie auch käuflich erworben haben und eben laut sämtlicher Studien *durchschnittlich* mehr Geld ausgeben als Leute welche die kostenfreien Verbreitungskanäle nicht nutzen. Sprich wenn du es tatsächlich veröffentlichst und andere das Werk ohne deine Kontrolle weitergeben, musst du vermutlich damit rechnen, dass deine Einnahmen steigen. Also bitte überlege es dir wirklich gut, denn noch hast du die freie Wahl, sobald es veröffentlicht ist nichtmehr. Und es wäre wirklich sehr unschön, wenn du dann die Schuld denjenigen gibst die dein Buch kaufen, gerade weil sie es sich vorher kostenfrei auf einem der unzähligen Porale ohne dein Einverständnis runtergeladen haben. Noch hast du die Macht, nutze sie Weise. ;-)

    Viele Grüße
    René

  42. Jan Dark |  07.03.2012 | 12:56 | permalink  

    “Erst ist alles für alle umsonst verfügbar. Und dann wird nichts neues mehr geschaffen.”

    Man kann sich mit solchen Formulierungen aus der Debatte ausklinken. Man schadet aber damit den Leuten, die das Urheberrecht reformieren wollen und arbeitet denen zu, die es ersatzlos abschaffen.

    Realität ist aber nach wie vor, dass Leute wie J.K. Rawling in der bestehenden Rechtsordnung für ihre Werk in Buch- und Filmform inkl. Merchandisig ein Milliardenvermögen geschaffen hat. Da war weder das Kino, noch das Buch umsonst wie hier manche flapsig geifern.

    Fakt ist aber auch, dass Mechanismen, die auf Papier und Zelluloid funktionieren, im Internet faktisch nicht funktionieren: Dann aknn man als Urheber sagen, ich will aber zurück dahin, wie es früher war oder man nimmt die Realität zur Kenntnis.

    Wewr damit nicht zufrieden ist, als angestellter Urheber bei ARD+ZDF mit Flatrate vergütet zu werden, sollte nicht zu ARD und ZDF gehen. Wer aber meint, man solle doch für seinen Missmut den Staat zu einem Polizeistaat wie ind er DDR bauen, damit wegen seiner mangelhaften Flexibilität alle Bürger ständig überwacht werden (Zugangserschwerungsgesetz, ACTA und der ganze bürgerfeindiche Dreck den die Urheber fordern), der wird sich bei uns mit seiner Ewiggestrigkeit nicht durchsetzen.

    Leute, die nicht nur im Gestern abhängen, sondern sich auch mit der Realität auseinandersetzen, stellen dann fest:
    “EU-Kommissarin bezeichnet Copyright als “Hasswort””
    http://netzpolitik.org/2011/eu-kommissarin-bezeichnet-copyright-als-hasswort/

    Man kann durch Realitätsflucht versuchen, den Staat zu zersetzen udn die Demokratie zum Polizeistaat umzubauen, um im Internet Dinge durchzustezen, die nicht funktionieren. Aber man wird scheitern, wie Honecker, Ghadaffi, Assad, Bush udn wie die Terroristen alles heissen.

    Keiner wird von uns gezwungen Urheber zu sein. Jeder kann eine Menge Geld mit Büchern oder Filmen verdienen. Urheber könenn sich bei uns als Angestellte in Häusern verdingen, die steuer- oder werbefinanziert sind. Aber keinem wird es gelingen, für nicht funktionierende Geschäftsmodelle den Polizeistaat einzuführen.

  43. Tharben |  07.03.2012 | 13:03 | permalink  

    Das folgende Argument könnte bereits genannt worden sein, habe die Kommentare nur überflogen, wenig Zeit.

    # Achtung, es folgt ein Segment eines urheberrechtlich geschützten Werks (Michael Jackson – Billie Jean): 11011010, ein Segment eines Fotos der letzten Silverparty: 11011010, ein Segment der Aufzeichnung meines letztens Skypegesprächs mit meiner Frau: 11011010 und noch ein Segment dieses Kommentars: 11011010.

    # Digitale Vernetzung + Werke = Kommunikation

    Wenn Werke verboten werden, weil sie das Eigentum von jemandem sind, findet keine Kommunikation statt.

    Viele der gefühlt 500 guten Argumente gegen “geistiges Eigentum” wurden wahrscheinlich schon genannt. Später vielleicht mehr. Muss nun dringend los.

  44. Peter böser Urheber |  07.03.2012 | 13:04 | permalink  

    @LordSnow (#41)

    Auf “diese Menschen” und deren durchschnittliches Vielleicht-Verhalten verlässt sich der Vermieter und der Energieversorger und Supermarkt um die Ecke auch nicht. Aber der Autor muss von dem leben, was diese Leute liefern.

    Das ist in etwa die Weisheit, ein sicheres Einkommen gegen die Hoffnung auf Spenden zu tauschen.

    Das möge man bitte dem Autoren überlassen, ob er einen solchen Weg wählt! Zum “vorher kostenfrei herunter laden” reicht auch ein Anriss.

  45. Christian Buggedei |  07.03.2012 | 13:06 | permalink  

    @Klardeutsch:
    Es gibt viele Dinge, bei denen man die “Das ist Technik, das geht halt so und nicht anders” nicht hinnehmen muss. Da kann man neue, bessere Technik konstruieren, da kann man Verbote aussprechen und sie auch kontrollieren.

    Dieses eine Ding – Inhalte kopieren – ist leider eine Ausnahme. Wenn wir dieses wirksam kontrollieren und einschränken wollen, müssen wir das Internet so wie es ist abschaffen. Komplett. Eigene, spontan erstellte Seiten und Dienste wird es nicht mehr geben, jeglicher Kommunikationsvorgang muss überwacht und kontrolliert werden. Alles andere wird fast sofort umgangen werden.

    Das Wettrüsten zwischen Kopier-Einschränkern und den Hackern läuft schon über dreißig Jahre, ohne, dass die Hacker jemals irgendwie ernsthaft aus dem Tritt gebracht wurden. Der Drops ist gelutscht: Nicht-vergütete Kopien von einmal veröffentlichtem Material wird es immer und in nicht vernachlässigbarer Größenordnung geben, punkt.

    Allerdings gibt es auch den einen oder Lichtstreif am Horizont: So fahren zum Beispiel Spiele, deren Hauptanreiz darin beseht, auf den “offiziellen” Servern online zu spielen, häufig große Gewinne ein. Prinzipbedingt macht hier Kopieren keinen Sinn, da ich nicht nur das Spiel, sondern auch meine virtuelle geprüfte Identität kaufen muss.

    Und immer mehr Menschen beklagen Dinge wie fehlendes Lektorat oder andere Qualitätsmängel und sind dementsprechend bereit, trotz der Möglichkeit die Inhalte auch einfach zu “klauen”, Geld zu bezahlen um bessere Qualität zu erhalten.

    Dann möchte ich auf die sehr erfolgreichen Kickstarter-Projekte von Matter, twentyfour Magazine, den Order of the Stick Comics und ähnlichen Dingen hinweisen. Dort wurde über Crowdfunding im voraus 5 bis 7-stellige Summen eingesammelt.

    Zudem zeigt sich, dass Menschen bereit sind, überraschend viel Geld zu bezahlen, wenn sie die gleichen Inhalte bequemer oder “stylischer” bekommen. Und einige Hersteller zeigen eindrucksvoll, dass man eine Teilmenge der Kunden von den Kopiermaschinen weg, hin zu eingeschränkten Konsummaschinen lenken kann. (Diese Hersteller schaffen damit das Internet wie wir es kennen ab. Momentan lohnt es sich für Hacker noch nicht, deren Infrastruktur zu zweckentfremden, da es ja noch das richtige Internet gibt, daher funktioniert dieser Ansatz.)

    Gibt es ein Recht der Allgemeinheit auf publizierte Inhalte? Keine Ahnung. Aber die menschliche Gesellschaft ist tausende von Jahren ohne Urheberrecht ausgekommen. Und es gab dennoch Kulturschaffende.

    Meine Vermutung ist folgende: Wir werden innerhalb der nächsten einhundert Jahre erleben, wie sich unser Verständnis von “Monetarisierung von Kulturgütern” grundlegend ändert. Vielleicht wird es Kunst wieder nur noch als Auftragsarbeit geben. Vielleicht wird Kunst wieder viel stärker “Verdinglicht” – eine Rückkehr zu Skulpturen, Gemälden und ähnlichen Dingen. Vielleicht werden wir eine Hochkonjunktur von interaktiven Live-Darbietungen vor ausgewählt kleinem (zahlendem!) Publikum sehen.

    Jetzt sind wir in der Zwischenphase. Der Zeitraum wo alles über den Haufen geworfen wird, wo Dinge kaputtgehen, ohne dass etwas neues zu sehen ist. Vielleicht werden Millionen darüber arbeitslos. Vielleicht sogar ich. Es sind interessante Zeiten, und solche sind selten bequem.

