Enno Park

Sind wir reif für Streetview, wenn wir den Wunsch nach Verhüllung nicht akzeptieren?

 | 174 Kommentar(e)


Aus welchen Gründen auch immer Menschen ihre Häuser bei Google Streetview verpixeln lassen – dies ist zunächst einmal zu respektieren. Der souverän filternde Netzübermensch scheint jedenfalls noch immer in weiter Ferne.

18.11.2010 | 

Also nun ist Streetview endlich online. Mein Haus ist nicht verpixelt, trotz der Kita im Erdgeschoss – das Haus, das ich demnächst besichtigen werde, hingegen schon. Die Verpixelung ist wirklich hässlich. Seit Tagen, nein mittlerweile Wochen quäle ich mich zu einer Meinung. Ich verstehe das Kopfschütteln eines Jeff Jarvis sehr gut, ich verstehe den Zorn von Michael Seemann und die Aktion von Jens Best, die verschollenen Häuser nachträglich zu fotografieren, was im übrigen legal ist. Trotzdem kann ich sie nicht gutheißen und werde mich ihnen nicht anschließen.

Don Alphonso hat nämlich mit einer These durchaus recht: Googles Ansatz, alles und jeden durchsuchbar zu machen und der Gedanke, Streetview-Verweigerer zu ihrem Glück zwingen zu wollen, sind totalitär. Bei Streetview meldet man sich nicht freiwillig an wie bei Facebook. Privatsphäre bedeutet unter anderem das Recht des einzelnen, in Ruhe gelassen zu werden – ein Aspekt, der in der Kontrollverlust-Debatte kaum erwähnt bzw. in sein Gegenteil verkehrt wird. Streetview-Bilder sind eben keine Touristen-Schnappschüsse. Ich persönlich habe zwar kein Problem mit Streetview – ich finde den Dienst toll und die Verpixelung von fünfgeschossigen Berliner Altbauten ziemlich albern. Außerdem bin ich nebenher ein wenig auf Wohnungssuche und fände es praktisch, mir Adressen mit Streetview vorab anzuschauen.

Trotzdem: Die Streetview-Verteidiger behaupten, Streetview sei eine Form von Öffentlichkeit. Ist es nicht. Streetview ist Google, nicht mehr und nicht weniger. Google kann jederzeit den Dienst manipulieren, kostenpflichtig machen, abschalten. Natürlich ist die Hausfassade öffentlich und von jedem einsehbar, was aber nichts daran ändern, dass man aufgrund dieser Bilder wahre oder falsche Rückschlüsse auf meine Person machen kann – besonders in aus 3 Metern Höhe fotografierten Kleinstädten und Einfamilienhaussiedlungen. Es sollte letztlich dem Einzelnen überlassen bleiben, ob er seine Fassade in Streetview abgebildet sehen möchte oder nicht – so wie er die Entscheidung hat, ob er im Telefonbuch stehen möchte. Der öffentliche Raum bleibt vollkommen unangetastet – niemand sperrt Straßen und Plätze und verweigert uns den Zutritt.

Den berühmten Einbrecher müssen wir für die Streetview-Ablehnung gar nicht bemühen, es geht um viel mehr. Erst das massenhafte Sammeln von Daten, die Möglichkeiten des Datamining und die allgegenwärtigen Versuche von Staat und Konzernen, uns aufgrund aller möglichen und unmöglichen Daten zu scoren geben an sich völlig harmlosen Daten eine neue Qualität. Streetview-Bilder können potenziell zu diesen Daten gehören. Es sollte dem Einzelnen überlassen bleiben, wieviel Information er zur Verfügung stellen möchte.

Wir erleben gerade an allen Ecken und Enden im Netz, wie die Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit verwischen und benötigen ein Konzept der abgestuften Öffentlichkeiten. Ja, das betrifft auch Hausfassaden. Ich halte Streetview für relativ unproblematisch, habe aber Verständnis dafür, dass andere Menschen das anders sehen und fordere genau dieses Verständnis von denjenigen, die jetzt losziehen und Häuser fotografieren. Meiner Auffassung nach müssen nicht die Bewohner begründen, warum sie ihr Haus verhüllen möchten, sondern Google oder wir “Netizens” müssen begründen, warum sie es nicht dürfen sollten. Ästhetische Befindlichkeiten dürfen dabei keine Rolle spielen.

Es ist vollkommen egal, welche Gründe die Verweigerer für ihren Antrag auf Verpixelung haben und dass es keine Gesetze gegen Streetview gibt – die Weigerung, bei Streetview abgebildet zu sein, ist zunächst einmal ohne Angabe von Gründen zu respektieren. Die Form, in der sich die Verpixelungsgegner über den Willen der Verpixelten hinwegsetzen, trägt Züge kultureller Unterwerfung. Sie ist arrogant und ja: totalitär. Google hat das einzig richtige getan und von sich aus und aus freien Stücken als Kompromiss die Unkenntlichmachung angeboten.

Jetzt stehen die Verhüllten unter Generalverdacht, etwas zu verbergen und werden zur Stunde auf Twitter bereits als Spinner, Spießer, Gestrige und gar noch Faschisten diffamiert. Am Umgang der “Netizens” mit solchen Streetview-Verweigerern zeigt sich jedoch, welcher Art unsere Netzkultur eigentlich ist. Eine von Michael Seemann entworfene Ethik des Kontrollverlustes fordert ja den souverän filternden Netzübermenschen. Der aber ist weit und breit nicht in Sicht. Wenn wir Netzbürger mit den Streetview-”Abweichlern” nicht klarkommen, dann sind wir es, die noch nicht reif für Streetview sind.

Dies ist eine überarbeitete und erweiterteVersion des Textes, der bereits bei ennomane.de erschien.

Mehr zu : | | |

CARTA Kaffeekasse

174 Kommentare

  1. die ennomane » Blog Archive » Wir sind nicht reif für Streetview, wenn wir den Wunsch nach Verpixelung nicht akzeptieren können |  18.11.2010 | 21:21 | permalink  

    [...] geht es auf carta.info var flattr_wp_ver = '0.7'; var flattr_uid = '2634'; var flattr_cat = 'text'; var flattr_tle = 'Wir [...]

  2. horst |  18.11.2010 | 21:27 | permalink  

    “…Streetview-Verweigerer zu ihrem Glück zwingen zu wollen, sind totalitär.”
    “Google hat das einzig richtige getan und von sich aus und aus freien Stücken als Kompromiss die Unkenntlichmachung angeboten.”
    Google hat den Widerspruch eingeführt, weil gewisse Politiker und die BILD eine negativ Kampagne gegen Google gefahren haben. Google hat sich diesem Druck aus wahrscheinlich ökonomischen Interessen gebeugt, obwohl Sie das Recht, im Sinne der Panoramafreiheit auf ihrer Seite haben.
    Und jetzt verpixelte Häuser nachträglich zu fotografieren ist kein Kampf gegen Spießbürger. 90% derer, die jetzt ihre Häuser haben verpixeln lassen, hätte ohne Bild und Aigner nie von StreetView erfahren oder sich daran gestört.
    Es ist meiner Meinung nach vielmehr ein auflehnen ein krasses Ungleichgewicht was Datenschutz und Persönlichkeitsrechte betrifft.
    Die BILD tritt Persönlichkeitsrechte regelmäßig mit Füßen und der Staat unternimmt fast täglich neue Vorstöße den Bürger für sich transparenter zu machen.
    Aber wenn dann ein Unternehmen die Panoramafreiheit für ihre Interessen nutzt, schreien alle Pest und Cholera.
    Jeder in diesem Land, darf sich theoretisch tun und lassen was er will, solange es keine Gesetze und Verordnungen verletzt. Daher darf auch jeder der es will, Bilder von Häusern machen und diese in Google Streetview einstellen, obs den Leuten jetzt passt oder nicht.
    Das ist eine Fragen gegenseitiger Akzeptanz, vielleicht gefallen mir ja die Bettler in der Innenstadt genauso wenig, wie dass jemand ein Bild von meinem Haus macht, trotzdem schreie ich dann nicht gleich nach Law & Order, damit der Staat die Gesetze meinem Wunsch-Weltbild anpasst.

  3. Enno Park |  18.11.2010 | 21:31 | permalink  

    @horst, mag ja alles sein, aber mit Panoramafreiheit, die aus dem Urheberrecht (!) kommt, hat das ganze trotzdem nichts zu tun. http://de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit – ansonsten: wenn 90% aufgrund einer Kampagne haben verpixeln lassen, was ist dann mit den verbleibenden 10%?

  4. Sonja |  18.11.2010 | 21:39 | permalink  

    Guter Text, danke dafür.
    Ich selbst bin auch noch nicht zu einer abschließenden Meinung gekommen. Ärgerlich fand ich jedoch sowohl die Medienberichterstattung zum Thema als es auch jetzt die Reaktionen einiger Netizens (um mal bei deinem Begriff zu bleiben).

    Interessant finde ich, dass ich mich jetzt mit meinen Nachbarn und deren ‘Internetkompetenz’ beschäftige bzw. mich frage, wer von ihnen wohl unser Haus hat verpixeln lassen…

  5. Linsenlausphänomen |  18.11.2010 | 22:05 | permalink  

    Ich finde es falsch, dass meine Nachbarn unser Haus haben verpixeln lassen. Ich respektiere sie für ihre Meinung, jedoch verstehen kann ich diese nicht.

  6. Aufmerksamkeit! |  18.11.2010 | 22:05 | permalink  

    @ Enno Park Vielen Dank für den ausgewogenen Beitrag.

    Ich hatte an anderer Stelle schon ein paar Gedanken geäußert http://carta.info/35704/pixelbombenalarm/
    Ich bin auch der Meinung, dass jeder dies für sich selbst entscheiden können soll.
    Google hat m.E. nicht aus “heren” Motiven in Sachen Widerspruch gehandelt, sondern weil es hierfür klare Meinungen gibt (bitte unter Datenschutz Deutschland -unter den Flaggen- lesen) http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Street_View
    da besonders auch Fußnote 36

    Außerdem gibt es einen Gesetzentwurf, der dies nochmal konkret vorsieht und somit “vor der Tür steht”.
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/027/1702765.pdf

    Man muss das nicht mögen, aber die Rechte der “Verpixelfreunde” sind nunmal nicht weniger wert, als die Rechte der “Verpixelgegner”.
    Finde die Angriffe deshalb auch völlig unverhältnismäßig und die Aktion Bilder dennoch einzustellen, total daneben.
    Als Beispiel:
    Wenn mein Kind in der Tageszeitung mit Bild vom Sportverein erscheint heißt das ja auch noch lange nicht, dass ich damit einverstanden bin ein Foto im Netz mit Ortsbezug zu erlauben. Ich frage mich, warum sich manche Menschen anmaßen für andere entscheiden zu wollen, nur weil es ihrer Meinung entspricht. Wie gesagt, es sollte doch jeder selbst entscheiden.

    Übrigens: als Hamburg im April 2010 die Initiative zu dem Gesetz ergriff, kam erstaunlich wenig aus der Blogosphäre, erst als im August die Presse berichtete, kamen Dinge wie der “Widerspruch-Widerspruch”.

  7. Kristian Köhntopp |  18.11.2010 | 22:06 | permalink  

    Naja, eigentlich ist es ja so, daß den meisten Bundesbürgern Google Street View und die Darstellung ihres Hauses am Arsch vorbei gegangen wäre. Es ist aber nun so gekommen, daß unsere Politiker ihr Volk verhetzt haben und die Holzmedien aus opportunistischen Gründen fleißig mit drauf gehauen haben.

    Viele, die das getan haben, reut es nun, und

    http://twitter.com/KayOberbeck/status/5265606429376512
    “Viele Nutzer bitten uns, dass ihre Häuser wieder in Street View ERKENNBAR gemacht werden sollen. Geht wg. Rohdaten-Löschung leider nicht..”

    Das ist für Google eine wunderbare Situation – Google hat alles, und genau das gemacht was unsere Bundesinternetanalphabeten gefordert haben, und den Bürger schmerzt das nun. Auf wen wird er also beim nächsten Mal eher hören? Auf den Konzern, der sich mit dem Internet auskennt und weiß, was geht und was nicht geht? Oder auf die alten Männer mit Kugelschreibern?

    Genau.

    Und so wird auch Deutschland irgendwann einmal blutig und schreiend im Online ankommen.

  8. Aufmerksamkeit! |  18.11.2010 | 22:08 | permalink  

    Oh, im Moment gab es eine Änderung bei Wikipedia zu Google Street View.
    Zu #6 ist jetzt Fußnote 34!

  9. Thomas Maier |  18.11.2010 | 22:37 | permalink  

    Man hat dies hinzunehmen, weil man nichts dagegen tun kann. Aber man hat es nicht zu akzeptieren. Der öffentliche Raum hat öffentlich zu bleiben. Er ist essenziell für ein gesundes gesellschaftliches Leben. Und wenn Sie mit Verhüllung auf Burka anspielen, kann ich nur sagen, dass Sie nichts, aber rein gar nichts, verstanden haben. Verpixler sind Vandalen im digitalen Raum der Öffentlichkeit.

    Lektüre-Empfehlung: Richard Sennett – Verfall und Ende der Öffentlichen Sphäre

    Ich dachte ehrlich nicht, dass Kulturpessimisten wie Sennett mal helfen, kulturoptimistischen Progressivismus zu unterstützen.

  10. Aufmerksamkeit! |  18.11.2010 | 23:04 | permalink  

    @Thomas Meier
    “Der öffentliche Raum hat öffentlich zu bleiben”
    Genau um die Frage geht es aber doch. Was ist “öffentlicher Raum”?
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlicher_Raum
    Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass bei Google Street View Häuser in den oberen Etagen verpixelt waren, ebenerdige Geschosse, besonders mit Geschäften, aber nicht!

  11. Streetview ist totalitär » textfresser |  19.11.2010 | 00:16 | permalink  

    [...] ist totalitär Enno Park haut bei Carta ein paar Gedanken zu Google Streetview raus, die ich ich ähnlich auch schon mal formuliert habe: [...]

  12. Stefan Täge |  19.11.2010 | 00:31 | permalink  

    Vom Datenschutz her haben wir doch in Deutschland ein paar größere Probleme, als Häuserfassaden und Straßen mit Schlaglöchern bei Google. Swift, Elena, VDS, Zensus 2011 das sind doch Dinge die mehr als bedenklich stimmen sollten.

  13. Frank Krings |  19.11.2010 | 01:01 | permalink  

    @Enno Park und dein Hinweis auf die “Faschisten”-Beschimpfung gegenüber Streetview-Gegnern: Wir befinden uns in punkto Digitalisierung in revolutionären Zeiten. Und diese Zeiten bringen es halt mit sich, dass sich manche selbsternannte “Avantgardisten” dieser Revolution radikal aufführen. Man erlebt als digitaler “Avantgardist” das unglaubliche Potential, dass durch Google, Facebook etc. möglich ist. Und dann sieht man in den Verweigerern, den Verpixel-Widerständlern, den “Facebook-ist-böse”-Privatssphäre-Geheimniskrämern plötzlich den “Feind”. Nur so kann ich mir den von dir erwähnten “Faschisten”-Tweet erklären. Vielleicht sollten wir “Digitalisten” etwas nachsichtiger sein. Google Streetview ist nun mal ein Thema, dass auch digital unbeleckte Bürger ganz plötzlich betrifft. Ihre heile Haus-mit-Vorgarten-Welt ist plötzlich von einer Firma indizierbar, die in Mainstream-Media wie SPIEGEL ständig als “Datenkrake” bezeichnet wird. Ich persönlich bin eher bei Jeff Jarvis und Jens Best – aber ich wundere mich auch nicht über den Widerstand.

  14. Vom Google Street-View Start, verpixelten Häusern, Egoisten und Selbstdarstellern - Maingold |  19.11.2010 | 01:06 | permalink  

    [...] Artikel zum Thema: Sind wir reif für Streetview, wenn wir den Wunsch nach Verhüllung nicht akzeptieren? Wer wird der Streetview-Irre bei der Tagesschau? Share Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, [...]

  15. noName |  19.11.2010 | 07:29 | permalink  

    “Sind wir reif für Streetview, wenn wir den Wunsch nach Verhüllung nicht akzeptieren?”

    Netter Beitrag (als wenn es derzeit nicht andere Probleme gäbe, trotzdem nett), aber “reif” sein, klingt wie eine Frage an Pubertierende. Die Argumente sind ausgetauscht, die Diskussion ist weiterhin lebhaft. Irgendwann sollte ein Thema durch sein oder – alternativ – auf der Meta-Ebene diskutiert werden…

  16. Aufmerksamkeit! |  19.11.2010 | 08:31 | permalink  

    Zu #6 und #8 Bei Wikipedia gab es erneut eine Änderung. Inzwischen ist es Fußnote 35. Damit das Ganze nicht zu verwirrend wird, verlinke ich die Fußnote jetzt direkt:
    http://datenschutz-kommentar.de/dateien/GoogleStreetView.pdf

  17. Heiner |  19.11.2010 | 08:37 | permalink  

    Ich erkenne durchaus individuelle Gründe, der Öffentlichkeit einen Einblick in die eigene Wohnsituation vorenthalten zu wollen. Auf der anderen Seite habe ich inzwischen aber ernste Bedenken, dass die Panoramafreiheit auf dem Spiel steht.

    Wenn Herr Caspar sagt:

    “Es kann nicht sein, dass dritte Personen die Entscheidung von Hausbesitzern gegen eine Darstellung ihrer Wohnsituation bewusst ignorieren und über den Fotodienst Panoramio Ansichten von verpixelten Häusern anfertigen…”

    dann heißt das doch im Umkehrschluiss, er fordert eine Abschaffung der Panoramafreihert wie wir sie kennen. Meiner Ansicht nach würde das weder dem Journalismus noch uns Bloggern gut bekommen.

  18. Axel |  19.11.2010 | 09:02 | permalink  

    Ich stell’ zum Thema einfach mal zwei Fragen:

    1. Warum wird das “Recht” eines Mitbewohners, der unser Mehrparteienhaus verpixeln lassen will höher eingeordnet als mein “Recht”, die Hütte bei Street View sehen zu können?

    2. Was ist öffentlicher als eine Hausfassade?

    Meine Meinung: Je länger man darüber nachdenkt, um so mehr zeigt sich, dass die ganze Street View Diskussion Gaga ist und ohne Bild und Aigner nie statt gefunden hätte.

  19. ttm |  19.11.2010 | 09:40 | permalink  

    Auch hier verweise ich auf meine schon vor längerer Zeit formulierten Thesen zum halböffentlichen Raum (http://www.geografitti.de/2010/08/03/der-halboffentliche-raum-neun-thesen-zum-datenschutz/) sowie der Hinweis auf einen in dieser Diskussion selten beachteten Aspekt: Dass der digitale Nachbau der Realität wie ihn Streetview (räumlich) oder Facebook (sozial) versprechen eben nicht die Realität darstellen, sondern allenfalls ihre Modellierung – mit allen sich daraus ergebenden Vorzügen und Nachteilen. Aber die Diskssion tut auf allen Seiten so, als sei das Modell die Wirklichikeit. (http://www.geografitti.de/2010/08/16/streetview-realitat-und-ihr-digitaler-nachbau/)

  20. Edgar Hugo |  19.11.2010 | 10:31 | permalink  

    Der erste vernünftige Text, den ich zum Thema gelesen habe.

    Meine Befürchtung ist übrigens, dass es als nächstes einen Swingback geben wird, weg von der Panoramafreiheit. Das könnten sich dann die Streetview-Fanboys auf die Fahne schreiben, die mit dem Konsens – wer nicht will, muss nicht – nicht leben wollten.

  21. ttm |  19.11.2010 | 10:38 | permalink  

    @Edgar Hugo: Die Bemerkung zum Swingback ist Unsinn und entspringt einer vordemokratisch verkrampft-ängstlichen Grundhaltung: Derjenige, der ein verbrieftes Recht nutzt, ist Schuld, wenn es bedroht oder abgeschafft werden soll? Das verdreht einfach alles!

  22. Thomas Maier |  19.11.2010 | 11:15 | permalink  

    Es ist zu beobachten, dass die Mehrheit der StreetView-Gegner denkt, StreetView würde in ihre Privatsphäre eindringen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall und StreetView erblickt nicht einmal einen Hauch von Privatheit.

    Nochmal: Es werden Straßen fotografiert. Öffentlicher kann die Öffentlichkeit nicht sein. Hauswände sind nur Nebenprodukte. Aber selbst wenn es Google WallView heißen würde, und Google explizit Hauswände abfotografieren würde (also auch die, die nicht von der Straße aus sichtbar sind), selbst dann ginge es um Öffentlichkeit. Egal was es ist – ist es von der öffentlichen Sphäre nicht verborgen, ist es Pflichtteil eben dieser. Wenn jemand sich selber in der Öffentlichkeit nicht zeigen möchte, kann er das tun. Das ist seine Entscheidung. Aber die Entscheidung für StreetView ist in dem Augenblick gefallen, in dem er sich für diese Hauswand entschied. Ebenso wie man sich für das verlassen des Hauses entscheidet, hat man auch seine Hauswand in die Öffentlichkeit gesetzt. Die Zerstörung dieser Öffentlichkeit durch Verpixelung ist ein Vandalismus an der Öffentlichen Sphäre und sollte nicht kulant gewährt werden (Recht gibt es ja sowieso keines) sondern eher bestraft werden.

  23. Dagger |  19.11.2010 | 11:49 | permalink  

    Gut geschreiben, Enno. Meine Meinung. Wieder einmal ein Problem mit dem Respekt.

  24. Hans-Dieter Zimmermann |  19.11.2010 | 11:50 | permalink  

    @ Enno Park. OK, weitgehend einverstanden.
    Aber: Was mich ‘wurmt’ an der deutschen Diskussion und Haltung ist die selektive Wahrnehmung in Politik und Öffentlichkeit. Da wettern im Sommerloch drei leibhaftige Minister gegen ein privatwirtschaftliches Unternehmen, rein aus Aktionismus, mit wenig Sachargumenten.

    Kaum jemand thematisiert, dass wir alle permanent, quasi in Realzeit, mit diversen Daten erfasst, gespeichert, ausgewertet werden. Und auch hier sind vor allem privatwirtschaftliche Unternehmen am Werk, bei denen man genauso wenig wie bei Google weiss, was sie wann mit den Daten einmal machen, legal oder illegal, oder wie gut sie geschützt sind. Ich denke hier vor allem an Telekom-Unternehmen (Vorratsdatenspeicherung!) und die permanente Videoüberwachung (in Bus, Bahn, Kaufhaus, Restaurant, …) fast überall und jederzeit oder die Erfassung unsere Zahlungsdaten (ec-, Kreditkarten, etc.). Wer heute noch keine digitale Spur hinterlassen hat, der hat weder telefoniert, noch eMails gelesen, noch das Haus verlassen, noch eine elektronische Zahlung getätigt. Werden wir hier gefragt unsere Daten Preis zu geben? Wo ist das Opt Out, das Widerspruchsformular? Für mich persönlich ist Google Streetview mit statischen und veralteten Bildern das absolut geringste Problem!

    Und was mich auch ‘nervt’ ist die teilweise geheuchelte Aufregung der Bürger, die zwar ihre Hausfassade nicht Online sichtbar machen wollen, aber genüsslich in zig voyeuristischen Trash TV Sendungen den Mitmenschen durchs Schlüsselloch schauen – die Einschaltquoten sind ein ganz einfacher Beweis.

    Und die Politik versagt, weil sie es nicht schafft, eine sachliche und absolut notwendige Diskussion um privat vs. öffentlich, um die (neue?) digitale Öffentlichkeit zu führen, und zwar mit allen Facetten. Deutschland ist noch lange nicht in der Informationsgesellschaft angekommen!

  25. Robert Mischuda |  19.11.2010 | 12:02 | permalink  

    Danke! Dieser Lesenswerte Beitrag hat mich dazu motiviert, heute noch mit meiner Kamera auf Häuserjagd zu gehen.

    Nieder mit der Burka!

  26. Pilot |  19.11.2010 | 13:33 | permalink  

    Demnächst ist Internetanschluss Bürgerpflicht (incl. RFID + GPS Implantat) und TV und Monitore / Laptops u.ä. werden zwangsweise mit ständig laufenden, nicht abschaltbaren Kameras geliefert (wie alle anderen elektrischen Geräte auch). Wer nichtelektrische Geräte benutzt, kommt in den Knast. Alle 5 Minuten muss man einen Werbespruch sagen. Sehen darf man nur noch durch LCD-Kontaktlinsen mit Internetanschluss. Wer die ablegt, wird erschossen.

  27. Jens Best |  19.11.2010 | 13:47 | permalink  

    Lieber Enno,

    Dein Beitrag ist ein doppelter Salto rückwärts.

    Mir ging es nie um eine Zwangsbeglückung von irgendwelchen Hausbesitzer oder Mietern. Es gibt sicher Menschen, die guten Wunsches den Respekt einfordern, die öffentliche Hausansicht nicht den wunderbaren Datenverknüpfungen des Website hinzuzufügen. Diese Gründe sind oftmals eher psychologischer, familiärer oder persönlicher Natur und gehen mich auch nichts an.

