Wolfgang Michal

Guttenberg soll bleiben!

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Titelerschleichung, Täuschung, Betrug, Amtsmissbrauch – das sind schwere Vorwürfe. Trotzdem wollen drei Viertel der Deutschen den Minister weiter im Amt sehen. Warum?

21.02.2011 | 

Die Umfrage der ARD stammt vom vergangenen Samstag. Da war das ganze Ausmaß des Plagiats im Netz schon bekannt, aber das Fernsehen kann so komplizierte Dinge einfach nicht gut darstellen. Auch die missbräuchliche Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes für private Zwecke war am Samstag noch nicht in aller Munde. Trotzdem wird man davon ausgehen müssen, dass das Volk seinen Führer Hoffnungsträger bis zum möglichen Untergang stützen wird.

Weil dieser Guttenberg eben „anders“ ist. Weil die Menschen ‚instinktiv’ ‚spüren’, dass hier eine Kampagne läuft, eine Intrige (70 Prozent glauben das!). Weil sie den Neid derer ‚fühlen’, die den schnellen Aufstieg des Freiherrn nicht akzeptieren können. Weil sie Guttenberg nicht wegen seines Aussehens unterstützen – was die Volksverächter ja gerne kolportieren -, sondern aus ganz prinzipiellen Gründen, die gar nichts mit Guttenberg zu tun haben.

Auch Horst Seehofer hätte der deutsche Anti-Politik-Star werden können (und er wäre es nach seiner Herzbeutelentzündung liebend gern geworden), aber nun ist es eben Guttenberg. Ihm vertrauen die Bürger nicht nur, weil er finanziell unabhängig ist, weil er der eigenen Partei nicht dankbar sein muss wie die anderen Emporkömmlinge, weil er die Kennedy-Rolle in den gelben Blättern so gut ausfüllt, nein, ihm vertrauen so viele Bürger, weil er tolle Fehler macht. 61 Prozent der Befragten sagen: „Er hat Fehler gemacht, die einfach vorkommen, wenn man vielbeschäftigt ist“.

Nun haben Politiker durch die Vorbilder im Showgeschäft gelernt, dass es ungemein nützlich ist, wenn man strauchelt. Eine zugegebene Affäre, ein Seitensprung, ein uneheliches Kind, eine Scheidung, eine Sucht, eine überwundene Depression, eine schwere Krankheit – das bringt kostenlose PR und Volksnähe. Doch bei Guttenberg ist das anders. Er macht andere Fehler. Seine Fehler sind system-relevant. Jeder „proaktiv“ zugegebene Fehler ist bei ihm zugleich ein Aufstand gegen „das System“.

Der Aachener Karnevalsverein, der zu Guttenberg am Samstag den Orden wider den tierischen Ernst verlieh, begründete die Wahl seines neuen „Ordensritters“ damit, dass zu Guttenberg „Mut zum Widerspruch und zum akrobatischen Querdenken“ (!) habe. Er könne die Bürger zu Begeisterungsstürmen bringen und sei auch „bereit, Fehler einzugestehen“.

Das hören die Jecken gern. Denn in einer überregulierten Gesellschaft ist es die höchste Kunst eines öffentlichen Entertainers, Fehler zu machen und einzugestehen. Er protestiert damit stellvertretend für alle Genervten gegen das bürokratische System (so wie z.B. Helmut Schmidt öffentlich qualmt). Dieses deutsche System, das sich aus vielen kleinen, in der Summe unerträglichen Überregulierungen zusammensetzt – Führerscheinprüfung, Steuererklärung, Rentenversicherungsbürokratie, Hartz-IV-Antrag, Krankenkassenschriftwechsel, Hypothekenkredit, Gewerbeanmeldung, Ausweisbeantragung, Firmengründung, Hausordnung, Promotionsordnung, Bußgeldkatalog, Stromanbieterwechsel, Briefwahlunterlagen, Online-Banking, Hotline-Warteschleifen, Allgemeine Geschäftsbedingungen, Betriebsanleitungen, Flughafenkontrollen, Fahrkartenautomaten, Passwörter, Anmeldebögen, Abmeldebögen, Bewerbungsbögen etc.pp. – dieser ganze Lebenszeit raubende Wahnsinn ist wie geschaffen für den Aufstieg von Menschen, die endlich mal mit der Faust dazwischen hauen. Die sich nicht um Regeln scheren, die alte Ordnungen über den Haufen werfen, Tacheles reden, den gordischen Knoten zerschlagen.

Die Menschen möchten offenbar nicht, dass Guttenberg jetzt gebremst wird. Sie finden sein Plagiat zwar nicht in Ordnung (das sagen 50 Prozent der Befragten), aber der Mann möge doch bitte noch möglichst viel Porzellan zerschlagen, weil uns der politisch-bürokratische Alltagskram sonst erstickt.

Diese Botschaft macht den Freiherrn (vorerst noch) unantastbar. Es ist das blinde Vertrauen der Menschen in ihn, das zu denken geben sollte.

Und seien wir ehrlich: Würden sich morgen Thilo Sarrazin, Freiherr zu Guttenberg, Erika Steinbach und andere zusammentun, um eine NEUE VOLKSPARTEI zu gründen – wäre uns damit mehr gedient?

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82 Kommentare

  1. step21 |  21.02.2011 | 00:36 | permalink  

    Ganz einfach, v.a. alle die keine akademische Ausbildung haben haben doch keine Ahnung von der ganzen Materie, da wird da bestimmt als nicht so wichtig gesehen.
    Bzgl. Intrige und so glaube ich einfach das es Blendung ist, so nach dem Motto man hatte gerade jemand den man vielleicht gut finden konnte, und jetzt tut es natürlich weh wenn das kaputt gemacht wird bzw. man wehrt sich dagegen. Der ein oder andere hätte vielleicht auch lieber was vorgemacht bekommen, wer weiß.

  2. Wolfgang Schmidhuber |  21.02.2011 | 00:43 | permalink  

    “in einer überregulierten Gesellschaft ist es die höchste Kunst eines öffentlichen Entertainers, Fehler zu machen und einzugestehen. Er protestiert damit stellvertretend für alle Genervten gegen das bürokratische System.”

    Das hat man auch schon über Berlusconi gehört. Natürlich ist Guttenberg nicht Berlusconi. Aber wenn ein Politiker zum Symbol der Staatsverdrossenheit wird, ist Wachsemkeit angesagt.

  3. f.luebberding |  21.02.2011 | 00:46 | permalink  

    “Jeder „proaktiv“ zugegebene Fehler ist bei ihm zugleich ein Aufstand gegen „das System“.”

    Guter Text, weil er den deutschen Berlusconi skizziert. Aber das traut er sich nicht.

  4. Christian Benduhn |  21.02.2011 | 01:09 | permalink  

    Ich bin dagegen, dass akademische oder Adelstitel als Bestandteil des Namens geführt werden.
    Ich bin dafür, dass Herr Guttenberg Politiker bleibt.

  5. Jakob |  21.02.2011 | 01:16 | permalink  

    Einerseits verstehe ich es ja, dass es den einfachen Landser in Afghanistan nicht kuemmert, wenn sein OBFriZ (Oberbefehlshaber in Friedenszeiten) solche Probleme hat. Man nimmt ihm ab, dass er sich um die Leutchen dort unten sorgt. Zumindest nehmen sie es ihm ab.

    Und dann bin ich selbst Dissertant und mich macht eine solche Umfrage unglaublich wuetend. Dann kann ich auch einfach einen Kredit aufnehmen und einen Ghostwriter engagieren — oder den Titel gleich komplett durch Faelschung einer Promotionsurkunde ergaunern. Es scheint die Welt da draussen nicht zu interessieren. Aber Moment.

    Besinne man sich kurz zurueck, was ein Doktortitel eigentlich sagt.
    Klar, dem “einfachen Mann auf der Strasse” sind es zwei Buchstaben und ein Punkt, die ihm Respekt (fuer was, weiss er eigentlich selbst nicht so genau) abverlangen. Aber fuer den, der in den Wissenschaftsbetrieb will ist es ein Eignungsnachweis und ja — vielleicht sogar eine sinnvolle, eine wichtige Arbeit gewesen, fuer die er diese zwei Buchstaben und den Punkt bekam. Das aber ist fuer die Meinung auf der Strasse irrelevant.

    Soll “Gutti” ruhig erstmal im Amt bleiben.

