Andreas Grieß

Flattr-Charts im Januar: Social Payment nur für Podcasts?

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Der Blick auf die bei Flattr am häufigsten honorierten deutschen Beiträge im Januar offenbart wenig Neues. Sind auf Flattr etwa nur Podcasts erfolgreich?

01.02.2012 | 

Die ersten Flattr-Charts im neuen Jahr. Nach dem Relaunch von Carta sind sie auch hier wieder zu lesen. Die Erstellung der Charts war dieses Mal mit einigen Hindernissen verbunden. Flattr hat seinen “Katalog” umgebaut. Dadurch war es nicht mehr wie früher möglich, die Zahlen dort einfach abzulesen. Dankbarer Weise haben uns (bei YOUdaz) die Macher von Flattr einen Weg gezeigt, an die Daten zu kommen. Das ist zwar nun mit etwas mehr Aufwand verbunden, wie ihr sehen könnt aber dennoch gelungen. Ein Dank geht an dieser Stelle an Linus Olsson und vor allem Simon Gate von Flattr.

Einmal mehr gilt, dass beim Erheben der Zahlen Fehler unterlaufen sein können, vor allem dieses Mal. Die Zahlen sind aber nach besten Wissen und Gewissen zusammen gestellt. Auffällig ist, dass bei Flattr in der Übersicht der meistgeflatterten Beiträge immer wieder auch alte Dinge auftauchen, die wir aussortieren müssen. Das war früher schon der Fall. Algorithmen werfen doch immer wieder Dinge aus, von denen man nicht so recht weiß, woher sie stammen.

Nun aber zunächst ein Blick auf die Zahlen.
(Stand: Montag 31.01.2012, 16:40 Uhr. Quelle: Flattr, meistgeflattrete Beiträge des letzten Monat, berücksichtigt nur Beiträge aus Januar 2012)

Flattr Charts Januar 2012
(Platz. Autor, Seite: Titel / Flattr-Klicks)

1.Tim Pritlove und Holger Klein, not-safe-for-work.de: NSFW042 Gibt’s das auch in Fellatio? / 164
2. Holger Klein, wrint.de: WR037 Ortsgespräch Christopher Lauer / 143
3. Tim Pritlove, cre.fm: CRE191 Internet im Festnetz / 125
4. M. Haase, maha-online.de: Rubikon / 119
5. Udo Vetter, lawblog.de: BILD soll nicht an mir verdienen / 109
6. Tim Pritlove und Holger Klein, not-safe-for-work.de: NSFW043 Das Röcheln der Mona Lisa / 94
7. Tim Pritlove, cre.fm: CRE190 Rhetorik / 90
8. Tim Pritlove, mobilemacs.de: MM079 Folgen heißt Maul halten / 75
9. Holger Klein, wrint.de: WR038 Die ölfte Wrintheit / 74
10. Ulrich Schulte, taz.de: Der Feldzug der “Bild” passt ins Bild der eitlen Medien: Diekmanns Anmaßung / 72
11. Andre Meister, netzpolitik.org: Massenhafte Funkzellenabfrage jetzt auch in Berlin [...] / 70
12. Tim Pritlove, cre.fm: CRE189 Chaos macht Schule / 68
13. M. Haase, maha-online.de: Das Wulff-Interview / 66
14. Holger Klein, wrint.de: Ferngespräche XV / 58
15. Holger Klein, wrint.de: WR039 Ferngespräche XVI / 56
16. Alexa und Alexander, hoaxilla.com: Hoëcker, Sie sind … im Interview / 53
17. Niels Kobschätzki, niels.kobschaetzki.de: iPhone Geklaut / 49
18. Stefan Niggemeier, stefan-niggemeier.de: Wie die Privatsender einmal fast ihrer Informationspflicht [...] / 48
19. Alsterfilm, fernsehkritik.tv: Fernsehkritik-TV Folge 84 vom 10. Januar 2012 / 45
20. Holger Klein, wrint.de: WR 40 Antarktis / 40
21. Stefan Niggemeier, stefan-niggemeier.de: Vom Glück, „Bild“ zu sein / 39
22. Johnny Haeusler, spreeblick.com: Content-Mafia / 38
23. Marina Weisband, marinaslied.de Der Tag, an dem nichts wirklich passiert ist / 37
24. Nicolas Semak, Phil Schmidt und Gero Langisch, mikrodilettanten.de: Mikrodilettanten 033 (NeuHindi) / 37
25. Heide Oestreich, taz.de: Transsexualität im Kindesalter: Wer wollte das rosa Einhorn? /  36