    (Zuletzt: Ich bin uneingeschränkt und vehement für das Recht, als Schöpfer seiner Werke anerkannt zu werden. Ich bin uneingeschränkt und vehement dafür, dass die Schöpfer beliebter Werke an der kommerziellen Ausnutzung derselben angemessen entlohnt werden sollen.

    Ich bin aber ebenso uneingeschränkt und vehement dafür, dass die Begriffe “kommerziell” und “angemessen” hier sehr genau und gezielt angewandt werden müssen.)

  46. Teiler Doerden |  07.03.2012 | 13:17 | permalink  

    Lieber Wolfgang, du hast deine Meinung und die steht dir zu. Du findest, geistiges und materielles Eigentum seien das Gleiche. Ich und andere sagen, das sind zwei komplett verschiedene Dinge. Man kann Ideen nicht besitzen oder monopolisieren. Zumindest sollte man das nicht können. Jedenfalls nicht im Infomationszeitalter. Im 19. Jhdt, da mag Patent- und Urheberrecht noch den unabhägigen Erfinder und Künstler geschützt haben. Heute ist es allerdings ins Gegenteil verkehrt worden: Große, Monopolistische Konzerne raffen Urheber- und Patentportfolios zusammen und klagen mit Armeen von Anwälten die kleinen Leute in Grund und Boden. Zu restriktive Immaterialgüterrechte hemmen Innovation und schaffen Monopole.

    Zurechst sagst du, das Kopieren sei zwar kostenlos, jedoch nicht die Herstellung von Kulturgütern. Das schaffen von Kultur muss gefördert werden. Da sind wir uns einig. Uneinig sind wir uns aber darüber, wie. Wie Cory Doctorow so schön darauf hinweist, ist die Durchsetzung des alten Urheberrechts nicht ohne Kollateralschäden für die Grundrechte der Allgemeinheit möglich. Will man das Kopieren eindämmen, muss man Internetnutzer überwachen und Verstöße unverhältnismäßig hart bestrafen (frei nach Mao: “bestrafe einen, erziehe tausende”) . Aber egal wie hart man die Leute bestraft, sie werden immer einen Weg drumherum finden. So entsteht eine Abwärtsspirale, die in totalitäre Verhältnisse führt. Ist es diesen Preis wert, das alte Vergütungsmodell zu erhalten? Oder sollten wir uns nicht mal nach Alternativen umsehen? Wenn das Schaffen belohnt werden soll, warum dann das Vervielfältigen vergüten und nicht das Schaffen selber? Ansätze wie http://www.kickstarter.com/ oder http://flattr.com weisen den Weg in die Zukunft. Konsumenten und Kulturschaffende vernetzen sich direkt. Bei einer CD oder einem Download bekommen die Künstler nur 10% des Kaufpreises ausgezahlt, den Rest behalten die Monopolisten für sich. Die Leute geben freiwillig, ohne das man sie dazu zwingen muss. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt.

    Über den Begriff der “Enteignung” in diesem Zusammenhang muss ich immer besonders laut lachen. Das klingt so als stünde der arme Urheber plötzlich auf der Straße, weil seine Werke unerlaubt vervielfältigt werden.Da wird der vermeintliche Diebstahl nicht nur zum “Raub”, sondern gar zur “Enteigung” überhoben. Dieses Bild könnte nicht ferner von der Realität sein und ist erbärmliche Propaganda. Vom Tonträgerverkauf konnten auch vor dem Internet nur die oberen Zehntausend leben.

  47. @Killikus |  07.03.2012 | 13:37 | permalink  

    @ Jan Dark «Polizeistaat und Überwachung» Die Unwissenheit der User und das Schweigen der Programmierer ist schon bemerkenswert; denn die technische Überwachung vom eMail-Verkehr und die technische Überwachung von großen Websites mit Hilfe einer *.txt ‚Badwort-List’ gibt es seit dem Jahr 2003 und ist absolut übliche Handlungsweise, sowohl bei den Betreibern großer Websites als auch bei den Internet-Providern!

    Ob da nun einer mehr oder einer weniger mitliest – nach einem ALERT natürlich – halten wir für relativ irrrelevant.

  48. Jan Dark |  07.03.2012 | 13:55 | permalink  

    “Ob da nun einer mehr oder einer weniger mitliest – nach einem ALERT natürlich – halten wir für relativ irrrelevant.”

    Sie könne Rechtsbrüche des Staates bewerten wie Sie möchten. Die Frage, die hier diskutiert wird, ist ob wir nur für die angeblichen Urheber den Polizeistaat haben wollen oder nicht. Bei ACTA war deutlich auf den Straßen zu sehen, dass Ihre laxe Haltung gegenüber dem Polizeistaat von vielen Menschen in vielen Städten nicht geteilt wird.

    Es ist auch nicht einzusehen, warum wir nur für die nicht angestellten Urheber im Internet den Polizeistaat errichten sollen. Sollen wir für jede Gruppe jetzt Sonderlocken basteln? Wenn die Heizer keien Böcke haben, bauen wir den Polizeistaat auf, damit wir lückenlos überwachen können, dass ekien E-Lok mit sinnlosem Heizer fährt? Alles Gaga oder was?

    Ich habe noch kein ein einziges vernünftiges Argumente gehört, warum wir nur für einen Teil der Berufsgruppe Urheber harte polizeistaatliche Maßnahmen gegen die gesamte Bevölkerung durchziehen sollen, nur weil sich die Damen und Herren Urheber keinen tragfähigen Geschäftsmodellen zuwenden wollen? Lachhaft.

    Ich war früher Bergmann. Ich renne auch nicht durch die Gegend, man solle mit staatlicher Gewalt den Bergbau wieder erzwingen, nur weil man damit früher viel Geld verdienen konnte, heute aber die Zechen alle zu sieht, weil keiner mehr die überteuerte Umweltverschmutzung mehr haben will. Get real.

  49. Klardeutsch |  07.03.2012 | 13:58 | permalink  

    Natürlich muss man das Internet und seine Nutzung überwachen. Und natürlich muss man Menschen dafür zur Rechenschaft ziehen, wenn sie die Freiheit anderer beeinträchtigen. Das Internet ist ein öffentlicher Raum, und er sollte deshalb der rechtstaatlichen Kontrolle unterliegen. Das machen wir in der nicht-virtuellen Welt ständig.

    Wir überwachen den Verkehrsraum und ziehen Raser zur Verantwortung, weil sie andere Menschen gefährden. Wir garantieren die Pressefreiheit, erlauben aber richtigerweise nicht, dass jede Lüge, jede Verleumdnung gedruckt werden darf. Die rechtstaatliche Überwachung eines öffentlichen Raumes mit Mao, Honnecker oder Assad gleichzusetzen ist ebenso absurd wie infam.

    Es ist ja geradezu absurd, dass privaten Unternehmen die Überwachung ihres Teils des Internets zugestanden wird, dem Rechtstaat aber nicht. Facebook und Apple schreiben sehr genau vor, was bei ihnen veröffentlicht werden darf und was nicht, vor allem, wenn sie es für Pornografie halten.

    @teiler doerden “Das klingt so als stünde der arme Urheber plötzlich auf der Straße, weil seine Werke unerlaubt vervielfältigt werden.” Ja, genau das wird passieren. Ich kenne viele Grafikdesigner, deren wirtschaftliche Existenz gefährdet ist, weil sich andere kostenlos ihrer kreativen Produkte bedienen.

    Ich finde die Formulierung von der “Kultur des Teilens” besonders pervers. Es lässt sich leicht teilen, was einem gar nicht gehört. Wir werden auch am Ende nicht in einer schönen und besseren Welt landen, bei der alle gemeinsam friedlich am kulturellen Erbe der Menschheit partizipieren. Vielmehr werden sich nur andere Mitspieler in diesem Spiel um Macht, Einfluss und Geld ihren Anteil sichern.

    Diese ganzen Internet-Sozialutopien sind mir zutiefst suspekt. In Wirklichkeit ist es nämlich nicht die rechtstaatliche Durchsetzung von Ansprüchen, die bei Mao, Stalin, Pol Pot und Honecker endet, sondern die Sozialutopie.

  50. Christian Buggedei |  07.03.2012 | 14:09 | permalink  

    Genau das ist der Fehlschluss: Anlassunabhängig darf nicht überwacht werden. Und “da könnte jemand vielleicht mal was tun” ist kein Anlass.

    Der Staat darf stichprobenartig mal via Radarfallen an einzelnen Stellen nachschauen, ob sich alle an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, wenn aber jemand eine komplette staatliche GPS-Überwachung sämtlicher Fahrten fordern würde, stünde diese Person weit jenseits des Grundgesetzes. Nur weil der Raum öffentlich ist, bedeutet das kein Freifahrtschein dort auch alles zu beobachten und zu speichern.