    Aber wenn er sich wie andere abgehalfterte Politiker auf einen Lehrstuhl zuruecklehnen will, hoffe ich, dass er als “nicht zur eingehenden wissenschaftlichen Arbeit faehig” von den Universitaeten vom Hofe gejagt wird.

    Sicher, eine illusionaere Vorstellung.

    Aber wenn ich mir diese Vorstellung verbiete, dann weiss ich nicht, warum ich selbst seit Jahren auf diese Buchstaben und den Punkt hinarbeite.

    Ach ja, fuer mich. Ich kann in den Spiegel schauen und weiss, dass ich mich nicht
    mit fremden Federn schmuecken werde, wann immer ich den Titel ausschreibe.
    Auf mehr kommt es doch am Ende nicht an.

  6. Tharben |  21.02.2011 | 02:19 | permalink  

    Kennt ihr dieses Gefühl?

    Kann mich mal endlich jemand regieren, dem ich nicht intellektuell haushoch überlegen bin?

    Ach, es tut so weh.

  7. step21 |  21.02.2011 | 02:29 | permalink  

    @Tharben Ja… tut weh. Noch mehr weh tut das apologetische Getue der Mitstudenten deren Lieblingskanzerlkandidat gerade zerstört wird.

    Ach ja, Frau Merkel hat ihre Arbeit denke ich mal schon selbst geschrieben, die regiert sie doch auch. :)

  8. kadekmedien |  21.02.2011 | 06:48 | permalink  

    Was Sie hier vorschlagen, ist die Etablierung von zweierlei Maß. Das Ende der Demokratie und der Beginn einer Adelsrepublik. – Geht’s noch?

    Ob Doktorarbeit oder Führerschein, wenn es erschlichen wurde, gilt es als nicht erteilt. Ein Plagiat ist keine Doktorarbeit, folglich gibt es dafür keinen Titel.

    Das größere Problem in diesem Zusammenhang, hat die Uni Bayreuth, die sich fragen lassen muss, weshalb so etwas mit Bestnote durchgewunken wird, was ein Abschluss dieser Universität überhaupt noch für einen Wert hat.

    Man sollte verschiedene Dinge auch als solche erkennen und behandeln. Für eine Arbeit, die sich im Nachhinein als Plagiat herausstellt, muss dem Titelinhaber der Titel entzogen werden. – Für eine Lüge vor laufenden Kameras, muss ein Politiker die Konsequenzen ziehen.

    Auch wenn die Meinung der Befragten jetzt noch zum Absurden tendiert, bin ich sicher, die Medien werden in diesem Fall korrigierend wirken.

  9. Connie |  21.02.2011 | 08:13 | permalink  

    Interessant war gestern bei Frau Will, wie sehr sich Frau Hohlmeier-Strauss für Herrn von und zu G. eingesetzt hat (“Gut, er hat Fehler gemacht … aber..)

    Tja, Frau Strauß-Tochter hat auch Fehler gemacht, hat in ihrer Partei Wahlergebnisse gefälscht oder fälschen wollen, ist sie nicht auch in Affairen verstrickt?

    Keinerlei Einsichtsfähigkeit war da zu vernehmen. Aber eine ehemalige Ministerin für Bildung eines großen Bundeslandes, die Fälschung und Betrug im akademischen Milieu kleinreden wollte

    mir dreht sich bei dieser verlotterten Bande einfach der Magen um

  10. Farlion |  21.02.2011 | 08:31 | permalink  

    Alleine aus einer einzigen Umfrage auf “den Willen des Volkes” zu schließen ist Journalismus auf BILD-Niveau. Hätte der Autor dieses Artikels sich auf andere Umfragen gestützt, wie beispielsweise die der FTD, mit über 70% gegen zu Guttenberg, hätte das Fazit ganz anders ausfallen müssen.

    Es geht in der ganzen Affäre um zu Guttenberg allerdings gar nicht um die Person des Verteidigungsministers selbst, es geht um die Glaubwürdigkeit der Politiker im Allgemeinen.
    In der Vergangenheit haben Politiker oft gelogen und getäuscht und der Normalbürger hatte nicht die heutigen Möglichkeiten, selbst zu recherchieren, sie mussten schlucken, was die Medien ihnen vorsetzten und konnten ihren Unmut bestenfalls am Stammtisch Luft machen. Zu Guttenberg ist einer der ersten Politiker, der sich jetzt mit den neuen technischen Möglichkeiten der Bürger herumschlagen darf und bekommt gleich den vollen Umfang zu spüren.
    Das mag schlecht für Guttenberg sein, sollte aber für künftige Politikergenerationen eine Anregung dafür bieten, sich dreimal zu überlegen, ob Täuschen, Lügen und Betrügen sich für eine politische Karriere eignen.

    Politiker, egal welcher Coloeur, müssen es sich gefallen lassen, dass man ihnen jetzt intensiver auf die Finger guckt und sie müssen sich darüber klar werden, dass es nicht mehr nur die etablierten Medienhäuser sind, über die der Normalbürger sich ein Urteil bilden kann.

    Der Fall Guttenberg ist keine Hetzjagd der Opposition oder der “Erfolgsneider”, Guttenberg erlebt einfach als erster die Folgen, jahrelanger Täuschungen der Bürger durch die Politiker.
    Zukünftig wird ähnliches öfter geschehen, unabhängig von der Parteizugehörigkeit der Politiker. Die Frage, die sich letztlich stellt ist die über den Umgang der Politiker mit der neuen Situation. Sie können daraus lernen, Fehler vermeiden oder zugeben oder – und daraus wird es zumindest in der näheren Zukunft noch hinauslaufen – weiterhin mauern, an alten Verhaltensweisen festhalten und an Glaubwürdigkeit verlieren.

  11. dualbore |  21.02.2011 | 08:38 | permalink  

    @kadekmedien:
    “Auch wenn die Meinung der Befragten jetzt noch zum Absurden tendiert, bin ich sicher, die Medien werden in diesem Fall korrigierend wirken.”

    Woher nehmen sie diesen Optimismus? Wo sich die Bild positioniert hat, wissen wir ja bereits. Den anderen “Qualitätsmedien” traue ich nicht den Mut, die Unabhängigkeit und die publizistische Ausdauer zu, ernsthaft gegen Herrn Guttenberg anzuschreiben. Vom eigenen Glaubwürdigkeitsproblem, ihn lange hochgeschrieben zu haben, mal ganz abgesehen.

    Nein, das Ganze wird diskret versanden, Googleberg bleibt im Amt, ob mit oder ohne Dr., und spätestens nächste Woche wird doch eh wieder ein anderes Masttier durch das Dorf getrieben.

  12. Stephan |  21.02.2011 | 08:58 | permalink  

    Nur zur Erinnerung, Gysi hat seinen Hut genommen, weil er aus dem Miles-and-More-Programm ein Kofferset bestellt hat, das auf Kosten des Steuerzahlers erflogen wurde.

    Fälschung oder Erschleichung eines Titels und das als Minister – geht gar nicht; jeder Angestellte mit so einer Biographie würde fliegen.

  13. Aufmerksamkeit! |  21.02.2011 | 09:57 | permalink  

    Allein auf die eine Umfrage kann man sich sicher nicht verlassen, sie zeigt aber, dass die kurze Rede zu Guttenbergs (7Jahre/in mühevoller Kleinarbeit/junger Familienvater) ihre Wirkung bei einigen Befragten nicht verfehlt hat. Wie überhaupt die Überemotionalisierung in der deutschen Politik zunimmt.

    Wenn sich das bestätigen sollte, was “GuttenPlag” bisher zu Tage gefördert hat, dann gibt es für mich nur 2 richtige Konsequenzen:
    Der Titel muss aberkannt werden und zu Guttenberg muss zurücktreten.
    Zurücktreten, weil er gelogen hat, weil er den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages für Privatzwecke genutzt hat und weil niemand wirklich sagen kann, falls es Mitwisser gab (davon ist auszugehen), inwieweit sich Herr zu Guttenberg bei seinen Entscheidungen erpressbar gemacht hat.