    Dennoch wurde das “Verpixeln” medial und politisch missbraucht. Der deutsche Michel wurde von der Kleinen gelassen und wie man ja weiss gefällt diesem das argumentefreie Verbieten. Es geht also nicht mehr um Respekt, sondern das Entgegenstellen einer gefährlichen Entwicklung.

    Ich würde also gerne, du kennst mich, die Minderheit der Verpixeler respektieren, aber die Streetview Debatte hat die Gefahr, dass hier ohne Diskurs neue Fakten geschaffen werden. Die Änderungsanträge für das BDSG sprechen eine deutliche Sprache: Jeder Fotograf, der “systemisch” Häuser fotografiert, muss ein dauerhaftes Widerspruchsrecht unter Strafandrohung akzeptieren.

    Hier wird eine Absprache zwischen einem Konzern und einer unkundigen Ministerin zum moralischen ja sogar rechtlichen Status für alle erhoben. Ohne ausführliche Diskussion wird das Handeln im öffentlichen Raum eingeschränkt. Mich interessiert nicht die großzügige ShoppingMall-”Öffentlichkeit” von Google, sondern die Fortsetzung der Freiheit der Häuserfotografie im datenverknüpfenden Informationszeitalter.

    Nicht das Verbieten, sondern die gemeinsame Auseinandersetzung über eine moral im digitalen Zeitalter wird uns gesellschaftlich voranbringen. Und das Fotografieren von Häusern, als Bestandteil des gemeinsamen öffentlichen Raum, ist ein, wenn auch banaler, Aspekt von Freiheit, die es gegen vorschnelle Panik und übertriebene Schutzwut des privaten Individuums zu verteidigen gilt.

  28. Mc.Herb |  19.11.2010 | 14:09 | permalink  

    Ich finde den Beitrag Sind wir reif …lesenswert und anregungsreich, vor allem weil m. E. versucht wird, in der Debatte nicht “schwarz-weiß”, sondern mit den dazwischenliegenden “Grautönen” zu argumentieren.

    Ich muß gestehen, ich habe nicht die ganz tiefe Einsicht in die StreetView-Thematik, und verfolge die Entwicklung inkl. Debatte eher mit distanziert neugierigem Interesse. Eine bestimmte Frage wird – zugegebenermaßen nur in der Diskussion der von mir gelesenen Beiträge – so gut wie gar nicht gestellt … vielleicht weil die Antwort jedermann/…frau bekannt ist?

    Wie nachhaltig ist das ganze StreetView-Angebot eigentlich?
    Landschaften – auch und gerade Kulturlandschaften, in die sich unsere Städte und Straßen einfügen – verändern sich rasch und ständig: Wohn- und Gewerbegebiete werden neu erschlossen und bebaut; vorhandene Flächen werden strukturbedingt vollständig umgewidmet (z. B. werden aus ehemaligen Rangierbahnhöfen Wohngebiete); Straßenzüge sowie Häuser werden ständig saniert und umgestaltet u.s.w. u.s.w.

    Im Unterschied zu den diversen “Map”-Diensten, die ja auf Satellitenaufnahmen und damit auf nicht von den Unternehmen selbst erzeugte Quellen zurückgreifen, wird bei StreetView das Unternehmen Google selbst aktiv und erzeugt diese Aufnahmen – die relativ rasch veraltet sein dürften (“Google-Maps” bietet übrigens eine Fülle von Ansichten, die leicht erkennbar veraltet sind). D. h. in welchen Abständen werden die StreetView-Aufnahmen erneuert? Alle 10, 20, 30 … Jahre?

    Und werden dann ggf. neue Widerspruchsmöglichkeiten eingeräumt?

    Ein weiterer Aspekt wird m. E. auch kaum thematisiert, was in meinen Augen umso irritierender ist, weil die Debatte mit einem so starken Bezug auf Prinzipen ausgefochten wird. Ich meine die räumliche Erstreckung dieses Dienstes. Strebt Google tatsächlich an, alle Straßenansichten zu erfassen? Das dürfte bereits in Deutschland schon kaum durchführbar sein, in anderen Regionen, in denen Google gar nicht diese Bedeutung wie bei uns hat (z. B. Russland), sowieso unmöglich. Wie gesagt, welche Straße wird also erfaßt, welche nicht?

    Vor dem Hintergrund dieser Frage – deren Antwort eventuell manche der hier Debattierenden schon lange kennen? – finde ich manche Züge dieser Diskussion schon ein wenig “belustigend”: Da gibt es Häuser und Wohnungen, die “ge-StreetViewt” werden, deren Besitzer/Mieter das – aus welchen Gründen auch immer – aber gar nicht wollen, was wiederum die Besitzer/Mieter erbost, die es wollen – sogar nicht nur die, sondern dazu auch einige überzeugte “StreetViewIsti”, die hier fundamentale Grundrechte bedroht sehen und Google mit den eigenen Kameras zur Seite treten.

    Dann müßte es doch auch bald jene Häuser und Wohnungen geben, die von Google – aus welchen Gründen auch immer – nicht ins Programm aufgenommen werden, deren Besitzer/Mieter das aber unbedingt wollen, weil sie doch vielleicht auch ein Recht auf … ja auf was eigentlich … hätten? Öffentlichkeit? Das wiederum bringt jene Besitzer/Mieter eben dieser Häuser auf den Plan, die das wiederum nicht wollen …

    Habe ich als Hauseigentümer überhaupt ein Recht, mein Haus in StreetView abgebildet zu sehen? Mich erheitert die Vorstellung, daß ein Bauer – oder wie man heute sagen würde: Agronom – im tiefsten Hunsrück oder Bayerischen Wald, auf der schwäbischen Alb oder in den Weiten Meckl.-Vorpommerns eines engagierten Fotografen ansichtig würde, der sein Anwesen ablichtet … und auf seine Frage, was er (der Fotograf) und vor allem warum er das mache, zur Antwort bekäme: er (der Agronom) habe öffentlich zu sein … bzw. ein Recht auf Öffentlichkeit …

  29. YuccaTree Post + » Streetview: Kleinkrieg im Netz und unvollständige Verpixelung |  19.11.2010 | 14:14 | permalink  

    [...] einen sehen in der Unkenntlichmachung von Häusern eine Verschandelung, ja gar Vandalismus – die anderen möchten Streetview sabotieren und scheinen sich zu freuen, wenn die [...]

  30. Ein Mensch |  19.11.2010 | 14:29 | permalink  

    Guter ausgewogener Artikel, aber noch einen Aspekt will ich hinzufügen. Es gibt doch analoge Präzendenzfälle, z.B. das Telefonbuch. Auch meine Adresse ist eigentlich eine ziemlich öffentliche Sache, trotzdem kann ich die Adresse im Telefonbuch entfernen lassen. Ja, das ist ärgerlich, wenn man jemanden telefonisch nicht erreicht und einen Brief schreiben will. Jens Best würde wahrscheinlich die Adressen in einem parallelen Panoramio-Telefonbuch nacherfassen, indem er alle Adressen besucht, die nicht im Telefonbuch stehen, und die Namen von den Briefkästen abschreibt. Absurd?

  31. Jens Best |  19.11.2010 | 15:16 | permalink  

    @Ein Mensch #38

    Ach, eigentlich bin ich es ja müde Kommentatoren zu antworten, die offensichtlich nicht für zwei Sekunden nachdenken, bevor sie sabbern.

    Ist dir der Unterschied zwischen einer personenbezogenen Adresse und einer Häuserfassade bewusst? Nein? Nun, ersteres fällt unter persönliche Daten, letzteres ist ein öffentliches Datum.

    Und was kann man durch diesen Trollkommentator lernen? Differenzieren ist nicht jedermanns Sache, auch und vorallem für Leute, die die wunderbare Webmöglichkeit der Anonymität nutzen, um argumentativen Unsinn mit dem Ziel der persönlichen Diffamierung zu verbreiten. Meine Empfehlung: Erst Denken, dann Tippen.

  32. Wolf |  19.11.2010 | 16:15 | permalink  

    Angesichts des Hintergrundes, dass deutsche Kommunen meine kompletten Daten an jedermann für viel Geld verkaufen, verstehe ich, dass verschieden Politiker befürchten, diese Geldquelle könne versiegen. Folglich riefen sie zum Widerspruch auf, starteten sogar rerelrechte Medienkampagnen. Sie haben Angst um ihre Einkünfte. Deswegen ist Streetview hauptsächlich in Deutschland ein Prpblem, aber weniger in anderen Ländern, in denen Katasterdaten öffentlich zugänglich sind.

    Das verpixelte Haus, in dem ich wohne werde ich fotografieren und ins Netz stellen. Ich lass mich nicht durch den einzigen Bildzeitungsleser dazu zwingen, auf den tollen Streetview Service zu verzichten und meinen Besuchern weiterhin umständlich am Telefon erklären zu müssen, wie sie zu mir finden: “Nach dem dritten Angsthaus links abbiegen und das vierte auf der linken Seite ist es dann…”

    Wäre ich auf Wohnungssuche, wäre ein verpixeltes Haus ein klares Ausschlusskriterium. Zu diesem Ort würde ich gar nicht erst zur Besichtigung fahren.

  33. Edgar Hugo |  19.11.2010 | 18:19 | permalink  

    @ttm: “Die Bemerkung zum Swingback ist Unsinn und entspringt einer vordemokratisch verkrampft-ängstlichen Grundhaltung: Derjenige, der ein verbrieftes Recht nutzt, ist Schuld, wenn es bedroht oder abgeschafft werden soll? Das verdreht einfach alles!”

    Nein. Die Panoramafreiheit wurde definiert, als noch nicht einmal im Entferntesten an soetwas wie Digitalfotografie zu denken war. Ihr Ziel ist es, dass nicht jedermann erst für ein “Property release” klingeln muss – was in anderen Ländern durchaus der Fall ist. Die Panoramafreiheit dient gerade nicht dazu, endlose Bilderfluten zu produzieren und diese langfristig mit Geoinformationen zu verknüpfen.

    Wenn jetzt also Gesetz und Wirklichkeit nicht mehr den neuen Gegebenheiten entsprechen, wird es höchste Zeit, ein neues Geodatengesetz zu schaffen.

    Genau das wird – zurecht – geschehen, wenn die “Ich fotografier trotzdem”-Guerilla den friedlichen Konsens – wer will soll, wer nicht will, muss nicht – aufkündigt.

  34. Sascha Stoltenow |  19.11.2010 | 18:40 | permalink  

    Ha, ich bin nicht allein, wenn ich verpixeln und nachfotografieren gleichermaßen spießig, weil rechthaberisch finde. Danke.

  35. Jens Best |  19.11.2010 | 19:28 | permalink  

    @Edgar Hugo

    Der “friedliche Konsens” wurde von den Medien aufgekündigt, als sie undifferenziert Google=Internet gesetzt haben.

    Der “friedliche Konsens” wurde von den Politikern sowie dem Bundesdatenschutzanatiker Schaar und seinen Konsorten aufgekündigt als sie die Bedeutung der Privatsphäre in den öffentlichen Raum ausgedehnt haben. Schaar fordert ein Zentralregister, bei dem dann wohl auch Fotografen anrufen müssen, bevor sie Strassenfoto onlinestellen. Sekundiert wird dies von einem Änderungsantrag im Bundesrat, der das Onlineveröffentlichen von Strassenansichten quasi unter Strafe stellt (BDSG-Antrag Paragraph 34).

    Dies ist ein Eingriff in die Freiheit im öffentlichen Raum – nur weil eine fehlgelenkte und unüberlegte Privatsphären-Paranoia Häuserfassaden(!) zum Bestandteil des informationellen Selbstbestimmungsrechtes deklariert. Was kommt morgen? Die Gullideckel vor dem Haus?

    Der Kampf um die nötige Privatsphäre im Informationszeitalter in allen Ehren, aber an dieser “Front” völlig überzogen.

  36. ejal |  19.11.2010 | 20:05 | permalink  

    “Der Kampf um die nötige Privatsphäre im Informationszeitalter in allen Ehren, aber an dieser “Front” völlig überzogen.”

    Der Satz könnte von mir stammen. Es geht schließlich nur darum, ob das freundliche kleine Startup-Unternehmen Google sein Werbeportfolio erweitern darf, nicht um den Untergang des Abendlandes, weil der Nachbar keinen Bock hat, da mitzumachen und sein Haus verpixeln lässt.

    Das mit dem Zentralregister ist im übrigen Unsinn. Es geht in dem Gesetzesentwurf nur um Geodatenverknüpfungen, nicht um das normale Fotografieren. Es ist bislang Wunsch der Politik, gerade nicht ein solches – natürlich schwammiges und fehlerhaftes – “Lex Google” zu schaffen, sondern dass sich alle Beteiligten einigen. Und bislang klappt das mit der Opt-Out-Lösung ja auch ganz gut. Wenn einige Leute das dann durch Panoramio aushebeln ist die Gesetzgebung allerdings zum Handeln gezwungen. Aber das überreisst der kleine Nerd natürlich nicht, der seinen Computer mal wieder verlässt um die Verpixler zu ihrem/seinen Glück zu zwingen.

    Dass die bösen Medien schuld sind, wahlweise Deppen, die sich und ihr Pixelhaus mit Adressangabe in der Bild abbilden lassen etc. wurde ja schon an anderer Stelle diskutiert…

  37. Jens Best |  19.11.2010 | 22:01 | permalink  

    @ejal

    Meinst du jetzt du würdest mir was Neues erzählen?

    Natürlich geht es um geo-getaggte Fotografie allgemein – wie es heute jeder neue Fotoapparat bietet. Ergo ist die quasi crowdgesourced-te systemische Erfassung auf flickr, picasa etc. ebenso betroffen wie kommerzielle Anbieter a la google, microsoft, nokia, sightwalk etc.

    Es geht also nicht um eine Opt-Out Option für einen einzigen Anbieter. Die Opt-Out Option ist in diesem Fall die Negation des aktuellen Verständnis von den Möglichkeiten im öffentlichen Raum. Es gibt kein allgemeines Opt-Out der Ansicht der Häuserfassade aus dem öffentlichen Raum.

    Kann man alles diskutieren, aber weder Google noch irgendwelche Datenschutzbeauftragten (die meist bereits als Hüter der Informationsfreiheit versagt haben) oder internet-unkundige Politiker können über diesen essentiell wichtigen Raum und die damit verbundenen Freiheiten verbindlich entscheiden. Auch der Deutsche Michel wird hier mit seinem “Verbieten, Verbieten”-Gebrüll nichts ändern.

    Mir ist zwar primär an einem gesellschaftlichen Diskurs gelegen (und der fand ja dann auch in den letzten Monaten statt), aber eine, wie du schreibst, “gesetzliche Regelung” oder sagen wir mal besser “gerichtliche Klärung” wäre auch okay – denn legislative oder judikative Entscheidungen sind ja nichts weiter als die Festigung des gesellschaftlichen Miteinanders durch Regeln. Aktuell allerdings habe ich aber, wenn es um Internetthemen geht, mehr Vertrauen in eine abwägende Gerichtsbarkeit als in die sinnbefreit regelnden Gestalten, denen wir die legislative Aufgaben überlassen haben.

  38. Edgar Hugo |  19.11.2010 | 22:52 | permalink  

    Ich weiß nicht, ob Sie Flickr als Laichplatz für willkürlich gesammelte Bilder nutzen. Ich jedenfalls stelle dort gelungene Fotografien – es sind sicher auch Häuserfassaden dabei – von mir ein. Den Dienst in einem Zusammenhang mit Geodatendiensten zu nennen, ist absolut albern. Auf Flickr & Co. gibt es bestimmt jede Menge gute und schlechte Bilder von Sehenswürdigkeiten, aber bestimmt keine “systemische Erfassung”.

    Und der öffentliche Raum ist noch immer das, was vor Ihrer Haustür passiert, nicht irgendwelche Serverkapazitäten bei Google.

  39. Jens Best |  19.11.2010 | 23:13 | permalink  

    @edgar hugo

    Eine Gruppe auf flickr, in der geo-getaggte Häuserfassaden-Fotos gesammelt werden und die mit flickr-maps sehr schnell umfassend geografisch darstellend werden kann, könnte der ein oder andere Datenschutz-Fanatiker sicher als systemische Abbildung definieren.

    Sie lesen nicht wirklich, was andere so schreiben, kann das sein?
    Die Abbildung des öffentlichen Raums durch Google ist natürlich kein öffentlicher Raum, sondern eben dessen Abbildung. Es geht aber um die aktuell moralisch wie rechtlich einwandfreie Möglichkeit diese Abbildung von Häuserfassaden durchfuhren zu können ohne auf die Willkür von Hausbesitzern angewiesen zu sein. Das ist eben der Unterschied: im öffentlichen Raum gibt es wohl abgewogene Absprachen, in ihrem Wohnzimmer hingegen sagen sie was Sache ist.

    Also, nochmal für die Langsamen: öffentlicher Raum nix stattfinden auf google server, im öffentlichen Raum das digitale Fotografieren verbieten – nicht mit mir.

  40. Ein Mensch |  19.11.2010 | 23:16 | permalink  

    @30 Jens Best: Tut mir leid. Der Name steht (wie die Hausfassade) öffentlich für jedermann am öffentlich zugänglichen Briefkasten (oder Klingelschild) und der Strassenname und die Hausnummer ist öffentlich. Meine “Hausfassade” zeigt im Zweifel meinen unaufgeräumten Vorgarten oder eröffnet durch die sichtbaren Gegenstände einen Einblick in meine Vorlieben und Gewohnheiten. Sie ist damit personenbezogen und genausowenig gedacht ins Internet gestellt zu werden, wie der Name an meinem Klingelschild. Der Name ist zwar faktisch öffentlich, aber er ist nur dafür gedacht, dass der Mensch der gerade davorsteht ihn sehen darf, damit er zweckgebunden weiss, wo er klingeln muss. Sicherlich könnte ich den erwünschten Besuchern einen Zahlencode geben und nur diesen Zahlencode auf das Klingelschild tun, ebenso könnte ich meinen Vorgarten auch aufräumen.

    Respektiere bitte mein Recht keinen undurchsichtigen Zaun um mein Grundstück ziehen zu müssen. Nur weil mein Gartentor permanent offen steht, heisst das nicht, dass da jeder drauflaufen soll oder jeder ein Foto machen soll.

    Meine Privatsphäre gehört mir, und wo die beginnt, bestimme ich.

  41. Edgar Hugo |  19.11.2010 | 23:29 | permalink  

    “Eine Gruppe auf flickr, in der geo-getaggte Häuserfassaden-Fotos gesammelt werden und die mit flickr-maps sehr schnell umfassend geografisch darstellend werden kann, könnte der ein oder andere Datenschutz-Fanatiker sicher als systemische Abbildung definieren.”

    Herrje, genau das ist der “Deutsche Michel” – Sie wollen also auf Teufel komm raus ein “Fotorecht” für alle Bereiche des Lebens. Die “einfache” Streetphotography lebt nun mal vom Prinzip “Wo kein Kläger, da kein Richter” und im Zweifelsfall passt man halt auf und einigt sich in gegenseitigem Respekt und immer auch fair auf die Interessen des Anderen bedacht.

    Was Sie hier forcieren ist eine elende Paragraphenreiterei, bei der der oben beschriebene ständige Eiertanz zwischen Persönlichkeitsrechten einerseits und berechtigten künstlerischem Interesse anderseits in eine juristische Form gegossen wird. Das kann nur in einer elendigen Lösung enden. Und genau deshalb ist die jetzige “Wer nicht möchte, muss nicht”-Lösung gut.

  42. Berliner |  19.11.2010 | 23:35 | permalink  

    An der Streetview werden sich noch lange die Geister scheiden, doch ich gehe davon aus, dass sie eines Tages zur Normalität wird.
    Vielleicht bietet ja ein Google-Nachfolger einmal die Möglichkeit an, den Balkon vorher aufzuräumen anstatt zu verpixeln.

  43. Wolfgang Michal |  20.11.2010 | 00:27 | permalink  

    Meines Erachtens verteidigt Jens Best hier nicht den Konzern Google, sondern seine Rechte als Fotograf. Würde sich eine Lex Google nämlich durchsetzen, hätte dies möglicherweise fatale Folgen für alle, deren Beruf es ist, Öffentlichkeit herzustellen. Dann könnte morgen ein Pressefotograf mit dem „Recht“ eines Bürgers konfrontiert werden, dass Fotos von einer Demonstration, einer Straßenszene, einem Unfall etc. nur veröffentlicht werden dürfen, wenn das jeweils im Hintergrund zu sehende Haus des Bürgers ordnungsgemäß verpixelt wird. Erscheinen diese Fotos dann unverpixelt in der Zeitung (oder online), hätte der Bürger mit Berufung auf den Präzedenzfall Google eventuell das Recht, den Fotografen und die Zeitung abzumahnen, eine Unterlassungserklärung zu verlangen und eventuell sogar Schadenersatz einzufordern.
    Jens Best kann mich gerne korrigieren, aber ich denke, das ist es, was ihn umtreibt.

  44. Jens Best |  20.11.2010 | 00:34 | permalink  

    @edgar hugo #40

    Für mich ist eine flickr-Gruppe eine flickr-Gruppe, da machen sie sich mal keine Sorgen. Nach etlichen Gesprächen in den letzten Monaten kenne ich aber meine Pappenheimer und ich würde wetten, dass einer der Dt. Michel ankommt und versucht, ‘ne flickr-Gruppe mit Häuserfassaden und flickr-map als systemisch zu erklären. Wetten?

    Anderes (und wahrscheinlich besseres) Beispiel wäre eine Foto-App für openstreetmap.org – Quasi die zivilgesellschaftliche Alternative zu den kommerziellen Angeboten im Online-Kartenbereich. Aktuell helfen 50.000 Leute bei openstreetmap – wer entscheidet also über die Abbildung des öffentlichen Raumes hier, wenn es plötzlich keinen kommerziellen bösen US-Konzern mehr auf der Gegenseite gibt??

    “ein ‘Fotorecht’ für alle Bereiche des Lebens” – Nope, habe ich nie verlangt, habe ich nie gewünscht. Öffentliches bleibt öffentlich, Privates bleibt privat. Die Häuserfassade ist….öffentlich.

    “Wo kein Kläger, da kein Richter – und im Zweifelsfall passt man halt auf und einigt sich in gegenseitigem Respekt” —- Ich würde mich über eine solche Laissez-faire Haltung auch freuen, aber um es mal so zu sagen: Ich muss nicht fotografieren, ich verlange nur, das man das Fotografieren nicht moralisch/rechtlich verbietet – genau diesen Trend sah ich aber, als ich mich entschloß die Foto-Aktion als Gegenmassnahme anzukündigen.

    “Wer nicht möchte, muss nicht” – Dies ist lediglich eine Illusion. Denn wie ja alle ‘schockiert’ festgestellt haben in den letzten Monaten fliegen die Landesvermessungsämter regelmässig mit Kameras ganz Deutschland ab – seit Jahrzehnten. Die bereits vor streetview existierenden Hobby-Fotos irgendwelcher Menschen zeigen bereits viele “verpixelte” Häuser – und keiner hats gemerkt, obwohl jeder auf den maps von google, microsoft oder flickr diese Fotos finden konnte.

    Klar, sie könnten jetzt argumentieren, dass diese Illusion für viele völlig ausreichend ist/war. Aber sollte diese ‘optionale Unwissenheit’ im Informationszeitalter nicht peu a peu einer aufgeklärteren (und damit gegebenfalls nochmals durchdiskutierten) Haltung weichen?

    @Ein Mensch #39

    “Meine Privatsphäre gehört mir…” – stimme ich 100% zu.

    “…und wo die beginnt, bestimme ich.” Nope, die Grenzziehung ist nicht ihrer persönlichen Willkür unterworfen. Es gibt gesellschaftliche Übereinkünfte, was privat und was öffentlich ist. Diese sind variabel, kulturellem und zeitgenössischem Wandel unterworfen. Und das ist gut so, weil sie wollen ja sicher auch ein Teil der Gemeinschaft sein, in der sie leben. Teilen gehört eben genauso dazu, wie “für sich” sein zu können.

  45. Andreas Grieß |  20.11.2010 | 01:10 | permalink  

    @Ein Mensch (39): Meine Privatsphäre gehört mir, und wo die beginnt, bestimme ich.
    Dann bestimme ich, dass meine komplett Berlin umfasst.. Ach was sage ich: Erde. Ich bitte darum, meinen Heimatplaneten zu verpixeln.

    Du merkst… Privatsphäre kann NICHT jeder für sich allein bestimmen, das wäre absurd.

    Genauso absurd finde ich, dass irgendein Mieter bestimmen kann: Das Haus wird gepixelt, selbst wenn alle anderen es nicht wollen. Mehr noch: Zieht der Pixelwillige aus, bleibt das Haus unkenntlich. Ist das wirklich fair? Wenn wir das, was bei solchen – so sehe ich es: Lappalien – anwenden konsequent auf andere Bereiche ausdehen, dann bekommen wir aber arge Probleme.

    Will einer keine Migranten im Haus (Stadt, Planeten?) müssen die raus, selbst wenn sich alle Hausbewohner gut mit ihnen verstehen? Um Mal ein sensibles Beispiel zu nennen.

