Ich verabschiede mich bei Carta

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Entscheidung gekommen, meine Tätigkeit bei Carta mit diesem Jahr zu beenden. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Allen voran kostet bloggen viel Zeit, die ich momentan für andere Dinge benötige. Zweitens ist Carta das wohl einzige Unternehmen auf der Welt, in dem die Beschäftigten keinen Cent aus der „Kaffeekasse“ („Unterstützen Sie die Autoren von Carta“) sehen, zumindest in meinem Fall dafür aber uneingelöste anfängliche Versprechen von Robin Meyer-Lucht, was die spätere Honorierung der Arbeit anbelangt.

Drittens ist es fast unmöglich, „investigativ“ zu bloggen, ohne Gefahr zu laufen, früher oder später eine Abmahnung zu erhalten, die, auch wenn sie unberechtigterweise erfolgt, zumindest Arbeit macht. Da man mit Bloggen (noch?) kein Geld verdienen kann und guter juristischer Rat Geld kostet, steht eine Blogveröffentlichung also immer auf zu wackeligen Beinen. Wenn man seine Beiträge dann plötzlich auch noch vorlegen muss und ein Beitrag sogar einfach so in den Papierkorb wandert, kann das keine Basis für etwas Dauerhaftes sein.

Eigentlich hätte für mich schon Schluss sein müssen, als Robin Meyer-Lucht hier auf Carta ohne entsprechenden Disclaimer Konstantin Neven DuMont beisprang und Stefan Niggemeier vorwarf, sich „rechtswidrig“ zu verhalten, obwohl Robin Meyer-Lucht Konstantin Neven DuMont nach eigener Aussage persönlich kennt (worüber ich Stefan Niggemeier als Betroffenen aus Gründen der Billigkeit selbstverständlich nicht bis jetzt im Unwissen gelassen habe). Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die zwei Jahre und zwei Monate währende Zeit bei Carta war für mich dennoch eine in journalistischer Hinsicht interessante Zeit. Von der exklusiven Veröffentlichung des zweiten Lobbyistenberichts der Bundesregierung über die Geheimhaltung von Loveparade-Akten durch NRW-Behörden bis hin zur Berichterstattung über die Nebentätigkeiten der Moderatorinnen Anja Kohl und Maybrit Illner, die viele Reaktionen hervorrief.

Ich danke allen Lesern dieses Blog, allen, die kommentiert, kritisiert und korrigiert haben und denen, die einen kühlen Kopf bewahrt haben, wenn anonyme Kommentierer hier Stimmung gemacht haben. Besonderer Dank gilt aber auch allen Personen, die mir Informationen haben zukommen lassen.

In Zukunft möchte ich als Journalist nur noch für Zeitschriften, Zeitungen, klassische Onlinemedien und Rundfunksender tätig sein. Auf meiner Homepage können sie alte, aktuelle und zukünftige Beiträge von mir lesen und sehen.

Diesen Beitrag habe ich mir nicht von der Carta-Führung genehmigen lassen. Ich bin gespannt, wie lange er veröffentlicht bleibt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Jahr 2011!

Herzlichst

Marvin Oppong