Wolfgang Michal

Monopol-Kapitalismus

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Apple hat inzwischen 100 Milliarden Dollar in der Portokasse. Doch letztlich wird es der göttlichen Firma so gehen wie Rockefellers Standard Oil Company.

05.02.2012 | 

Was wir heute mit der von der Digitalisierung voran getriebenen Monopolisierung marktbeherrschender Branchen erleben (siehe Apple), lief so ähnlich bereits vor 100 Jahren ab. Damals waren es die Öl- und Stahlgiganten, die sich durch Preisabsprachen mit der aufstrebenden Transportindustrie (Eisenbahnen!) einen uneinholbaren Vorteil verschafften und den Markt zu erdrosseln drohten. Diese Phase des Turbo-Kapitalismus ist vor allem mit dem Namen Rockefeller verbunden. Die von John D. Rockefeller 1870 gegründete Standard Oil Company kontrollierte nach wenigen Jahrzehnten die gesamte Öl-Verwertungskette und beherrschte 70 Prozent des Weltmarkts.

Apple könnte Ähnliches gelingen.

Am 2. Juli 1890 wehrte sich die Politik zum ersten Mal gegen die Auswüchse dieses Monster-Kapitalismus. Und zwar aus Angst vor den Linken, die immer größeren Zulauf erhielten. Am 2. Juli 1890 wurde der „Sherman Antitrust Act“ vom Repräsentantenhaus einstimmig (!) verabschiedet – es war die erste Anti-Monopol-Gesetzgebung der USA.

Der einflussreiche republikanische (!) Senator John Sherman, Rechtsanwalt und Sohn eines Richters am Obersten Gerichtshof, wollte mit diesem Gesetz der sozialistischen Agitation den Wind aus den Segeln nehmen. Doch das Gesetz wurde gar nicht angewandt. Es war ein reines Schaufenstergesetz.

Bis die investigative Journalistin Ida Minerva Tarbell durch ihr zähes „Muckraking“ wieder Leben in die Debatte brachte. Die berühmte Reporterin recherchierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die schier unglaubliche Geschichte des kometenhaften und nicht gerade feinen Aufstiegs von John D. Rockefeller, dem reichsten Mann der Welt. Ermöglicht hatte die drei Jahre (!) dauernde Recherche (zähneknirschend) der nicht ganz so reiche Verleger McClure von McClure’s Magazine. Tarbells Magazin-Serie wurde ein Riesenerfolg. 1904 erschien sie als Buch: „The History of the Standard Oil Company“ – ein Megaseller. (Heute hätte sich John D. Rockefeller vermutlich – wie Steve Jobs – eine autorisierte Biographie ‚schreiben lassen’. So viel zum Stand des Qualitäts-Journalismus!).

Das Thema Trusts und Marktmacht ließ die Öffentlichkeit nun nicht mehr los. Am 8. November 1906 eröffnete die US-Regierung unter Präsident Theodore Roosevelt ein Verfahren gegen Standard Oil nach dem Sherman Antitrust Act. Und nach fünfjährigem Prozess führte ein Spruch des Obersten Gerichtshofs am 5. Mai 1911 zur Entflechtung des Ölgiganten.

Die Ironie dabei: Als die Aktienkurse nach der Entflechtung in den Keller rauschten, kaufte Rockefeller die billiger gewordenen Papiere auf und wurde erst so richtig zum Krösus. (Die Erfindung des Automobils und der Erste Weltkrieg ließen die Nachfrage nach Öl extrem ansteigen).

So weit die Vergangenheit. Heute ist der Apple-Konzern – in Verbindung mit der aufstrebenden Transportindustrie des Internets - auf dem besten Wege, die damalige Erfolgsgeschichte zu wiederholen. Apple beherrscht die digitale Wertschöpfungskette und wird eines Tages den Weltmarkt beherrschen. Die Politiker werden Gesetze gegen das Monopol beschließen, aber die Gesetze werden ins Leere laufen – bis der Druck so groß ist, dass man Apple entflechten muss (wie auch Google, Facebook und Amazon).

Nur eines wissen wir heute noch nicht: Ob die wahre Geschichte vom Aufstieg des reichsten Mannes der Welt auf einem MacBook oder einem iPad geschrieben wird.

 

Lektüre-Empfehlung: The human costs of an iPad in der New York Times

Crosspost von wolfgangmichal.de

 

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6 Kommentare

  1. Kleine Presseschau vom 7. Februar 2012 | Die Börsenblogger |  07.02.2012 | 13:23 | permalink  

    [...] carta.info: Apple: Monopol-Kapitalismus [...]

  2. Chris |  08.02.2012 | 17:50 | permalink  

    Apple ist weit von einem Monopol weg. Es ist lediglich am profitabelsten.

    Wenn man Stückzahlen betrachtet werden sie auch bald weniger vom Kuchen haben, aber immer noch gut verdienen.

  3. Stefan Herwig |  09.02.2012 | 02:12 | permalink  

    Ich glaube dass Monopole nicht durch ihr Umsatzvolumen entstehen, sondern durch den MArktanteil und vor allem den Umgang damit. Und da müssten dann eigentlich ganz Andere Teilnehmer ganz oben auf der Inrastruktur-Monopol-Abschussliste stehen.

  4. Wolfgang Michal |  09.02.2012 | 10:45 | permalink  

    Hier geht es um das Potential von Apple. Die Zukunft. Welcher andere Konzern hat solche Gewinnmargen und kann so viel investieren bzw. zukaufen?
    Von der Gründung von Standard Oil bis zur Entflechtung vergingen 41 Jahre.

  5. Stefan Herwig |  09.02.2012 | 10:56 | permalink  

    Hohe Gewinnmargen sind (meistens) Ausdruck guten Unternehmertums.
    Apple hat lediglich im tabletbereich ein (schwindendes) Monopol, im Smartphonebereich liegt Samsung fast gleichauf, und Nokia verkauft immer noch am meisten Handys (die aber überwiegend KEINE Smartphones sind).

    Herr Michal, Gewinne machen keine Monopole, Marktanteile schon. Schauen Sie lieber aufs große “G”.
    Da sind die Monopole, und da liegt auch der Missbrauch der Marktmacht.

    SH

  6. Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex — Carta |  05.12.2012 | 17:08 | permalink  

    [...] Sie dazu auch: Apple und der Monopolkapitalismus Der Kampf gegen die amerikanischen Internet-Giganten hat eine neue Qualität erreicht. Es [...]

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