    Überhaupt: Muss man überhaupt Mieter sein. Auch eine interessante Frage, wenn ich mir die Grünen Parteizentrale anschaue. Verpixelt und keiner weiß wer es war… Was nicht alles geht.
    Hat mal jemand versucht ein x-beliebiges Haus verpixeln zu lassen, mit dem er nichts zu tun hat? (Oder fangen wir klein an, einfach ein x-beliebiges Auto). Und wenn ich “fremdpixel”, kann der eigentliche Eigentümer mir dafür was???
    (einige weitere Fragen habe ich bei mir gebloggt: http://blog.andreasgriess.de )

    Häuserfasaden sind öffentlicher Raum, Jens sagt es. Lustig wird es dann, wenn Leute auf Facebook sind und sich dort über Street View als Eingriff in ihre Privatsphäre beklagen.

  46. Andreas Grieß |  20.11.2010 | 01:22 | permalink  

    @Wolfgang Michal:
    Die Konsequenzen aus dem Google-Agreement sind bereits zu spüren. Haben auf meiner derzeitigen Arbeitsstelle unzählige Mails und Kommentare bekommen, als wir in der Castor-Berichterstattung ein Bild von einer der Demonstrationen (merke, Menschen, die für eine Sache öffentlich demonstrieren, bzw in diesem Fall gegen eine Sache) verwendet haben. Wohlbemerkt ein Agenturfoto. Die Kommentare gingen alle in die Richtung: Hat der Fotograf gefragt ob das Bild für einen Artikel als Bebilderung dienen kann oder die Autorin? Wohl kaum. Also müsste doch verpixelt werden…
    (siehe auch http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-anti-akw/artikel/kommentarseite/1/tornado-ueber-gorleben/kommentare/1/1/)

  47. Aufmerksamkeit! |  20.11.2010 | 02:09 | permalink  

    @Andreas Grieß
    “Häuserfassaden sind öffentlicher Raum”
    So einfach ist es eben nicht!
    Die Frage, ob Bilder von Google, die mittels Kameraaufbau auf den Googlefahrzeugen erstellt wurden noch von der Panoramafreiheit gedeckt sind, ist zumindest sehr umstritten. Siehe hierzu:
    http://fachanwalt-fuer-it-recht.blogspot.com/2010/08/google-street-view-massenhafter.html
    Dort besonders auch das Urteil des Bundesgerichtshofes zum Hunderwasserhaus.

    Panoramafreiheit bedeutet außerdem nicht, dass solche Bilder automatisch auch hinsichtlich sonstiger Verbote unbedenklich sind, die unabhängig vom Urheberrecht (Panoramafreiheit ist eine Schranke des Urheberrechts) bestehen und sich z. B. aus dem Datenschutz ergeben können.
    Kopiere hier nochmal den link, den ich schon oben zu #15 eingefügt hatte:
    http://datenschutz-kommentar.de/dateien/GoogleStreetView.pdf

    Hinzu kommt das Problem der Verknüpfung der Daten.

    Nach derzeitiger Rechtslage ist es also nur konsequent, dass Menschen Widerspruch bei Google (und natürlich allen vergleichbaren Anbietern) einlegen können.
    Wenn ich argumentiere, dass diese Gesetzeslage und die Rechtsprechung dazu nicht der “gelebten Situation”, dem “gesellschaftlichen Willen”, der “Zukunftsrealität” oder was auch immer entspricht, dann reicht es nicht zu sagen “ich will das aber so” (ja, ist sehr verkürzt). Dann muss ich eben die entsprechenden Initiativen auf den Weg bringen, die Einfluss auf eine Gesetzesänderung/-erweiterung nehmen.

    Wenn ich Blogs lese, wo es heißt: ” Vielleicht hast du gute Gründe…., vielleicht hast du gute Gründe…etc. …Aber mit Verlaub, die sind mir völlig schnurz.
    Oder ich Blogeinträge lese, wo die “verhassten Verpixeler” nur als verf*****te Ar*****cher (auch das in Wiederholung) bezeichnet werden, dann frage ich mich, wo diese Leute sind, wenn es um konkretes politisches Engagemnet geht.
    Vom Wollen und Wünschen und sich über Rechte anderer hinwegsetzen ist noch nie etwas Substantielles entstanden.

    Auch hier wiederhole ich gerne meine Frage zu dem von mir oben #6 erwähnten Gesetzesentwurf: Wo sind hier die konkreten Initiativen, also, wenn es einem wirklich so wichtig ist?

    Für mich gibt es hier viel “Geschrei” (sorry) und wenig Konkretes.

  48. Jens Best |  20.11.2010 | 12:31 | permalink  

    @Aufmerksamkeit #46

    achja, die Aufnahmehöhe. Die im ersten Link angebrachten Punkte sind ja in den letzten Monaten zu Genüge diskutiert worden. Für mich als Fotograf uninteressant, die Fotografen, die bei der Aktion “Verschollene Häuser” mitmachen, sollten keine Hilfsmittel benutzen – fertig. Anderseits habe ich auch schon viele pre-streetview UG-Fotos gesehen, die aus gegenüberliegenden Häusern, Touri-Bussen etc. aufgenommen wurden – jedes Foto ein Verstoß. Böse, böse Menschen…..

    Die Panoramafreiheit aus dem UrhG ist nachgeordnet Artikel 2 des GG, der die freie Persönlichkeitsentfaltung sichert. Das Konstrukt über die mögliche Datenverbindung des öffentlichen Datums “Häuserfassade” mit einem potentiellen oder reellen personenbezogenem Datum (z.B. “Name”) ein generelles Verbot für die systemische Fotografie und Online-Veröffentlichung von öffentlichen Räumen zu konstruieren, ist genau das, was mir gegen den Strich geht.

    Statt Offenheit bis an vertretbare Grenzen wird hier ein überzogenes Schutzverständnis angewendet. Die Paranoia vor einem übergriffigen wirtschaftlichen System wird an den potentiellen Symtomen “behandelt” und dabei wird als Kollateralschaden die fortgesetzte Einschränkung von bürgerlichen Freiheitsrechten in Kauf genommen. Wenn jemand den Kapitalismus doof findet, soll er ihn an der Wurzel behandeln und nicht auf fotografierende Spatzen schiessen.

    Ich bin mir sicher, dass der aktuell gültige gesellschaftliche Abwägungsbeschluß, nämlich dass Fotografie und Veröffentlichung erlaubt sind, auch bei einer erneuten gerichtlichen Auseinandersetzung Bestand haben wird. Und ich wiederhole mich nochmal:
    Auch wenn am 7.12. im Rahmen des “IT-Gipfels”, auf dem Wirtschaft und Staat über “unser” Web diskutieren, ein “geregelte Selbstregulierung” hinsichtlich Geodaten beschlossen wird, hat dies keinen Einfluß auf das bürgerliche Verständnis von Freier Fotografie.
    Es gilt zu vermeiden, dass wirtschaftlich-staatliches Geklünkel die Grundlage für die bürgerliche Nutzung des Internets diktiert.

    Aber ich weiche ab – es gibt keine neuen Datenschutz-Gründe, die das Fotografieren und Veröffentlichen im Kern einschränken. Deine Deutung der Rechtslage, @Aufmerksamkeit, ist also nicht eindeutig. “Gesellschaftlicher Wille” bei 3% der Häuser zu unterstellen ist auch mehr Wunschdenken als Argument. Vorallem wenn in meinen Stichproben 90% davon mir mit fadenscheinigen Begründung kamen, die im Kern ein emotionales “Ich will das halt nicht.” enthielten – Sorry, nicht genug für einen gesellschaftlichen Konsens. Das Leben ist kein Wunschkonzert.

    Es gibt kein Recht auf Verpixelung, deswegen setzt sich auch niemand darüber hinweg.

    Ach und wenn ich zählen würde, wieviele arme Geister in den letzten Monaten mit Nazi-, Stasi- oder Totalitaristen-Vorwürfen ankamen oder einfach nur billig mit Fäkalworten und Gewaltandrohung um sich geworfen haben – da könnte ich deinen vorletzten Absatz über Beleidungen auch genauso von meiner seite spiegeln. Mir gelingt es mittlerweile, diese Art von Mensch zu ignorieren, als Argument haben sie eh nie genützt.

    Abschliessend der von dir in #6 erwähnte Gesetzesentwurf vom “Grünen Shootingstar” Steffen aus Hamburg, der durch die üblichen Klünkelabsprachen im Bundesrat ohne Aussprache im Paket angenommen wurde.
    Ich sehe gerade im dort neuen §34 die Gefahr, dass Fotografie im öffentlichen Raum unter den permanenten Vorbehalt des Widerspruchs von Hausbesitzern gestellt wird. Ein radikaler Eingriff in die Freiheiten im öffentlichen Raum. Und mit aller Dreistigkeit auch noch mit einer Strafbewehrung bei Nichtbeachtung des Widerspruchs versehen. Ein “Lex Google”, das bei Inkrafttreten ein weiterer Sargnagel für die bürgerlichen Freiheiten in Deutschland wäre.

    Also, es darf nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden.

    Wenn man wirtschaftliche Kräfte im Web eingrenzen möchte, darf das nicht auf Kosten allgemeiner Freiheiten des Einzelnen geschehen. Die ernsthafte Förderung von zivilgesellschaftlichen Alternativen zu kommerziellen Karten- und Foto-Diensten kann auch helfen, die wachsende wirtschaftliche Macht über den sozialen Raum des Webs zu begrenzen. Den Deutschen Michel mit Verbotsschildern von der Leine zu lassen, ist eine angstvolle Methode, der ich mich entgegensetzen werde.

  49. jo |  20.11.2010 | 13:58 | permalink  

    hätte dies möglicherweise fatale Folgen für alle, deren Beruf es ist, Öffentlichkeit herzustellen. Dann könnte morgen ein Pressefotograf

    Gratulation, Herr Michal, dieses Argument ist als gezielte Nebelkerze fast noch infamer, als der Versuch Kritiker pauschal in die Ecke ewiggestriger Technikverweigerer zu stellen, die – Bonusunterstellung, damit der Gegner auch wirklich wie ein zurückgebliebener Volltrottel ausschaut – aus Unkenntnis eine Totalüberwachung fürchten würden.

    Und das, wo sie als ehemaliger/langjähriger Journalist nur zu gut wissen, dass sich die journalistische (Bild-)Berichterstattung auf eine komplett andere Rechtsgrundlage stützt, als z.B. eine kommerzielle Nutzung im nicht-journalistischen Kontext.

    @Andreas Grieß: Nunja. Auch wenn die Rechtslage bei der Bildberichterstattung von “Versammlungen und Aufzüge” ja recht eindeutig ist, sollte man da ein klein wenig Verständnis aufbringen. Und vielleicht sollte man sich auch als Fotograf/Berichterstatter fragen, ob und wann man die Leute explizit abschießt.

    Früher war es einfach: Regionale Verbreitung, mit ganz viel Pech überregionale in der Bild oder in der Tagesschau. Ich wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, die Teilnehmer einer Antifa-Demo frontal oder deutlich erkennbar abzuschießen.

    Heute haben wir nicht nur das Internet und jeder auf einer Demo zwei Kameras dabei, sondern auch immer leistungsfähiger werdende Bilderkennungsprogramme. D.h. das Risiko öffentlich für seine (politische) Meinung einzustehen und nach einer entsprechenden Veröffentlichung von Dritten erkannt zu werden, ist deutlich gestiegen.

    Natürlich kann man argumentieren, dass das in einer Demokratie doch bitte kein Problem sein sollte. Nun, es ist leider ein Problem. Auch abseits der chillings effects, die für viele Menschen bereits geeignet sind, auf eine Teilnahme an einer Demonstration (und somit eine Partizipation am demokratischen Diskurs) zu verzichten. Das scheint mir ein Aspekt, der in der Debatte leider vernachtlässigt wird.

  50. noName |  20.11.2010 | 14:28 | permalink  

    Wie angedeutet, halte ich es für ungeschickt, die Diskussion über ‚öffentlichen Raum‘, ‚Freiheitsrechte‘, ‚Transparenz‘ ausschließlich am Beispiel Streetview zu führen. Inzwischen habe ich den Eindruck, als wenn sich der ein oder andere Kommentator auf den Schlips getreten fühlt. Das ist wenig zielführend. Ein Versuch auf der Meta-Ebene, welcher voraussetzt, die richtigen (?) politischen (!) Fragen zu stellen:

    1. Wollen wir mehr Transparenz auf staatlicher Ebene?
    2. Wollen wir mehr Transparenz auf bürgerlicher Ebene?
    3. Gibt es Schnittmengen?
    4. Wie definiert sich der öffentliche Raum?
    5. Wo steht der Schutz des Einzelnen (Persönlichkeitsrecht als Freiheitsrecht) vor dem Schutz anderer?

    Die Bedeutung des Internets ist bei den Fragestellungen angemessen zu berücksichtigen.

    Das hier bereits zitierte Bundesdatenschutzgesetz mit Gesetzesentwurf regelt den Umgang mit personenbezogenen (!) Daten (Frage unter 1. passt hier schon nicht), nicht den öffentlichen Raum als solchen. M. E. müsste eine politisch-systematische Diskussion einer juristischen vorgezogen werden.

    @Jens Best scheint sich für Freiheitsrechte einsetzen zu wollen und für die Schaffung eines ‚öffentlichen Raums im Internet‘, was grundsätzlich nicht verkehrt ist. Begrifflichkeiten werden mir mitunter zu stark vermischt, wenn über Streetview diskutiert wird. Freiheit des einen kann die Einschränkung des anderen, dessen Nichtfreiheit bedeuten. Transparenz der Bürger kann deren Nichtfreiheit im schlimmsten Fall zur Folge haben; Transparenz über staatliche Vorgänge hingegen kann die Freiheitsrechte der Bürger stärken.

    Das Bundesdatenschutzgesetz schützt den Bürger vor Datenmissbrauch durch andere; es regelt nur einen kleinen wichtigen Ausschnitt für die politisch relevanten Fragen.

    Wohin Intransparenz bei der Legislative führt zeigt dieser gestrige Artikel anschaulich:
    http://www.freitag.de/politik/1046-an-den-grenzen-des-rechts

    Bitte weg von Kleinklein und juristischen Feinheiten (@Aufmerksamkeit!), hin zu einer politischen Diskussion.

  51. Jens Best |  20.11.2010 | 14:45 | permalink  

    @jo

    Ach Jörg, ausatmen…einatmen….durchatmen

    “Nebelkerze” “ewiggestriger Technikverweigerer” “zurückgebliebener Volltrottel”

    Komm’ doch mal runter von diesem Tonfall, wir sind hier nicht im Vereinshaus von Nerdistan namens netzpolitik.org – wir diskutieren hier zwar leidenschaftlich, aber mit Begründungen und nicht etwa irgendwelchen fatalistischen Unterstellungen und Vorwürfen.

    Wolfgang erwähnte die Bedeutung des öffentlichen Raumes für die Arbeit von Journalisten, ich führe die Bedeutung eines offenen Raumes für den Bürger im Digitalen an (z.B. in #47).
    Ebenfalls wird mehrfach die Notwendigkeit betont kommerziellen Anbietern von Diensten auf die Finger zu schauen und zivilgesellschaftliche Alternativen zu fördern.

    Das Propagieren einer übertriebenen informationellen Selbstbestimmung, um den chilling effect zu vermeiden, um eben dem schleichenden Konformismus und dem angstvollen Stillschweigen Einhalt zu gebieten, ist, mit Verlaub, mittlerweile eine Monstranz der Datenschutz-Fanatiker geworden, die mit der gesellschaftlichen Realität wenig zu tun hat und auch keine progressive Art ist, um diesen sicher immanenten Gefahren vorzubeugen.

    Offenheit erfordert eine Gesellschaft, die bereit ist mehr Verantwortung zu tragen und Vertrauen einzubringen. Der ständige Hinweis auf die bösen wirtschaftlichen Kräfte ödet mich an, weil sie nur an Symptomen rumdoktert statt konsequenterweise an der Wurzel anzusetzen.

    Ansonsten gilt mein Wort aus Kommentar #47 “Das Kind darf nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden”

  52. Wolfgang Michal |  20.11.2010 | 15:34 | permalink  

    @Jo

    “D.h. das Risiko öffentlich für seine (politische) Meinung einzustehen und nach einer entsprechenden Veröffentlichung von Dritten erkannt zu werden, ist deutlich gestiegen.” Wow!!

    Ja, und? Demonstrieren heißt “bewusst zeigen”, öffentlich bekennen, welche Meinung man vertritt, oder? (Ja, ich weiß, auch in einer Demokratie können sich Nachteile daraus ergeben, vor allem, wenn man eine Minderheitenmeinung hat, aber so what! Das öffentliche Bekennen ist doch gerade der Versuch, aus der eigenen Ängstlichkeitsspirale herauszukommen).

    Jens Best hat schon Recht: Hier wird an Symptomen herumgedoktert. Es müsste doch vielmehr darum gehen, wie wir Transparenz herstellen können bei Konzernen und staatlichen Behörden, die massenhaft Bürger-Daten sammeln und verwerten. (Die Alternative wäre: Die ganze Digitalisierung sein zu lassen. Prima Idee!!).

    P.S. Wie kommen Sie eigentlich auf “ehemaliger Journalist”? Sind Sie ein ehemaliger Argumenteverwender? Der Link unter Jo geht nur zu Netzpolitik… (das nenn ich Nebelkerze).

  53. Simon |  20.11.2010 | 16:54 | permalink  

    Ich denke wir sind reif für das Internet, wenn die Bevölkerung soviel Medienkompetenz besitzt, dass sie sensible persönliche Daten von unsensiblen unterscheiden kann.
    Den sensibel ist das Foto von einem Haus und dessen Umfeld höchstens für die Immobilienindustrie, die den Marktwert des Objekts schwinden sieht – weil sich jeder einen Eindruck der Lage des Objekts machen kann.
    Für die Anwohner werden Fotos Ihrer Objekte doch erst zu sensiblen Daten, wenn ein Nachname ins Spiel kommt, unverknüpft haben die Daten keinen Wert (Zum verknüpfen könnte man auch den guten alten Stadtplan nehmen).
    Derweil muss man solche Griffe ins Klo einfach tolerieren und Toleranz gegenüber solchen unreifen Gestalten walten lasen, die es eben nicht besser Wissen.

  54. noName |  20.11.2010 | 17:59 | permalink  

    Jahr: „Sind wir reif für xy (…) ?“ (xy = Produkt eines Unternehmen)
    1892: „Sind wir reif für Coca-Cola (…) ?“
    1940: „Sind wir reif für Mc Donald’s (…) ?“
    1949: „Sind wir reif für Hedge-Fonds (…) ?“

    2010: „Sind wir reif für Streetview, (…) ?“

    Die Frage darf nicht vom Unternehmensprodukt ausgehen, sorry, auch wenn es nervt.
    Denn: Wozu sind Coca-Cola, Mc Donald‘s, Hedge-Fonds heute „gut“?

    Was ist „gut“ für unsere Gesellschaft?
    Streetview interessiert nicht, ist allenfalls ein Beispiel.

    Erst auf die richtigen (?) Fragen können sich richtige, auch unterschiedliche Antworten finden (Meta-Ebene, Methodik).

  55. dot tilde dot |  20.11.2010 | 18:04 | permalink  

    was stört mich nur an den ausführungen von herrn best?

    ist es der tonfall, mit dem er sich dem widerspruch widmet? ist es seine behauptung, er könne die minderheit der verpixeler respektieren, wenn er nicht durch den diskurs anderer daran gehindert würde? sind es die alten empörungsphrasen à la “deutscher michel” und das raunende andeuten nicht weiter ausgeführter gefährlicher entwicklungen?

    in welchem moment wird arroganz undemokratisch? und ab wieviel empfindlichkeit bin ich es, der zu lasch, zu schwach oder zu zaudernd ist für demokratischen diskurs?

    was kann ich tun, um herrn bests kommentare besser ertragen zu können?

    .~.

  56. Protokoll vom 20. November 2010beiTrackback |  20.11.2010 | 18:12 | permalink  

    [...] Sind wir reif für Streetview, wenn wir den Wunsch nach Verhüllung nicht akzeptieren? [...]

  57. noName |  20.11.2010 | 18:31 | permalink  

    Letzter Einwurf:

    Die Google-Anwendungen eignen sich hervorragend für behördliche Recherchen. Mit Google-Earth haben sich schon Finanzbeamte einen groben Überblick verschafft. Streetview wird hier eine nette Ergänzung sein – auch für städtische Ordnungsbehörden. Die Steuerfahndung nutzt Google-Desktop-Search-ähnliche Programme.

    Irgendwann wird Nachbar A Nachbarn B anschwärzten, weil B sich an Bauvorgaben nicht gehalten hat. Als Indiz greifen die Aufnahmen unter Streetview. Abmahnanwälte erweitern ihren Tätigkeitsumfang. Der Einbrecher plant seine nächste Tour bequem vom Netbook aus… Sicher, Missbrauch gibt es überall, könnte jetzt eingewendet werden.

    Lasst den Bürger selbst entscheiden, was er von sich preisgeben will und was nicht. Das Leben findet nicht im Internet statt. Und darum war’s der letzte Einwurf. ;)

  58. Andreas Grieß |  20.11.2010 | 19:23 | permalink  

    Mir erscheint jedes Mal, dass die Street-View-Gegner vollkommen immun gegenüber Agumenten/Fakten sind.
    Immer wieder die gleiche Leier von wegen “Persönlichkeit, Einbrecher, selbst bestimmen was preisgeben”.
    Warum kann dann irgendwer (ich weiß nicht einmal wer) in meinem haus das FÜR MICH entscheiden?
    Gegner: Ja ist eben so
    Die Bilder sind Jahre alt und für Einbrecher irrelevant? Egal, macht uns das Argument nicht kaputt.
    Die Hausfassade ist öffentlicher Raum, nicht Privatsphäre?
    Egal, ich bestimme, es ist Privatsphäre…

    Jetzt kommt der Einwand: Machen die Pro-GSV-doch genauso…
    Lest nochmal nach

  59. Wolfgang Michal |  20.11.2010 | 19:58 | permalink  

    @dot tilde dot: Vielleicht, da haben Sie Recht, sollte der Tonfall wieder etwas gemäßigt werden. Sachlich geht es um Panoramafreiheit/Öffentlichkeit (1) und um Datenverknüpfung/Persönlichkeitsschutz (2).

    1. Im Sanssouci-Urteil des Oberlandesgerichts Brandenburg vom 18. Februar 2010 zur Panoramafreiheit heißt es, es sei “kein Vorrecht des Eigentümers, das Bild seines Eigentums zu verwerten. Vielmehr hat der Fotograf oder der Filmemacher das Recht, den wirtschaftlichen Nutzen aus seinen Fotos und Filmen zu ziehen. Anderenfalls wäre risikofreies Fotografieren und Filmen nur noch in den eigenen vier Wänden und auf hoher See möglich.”

    Gegen dieses Urteil ist im Juli Revision eingelegt worden. Nun muss der Bundesgerichtshof entscheiden.

    Die Panoramafreiheit (§ 59 Urhebergesetz) erlaubt es Jedermann, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.

    Die gewerbliche (!) Nutzung – also beispielsweise in Form von Postkarten, für Werbung oder in Bildbänden ohne aktuelle Bezüge (oder durch Google oder Sightwalk oder andere) – ist nur dann möglich, wenn der Eigentümer dem vorher zugestimmt hat … oder wenn sich das Gebäude oder Denkmal in der Öffentlichkeit befindet und aus einem Winkel aufgenommen wird, der einer normalen Passantenperspektive entspricht.

    Natürlich gibt es nun eine Diskussion, ob die Nutzung des erhöhten Auto-Aufbaus nicht schon ein unerlaubtes Hilfsmittel ist, das die Panoramafreiheit verletzt.

    Der Schlussbericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ hat übrigens Ende 2007 empfohlen, die Panoramafreiheit einzuschränken bzw. der Vergütungspflicht zu unterwerfen.

    2. Zur Problematik Panoramafreiheit, mit der Jens argumentiert, kommt die Problematik der undurchschaubaren Datenverknüpfung für kommerzielle oder andere Zwecke – was die Hauptsorge vieler Kritiker hier ist.

    Google verknüpft die Fotos mit geografischen Daten (GPS). Der Betrachter ist in der Lage, nicht nur das Haus zu sehen, sondern auch dessen Lage zu bestimmen. Weitere Verknüpfungen mit anderen Daten (Liegenschaftskataster etc.) sind vorstellbar.

    In der Fotografie sind GPS-Daten inzwischen ebenfalls üblich. Deshalb hat z.B. die weltgrößte Bildagentur „Getty Images“ einen alten Schutz-Passus aus den eigenen Richtlinien (Property Releases) gestrichen:
 “Sofern keine schriftliche Genehmigung im Voraus erteilt wurde, stimmen der Fotograf/der Filmemacher und seine Rechtsnachfolger zu, dass der Inhaber, Mieter und/oder der Standort des Objekts (mit Ausnahme einer allgemeinen Bezugnahme auf die Region, das Land oder den Staat) nicht in der Bildunterschrift oder in anderen, gemeinsam mit dem Bild zu Lizenzzwecken zur Verfügung gestellten Informationen ausgewiesen werden dürfen…“ Die Begründung von Getty Images: Durch den technischen Fortschritt kann leider nicht mehr garantiert werden, dass der Aufnahmeort von Fotos unbekannt bleibt. Ist das eine Kapitulation vor dem technischen Fortschritt?