    Sehr dubios ist außerdem die Stellung der Uni Bayreuth. Normalerweise, so ist es zumindest in den meisten Promotionsordnungen festgelegt, ist mit Abgabe der Dissertation eine “Eidesstattliche Versicherung” abzugeben,
    die, wenn gelogen wurde, strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.
    In Bayreuth reicht eine “ehrenwörliche Erklärung”, die diese Konsequenzen genau nicht hat. Wie kann es für so eine Arbeit summa cum laude geben, wo diese Beurteilung herausragensten Arbeiten vorbehalten sein sollte?
    Interessant auch Thomas Stadler:
    http://www.internet-law.de/2011/02/das-wissenschaftsplagiat.html

    Wenn die Uni Bayreuth, deren juristische Fakultät bisher einen guten Ruf hatte, diesen nicht aufs Spiel setzen will, muss sie hier “klare Kante” zeigen. In meinen Augen auch umgehend die Promotionsordnung ändern.

  14. DrNI |  21.02.2011 | 10:19 | permalink  

    Viele denken vielleicht auch: Naja, abschreiben ist ja nicht so schlimm, das hab ich in der Schule auch gemacht. Dass eine Dissertation keine Klassenarbeit ist, nunja… woher sollen das Menschen erfühlen können, die noch nie eine Hochschule von Innen gesehen haben? Jeder, der auch nur eine Bachelor-Arbeit ehrlich angefertigt hat muss sich allerdings über diesen Fall aufregen.

  15. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 10:30 | permalink  

    Über die Sachlage sind wir uns doch einig. Die Frage, die sich mir stellt, ist vielmehr: Warum halten so viele Menschen trotzdem an Guttenberg fest und “verzeihen” ihm alles. Berlusconi wurde drei Mal gewählt, trotz aller Affären und “Fehler”. Ich finde, darüber müssen wir nachdenken, weniger darüber, ob Guttenberg der Dr.-Titel aberkannt werden muss. Das ist doch eh klar!

  16. Aufmerksamkeit! |  21.02.2011 | 10:34 | permalink  

    Berlusconi gehören in Italien ca. 80% der Fernsehsender und Zeitungen. Das spricht doch für sich, oder? Und zu Guttenberg hat das Zentralorgan des “kleinen Mannes” auf seiner Seite (BILD). Noch Fragen?

  17. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 10:47 | permalink  

    @Aufmerksamkeit: Diese Erklärung ist zu einfach. Auch die Bild-Zeitung muss (jenseits aller Manipulation) an etwas andocken, was bei den Menschen einen Nerv trifft.

    Ich könnte mir vorstellen, dass mit Guttenbergs Fall die kritische Masse zur Gründung einer Partei rechts von der CDU/CSU erreicht ist.

  18. step21 |  21.02.2011 | 10:50 | permalink  

    @Wolfgang Kann schon sein, dann good riddance. Wenigstens weiß man dann wo man draufhaun muss und sich drüber lustig machen kann ^^

  19. f.luebberding |  21.02.2011 | 10:52 | permalink  

    Wolfgang Michal

    Das ist wie bei Sarrazin. Lassen wir ihm das durchgehen oder nicht? Die Bundeskanzlerin hat sich bisher in einer Beziehung als zuverlässig erwiesen: sie weiß wo die Grenzen sind. Und wenn Guttenberg die Grenzen in Richtung “legal, illegal, scheissegal” verschiebt – und nur damit könnte er sich legitimieren -, wird sie das nicht mitmachen, denke ich. Also meine Ratschläge gehen jedenfalls in diese Richtung … . Davon einmal abgesehen, hat Guttenberg dazu nicht den nötigen Schneid. Zum Glück, müsste man sagen. Es geht nicht darum, ob er jetzt in der Bevölkerung gefeiert wird oder nicht, sondern ob er auf der Bühne bleiben kann wo man ihn feiern kann. Das entscheidet nicht der Bild Leser. Für Sarrazin interessiert sich übrigens auch kein Mensch mehr.

  20. f.luebberding |  21.02.2011 | 10:55 | permalink  

    Michal

    “Ich könnte mir vorstellen, dass mit Guttenbergs Fall die kritische Masse zur Gründung einer Partei rechts von der CDU/CSU erreicht ist.”

    Wer Hefty in der FAZ gelesen hat, könnte den Eindruck haben, dass er das in seinem Gespräch mit der Kanzlerin angedeutet haben könnte.

  21. step21 |  21.02.2011 | 10:55 | permalink  

    Für alle die bezweifeln ob/wie man einen Doktortitel wieder aberkennen kann oder ob das gemacht wird/wurde: http://www.jurabilis.de/index.php?/archives/2937-Praezedenzfall.html#extended
    (ging sogar auch um Jura)

  22. noName |  21.02.2011 | 10:56 | permalink  

    @Wolfgang Michal, #15: Viele haben die Nase voll von glanzlosen Bieder-Politikern. (Bin für seinen Rücktritt.)

  23. Tarantoga |  21.02.2011 | 11:01 | permalink  

    @Wolfgang Michal: Die Springer-Propaganda wirkt halt. Es wird seine Zeit brauchen, bis das Volk wieder umerzogen wurde. Wer will sich schon der schmerzhaften Erkenntnis stellen, sich von Friedes Gang einen Betrüger aufschwatzen haben zu lassen? Der Mangel an kritischem Denken in dem Fall betraf ja weiß Gott nicht nur Don Alphonsos strukturelle Analphabeten bei der direkten Leserschaft von Bild.

  24. dualbore |  21.02.2011 | 11:09 | permalink  

    @f.luebberding (10:52)
    “Es geht nicht darum, ob er jetzt in der Bevölkerung gefeiert wird oder nicht, sondern ob er auf der Bühne bleiben kann wo man ihn feiern kann. Das entscheidet nicht der Bild Leser.”

    Ich wage zu behaupten, daß es im Moment primär der Bild-Leser entscheidet. Hätte die BAMS-Umfrage erbracht, daß 75% der Befragten für einen Rücktritt sind (und entsprechende Stichproben seitens der betroffenen Parteien ähnliches ergeben) hätte der Herr Minister das Wochenende nur noch als Herr Abgeordneter erlebt.

  25. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 11:42 | permalink  

    @dualbore: Es war keine BamS-Umfrage, sondern eine Umfrage der ARD.

  26. Gina |  21.02.2011 | 11:46 | permalink  

    Nachdem ich hier vor einigen Tagen den Kommentar gelesen habe, wonach das mit dem Plagiat doch gar nicht so schlimm sei, wundert mich gar nichts mehr…

  27. Tharben |  21.02.2011 | 11:59 | permalink  

    Wolfgang Michal (#15)

    Die Frage, die sich mir stellt, ist vielmehr: Warum halten so viele Menschen trotzdem an Guttenberg fest und “verzeihen” ihm alles.

    Ich stelle mir den dahinter stehenden Mechanismus so vor:

    Viele Menschen sind das übliche politische Geschacher und die üblichen grotesken, leeren und ausweichenden Politiker-Statements leid. Jedenfalls geht es mir so. Deshalb tritt folgender Kurzschluss ein: Da ist ein schneidiger, bodenständiger, ehrlicher, aufrichtiger Politiker, der sagt was er denk und macht was er sagt. Eine Art Erlösung für viele.

    Und jetzt tritt Folgendes ein; ich will das am Beispiel einer Hörerin deutlich machen, die gerade im Deutschlandfunk anruft: Sie beschwert sich darüber, dass man ihren Guttenberg schlecht macht. Sie findet diese Schmutzkampagne ekelhaft. Soll heißen: Auf zu Guttenberg hat das halbintelligente Volk in einem Maße seine Wünsche und Hoffnungen nach “ehrlicher Politik” projiziert, dass es seine Lichtgestalt, seinen Messias nicht durch Ungläubige angegriffen sehen will.

    Denn die Einsicht, dass Karl-Theodor zu Guttenberg einfach nur ein Blender und Hochstapler ist, also noch schlimmer als alle diejenigen, von denen er das halbintelligente Volk erlöst hat, ist so enorm schockierend und verletzend, dass viele Menschen die Wahrheit leugnen. Die Enttäuschung wäre zu unerträglich.

  28. dualbore |  21.02.2011 | 12:08 | permalink  

    @Wolfgang Michal:
    sorry, my bad!

  29. Feliks_Dzerzhinsky |  21.02.2011 | 13:11 | permalink  

    Genau, der Mann ist so bekannt, gerade auch im Ausland und trägt so sehr zum Verfassungsverständnis bei, dass wir fordern:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

  30. rauskucker |  21.02.2011 | 16:29 | permalink  

    (gelöscht)

  31. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 17:20 | permalink  

    @rauskucker: Kritik gerne, aber Beleidigungen werden gelöscht.