    Und genau so ist es mit dem Internet: Eine flächendeckende Überwachung sämtlicher Kommunikation ist verboten, und das mit gutem Grund. Das hat nichts mit Wildwest zu tun – sondern damit, dass der Staat seine Bürger gefälligst grundsätzlich als unbescholten anzusehen hat.

    (Und Firmen ihre Kunden im Übrigen auch!)

  51. Wolfgang Michal |  07.03.2012 | 14:18 | permalink  

    Zurück zum Thema, Kinder!
    Wer da wirklich tiefer einsteigen will, dem sei die Studie von Volker Jänich empfohlen: “Geistiges Eigentum – eine Komplementärerscheinung zum Sacheigentum?” Tübingen 2002
    http://is.gd/qsEXMz
    http://is.gd/YW8zwA

    Vor allem die historische Entwicklung der Rechtsprechung zu diesem Thema ist sehr interessant.

  52. @Killikus |  07.03.2012 | 14:21 | permalink  

    Das Internet-Urheberrecht und die Folgen in der realen Welt

    Freiheit und kostenlos im Internet – Alles schön und gut. Hier mal ein rein praktisches Beispiel aus der realen Welt:

    These: Das Urheberrecht soll dem Urheber Einnahmen sichern, damit der Staat aus der erbrachten Leistung seine Steuern erhält, denn schließlich hat der Staat die Ausbildung des Urhebers bereitwillig und kostenlos finanziert.

    Tatbestand: „Der Betreiber einer Website erzielt mit Hilfe von Werbung und Einnahmen aus den Verwertungsgesellschaften einen Jahresumsatz von angenommen 13.000 Euro. Dem gegenüber stehen jährliche Betriebsausgaben in Höhe von 18.000 Euro für Reisekosten, Fotoausrüstung, Werbung, Programmierung und Hosting etc. Bei verheirateten Paaren führt dieser “Schaden” praktisch zu einer Senkung der Einkommensteuer.“

    Fazit: Tritt dieser Zustand ein (was relativ sicher sein sollte bei der aktuellen Diskussion) wird das deutsche Finanzamt in absehbarer Zukunft alle steuerlich geltend gemachten Betriebsausgaben für die Website streichen, was nach kurzer Dauer die Löschung der Website zur Folge haben dürfte, weil sich dann der steuerliche Schaden auf den Betreiber umkehrt!

  53. LordSnow |  07.03.2012 | 14:28 | permalink  

    “Das ist in etwa die Weisheit, ein sicheres Einkommen gegen die Hoffnung auf Spenden zu tauschen. ”

    Ob man es Spenden, Honorieren, Bezahlen oder Entlohnen nennt ist in diesem Fall gar nicht wichtig. Im Endeffekt ist momentan alles, was irgendwie von größerem kulturellen Interesse ist im Internet frei auf vielen verschiedenen Portalen verfügbar. Und trotzdem oder gerade deswegen geben die Leute, welche dieses Angebot nutzen sehr viel Geld aus. Der Kulturgütermarkt wächst und wächst, gerade in der Filmbranche bei der sogar kostenfreie Online-Streamingportale noch und nöcher sich etablieren – allein kino(x).to mit um die 4Mio deutschen Nutzern – boomt ohne Ende, da werden immer größere noch nie dagewesene Gewinne eingefahren. Wenn man die Einnahmen als Spenden bezeichnen möchte, dann ist das vollkommen ok, es ändert im Grunde nichts daran, dass sich wirklich gute Dinge gerade durch das freie Internet mehr lohnen denn je.

    “Das möge man bitte dem Autoren überlassen, ob er einen solchen Weg wählt!”

    Genau meine Meinung. Der Autor muss darüber entscheiden ob er etwas für sich behält, es einem ausgewählten Kreis zugänglich macht oder eben veröffentlicht. Das ist genau der Punkt, der Autor trifft die Entscheidung, und mit dieser muss er dann leben.

    Die Beschneidung des Internets wird im Übrigen die Umstände nicht ändern. Bei mir auf Arbeit, im Freundes- und Familienkreis und sicherlich auch in den Schulen werden komplett ohne Internet *Terrabyte” an Multimedia-Daten getauscht. Mittlerweile hat auch jeder ein Handy mit recht großem Speicher + WLAN, da sind die Datein noch einfacher getauscht als mit Rohlingen, USB-Stick oder externen Festplatten.

    Also auch ein Polizieistaat im Internet mit umfangreicher Kommunikationsüberwachung und Sperr-/Zensurinfrastruktur wird die Realität der freien Verfügbarkeit nicht ändern. Auch vollkommen unabhängig davon ob jemand behauptet, Dinge über die er freiwillig die Kontrolle durch Veröffentlichung aufgegeben hat, wären sein Eigentum.

    Viele Grüße
    René

  54. Christian Buggedei |  07.03.2012 | 14:29 | permalink  

    @Killikus: Mir erschließt sich nicht, was das Beispiel mit der Diskusison zu tun hat. Da hat jemand ein Geschäft, das nicht wirtschaftlich betrieben wird. Dieses Geschäft betreibt unter anderem eine Webseite und nimmt teilweise Geld über diese ein.

    Sowas kommt vor, hat aber so nullkommagarnix mit einer Abschaffung des Urheberrechts zu tun. Von den steuerlichen Aspekten und deren Irrelevanz zum Thema will ich jetzt gar nicht reden.

    Ich glaube, ich klinke mich an dieser Stelle mangels echter Gesprächsbereitschaft aus der Diskussion aus. An keiner Stelle wurde sinnvoll auf meine Argumente eingegangen.

  55. Teiler Doerden |  07.03.2012 | 14:38 | permalink  

    Klardeutsch:

    Ich finde die Formulierung von der “Kultur des Teilens” besonders pervers. Es lässt sich leicht teilen, was einem gar nicht gehört.

    Es ist billig und leicht, Urheberrechtskritiker in die Schmarotzerecke abzustellen. Aber auch polemisch. Kultur entsteht nicht im Luftleeren Raum durch harte Malocherei, sondern aus vorhandener Kultur. Je einfacher der Zugang zu Kultur ist, desto mehr Kultur wird auch geschaffen. Auf den Schultern von Giganten stehen, weist schon.

    In Wirklichkeit ist es nämlich nicht die rechtstaatliche Durchsetzung von Ansprüchen, die bei Mao, Stalin, Pol Pot und Honecker endet, sondern die Sozialutopie.

    schon klar. “If your pirating Music, your downloading Communism. http://img-cache.cdn.gaiaonline.com/c77bb8b21430cdedaed96442b00b77ac/http://kadreg.free.fr/perso/moules/warez-communism.jpg

    Recht ist kein Selbstzweck und auch nicht in Stein gemeißelt, sondern eine gesellschaftliche Übereinkunft. Die Prohibition wurde abgeschafft, weil sich keiner dran gehalten hat. Seit der Einführung des Urheberrechts haben sich die Voraussetzungen grundlegend verändert. Kopieren ist ubiquitär geworden, aber das UR kriminalisiert es und damit große Teile der Gesellschaft.

  56. Peter böser Urheber |  07.03.2012 | 14:55 | permalink  

    @LordSnow (#53)

    Ich habe kein Problem damit, wenn Leute, die sich persönlich kennen, Speicher tauschen.

    Aber wenn mein Werk zwar a) nichts wert ist aber b) doch so wichtig, um fremde Websites zu schmücken, finde ich die Argumentation verlogen.

    Sogar für das Gemeingut Luft muss ich inzwischen zahlen (KfZ-Steuer, Plakette), aber mit der Arbeitsleistung des Urhebers kann jeder machen, was er will?

    Das kommt letztendlich einem Berufsverbot gleich. Wahrlich ein hehres Ziel!

  57. Klaus Jarchow |  07.03.2012 | 15:25 | permalink  

    Hier läuft einiges aus dem Ruder. Ich möchte mal darauf hinweisen, dass es eine ‘Kultur des Teilens’ beim geistigen Eigentum auch schon lange vor dem Computerzeitalter gab. Den ‘Herrn der Ringe’, die Romane von Dickens und vieles mehr, habe ich kennengelernt, weil es öffentliche Bibliotheken gab, wo ich mir das Buch – bzw. das geistige Eigentum eines anderen – ‘für lau’ ausleihen konnte. Zwischen dem ‘Ausleihen’ und dem ‘Besitzen’ verläuft die Grenze …

  58. Peter böser Urheber |  07.03.2012 | 16:15 | permalink  

    @Klaus Jarchow (#57) Ja, und das ist auch gut so. Die Bibliothek hat das Buch – oft mit Steuermitteln – gekauft. Sie macht damit dem gewerblichen Buchverkauf keine Konkurrenz, denn das Bibo-Buch bringt einige Unbequemlichkeiten mit sich. Man darf es nicht verschmutzen, nicht aus Begeisterung verschenken und muss es pünktlich zurückgeben.
    Das ist auch mein Grundgedanke bei der Wahrung der Urheber-Interessen im Netz. Wenn man sich die Fotos eines Bildbandes aus tausend kryptischen Links zusammensuchen muss, wird man wohl doch eher den Bildband kaufen oder ein zu bezahlendes Online-Angebot nutzen.
    Wenn aber der Anbieter die (nicht an den Urheber vergütete) Werknutzung besonders bequem macht, im Grunde nur, um seine eigene Website interessant zu machen und etwas zu verdienen, dadurch, das tausende nichts mehr verdienen, wird die Sache suspekt.
    Allerdings werden diese Fälle dann auch recht schnell öffentlich und sind verfolgbar. Dazu braucht man keinen Polizeistaat und muss nicht bedeutendere Grundrechte einschränken. Aber man muss aufhören, zu glauben, Kultur entstehe aus der Entwertung von Kultur.

