Warum beschweren sich deutsche Verleger nicht schon längst über Facebook?

Die deutschen Verleger wollen, dass Google für Inhalts-Snippets zahlt. Umso mehr erstaunt es, dass sie kein Geld von Facebook fordern. Grund genug dazu hätten sie.

Niemand kann die Logik deutscher Zeitungsverleger verstehen. Oder besser gesagt: Aus Sicht der Verleger kann man es verstehen, dass man es mit der Logik nicht so genau nimmt, wenn es ums eigene Geld geht.

Wir erinnern uns: Google präsentiert in seinem Angebot news.google.com kurze Ausschnitte aus den Meldungen von Nachrichten-Websites und verlinkt diese. Dieser Google-Dienst ist im Gegensatz zu anderen Google-Angeboten werbefrei. Kein Medium muss dort gelistet sein. Es genügen Kenntnisse im Umgang mit einem Texteditor, um mittels zweier Zeilen Google daran zu hindern, dass das eigene Nachrichtenangebot dort gelistet ist.

Weil Google-News den Online-Medien Besucher auf die Websites bringt, verlangen sie von Google eine finanzielle Beteiligung. Und weil Google die nicht zahlt, beschweren sich die deutschen Verleger jetzt bei der EU in Brüssel.

Wie gesagt: Diese Logik müssen Sie nicht verstehen.

Kein Website-Betreiber wäre böse darüber, wenn ihm Google auch noch Geld zahlen würde, wenn die Suchmaschine neue Besucher bringt. Sie würden es schließlich auch nicht ablehnen, wenn Ihnen der Taxifahrer Geld zahlen will, weil er sie irgendwohin gefahren hat.

Daher ist es umso erstaunlicher, dass sich die deutschen Zeitungsverleger nicht schon längst und lautstark über Facebook beschweren.

Denn anders als Google platziert Facebook sehr wohl eigene Werbung auf den Fanpages der Zeitungsverlage. Und dennoch gibt es fast kein Online-Medium, dass keine eigene Fanseite betreibt und das nicht die Like-Buttons und Social-Media-Plugins des US-Anbieters auf den Seiten hat. Die Verlage reißen sich förmlich darum, Facebook neue Kunden in die Arme zu treiben. “Diskutieren Sie mit uns auf Facebook”, ist einer der oft gehörten Animationssprüche.

Durch den Einbau dieser Buttons und Plug-ins auf jeder Seite klaut Facebook den Verlegern nicht nur Inhalts-Snippets, sondern bekommt von ihnen darüber hinaus die komplette Nutzungs- und Nutzerstatistik geschenkt. Jenseits rudimentärer IVW-Zahlen hat Facebook die komplette Statistik, kennt Facebook die Online-Leser sogar mit Namen und besitzt von den meisten ein vollständiges Interessen- und Persönlichkeitsprofil. Und Facebook weiß sogar, auf welchen Konkurrenzmedien der Nutzer surft.

Es wird also nicht mehr lange dauern, bis die Verleger entdecken, was sie da in ihrer vermeintlichen Gier nach mehr Lesern und sozialmedialer Anbiederung dem US-Unternehmen in den Rachen werfen. Es wird Zeit, dafür Geld zu verlangen! Also schreiben wir schon mal auf, was die deutschen Zeitungsverleger demnächst fordern sollten und worüber man sich bei der EU oder bei den Kartellbehörden beschweren könnte:

  • Facebook verwendet für seine Empfehlungsfunktion Inhalte aus den Angeboten von Online-Magazinen und -Zeitungen (Snippets).
  • Facebook platziert im Umfeld dieser Snippets und auf den Fanseiten der Medien Werbung, an deren Einnahmen die Verleger nicht beteiligt werden.
  • Facebook erhält durch den Einbau des Like-Buttons die kompletten Nutzerstatistiken der Online-Medien.
  • Facebook kann diese Nutzerdaten personalisieren.
  • Facebook hat die Möglichkeit der Konkurrenzanalyse, wenn dort die Buttons ebenfalls platziert wurden.

Mehr noch als Google profitiert Facebook sowohl von den Inhalten als auch von den Nutzungsdaten deutscher Online-Magazine und -Zeitungen und monetarisiert diese durch Anzeigenverkäufe.

Also, deutsche Zeitungsverleger, worauf wartet ihr? Lasst euch euer “Soziales Engagement” endlich von Facebook bezahlen!