  32. Christian Benduhn |  21.02.2011 | 19:15 | permalink  

    In einen staatlichen Ausweis gehören Nachname und Vorname(n). Doktortitel, Adelsbezeichnungen und ähnliches haben da nichts zu suchen. Bei Bewerbungen kann jeder seine Zeugnisse, Diplome oder Doktortitel angeben, wenn er meint, den Arbeitgeber interessiere es. Falls sich jemand einen Vorteil davon verspricht, kann er auch Adelstitel, SS-Mitgliedschaften oder offizielle oder inoffizielle Stasi-Mitarbeit (seiner Vorfahren) angeben.
    Ein Politiker wird durch (k)einen Doktortitel nicht besser/schlechter. Selbst Vorbestrafte darf man nicht am aktiven oder passiven Wahlrecht hindern. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ein Häftling mit Freigang tagsüber Bundestagsabgeordneter sein könnte. Um ihm diese politische Arbeit zu ermöglichen, müsste er sogar, wenn nötig, in ein Berliner Gefängnis verlegt werden.
    Nur an Nachtsitzungen sollte er nicht teilnehmen, schließlich muss er ja wenigstens im Gefängnis schlafen. Denn (ein wenig) Strafe muss sin.

  33. Jens Best |  21.02.2011 | 19:39 | permalink  

    “Gebt uns endlich unseren Führer!

    Super, dass er mit den Indern über 8 Milliarden teure Käufe von Eurofightern redet. Das ganze Geschwafel von Lieferverbot an kriegs-gefährdete Staaten. Wir würden den Pakistani doch auf mal ordentlich auf die Ohren hauen, wenn wir die Eier dazu hätten.

    Und unsere Jungs in Afghanistan verrecken endlich für unserer Öl. Ja, “unser” Öl, wir haben das beste daraus gemacht. Wir haben das Öl zum Fortschritt genutzt, wir haben gezeigt, wie man damit wirklich herrscht. Schlimm genug, dass die ganzen Öl- und seltenen Rohstoff-Vorkommen bei diesen Höhlenbewohnern liegen anstatt hier im Brandenburgischen. Wir werden denen schon Mores lehren, diesen Halbaffen.

    Deutschland – endlich kann die Welt an dir genesen. Guttenberg, führe uns zu neuer alter Stärke und wenn diese verranzten demokratie-weichlinge dir den Dr. aberkennen- egal für uns bleibst du der neue Führer eines selbstbewussten, kriegs-tüchtigen Deutschland, was der Welt zeigt, was eine Harke ist.”

    —— ungefähr so hört sich das zwischen den Zeilen an für mich. Aber ich bin ja auch nur ein kleines Sensibelchen.

  34. Tharben |  21.02.2011 | 20:33 | permalink  

    @Jens Best (#32)

    Mensch, Jens, bitte übertreibe es nicht. Viele, die wie du etwas in der Birne haben, werden ähnliche Schlüsse ziehen. Aber bitte strapaziere die Geduld der Hausherren nicht. Du drückst dich in letzter Zeit sehr deutlich aus. Ich möchte nicht auf deine Kommentare verzichten müssen. Vielleicht ist es ratsam, dass du deine Kommentare etwas entspannter verfasst.

  35. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 21:16 | permalink  

    Mit “frenetischem Beifall” wird Guttenberg am Montagabend in Kelkheim empfangen, wo er sehr großzügig “dauerhaft” auf den Doktortitel verzichtet.
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bejubelter-zu-guttenberg-verzichtet-dauerhaft-auf-doktortitel/3868920.html

    Der schönste Satz ist wohl der: „Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe.“
    http://www.fr-online.de/politik/guttenberg-verzichtet-auf-seinen-titel/-/1472596/7241324/-/index.html

  36. Aufmerksamkeit! |  21.02.2011 | 21:39 | permalink  

    @Tharben #26 Sehr guter Beitrag. Besonders das:
    “Deshalb tritt folgender Kurzschluss ein: Da ist ein schneidiger, bodenständiger, ehrlicher, aufrichtiger Politiker, der sagt was er denk und macht was er sagt. Eine Art Erlösung für viele.”
    Ich würde noch ..unabhängiger… dazu gesagt haben. Vielleicht liegt darin ein Stück des “Zaubers” der Person zu Guttenberg, dass viele Menschen sich in Abhängigkeitsverhältnissen befinden (manche glauben zu befinden) und ihm ob seiner Unabhängigkeit (der muss das nicht machen, hätte er doch gar nicht nötig, der hat Ideale) eine Ehrlichkeit und Entschlossenheit zutrauen, die ihm wohl nicht gerecht wird, ihn geradezu überfordert.
    @Wolfgang Michal vielleicht ist es das?

  37. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 22:03 | permalink  

    Guttenberg hat Narrenfreiheit. Der (mit dem jetzigen Kurs der Union) unzufriedene Teil des Bürgertums reagiert geradezu euphorisch. Endlich befreit jemand die christlichen Konservativen von ihren althergebrachten Moralvorstellungen (da hat das Sensibelchen Jens #32 vielleicht nicht Unrecht).

    Guttenbergs Anhänger reden sich inzwischen ins Delirium:

    Der Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth (ein Merkel-Biograph) wird mit folgender Verteidigung zitiert: „Ein Spitzenpolitiker muss Schrammen haben, muss durch S t a h l g e w i t t e r gegangen sein. Das erdet ihn, das macht ihn menschlicher. Erst dann trauen ihm die Leute das für eine Kanzlerschaft absolut nötige Durchhaltevermögen zu. Deshalb kommt es jetzt darauf an, dass Guttenberg nicht den Kopf einzieht, sondern die Sache durchsteht – unabhängig davon, wie am Ende die juristische und wissenschaftliche Bewertung seiner Doktorarbeit aussieht.“

    Und die Rheinische Post: „Viele der Jakobiner, die sich da lauthals empören, sitzen im Glashaus, allen voran ein Gysi – war da nicht was mit der Stasi? Oder ein Trittin – war da nicht was mit den Kommunisten? Oder jene ‚Internet-Ermittler’, die selber immer fröhlich das Urheberrecht missachten. Anders als sie jedenfalls hat Guttenberg Fehler eingeräumt und sich seinen Kritikern gestellt. Wofür, wenn nicht für ein solches Verhalten, hat ein Politiker eine zweite Chance verdient?”

  38. Aufmerksamkeit! |  21.02.2011 | 22:21 | permalink  

    @Wolfgang Michal das heißt dann doch simpel: Der traut sich das zu sagen, was wir alle gerne sagen würden (womit wir irgendwie bei Sarrazin wären ; man wir ja wohl noch Fehler machen dürfen!).

    Das glaube ich nicht so wirklich.
    Das: http://de.wikipedia.org/wiki/In_Stahlgewittern ist mir dann doch zu heftig.

    Ich denke, es ist viel simpler. Die, die den Hintern nicht hoch kriegen, aber gerne etwas ändern würden, glorifizieren einen vermeintlich unabhängigen Kopf, damit sie beruhigt weiter auf ihrem Sofa von “Dschungelcamp” bis “Musikantenstadel” alles in Ruhe schauen können und dabei nicht gestört werden. Da kämpft doch einer für sie, der ihren Idealen (also denen, die sie von sich haben) entspricht.
    Ob das Idealbild den Tatsachen entspricht, will man doch gar nicht genau wissen, so wie man sich selbst nicht mit den echten Problemen auseinandersetzen will.

    Zu Guttenberg ist eine Projektionsfläche, deren man sich gerne bedient, und die will man nicht aufgeben. Es gibt nicht so viele davon!

  39. Tharben |  21.02.2011 | 22:31 | permalink  

    @Wolfgang Michal (#34)

    „Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe.“

    Wow! Das ist eines der besten “aber”, die ich je gelesen habe. Ich stehe zu dem Blödsinn, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn. Rhetorisch klar in einer Liga mit Ursula von der Leyen.

    @Wolfgang Michal (#36)

    Ach, daher hatte Monika Hohlmeier ihre S t a h l g e w i t t e r-Rhetorik gestern bei Anne Will.

    Zugegeben, so langsam wird mir mulmig. Das Vorgehen, die Gesellschaft in Angst und Not zu versetzen und sich anschließend als ihr Retter zu inszenieren, funktioniert noch immer.

