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Redaktion Carta

Warum Twitter ein sicherer Ort ist

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Twitter ist “ein Raum, welcher kaum geeignet ist, Bezeichnetes auszuschliessen, aber vielmehr Ausgeschlossenes zu integrieren vermag.” Deshalb sei Twitter ein sicherer, beruhigender Ort. Eine kulturtheoretische Annäherung vom rebell.tv-Team.

31.03.2011 | 

Tina Piazzi und Stefan M. Seydel (http://rebell.tv und http://dfdu.org) haben eigene Feldforschungen zu Suchbewegungen im Umfeld des Internets  betrieben und dazu auch ein mehrbändiges Buchwerk veröffentlichen – “Formen der Unruhe”.

Auf medienheft.ch fassen sie einige ihrer Thesen in einem sehr dicht gewebten kulturtheoretischen Text zu sammen.

Hier einige Auszüge aus dem Text:

1. Die Problemanalyse

Es ist leicht zu beobachten, wie in der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen einer computervermittelten Kommunikation die Problemlösungsversuche selbst zum Problem werden:

(1) Wer meint, Informationsüberfluss durch härtere, präzisere, konsistentere Analyse in beruhigende Übersicht zu verwandeln, irrt. (Gründlich. Grundsätzlich. Prinzipiell.)

(2) Wer meint, Informationen seien kontrollierbar, disziplinierbar, normierbar, der muss sich sagen lassen, dass jeder Totalitarismus genau diese Ziele verfolgt hat. (Autsch!)

(3) Wer meint, weiterhin Informationen beschränken, bündeln, sortieren, kanalisieren zu können, darf den Einsatz von gewaltiger Macht nicht scheuen. (Just do it. Yes we can.)

(4) Wer meint, eine Information müsse bloss «kurz, knackig, knackiger» vermittelt werden, es gewinne einfach jener, welcher länger, lauter, penetranter penetriere, hat vermutlich Recht. (Und jetzt? Wir haben verstanden.)

2. Twitter: Was ein Jemand da für einen macht – und warum es beruhigend ist

Um praktischer zu werden: Ein Jemand wählt das «Richtige» für jemand anders aus (1) und entfernt in der Aufarbeitung (2) alles Störende, Überflüssige, Unnötige und Ablenkende, fixiert diesen «Content» in gekonnt strategisch gestalteten, konservierenden Kanälen (3) und übermittelt diese ruckelfrei zur unterhaltenden Konsumation (4).
Um deutlicher zu werden: Die im ersten Moment durchaus als entlastend empfundene Dienstleistung wirkt tatsächlich höchst beunruhigend. Denn selbstverständlich ist jede Information stets von einer blitzartigen Unterlaufung durch eine ganz andere Information bedroht. Wir leiden ja nicht bloss unter einem Informationsüberfluss. Das Problem ist wesentlich dramatischer: Alles was gewusst werden kann, wird tatsächlich gleichzeitig auch ganz anders gewusst.

3. Warum Twitter-Kommunikation Sicherheit ausstrahlt

Wir behaupten, dass ein guter Twitter-Tweet zum Beispiel so aussehen könnte:

«@hidogawa @socialbits #social #bits trunc.it/9gx3a RT @hrheingold: RT @jyri: «ideas» as social objects: bit.ly/bA2Azy».

Dabei fällt zunächst auf, dass eine solch kryptische Zeichenkette auf Papier gedruckt selbst für gewandte Twitterer weitgehend sinnlos ist. Weiter kann beobachtet werden, dass offenbar der Gehalt dieser Mitteilung über Entschlüsselung der Beziehungen von Personen, Worten und Verbindungen erschlossen werden muss.
Nicht Inhalte bilden den Anlass der Kommunikation, sondern Relationen. Nicht einmal ein Ansatz zu einem Versuch einer eindeutigen Information ist ersichtlich. Vielmehr öffnen sich Bezüge und Hinweise in unterschiedlichste Richtungen. Ein inhaltliches Verstehen einer solchen Mitteilung ist so gänzlich unmöglich gemacht, dass sogar das Missverständnis ausgeschlossen werden kann. Oder einfacher: Das Missverständnis wird zum Normalfall der Kommunikation gemacht.
Listen sind offene Ordnungen. Für alles, was plötzlich noch auftauchen könnte, hat es genügend Platz. Allenfalls beginnen wir eine nächste Liste. Und so kann schliesslich dieser «Ort» – die Kommunikation innerhalb von Twitter – gerade darum als «sicher» empfunden werden: Es ist ein Raum, welcher kaum geeignet ist, Bezeichnetes auszuschliessen, aber vielmehr Ausgeschlossenes zu integrieren vermag.

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2 Kommentare

  1. #dfdu /sms ;-) |  04.04.2011 | 11:46 | permalink  

    twittr ist aber (aus unserer sicht) nicht ein sicherer ort, weil die reihe (1), (2), (3), (4) abgearbeitet wird. GANZ IM GEGENTEIL. die dichten details hier:
    http://www.medienheft.ch/de/nc/14/date/0000/00/00/warum-twitter-ein-sicherer-ort-ist/article/6.html

  2. Michael |  07.04.2011 | 13:45 | permalink  

    Was für ein gekünstelter Text zu so einem trivialem Thema. Ich verwende das Internet seit seinen ersten Tagen aber offenbar bin ich immer noch zu altmodisch um den tieferen Sinn eines Nachrichtenkanals wie Twitter zu verstehen. Vorallem deshalb weil es noch ca 500 andere Kanäle geben würde und viele Journalisten ja heute Twitter für mich vorkauen und dann präsentieren.

    Für mich ist ein Kanal indem ich erst mühsam das Gezwischere ausfiltern muss kein Informationgewinn, meine These – in 5 Jahren interessiert sich kein Mensch mehr für diesen Dienst.

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