Fukushima-Titel: Der Spiegel tauschte schnell noch das Cover

"Das Ende des Atomzeitalters" - diese These hob der Spiegel kurzerhand am Samstagvormittag aufs Cover, als ein Teil der 11/2011-Auflage schon gedruckt war.

Der Spiegel erscheint am Montag mit einem sehr gradlinien und klaren Titel:

Fukushima, 12, März 2011, 15.36 Uhr: Ende des Atomzeitalters

ist dort zu lesen. Darunter das Bild der Explosion im ersten Blocks des Atomkraftwerks. Das Cover ist doppelt spekulativ: Denn weder war zur Drucklegung klar, was für eine Explosion sich dort erreignet hat, noch waren ihre langfristigen Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Diskurs seriös zu prognostizieren.

Das Cover kann dennoch – und gerade deshalb – als äußerst gelungenes Stück Meinungs- und Magazinjournalismus gelten: Es verbindet die zentrale ikonische Repräsentation der Katastrophe mit einer der dichtmöglichsten Interpretationen.

Der 12. März war ein Samstag und 15.36h Ortszeit in Fukushima entspricht 7.36h in Hamburg – einer Zeit, zu der der Spiegel normalerweise längst gedruckt wird. Und so war es dann auch wohl. Chefredakteur Georg Mascolo legte am Samstagvormittag sein Heft aber noch einmal komplett neu auf – mit anderem Titel, anderer Hausmitteilung und anderen Texten.

Auf Seite 122 steht nun

Fukushima ist überall: Nach dem Jahrhundertbeben steuerten japanische Atomreaktoren auf die Kernschmelze zu – ein GAU wie vor einem Vierteljahrhundert in Tschernobyl. Die Havarie kann das Schicksal der Nuklearindustrie besiegeln.

In der ursprünglichen Ausgabe, die Freitagabend fertig war, stand dort

Im Schlamm versunken: Das stärkste Erdbeben seiner Geschichte suchte das Inselreich Japan heim, viele Einwohner hatten keine Chance mehr, sich vor dem rasch folgenden Tsunami in Sicherheit zu bringen. Auf der Hauptinsel Honshu drohte einem angeschlagenen Kernkraftwert die Havarie.

Auch der Titel wurde komplett neugestaltet:

Spiegel 11/2011: Ursprünglicher Titel und aktualisierte Version

Das alles lässt sich nachvollziehen, weil heute am Sonntag noch die Freitagabend- und nicht die Samstagmittag-Version des Spiegel in Berlin zu kaufen gibt (Hier das ursprüngliche Cover, hier die neue Version).