  59. LordSnow |  07.03.2012 | 16:34 | permalink  

    “Ich habe kein Problem damit, wenn Leute, die sich persönlich kennen, Speicher tauschen.”

    Andere Urheber schon, kommt schließlich auf das gleiche heraus, egal wie ich die Daten kopiere und übertrage, am Ende hat jemand eine Kopie ohne dafür in dem Moment gezahlt zu haben. Davon abgesehen entrichten wir natürlich Abgaben auf Leermedien, Kopiergeräte und einige andere Kulturabgaben, die wir eigtl. deshalb zahlen damit wir ohne zu fragen Kulturgüter nutzen dürfen. Ansonsten müsste man im Übrigen diese ganzen Zwangsabgaben abschaffen, weil die Rechtfertigung fehlt.

    “Aber wenn mein Werk zwar a) nichts wert ist”

    Ich kann nicht sagen, ob dein Werk etwas wert ist, jedoch ist ein Werk was man sich ohne dafür zu zahlen von einem anderen kopiert nicht dadurch einfach wertlos, weil man dafür in dem Moment nichts zahlt. Du vertritts anscheinend wirklich die Meinung, dass ein Großteil der Menschen Kultur als wertlos empfindet. Ich denke auf jeden Fall nicht so, schließlich gebe ich sehr viel Geld aus, und die meisten anderen Filesharer auch, aber was wertvoll ist und was nicht darüber lässt sich natürlich streiten.

    “aber b) doch so wichtig, um fremde Websites zu schmücken, finde ich die Argumentation verlogen.”

    Wie gesagt, für mich ist etwas nicht wertlos nur weil ich dafür nichts oder nur indirekt etwas gezahlt habe, diese Verknüpfung ist nichts zwingendes. Für mich hat eine Buch den selben Wert egal ob ich es geschenkt bekomme, es mir kopiere oder es mir kaufe.

    “Sogar für das Gemeingut Luft muss ich inzwischen zahlen (KfZ-Steuer, Plakette)”

    Hier zahlst du für die Umweltverschmutzung, nicht für die Luft, obwohl sich über die Feinstaubplaketten streiten lässt, ich bin für fahrscheinlosen ÖPNV, denn das würde die Alternative zum Auto aufwerten, statt einfach nur autofahren zu verteuern und bürokratisieren.

    “Das kommt letztendlich einem Berufsverbot gleich.”

    Wenn wir die Braunkohlesubvention einstellen, dann ist das also auch ein Berufsverbot für die Bergmänner? Als wir Quimonda nicht staatlich gerettet haben war das ein Berufsverboot für Speicherchiphersteller?

    So richtig sinnvoll ist die Diskussion leider nicht mehr. Im Grunde ist der aktuelle Zustand ja auch ganz ok, jeder kann alles frei kopieren, ein paar wenige, die sich dabei deppert anstellen werden abgemahnt und die Verwertungsindustrie nimmt jedes Jahr immer höhere Milliardengewinne ein. Defakto ist das Urheberrecht an sich in der Lebensrealität bereits abgeschafft und alles läuft bestens, außer natürlich dass die Urheber nicht so gut an den Gewinnen beteiligt werden, aber das interessiert anscheinend viele Urheber gar nicht so sehr, als dass sie versuchen zusammen mit der Allgemeinheit an einvernehmlichen Geschäftsmodellen zu arbeiten, wo sie die Milliarden zu einem Großteil selbst bekommen würden, welche die Allgemeinheit ihnen gerne “spendet”.

    Viele Grüße
    René

  60. Klardeutsch |  07.03.2012 | 16:38 | permalink  

    @klaus jarchow Außerdem entrichtet die Bibliothek eine Abgabe, die mir über die VG Wort zugute kommt.

    @teiler doerden Habe ich ja in meinem vorigen Post schon gesagt. Wenn du dich auf die Schultern von Giganten stellen willst, mache es selber. Komponiere ein Lied, schreibe ein Programm, verfasse ein Buch – was auch immer. Niemand will die Musik an sich, das Programmieren oder das Schreiben für sich reklamieren.

    Das Urheberrecht schützt nämlich keine generellen Ideen, sondern konkrete Werke. Und selbst die kann man in gewissem Umfang zitieren. Aber sich den neuesten Hollywood-Streifen downzuloaden ist kein Akt des Befreiungskampfes und sollte auch nicht als solcher getarnt werden.

    Das Argument. wir stünden auf den den Schultern von Giganten, war ja Ausgangspunkt dieses Blogposts.

  61. Peter böser Urheber |  07.03.2012 | 17:02 | permalink  

    @Lord Snow (#59)

    Die Bezahlung für ein offenbar begehrtes Gut Subvention zu nennen, entbehrt jeder Grundlage.
    Wie gut oder schlecht der aktuelle Zustand empfunden wird, hängt wieder von der persönlichen Interessenlage ab. Die bestimmt sich meist daraus, wie jemand Geld verdient.
    Es kommt eben nicht auf das gleiche heraus, wie jemand Daten kopiert und überträgt. Das ist vielmehr der entscheidende Punkt. Was ich meine, ist das Veröffentlichen. Das hat der Gesetzgeber klar formuliert. Und da ist sicher die Schwelle bei einem hoch aufgelösten, 3-stündigen Film schneller erreicht als bei einem Foto.
    Ganz vorsichtig sollte man bei Leuten sein, die einer anderen Interessengruppe Milliarden versprechen.
    Sinnvoll wird eine Diskussion, wenn man auf Argumente eingeht, nicht ständig die Abstraktionsebene wechselt und sich nicht mit Absicht dumm stellt. Es war schon klar, was ich mit dem Wert des Werkes gemeint habe. Es hat für den Werkersteller den Wert, dass es zu einem Einkommen führt, dass wiederum weiteres Schaffen ermöglicht. Für den Rezipienten hat es einen ästhetischen Wert, vermittelt ihm eventuell auch Erkenntnisse.
    Gesetze und Praxis müssen so sein, dass beides realisiert werden kann. Darum geht die Diskussion.

  62. Tharben |  07.03.2012 | 17:22 | permalink  

    Oh, Marcel Weiß hat in seiner Antwort den Nagel exakt auf den Kopf getroffen.

    @Wolfgang Michal #40

    Uff, wie oft haben wir in den vergangenen Jahren darüber diskutiert?

    Lieber Marcel,
    nicht die Kosten der Vervielfältigung sind bei Immaterialgütern entscheidend, sondern der Arbeitsaufwand für ihre Herstellung (zumindest ist das für die beteiligten Urheber so).

    Nein, denn:

    # Der Gegenwert für den Ressourcenverbrauch für Schreibtisch Nr.1 (Holz, Maschinen, Strom, Miete, Arbeit, Transport) sind EUR 100,-. Produktionskosten für Schreibtisch Nr. 2 sind EUR 100,-. Man kann es sich fast denken, die Produktionskosten für jeden weiteren Schreibtisch betragen pro Exemplar EUR 100,-

    # Produktionskosten für James Camerons Avatar Kopie Nr.1: USD 237000000,- Produktionskosten für Avatar Kopie Nr.2: USD 0,- Die Produktionskosten für jede weitere Kopie Avatar betragen je Exemplar USD 0,-

    Das bedeutet, dass irrsinniger Reichtum (Bill Gates, Paul McCartney, Madonna, etc.) durch die Gleichsetzung von Werken – wir erinnern uns: ein Haufen elektrischer Zustände, 0 und 1 – mit Sachgütern erreicht wird. Denn die Produktionskosten von Werken bestehen ausschließlich aus Fixkosten. Sachgüter hingegen verbrauchen nicht nur natürliche Ressourcen, sie bestehen aus variablen Kosten für jedes einzelne produzierte Exemplar.