  40. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 22:35 | permalink  

    Natürlich ist er eine Projektionsfläche – aber nicht für Moral. Da missverstehen manche was.

  41. Christian Benduhn |  21.02.2011 | 22:35 | permalink  

    Wenn Guttenberg so schlau ist, wie er es (außer in seiner Doktorarbeit) gezeigt hat, verzichtet er jetzt auch noch auf seine Adelstitel.

  42. Wolfgang Michal |  21.02.2011 | 22:38 | permalink  

    Ja, und dann verzichtet er Zug um Zug auf einen Vornamen, das kann bis 2013 dauern :-)
    Wir sollten das Thema Massenpsychologie nicht verlassen.

  43. Aufmerksamkeit! |  21.02.2011 | 22:52 | permalink  

    “Natürlich ist er eine Projektionsfläche – aber nicht für Moral” Was meinen Sie mit “aber nicht für Moral”?

  44. Beobachter |  21.02.2011 | 23:37 | permalink  

    Gerade ueber den weg gelaufen — welche Uni spendet den Dr. h.c., damit Guttenberg sich nicht so nackt fuehlt? Womit wir wieder bei der Psychologie sind.

    http://doodle.com/a4syw7ry24qs2rn7

  45. Android |  21.02.2011 | 23:58 | permalink  

    @41.Aufmerksamkeit!

    Zitat von Wolfgang Michal:“Natürlich ist er eine Projektionsfläche – aber nicht für Moral”

    Robotische Alternative:
    “Natürlich ist er eine Projektionsfläche – aber nicht für Persönliche Integrität”

    Aber zurück zur Massenpsychologie.

    Wir ,die Roboter, nennen das Phänomenon um Karl-Theodor zu Guttenberg “Polit-Fanatismus”.
    Wie bei allen Fanatiker, kommt man mit sachlichen Argumentationen nicht weiter.

    Fanatiker flüchten sich mit ihren Phantasien grundsätzlich in den entstandenen Mythos!
    Karl-Theodor kommt man nur bei in dem man ihn entmystifiziert!

    Nach der Anne Wollte-Show mit den Weichspülern:
    Monika Hohlmeier, Alice Schwarzer ,Dieter Wedel, Hans-Ulrich Jörges , Karl Lauterbach

    Könnt ihr Menschen nur hoffen das ein (Stein)-Schleudergang bei der Hart aber Leer -Show kommt.

    MfG
    Dr. Rob Oter

  46. uniquolol |  22.02.2011 | 00:58 | permalink  

    @michal:
    „…Es ist das blinde Vertrauen der Menschen in ihn, das zu denken geben sollte…“

    Manch einer fragt sich ernsthaft: Sollte man diesen offensichtlich unvernünftigen und „…blinden…“ Personen wirklich noch mehr basisdemokratische Rechte einräumen? Sollte dieses komische Volk tatsächlich noch mehr Macht über uns erhalten?
    Wie heißt es so schön: „Wehret den Anfängen, der Schoß ist fruchtbar noch…“

    Ist dies alles nur überhebliches Misstrauen von besserwisserischen Intellektuellen?

    „10 Argumente gegen direkte Demokratie und verbindliche Volksentscheide“ – F!XMBR
    http://www.fixmbr.de/10-argumente-gegen-direkte-demokratie-und-verbindliche-volksentscheide/

    Eine klare Position zum „Fall Guttenberg“ gibt es bei „Zettels Raum“.
    http://zettelsraum.blogspot.com/

    Die meisten Leute haben keine Ahnung von Dissertationen oder Zitierregeln, aber sie haben ein Gespür dafür, dass hier eine Kampagne läuft. Rot-Rot-Grün hat klar zu erkennen gegeben, dass es ihnen nicht um die Sache geht, sondern dass der Sturz des konservativen Superstars das eigentliche Ziel war und immer noch ist. Gysi als Ankläger auf allen Kanälen war strategisch äußerst unklug und peinlich noch dazu! Die Menschen sind nicht „…blind…“ oder dumm, sondern sie hatten zwischen zwei moralischen Verfehlungen zu entscheiden, sie haben sich für das kleinere Übel entschieden. Dies ist Klugheit bzw. praktische Intelligenz. Mit der „…Gründung einer Partei rechts…“ hat das alles nicht das Geringste zu tun. Man kann natürlich alles mit „rechtem Gedankengut“ in Verbindung bringen(*), man ist aber nicht dazu gezwungen…

    Wie sagte schon Helmut Schmidt:
    „Große Dinge muss man naiv angehen!“

    oder als Alternative – @tarantoga:
    „…Es wird seine Zeit brauchen, bis das Volk wieder umerzogen wurde…“

    (*) siehe auch den Kommentar Nummer 32 von @jens best

  47. Aufmerksamkeit! |  22.02.2011 | 01:00 | permalink  

    Glaubt er ernsthaft, dass er sich damit retten kann:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746888,00.html

    Er muss zurückteten!

  48. Aufmerksamkeit! |  22.02.2011 | 01:26 | permalink  

    Und dabei bekomme ich Würgereize:
    http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EC83C7CA62D234425B133FB7248E06C29~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Was für ein Kasper. Zurücktreten, aber sofort!

    Was soll man der akademischen, fleißigen, echt bemühten Jugend da noch vermitteln?

    Wie will Herr von und zu Guttenberg seine Entlassungsentscheidungen der Militärs rechtfertigen?

  49. noName |  22.02.2011 | 06:20 | permalink  

    Aus Guttenbergs Sicht ist der Verzicht so unverschämt! clever. Damit gewinnt er bei denen, die ihn glorifizieren, ist aus der Nummer raus. Keine Uni, die entscheiden muss. In ein paar Wochen ist die Sache vergessen. Ätzend.

  50. Chat Atkins |  22.02.2011 | 08:31 | permalink  

    Den Harald Juhnke fand die Mehrheit der Deutschen trotz seiner Saufeskapaden auch weiterhin sympathisch.

  51. noName |  22.02.2011 | 08:33 | permalink  

  52. Mc Herb |  22.02.2011 | 09:39 | permalink  

    Warum ein so offensichtliches Fehlverhalten – Betrug wäre m. E. der treffendere Begriff – auf “Volkes Seite” nicht zum merklichen Akzeptanzverlust führt, ist mir (auch) ein Rätsel. Mir gehen in diesem Zusammenhang zwei andere Fälle von Fehlverhalten von “Spitzenkräften” durch den Kopf.

    Da ist zum Ersten der Fall des ehemaligen thüringischen Ministerpräsidenten, der eine (politische) Konsequenz aus seinem Fehlverhalten – das immerhin einem Menschen das Leben gekostet hat – lange nicht ziehen wollte oder konnte. Und wenn ich mich richtig erinnere wurde er anfangs von den Mitgliedern seiner Parteibasis stark unterstützt. Erst sehr viel später setzte sich die Wahrnehmung durch, daß er aufgrund des Unfalls für das Amt im Grunde nicht mehr tragbar sei.

    Da ist zum zweiten der Fall der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden, die eine (politische) Konsequenz aus ihrem Fehlverhalten – bei dem, nebenbei bemerkt, keine zweite Person involviert war und niemand zu Schaden kam – zog: Verhalten und Amt, respective Würde des Amtes, seien miteinander unvereinbar. Hier glaube ich mich zu erinnern, daß die Meinungslage im direkten Umfeld durchaus ihren Verbleib im Amt ermöglicht hätte. Die Stimmung für ihre Entscheidung aber wurde von allgemeinem Respekt und tiefer Anerkennung durch alle Gesellschaftsschichten hindurch getragen. Ich hatte damals den Eindruck, daß hier eine Würdenträgerin im wahren Sinne des Wortes Verantwortung für ihr ganzes Handeln übernimmt und damit als wirkliches Vorbild fungiert – und daß die Menschen in unserem Land geradezu eine Sehnsucht in sich tragen … nach dieser Form von Verantwortungsbewußtsein.

    Ich habe die Hoffnung (noch) nicht ganz aufgegeben, daß wir – das “Volk” – ein bißchen komplizierter sind, als es eine Umfrage uns glauben machen will … und daß wir differenzierter denken können, als manche Politiker reden … oder schreiben …

    P. S.
    Die Lektüre des Passus zum “deutschen System” mit all seinen Regulierungsmechanismen hat bei mir emotional “ins Schwarze” getroffen. Dafür einen mehr als lieben Dank.

