ZDF-Mitarbeiter fordern: „Freiheit für das Zweite!“

Wie unlängst beim Österreichischen Rundfunk (ORF) scheint sich nun auch im ZDF eine sender-interne Protestbewegung zu formieren. Noch anonym, noch sehr klein, aber immerhin. Carta dokumentiert den Aufruf der Empörten.

Das ZDF hat Sorgen. Es fühlt sich ein wenig wie das Aschenputtel unter den Öffentlich-Rechtlichen. Es wird von den Bürgern zu wenig beachtet und von den Medienjournalisten gern herumgeschubst. Nun soll es auch noch „massive Einschnitte im Personalbereich“ geben.

Zum Jahreswechsel versuchte deshalb der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, sein Team in einem fast verzweifelt klingenden Aufmunterungsbrief aus der drohenden Depression zu holen. Mit ausgiebigem Schulterklopfen für die tollen Leistungen der Kollegen und einem wohlgefälligen Blick auf das neue „revolutionäre Nachrichtenstudio“ hoffte er, den „zermürbenden Defätismus“, der sich im Sender breitgemacht habe, eindämmen zu können. Auch ein passendes Kafka-Zitat wird bemüht. Ob diese Seelenmassage hilft?

Schon meldet sich eine senderinterne Opposition zu Wort, die dem „Landratsamt vom Lerchenberg“ neues Leben einhauchen will. Zwar können die jungen ZDF-Mitarbeiter (aus Rücksicht auf ihre Verträge) dem mutigen Beispiel der offen auftretenden ORF-Kollegen (noch) nicht folgen, doch sammeln sie schon mal ihre Truppen. Über einen anonymisierten Mail-Account ging der Kassiber „Freiheit für das Zweite“ an potentielle Mitstreiter. Der erste Rücklauf, so ein Sprecher der Gruppe gegenüber Carta, sei ermutigend.

Hier der Wortlaut des Briefs:

 

Liebe Kollegen,

Schade, das ein solcher Protest beim ZDF nicht möglich ist. Wie sagte doch Nikolaus Brender im SPIEGEL: “Parteipolitische Methodik droht gerade den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu okkupieren” und “(es gibt ein) Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen”.

Die Verhältnisse, die beim ORF den Protest auslösten, lassen sich “eins zu eins” auf das ZDF übertragen. Auch hier gibt es politische Einflussnahme und eine übergroße Nähe mancher Journalisten zur Politik (allein zwei ZDFler wurden als Kandidaten für Sprecher-Posten in der Bundesregierung genannt – einer ist es ja dann geworden).

Auch der Wechsel eines ehemaligen Staatskanzlei-Chefs auf einen Direktorenposten sowie die Spekulationen um einen erneuten Wechsel eines noch amtierenden Staatskanzlei-Chefs auf eine Verwaltungs-Position bleiben unkommentiert. Dies alles hat, wenn überhaupt, nur leisen Protest ausgelöst.

Wir paar jungen Nachwuchs-ZDFler müssen leider anonym bleiben, um unsere (meist befristeten/wackligen) Verträge nicht zu gefährden. WIR möchten auch noch in ein paar Jahren in einem (nahezu) unabhängigen ZDF arbeiten. Wobei WIR niemals mehr so hohe Pensionsansprüche werden verjubeln können, wie es den Hierarchen, die ein Filz-System im Haus aufgebaut haben, möglich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Das “Freiheit-für-das-Zweite”-Team