    Ist es sinnvoll, dass Werke mit Sachgütern gleichgesetzt werden? Nein. Ist es wenigstens plausibel? Nein. Haben Sachgüter etwas Wesentliches mit Werken gemeinsam? Nein. Was will Wolfgang Michal eigentlich sagen? Dass der Begriff “geistiges Eigentum” Unsinn ist, nur auf seine eigene Weise.

  63. Klardeutsch |  07.03.2012 | 17:48 | permalink  

    @Tharben Klasse, wer ist bereit, 240.000.000 USD für die erste Kopie zu bezahlen bei bescheidenen 3 Mio USD Gewinn?

  64. LordSnow |  07.03.2012 | 18:31 | permalink  

    ” wer ist bereit, 240.000.000 USD für die erste Kopie zu bezahlen bei bescheidenen 3 Mio USD Gewinn?”

    Die Einnahmen für Avatar waren innerhalb weniger Wochen bereits bei 3 Milliarden USD.

    Wer wirklich gute Dinge erstellt kann jetzt, wo alles frei verfügbar ist, so viel Geld verdienen, wie nie zuvor in der Geschichte.

    Viele Grüße
    René

  65. Wolfgang Michal |  07.03.2012 | 19:51 | permalink  

    @Teiler Dörden: Du schreibst, dass ich glaube, dass geistiges und materielles Eigentum das Gleiche seien. Das war nicht das Anliegen meines Beitrags. Auch Marcel Weiss unterliegt diesem Missverständnis.

    Ich habe die Kritiker des geistigen Eigentums lediglich dazu aufgefordert, doch mal ihre Ideen zu Ende zu denken. Also z.B. darüber nachzudenken, ob sie ihre Ansprüche an die Sozialpflichtigkeit des geistigen Eigentums auch auf Sacheigentum ausdehnen würden. Das würde sie glaubwürdiger machen. Davor aber schrecken sie zurück. Und das finde ich sehr bezeichnend.

    Okay, sei’s drum. Hier wird im Grunde über “Schrankenregelungen” diskutiert. Das sind gesetzliche Vereinbarungen, die festlegen, wie weit die Interessen der Allgemeinheit das Privateigentum einschränken sollen. Und das ist tatsächlich – vor dem Hintergrund von Artikel 14 GG – eine spannende Frage. Sowohl beim Sach- wie auch beim geistigen Eigentum.

    Nun sagen die Kritiker des geistigen Eigentums frech: Darüber brauchen wir gar nicht diskutieren, denn es gibt kein geistiges Eigentum. Im Unterhaltungssektor nennt man das einen Zaubertrick. Sie haben das geistige Eigentum unter viel “Wesensgemurmel” abrakadabra einfach weggezaubert. Und das sollte man den Herren nicht so einfach durchgehen lassen (Damen sind ja selten dabei).

  66. Klaus Jarchow |  07.03.2012 | 20:55 | permalink  

    @ Wolfgang Michal: Würden die Kritiker ihre Ideen auch beim materiellen Eigentum mal zu Ende denken, dann landeten sie schnell bei Heinrich Heine, wonach das Erbrecht der Kern aller sozialen Probleme sei (‘Briefe aus Helgoland’).

  67. Wolfgang Michal |  07.03.2012 | 22:55 | permalink  

    Das Lustige ist, dass es den gleichen Streit ums geistige Eigentum in den fünfziger Jahren schon mal gab. Damals versuchte Georg Roeber die Urheber zu “Technikern” des Input/Output zu degradieren.

    Denn eine neue Technik hatte (wie heute) eine Urheberrechtsreformdebatte angestoßen: das Tonband!!!
    Dieser Streit begleitete die “Tonband/Grundig-Reporter”-Entscheidung bis zum Bundesgerichtshof.
    Bis morgen haben das bitte alle gelesen!

    Nebenbei: Sowohl “geistiges Eigentum” als auch Sacheigentum könnte man auch über Arbeit definieren. Denn mit dem Schutz der schöpferischen Leistung nähert sich das Urheberrecht den personenrechtlichen Grundlagen des Arbeitsrechts.
    Und den Geltungsgrund des Sacheigentums könnte man ebenfalls in der persönlichen Arbeit sehen. Aber das nur so als Betthupferl-Gedanke. Dazu mögen vielleicht die Juristen (Juristinnen?) was sagen.

  68. Tharben |  07.03.2012 | 23:00 | permalink  

    @Wolfgang Michal #65

    Es gibt so vieles nicht:

    # flüssiges Feuer
    # ideenreicher Kaffeebecher
    # geistiges Eigentum

    Warum halten Sie an einem Propagandabegriff der Verteilungsindustrie fest, die durch die digitale Vernetzung weitestgehend nutzlos geworden ist?

    Meine goldene Halskette kann ich wegschließen, sie einschmelzen und Zahnfüllungen daraus basteln, aber wenn Sie und ich genügend Know-how und das nötige Budget hätten, könnten wir morgen damit beginnen, Camerons Avatar nachzudrehen.

    Ideen und Werke sind dem Wesen nach komplett anders als Sachgüter. Die Gleichsetzung funktioniert auf so vielen unterschiedlichen Ebenen nicht, dass mir gar nicht klar ist, wie Sie daran so vehement festhalten können.

  69. Tharben |  07.03.2012 | 23:21 | permalink  

    @Wolfgang Michal #67

    Denn eine neue Technik hatte (wie heute) eine Urheberrechtsreformdebatte angestoßen: das Tonband!!!

    Der entscheidende Unterschied zwischen Tonband und digitalen Werken ist, dass es beim analogen Tonband ein Original und (minderwertigere) Kopien gibt, die auch noch an gegenständliche Trägermedien gebunden sind.

    Ein in seine binären Einzelteile zerlegtes Werk hingegen kann niemals Original oder Kopie sein, denn jede Kopie einer Kombination aus 0 und 1 gleicht der anderen perfekt. (Ja, es gibt Perfektion, jedenfalls digitale.) Noch dazu können die Kopien eines Werks zum Nulltarif und blitzschnell kopiert werden. Zu allem Überfluss setzt sich unsere (digitale) Kommunikation aus denselben Atomen – 0 und 1 – zusammen.

    Wenn Sie das Kopieren (auch nur teilweise) verbieten wollen, dann müssen sie Computer und deren Vernetzung verbieten. Sie ahnen ja nicht, wo heute schon überall kleine Computer dringstecken und wie sehr diese kleinen Helferlein vernetzt sind. Warum also sollten wir uns unsere Zukunft von einer im Vergleich winzigen Industrie wie der Unterhaltungs- und Verlagsbranche kaputtmachen lassen?

  70. alogne |  08.03.2012 | 05:29 | permalink  

    Das iPhone kommt von Apple.
    Der Verbrennungsmotor im Auto ist eine schlechte Idee für den Transport.
    Der Kartoffelacker löste den Hunger in Brandenburg.

    Immaterielles Eigentum ist ungleich physischer Besitz.

    Teilhabe an Kulturleistung ist wichtig, deswegen #BGE.

    Restriktive Gesetze verhindern die Weiterentwicklung brauchbarer Ideen.

    (das iPhone braucht keiner)

  71. Peter böser Urheber |  09.03.2012 | 00:26 | permalink  

    @Tharben (#69)

    Eigentum beschreibt ein Verhältnis zwischen Menschen, vermittelt durch Produkte. Dieses Verhältnis kann man regeln und nur darum geht es.

    @alonge (#70)

    Gesetzlosigkeit verhindert die Erarbeitung brauchbarer Ideen, weil es nicht mehr lohnt. Was Menschen wichtig ist, kann man ihnen gerade bezogen auf Kultur nicht vorschreiben. Und das ist gut so. Weil das iPhone kein Mensch braucht, werden auch so viele davon teuer gekauft. Die sind eben alle nicht so klug wie @alonge. ;-)

  72. Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website |  09.03.2012 | 08:40 | permalink  

    [...] Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums Die Kritiker des geistigen Eigentums werden nicht müde, auf herzerfrischende Weise inkonsequent zu sein. Anstatt das Eigentum grundsätzlich in Frage zu stellen, halten sie das Sacheigentum weiter für segensreich, während sie das „geistige Eigentum“ verwerfen. Warum so zimperlich? Quelle: Carta [...]

  73. Die 10. Woche im Web | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 |  09.03.2012 | 10:18 | permalink  

    [...] bei Carta macht sich ein Urheber so seine Gedanken zum Urheber- und Leistungsschutzrecht und erhält Schelte [...]

  74. schrotie |  09.03.2012 | 10:52 | permalink  

    Darum so zimperlich:
    Die Kosten für die Erstellung informationeller Güter basieren praktisch ausschließlich auf dem Einsatz informationeller Güter. Der Beitrag der Neuschöpfung ist heute immer (!) infinitesimal sofern das geschaffene Gut einen Wert hat. Heute ein triviales Computerprogramm zu schreiben ohne auf existierende Editoren, Compiler, Debugger, Frameworks und die dahinter stehenden Theorien usw. zurückzugreifen wäre selbst für die größten Konzerne heute absolut unmöglich. So einen Artikel wie den obigen zu schreiben und dafür eine eigene Sprache zu entwickeln, durch die ganze Welt zu wandern um die eingesetzten Fakten zu recherchieren usw. wäre ein Lebenswerk. Die für die Veröffentlichung notwendige Technik übersteigt natürlich jedes Lebenswerk bei weitem.