  53. Wolfgang Michal |  22.02.2011 | 10:55 | permalink  

    @Aufmerksamkeit #43
    Meines Erachtens wird Guttenberg nicht für seine Moral geschätzt, sondern dafür, die Moral auch mal beiseite lassen zu können (die Regeln zu brechen). Nicht seine Prinzipienfestigkeit finden die Anhänger gut, sondern seine Fähigkeit, Prinzipien sein zu lassen, wenn es der Sache dient. Hier hat sich etwas Grundlegendes verändert in der Stimmungslage bestimmter Schichten in diesem Land, und dies müsste diskutiert werden.

    @Chat Atkins
    Mit Harald Juhnke würde ich ihn nicht vergleichen. Diese persönlichen “Schwächen” oder privaten Fehler treffen auf Guttenberg nicht zu. Guttenberg macht – wie ich oben geschrieben habe – system-relevante Fehler. Er ist Führer und Aufständischer zugleich (wie sein Vorbild Strauß).

  54. C. Mayer |  22.02.2011 | 11:19 | permalink  

    Für mich sind an dieser Geschichte zwei Dinge von Interesse.
    1. Meinungsumfragen von Instituten (angeblich repräsentativ) suggerieren, dass eine große Mehrheit in der Bevölkerung Guttenberg als Verteidigungsminister behalten möchte. Schaut man aber in die Online-Umfragen der Medien, ergibt sich ein völlig anderes Bild, die Mehrheit ist für Rücktritt. (außer BILD.de).
    2. Die Springer-Medien, immer bemüht, die CDU/CSU und die FDP zu stärken, stehen voll hinter Guttenberg, andere bürgerliche Medien, allen voran die Frankfurter Allgemeine gehören zu den schärfsten Kritikern.

    Schaut man genauer auf die gestrigen Ausführungen Guttenbergs, so lässt das tief in die Psyche dieses Mannes blicken, die einen geschulten Gutachter nur zu dem Schluss kommen lassen muss, dass dem Mann wegen mangelnder charakterlicher Reife die Führung eines Ministeriums untersagt werden muss. Schon der Umgang mit Untergebenen (Generalinspekteur, Kapitän zur See) in den bisherigen Affairen hat die nötige Sensibilität vermissen lassen. Schaut man sich die Statements vom Mittwoch (Guttenberg streitet alles ab), Freitag (er gibt “Fehler” zu, die ihm “unterlaufen” sind, aber unbeabsichtigt) und am Montag (er habe “Mist” gebaut und den “wegen Arbeitsüberlastung” (als Hinterbänkler???) “den Überblick” verloren) genauer an, muss man es merken. Mit seinem letzten Auftritt vor ausgesuchten Klaqueuren hat er außerdem seiner Hochschule einen denkbar schlechten Dienst erwiesen. Ein Professorenkollegium, das ihm ein s.c.l. für seine Arbeit gegeben hat und ihn sogar noch verteidigt, wirft er an den Kopf, sie haben ihm die Bestnote dafür gegeben, dass er “Blödsinn geschrieben” habe. Schlimmer kann man seine Professoren nicht desavouieren. Von den Absolventen, die sich demnächst mit einem Zeugnis der Uni Bayreuth irgendwo bewerben ganz zu schweigen.
    Der Mann muss als Verteidigungsminister darum entlassen werden, weil ihm schlicht die charakterliche Eignung fehlt. Die kleine Schwäche, dass er schnell mal “die Übersicht verliert” macht ihn zusätzlich für das Amt eines Verteidigungsministers untauglich.
    Nachsatz: Herr Guttenberg möchte fürderhin “dauerhaft” auf den Doktortitel verzichten. Da scheint er noch nicht einmal zu wissen, dass man nur auf etwas verzichten kann, was einem auch gehört oder zusteht. Seit wann verzichtet ein Dieb auf seine Beute, wenn er erwischt wird. Er muss sie herausgeben.

  55. stefan rosinski |  22.02.2011 | 12:23 | permalink  

    Interessante Diskussion; doch die wesentliche Frage, warum womöglich eine Mehrheit der Deutschen an und zu Gutenberg festhält, steht weiterhin im Raum. Auf die Spur bringen könnte der Hinweis Michals auf “Instinkt”, “Gefühl” und “Prinzipielles” – Leitkategorien, mit denen die Befragten sich gegen jede Faktenlage erfolgreich immunisieren. Heißt?

    Gutenberg ist eine im klassischen Politikdiskurs nur mangelhaft zu rationalisierende Projektionsfläche, weil sie nämlich unscharf genug bleibt, um Fremdbild eigener Identitätsstiftung werden zu können. Er funktioniert da im Grunde nicht anders als Prinz und Prinzessin im Märchen: lockere Allegorien, die genug Platz für die eigenen Wunsch- und Größenphantasien zu lassen – in diesem Fall der der Wähler.

    Damit das funktioniert, ist gerade die Erniedrigung die Ausgangskondition. Michal summiert die täglichen Demütigungen einer überregulierten Moderne, die gleichzeitig das Subjekt freistellt. In Folge verkehrt sich der Selbsthass, die schwere narzisstische Kränkung in eine “öffentliche Schamkultur” (Helmut Lethen), in der es zentral um die “Würde” des einzelnen geht – eine Würde, die sich gerade nicht halten lässt und daher umso vehementer behauptet werden muss! Heißt?

    Wer Gutenberg attackiert, attackiert die Projektion gekränkter Selbstliebe, attackiert die auf den “Prinzen” verschobene und “gerettete” Selbstidentität tausender Deutscher, die im Grunde sich selbst im Gutenberg verteidigen. Das ist eine im Kern “irrationale”, im besten Sinne der Psychologie “Psychopathologie des Alltags”, bei der mehr auf dem Spiel steht als politische Hygiene. Es geht vielmehr um die Frage, ob “Verfassungspatriotismus” hinreicht, die Sehnsucht vieler nach “Erlösung” aus einer entfremdenden globalen Welt, die Sehnsucht nach dem Ende ihrer Angst zu beantworten.

    Gutenberg ist ein Angstspiegel, der keine Risse bekommen darf. Und wenn, wird man sich den nächsten Prinzen suchen. BILD, Gala und wie sie alle heißen, werden dabei helfen. Denn so lebten sie, bis sie gestorben sind…

  56. Chat Atkins |  22.02.2011 | 12:32 | permalink  

    @ Wolfgang Michal: In einem anderen Punkt sind dann doch vergleichbar – beide wurden von der Bild-Zeitung zu ‘Volkshelden’ erst emporgejazzt. Man könnte auch sagen, Guttenberg sei gewissermaßen der Klaus Brinkmann des Politikbetriebs, ein seifig-glatter Tenor in einer Seifenoper, aber eben kein neuer Kennedy …

  57. Wolfgang Michal |  22.02.2011 | 12:35 | permalink  

    @stefan rosinski: Respekt! Ich denke, da kommen wir der Sache schon näher. Ich glaube aber, dass dies nur die “idealistische” Seite der Projektion ist. Die Suche nach dem Prinzen. Die andere, die dunkle Seite wäre: die aggressive Suche nach dem großen Zertrümmerer. Diese Aggression ist eingehüllt (verbrämt) in die Prinzenrolle.

  58. stefan rosinski |  22.02.2011 | 13:22 | permalink  

    Lieber Wolfgang Michal, Sie haben recht, die dunkle Kehrseite ist unbedingt das Destruktive, denn die Wut über eigene permanente Selbsterniedrigung steuert die Wucht der Emotionen. Gutenberg Auftritt in Hessen diente ja offenbar dem Austausch von Affektsignalen, und zwar sowohl auf Seiten des Publikums als auch des Ministers.

    Stichwort “Destruktivität” und Projektion: Helmut Lethen hat dieses Phänomen in seinen herausragenden Büchern am Beispiel der zwanziger Jahre analysiert. Wie die Zeit dieser “Republik ohne Gebrauchsanweisung” (Döblin) endete, wissen wir alle: im Schmelztigel der “Bewegung”, die es dem einzelnen endlich erlaubte, wirkungsvoll in Deckung zu gehen. Hinter dem Führer, der dafür die “unendliche Liebe” der Deutschen ausgezahlt bekam. Bis zum gemeinsamen Untergang…

  59. Erich Sass |  22.02.2011 | 13:26 | permalink  

    Ja, so ist das wohl! Kluger Kommentar! Auch mir ist ein schräger adliger Herrscher lieber als das sog. “Volk”.

