Heftiger Tarifstreit um Journalistengehälter

SZ-Redakteur Detlef Esslinger greift auf der Medienseite der SZ die eigenen Verleger scharf an.

Am Dienstag und Mittwoch haben die Redaktionsmitglieder vieler Zeitungen gestreikt. Seit Monaten gibt es keinen Fortschritt bei den Tarifverhandlungen. Dabei würden die Arbeitgeber in dieser Tarifrunde versuchen, Lohnsenkungen durchzusetzen, wie SZ-Redakteur Detlef Esslinger heute auf der Medienseite seiner Süddeutschen Zeitung schreibt:

Ihr Ziel ist diesmal nicht, eine Lohnerhöhung so gering wie möglich zu halten. Ihr Ziel ist, eine Lohnsenkung durchzusetzen. Statt 13,75 Monatsgehältern wollen sie nur noch 13 bezahlen. Ferner möchten sie die Arbeitszeit von 36,5 auf 40 Stunden in der Woche erhöhen, dies aber finanziell nicht kompensieren – im Gegenteil: drei Jahre lang soll der Tarifvertrag gelten, aber nur im dritten Jahr soll es eine „maßvolle“ Erhöhung geben. Für die ersten beiden Jahre bieten die Verleger jeweils eine Einmalzahlung an.

Mit solch einer Position ist schon lange kein Arbeitgeberverband mehr angetreten, nicht einmal Gesamtmetall während der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Besonders umstritten sei, so Esslinger, dass die Verleger die Gehälter des journalistischen Nachwuchs kürzen wollten – von 2.987 Euro auf 2.650 Euro Brutto-Gehalt im ersten Jahr und von 4.000 Euro auf 3.100 Euro im siebten Berufsjahr.

Aus Esslingers Sicht müssten die Verleger auch schärfer gegen ARD & ZDF vorgehen:

Müssten sie [die Verleger] nicht zugleich ARD und ZDF noch viel stärker attackieren, jene öffentlich-rechtlichen Anstalten, die von vielen Redaktionen jahrelang publizistisch verteidigt wurden, die nun aber mit tagesschau.de und heute.de ein Angebot bereithalten, das jedem alles bietet und dafür nichts verlangt?

SZ-Journalisten, die ein härteres Vorgehen von Verlegern gegen die öffentlich-rechtlichen Anstalten verlangen? — Das wäre auch ein Novum, das es nicht einmal in der Wirtschaftskrise gegeben hat.

/th