    Ich könnte aus dem Ton unter meinem Garten eine Schüssel töpfern, wenn ich wüsste, wie das geht. Durch den Einsatz informationeller Güter – über Metallverarbeitung, Maschinen-Design usw. – und somit durch den Einsatz von Werkzeugen verringert sich die Arbeit, die ich dazu einsetzen muss. Aber für die Vermehrung der Schüsseln verbleibt ein konstanter signifikanter Arbeitseinsatz. Für die Vermehrung der Kopien Deines Artikels gilt das nicht. Wenn mein Werkzeug – der Computer – läuft, ist die Vervielfältigung kosten- und “arbeitslos”. Die Herstellung einer Schüssel hilft nicht bei der Herstellung der nächsten, informationelle Güter sind unerlässlich für die Erstellung informationeller Güter.

    Es ist im Interesse der Allgemeinheit, die benötigten/gewünschten Güter mit dem minimalen Ressourceneinsatz zu erstellen. Die Akzeptanz oder Ablehnung von physischem Besitz ändert nichts an den Produktionskosten einer Schüssel. Die Akzeptanz von geistigem Eigentum erhöht die Kosten zum Erstellen von informationellen Gütern. Geistiges Eigentum ist daher volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.

  75. LordSnow |  09.03.2012 | 11:34 | permalink  

    Um nochmal zu der Gleichsetzung von materiellen Gütern und immateriellen Werken zu kommen. Gehen wir mal wirklich soweit dass die Gleichsetzung sinnvoll wäre. Dafür müssen wir eigentlich nur eine einzige zusätzliche Annahme treffen.

    Nehmen wir einfach mal an, wir hätten einen Replikator für materielle Güter, wie es ihn im Star Trek Universum gibt. Also wir können jetzt jedes materielle Gut beliebig oft mit einem simplen Knopfdruck verlustfrei vervielfältigen. Was hätte dies jetzt für Folgen und wie würden wir als Gesellschaft damit umgehen.

    Die Folge wäre, dass man jetzt einfach mal so einen Apfel ein Handy oder gar ein Auto vervielfältigen kann und sich vieles von Grund auf verändern, ja vielleicht sogar verbessern könnte(?), keine Hungersnöte mehr, keine Neiddebatten mehr, keine Probleme mehr, weil man zukünftigen Generationen durch einen zu hohen Ressourcenverbrauch die Freiheit einschränkt. Aber wie sieht es mit den negative Folgen aus, es wären wohl viele Menschen auf einen Schlag arbeitslos, ihre bisherige Arbeit, nämlich die Vervielfältigung bekäme einen anderen Stellenwert. Wenn man den Befürworten des geistigen Eigentums folgt, würde an dieser Stelle wohl große Langeweile und geistige Verarmung einsetzen, statt ein Streben nach noch besserem. Ausprobieren wäre nach dieser Logik auch nicht gut.

    Jetzt ist die Frage wie geht man als Gesellschaft damit um. Dabei gibt es jetzt 3 Möglichkeiten.

    1. Alles läuft weiter, wie bisher, weil die Mehrzahl der Menschen weiterhin noch bereit ist für vom Hersteller angefertigte Kopien Geld auszugeben, selbst wenn man problemlos kostenfrei selbst Kopien erstellen kann.
    2. Die Hersteller der Güter verändern ihre Geschäftkonzepte, sie verkaufen jetzt die erste Kopie für viel Geld und bieten Portale zu ihren Produkten an, wo man sich “Replikator-Pläne” für einzelne Produktvarianten herunterladen kann und nehmen mit der entstehenden Aufmerksamkeit durch geschicktes Marketing Geld ein. Es entstehen immer mehr Portale, wo man sich zusammenschließen kann und Geld in einen Topf wirft, das dafür da ist neue materielle Produkte bzw. deren “Replikator-Pläne” zu erstellen.
    3. Die Replikatoren werden verboten. Dies allein wird jedoch noch nicht ausreichen, weil das Interesse an einer solchen Technolgie zu hoch ist, deshalb werden in allen Wohnungen Videokameras installiert und jegliche Kommunikation überwacht, damit keine “Replikator-Pläne” ausgetauscht werden können.

    Für was entscheiden wir uns?

    Viele Grüße
    René

  76. Zeichenlese |  09.03.2012 | 13:50 | permalink  

    [...] Wolfgang Michal hat auf carta eine Antwort auf den Artikel von Thomas Stadler geschrieben, in dem er die provokante These in den [...]

  77. Wolfgang Michal |  09.03.2012 | 15:15 | permalink  

    Die Arbeit (der vielen), die zur Herstellung von materiellen wie immateriellen Produkten führt, ist die gemeinsame Grundlage von Sach- und geistigem Eigentum. Dieser Zugang zum Thema erscheint mir sinnvoller und zielführender zu sein als die schon etwas abgenudelte Dauerschallplatte “Eine Kopie ist kein Diebstahl”.

    Bei Lena Falkenhagen (auf google+) hat sich auch eine interessante Debatte zum Thema entwickelt: https://plus.google.com/109379939195289805891/posts/WM1Ys5c3Ef5

    Bei Köhntopp wird die Debatte ebenfalls “kopiert” und weitergeführt, was man durchaus positiv sehen kann, allerdings sind die inhaltlichen Vorschläge der Diskussion (Alternative zum Urheberrecht) eher schwach.
    Mein Kommentar dort:

    Ich finde die neue „Kulturproduktion“ jenseits des Urheberrechts, die ihr euch da im Thread ausgedacht habt, wirklich fürsorglich und putzig. Ich kenne Leute, deren Geschichten werden sehr, sehr oft aufgerufen (also gern geguckt, gehört oder gelesen), und sie bekommen dann 8 Flattrpunkte dafür, macht summa summarum 2,89 €. Tolle Finanzierung für tagelange Arbeit! Sind aber sicher nur Kinderkrankheiten.

    Ein paar Richtigstellungen zu deiner Einleitung müssen aber sein. Ich bin kein „Urheberrechtsverschärfer“, sondern ein Verteidiger wichtiger Teile des Urheberrechts gegen seine ahnungslosen Verächter. Über Reformen lässt sich reden – allerdings wären ein paar Kenntnisse im Urheberrecht Voraussetzung.

    Ich ziehe mich auch nicht, wie du schreibst, am Begriff des geistigen Eigentums „hoch“, sondern reagiere lediglich auf diejenigen, die kurz zuvor – mal wieder – geschrieben hatten, es gebe kein geistiges Eigentum. Mir ist dieser Begriff völlig egal, ich bin auch mit dem Begriff „Immaterialgüter“ oder „Werkherrschaft“ zufrieden, aber die Windmühlenkämpfer gegen den Begriff geistiges Eigentum kämpfen mit einer Leidenschaft, als würde schon die Nichtig-Erklärung des Begriffs die digitale Welt erlösen. Diesen „mutigen“ Kämpfern habe ich vorgehalten: Wenn ihr schon so leidenschaftlich (und energieverschleudernd) gegen „das geistige Eigentum“ wettert, dann sprecht euch doch ganz gegen Eigentum aus – dann wäre euer Kampf glaubwürdiger. Doch da kommt nix.

    Man muss diese Fragen vor allem hinsichtlich der Arbeit diskutieren, die etwas erfordert, nicht allein hinsichtlich der technischen Reproduzierbarkeit des Produkts.

    Wie zynisch die Anti-Urheber-Diskussion sein kann, ist hier sehr treffend dargestellt:

    „Stiehlt man ein materielles Gut, so ist es für den Eigentümer für immer verloren; kopiert man jedoch in illegaler Weise z.B. ein Buch, einen Film oder ein Musikstück, so bleibt dem geistigen Eigentümer sein Besitztum in vollem Umfang erhalten. Lediglich sein Umsatz wird gegebenenfalls geschmälert. Das ‚Lediglich’ im vorigen Satz könnte natürlich extreme Folgen für den Rechteverwerter und den Künstler haben, wenn die Umsatzeinbußen die wirtschaftliche Existenz bedrohten. Man braucht sich ja nur die hypothetische Frage zu stellen, was passieren würde, wenn alle potentiellen Konsumenten statt zu kaufen eine illegale Kopie zögen. Das bestehende System würde unweigerlich zusammenbrechen.“

    http://www.geistiges-eigentum.eu/

  78. Vater Unser |  09.03.2012 | 18:29 | permalink  

    @rené, tharben: FULL ACK!!