    Es bleibt die Frage: Können wir die neuen technischen Möglichkeiten so regeln, dass Datenverknüpfungen kontrolliert und notfalls unterbunden werden können, ohne dass unser öffentliches Interesse Schaden nimmt? Gibt es einen Weg, sowohl die Panoramafreiheit als auch den Persönlichkeitsschutz zu wahren? Da ich in den beiden Aspekten des Themas kein Entweder-Oder erkennen kann – m.E. handelt es sich um getrennte Problematiken – müsste das doch möglich sein. Vorschläge sind erbeten.

  60. Christian Scholz |  20.11.2010 | 22:13 | permalink  

    Kann mal jemand Scoring-Agenturen regeln anstatt immer durch Datenschutz alles regeln zu wollen? Wenn Behörden umrecherchieren, regelt das doch dort! Wenn man seine Versicherung bescheissen können soll, dann sagt schreibt ins Gesetz, dass eine Versicherung jeden zu gleichen Bedingungen nehmen muss. Dasselbe für Banken.

    Und welche konkreten Probleme ergeben sich überhaupt? Meist hören die sich sehr konstruiert an (so wie das S21-Beispiel von Herrn Schaar beim NK10). Oder dass irgendwann mal irgendwer irgendwie irgendwas Böses damit machen kann.

    Die Frage dabei ist doch eher: Sind wir reif für die Zukunft, wenn wir uns bei jeder Veränderung in die Hosen machen?

  61. Irene |  20.11.2010 | 22:13 | permalink  

    Ist das eigentlich Absicht? Wunsch nach Verhüllung – das klingt wie aus einer Diskussion über Kopftuch und Tschador und deren Verbot. Vielleicht ist ja die Haltung dahinter ganz ähnlich, wenn man anderen unbedingt die Verhüllung wegreißen muss, egal wie deren Motive aussehen mögen…

  62. noName |  20.11.2010 | 22:24 | permalink  

    Ein Fotograf, der die Panoramafreiheit nutzt, ist i.d.R. Freiberufler gem. Paragraph 18 EStG. Google ist gewerblich! Streetview und die ‘Panoramafreiheit des Fotografen’ unterscheiden sich, sind schwer miteinander zu vergleichen… Der Fotograf hat Einschränkungen in seiner Berufsausuebung nicht zu befürchten.

  63. noName |  20.11.2010 | 22:50 | permalink  

    Internet und sozialtypisches Verhalten, aber gewerblich? Buch: http://tinyurl.com/2cw3lg7

  64. Aufmerksamkeit! |  20.11.2010 | 23:58 | permalink  

    @Jens Best und @All
    Habe gerade die Kommentare gelesen und freue mich sehr darüber, dass hier eine gute Diskussion geführt wird, wunderbarerweise abseits von Fäkalsprache und sonstigen Absonderlichkeiten. Bin im Moment zu müde inhaltlich zu antworten, werde das aber morgen nachholen.

    Danke @All

  65. Sonntagslektüre: Google Streetview | Spreeblick |  21.11.2010 | 11:23 | permalink  

    [...] zu schaffen.Es geht also um die Etablierung einer neuen Technologie. Aber wozu? Und warum so? Um es mit Enno zu sagen:Meiner Auffassung nach müssen nicht die Bewohner begründen, warum sie ihr Haus verhüllen [...]

  66. Sonntagslektüre: Google Streetview | SHOUTing GORIlla |  21.11.2010 | 12:15 | permalink  

    [...] geht also um die Etablierung einer neuen Technologie. Aber wozu? Und warum so? Um es mit Enno zu sagen: Meiner Auffassung nach müssen nicht die Bewohner begründen, warum sie ihr Haus verhüllen [...]

  67. Auf dem Weg in die Befindlichkeitskratie « H I E R |  21.11.2010 | 13:25 | permalink  

    [...] Ennomane gibt den Ton vor. Man habe den Verpixelungswunsch der Leute zu respektieren “…aus welchen Gründen auch immer” (das im Text mehrere Male emphatisch beschworen wird). Es braucht jetzt weder eine Rechts- [...]

  68. Aufmerksamkeit! |  21.11.2010 | 15:42 | permalink  

    Oh ha, ich habe mir gerade die Texte zu den Verlinkungen angeschaut. Bei #66 bin ich sprachlos. Es ist schon fast eine Kunst alle Argumente auf den persönlichen Willen zu stützen ohne auch nur auf irgendein reales Argument einzugehen.
    Für Menschen, die nicht wollen, dass ihre Texte redigiert werden, von anderen aber einen Freibrief für alles verlangen und sich über deren Rechte anmaßen hinwegsetzen zu können, sei dieser Beitrag empfohlen:
    http://www.dctp.tv/#/vorfahrtsregeln-der-macht/burkhard-hirsch-grosser-lauschangriff-der-zweck-heiligt-keine-mittel/

  69. V. Ohneland |  21.11.2010 | 16:13 | permalink  

    @dot tilde dot: Nicht viel. Bestenfalls ignorieren. Sich darüber freuen, dass er dem Grüppchen überzeugter ‘Nachfotografierer’ eine Stimme verleiht und damit zu einer Figur wird, an der sich Empörte stellvertretend abreagieren können. Sich darüber wundern, wie nonchalant er den Eintritt für (in seinen Augen) eine Freiheit mit einem ausgeprägten Schubladendenken verbindet. Wenn das alles nichts hilft, kannst du dir noch vorstellen, dass er mit denselben Argumenten vielleicht auch versucht hätte, die Reichstagsverhüllung von Christo und Jeanne-Claude zu verhindern… >;)

  70. Streetview Gegner am Pranger — Berlin Now! |  21.11.2010 | 18:57 | permalink  

    [...] Pranger neu, Michael Seemann beschließt seine Befindlichkeit über die anderer Leute zu stellen, Enno Park versucht es differenziert und Frédéric Valin von Spreeblick ist ratlos. Es geht mal wieder um [...]

  71. Aufmerksamkeit! |  21.11.2010 | 19:54 | permalink  

    @Jens Best Ich musste erstmal Ihren (ersten) Kommentar bei mspro verdauen.
    Mir leuchtet Ihre Vorgehensweise nach wie vor nicht ein.

    Jetzt zu #47
    Bei der Aufnahmehöhe hattee ich die rechtliche Situation geschildert. Das hat mit bösen, bösen Menschen nichts zu tun.

    “Die Panoramafreiheit aus dem UrhG ist nachgeordnet Artikel 2 des GG, der die freie Persönlichkeitsentfaltung sichert.”
    Die Persönlichkeitsentfaltung gilt aber nicht nur für Sie, sondern auch für die Menschen, die Ihre Auffassung nicht teilen.

    “Das Konstrukt über die mögliche Datenverbindung des öffentlichen Datums “Häuserfassade” mit einem potentiellen oder reellen personenbezogenem Datum (z.B. “Name”) ein generelles Verbot für die systemische Fotografie und Online-Veröffentlichung von öffentlichen Räumen zu konstruieren, ist genau das, was mir gegen den Strich geht.”
    Von einem generellen Verbot spricht niemand.

    “Statt Offenheit bis an vertretbare Grenzen wird hier ein überzogenes Schutzverständnis angewendet. Die Paranoia vor einem übergriffigen wirtschaftlichen System wird an den potentiellen Symtomen “behandelt” und dabei wird als Kollateralschaden die fortgesetzte Einschränkung von bürgerlichen Freiheitsrechten in Kauf genommen. Wenn jemand den Kapitalismus doof findet, soll er ihn an der Wurzel behandeln und nicht auf fotografierende Spatzen schiessen.”
    Sie wollen doch durch Ihre Bilderaktion denjenigen ihre Bürgerrechte verbieten, die von dem Widerspruch Gebrauch machen. Ich käme nie auf die Idee Ihnen zu verbieten Ihr Haus bei Google unverpixelt einzustellen.
    Kommen morgen dann Hacker, die in Google Street View Häuser verpixeln von Menschen, die keinen Widerspruch eingelegt haben?
    Es geht Ihnen nicht darum ein Foto im öffentlichen Raum zu erstellen. Sie wollen Menschen Ihren Willen aufzwingen. So funktioniert ein rechtsstaat aber nicht!

    “Ich bin mir sicher, dass der aktuell gültige gesellschaftliche Abwägungsbeschluß, nämlich dass Fotografie und Veröffentlichung erlaubt sind, auch bei einer erneuten gerichtlichen Auseinandersetzung Bestand haben wird. Und ich wiederhole mich nochmal:”
    Ja, das entspricht exakt der heutigen Gesetzeslage.

    “Auch wenn am 7.12. im Rahmen des “IT-Gipfels”, auf dem Wirtschaft und Staat über “unser” Web diskutieren, ein “geregelte Selbstregulierung” hinsichtlich Geodaten beschlossen wird, hat dies keinen Einfluß auf das bürgerliche Verständnis von Freier Fotografie.
    Es gilt zu vermeiden, dass wirtschaftlich-staatliches Geklünkel die Grundlage für die bürgerliche Nutzung des Internets diktiert.”
    Das bürgerliche Verständnis von freier Fotografie ist das Ihre?
    Zum Geklüngel einfach mal das lesen:
    http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/1/zeitalter-des-internetfeudalismus/

    “Aber ich weiche ab – es gibt keine neuen Datenschutz-Gründe, die das Fotografieren und Veröffentlichen im Kern einschränken. Deine Deutung der Rechtslage, @Aufmerksamkeit, ist also nicht eindeutig. “Gesellschaftlicher Wille” bei 3% der Häuser zu unterstellen ist auch mehr Wunschdenken als Argument. Vorallem wenn in meinen Stichproben 90% davon mir mit fadenscheinigen Begründung kamen, die im Kern ein emotionales “Ich will das halt nicht.” enthielten – Sorry, nicht genug für einen gesellschaftlichen Konsens. Das Leben ist kein Wunschkonzert.
    Es gibt kein Recht auf Verpixelung, deswegen setzt sich auch niemand darüber hinweg.”
    ??? Bitte meine Kommentare nochmal lesen

    “Ach und wenn ich zählen würde, wieviele arme Geister in den letzten Monaten mit Nazi-, Stasi- oder Totalitaristen-Vorwürfen ankamen oder einfach nur billig mit Fäkalworten und Gewaltandrohung um sich geworfen haben – da könnte ich deinen vorletzten Absatz über Beleidungen auch genauso von meiner seite spiegeln. Mir gelingt es mittlerweile, diese Art von Mensch zu ignorieren, als Argument haben sie eh nie genützt.”
    Ich habe mit keinem Satz gesagt, dass ich das gut heißen würde. Ein einigermaßen vernünftiger Umgangston sollte das Ziel aller sein.

    “Abschliessend der von dir in #6 erwähnte Gesetzesentwurf vom “Grünen Shootingstar” Steffen aus Hamburg, der durch die üblichen Klünkelabsprachen im Bundesrat ohne Aussprache im Paket angenommen wurde.
    Ich sehe gerade im dort neuen §34 die Gefahr, dass Fotografie im öffentlichen Raum unter den permanenten Vorbehalt des Widerspruchs von Hausbesitzern gestellt wird. Ein radikaler Eingriff in die Freiheiten im öffentlichen Raum. Und mit aller Dreistigkeit auch noch mit einer Strafbewehrung bei Nichtbeachtung des Widerspruchs versehen. Ein “Lex Google”, das bei Inkrafttreten ein weiterer Sargnagel für die bürgerlichen Freiheiten in Deutschland wäre.”
    Wo war, ich fragte es bereits, das Engagement?

    “Den Deutschen Michel mit Verbotsschildern von der Leine zu lassen, ist eine angstvolle Methode, der ich mich entgegensetzen werde.”
    Den Deutschen Michel mit Bürgerwehrmentalität und Prangermethoden von der Leine zu lassen soll mich also beruhigen?

  72. Jens Best |  21.11.2010 | 21:01 | permalink  

    @Aufmerksamkeit

    Erstmal Respekt, sie werden ihrem Pseudonym gerecht. Danke für den teilweise anregenden Feedback. Dies gilt übrigens auch für @noName insbesondere für Kommentar #50

    Ich versuche kurz zu bleiben

    Sie schreiben: “Sie wollen doch durch Ihre Bilderaktion denjenigen ihre Bürgerrechte verbieten, die von dem Widerspruch Gebrauch machen” –
    Es gibt kein Bürgerrecht auf Verpixelung. Und das ist gut so, denn es würde eine erhebliche Eingriffsmöglichkeit in die freie Abbildung des öffentlichen Raums darstellen. Auch Journalisten- und Wissenschaftlerverbände haben sich diesbezüglich klar geäußert. Der öffentliche Raum und seine Abbildungsmöglichkeit darf nicht der Willkür des Einzelnen überlassen werden. Das öffentliche Datum “Häuserfassade” ist nicht personenbezogen und sollte vor weiteren Zugriffen von Datenschutz-Fanatikern in Form neuer Gesetze oder Zentralregister geschützt werden.

    Sie fragen: “Wo war, ich fragte es bereits, das Engagement?”
    Meine Aktion startete im April als Aigner und die BILD am Rad drehten und der wilde Steffen seinen Entwurf formulierte. Mit Steffen sprach ich kurz darauf bei einer Konferenz deutliche Worte, die leider beim Karrieristen Steffen abtropften. Große Teile der partei-übergreifenden “Digitale Fraktion” im Bundestag sowie entscheidende Bundesbehörden stehen dem Steffen-Entwurf auch kritisch gegenüber. Dafür habe ich hoffentlich auch einen kleinen Beitrag geliefert.

    Abschliessend: Ich zwinge niemandem meinen Willen auf, ich verlange Respekt für den öffentlichen Raum und seine Abbildung. Ich verlange lediglich, dass hier nicht Fakten geschaffen werden, die noch mehr Vorurteile und Hemmnisse der digitalen Entwicklung in Deutschland bringen.

    PS: Pranger ist ein reichlich überstrapazierter und hier falscher Begriff.
    Bei http://www.FindeDasPixel.de geht es um eine Häuserliste, damit man die leichter Fotografieren kann. Der Begriff Pranger unterstellt eine anklagende Intention. Die ist aber nicht vorhanden. Die Leute sind mir egal.

  73. Aufmerksamkeit! |  21.11.2010 | 21:07 | permalink  

    “Erstmal Respekt, sie werden ihrem Pseudonym gerecht”
    ..und Jens Best steht für den Besten? Das Niveau steigt deutlich :-)

  74. SRB |  21.11.2010 | 21:59 | permalink  

    Wie verfahren die ganze Streetviewdiskussion mittlerweile ist, sieht man an diesem Artikel samt Kommentaren.

    Und das schlimme daran: sie ist egal weil sie zu nix führt. Weder zu mehr Medienkompetenz auf der einen Seite, noch zu mehr Offlinerverständnis auf der anderen Seite.

  75. noName |  22.11.2010 | 09:30 | permalink  

    Zu dem Posting unter #67, ok, es ist unsachlich, emotional. Am ‚Spießbürgertum‘ wird Kritik geübt, ebenso in dem ersten Beitrag dazu von @Jens Best.

    Spießbürgertum und die Verpixelung bei Streetview miteinander in Verbindung zu bringen, darf auch mal sein. Ich finde weite Teile unserer Gesellschaft oftmals auch spießig. Der querulatorische, intolerante Aufpasser von nebenan kommt sich wichtig vor. Die Schuld für seine eigene Unzufriedenheit wird beim anderen gesucht, bei wem auch immer, ob Muslim, Arbeitslosengeld II-Empfänger, Boni-Empfänger, irgendwer muss es ja sein. Größere Zusammenhänge versteht der Spießbürger nicht, ist geistig unbeweglich.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spie%C3%9Fb%C3%BCrger

    Man muss die Aktion von Jens Best, seinen gelegentlich emotionalen Stil nicht mögen, aber die Fotoaktion tritt zumindest Diskussionen über das Internet und auch das Spießbürgertum los. Was ist schlecht daran? Und, @Aufmerksamkeit!, Sie können auch unsachlich sein. ;)

  76. Enno Park |  22.11.2010 | 10:37 | permalink  

    So, dann möchte ich mal meine Nichtteilnahme an dieser Diskussion entschuldigen – ich bin übers Wochenende nicht wirklich dazu gekommen, all die Kommentare zu bekauen und verdauen. Ich freue mich, dass die Diskussion hier dann doch noch auf einem bestimmten Level bleibt und nicht in die Trollwiese abrutscht. Neues habe ich nicht beizutragen und es ist wohl im Moment alles gesagt worden, nur noch nicht von jedem. Nur ein Missverständnis scheint es zu geben: Dass ich mittlerweile als Streetview-Gegner und Verpixelungsbefürworter gelte. Das möchte ich so nicht stehen lassen. Das Dementi im ersten Absatz des Artikels klingt zwar vorgeschoben, war aber durchaus ernst gemeint. Ich finde Verpixeln auch doof. Aber ich kann es von allen Seiten durchdenken und lande dann doch immer wieder bei meinen Prinzipien der Selbstbestimmung des Einzelnen und fordere zur Toleranz auf.

  77. Stefan Herwig |  22.11.2010 | 11:15 | permalink  

    Wir diskutieren bei Street View immer noch über Häuserverpixelung, Öffentlichkeit und Privatsphäre?
    Drollig.

    Die Diskussion hinkt dem Thema um ein gutes Jahr hinterher. Das wirkliche Thema ist die Verknüpfung von Nutzerdaten mit Geodaten.

    SH

  78. Christian Scholz |  22.11.2010 | 11:28 | permalink  

    Nein, das wirkliche Thema ist der evtl. stattfindende Missbrauch von Daten. Hier müsste Missbrauch definiert werden und was und ob man was dagegen machen will.
    Ausserdem Thema: Wieso sind wir so risikoscheu (und wie man das vielleicht ändern kann).

  79. Aufmerksamkeit! |  22.11.2010 | 11:32 | permalink  

    #77 Stimmt ja nicht. Ist in der Diskussion an verschiedenen Stellen erwähnt.
    #78 Ob und was man dagegen machen will, war meine Frage auch

  80. Verpixel mein Haus! [Javascript ist Toll!] |  22.11.2010 | 14:20 | permalink  

    [...] Erste, der es erkannt hat, ist Enno Park. Der noch einen Schritt weiter geht: Jetzt stehen die Verhüllten unter Generalverdacht, etwas zu [...]

  81. Struppi |  22.11.2010 | 14:38 | permalink  

    Es scheint keiner hat den Artikel gelesen.

    Google ist nicht die Öffentlichkeit!!!

    Jeder darf den “offenen Raum” auch weiterhin fotografieren und in’s Internet stellen. In dem Moment wo aber damit Daten verknüpft werden, ist es kein öffentlicher Raum mehr sondern ein Service eines kommerziellen Anbieter. Und sowas unterliegt nunmal, zum Glück, Datenschutz Gesetzen.

    Und wie es Enno Park schreibt, wir sind noch nicht reif für solche Dienste, deshalb habe ich nun auch den Antrag zum verpixeln abgeschickt.

  82. noName |  22.11.2010 | 14:56 | permalink  

    @Struppi, ist es wirklich so einfach, wie Sie schreiben, „jeder“? Google schickt keine Fotografen raus, die individuelle Bilder machen und sie im Web einstellen. Google bedient sich einem Pkw-Aufbau (Problem: Leiter, Gerüst bei § 59 UrhG) und lichtet im Massenverfahren Häuserfronten ab – und nicht nur die. Google ist nicht „jeder“, sondern ein gewerbliches Unternehmen mit Monopolstellung (Problem: Gewerblichkeit bei § 59 UrhG). Nicht, dass Sie mich missverstehen, ich habe nichts gegen Streetview.

    Das Thema, was Sie anreißen, Panoramafreiheit + Datenverküpfungen, sollte allgemeiner diskutiert werden. Streetview ist ein Beispiel. Datenschutz des Einzelnen (Schutz über Bundesdatenschutz) ist ein Teilthema.

    Mir erscheint die Diskussion verpixelt. Oder: Vor lauter Bäumen sieht keiner den Wald mehr. Die Meta-Ebene hilft. ;)

  83. Jens Best |  22.11.2010 | 15:08 | permalink  

    @Enno

    Freue mich dich zu lesen. Nie wirklich an deiner “Verpixeln ist blöd”-Privatmeinung gezweifelt und noch weniger an deiner Toleranz. Der Totalitarismus-Vorwurf ist trotzdem unterste Schublade, aber wir wissen ja, wo es ursprünglich herkommt.

    Für die Bemerkung von @Stefan #77 schliesse ich mich der Antwort von @Christian #78 an

    @struppi Und wenn ich das Haus, in dem du mir unbekannterweise wohnst, fotografiere und online geo-referenziert mit kommerziellen und nicht-kommerziellen Geo-Diensten verbinde (ohne deine personenbezogenen Daten) – Was ist das dann für dich?

  84. Christian Scholz |  22.11.2010 | 15:11 | permalink  

    Die Meta-Ebene hilft? Hier hilft nix mehr, glaub ich ;-)

    Wenn wir nicht nur alle Risiken zu 100% abgeschafft haben müssen, sondern jetzt auch noch erstmal reif für alles Neue sein müssen, dann wird’s mit dem Neuen aber schwer ;-)

    . o O ( Und ob man damals wohl für’s Auto reif war? )

  85. noName |  22.11.2010 | 15:18 | permalink  

    „Die Meta-Ebene hilft? Hier hilft nix mehr, glaub ich ;-)“ :) @Christian Scholz.

    Das “reif” sein klingt wie eine Frage an Pubertierende.“ unter #15 war offenbar nicht verkehrt. CARTA, Eure Kommentatoren sind (geistig) zu jung, zu verspielt und leicht beleidigt! ;))

  86. V. Ohneland |  22.11.2010 | 15:23 | permalink  

    Nur um mal die Offline/Online-Linie und die Frage nach dem Spießer- und Micheltum aufzugreifen: Gestern sprach mich eine ältere Dame an, die ein paar Häuser weiter wohnt, eine von jenen älteren Damen, die genau mitbekommen, was so in der Straße passiert und die ‘weiß was sich gehört’, so eine ältere Dame. Sie sagte: ‘Ich war jetzt ja bei Streetview. Ihr Haus ist ja als Einziges in der Straße verpixelt.’ Ich darauf: ‘Ja, das ist ja auch gut so, es ist sowieso das häßlichste Haus in der Straße, nicht wahr?’ Darauf sie: ‘Ja, ihr Fenster, das ist wirklich nicht schön, das hat mich schon oft geärgert, wie unordentlich das da auf der Fensterbank aussieht, das könnten Sie ja mal anders machen…’.

    Nur damit man mal sieht, wie das so ist mit dem Online-Offline-Graben. Wer ist jetzt der Spießer oder der ‘deutsche Michel’?

    Und noch eine Preisfrage: Wo finde ich bitte im Netz konkret eine Form des öffentlichen Raums? Träumt ihr? Google Streetview als öffentlicher Raum? Durch die Produktion von privaten Bildern und ihre Einstellung in privaten Webspace den real nach wie vor (ver)schwindenden öffentlichen Raum verteidigen? So ein hanebüchener Unsinn ist mir selten begegnet. Da machen ja Graffitis noch mehr Sinn.

  87. Paul Ney |  22.11.2010 | 15:58 | permalink  

    Vor ein paar Jahren habe ich Anschriften in Frankreich recherchiert, da war mal eine Website (annuaire) mit Links zu einer Bilddatenbank: Auf Klick öffnete sich eine neue Seite mit Bildern (Fotoaufnahmen) des Hauses “Str. X, Nr. Y”; ein oder zwei Bilder, mehr für ein Eckhaus. Das fand ich gut & nützlich. Von Bürgerprotesten gegen die online-Stellung der einzelnen Hausbilder habe ich nichts gehört. Nicht ganz rhetorische Frage: Würde eigentlich so eine Bildersammlung an Stelle von StreetView (Panorama-Bild) Proteste auslösen?!

  88. Edgar Hugo |  22.11.2010 | 16:14 | permalink  

    Die ganzen Google-Streetview-Fanboys erinnern mich an Stalker – “Es ist mein gutes Recht, hier auf dieser Straße zu stehen!” bzw. die alten Herren, die die falsch geparkten Autos aufschreiben. Jajaja – ihr habt alle Recht mit eurer Panoramafreiheit und dem “Kampf für den öffentlichen Raum!” Natürlich geht es immer gleich ums Ganze…

    “Die Leute sind mir egal.”

