Assange oder Die Zurichtung einer Kanaille

Es ist völlig klar, dass nach Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nun Julian Assange der nächste Antiheld im Kino werden muss. BILD schreibt vermutlich schon am Drehbuch für RTL.

Die Ehe zwischen den Leitmedien und WikiLeaks war heftig, aber kurz. Am Ende ist sie geplatzt wie ein fehlerhaftes Kondom. Es war eine amour fou, eine verrückte Liebe. Oder vielleicht doch eine Zweckheirat? (Bleibt die Frage: Wer benutzte hier wen?)

Jetzt, nach der Trennung, folgt der schmutzige Rosenkrieg. New York Times und Guardian haben sich bereits öffentlich distanziert, der Spiegel schwankt noch, aber die Bestseller werden bereits um die Wette geschrieben. Mancher Journalist möchte noch ein wenig teilhaben an der Weltfigur Assange. Dessen schillernder Charakter ist der ideale Transmissionsriemen für Abrechnung & Auflage.

Nehmen wir nur die BILD-Zeitung als oberste ‚feministische‘ Kronzeugin im Fall Assange: Igitt, der Mann duscht nicht, er trägt Frauenkleider – und er drückt nicht mal die Klospülung!! Ein Monster!!!! Vielleicht sogar ein Wiedergänger des Mädchenmörders Jean-Baptiste Grenouille?

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BILD am 27. Januar:

WikiLeaks-Chef Assange: ‚Arrogant und ungepflegt’

„Ein Reporter der Zeitung (NYT) habe etwa nach einem Treffen mit Assange berichtet: ‚Er war zerzaust, sah aus wie ein Obdachloser, trug ein verknittertes Sportsakko, ein verschmutztes Hemd, abgewetzte Turnschuhe, dreckige Socken – und roch, als hätte er sich seit Tagen nicht mehr geduscht.’“

BILD am 31. Januar:

Julian Assange verkleidet sich als alte Dame

„Vorsichtig huscht die Figur an einem schummrigen Abend in London von einer Haustür in ein zerbeultes rotes Auto. Die Figur kann als Frau durchgehen. Bei ihr ein grimmig guckender Mann mit nordischen Gesichtszügen und ein paar junge Nerds. Einer scheint der alten Dame ihre Jacke zu reichen.“

BILD am 3. Februar:

Assanges Ermittlungsakte im Internet aufgetaucht

„Die Ermittlungsakte zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Wikileaks-Gründer tauchten im Internet auf! Und die sind schonungslos: Ein Assange, der kaltschnäuzig ungeschützten Sex verteidigt und weder die Toilette spült noch duscht!“

BILD am 7. Februar:

Die Schlinge zieht sich zu

„Assange, im dunklen Anzug mit violettfarbener Krawatte, hat demnach gut grinsen. Zudem hat er wieder prominente Unterstützer dabei: die schöne Milliardärs-Tochter Jemima Khan (36), Menschrechtsaktivistin und Supermodel der 1970er, Bianca Jagger, sowie der britische Labour-Politiker Tony Benn.“

Und dazu der scheinheilige BILD-Kommentar:

„Egal, wie das Urteil gegen Assange ausfällt – für Wikileaks ist das Verfahren schon jetzt eine Niederlage: Statt der Inhalte der Enthüllungsplattform steht immer mehr Assanges schwierige Persönlichkeit im Vordergrund.“

Allerdings kann auch die BILD-Zeitung in ihrer hochmoralischen Ernsthaftigkeit noch übertroffen werden. Etwa durch den todesmutigen Blick auf ‚Das Kondom des Grauens’. Schlagzeile am 3. Februar: „Polizei-Fotos des Vergewaltigungs-Kondoms aufgetaucht“!

Was für ein grauenhafter Anblick!!