  60. lady of sweden |  22.02.2011 | 13:42 | permalink  

    Der Bundes-Gutti ist (hoffentlich) erledigt

    Ich bin ja kein großer Freund von Verschwörungstheorien per se, aber nach der endlosen Reinreiterei des Betrügers zu Guttenberg, nach dem ebenso endlosen Eiertanz der Kanzlerin und der CSU-Mannschaft, den gefälschten Beliebtheitsstatistiken für zu Guttenberg, nach der ScL-Bewertung solch einer Arbeit (die eigentlich eher eine Artikel- und Buchabschnittssammlung von einer ES-Hausarbeit eines Erstsemesters bis hin zu Wandern in Alaska-Reiseführern ist) und nach den immer mehr publik werdenden Erkenntnissen, dass er nicht nur bei seiner Promotion geschummelt -will sagen arglistig getäuscht und sie wahrscheinlich ohnehin nicht selbst verfasst hat -(wie blöd wäre er, einen FAZ-Artikel in seine Einleitung zu kopieren??), sondern ebenfalls bei seiner Vita und der angeblich wirtschaftlichen Arbeit in dem Isolier- und Dämmstoff-Familienunternehmen zu Guttenberg (das bei Anfragen von nichts weiß und mittlerweile sogar schon auf der Homepage seine Zugehörigkeit zu unserem sauberen Verteidigungsminister dementiert) getrickst hat (von seinem Fernsehauftritt als Ken und Barbie im Krieg ganz zu schweigen, aber das ist ja eher in der Peinlichkeits- und Fremdschämens-Skala ganz oben zu verorten), drängt sich mir dann doch der Eindruck auf, dass zu Guttenberg systematisch aufgebaut und installiert wurde. Von wem? Ja, von wem wohl? Wer könnte denn so dumme Fehler begehen und versuchen wollen alle für blöd zu verkaufen? Unsere “Freunde“, die Verweifelten Staaten von Amerika, wie man sie mittlerweile ja schon fast nennen muss, die sich anscheinend überall einmischen müssen und in deren Interesse es steht, nach dem Schildbürgerstreich und Demokratie- und Nationalstaatenvernichtungsmaschinerie EU, die Deutsche Bundeswehr in eine tumbe Söldnertruppe zu verwandeln und das nicht zuletzt wegen des Lissabonner Vertrages, der sich vorbehält, bei Demonstrationen (und die werden kommen, wenn das Volk weiter aufwacht) ,wie derzeitig in Libyen, auf die eigene Bevölkerung schießen zu lassen (als würde EUROGENDFOR da nicht schon reichen, aber man muss wohl auf Nummer Sicher gehen). Da das ethnische deutsche Soldaten eher nicht tun würden, braucht man möglichst begriffsstutzige Anwärter(präferiert werden sollen vorzugsweise Bewerber ohne Schulabschluss, mit niedrigem Bildungsgrad oder Ausländer (am besten muslimische, die die Deutschen/Europäer wegen ihrer durch Entwicklung bedingten Nichtbeachtung von irgendwelchen Mittelalter-Religionen und deren unnötiger Drangsalierungen ohnehin hassen und die nur hier sind, um kräftig in unseren Sozialtopf zu langen). Das erklärt auch das wundersame Einlenken des KTzG, seinen Dr. Titel zurückgeben zu wollen (wie macht man das??), um feige der Aberkennung desselben durch die Uni “Buy“reuth zu entgehen, aber dringendst im Amt bleiben will, was auch so unsäglich wie hoffentlich unmöglich sein wird, denn wer möchte schon von einem Betrüger regiert werden (obwohl… vielleicht ist das ja Bedingung für eine Mitarbeit in unserer “ReGIERung“? Es kommt einem langsam fast so vor.) Dazu passt auch, dass die Kanzlerin so darauf pocht, dass es nicht tragisch sei, dass er sich seine Dissertation zusammengeklaut und -kopiert hat (Nicht tragisch? Höchststrafe! Bei uns sind deshalb Studenten von der Uni geflogen und uns wurde massivst wegen Plagiatserstellung jeglicher Couleur selbst in simplen Hausarbeiten gedroht). Merkel selbst, die ebenfalls einen (hoffentlich legal erworbenen) Dr.Titel innehat, sollte sich über so etwas schon mehr echauffieren und personelle Konsequenzen ziehen, oder? Nein. Warum nicht? Weil sie ebenfalls eine transatlantische Marionetten-Befehlsempfängerin ist. Das Projekt „Abschaffung der Deutschen Bundeswehr und Umkehrung in ein „Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing“-Tumbenheer“ muss durchgezogen werden. Das ist erschreckend. Aber der Bundes-Gutti ist wohl (hoffentlich) erledigt, wie es aussieht. Mal sehen, wer als Nächstes kommt.

  61. Ratingwissen |  22.02.2011 | 13:45 | permalink  

    Medien und Intellektuelle erleben fassunglos, dass ein Minister ihrer massiven Kritik trotzt. DAS ist für mich der interessanteste Aspekt. Überschätzen Medien ihre Macht? Ist die Springer-Presse gleich wirksam (oder mächtig) wie alle anderen Medien zusammen? Oder ist auch die Unterstützung der Springer-Presse für KTvG nicht mehr relevant, weil er sich quasi medial verselbständigt hat?

    Aus vielen Kommentaren kluger Leute in Medien, Blogs, Social Media lese ich eine große Unzufriedenheit der Autoren mit dem dummen Volk, das einfach nicht auf sie hören will. Was bedeutet das? Erleben wir ein Auseinanderfallen des Diskurses in zwei Gruppen, die nicht mehr miteinander kommunizieren?

  62. Wolfgang Michal |  22.02.2011 | 17:16 | permalink  

    @Ratingwissen: Es sieht so aus. Auf der einen Seite haben wir Menschen, die wahrscheinlich morgen in den Hungerstreik treten werden, wenn Guttenberg nicht zurücktritt, auf der anderen Seite haben wir seine Unterstützer, die einfach die Augen und die Ohren schließen und laut schreien: Ihr seid ja alle blöd.

    Die tektonischen Verschiebungen, die sich unterhalb dieser Oberfläche vollziehen, sind das Interessante, das sehe ich so wie Max Steinbeis. Wir nähern uns dem politischen Klima der USA, wie immer mit ein paar Jahren Zeitverzögerung.

  63. Christian Benduhn |  22.02.2011 | 19:13 | permalink  

    Guttmenschen gegen Gutmenschen.

  64. Aufmerksamkeit! |  22.02.2011 | 21:46 | permalink  

    @Wolfgang Michal Ja, da haben Sie wohl recht.
    Schöne Diskussion hier übrigens!
    Ich möchte noch einen anderen Gedanken, der mich beschäftigt und bekümmert, hier anführen. Ein Stück weit trifft er auch das, was Wolfgang Michal schon an anderer Stelle gesagt hat. Die Haltung zu Guttenbergs und die seiner prominenten (Regierung) Unterstützer ist extrem demokratiefeindlich. Sie spielt den Rechten in die Hände, die eines Tages dann (hoffentlich nicht!) sagen könnten: “Alles außer Kontrolle und ohne Werte, wir brauchen einen Führer!, der die Ordnung wieder herstellt”
    Furchtbar. Er m u s s zurücktreten!
    Gut dazu auch der Artikel:
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,747013,00.html

  65. Aufmerksamkeit! |  22.02.2011 | 21:47 | permalink  

    Meinte @53

  66. Ninia Haag |  23.02.2011 | 14:26 | permalink  

    Warum wird zur Zeit eigentlich in Guttenberg seinem Leben so herum gewühlt? Muss die Presse und die Regierung denn zur Zeit irgendeinen Grund finden, um Ihn nieder zu machen? Muss das wirklich sein?
    Es wird doch auch nicht in dem Leben von anderen Politikern alles durchsucht usw.!?

  67. Andre |  23.02.2011 | 15:11 | permalink  

    In einer solchen Situation wie zu Guttenberg wäre für einen Mann von Ehre der Freitod obligat. Guttenberg funktioniert als Projektionsfläche eines öffentlichen Ehrbegriffs, den er selbst gar nicht teilt. Er ist aus einer preussich-konservativen Sicht ein Ausgestossener, ein Blender wie man sie auch aus anderen katholischen Staaten kennt.