    @Woflgang Michal: Mensch mensch mensch, das ist so ziemlich das blödeste was ich seit langem auf carta gelesen habe (wenn nicht sogar überhaupt!)

    @peter #71: Wenn es nicht mehr ‘lohnenswert’ wäre, Müll á la Justin Bieber zu produzieren, machen dies nur noch Leute mit wirklicher Überzeugung und nicht geldgeile Dummteenies…

    cheerio
    Vater Unser

  79. Eva Kiltz |  09.03.2012 | 19:16 | permalink  

    Die Art und Weise wie sowohl geistiges Eigentum als auch Sacheigentum im Augenblick eingepreist werden, ist in gewissem Masse bereits eine “Sozialisierung”, denn in beiden Fällen wird meist nicht das Ur-Stück bzw. das Original zum Entwicklungs- oder Entstehungspreis verkauft, sondern Reproduktionen davon.

    In beiden Fällen verzichtet der Hersteller auf sofortige Amortisation der Herstellungskosten des Ur-Stücks oder Originals (= Entwicklungskosten + Arbeitskosten + Materialkosten (+Marketing)), sondern setzt mit seiner Investition in die Entwicklung darauf, dass es genug Menschen geben wird, die zu einem Preis x das Produkt kaufen werden. Ab einer verkauften Stückzahl y hat sich die Investition dann amortisiert und ab hier fängt der Gewinn an.

    Der einzige Unterschied zwischen dem Verkauf von Sachgütern und dem Verkauf von geistigem Eigentum ist, dass man für geistiges Eigentum oft keine oder sehr wenige Materialkosten hat, während man diese für Sacheigentum in den Preis einrechnen muss. Arbeits- und Entwicklungskosten bleiben aber bestehen.

    Anders gesagt: wir können natürlich darauf verzichten, die in der Tat kostengünstigen bis kostenfreien Kopien von Werken zu vergüten, nur dann werden wir eine Entwicklung wie im Markt für Bildende Kunst oder im Luxussegment (Sonderanfertigung) erleben: das Original wird einmalig z.B. an einen Sammler verkauft und verschwindet von den meisten Menschen ungesehen in der Privatsammlung.

    Man könnte natürlich sagen, ok, ab dem Zeitpunkt der Amortisierung der Herstellungskosten für das Urstück/das Original darf kein Gewinn mehr mit dem Werk gemacht werden, aber das widerspricht wie Wolfgang Michal sagt, dem Gedanken der Marktwirtschaft.

    Wollen wir das, sollten wir wirklich weiterdenken und für jedwedes Produkt die Gewinnerzielung verbieten, das heißt, alles nur noch zum Selbstkostenpreis.

    Meiner Meinung nach blieben damit aber zwei Dinge auf der Strecke:

    1. Die Investition in neue Produkte, denn es gibt kein Kapital mehr dafür, und damit die Weiterentwicklung des Bestehenden über das Ideenstadium hinaus
    2. Anders als von einem Möbelhersteller kann und muss man von einem Kreativen erwarten, dass er auf ein erstes Original weitere Originale folgen lässt und es nicht bei “Billi” belässt. Ein Kreativer wird nie in Serienproduktion gehen, sondern seinen Fokus immer auf die Invention richten. Nehmen wir ihm also die Möglichkeit, von dem einen Original länger zu leben, als die Investition darein kostete, kann er nicht am nächsten Original arbeiten – jedenfalls nicht ohne Subvention – und dann sind wir beim Grundeinkommen für Künstler.

    Keine ganz schlechte Idee…fragt sich nur, ob der Künstler dann nicht seine Originale doch lieber an einen Sammler für eine einmalige Zahlung verkauft als sie zu veröffentlichen. Oder ob er nur noch Ausschnitte seiner Werke veröffentlicht und das ganze Werk in limitierter Auflage von zB 10 anbietet, man kann ihn ja schliesslich nicht zwingen, Neues zu schaffen, nur weil er ein Grundeinkommen erhält, oder doch?

    Ob wir wenn den Künstlern ein Grundeinkommen in Aussicht gestellt wird, nicht plötzlich alle Künstler sein wollen und wer das bewertet, danach frage ich hier noch nicht mal….

  80. Jan Dark |  09.03.2012 | 20:21 | permalink  

    @Eva Klitz

    Du liegst mit Deinen Beispielen und Behauptungen vollkommen neben der Sache. Ich gebe Dir ein Beispiel.

    Ein hochbegnadeter Sänger gibt als Angestellter eines Opernhauses eine wunderschöne Oper im ausverkauften Haus. Hohe Schöpfungshöhe der Interpretation. Ein Meisterwerk, standing Ovations, 10 Vorhänge.

    Fall 1: Trotz ausverkauftem Haus reichen die Kartenverkäufe nicht die Kosten zu decken. Normal ist dann, dass der Staat den Rest zahlt.

    Fall2: Das selbe Werk, aber dieses Mal ist das ZDF dabei. Die machen eine fotomechanische Kopie der Realität des Meistersängers. Für die Kopie der Meisterdarbietung fordern sie aber das Urheberrecht. Obwohl sie steuerfinanziert sind und als öffentlich-rechtliche Anstalt eigentlich ein amtliches Werk nach §5 UrhG ohne Urheberrecht verbreiten.

    Fall3: Ein privater Produzent macht bei dem selben Werk, der selbe Künstler, die selbe Schöpfungshöhe, keine Verändrung des Sängers durch den Betrieb der Maschinen, die die Kopien der Realität machen (Kameras und Mikrofone). Der Produzent fordert nun Urheberrecht für die DVDs, die er von seinen Kopien kopieren lässt.

    Und schon hast Du einen Haufen Probleme:
    - Du behauptest, wenn der Künstler bei Fall 3 nicht was von den Kopierlösen abbekommt, gibt er sich keine Mühe, also ist ein Livekonzert weniger Wert aus eine Aufzeichnung.
    - der Produzent mit den Maschine, die Kopien von der Realität macht, soll Urheberrechte von den Kopien bekommen, für deren Originale er keine Verantwortung trägt.
    - die steuerfinanzierte staatliche Einrichtung soll Urheberrechte bekommen, obwohl sie das nach UrhG eigentlich nicht darf.

    Man kann es drehen oder wenden wie man will: man kann die Mehrvergütung des singenden Künstlers über Fall 1 hinaus rational nicht begründen sondern nur willkürlich irgendetwas mehr oder weniger geben. Das lange labern wie hier darüber ist völlig sinnlos.

    Früher gab es mehr Konsens darüber für leistungslose Kopien Geld zu bezahlen, dieser Konsens schwindet. Darauf wird man sich einrichten müssen.

  81. Ev Kiltz |  09.03.2012 | 20:32 | permalink  

    @jensbest: in Deinem Beispiel ist kein Urheber, also kein Werkschöpfer involviert….

  82. Wolfgang Michal |  09.03.2012 | 21:30 | permalink  

    In dem von Till Kreutzer, Matthias Spielkamp, Volker Grassmuck, Robert Gehring und Valie Djordjevic herausgegebenen iRights.info-Buch „Urheberrecht im Alltag. Kopieren, bearbeiten, selber machen“ (erschienen bei der Bundeszentrale für politische Bildung) steht:

    „Das Urheberrecht gehört ebenso wie das Patent- und das Markenrecht (es gibt noch eine Reihe weiterer Schutzrechte) zum sogenannten Immaterialgüterrecht. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein spezieller Rechtsschutz für ideelle Gegenstände, der dem Schutz für das Eigentum an materiellen Gegenständen ähnlich ist: So, wie der Eigentümer eines materiellen Gegenstandes, etwa eines Fahrrads, anderen dessen Nutzung verbieten oder erlauben kann, haben die Besitzer von Immaterialgüterrechten die Möglichkeit, anderen die Nutzung ihrer Werke, Erfindungen oder Marken zu gestatten – oder eben nicht. Im Laufe der Zeit hat sich dafür der Begriff geistiges Eigentum etabliert.“

    @Eva Kiltz: Es ist ja hinreichend deutlich geworden, dass die Eiferer unter den Kritikern des geistigen Eigentums nicht über die von den Künstlern investierte Arbeitszeit bzw. deren (Re-)Produktionskosten reden wollen, sondern nur über die Kosten des technischen Kopierens digitalisierter Werke.

  83. Sam spielt es noch einmal: Das Lied vom Urheberrecht - Die wunderbare Welt von Isotopp |  09.03.2012 | 21:31 | permalink  

    [...] Michal schreibt auf carta.info: Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums das übliche Zeugs. Das heißt, er zieht sich an dem Begriff "Geistiges Eigentum" hoch und schlägt [...]