Es wirkt immer mehr so, als würde sich Flattr (zumindest in Deutschland) derzeit fast nur für Podcasts lohnen. Aus den Top 25 im Januar sind 14 Beiträge Podcasts. Einzelne Text-Beiträge werden kaum (noch) geflattrt. Wenn dann sind es häufig auch Beiträge, die tatsächlich großes Aufsehen erregen und in der Regel stark meinungsbetont sind, etwa Marina Weisbands “Meine Rolle in den Medien” im Dezember oder “Warum ich heute gegen Joseph Ratzinger demonstriert habe” von Enno Park im September.

Im Dezember findet man neben den Podcastern mal wieder die taz und auch netzpolitik.org sowie lawblog. Diesmal nicht dabei sind Richard Gutjahr und der Postillon, dessen bereits viel geflattrter “Gastbeitrag” vielleicht nur zu spät kam.

Eines noch: Die Charts berücksichtigen bekannter Maßen nur die neuen Beiträge. Pro Monat am meisten geflattrt sind aber regelmäßig die allgemeinen Buttons vieler Seiten. Im Oktober hatten wir diese einmal gesondert aufgeführt und sind zum Teil auf hohe Zahlen gekommen. Allerdings fällt auf: Auch hier waren die Podcasts ganz weit vorne.

Was meint ihr, warum werden Textbeiträge weniger honoriert? Weil der Aufwand hinter einem Podcast als größer angesehen wird? Oder ist es die stärkere Bindung zu den Rezipienten, die die Bereitschaft zur Unterstützung erhöht? Oder ist etwas ganz anderes der Grund?

Crosspost. Die Flattr-Charts erschienen zunächst auf YOUdaz.com

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3 Kommentare

  1. For your information » Flattr |  01.02.2012 | 12:36 | permalink  

    [...] scheint sich flattr für Blogs immer weniger zu lohnen. Und auf die Frage warum das so ist, habe ich ja bereits Mutmaßungen [...]

  2. Apple verbannt Flattr | Basic Thinking |  29.05.2012 | 13:54 | permalink  

    [...] Ich bin kein besonders großer Flattr-Freund mehr. Für uns und viele andere Blogs stellt das Minispenden-Tool keine sinnvolle Zusatzeinnahmequelle dar: Was da im Monat reinkommt, sind eine Handvoll Euros, mehr nicht. Wir haben uns deswegen dazu entschlossen, Flattr langfristig von unserer Seite zu nehmen. Im vergangenen Sommer habe ich deswegen etwas provokant erklärt, Flattr sei tot – viele haben dagegen protestiert. Andreas Grieß allerdings, der meiner These damals in einem eigenen Artikel vehement widersprach, hat inzwischen seine monatlichen Flattr-Charts eingestellt und schrieb mir vor ein paar Wochen in einer E-Mail, dass er ein nachlassendes Interesse daran feststelle. In seinen Charts für den Januar fragte er noch rhetorisch, ob sich Flattr am Ende nur für Podcaster lohne. [...]

  3. Ausgeflattrt « Delengkal Weblog |  10.06.2012 | 07:49 | permalink  

    [...] erlaubt, auch Leute jenseits der Blogosphäre anzuziehen. Anscheinend gibt es im Flattr-Universum kaum Beiträge, die mehr als 100 Klicks erhalten. Die reinen Leser beteiligen sich offenkundig nur zu einem [...]

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