  89. Jens Best |  22.11.2010 | 16:32 | permalink  

    @V. Ohneland

    Nur damit sie sich ihre Preisfrage mal an den arroganten Hut stecken können (sorry an die anderen Kommentatoren und Leser, aber irgendwann ist man die wiederkehrenden Unsinns-”Argumente” auch mal satt”)

    Google Streetview ist kein öffentlicher Raum, es ist eine kommerzielle Abbildung des öffentlichen Raums. In diesem können Menschen, Firmen etc. Information hinzufügen, damit will Google irgendwann/irgendwie Geld verdienen

    Das generelle Abbildung des öffentlichen Raums und die zusammenhängende, datenverknüpfte Onlinestellung ist ein Recht, das, unter Beachtung von sinnvollen Personendaten-repsektierenden Aspekten, jeder in Deutschland hat.

    Es gibt aber durchaus eine zivilgesellschaftliche Nutzung des Werkzeuges Internet. Insbesondere ein Geo-Datendienst kann sehr hilfreich sein, weil er den realen physischen Raum mit mehr Daten anreichert und so zu fundierteren Entscheidungsfindung beiträgt.

    Es ist sinnvoll über digitale Werkzeuge nachzudenken, die nicht in der Hand von Konzernen liegen. Einfache spezifische Anwendungen aber auch Angebote wie openstreetmap.org, das sicher zeitnah mit einer Strassenansichts-Fotooption versehen wird. Diese Anwendungen gehören der Öffentlichkeit, sie wurden von den, oft mehreren, Programmierern, Autoren und anderen Kontributoren unter eine offene Nutzungslizenz gestellt. Schön wäre es, wenn der Staat irgendwann diese Art von Web-Werkzeug unterstützen würde.

    Dennoch ist aktuell in Deutschland ein kommerzielles Anbieten von Lösungen zur Orientierung im öffentlichen Raum nicht verboten. Deswegen machen sich andere Anbieter wie sightwalk, bingmaps und bald Nokia nicht den Huzzle wie google und akzeptieren die Einschränkung der Ansicht des öffentlichen Raums durch überzogenen Datenschutz-Paniker.

    Egal, ob kommerziell oder zivilgesellschaftlich, die Nutzung des Werkzeuges Internet sollte nicht durch überzogene Panik beschränkt werden. Drüben bei spreeblick schrieb jemand, wie es wohl gewesen wäre, wenn man die Eisenbahngeschwindigkeit beschränkt hätte (es gab ja diese angst, dass einem bei mehr als 50km/h der Kopf wegfliegt und so) – Eine gesetzliche Beschränkung von vermuteten Gefahren ist gefährlich, genauso wie das ignorieren sämtlicher Gefahrenpotentiale, wenn sie anfangen aufzutreten.

    So, wie ich bereits in kommentar #39 schrieb:
    Also, nochmal für die Langsamen: öffentlicher Raum nix stattfinden auf google server, im öffentlichen Raum das digitale Fotografieren verbieten – nicht mit mir.

  90. Enno Park |  22.11.2010 | 16:46 | permalink  

    @Jens (83) Der Totalitarismus-Vorwurf hat durchaus seine Berechtigung. Ich sehe tatsächlich Tendenzen, den Wunsch des einzelnen technokratischen Erwägungen unterzuordnen.

  91. Enno Park |  22.11.2010 | 16:47 | permalink  

    In Essen haben sie nun verpixelte Häuser mit Eiern beworfen. Auch wenn man das als harmlosen pubertären Scherz abtun mag, gefällt mir die Geisteshaltung dahinter ganz und gar nicht.

    http://www.derwesten.de/staedte/essen/Google-Fans-werfen-Eier-auf-Haeuser-id3967614.html

    Diejenigen geistigen Brandstifter Eierstifter, die Verpixeler mit hinreichend erwähntem üblen Vokabular tituliert haben, werden natürlich jede Schuld an einer solchen Eskalation von sich weisen.

  92. V. Ohneland |  22.11.2010 | 17:10 | permalink  

    @ Jens Best: “Der öffentliche Raum und seine Abbildungsmöglichkeit darf nicht der Willkür des Einzelnen überlassen werden.” “…ich verlange Respekt für den öffentlichen Raum und seine Abbildung.” (eigene Aussagen aus Kommentar #72)

    Du selbst führst den Begriff des öffentlichen Raumes an, den es für dich zu verteidigen gilt. Aus deiner Argumentation wird aber ersichtlich: Es geht dir schlicht nicht um den öffentlichen Raum, sondern lediglich um seine Abbildung und die Frage, wie mit den abgebildeten Daten im Internet weiter verfahren wird. Das Abbild aber ist nur ein Abbild, und auch alles weitere ist kein öffentlicher Raum, sondern mit gutem Willen allenfalls öffentliche Sphäre oder gesellschaftlicher Raum. Wie absurd deine selbst vorgenommene Verknüpfung deiner Vorgehensweise an das zu verteidigende Konzept des öffentlichen Raumes ist, wird klar, wenn man bedenkt, dass es dich keinen Deut scheren würde (geschweige denn dass du es bemerken würdest), wenn jemand seine Fassade real verhüllen würde. Was ja real auch nicht zu beanstanden wäre. Virtuell aber doch?

    Öffentlicher Raum definiert sich durch das, was in ihm passiert, nicht durch seine Abbildung im Internet. Also hör bitte auf, dich als sein Verteidiger auszugeben, denn das bist du nicht.

  93. Jens Best |  22.11.2010 | 17:42 | permalink  

    @V. Ohneland

    Du schreibst: “Öffentlicher Raum definiert sich durch das, was in ihm passiert, nicht durch seine Abbildung im Internet.”

    Ich will es mal einfach halten für dich und mögliche philosophische Fragen der Interdependenzen zwischen öffentlichem Raum und seiner Abbildung außen vorlassen:

    Was ist der Vorgang des Fotografierens des öffentlichen Raums IM öffentlichen Raum anderes, als etwas das IM öffentlichen Raum passiert?
    Ist die Nutzung von karthografischen digitalen Datensammlungen zur besseren Orientierung IM öffentlichen Raum eine sinnvolle Errungenschaft menschlichen Handelns?
    Darf dieses Material nur von staatlichen oder zivilgesellschaftlichen Kräften angeboten werden oder dürfen auch kommerzielle Anbieter den öffentlichen Raum abbilden?

    Wenn du dir diese Fragen beantwortet hast, darfst du ein bisserl rot anlaufen vor Scham wegen dem Rumblökken. Ist aber nicht schlimm, hab’ in den letzten Wochen noch viel Dümmeres gehört.

    PS:Wer seine Fassade physisch verhüllt, würde auch online so dargestellt. Es geht um die möglichst identische Abbildung des öffentlichen Raums im Web, am besten angereichert mit Zusatzdaten aus möglichst vielen Datenbanken. Je mehr Daten verknüpft werden, desto fundierter kann sich der Einzelne im öffentlichen Raum damit orientieren.

  94. Carin |  22.11.2010 | 21:35 | permalink  

    “Bei Streetview meldet man sich nicht freiwillig an wie bei Facebook.”

    Hä? Bei Streetview meldet sich überhaupt niemand an! Die Fotos bei Streetview repräsentieren Straßenabschnitte, keine Personen. Straßenabschnitte können sich nicht anmelden.

  95. Robert |  22.11.2010 | 22:21 | permalink  

    Na, kein Kommentar von den Google-Fanboys zum realen Vandalismus in Essen? Dafür aber so etwas:

    Ich verlange lediglich, dass hier nicht Fakten geschaffen werden, die noch mehr Vorurteile und Hemmnisse der digitalen Entwicklung in Deutschland bringen.

    Das müsste ich gerne einmal erläutert (so vom Medienmenschen zum Hacker). — Apropos Hacker: Kennt noch jemand das CCC-Motto „öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“?

  96. Robert |  22.11.2010 | 22:21 | permalink  

    müsste wüsste

  97. Jens Best |  22.11.2010 | 22:45 | permalink  

    @Robert

    Ohhhh, Robert der Hacker.

    Und er kennt den Spruch von Wau Holland. (wusste er, dass er von Wau ist?)

    Hmm, lass mich raten. Du warst das mit den Eiern in Essen? Mit einem ausgedruckten Fake-Beweis, auf dem stand: “Google’s cool”

    Schade, dass wir es nicht rausfinden werden, da die Polizei nicht ermitteln will.
    Ich würde ja ermitteln, hab’ aber keine Zeit, muss Eier einkaufen.

    Zum Thema Eierwerfen, Vandalismus, Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter, überzogene Forderungen an Privatsphäre, naja, diesen ganzen Kram halt, gab’s vor ein paar Tagen eine echt interessante Story in Florida. Und ich schör’s auch diesem hab’ ich damit nix zu tun.

    http://www.gerritsenbeach.net/2010/11/01/no-police-response-despite-massive-damage-by-local-teens/#more-7051

    http://www.sheepsheadbites.com/2010/11/gerritsen-beach-turns-into-halloween-war-zone/

    http://www.sheepsheadbites.com/2010/11/gerritsen-beach-blogger-faces-harrassment/

  98. Robert |  22.11.2010 | 22:47 | permalink  

    Du hast meine Frage nicht beantwortet.

  99. Jens Best |  22.11.2010 | 22:55 | permalink  

    @Robert

    Damit wird der freundliche anonyme Robert jetzt mal leben müssen.

    Du nennst mich nach all dem was ich u.a. hier geschrieben habe “Google-Fanboy” und du glaubst wirklich, dass ich dann eine Frage beantworten, die du nach deinem Kommentar-Einstieg zu urteilen sowieso nur hören willst, weil es dich aufgeilt, wenn ich dir antworte aka Du hast kein Interesse an einer wirklichen Diskussion.

    Da musst du schon mit ein bisserl mehr starten als einem Zitat und ein paar Eier.

  100. Robert |  22.11.2010 | 23:10 | permalink  

    In wie fern hemmt die partielle Ablehnung von Google Street View die digitale Entwicklung in Deutschland und in welcher Weise werden dabei Vorurteile geschürt?

  101. Jens Best |  22.11.2010 | 23:59 | permalink  

    @Robert
    Das sind deine Fragen?

    Dann empfehle ich dir zusätzl. das Lesen meiner obigen Kommentare:

    Gesetzesentwürfe und Zentralregisterforderungen um das Einspruchsrecht gegen das Online-Veröffentlichen von Ansichten des öffentlichen Raums durch Hausbesitzer sind ein Eingriff in die Möglichkeiten eben diesen im Web abzubilden.

    Da diese Abbildungen, Geodaten allgemein, ein wichtige Elemente sind, um das breite Verständnis von sinnvollen Onlineanwendungen zu fördern, wird hier ein gesamter Anwendungsbereich grundsätzlich negativ konnotiert. Nicht bei dir vielleicht, sicher nicht bei mir, aber es sollte gerade um diejenigen Bevölkerungskreise gehen, die noch nicht viel außer ebay und facebook im Web kennen.

    Statt also, auch im Sinne von Wau Holland, die positive Nutzung von öffentlichen Daten und freigegebenen persönlichen Daten basierend auf Geodaten hervorzuheben und gleichzeitig einen verantwortungsvollen Umgang mit privaten Daten zu propagieren, wurde von den Medien, der Politik, aber auch Personen wie der Datenschutz-Fanatiker-Bande Schaar, Weichert, Caspar diese Chance nicht genutzt. Gerade Schaar, der ja neben dem Datenschutz auch für die Förderung der Informationsfreiheit bezahlt wird, hat gezeigt, das er nicht seiner dialektischen Aufgabe gewachsen ist.

    Open Data ist immer noch ein Non-Thema in Deutschland. Datenschutz wird nicht als ein Abwägungsprozeß gesehen, denn schließlich geht es ja letzten Endes um das Datenteilen in vertrauensvoller und verantwortlicher Art und nicht um die ewige Vermeidung des Datenflusses. Datenschutz ist eine temporär wichtige Aufgabe, solange Systeme nicht in vertretbarem Maße durch die Teilnehmer verantwortlich benutzt werden.

    Die Hetze gegen Google (oftmals stellvertretend verwendet für “Das Internet”) im Sommer durch die Medien war und ist nicht geprägt von Aufklärung, sondern bedient bestehendes Unwissen über “Das Internet” um sich von einer verkaufsfördernden Schlagzeile zur nächsten zu hangeln.
    Irgendwelche C-Schauspielerinnen dürfen sagen, dass sie von Streetview nicht in ihrem Gartenpool beobachtet werden wollen, Verleger und Chefredakteure weisen Mitarbeiter an parteiisch und einseitig zu berichten (mir liegen etliche solche Berichte von Journalisten vor), ausgewogene Artikel über Gefahren UND Chancen von Geodaten-Nutzung von freien Jornalisten werden erst angenommen und dann von höhrer Stelle wieder abgelehnt.

    Es wird eine kritische Gesamthaltung gegen das Web geschürt, in dieser Atmosphäre haben wirtschaftliche sowie insbesondere soziale Innovationen durch coole Webanwendungen wenig Chancen auf eine breite gesellschaftliche Antizipation.

    Man kann sich an den mächtigen Datensammlern Google, facebook, Apple aufgeilen, aber ohne die Förderung zivilgesellschaftlicher Alternativen wird sich da nichts ändern. Ein undifferenziertes Abdissen von Google Streetview führt dazu das reaktionär-grüne Justizsenatoren schwachsinnige Gesetze schreiben, der VDS-Verräter Schaar weiter mit unglaublichen Beispielen die Chance der Offenheit schlecht reden kann (S21-Banner an einem Haus auf Streetview als Gefahr keinen Job zu bekommen!!!) und das ist nur die Spitze des Eisberges.

    In den letzten Monaten habe ich viele Gespräche mit nicht-online-affinen Personen geführt, ein wüstes Gemenge von Unsicherheit, Vorurteilen, Unwillen und in großen Teilen auch ein simples “Das-darf-nicht-sein” schlägt dir da entgegen, teilweise freundlich verachtend, teilweise subtil gewalttätig.

    Die Essenz des Web ist seine Offenheit. Diese ist eben nicht nur gefährdet durch die Firmen, die diese Offenheit einhegen wollen, sondern es ist eben auch gefährdet durch eine Gesellschaft, die Angst hat vor einer Offenheit der Daten. Jeder braucht seine Geheimnisse, es geht nicht um 100% Transparenz, nicht das wir uns da falsch verstehen, aber wir brauchen noch ein ganzes Stück mehr Offenheit und Transparenz in dieser Gesellschaft.

    Das ist anstrengend, das erfordert eine größere Kommunikationsbereitschaft, keine Frage. Aber meiner Meinung nach steckt in der Anwendung des Web als digitale Ebene der Realität eine Möglichkeit aufgrund einer größeren gemeinsam geteilten Datenmenge fundiertere vertrauensvollere und verantwortlichere Entscheidungen zu treffen.
    Dafür braucht es aber Mut und keine Angst. Die deutsche Debatte um Streetview fördert die Angst. Von einigen unbewusst, von einigen absichtlich.

    Wo ist die Förderung von openstreetmap.org oder vergleichbarem? Wo ist die deutsche digitale Bibliothek? Wie ist der Fortschritt in der leidigen Open Access Debatte – verhindern, verhindern, verhindern – hej, wieso schalten wir das Web nicht einfach ab.

    So, ein wenig in Rage geschrieben, aber ich hoffe irgendwo darin wirst du eine Antwort finden.

  102. hmmm |  23.11.2010 | 10:23 | permalink  

    Es ist vollkommen egal, welche Gründe die Verweigerer für ihren Antrag auf Verpixelung haben und dass es keine Gesetze gegen Streetview gibt – die Weigerung, bei Streetview abgebildet zu sein, ist zunächst einmal ohne Angabe von Gründen zu respektieren.

    Ich sag mal: Panoramafreiheit.

    Du sprichst hier anderen das Recht ab draussen Fotos zu machen und online zu stellen? Oder nur Google? Nokia (glaube ich) hat verlauten lassen, dass es was ähnliches machen wolle, dürfen die das dann?
    Und Microsoft Bing fotografiert die Häuser von oben, so dass man in einer ISO-perspektive auch schön viel sieht – nur nicht so detailiert – dürfen die das? Oder dürfen die das weils nicht so genau ist – wo ist hier die Grenze der Auflösung?

    Bin ich gegen Google StreetView, bin ich doch auch gegen die Panoramafreiheit. Und gegen DIE bin ich definitiv NICHT.

  103. hmmm |  23.11.2010 | 10:29 | permalink  

    Ich seh gerade, das ist auch oben schon beantwortet worden mit “mag ja alles sein, aber mit Panoramafreiheit, die aus dem Urheberrecht (!) kommt, hat das ganze trotzdem nichts zu tun.”

    Ich sage: “Doch” – die rechtliche Verbindung. Der Patentschutz, wie ihn große Firmen verwenden hat auch nichts mehr mit dem Schutz des Erfinders zu tun. und trotzdem kann man es nicht ändern, solange das Gesetz nicht geändert wird.

    Ist man dagegen, dass Google die Panoramafreiheit für sich beansprucht, ist eine Gesetzensänderung notwendig – und da wirst du schnell einen Großteil der Fotografen gegen dich aufbringen…

  104. Robert |  23.11.2010 | 11:18 | permalink  

    @Jens:

    Und du hältst dein Vorgehen mit Zwang („Finde das Pixel“, „Verschollene Häuser“) für einen sinnvollen Beitrag in der Diskussion, um skeptischen Menschen die Angst zu nehmen und für möglicherweise sinnvolle Anwendungen zu begeistern? Ich verstehe ehrlich gesagt nicht die Aggression, mit der diese Debatte geführt wird. Ich würde mich eher an der frischen Luft als vor dem Computer aufhalten – im so genannten Real Life™ sind nämlich alle Häuserfassaden unverpixelt, auch wenn man sich manche verpixelt wünschte.

    Dann sprichst du davon, dass „eine Gesellschaft, die Angst hat vor einer Offenheit der Daten“ die Offenheit des Netzes gefährde. Ja aber wer ist denn Nutzer eben dieses Netzes? Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie die Freiheit eines anderen tangiert. Und wenn wir schon bei „der Gesellschaft“ und Freiheit sind: Mich erinnert der ständige Verweis auf „digitale Öffentlichkeit“ und „Abbildung des öffentlichen Raums im Digitalen“ immer an „The Matrix“. Die Dienste, die das Internet als Technologie ermöglicht, sind lediglich Werkzeuge zur Kommunikation und Information, nicht mehr und nicht weniger. Von daher täte es etlichen Beteiligten in der Debatte gut, den Ball ganz flach zu halten.

    @hmmm:

    Den meisten Gegnern von Diensten wie Google Streetview geht es nicht um die Panoramafreiheit. Und ein Dienst wie Google Streetview ist mit der Arbeit von Fotografen vergleichbar.

  105. Robert |  23.11.2010 | 11:19 | permalink  

    Korrektur: Und ein Dienst wie Google Streetview ist mit der Arbeit von Fotografen nicht vergleichbar.

  106. Christian Scholz |  23.11.2010 | 11:42 | permalink  

    An der frischen Luft isses natürlich auch schön, aber bei Street View hat man ja auch den Vorteil, dass man auch andere Länder und Städte anschauen kann, wo man eben nicht mal eben hinkommt. Oder man kann die Wege während seines Urlaubs noch einmal nachvollziehen, oder oder oder. Die Welt wächst dadurch zusammen und ich denke, das ist gut. Die Nutzer sind insofern wir alle.

    Und “lediglich” würde ich das nicht nennen, denn das hat schon eine immense Kraft.

  107. Jens Best |  23.11.2010 | 12:00 | permalink  

    @Robert

    Dear little Hacker-Boy, nicht alles was dir hier begegnet is’ “irgendwie ‘The Matrix’”

    Zwang? Zwang! Sorry, ich kann dich nicht mehr ernstnehmen.

    Öffentliche Daten zu veröffentlichen ist kein Zwang, sondern verdammt wichtig, weil jedes öffentliche Datum uns helfen kann, fundiertere Entscheidungen zu treffen.

    Mehr gibt’s auch nicht mehr dazu zu sagen.

  108. tjo mei |  23.11.2010 | 12:46 | permalink  

    > Korrektur: Und ein Dienst wie Google Streetview ist mit der Arbeit von Fotografen nicht vergleichbar.

    Das sehen Richter offensichtlich anders.

  109. Robert |  23.11.2010 | 12:52 | permalink  

    Lieber Jens, jetzt bleib mal schön sachlich, geh eine Runde an die frische Luft (oder in die Sauna) und lass die Aggression aus der Debatte. Für dich mag die Frage nach öffentlichen und privaten Daten schon längst geklärt sein, aber für die meisten Bürger ist sie das eben nicht, wie die Debatte zeigt. Mit anderen Worten: Die Prämisse für deinen Ansatz ist gar nicht gegeben. Nur unter der Annahme, dass die Frage allgemein schon beantwortet wäre, ergäbe sich die Zwanglosigkeit.

    Hier geht es doch um Wirtschaftslobbying (kein Unternehmer verschenkt Dienste) und Marketing (für eben solche Dienste), was auf Skepsis und Ablehnung potenzieller Kunden stößt. Da die Debatte um mögliche zukünftige Produkte und Dienstleistungen nicht im gewünschten Sinne verläuft, ist es Zeit für eine andere Marketingstrategie, wenn es verkauft werden soll – oder vielleicht einen Berufswechsel.

    (Und noch einmal als kleine Randnotiz zur Matrix: Zum Wählen, Demonstrieren, mit Freunden ein Bierchen Trinken, Reproduktion (Arterhaltung) muss ich immer noch ins reale Leben™ – Internetdienste können dabei (nur) ein Hilfsmittel sein.)

  110. Robert |  23.11.2010 | 12:54 | permalink  

    @tjo mei: Gibt es ein Urteil?

  111. ttm |  23.11.2010 | 13:31 | permalink  

    Was ist das hier eigentlich für ein Popanz! @Robert: Mal von anderer Seite zum mitmeißeln. Die Frage ob Hausfassaden öffentliche Daten darstellen IST geklärt. Sie tun es in Abgrenzung zu personengebundenen Daten im Sinne des BDSG (http://www.webshoprecht.de/IRUrteile/Rspr1372.php). Das Urteil ist rechtskräftig.

    Und das ist einfach die geltenden Rechtslage, weswegen kein Hausbesitzer oder Mieter juristisch etwas gegen Google oder jedes andere Unternehmen oder eine Einzelperson unternehmen kann, die sein Haus ablichtem.

    Eine völlig andere Frage ist, ob man diese Rechtslage für gut oder ausreichend hält. Dann muss man gegebenfalls politisch aktiv werden, um sie zu ändern. Ich habe das so verstanden, dass Du das möchstest. Das ist wiederum Dein gutes Recht.

    Derzeit aber dürfen Google und jeder andere Fotos machen und müssen das prinzipiell weder begründen noch rechtfertigen. Wenn Google dennoch auf die Wünsche einzelner eingeht, sein Haus unkenntlich zu machen, so ist mein Recht und das jedes anderen, diese Häuser dennoch abzulichten und die Bilder zu verbreiten davon gänzlich unberührt und zwar ohne jede Rechtfertigung.

    In diesem Sinne ist der ausdrückliche Wille einzelner Hausbesitzer auf Nicht-Ablichten der Häuser schlicht ein persönlicher Wunsch, dem entsprochen werden kann. Aber aus wohlüberlegten, übergeordneten Gründen, die von Jens Best hinreichend erläutert wurden, kann man in einem Abwägungsprozess sehr wohl auch zu dem Schluss kommmen, diesem Wunsch ausdrücklich nicht zu entsprechen. Das ist nicht mal eine Abwägung gleichberechtigter Rechtsgüter, sondern schlichte Nutzung der Meinungsfreiheit.

  112. Robert |  23.11.2010 | 14:05 | permalink  

    Was du in meine Aussagen hinein interpretierst ist deine Sache.

  113. Aufmerksamkeit! |  23.11.2010 | 14:14 | permalink  

    @ttm “Die Frage ob Hausfassaden öffentliche Daten darstellen IST geklärt. Sie tun es in Abgrenzung zu personengebundenen Daten im Sinne des BDSG (http://www.webshoprecht.de/IRUrteile/Rspr1372.php). Das Urteil ist rechtskräftig.”

    Zunächst: woher haben Sie die Information, dass das Urteil rechtskräftig ist?
    Das Urteil des LG Köln bezieht sich ausschließlich auf den konkreten, dem Urteil zugundeliegenden Sachverhalt. Das LG Köln betont dies auch mehrfach in seiner Begründung.
    Daraus eine allgemeines “IST GEKLÄRT” abzuleiten, kann ich nicht nachvollziehen und entspricht auch nicht den Tatsachen. Das von mir oben #47 zitierte BGH Urteil zum Hundertwasserhaus – der Sachverhalt war hier ein anderer – kommt z.B.zu einem anderen Ergebnis. Es ist, darin liegt ein Teil des Problems, einiges nicht geklärt!

    Ansonsten ist auch nicht klar (Stichwort Panoramafreiheit und Kameraaufbau) ob Google die Bilder (so) machen darf. Klar ist bisher nur, dass Foto- und Filmaufnahmen ebenerdig gemacht werden dürfen, soweit sie keine eindeutige Verknüpfung zu personenbezogenen Daten zulassen. Alles andere ist offen und bisher nur in Einzelfällen geklärt.

  114. ttm |  23.11.2010 | 15:12 | permalink  

    @Robert

    “Woher haben Sie die Information, dass das Urteil rechtskräftig ist?”
    “Es ist einiges nicht geklärt!”