  84. Jan Dark |  09.03.2012 | 21:52 | permalink  

    @Wolfgang Michel
    “Es ist ja hinreichend deutlich geworden, dass die Eiferer unter den Kritikern des geistigen Eigentums nicht über die von den Künstlern investierte Arbeitszeit bzw. deren (Re-)Produktionskosten reden wollen, sondern nur über die Kosten des technischen Kopierens digitalisierter Werke.”

    Das ist eine dreiste Lüge, die bezeichnend für den Stil der entarteten Debatte ist. Es ging in dem Ursprungsartikel nicht um die Verdientsmöglichkeiten für Künstler. Es wurde der Kampfbegriff des “Geistigen Eigentums” gedehnt und unsinnigerweise dümmlich behauptet, wer das geistige Eigentum negiert müsse auch das Sacheigentum des Römischen Rechtes negieren.

    Wir können gerne über Einkunftsmöglichkeiten von Künstlern reden: als Angestellte an Opern oder beim steuerfinanzierten oder werbefinanzierten Rundfunk und Fernsehen. Als angestellte oder freie Mitarbeiter bei der Presse. Als Auftragnehmer für Werkaufträge. Als Verkäufer von DVDs oder Papierwerken. Wir können gerne über die Steuerfinazierung bei den öffentlich Rechtlichen oder die Werbefinanzierung bei privaten oder bei Google und Facebook reden. Wir können auch gerne über Kulturflatrate und die Arbeit für Stiftungen geben, der es zahlreiche wegen der Steuersparnisse nach der Abgabenordnung gibt. Aber das ist mit der Polemik und den Kampfparolen nicht intendiert worden.
    Also nicht jämmerlcih weinen, wenn man nur Antworten auf das Thema bekommt, das man selbst aufbringt. Das sieht dann nur wie zynische Heuchelei eine Losers ohne Argumente aus. Etwas mehr Sachlichkeit wäre der Diskussion förderlicher. Wenn Sie über Finanzierungsmöglichkeiten für Künstler sprechen wollen, dann tun sie das. Aber lügen Sie nicht unsachlich herum.

  85. Eva Kiltz |  09.03.2012 | 22:23 | permalink  

    @jens best: “Du liegst mit Deinen Beispielen und Behauptungen vollkommen neben der Sache.”, hast Du gesagt und dann ein Beispiel gebracht, das leider nicht zum Thema passte. Wie wäre es denn nun mit einem passenden Beispiel? Würde ja gerne wissen, wo ich neben der Sache liege.

  86. Eva Kiltz |  09.03.2012 | 22:35 | permalink  

    @wolfgang michal: ich fürchte, auch Ihre wohlgesetzte Provokation hat nicht dazu geführt, eine ernsthafte und willkommene Diskussion über Produktionsbedingungen von geistigem wie materiellem Eigentum in einer globalisierten, digitalen und sich auf dem Weg in den Postkapitalismus befindlichen Gesellschaft zu lancieren, sondern erzeugt nur das immer gleiche Bellen des (getroffenen?) Hundes. Schade, hätte eine interessante Debatte werden können

  87. Wolfgang Michal |  09.03.2012 | 22:37 | permalink  

    @Jan Dark. “Etwas mehr Sachlichkeit wäre der Diskussion förderlicher.” Ist der Satz wirklich von Ihnen?

  88. Jan Dark |  09.03.2012 | 23:11 | permalink  

    @Eva Klitz
    “@jens best: “Du liegst mit Deinen Beispielen und Behauptungen vollkommen neben der Sache.”, hast Du gesagt und dann ein Beispiel gebracht, das leider nicht zum Thema passte. Wie wäre es denn nun mit einem passenden Beispiel? Würde ja gerne wissen, wo ich neben der Sache liege.”
    Der Jens Best diskutuert hier nicht. Aber genauso unsachlich wie die Beenutzung von Namen ist Deine Unkenntnis über die Sache, über die wir hier reden. Mach Dich doch erst mal sachkundig, bevor dur falsche Leute mit Unsinn anpöbelst. Ein guter Start ist die allgemeine Übersicht:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Geistiges_Eigentum
    Dann würde ich mal ein Blick in das Urhebergesetz werfen und da in den §8, wo das Recht des “geistigen Eigentums” von Sängern als Miturhebern geregelt ist. Wenn Du Dir ein Minimum an Sachkunde angeeignet hast, kannst Du Dich ja wieder melden. Aber der Jens Best hat hier nichts gesagt. Werde also sachlich.

    Wolfgang Michal
    “@Jan Dark. “Etwas mehr Sachlichkeit wäre der Diskussion förderlicher.” Ist der Satz wirklich von Ihnen?”
    Ich hatte ja gesagt, dass es Ihnen nicht um eine sachliche Diskussion geht, sondern nur um trolliges Polemisieren. Schön dass Sie es instantan erneut bewiesen haben, indem Sie zur Sache brutalstmöglich geschwiegen haben, und nur ad hominem getrollt haben. Aber bitte, so wird ihre entarteter Diskussionsstil immer klarer und für jeden ssichtbar. Sie schaden so maximal Künstlern. Hauen Sie drauf. Sie schaffen es, den Künstlern das argumentative Wasser weiter abzugraben. Ihr dreiste Lüge ist damit aber nicht besser geworden, sondern nur das Motiv für Ihr Lügen klarer.

  89. Eva Kiltz |  09.03.2012 | 23:24 | permalink  

    Opps, sorry @ Jan Dark, tut mir leid

    also
    § 8 Miturheber
    (1) Haben mehrere ein Werk gemeinsam geschaffen, ohne daß sich ihre Anteile gesondert verwerten lassen, so sind sie Miturheber des Werkes.
    etc

    Darauf beziehst Du Dich also, um den Opernsänger zum Miturheber zu machen. Ich muss Dich leider enttäuschen: Du hast das Thema wieder verfehlt und gerade dieser Paragraph ändert nichts daran. Hier geht es darum, dass mehrere Menschen ein Werk erschaffen haben, es also mehrere Urheber gibt.

    Der Opernsänger in Deinem Beispiel wird aber nicht dadurch zum Urheber, dass er ein werk INTERPRETIERT. Ihm ensteht dadurch ein Leistungsschutzrecht und dieses wäre auch bei Verhandlungen mit einem privaten Produzenten oder dem ZDF betroffen.

    Damit bist Du aber leider immer noch meilenweit von meinem Text entfernt, und auch von dem Ursprungstext von Michal, denn dort geht um den Werkerschaffer. In Deinem Beispiel wäre das der – von Dir bisher noch nicht einmal als Schaffender erkannte und benannte – Komponist oder wenn Du es gerne so möchtest, auch sein Miturheber, der Textdichter….

    also? Ich höre.

  90. Eva Kiltz |  09.03.2012 | 23:31 | permalink  

    In Deinem Wikipedia artikel steht aber etwas interessantes, darüber würde ich gerne reden:

    “Es gibt einen großen Anteil Immaterialgüter, denen die Rechtsordnung kein Immaterialgüterrecht zuweist. Dies sind z. B. im Urheberrecht gemeinfreie Werke, zum Beispiel einzelne Worte oder Akkorde (geringe Schöpfungshöhe), oder Werke, deren Schutzdauer abgelaufen ist (Aufhebung der Schutzrechte, Freigabe). Dagegen sind herrenlose Sachen die Ausnahme.”

    “Herrenlose Sachen können wieder Gegenstand des Eigentums werden.”

    Nur mal so, wenn es kein geistiges Eigentum gäbe, dann wäre ja ein Werk sozusagen immer Herrenlos, sobald es zB im Internet veröffentlicht wurde.

    Kann das herrenlose Stück dann Eigentum werden unabhängig vom Urheber, der ja dann kein Recht mehr darauf hat, wenn zB jemand das herrenlose Stück exklusiv anbietet?

    Und falls ja: wollen wir das?

  91. Peter böser Urheber |  10.03.2012 | 01:50 | permalink  

    @Jan Dark Ich habe es jetzt verstanden. Das soll Satire sein, was sie hier so von sich geben, brutalstmögliche! …köstlich

  92. Linksammlung Urheberrecht |  12.03.2012 | 10:23 | permalink  

    [...] “Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums” (6.3.2012, Wolfgang Michal bei Carta – mit heftiger Debatte) [...]

  93. Tatsache: Digitale Inhalte sind kopierbar und werden verteilt |  19.03.2012 | 11:02 | permalink  

    [...] Buggedei in einem Kommentar zu einem [...]

  94. Wolfgang klitz | Hiphuff |  02.05.2012 | 22:04 | permalink  

    [...] Kleine Anfrage an die Kritiker des geistigen Eigentums — CARTA [...]

  95. Warum kann der Markt das nicht richten? Zum Leistungsschutzrecht deutscher Verlage — CARTA |  05.09.2012 | 11:53 | permalink  

    [...] muss es zwingend einen Interessensausgleich zwischen den Anbietern von Nachrichten und den Konsumenten geben. Denn letztere haben im Prinzip [...]

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.