    Er hätte schon gehen müssen, als durch Cablegate rauskam, dass er der amerikanischen Botschaft Informationen zugetragen hat.

  68. Gina |  23.02.2011 | 17:16 | permalink  

    @66: Ja, es muss sein – nicht weil man dem Baron an die Wäsche will, sondern weil der Mann unfähig ist auf ganzer Linie. Ein Blender eben. Und: ja, man hat! Seehofer schon vergessen?

  69. dualbore |  23.02.2011 | 17:26 | permalink  

    @Ninia Haag
    Doch, das muss sein. Vor allem bei jemandem, der bereits vorher mit, sagen wir mal, nicht ganz realitätsgetreuen persönlichen Angaben aufgefallen ist. Hier ist es m.E. sogar die Pflicht der Presse, da nachzuhaken.
    Abgesehen davon kam die Plagiats-Affäre gar nicht durch eine Untersuchung seitens der Presse in Gang, sondern einem Bremer Professor sind bei der Vorbereitung einer Rezension der Dissertation Ungereimtheiten aufgefallen.

    Die Regierung nutzt Presseschelte gerne dann, wenn die Causa nun wirklich nicht mehr auf den politischen Gegner geschoben werden kann. Dann ist die Presse der Sündenbock. Außerdem lassen sich, siehe die Rede von Gutti in Kelkheim, damit wunderbar anti-intelektuelle Ressentiments bedienen.

  70. Christian Edom |  24.02.2011 | 02:00 | permalink  

    Der Guttenberg ist kein „guter Mann“. Das ist jemand, der es sich einfach (und leicht) gemacht hat.

    Der Guttenberg hinterlässt einen Kollateralschaden. Ist ihm das überhaupt bewusst? Denkt er, es ginge bei der ganzen Sache nur um ihn. Hier geht es um unser Land.

    Es bleibt dabei: Auf etwas etwas, was einem nicht rechtmäßig gehört, kann man auch nicht verzeichten! Wer leugnet das? Wenn Guttenberg alles in Anführungszeichen gesetzt hätte, wäre die Arbeit gar nicht akzeptiert worden.

  71. Feliks_Dzerzhinsky |  24.02.2011 | 09:25 | permalink  

    @Christian Edom : “Wenn Guttenberg alles in Anführungszeichen gesetzt hätte, wäre die Arbeit gar nicht akzeptiert worden.” – Nun, damit er’s in Zukunft leichter hat, haben wir die Grundlagen wissenschaftlichen Zitierens erarbeitet.

  72. Paul Ney |  24.02.2011 | 14:29 | permalink  

    [second hand chance] “Verdient der Minister eine zweite Chance?” — Diese Frage stellt sich bei der Maybrit-Illner-Talkshow heute Abend, ZDF 24.02.2011 22:15-23:15; auch ein Thema zum Nachdenken. Siehe aktuell:
    [[maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,1021235,00.html]]

    Gestern hat die Uni Bayreuth den Dr.-Titel aberkannt, bis zum Abend könnte Weiteres eintreten und die Moderation improvisieren müssen. 2.-Chance-Erfahrung wird auch angeboten, da ist zu bedenken, daß man Lebensläufe (auch wegen dem geschichtlichen Zeitpunkt außergewöhnlicher Ereignisse, “Drugs & Cossack Bunnies”) nicht so leicht vergleichen kann. Eine 2. Chance folgt auf die 1., da der Minister in Amt bleibt, könnte da die Promotion gemeint sein — eine redigierte Dissertation kann erneut eingereicht und akzeptiert werden.

    Übrigens, in der Geschichte der Politik ist gelegentlich vorgekommen: Einem wird eine temporäre und partielle Amnesie oder Unzurechnugsfähigkeit attestiert, danach behält er das Amt.
    (nicht-klickbare Links in [[+]]-Klammern, wg. Carta-spam-Schutz)

  73. Wolfgang Michal |  24.02.2011 | 15:37 | permalink  

    Der Dank der Truppe an die Hilfstruppe:
    http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehrwerbekampagne100.html

  74. Toelke |  24.02.2011 | 22:21 | permalink  

    Baron zu Guttenberg steht seinen Mann, gibt auch in Kampfmontur ein gutes Bild ab, isst auch mal aus dem Blechnapf.
    Also bitte, und mancher regt sich auf über F-u-s-s-n-o-t-e-n Kann ich nur lachen.
    KT muss so weiter machen wie bisher!!!

  75. Christian Benduhn |  25.02.2011 | 00:29 | permalink  

    @73: Wenn Guttenbergs Geisterschreiber (falls es ihn gibt) sich bei der Bildzeitung meldet und seine Geisterschreiberei beweisen kann, dann wird Diekmanns Depesche das exklusiv bringen. Bild wird seinen Rücktritt fordern und Frau merkel wird ihn sofort entlassen.
    Trotzdem blieben die Bildleser die beste Zielgruppe für die Werbekampagne. Mit Dank hat das nichts zu tun.

  76. Ninia Haag |  25.02.2011 | 11:17 | permalink  

    @ dualbore
    Guttenberg ist mal ein Politiker, den man vorlassen kann, das können viele von den anderen Politikern nicht! Und nun machen wir (Deutschen) ihn selber Weltweit fertig!
    So sind aber auch nur wir Deutschen!

  77. dualbore |  25.02.2011 | 12:16 | permalink  

    @Ninia Haag:
    gestatten sie mir die Nachfrage, ob “vorlassen können” die primäre Qualifikation eines Politikers sein sollte.
    Und, selbst wenn das so sein sollte, können und wollen wir jemanden “vorlassen”, der wissentlich, mehrfach und vorsätzlich gelogen hat, angefangen bei seiner eigenen Biographie? Wollen wir jemanden “vorlassen”, der sich nicht scheut, auch angesichts schwer wiederlegbarer Tatsachen das Parlament offen anzulügen? Wollen wir jemanden “vorlassen”, der im Vorbeigehen nicht nur der konservativen Identität, sondern auch dem Wissenschaftsbetrieb in D ansehnlichen Schaden zugefügt hat, und nicht einmal den Anstand und den Mut besitzt, das auch öffentlich zuzugeben? Der sich von einer Schutzbehauptung zur nächsten hangelt?
    Wollen wir das wirklich?

    Oder reicht passables Aussehen und sicheres Auftreten mittlerweile aus, um seine eigenen Werte und Normen definieren zu dürfen?

  78. rauskucker |  27.02.2011 | 05:45 | permalink  

    Hallo Herr Michal
    Fall Ihnen die Löschung meines Kommentars (#30) inzwischen, nachdem die von mir gewählten Begriffe inzwischen von Ministerpräsidenten und Professoren in der Tagesschau verwendet werden, vielleicht ein Wenig peinlich? Dann können Sie ihn ja nochmal wiederveröffentlichen.
    Erstens habe ich ihn leider nicht abgespeichert, und zweitens finde ich den von mir gehegten Gedanken durchaus wesentlich.
    Danke.

  79. rauskucker |  27.02.2011 | 05:47 | permalink  

    Oh je, nochmal: Ist Ihnen usw. ?

  80. Wolfgang Michal |  27.02.2011 | 22:11 | permalink  

    @rauskucker
    Ich finde, man sollte nur Faschisten Faschisten nennen. Sonst beleidigt man die Opfer des Faschismus.
    Insofern: Nein, die Löschung Ihres Kommentars war mir nicht peinlich.

  81. rauskucker |  27.02.2011 | 22:16 | permalink  

    Und Faschisten kann man ja Gottseidank an der Armbinde erkennen.

  82. Pandur2000.com » Kommentar: Der Fall Guttenberg und die Facebook-Gutti-Fans » Stefan Jacobi schreibt über Datenschutz, politische Themen, Alltagsgeschehen |  02.03.2011 | 16:49 | permalink  

    [...] Es heißt doch, mit Guttenberg hätten wir nun so einen aufrichtigen, ehrlichen Politiker verloren, der endlich mal was “gerissen” hätte in Deutschland. Wenn zu “was gerissen” das hinwegsetzen über die eigenen Vorschriften zählt – okay, das wusste ich nicht. [...]

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