    Ein kleines KInd, dass mit dem Fuß trotzig aufstampft ist im Vergleich zu Ihnen ein zugänglicher Zeitgenosse, das muss ich schon sagen.

    Ein Urteil ist rechtskräftig, wenn keine weiteren Rechtsmittel eingelegt werden können oder eingelegt wurden. Das ist hier einfach der Fall.

    Der Verweis auf das Hundertwasser-Urteil ist in der Sache völlig falsch. Während das von mir verlinkte Urteil des Landgerichts Köln schon fast im Umfang eines Gutachtens eine vielfältige Abwägung möglicher Rechtspositionen und entsprechender höchstrichterlicher Urteil vornimmt, die vor allem den Gegenstand des Persönlichkeitsrechts vs. Meinungsfreiheit beleuchten, dreht sich das Hundertwasser-Urteil ausschließlich um Fragen des Urheber- und Wettbewerbsrechts, nämlich hinsichtlich der Zulässigkeit des Vertriebs einer Abbildung des Hundertwasserhauses, an dem der Kläger – nämlich Hundertwasser selbst – ein Urheberrecht geltend macht, das er insoweit nutzt, als er selbst entsprechende Abbildungen vertreibt. Die Rechte der Bewohner / Besitzer des Gebäudes spielen in diesem Urteil überhaupt keine Rolle. Es trägt einfach gar nichts zur Frage der Rechtmäßgkeit von Google Streetview bei.

    Ich kann wirklich nur empfehlen, sich das sehr aktuelle Urteil des Kölner andgericht vom Januar diesen Jahres gründlich durchzulesen (http://tinyurl.com/y9ghu5r), um zu erkennen, warum ein Dienst wie StreetView schon allein aufrund Art. 5 des Grundgesetzes zulässig ist. Es ist alles geklärt und jeder einigermaßen verständige Mensch wird die hohe Vergleichbarkeit des dem Kölner Urteil zu Grunde liegenden Sachverhalts mit dem bei StreetView vorligenden Sachverhalt auf Anhieb erkennen.

    Wer dennoch der Ansicht ist, dass Streetview gegen geltendes Recht verstößt, dem steht der Klageweg selbstverständlich erneut offen.
    Wenn auch vermutlich ohne jede Aussicht auf Erfolg.

    Alles weitere ist trotziges Gekläffe.

  115. ttm |  23.11.2010 | 15:15 | permalink  

    @Aufmerksamkeit Ups, das war ja gar nicht von “Robert”. Ich nehme die poelmische Bermerkung zum trotzigen Kind umgehend zurück, betone aber den Umstand, das alles weitere in meinen Ohren dennoch trotziges Gekläffe ist…

  116. Aufmerksamkeit! |  23.11.2010 | 15:30 | permalink  

    @ttm Ich habe mich völlig sachlich und ohne persönlich zu werden mit ihren Argumenten auseinandergesetzt. Sie sind derjenige, der hier unnötige Schärfe reinbringt. Warum eigentlich? Ihre Argumente werden dadurch weder besser noch schlechter.
    Das “Ein Urteil ist rechtskräftig, wenn keine weiteren Rechtsmittel eingelegt werden können oder eingelegt wurden.” ist mir durchaus geläufig. Meine Frage lautete auch, woher Sie die Information haben. ” Das ist hier einfach der Fall.” ist zunächst nur eine Behauptung.
    Zum BGH/Hunderwasser-Urteil widerspreche ich Ihrer Aussage dem Grunde nach nicht, ja, es geht hier um das Urheberrecht. Aber die Panoramafreiheit ist eine Schranke des Urheberrechts, der Zusammenhang also durchaus gegeben und wichtig.
    Und nochmal ja, das Urteil des LG Köln bietet gute Erkenntnisse, ist aber nicht geeignet die Aussage “alles ist geklärt” zu stützen, und nur das habe ich gesagt.

  117. Robert |  23.11.2010 | 16:01 | permalink  

    @Aufmerksamkeit: Danke.

  118. liri |  23.11.2010 | 16:17 | permalink  

    einen ähnlichen dinst gibt es doch schon lange: http://sightwalk.de
    da regt sich keiner drüber auf…….

  119. liri |  23.11.2010 | 16:18 | permalink  

    *dienst*

  120. V. Ohneland |  23.11.2010 | 16:23 | permalink  

    @ ttm: Ein Foto eines Hauses mit Angabe der Adresse ist in Bezug auf seine Bewohner selbstverständlich ein personenbezogenes Datum. Da kommt auch das Urteil, das du zitierst, zu keinem anderen Schluss. So einfach ist es eben gerade nicht.

  121. Aufmerksamkeit! |  23.11.2010 | 16:31 | permalink  

    @liri “Sich nicht darüber aufregen” ist nett formuliert. Bisher regen sich, so nehme ich das zumindest wahr, nur diejenigen auf, die bei Google Street View keine Verpixelung wollen. Ich habe noch niemanden erlebt, der sich darüber aufregt, dass ein Eigentümer/Mieter sein Haus n i c h t verpixelt hat. Umgekehrt sieht das deutlich anders aus :-).
    Ansonsten kennen viele Menschen sidewalk.de wahrscheinlich (noch) nicht. Wenn Sie in deren Datenschutzbestimmungen schauen, gibt es dort auch ein Widerspruchsrecht. Verpixelungen bei sidewalk.de werden also sicher nur eine Frage der Zeit sein.

  122. ttm |  23.11.2010 | 17:41 | permalink  

    @Aufmerksamkeit Der Zusammenhang zwischen Panaoramerecht und Urheberrecht ist ohne Belang, da sich nach dem Kölner Urtell unter Abwägung aller denkbaren Rechtseingriffe die Zulässigkeit von Diensten, die Abbildungen von Häusern mit Adressen und Geodaten verknüpfen bereits allein aus Art 5 Grundgesetz ergibt.

    Entsprechen ist auch die Feststellung, dass es sich dabei um personenenbezogenen Daten handeln kann (nicht muss) ohne weitere Folgen für derartige Dienste, da das Urteil die vom Gesetzgeber verlangte eine notwendige Abwägung der Rechtsgüter vorgenommen hat, und dabei eben zu dem Ergebnis gelangt ist, der Hauseigentümer hat die Speicherung und Verarbeitung dieser nicht zum engeren Kern der Intimssphäre gehörenden Bilddaten hinzunehmen.

    Es steht verflixt nochmal im Urteil:

    “(…) Allerdings hat der Einzelne keine absolute, uneingeschränkte Herrschaft über “seine” Daten; denn er entfaltet seine Persönlichkeit innerhalb der sozialen Gemeinschaft. In dieser stellt die Information, auch soweit sie personenbezogen ist, einen Teil der sozialen Realität dar, der nicht ausschließlich dem Betroffenen allein zugeordnet werden kann. (…) Deshalb muss der Einzelne grundsätzlich Einschränkungen seines Rechts auf informationelle Selbstbestimmung hinnehmen, wenn und soweit solche Beschränkungen von hinreichenden Gründen des Gemeinwohls oder überwiegenden Rechtsinteressen Dritter getragen werden und bei einer Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht der ihn rechtfertigenden Gründe die Grenze des Zumutbaren noch gewahrt ist (BGH NJW 2009, 2888, 2891, 2892 m.w.N.).

    Unter Berücksichtigung dieser Kriterien hat die Klägerin die Speicherung der streitgegenständlichen Informationen hinzunehmen. Immerhin gibt die Beklagte keine sensiblen Daten über sie wieder, die der Intim- oder Geheimsphäre zuzuordnen sind. Vielmehr eröffnet sich die Adresse der Klägerin notwendigerweise in vielerlei Hinsicht für Dritte im sozialen Leben der Klägerin. Es gehört zu ihrer sozialen Realität, dass die Adresse sowie das äußere Abbild ihres Wohnhauses einer Vielzahl von Personen bekannt sind oder werden (….) Dass die Klägerin durch die Abbildung auch ihres Hauses konkret beeinträchtigt worden sein könnte, ist nicht anzunehmen. Damit ist ein schutzwürdiges Interesse der Klägerin gegen die Erhebung und Nutzung der Daten durch die Beklagte nicht gegeben, so dass die Speicherung der Daten nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BDSG zulässig ist.

    Unter den Voraussetzungen dieser Abwägung geht die Kammer davon aus, dass auch das Verbreiten dieser gespeicherten Information zulässig ist, bedenkt man zusätzlich, dass der Grundsatz des freien Meinungsaustauschs nicht nur für Themen gilt, die von besonderem Belang für die Öffentlichkeit sind.”

    Ich finde in der Tat, damit ist alles geklärt.

  123. Aufmerksamkeit! |  23.11.2010 | 18:47 | permalink  

    @ttm Ich versuche es nochmal:

    http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/koeln/lg_koeln/j2010/28_O_578_09urteil20100113.html

    Rdnr. 23/25: Die Bilder wurden von der Straßenebene aus fotografiert (falls ich hier ein letztes Mal auf das Problem von GSV/Kammeraaufbau und die damit verbundene Frage der Panoramafreiheit eingehen darf :-))

    Das in § 41 BDSG enthaltene Medienprivileg umfasst grundsätzlich auch Telemedien, wenn sie unter den Pressebegriff von Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG fallen. Die sich insoweit ergebende datenschutzrechtliche Sonderstellung ist allerdings daran gebunden, dass die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten (§ 4 Abs. 1 BDSG) einer pressemäßigen Veröffentlichung dient. Maßgebend ist, dass die Daten “ausschließlich für eigene journalistisch-redaktionelle oder literarische Zwecke” bestimmt sind.
    Siehe auch Rdnr. 31

    Der Schluss, den das Gericht in Rdnr. 33 zieht, bezieht sich auf die Eingriffsintensität seitens der Klägerin = Bilder sind aus der gleichen Perspektive fotografiert, die auch ein Straßenbesucher hätte.

    Deshalb auch meine Frage, ob das Urteil rechtskräftig ist. Ein OLG oder der BGH könnte nämlich hier durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen. Im Fall des Hundertwasserhauses ist dies geschehen.

    Das vom LG Köln herangezogene “spickmich-Urteil” http://medien-internet-und-recht.de/volltext.php?mir_dok_id=1996 des BGH behandelt die Frage von Fotografien nämlich nicht, schon gar nicht die Frage von GSV.

  124. Aufmerksamkeit! |  23.11.2010 | 18:59 | permalink  

    Um Missverständnisse zu vermeiden bitte den vorletzten Absatz ersatzlos streichen und durch Folgendes ersetzen:

    Ein OLG oder der BGH könnte nämlich im Fall von GVS durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen. Im Fall des Hundertwasserhauses ist dies geschehen.

  125. ttm |  23.11.2010 | 20:00 | permalink  

    @Aufmerksamkeit Ob das Medienprivelig für den verklagten Bilderdienst greift, ist nach den weiteren Ausführungen des Landgerichts für die Bewertung der Zulässigkeit des Dienstes nicht ausschlaggebend und daher ohne weiteren Belang. (Rdnr. 27 und 33)

    Und dann die Aufnahmehöhe, tja, der letzte verbliebene Rückzugsort, an dem sich die Verpixler festbeißen. In der Tat sind die Aussagen von Gesetzen und Urteilen hier interpretationsfähig. Die entsprechenden (Verbots-)Entscheidungen beziehen sich bislang ausschließlich auf Fälle, in denen unter Einsatz von Hubschraubern oder Leiterwagen auch sehr hohe Sichtschutzeinrichtungen vorsätzlich überwunden wurden, um Einblicke in das Privatleben vornehmlich prominenter Zeitgenossen zu erhallten. Alles Paparazzi-Streitereien.

    Ob die Sachverhalte aus diesen Urteilen auf Streetview übertragbar sind, ist bislang offen, aber natürlich denkbar. Das hat eben noch kein Gericht geprüft. Ich neige natürlich dazu, diese Urteile für nicht übertragbar zu halten. Aber wer bin ich schon…

    Das Kölner Urteil sagt dazu nichts bzw. nutzt unter Bezug auf den BGH die interpretationsfähige Formulierung “Fotografieren der Außenansicht eines Grundstücks von einer allgemein zugänglichen Stelle aus.” Das schließt einen Aufnahmestandpunkt in 2,50 bis drei Meter Höhe vom Dach eines Wagens auf einer öffentlichen Straße ja nicht automatsich und zwingend aus, wie gerne vorgebracht wird. Wie OLGs oder das BGH das mit Bezug zu Streetview einschätzen, hat eben noch keiner geprüft bzw. bis vor wenigen Tagen mangels persönlicher Betroffenheit prüfen können.

    Weil es zum Wesen eines Rechtsstaats aber auch gehört, dass etwas nicht deshalb automatisch verboten ist, nur weil es nirgendwo ausdrücklich erlaubt wurde, ist es Google problemlos möglich, diese Bilder aufzunehmen und zu verbreiten, weil man im Fall von Streetview auch die (technische bedingte) Aufnahmehöhe als vom geltenden Recht gedeckt betrachtet werden kann.

    Diese Interpretation ist m.E. zulässig. Ist jemand nicht bereit, eine solche Rechtsauffassung hinzunehmen, darf er die Gerichte bemühen. Das ist bei der Frage der Aufnahmehöhe bestimmt spannend.
    Bis zur Klärung gilt aber für alle Fotografen gewissermaßen die Unschuldsvermutung.

  126. Aufmerksamkeit! |  23.11.2010 | 20:21 | permalink  

    Das Medienprivileg hatte ich nur erwähnt, weil sich nur darauf der Art. 5 I GG, den Sie auch zitierten, bezog. Sie haben Recht, er spielt für das konkrete Urteil keine Rolle, deshalb habe ich auch 33 ausdrücklich angesprochen.

    Und ja, Google hat die Bilder inzwischen gemacht und sie eingestellt. Google hat, eben weil die Rechtslage nicht klar ist! und das neue Gesetz “vor der Tür” steht, den Menschen, die davon Gebrauch machen wollen, die Möglichkeit zum Widerspruch gegeben. Manche Menschen haben nun davon Gebrauch gemacht, viele nicht. Jederfraus/und-manns Recht. Die ungeklärten Fragen werden wohl irgendwann einmal von einem Gericht geklärt werden. Solange soll es jeder selbst entscheiden.
    Ich finde ein Unternehmen, dass Daten sammelt und mit dem Amerikanischen Geheimdienst zusammenarbeitet, darf man ruhig hinterfragen. Ich frage mich nach wie vor, ob in Deutschland die Reaktion auf “GSV” die gleiche gewesen wäre, wenn die Telekom die Daten sammeln würde und die Telekom mit dem Bundesnachrichtendienst zusammenarbeiten und gemeinsam eine Firma gründen würde, so ganz privatwirtschaftlich :-)

    Vielleicht wird man irgendwann in der Diskussion tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass die Veröffentlichung solcher Bilder unter bestimmten Voraussetzungen (die Wahrung der Grundrechte muss Bestand haben) zulässig ist. Die Frage sollte aber dann sein, wem man diese Daten “in die Hand” gibt.

  127. liri |  24.11.2010 | 09:13 | permalink  

    die deutschen sind schon anders als der rest der welt. ich frage mich, was andere aus der welt von uns denken, wenn sie sich unsere schönen städt bei streetview anschauen. schließlich haben die höchstwahrscheilich von dieser debatte in deutschland nichts mitbekommen.

  128. Oh Schmerz « Die Welt ist Scheisse – Aber ohne Geruch |  24.11.2010 | 14:39 | permalink  

    [...] sie sich den Artikel von Enno Park bei Carta bitte 100 mal durch, denken sie nach, verarbeiten sie die dort hergeleiteten Argumente und heulen sie bitte, lassen sie [...]

  129. V. Ohneland |  24.11.2010 | 17:48 | permalink  

    Seufz.
    Zu # 127: ‘Die Deutschen’ sind keineswegs ‘anders als der Rest der Welt’ in Hinblick auf Google, es gab und gibt auch in anderen Länder Schwierigkeiten, darunter Großbritannien, Griechenland, der Schweiz und Italien. In Japan wurde nach Protesten sogar durchgesetzt, dass die Aufnahmen nur auf niedrigerer Höhe als bei uns gemacht werden dürfen. Soviel zum Mantra ‘Nur die Deutschen, nur die Deutschen…’. (Zum Selberlesen: Link) Ich habe allerdings noch nicht von anderen Ländern gehört, dass verpixelte Häuser ‘nachfotografiert’ werden sollen. Macht sich hier unerwartet die ‘deutsche Gründlichkeit’ bemerkbar? >;)

    Zu # 125: Eine ‘allgemein zugängliche Stelle’ ist das Dach eines Autos selbstverständlich nicht. Die Google-Mitarbeiter haben in den Fällen, wo jemand das so gesehen hat, den frechen Kerl sicherlich von ihrem Dach gepflückt.

    Es ist tatsächlich spannend, wie Gerichte darüber urteilen würden/werden. Es würde mich wirklich nicht wundern, wenn am Ende ein Urteil gefällt wird, das für die maximal zulässige Höhe einer ‘allgemein zugänglichen Stelle’ die Durchschnittsgröße eines hiesigen Menschen plus eine halbe Armlänge plus Toleranz für die Kamera heranzieht… Es bleibt spannend.

  130. Robert |  24.11.2010 | 23:23 | permalink  

    Spannend ist auch das Schweigen im Walde. Treffer versenkt?

  131. jo |  25.11.2010 | 00:57 | permalink  

    Was wäre, wenn Google gesagt hätte: “Tut uns leid liebe Germans, unter diesen Umständen gibt es kein Streetview”? Da wären einige doch ganz schön ins Grübeln gekommen, ob das wirklich eine gute Idee war, hier mit dem Datenschutz zu operieren. Der wäre bei Vorratsdatenspeicherung und Fingerabdrücken im Personalausweis gefragt.

  132. Igor |  25.11.2010 | 07:55 | permalink  

    Dass man sich bei Facebook freiwillig meldet, ist nur halbe Wahrheit. Ich bin z.B. nicht auf Facebook, meine Daten und Bilder sind es trotzdem. Warum? Weil meine “Freunde” (in manchen Fällen nur entfernte Bekannte) sie dort reingestellt haben!

    Auch bin ich der Meinung, dass ästhetische Befindlichkeiten durchaus beachtet werden sollen. In echter Welt wird mittels Bauvorschriften und Denkmalschutz auch darauf geachtet, dass Häuser das Stadtbild nicht verunstalten. Ein Vorkommentator hat das treffend formuliert: Pixelung ist Vandalismus.

    Der Vergleich mit dem Telefonbuch hinkt gewaltig. Meine Telefonnummer ist kein öffentliches Datum; sie ist nicht für jeden, der mich zufällig auf der Straße trifft, einsehebar. Durch Kenntniss meiner Telefonnummer kann mich (Person!) jemand direkt belästigen. Für Fassadenbilder trifft das alles nicht zu.

    Und, von wegen “Totalitarismus”: Jede Gesellschaft muss sich mit unterschiedlichen Meinungen außeinander setzen und Entscheidungen treffen, die einen gefallen und anderen nicht. In einer Demokratie beugt sich die Minderheit dem Willen der Mehrheit. In einer _freicheitlichen_ Demokratie werden bestimmte persönlichen Rechte auch vor dem Diktat der Mehrheit geschützt. Doch weder gibt es bei Fassandenanblicken persönliche Rechte, die verletzt werden können, noch sind die Street View-Gegner eine Mehrheit. Eigentlich ist es genau umgekehrt: Dass eine hysterische Minderheit ihre Auffasung von Datenschutz und Privatsphäre, die im Widerspruch zu geltendem Recht steht, der Mehrheit aufzwingen will, ist arrogant und totalitär!

  133. ttm |  25.11.2010 | 07:57 | permalink  

    Ich wusste gar nicht, dass es hier darum geht, jemanden zu treffen und zu versenken. Aus meiner Sicht sind einfach alle Argumente ausgetauscht, wenn auch mit absehbarem Ergebnis: Google und Andere dürfen fotografieren und Sie dürfen das weiterhin falsch finden. Wenn sie meinen, Google und Andere dürfen das nicht, müssen Sie dagegen klagen, wenn Sie das verhindern möchten. Das Konzept nennt sich Rechtsstaat.

    Mit Blick auf diese Möglichkeit, habe ich auf ein bestehendes Urteil zu einem extrem ähnlichen Sachverhalt verwiesen, welches das Fotografieren und verbreiten der Bilder in Verbindung mit Adresssuche und Geodaten erlaubt, und damit einen juristischen Sachstand definiert. Daraufhin entwickelte sich eine Diskussion darüber, wie vergleichbar der dort behandelte Sachverhalt im Detail ist. Es gab einens gewissen Konsens darüber, dass wir alle nicht wissen, ob z.B. Oberlandesgerichte der Argumentation des genannten Urteil eines Landgerichts folgen. Ich denke das wird so sein, aufgrund der umfangreichen Darlegung aller Abwägungen, die das Gericht vorgenommen hat, andere glauben das nicht.

    An dieser Stelle gibt es keine Argumente mehr, sonder nur noch Überzeugungen, die aber von allen Seiten schon hinreichend deutlich geworden sind. Wozu also noch weiter reden? Dann aber kann man nur noch Schweigen.

  134. Robert |  25.11.2010 | 09:59 | permalink  

    @Igor: Vorsicht bei der Argumentation mit Minder- und Mehrheiten, die sehen häufig ganz anders aus als die eigene Vorstellung. Wie sähe Street View z.B. bei Opt-In aus, wie viele Häuser wären dann dabei?

    @ttm: Sie wollen wie Herr Best ihr Geld mit dem Netz verdienen, dann sind sie mit Kommentar #105 natürlich auch angesprochen. Was macht das Marketing?

  135. Marc |  25.11.2010 | 10:41 | permalink  

    ich bin der Böse von Gestern!
    Ich bin nicht mehr in social-networks zu finden, und MEIN Haus wird, sobald das in Streetview erscheint, sofort verpixelt! Ich hab das Recht zu entscheiden, ob MEIN Haus, von einer FIrma weltweit veröffentlich wird, oder nicht. Und wenn ich bei diesem “show all about you-Spiel” nicht mitmachen will, muss das akzeptiert werden! Genau wie ich es akzeptiere, wenn Menschen alles Private ins Internet tragen müssen, was ich auch nicht verstehen kann.

  136. ttm |  25.11.2010 | 11:55 | permalink  

    Ich bin weder Fotograf, noch verdiene ich mein Geld wegen des Netzes und fühle mich daher nicht angespochen.

  137. Jörn |  25.11.2010 | 12:12 | permalink  

    Also diese Meinung vergisst ja nunmal wieder völlig, dass das Abbild einer Fassade rein gar nichts mit irgendwelchen personenbezogenen Daten zu tun hat…

    “Don Alphonso hat nämlich mit einer These durchaus recht: Googles Ansatz, alles und jeden durchsuchbar zu machen und der Gedanke, Streetview-Verweigerer zu ihrem Glück zwingen zu wollen, sind totalitär.”

    Nein sind sie nicht, es ist Gesetz und Recht aus der Öffentlichkeit anzuschauen was man will, Bilder zu machen, zu vermarkten. FÜR JEDEN. Für Google oder ähnliche Dienste da jetzt eine Ausnahme hinzubiegen ist totalitär..

    “Bei Streetview meldet man sich nicht freiwillig an wie bei Facebook.”

    Ja weil es auch nicht um “sich” geht, sondern um eine Hausfassade, meine Güte. Ist der Unterschied nicht klar?

    “Ist es nicht. Streetview ist Google, nicht mehr und nicht weniger. Google kann jederzeit den Dienst manipulieren, kostenpflichtig machen, abschalten.”

    Ja aber das ist nicht unser und auch nicht Googles Problem. Das ist ja das schöne an unserer momentanen Rechtslage. JEDER darf das machen, und übrigens gab es schon lange vor Google-Streetview andere vergleichbarere und unter den Schwachsinnsargumenten viel kritischere Services als Googles..

    (Selbst Sie können hier alberne Argumente veröffentlichen, Meinung manipulieren und ihren Artikel jederzeit wieder abschalten, Sie sind ja mindesten genauso böse wie Google!! <- ja sehr alberne Ironie)

    "Natürlich ist die Hausfassade öffentlich und von jedem einsehbar, was aber nichts daran ändern, dass man aufgrund dieser Bilder wahre oder falsche Rückschlüsse auf meine Person machen kann – besonders in aus 3 Metern Höhe fotografierten Kleinstädten und Einfamilienhaussiedlungen."

    Komplett falsch, Rückschlüsse kann ich nur auf jemanden machen wenn ich weiss wo dieser wohnt, der also tatsächlich personenbezogene Daten von mir hat. Wie er diese bekommen hat ist dann die eigentliche Frage und das Problem.
    Ich habe allerdings immernoch nicht sinnvoll gehört, was sich denn nun genau aus dem Abbild meiner Hausfassade über mich ableiten ließe, wenn denn jemand mein Adresse hat, und die Frage noch wozu? Wenn jemand mein Namen und Adresse hat, ja dann hat er mein Leben, Zahlungsbonität etc.etc. schon lange vor sich, seit Jahren, ohne den bösen Fotoatlas. Und die Ableitungsfähigkeit von Bonität oder irgendwelchen anderen Eigenschaften aus der Hausfassade ist auch extrem fragwürdig, und die Betrachtung sinnfrei unter Betrachtung wie z.B. Firmen und Banken die Bontität ihrer Kunden prüfen..

