Ich glaub’, es hackt: Die taz nimmt’s von jedem!

Die taz macht den Kotau vor BILD und druckt eine Anzeige, die man nur drucken kann, wenn man keinen Ausweg mehr weiß.

Die BILD-Zeitung, das wissen wir, ist mindestens so dreist wie der von ihr verteidigte Verteidigungsminister. BILD schaltet und waltet Anzeigen nach Belieben (besonders gern nach dem Motto jenes Unternehmers Heinrich Haffenloher, der Baby Schimmerlos in der Medien- und Gesellschaftssatire „Kir Royal“ kaufen wollte: „Ich scheiß dich zu mit meinem Geld!“).

In der taz schaltete BILD jetzt eine ganzseitige Anzeige mit einem Text von Judith Holofernes, in der die Sängerin (Wir sind Helden) über die „perfide“ BILD-Werbekampagne „BILD dir deine Meinung“ herzieht. Eine arrogantere Verhöhnung sowohl der taz als auch der Sängerin durch eine aus der Springer-Portokasse bezahlte Anzeige kann man sich nicht vorstellen.

Und was macht die taz? Sie düpiert Holofernes („Interessant übrigens, dass sich die taz dafür zur Verfügung stellt“) und erklärt treuherzig, warum man die ganzseitige Anzeige von BILD genommen hat:

„Weil die BILD-Zeitung uns dafür bezahlt. Laut unserer Anzeigenpreisliste kostet eine ganzseitige, vierfarbige Anzeige unter der Woche 12.555 Euro. Das sind schon ein paar Monatsgehälter für einen taz-Mitarbeiter. Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von Ölkonzernen wie BP. Wir würden sogar gerne noch mehr bezahlte Anzeigen von BILD, Vattenfall und BP drucken, aber leider wollen die nicht häufiger bei uns Anzeigen schalten. Unabhängiger Journalismus muss schließlich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr können wir davon machen.“

Vattenfall und BP schalten ihre Anzeigen allerdings nicht in erster Linie, um die taz damit vorzuführen und zu demütigen. Dieses Geld hätte die taz schon aus Selbstschutz und Selbstachtung niemals nehmen dürfen.

Vor kurzem lehnte der kleine Berufsverband der freien Journalisten Freischreiber* (der auch nicht gerade im Geld schwimmt) eine Spende ab, die aus der Vernichtung und Verhökerung des Blogs Nerdcore kommen sollte. Der Verband erklärte dem bereitwilligen Spender damals: „Natürlich nehmen wir Geld. Aber doch nicht von jedem“.

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*Ich bin Vorstandsmitglied dieses Verbands