Verena Wiedemann: Die ARD mobbt ihre Generalsekretärin

Die ARD hat ihre Generalsekretärin Verena Wiedemann in eine psychische Krise gestürzt - ein Beleg für die mangelnde Diskussions- und Innovationsfähigkeit der Anstalten.

Vor fünf Jahren machte die ARD die Juristin Dr. Verena Wiedemann zu ihrer ersten Generalsekretärin. Sie sollte den Senderverbund auf der politischen Bühne Berlins vertreten und ihn strategisch ausrichten. Dass dies eine schwierige Aufgabe sei, wenn man als Generalin über kaum Soldaten und kaum Hausmacht in der ARD verfüge, raunte schon damals das Handelsblatt.

ARD-Lobbyistin Wiedemann: „Ausgrenzung, Diskriminierung und Missachtung“

Heute nun hat Wiedemann ihren Job und das Mobbing innerhalb der ARD derart satt, dass sie gegen ihren Arbeitgeber, den sie selbst in leuchtenden Farben darstellen sollte, klagt: Sie sei von den Intendanten derart ausgegrenzt, diskriminiert und missachtet worden, dass sie psychisch krank geworden sei, erklärte sie einem Berliner Arbeitsgericht.

Das Verhältnis von ARD und Wiedemann ist offenbar völlig zerrüttet. Dabei ist Verena Wiedemann an der ARD gescheitert und die ARD an Verena Wiedemann. Neben der verstörenden und schlimmen menschlichen Komponente hat die Personalie Wiedemann auch eine medienpolitische Seite.

Verena Wiedemann gilt nicht ohne Grund als „Stalinistin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Sie ist eine Fundamentalistin des Systems. Sie kennt nur den Modus „Totalverteidigung“ für ihre Sendeanstalten. Sie zitiert gern das Verfassungsgericht und ist der Ansicht, dass das ARD-Wohl und das Allgemeinwohl identisch seien.

Wiedemann wollte mit ihren Positionen viel in der ARD bewegen – und letztlich ist auch sie von den verkrusteten und vermachteten Strukturen der Anstalten gestoppt worden. Wiedemann dachte selbst hermetisch – und wurde von den noch hermetischeren Strukturen der ARD lahm gelegt. Am Ende zerschellten ihre Ansätze an jener fehlenden Kultur des offenen Dialogs in der ARD, für die auch sie selbst ein wenig stand.

Fünf Jahre lang residierte Wiedemann in den opulenten und von den Gebührenzahlern teuer bezahlten Büros der Bundespressekonferenz. In dieser Zeit organisierte sie keine einzige Veranstaltung zu ihrem Metier, der Zukunft der ARD. Entsprechende Debatten waren offenbar nicht gewünscht – oder von Wiedemann nicht durchsetzbar.

Das Zerwürfnis mit Wiedemann bedeutet ein bedenkliches Testat für die ARD. Möglicherweise passte ihre neu geschaffene Position einfach nur nicht in die Arithmetik der ARD. Viel spricht aber auch für die Analyse, dass die Anstalten zu vitalen Diskussion über ihre Zukunft – die Abseits der Machtmeridiane der Intendantinnen und Intendanten – kaum in der Lage sind.

Weder orthodoxe Typen wie Wiedemann noch progressive Kräfte scheinen eine echte Chance in dem Anstalts-Umfeld zu haben, obwohl genau hier Pluralität und Offenheit gefragt wären. Das Zerwürfnis mit Verena Wiedemann wirft so ein fragwürdiges Licht auf  die Diskussions- und Innovationsfähigkeit der ARD.

Besonders interessant wird zu beobachten sein, wie die ARD selbst über die Personalie berichten wird – zu ihrem Programm- und Informationsauftrag gehört dies zweifellos.

Ergänzung: Hier noch zwei Auftritte von Wiedemann in Netz dokumentiert:

1. Interview auf Netzpolitik.org

2. Bei der Republica 2008

P.S. Sollte dieser Text zu persönlich geraten sein, so bitte ich dies zu entschuldigen. Ich schätze und achte Verena Wiedemann und bedauere die schwerige Situation sehr.