    "Es sollte letztlich dem Einzelnen überlassen bleiben, ob er seine Fassade in Streetview abgebildet sehen möchte oder nicht – so wie er die Entscheidung hat, ob er im Telefonbuch stehen möchte."
    Telefonbucheintrag = personenbezogene Daten
    Hausfassade = ???

    "Der öffentliche Raum bleibt vollkommen unangetastet – niemand sperrt Straßen und Plätze und verweigert uns den Zutritt."

    Indirekt schon, wie sollen Presse&Medien mit solch einer von ihnen angedachten geforderten Einschränkung arbeiten, wie Reiseführer und Ansichtskartenhersteller, Immobilienmakler…. ?!?!

    "Den berühmten Einbrecher müssen wir für die Streetview-Ablehnung gar nicht bemühen, es geht um viel mehr. Erst das massenhafte Sammeln von Daten, die Möglichkeiten des Datamining und die allgegenwärtigen Versuche von Staat und Konzernen, uns aufgrund aller möglichen und unmöglichen Daten zu scoren geben an sich völlig harmlosen Daten eine neue Qualität. Streetview-Bilder können potenziell zu diesen Daten gehören."

    Ein Glück wird der alberne Einbrecher zumindest nur halb hervorgeholt. Allerdings zeigen Sie auch hier dass sie keinerlei Verständnis davon haben was personenbezogene Daten und Datamining bedeuten noch was heutzutage alles erfasst ist und was man denn bitte von einer Hausfassade ableiten sollte…
    Übrigens ist das massenhafte unzweckmässige Sammeln von PERSONENBEZOGENEN DATEN und deren Verknüpfung ohne Einverständnis schon lange verboten, genau darum geht es im Datenschutz, richtig… aber nicht um Hausfassadenschutz die ja nunmal gerade die Abgrenzung zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre darstellt. Wenn wir diese Grenze nicht bei der Hausfassade lassen.. ach denken Sie selber bitte noch einmal darüber nach, ich hör auf zu lesen, reg mich über so eine Aneinanderreihung von albernen Gedanken und Schlussfolgerungen nur auf.

    Informatiker der seit Jahren diverse Datenschutzverletzungen und die Datensammelwut diverser Firmen und allen voran dem Staat kritisch betrachtet, es aber nicht verstehen kann wie Leute diese an den Haaren herbeigezogenen Argumente profilierungssüchtiger und inkompetenter Politiker so unreflektiert zum Thema Streetview wiederholen können…

    @135:
    "Ich hab das Recht zu entscheiden, ob MEIN Haus, von einer FIrma weltweit veröffentlich wird, oder nicht. Und wenn ich bei diesem “show all about you-Spiel” nicht mitmachen will, muss das akzeptiert werden!"
    Nein dieses Recht bilden Sie sich ein und existiert nicht. Es ist ihr Haus, aber es steht anscheinend an einem Ort, der von der Öffentlichkeit einsehbar ist, nutzt wahrscheinlich auch bis zur Haustür unsere Infrastruktur. Damit ist das Abbild ihres öffentlich, für jedermann fotografier- und vermarktbar. Seien sie froh dass Google solch kurzdenkenden Charakteren wie Ihnen völlig freiwillig (übrigens lange vor derm Politiker-gemachten Aufschrei) die Verpixelung angeboten hat, zukünftige Services werden dies nicht tun ;)

  138. jelais99 |  25.11.2010 | 12:36 | permalink  

    Zu der oft getroffenen Aussage Google habe das Angebot, die Häuser unkenntlich zu machen, aus reiner Nächstenliebe gemacht: Ich denke auch kaum, dass Google dies auch reiner Nächstenliebe gemacht hat. Sie wissen eigentlich aus den Erfahrungen aus anderen Ländern, dass die Aufnahmehöhe durchaus problematisch ist. In Japan mussten sie z.B. einen Teil der Aufnahmen erneut durchführen. Die Tschechei hat weitere Aufnahmen für SV erst einmal gestoppt. Und auch Griechenland zeigt sich skeptisch. Aber wenn man deiner Argumentation folgen würde, wären das auch alles Idioten, sind das auch alles ewig gestrige, Spießer oder sind die auch alle paranoid oder wie?

    Google gibt letztendlich nur soweit nach wie sie müssen. Denn warum hat man sich nicht insgesammt auf eine niedrigere Aufnahmehöhe festgelegt, als man merkte, dass es viele stört. In Japan hat man es auf Druck der Regierung gemacht und musste sogar noch viel mehr Zugeständnisse machen. Man muss nun öffentlich bekannt geben wo und wann man die Aufnahmen durchführt. Und das nicht nur über das Internet sonder auch über Broschüren an die örtlichen Behörden und Einwohner. Und auch bei der zweitverwertung von Bildern, die Menschen in peinlichen und kuriosen Situationen zeigt, setzte die japanische Regierung ihre Vorstellungen durch. Google ist verpflichtet, wenn es sich dabei wirklich um Bilder handelt, die die betreffende Person diskreditieren könnten, den Administrator aufzufordern, die Bilder vom Netz zu nehmen. Tut er es nicht, wird die Seite von der Google-Suche blockiert.

    Gerade den letzten Punkt halte ich für besonders wichtig. Allerdings stellt sich für mich die Frage, warum Google solche Möglichkeiten nicht auch in anderen Ländern anbietet. SV sollte doch nicht den Zweck haben Menschen zu verletzten oder zu diskreditieren. Von einem konzern der sich das Motto “Don´t be evil” groß auf die Fahne schreibt, würde ich ein solches Handeln erwarten. Aber so denkt man eher an das Zitat von Eric Schmidt “”Wer etwas tun will, von dem andere nichts erfahren sollten, möge es besser gleich bleiben lassen”
    Und kommen wir nun zu einem weiteren Punkt. Google hat jedem das Recht eingeräumt, die Fassade seines Wohnhauses unkenntlich machen zu lassen. Scheinbar hat man den den Protest ernst genommen und sich dabei auf das eigene Credo “Don´t be evil” besonnen. Auch wenn man dazu rechtlich nicht unbedingt dazu verpflichtet gewesen wäre (obwohl ich immer noch denke, dass die Aufnahmehöhe rechtlich ein Problem darstellen könnte). Soweit so gut. Nun lässt es Google allerdings zu, dass gleich nach dem Start in Deutschland die Bilder über Panoramio hochgeladen und verlinkt werden. Von einem Konzern, der die Proteste und die Menschen wirklich ernst nimmt, erwarte ich zumindestens dass er bereit ist, in irgendeiner Form zu prüfen, ob das überhaupt im Sinne des Betroffenen ist. Aber dadurch, dass Google hier scheinbar gar keinen Handlungsbedarf sieht, polarisiert man letztendlich weiter. Auch hier hätte ich von Google ein anderes Problembewusstsein erwartet.

    Und an dieser Stelle sollte man vielleicht noch einmal erwähnen, dass die Bewertung von SV eben nicht so einfach ist, wie viele sich das vorstellen. Das gilt allerdings für beide Seiten. Wir haben es bei Streetview durch Flächendeckung, Automatisierung, Aufnahmehöhe und Verknüpfung mit potenziell personenbeziehbaren Geodaten sowie der Marktmacht von Google mit einer neuen Qualität der Datenerhebung und -verknüpfung zu tun. Dies ist zwar ersteinmal durch die Panoramafreiheit gedeckt, aber dantenschutzrechtlich nicht unbedingt unproblematisch. Hier handelt es sich zwar nur um eine Momentaufnahme, aber auch daraus ergeben sich Probleme, nicht nur datenschutzrechtlich. Denn diese Momentaufnahme eines eher flüchtigen Augenblicks (den der Betrachter, der es live miterlebt in der regel bereits nach wenigen minuten wieder vergessen hat), hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Und eben dieser bleibende Eindruck von Google nicht aktualisiert wird, muss nicht Deckungsgleich mit der Realität sein bzw kann sie erheblich verfäschen. Ein Beispiel dazu. Ich räume gerade meine Wohnung aus, weil ich sie z.B. grundlegend renovieren möchte. Das Iinventar wird auch erneuert. Also wird ersteinmal alles vor das Haus gestellt, damit es von der Müllabfuhr abgeholt werden kann. Die Momentaufnahme zeigt ein Haus vor dem sich der Müll stapelt. Unreflektiert entsteht schnell ein negativer Eindruck. Gut dieses Bild ist dann bei SV zu sehen. Einige zeit später möchte ich das Haus aber verkaufen. Dann wäre man ja schon fast gezwungen, das Haus erneut zu fotografieren und die Bilder hochzuladen. Vor SV hätte ich mir gar keine Gedanken darüber machen müssen. Das sind Detailfragen, zugegeben, aber sie zeigen das Problem auf, dass obwohl die Bilder zurzeit durch die Panoramafreiheit gedeckt sind, durch die flächendeckende Erfassung, der monopolähnlichen Stellung von Google (die eine viel größere Verbreitung als z.B. Sigtwalk garantiert) doch eine ganz andere Qualität entsteht, die sich mit der geltenden Rechtssprechung erst gar nicht erfassen lässt. Aber auch in anderen Bereichen könnte es durchaus Probleme geben. Der Immobilienmarkt scheint ja ganz versessen auf SV zu sein und viele schreiben hier, dass es die Wohnungssuche erleichtert. Aber kann man sich dann auf SV verlassen? Die Bruchbude von gestern kann heute aufwendig saniert sein. Oder auch die Straßen. In unserem Viertel waren die Straßen vor zwei Jahren aufgrund der Schlaglöcher kaum befahrbar. Heute sind sie saniert. Das heisst SV gibt ein Bild wieder dass nicht der Realität entsprechen muss. Wenn ich ein aufwendig saniertes Haus vermieten möchte und es im Bildmaterial von SV noch als Bruchbude zu erkennen ist, muss ich mich erst einmal darum kümmern, dass ein aktuelles Bild verlinkt wird. Vor SV hätte ich mir auch darüber keine Gedanken machen müssen.

    Diese Aspekte und die zum teil datenschutzrechtlichen Bedenken sollte man nicht kleinreden. Andererseits sollte man die Panoramafreiheit nicht außer acht lassen.
    Zugespitzt lässt sich sagen, dass die Gegner ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung in den Vordergrund stellen, aber die Panoramafreiheit außer acht lassen. Die Befürworter berufen sich auf die Panoramafreiheit ignorieren aber weitgehend datenschutzrechtliche Fragen und Bedenken. Stempeln Gegner als fortschrittsfeindlich und paranoid ab. So wird das aber nichts. Eine zielführende Diskussion ist nicht möglich, wenn es nur darum geht Partikularinteressen zu wahren. Was an der Stelle fehlt, ist eine breite und sachbezogene Diskussion über Datenschutz und Panoramafreiheit. Beides muss sich nicht ausschließen. Wie das Beispiel Japan zeigt, gibt es durchaus Lösungen die nicht polarisieren sondern eher versöhnen und einen gesellschaftlichen Konsens schaffen. Aber darüber hinaus kommt man schnell zu Fragen, die eher systemkritischer Natur sind und aufzeigen wie unzureichend und veraltet unsere geltende Gesetzeslage hinsichtlich der Entwicklung ist, die das Web 2.0 sowie die staatliche und private Datensammelwut mit sich bringen. Aber das wäre ein sehr weitreichendes Thema und eine ziemlich anstrengende Diskussion.

    Für dienste wie SV sollte es eine klare gesetzliche Regelung geben, die Datenschutz und Panoramafreiheit gleichermaßen berücksichtigt. Die oben genannten Lösungen aus Japan wären meiner Meinung nach ein guter Anfang. Obwohl ich mir noch ein Zentralregister wünschen würde, bei dem die Widersprüche und Änderungswünsche gesammelt werden und man einem Konzern nicht unnötig mehr Daten liefert. Darüber hinaus sollte es die Möglichkeit geben, das unkenntlich gemachte Haus wieder “sichtbar” zu machen. Denn im Falle eines Umzuges sollte zumindestens der Nachmieter / Käufer, die Möglichkeit haben, dass ihr Haus bei SV zu sehen ist. Auch das gehört zur informationellen Selbstbestimmung. Zu diskutieren wäre auch die Frage wie man mit Mehrfamilienhäusern umzugehen hat. Eine gesetzliche Regelung, die nicht nur restriktiv ist, würde nicht nur Rechtssicherheit für alle Beteiligte schaffen, sondern auch einen gesellschaftlichen Konsens.

  139. V. Ohneland |  25.11.2010 | 14:31 | permalink  

    Antwort auf # 132 von Igor: ‘Ästhetische Befindlichkeiten’, die sich in Bauvorschriften niederschlagen, und Pixelung ist dementsprechend Vandalismus? Vehement gegen verpixelte Häuser zu sein ist dementsprechend so ähnlich wie in der neuen Siedlung darauf zu achten, dass die Fassadenfarbe bitte nicht von der vorher festgelegten Pastellpalette abweicht und keiner Graffitis schmiert. Und wieder stellt sich mir die Frage, wer genau jetzt eigentlich gemeint ist, wenn jemand in diesem Thread von ‘Spießern’ und ‘deutschem Michel’ schreibt.

    Zur Frage, was Telefonnummern mit Fassaden zu tun haben könnten: Eine Telefonnummer ist nur eine der Telekommunikation dienende Zahlenfolge, wie eine Hausfassade im Prinzip nur Architektur ist. Erst die Verknüpfung mit einer Person ergibt die personengebundene Information, das persönliche Datum. Ich sehe da durchaus Parallelen. Telefonnummern allerdings sind leichter zu wechseln als Adressen, und das Aussehen von Haus und Vorgarten können weitaus mehr über jemanden aussagen als eine Nummer.

    Zunehmende und vereinfachte Verknüpfung von Daten(banken) mithilfe von Plattformen wie Google-’Sind ja nur Fassaden’-Streetview könnte in nicht allzuferner Zukunft ermöglichen, nicht nur virtuell durch eine Straße zu schreiten, sondern sich auch anzeigen zu lassen, wer in einem Haus wohnt, welche Telefonnummern die Leute haben, ob sie bei Facebook sind etc. sowie irgendwann sogar, wie sie aussehen. GSV verbreitert die Schneise, die schon zuvor über die Wohnadresse zu den Informationen der Leute führte, durch ein attraktives Angebot enorm und macht diesen Ansatz auch für den normalen Surfer interessant. Ich kann nicht anders als diesen Schritt auf dem Weg zur gläsernen Welt mit Skepsis zu betrachten.

  140. J. Lange |  25.11.2010 | 20:18 | permalink  

    Was soll denn “Panoramafreiheit” für eine Freiheit sein? Da geht es wohl mit einigen Google-Apologeten durch. Nicht jedes Wort, dass sich Juristen ausdenken, sollte man nachplappern. Im Übrigen – wer wissen will, wie ich wohne, muss sich schon ins Auto oder öffentliche Verkehrsmittel setzen und sich bemühen. Die Deutschen Michel sind mit Sicherheit nicht diejenigen, die ihre Wohnstatt verpixeln lassen; die Michel sind die Eierwerfer, Entpixler und die anderen Deutschen Oberlehrer, die mir erzählen wollen, was für mich richtig ist und was nicht.

  141. jelais99 |  25.11.2010 | 20:38 | permalink  

    Darüber hinaus sollte jedem klar sein, dass der so oft propagierte Nutzen von SV nur dann dauerhaft bestehen kann, wenn das Bildmaterial regelmäßig aktualisiert wird. Denn die Möglichkeiten zur Navigation, wenn man sich dabei auf die Ansicht von Hausfassaden beschränkt, werden doch stark eingeschränkt, wenn sich zu viel ändert. Wenn z.B. ein Gebäude nicht mehr steht, der China-Imbiss nun eine Dönerbude ist, die Bruchbude mittlerweile aufwendig saniert wurde usw.
    Das gleiche gilt für den Immobilienmarkt. Die Bruchbude von heute ist morgen eine sanierte Wohnanlage. Hotelsuche ….. da muss man auch sehr kreativ sein um ein Haar in der Suppe zu finden. Auf SV sieht das ganze vielleicht noch schick aus, aber heute ist direkt vor dem Hotel eine riesige Baustelle.
    Also kann der Nutzen nur weiter bestehen, wenn das Bildmaterial immer wieder aktualisiert wird. Nur in welchen Abständen? Wenn diese zu gering sind, wäre das schon sehr bedenklich.

  142. Christian Scholz |  25.11.2010 | 23:10 | permalink  

    Wieso wäre das bedenklich? Wäre doch gut.

  143. Robert |  26.11.2010 | 09:02 | permalink  

    Auch für ∆t → 0?

  144. Christian Scholz |  26.11.2010 | 09:46 | permalink  

    Wieso nicht? Wo ist der Unterschied zu den Nachbarn, die das auch können?

  145. Robert |  26.11.2010 | 11:36 | permalink  

    Eine allumfassende Echtzeitüberwachung ist eine heikle Sache, fragen sie einmal ihre Gemeinde bezüglich Videoüberwachung. Selbst in Großbritannien wurde solch eine Form der „Cloud-Kontrolle“ wieder verworfen. Und was soll überhaupt der Mehrwert – neben grenzenlosem Voyeurismus – sein?

    Mein Gott, ihr dürft ruhig alles essen, aber ihr müsst nicht alles wissen. Was kommt als nächstes: Facebook-Zwang, weil ich meine Freundschaften bis dato nur in der analogen Öffentlichkeit zeige?

  146. Christian Scholz |  26.11.2010 | 11:41 | permalink  

    Wer sagt denn, dass Menschen darauf zu erkennen sein müssen? Im Moment werden die ja auch verpixelt und in Zukunft könnte man sie vielleicht entweder ganz entfernen (aber eher unschön, da menschenleere Gegegenden das Feeling nicht so transportieren) oder durch Zufallsmenschen ersetzen, so dass die Atmosphäre erhalten bleibt.

    Der Mehrwert ist wie immer: Die Welt wächst zusammen. Mir geht es nicht darum, die Strasse nebenan beobachten zu können, sondern mich interessiert, wie es an fremden Orten ausschaut und wie es sich dort anfühlt.

  147. Robert |  26.11.2010 | 12:35 | permalink  

    Es gab mal Zeiten – und die Älteren werden sich vielleicht noch daran erinnern – da machte man Urlaub, hatte Freizeit, war froh, mal eine Woche nicht vor „der Glotze“ zu sitzen. Die Welt wuchs durch Reisen bei gemeinsamem Essen in Hafenspelunken oder Urlaubsflirts in Dorfdiscos zusammen. Man verschickte die analoge Öffentlichkeit in Form von Ansichtskarten mit den immer gleichen Sprüchen (Essen, Sonne, Strand) an die liebsten zu Hause und brachte wahlweise Dias, Fotos oder SD-Karten mit inklusive Souvenirs. Statt Datenautobahnen fuhr man mit einem „Auto“ genannten Fahrzeug auf realen Autobahnen oder mit einer analogen Öffentlichkeit „Zug“, für weite Strecken gab es die Ausführung „Flugzeug“. Das kostete zwar Geld, war aber unbeschreiblich schön, entspannend und durchaus auch mit Nervenkitzel. Verpixeln musste man sich nur beim Besuch von Kirchen aus Respekt. Ja, das waren noch Zeiten.

    Aber wie sollen sie wissen, wie es sich „an fremden Orten … anfühlt“, ohne dort zu sein? Gibt es bald Google Atmosphere? Und wie soll das funktionieren?

  148. Christian Scholz |  26.11.2010 | 12:47 | permalink  

    Ich habe doch nicht gesagt, dass man Urlaub abschaffen sollte ;-)

    Ich kann aber nicht überall hinfahren, will aber vielleicht annäherungsweise wissen, wie es irgendwo ist, wenn ich es z.B. im Fernsehen sehe. Vielleicht lerne ich über das Internet auch irgendwen dort kennen und dann interessiert es mich vielleicht. Nicht wo der jetzt wohnt, sondern die Stadt halt als solches. Sicherlich ist hinfahren immer noch der beste Weg, das kennenzulernen.

    Ist es denn aber nicht toll, dass ich nun relativ einfach Leute aus aller Welt kennenlernen kann (so wie ich Dich hier kennenlerne)? Ist es nicht toll, dass man zusammen Projekte und ähnliches über das Internet zusammen durchführen kann, dass man z.T. auch andere Kulturen kennenlernen kann, da es alles eben etwas transparenter geworden ist? Also ich find’s gut und ich denke auch, dass dies einer Gesellschaft hilft, offener und toleranter zu werden. GSV ist halt ein kleiner Teil davon. (Ich find’s im übrigen auch gut, wenn ich z.B. schon Leute vor Ort kenne, wenn ich irgendwo hinfahre, dann sehe ich nämlich nicht nur den Touristenkram).

  149. ttm |  26.11.2010 | 13:01 | permalink  

    @Robert

    Als nicht mehr ganz junger Zeitgenosse, kann ich ihre Erinerungen teilen. Ich musste sogar meine gesamte Pupertät OHNE Handy durchstehen, weil es die schlicht noch nicht gab. Aber lassen Sie das doch alles die Sorge von Herrn Scholz sein. Nichts von ihren realen Reise- und Erlebnismöglichkeiten wird Ihnen durch Google und das ganze Internet weggenommen.

    Sie sind einfach ein Moralist, die ja grundsätzlich andere Leute dort kratzen, wo es ihnen selber juckt.

    @Christian Scholz

    Streetview ist aus meiner Sicht ja gerade deshalb hinzunehmen, weil es genau keine dichten Aktualisierungszyklen vorsieht und weit entfernt von einer Darstellung der Realität ist. Es ist nur eine (weitere Modellierung) der Realität (siehe ausführlich dazu: http://tinyurl.com/36dh8vl). Dieser falsche Glaube, dass in digitalen Welten, die reale Welt eins zu eins nachgebilder wird, ist bei Datenschützern wie Datensammlern gleich weit verbreitet und IMHO ein bislang weitgehend unbeachtest Problem der “digitalen Revolution”.

  150. jelais99 |  26.11.2010 | 13:25 | permalink  

    Kann man Menschen über das Internet wirklich kennen lernen? Ich bezweifel das. Man mag zwar Kontakte knüpfen können, aber das ersetzt kein Gespräch das Face to Face statt findet bzw. kommt dem nicht einmal ansatzweise nah.

    Hier wird propagiert dass die Öffentlichkeit unangetastet bleiben sollte. Aber dabei vergisst man, dass sich Öffentlichkeit im letzten Jahrzehnt gewandelt hat. Das Maß an Öffentlichkeit hat um ein vielfaches zugenommen, so dass sie den Rückzugsraum der sich Privatsphäre nennt immer mehr zurück drängt. Man bekommt immer öfters Werbung von firmen, bei denen man sich fragt woher sie die Adresse haben. Man muss mittlerweile schon aufpassen, ob der Nachbaer oder ein Freund nicht Bilder oder Informationen bei Facebook reinstellt, die einen persönlichen Bezug haben. So etwas gab es früher auch, allerdings in einen sehr begrenzten Rahmen. Da wurde einem Bekannten ein paar Fotos gezeigt, auf denen man selbst zu sehen ist. Heute geschieht es immer öfters, dass das ganze viel größere Kreise zieht, die kaum mehr zu kontrollieren sind.

    Ähnlich verhält es sich mit SV. Sicher das was auf der Straße zu sehen ist, kann jeder sehen, der mit dem Auto vorbeifährt oder an dem Haus vorbei geht. Das zeigt aber auch einen gravierenden Unterschied. Man musste persönlich vorbei kommen. Die größe des Publikums war also begrenzt. Letzendlich beschränkte sich das Maß an Öffentlichkeit auf das direkte Umfeld. Nicht jeder hatte die zeitlichen und finanziellen Resourcen etwas über das persönliche Umfeld anderer Menschen in Erfahrung zu bringen. Die Strukturen, die sich durch das Web 2.0 und durch Dienste wie SV ergeben, bieten da schon andere Möglichkeiten. Es ist jetzt durchaus Möglich auch Informationen über sein Umfeld und somit auch über andere Menschen
    einem unüberschaubaren Publikum zur Verfügung zu stellen.

    Darüber hinaus ist es ein Unterschied dazu, persönlich durch eine Straße zu gehen oder mir das ganze bei SV anzuschauen. Gehe ich durch die Straße nehme ich nur einen flüchtigen Augenblick wahr. SV fängt diesen Augenblick auf, hält in bildlich fest und vermittelt vielen den Eindruck es handelt sich um die Realität. Dadurch dass auch Augenblicke erfasst werden, die durchaus unvorteilhaft aber nur eine Momentaufnahme sind, wird die eigentliche Realität gar nicht erfasst. Es wird aber der Eindruck vermittelt, das z.B. die Bewohner von Musterstraße 4 in Musterstadt so leben wie auf dem Bild. Und das ist für viele einfach unangenehm und befremdlich. Und vergleicht das bitte nicht mit einem Schnappschuss eines Touristen. Allein der Verbreitungsgrad ist ein ganz anderer.

    Daher ist es meiner Meinung nach schon notwendig den Begriff Öffentlichkeit neu zu diskutieren. Denn die Bedeutung ist heute eine andere als vor einigen Jahren, da sich das Maß an Öffentlichkeit verändert hat und immer mehr Einfluss auf die Privatssphäre hat.

  151. Ein Mensch |  28.11.2010 | 22:02 | permalink  

    @diverse: Mein Telefonbuchbeispiel bezog sich ausschliesslich auf die Adresse, die man im Telefonbuch ausblenden lassen kann. Die Adresse ist an sich öffentlich, da der Strassenname und der Nummernkreis öffentlich sind. Die Zuordnung eines Namens zu der Adresse ist das Problem. Prinzipiell haben viele Leute an einer Adresse aber auch ein Namensschild, z.B. an der Klingel. Damit ist einem persönlich Vorbeilaufenden grundsätzlich eine Zuordnung möglich. Die Zuordnung von Name und Adresse ist damit prinzipiell öffentlich. Die Angabe des Namens auf dem Klingelschild hatte allerdings eine implizite Zweckbindung.

    Mit einem Telefonbuch ist – neben der Zuordnung von Name zu Nummer – auch die Zuordnung von Name zu Adresse möglich, wenn der Anschlussinhaber diese Zuordnung nicht “verpixeln” lässt. Das Analogon zur Best’schen Aufhebung dieser Verpixelung ist ein Mensch, der die Klingelschilder abliest und einem “Panoramio-Telefonbuch” die absichtlich ausgeblendete Adresse wieder hinzufügt.

    Ich sehe durchaus das legitime Interesse, dass die Panoramafreiheit grundsätzlich geschützt werden muss. Dabei ging es aber ursprünglich um den Ausgleich von Interessen insofern, dass der Schwächere (Fotograf) vor dem Mächtigen (Besitzer eines fotowürdigen Objekts, z.B. Hundertwasser-Haus, Eiffelturm, Neuschwanstein) beschützt wird. Bei StreetView ist es andersherum. Hier muss jemand den Schwächeren (Eigenheimbesitzer) vor dem Mächtigen (google) schützen.

    Die Hausfassade eines Privatgrundstücks hat (wie der Name auf dem Klingelschild) sozusagen eine implizite Zweckbindung nur für den unmittelbar Davorstehenden flüchtig verwendet zu werden. Eine Aufnahme eines Privatfotografen mit “Veröffentlichung” im privaten Fotoalbum ist bereits in der Grauzone.

    Nun wird behauptet, die Hausfassade allein sei nicht personenbezogen, sondern es würde durch ein Adressregister erst problematisch, und man müsse deshalb die Adressregister verbieten und nicht StreetView. Das ist aber eine fadenscheinige Argumentation, denn so könnte ich auch ein “Sexualpraktikenverzeichnis aller Geokoordinaten” veröffentlichen und dann behaupten, das müsse erlaubt sein, weil ja kein (direkter) Personenbezug bestünde.

    Bei der Hausfassade handelt es sich offensichtlich um sachliche Verhältnisse im Sinne des §3 BDSG. Die Einzelangaben müssen sich auf eine bestimmte Person beziehen, die dann identifizierbar sein muss, oder auch auf eine bestimmbare Person. Dabei ist aber nicht erforderlich, dass die verantwortliche Stelle (google) selbst dies beabsichtigt oder dazu in der Lage ist. Es reicht z.B. auch, wenn die verantwortliche Stelle die erhobenen Daten übermittelt und die Person für andere bestimmbar ist.

  152. Jens Best |  29.11.2010 | 00:55 | permalink  

    @Ein Mensch

    Genau wegen solchen, wie üblich anonym vorgebrachten, Meinungen, die im Kern fordern, dass die Fotografie (und das Veröffentlichen) im öffentlichem Raum eingeschränkt bzw. verboten wird; genauso wegen solch gefährlichem fehlgeleiteten Datenschutz-Fanatismus habe ich meine Aktion gestartet –

    Deswegen nochmals in aller Deutlichkeit: Jedes Haus wird fotografiert und geo-referenziert online gestellt werden – das ist eine Möglichkeit der Abbildung des öffentlichen Raums. Den werden sie nicht verbieten, weder bei Google, noch bei openstreetmap noch auf irgendeinem Online-Fotoalbum.

  153. ttm |  29.11.2010 | 08:47 | permalink  

    @Ein Mensch

    Ihr letzter Satz, dass es ausreicht, wenn die Einzelangabe von Dritten auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehbar ist, um von einem personengebundenen Datum im Sinne des BSG zu sprechen ist schlicht falsch.

    Das personengebundene Datum muss schon bei der verarbeitenden oder übermittelnden Stelle vorhanden sein. Wäre ihre Behauptung richtig, ist praktisch jede Sachinformation, die irgendjemand durch zusätzliches Wissen einer Person zuordnen kann, bereits ein personenbezogenes Datum. Dann könnten sie mit dem HInweis auf das BDSG auch gleich einfach das Internet verbieten.

    Tatsächlich ist es so, das kein einziges Sachdatum, dass sie über den Weg einer Georeferenzierung einer Adresse zuordnen, ein personenbezogenes Datum darstellt. Das gilt für statistische Angaben zur Kaufkraft ebenso, wie für das Bild der Hausfassade. Die Adresse allein (ohne Namen einer Person) ist bereits kein personenbezogenes Datum. Insofern werden hier einfach verschiedene Sachdaten verknüpft.

    Erst in dem Moment, an dem sie an all diese Informationen auch noch einen Namen hängen – also eine bestimmare Person – greifen die Regelungen des BDSG. Und die bedeuten im übrigen auch kein automatisches Totalverbot, sondern sie benötigen die Einwilligung der Person, es sei denn sie können ein legitimes Interesse an den dann personenbezogenen Daten geltend machen zu dem sogar auch ein kommerzielles Interesse im Rahmen der Berufsfreiheit zählen kann. Dann müssen sie die Person allerdings nachträglich über Speicherung, Verarbeitung, etc informieren und bei Widerspruch löschen.

    Man kann das also drehen und wenden wie man will: Google Streetview liefert nach geltendem Recht keine personenbezogenen Daten. Nur weil das so ist, gibt es ja überhaupt Bestrebungen, Gesetze zu ändern bzw. neue zu erlassen.

  154. ttm |  29.11.2010 | 08:48 | permalink  

    @Jens Best
    Ich bin mir da nicht so sicher. Was ich derzeit hinsichtlich einer zentralen Widerspruchsplattform vom Bitkom höre, läuft auf die faktische Abschaffung des Fotgrafier- und Veröffentlichungsrechts hinaus. Eine äußerst fatale Entwicklung, die so manchen Twitterfan noch arg verwundern wird, wenn er mal eben ein mit Geodaten verknüpftes Foto hochlädt, auf dem (auch) ein Haus sichtbar ist, dessen Eigentümer auf dieser Plattform Widerspruch ein gelegt hat.

    Dann kann ihm entweder eine Abmahnung ins Haus flattern (neues lukratives Geschäftsfeld für Anwälte….) oder aber die Plattform, auf der er seine Fotos hochzuladen gedenkt, gleicht in einem automatischen Prozess die Geodaten der Bilder mit den Geodaten der auf der Plattfoirm hinterlegten Widersprüche ab und lädt das BIld gar nicht erst hoch. So etwas nenne ich übrigens eine Zensur-Infrastruktur, was letztlich eine naheliegende Konsequenz aus jeder Bestrebung ist, das Fotografieren in der Öffentlichkeit massiv einzuschränken – mit welcher Begründung auch immer.

    Es ist mir persönlich vollkommen unbegreiflich, warum so viele Menschen und insbesondere so viele Journalisten, diesen Zusammenhang nicht sehen (wollen).

    Darum geht es und nicht um die Frage, ob ich ein Fan von Google bin.

  155. Google Street View: der Streit um die Verpixelung artet aus |  29.11.2010 | 14:33 | permalink  

    [...] um die Verpixelung artet aus Geschrieben von Enno Park, Carta, 18/11/2010.Übersetzt von Admin. Hier der Original-Artikel auf DeutschDer Artikel wurde auch übersetzt auf: Mitte November hat Deutschland endlich seine [...]

  156. Robert |  29.11.2010 | 15:40 | permalink  

    @Jens: Also wurde ein Wechsel der Marketing-Strategie bislang noch nicht (ernsthaft) in Erwägung gezogen.

    Und dann noch einmal in die (öffentliche) Runde gefragt: Da sich Otto Normal mit seinem Freundeskreis auch im öffentlichen Raum bewegt – wo bleibt eigentlich der „Facebook-Zwang“ als Abbild dieser Öffentlichkeit im Digitalen?

  157. V. Ohneland |  29.11.2010 | 21:28 | permalink  

    Ein Missbrauch von Rechten läuft Gefahr, spezifizierender Einschränkung Vorschub zu leisten. Explizit gegen den Willen ihrer Bewohner (mMn: nicht Eigentümern) gezielt ihre Heime zu fotografieren, die weder durch Bauweise, noch durch ihre Lage noch durch irgendetwas anderes ein berechtigtes öffentliches Interesse auf sich zu ziehen in der Lage sind, ist in meinen Augen ein Mißbrauch der Panoramafreiheit. Sollte diese tatsächlich eingeschränkt werden, wäre das imho auch jenen zu verdanken, die sie mit fingerspitzentauben Aktionen nur vermeintlich verteidigen.

    Ansonsten: Danke überhaupt für den (für die gesamte Diskussion doch sehr…) differenzierten Eingangsbeitrag! Wer hätte gedacht, dass sich daraufhin eine so lebendige/zählebige Diskussion entwickeln würde ;) Nur wie gesagt, das mit dem Online/Offline-Graben würde ich nochmal überdenken, ich als ‘Netizen’ muss nämlich nicht mit den ‘Abweichlern’ klarkommen, sondern bin selbst einer.

  158. Jens Best |  29.11.2010 | 21:43 | permalink  

    @V. Ohneland

    Du schreibst, dass irgendwelche Häuser kein “berechtigtes öffentliches Interesse” auf sich ziehen. Dass zeigt, dass du den Kern nicht verstanden hast.

    Weder du, noch ich entscheide im öffentlichen Raum über die Berechtigung ein Foto eines Hauses machen zu können. Es bedarf keiner individuellen, vom Mieter oder Hausbesitzer oder sonstwem ausgesprochenen Erlaubnis, noch einer Begründung seitens des Fotografen. Der kann das aus Jux und Tollerei machen, der kann damit Geld verdienen – alles seine Sache.
    Ich brauche kein “öffentliches Interesse” um den öffentlichen Raum abzubilden. Öffentliches Interesse dient als Begründung, wenn tatsächliche private Daten eben gegen genau jenes abgewogen werden müssen. Dies ist heir nicht der Fall.

    Wenn du denn Punkt verstanden hast, können wir gerne über die Festlegung von Abgrenzungen hinsichtlich der unerlaubten Verknüpfung mit real personenbezogenen Daten sprechen.

    Oh, und das diejenigen, die sich für ein Recht öffentlich einsetzen, daran Schuld sein sollen, wenn diese Freiheit eingeschränkt wird – nun, lass es mich so schreiben: Dies offenbart einen tiefen Blick in dein Verständnis einer streitbaren Demokratie.

    So long.

  159. V. Ohneland |  29.11.2010 | 23:20 | permalink  

    @ Jens Best: Ich halte dich nicht nur für keinen Verteidiger des öffentlichen Raums, ich halte dich auch nur dem Worte nach für einen Verteidiger der Panoramafreiheit. Und das mit der ‘streitbaren’ Demokratie nimmst du, mit Verlaub, zu wörtlich. Was in deinem nächsten Post sicherlich erneut zu beweisen sein wird >;)

  160. Ein Mensch |  29.11.2010 | 23:22 | permalink  

    @ttm: Ich zitiere mal aus dem Kommentar von Gola/Schomerus zum BDSG (9. Auflage, Seite 111 und 127): “Der Begriff des Personenbezugs ist daher relativ, d.h. dieselben Daten können für den einen anonym und für den anderen der betroffenen Person zuordbar sein. Werden anonyme Daten an eine Stelle übermittelt, die in der Lage ist, den Personenbezug herzustellen, so ist der Übermittlungstatbestand des BDSG erfüllt. [...] Insofern obliegt der weitergebenden Stelle bei der Weitergabe “relativ” anonymisierter Daten die Verpflichtung, die Zwecke und Möglichkeiten der Verwendung durch den Empfänger [...] festzustellen.”

    Und genau darum geht es. Die Panoramafreiheit gilt für den einzelnen Fotografen, und da soll sie auch weitgehend uneingeschränkt gelten, aber nicht mehr für die automatisierte Verarbeitung i.S.v. §3 II BDSG. Die liegt bei StreetView aber ganz offensichtlich vor.

    Und, nein, ich will überhaupt nichts verbieten. Ich will nur, dass im Falle der automatisierten Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten – und ich bestehe darauf, dass auch die Hausfassade eines Privathauses ein solches Datum sein _kann_ – das Einverständnis des Betroffenen (z.B. Bewohner) entsprechend §4 BDSG eingeholt wird. Das heisst auch, dass berücksichtigt werden muss, ob schutzwürdige Interessen des Betroffenen beeinträchtigt werden. Bei einem Baudenkmal, z.B. dem Eiffelturm sehe ich die weniger, als bei einem Privathaus.

    Auch bei einem Mehrfamilienhaus mit Laden im Erdgeschoss in der Fussgängerzone einer Stadt sehe ich weniger schutzwürdiges Interesse, weil der Betroffene davon ausgehen muss, dass dort eben ständig sehr viele Leute durchlaufen und vielleicht sogar Fotos machen, und man seine Reizwäsche wohl besser nicht auf dem Balkon aushängt, wenn man die nicht zeigen will.

    Dasselbe gilt für Häuser in typischen Touristenorten, sei es Rotenburg o.d.T. oder die Krameramtsstuben in Hamburg. Hier müssen die Bewohner davon ausgehen, dass sie fotografiert werden, und können sich ihre Privatsphäre entsprechend schützen.

    Ich bitte nur um etwas Augenmass und etwas Respekt. Das ist alles.

  161. Ein Mensch |  29.11.2010 | 23:32 | permalink  

    Und noch eins: Die zentrale Widerspruchsplattform ist für mich eine schreckliche Vorstellung. Das ist genauso widersinnig wie die Robinsonliste.

    Es ist schon ein Unding, dass die Angabe von vollständigem Namen und Adresse beim Widerspruch gegen StreetView erforderlich sein soll. Sinniger wäre ein anonymer Barcode, den man an den Zaun klebt, und der die Aufnahme durch ein automatisiertes System verhindert bzw. dafür sorgt, dass bereits im SV-Fahrzeug die Aufnahme vor der permanenten Speicherung irreversibel verpixelt wird.

  162. Jens Best |  29.11.2010 | 23:47 | permalink  

    @V. Ohneland

    Dir fehlen die Argumente, deswegen wirst du wieder neunmalklug persönlich. *gähn*

    @Ein Mensch

    Wow, es gibt es echt juristische Kommentare, die so weit von einer realen und praktischen Umsetzung der Kulturtechnik Internet entfernt sind. Danke für dieses Beispiel.

    ““Der Begriff des Personenbezugs ist daher relativ, d.h. dieselben Daten können für den einen anonym und für den anderen der betroffenen Person zuordbar”
    — uhhh, [leise Stimme] ich glaube wir hören besser sofort auf miteinander zureden, denn irgendjemand kann diese Kommentardaten mit dir verbinden. Werde morgen gleich das Internet abschalten. sicher ist sicher.

    Und auch für dich nochmals zum Mitschreiben:
    Das Abbilden des öffentlichen Raums, egal ob es sich um das malerische Rothenburg ob der Tauber, das elende Berlin Mitte oder das belanglose Parum handelt, ist jedermanns Recht. Keine Begründung, keine Erlaubnis ist erforderlich.

    Wenn es sich um eine Serie der belanglosesten Häuser der Republik handelt, werde ich halt diese fotografieren, wenn es sich um eine komplette Stadt handelt, werde ich diese fotografieren und geo-referenziert online stellen.
    Wenn ich Geld damit verdienen will, werde ich legale Service-Angebote hinzufügen. Wenn jemand mit diesem Werkzeug Schindluder treibt, wird derjenige bestraft, nicht aber der Werkzeugmacher.

    Wenn die mögliche Verknüpfbarkeit mit personenbezogenen Daten unter Strafe gestellt wird, können wir gleich das Web abschalten. Das ist genau dieser realitätsferne, von geradezu konformistischer Angst getriebene Datenschutz-Wahn, der wirtschaftliche und soziale Innovation in Deutschland verhindert. Immer dagegen, anstatt mal was Sinnvolles zu kreieren. Ich kann garnicht ausdrücken, wie mich diese Geisteshaltung anödet.

  163. Ein Mensch |  30.11.2010 | 00:57 | permalink  

    @Jens Best: Haha, mein Pseudonym ist durchaus mit Bedacht gewählt. Es ermöglicht dem menschlichen Leser meine Person wiederzuerkennen, und vielleicht sogar ein “Bild” von mir zu bekommen, aber gleichzeitig ist es schier unmöglich mit diesem Suchbegriff bei google alle meine Beiträge in den verschiedenen Blogs aufzusuchen und automatisiert ein Profil zu bilden.

    Insofern muss das Internet jedenfalls wegen mir nicht abgeschaltet werden.

    Und hier liegt ja auch mein Punkt. Es besteht eben ein Unterschied, ob jemand hier und da nach Belieben Fotos macht, und vielleicht sogar gelegentlich mit einer Geokoordinate veröffentlicht, oder ob jemand systematisch und automatisiert und mit einer Auswertemöglichkeit Daten erhebt und verarbeitet.

    Auch wenn das BDSG aus dem letzten Jahrhundert ist, haben die Schreiber in weiser Voraussicht den §3 II BDSG erfunden. Der Kommentar bemerkt dazu treffend: “Automatisierte Verarbeitung setzt voraus, dass neben der durch technische Anlagen erfolgenden Erhebung, Speicherung auch eine automatisierte Auswertung der Daten, d.h. ein Nutzen der Daten ermöglicht wird.”

    Ohneland drückt es verquer aus, aber es geht dabei um eine Abwägung zwischen Allgemeinwohlinteresse und Persönlichkeitsrecht.

    Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, dass eine solche automatisierte Erhebung stattfindet, aber es muss dann je nach Eingriffstiefe entweder die ausdrückliche Einwilligung erfolgen, oder bei geringer Eingriffstiefe zumindest eine Möglichkeit geben, sich einer solchen automatisierten Erhebung zu entziehen.

    Der aktuelle §4 II BDSG hat da einen Satz, der da heisst, dass ohne Mitwirkung des Betroffenen Daten nur erhoben werden dürfen, wenn die Erhebung beim Betroffenen einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern würde und keine Anhaltspunkte bestehen, dass überwiegene Schutzinteressen beeinträchtigt werden.

    Entsprechend könnte man eine positive “lex google” so formulieren, dass z.B. automatisiert und systematisch erhobene Abbildungen von Häuserfronten abweichend von der Massgabe der strikten Einwilligung aus §4 I BDSG erlaubt sind, wenn die individuelle Einwilligung einen unverhältnismässigen Aufwand erfordern würde und keine Anhaltspunkte bestehen, dass überwiegende Schutzinteressen beeinträchtigt werden. Letzteres könnte man z.B. dadurch gewährleisten, dass bestimmte Voraussetzungen bei der Erhebung erfüllt werden, z.B. eine genaue vorherige Ankündigung wann wo Aufnahmen gemacht werden, damit man die Reizwäsche vorher abhängen kann, oder auch die Möglichkeit des Opt-Out. Was man da genau fordert, muss die Gesellschaft als Konsens festlegen.

    Ausserdem trägt die verantwortliche Stelle eine Verantwortung, wie sie mit den erhobenen Daten umgeht, beispielsweise im Falle der Veröffentlichung, als Sonderfall der Übermittlung, welche Auswertemöglichkeiten sie erlaubt.

    Ich nutze das Internet nun schon seit über 20 Jahren und bin mir der Verwendung als Kulturtechnik durchaus bewusst. Allerdings sehe ich eben auch die Gefahren.

    Die Welt ist nicht schwarz-weiss, sondern bunt. Weder analoges Kirchturmdenken noch Digitalfaschismus bringt uns eine menschenwürdige Informationsgesellschaft.

  164. Jens Best |  30.11.2010 | 01:31 | permalink  

    @ein Mensch

    okay, damit das hier mal vorankommt:

    Ich teile deine Meinung größtenteils was private Daten angeht, auch wenn ich es für ein wenig paranoid halte, einen weitverbreiteten Suchbegriff als Pseudonym zu wählen, damit die bösen Roboter dich nicht identifizieren können. Schlau, aber merkwürdig. Das ist jetzt wahrscheinlich in deinen Ohren ein Lob. Nun denn.

    Bei öffentlichen Räumen sehe ich die, ich zitiere, “durch technische Anlagen erfolgende Erhebung, Speicherung [als] auch eine automatisierte Auswertung der Daten, d.h. ein Nutzen[sermöglichung] der Daten” als völlig legitim.

    Die Hauswand wie auch der Vorgarten können nicht einer speziellen Person zugeordnet werden und sind somit nicht personenbezogen. Irgendeiner weiss immer wer da wohnt, aber es ist nicht ausreichend, um die Abbildung des öffentlichen Raums online zukünftig auf Einzelfotografien zu beschränken. Die krampfhafte Erweiterung mit dem fast schon beliebig anwendbaren Terminus “personenBEZIEHBAR” zeigt in welche Paranoia Datenschützer verfallen können.

    Damit ist jetzt auch meine Lust mich juristischen Feinheiten auszusetzen am Ende. Verklag’ mich, wenn’s dir nicht passt, aber diese Ebene der Diskussion ist für mich nach all den Monaten nun beendet.

    PS: Dein “Digitalfaschismus” verrechne ich mit einem “Datenschutz-Fanatismus” von meiner Seite irgendwo weiter oben in den Kommentaren. Damit sind wir auf dieser Ebene quitt.

  165. noName |  01.12.2010 | 19:24 | permalink  

    Der Bundesinnenminister pauschal zum Datenschutz bei Internetdiensten:
    http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/datenschutz-im-netz-ausbauen/

  166. noName |  01.12.2010 | 19:36 | permalink  

    Die Bundesjustizministerin dürfte für den Datenschutz eher zuständig sein als der Innenminister: http://www.bmj.bund.de/enid/41da0c3f77ffbc7f60167dd081a22823,c1b2c85f7472636964092d0935323933/Verbraucherschutz/Datenschutz_im_Internet_1n7.html

  167. noName |  01.12.2010 | 20:02 | permalink  

    Sorry, Informationssicherheit inkl. Datenschutz fällt ins Ressort des Bundesinnenministers. Ja dann…

  168. noName |  02.12.2010 | 10:13 | permalink  

  169. noName |  02.12.2010 | 10:22 | permalink  

    „Notwendig ist ein breiter Ansatz, der das gesamte Internet einbezieht und sich nicht
    nur auf einzelne Teilaspekte wie Geodaten oder gar nur auf Google Street View
    beschränkt.“ aus PDF vom 01.12.2010:
    http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/OED_Verwaltung/Informationsgesellschaft/rote_linie.pdf?__blob=publicationFile

    Dort wird u.a. zur Geschäftsmäßigkeit und zum „öffentlichen Raum“ ausgeführt.

    Gibt bestimmt bald ein Carta-Posting dazu.

  170. noName |  02.12.2010 | 10:28 | permalink  

    Last but not least, da ganz bedenklich:

    „Die Pressefreiheit wird doppelt geschützt. (…)“ Pressefreiheit müsste durch “Publikationsfreiheit” ersetzt werden. Anderenfalls dürfte ein Aufschrei durch die Blogosphäre gehen.

  171. Robert |  03.12.2010 | 10:29 | permalink  

    So, mal kurz zum Realitätsabgleich: Jens & Co, es gibt noch sehr viel zu tun – http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Wachsende-Sorge-um-digitale-Aussenseiter-1146361.html

  172. Für Individualisten | e13.de |  07.12.2010 | 14:33 | permalink  

    [...] Kommentaren dazu, bei den Blogumbaumassnahmen verschütt gegangen. Aber Enno Park fasst den Kern drüben bei Carta sehr viel besser und präziser zusammen, als ich es wohl könnte: Die Streetview-Verteidiger [...]

  173. Zwang zur digitalen Offenheit? - Roberts Kolumne |  09.12.2010 | 00:15 | permalink  

    [...] (Post-) Privatsphäre. Wie weit soll sie in Zukunft gehen, was soll im Gegenzug öffentlich sein? „Facebook-Zwang“ als Abbild dieser Öffentlichkeit im Digitalen? Verzicht auf so genannte „soziale Netze“ und Pseudonyme als „digitaler Vandalismus“? Eine [...]

  174. Links fürs Wochenende |  10.01.2011 | 21:36 | permalink  

    [...] Sind wir reif für Street View… [...]

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.