Robin Meyer-Lucht

ACTA-Studie: Internet gewinnt leicht, TV stabil und weiter vorne, Print verliert

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Neue Zahlen aus Allensbach: Die junge, formal höher gebildete Zielgruppe verfolgt das aktuelle Geschehen zunehmend elektronisch – über Internet und TV. Print verliert deutlich. Das Fernsehen zeigt sich robust.

12.10.2010 | 

Welches Image haben eigentlich die Mediengattungen TV, Zeitung und Internet, wenn es um die Vermittlung des aktuellen Geschehens geht? Man kann sich dieser Frage nähern, indem man die Nutzer fragt, welche Medien sie persönlich zur ihren “wichtigsten Informationsquellen” in diesem Bereich zählen.

Die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) stellt diese Frage seit 2004 jährlich. Seit einigen Jahren verfolge ich die Zeitreihe, welche Medien in diesem Zusammenhang von der Gruppe der 20- bis 39-Jährigen mit (Fach-)Abitur genannt werden.

Man erhält so einen guten Überblick, wie sich das Image der einzelnen Medien in dieser eher jungen, formal gut gebildeten Gruppe entwickelt. Die Eingrenzung auf ein solches Segment macht Trends deutlicher sichtbar.

Mit dem jüngsten ACTA-Jahrgang 2010, der heute in München vorgestellt wurde, zeigt sich nun folgendes Bild:

TV bleibt vorn, knapp vor dem Internet: Die bevorzugten Medien beim formal gebildeten Nachwuchs.

Die Abbildung zeigt den Prozentsatz der Nutzer, die das jeweilige Medium zu ihren wichtigen Informationsquellen über das das aktuelle Geschehen zählen. Für die drei Mediengattung zeigen sich dabei folgende Trends:

  • Das Internet gewinnt leicht hinzu; aber die Zuwächse haben sich etwas abgeschwächt.
  • Die Werte für das Fernsehen sind stabil und sogar wieder leicht angestiegen.
  • Die Zeitungen verlieren mit einem Rückgang von 45 auf 40 Prozent deutlich.
  • TV liegt weiterhin knapp vor dem Internet.

Wie lassen sich diese Werte interpretieren?

  1. Die betrachtete Zielgruppe verfolgt das aktuelle Geschehen zunehmend über elektronische Medien – TV oder Internet. Das Printmedium hat es hier zunehmend schwer, TV bleibt ein starker Faktor.
  2. Das Wachstum des Internets scheint sich etwas verlangsamt zu haben. Der DSL-Breitbandboom ist vorbei und Tablets/das mobile Internet scheinen ihre Wirkung noch nicht in der Breite zu entfalten.

Der Medienwandel schreitet also voran – nicht ganz so radikal, wie mancher vermutet hätte. Das Internet gewinnt nur noch leicht, TV liegt noch immer knapp vorne. Bitter sind die deutlichen Einbußen für die Zeitungen.

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14 Kommentare

  1. erz |  12.10.2010 | 13:47 | permalink  

    Das ist doch Bullshit. Wieder einmal werden Medien und Distributionskanäle über einen Haufen geworfen.

    So lange die Zahlen nicht ausweisen, über welches Medium im Internet die Nutzer sich informieren, ist die Aussage der Studie nur eine über Distributionskanäle: Gucken die Leute im Internet bei Spiegel Online oder den Artikeln der Tageszeitungen vorbei, bedienen sie sich also der Wertschöpfungskette der Verlagshäuser und Presseagenturen oder informieren sie sich über ihre sozialen Netzwerke? Angesichts der Abrufzahlen der großen Verlagshäuser im Internet im Vergleich zu alternativen Informationsangeboten (blogs und co) wage ich zu bezweifeln, dass Print tot ist. Es verlagert sich nur auf Bildschirme.

    Damit wir den Medienwandel besser nachvollziehen könnten, bräuchten wir vielleicht auch mal ein paar Studien, die sauber definieren, was ein Medium überhaupt ist. Das Internet ist zum Beispiel keines.

  2. christian2010 |  12.10.2010 | 15:16 | permalink  

    Ich habe mir mal die Studie auf der ACTA-Homepage genauer angeschaut. Insbesondere die Auswertungen auf http://bit.ly/bHWGOZ machen mich doch sehr sehr stutzig. Allein die obige Grafik und die Auswahl der Zielgruppe riechen schon stark danach, als wenn jemand die Ergebnisse in eine gewisse Richtung gelenkt hätte.

    Darüberhinaus enthält die Auswertung auf http://bit.ly/bHWGOZ einige Fehler sowie nicht nachvollziehbare Darstellungen. Ehrlich gesagt halte ich wenig von der Studie und ihren Ergebnissen.

  3. Tim Krause |  12.10.2010 | 17:29 | permalink  

    @erz
    absolut richtig!

  4. uniquolol |  12.10.2010 | 22:20 | permalink  

    „…Die junge, formal höher gebildete Zielgruppe…“

    Coole Formulierung!
    Übersetzt: junge bildungsferne Menschen mit Hochschulreife

  5. Paul Ney |  12.10.2010 | 22:43 | permalink  

    [Zahlen zählen] Heute gelesen, der Seitenname ist auch eine Kurzfassung: http://www.aolnews.com/science/article/google-data-shows-porn-use-rises-after-election-wins/ . Was in Printmedien und TV fehlt, kann im Internet gefunden werden, da muß man sich auch nicht ans TV-Programm halten. Übrigens, hört noch jemand Radio?!

  6. LT « Roberts Blog |  13.10.2010 | 00:43 | permalink  

    [...] Blogger von carta.info berichten aktuell über diese neuesten Erkenntnisse: Die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA) [...]

  7. Das Internet ist Primärmedium « Wir sprechen Online. |  13.10.2010 | 10:50 | permalink  

    [...] Das Internet ist Primärmedium. Fernsehen, Zeitung, Zeitschriften, Radio verlieren deutlich; [...]

  8. Till Achinger |  13.10.2010 | 11:30 | permalink  

    @erz

    Ein guter Punkt. In absehbarer Zukunft wird wahrscheinlich der größte Teil der medialen Kommunikation IP-basiert, also im Internet ablaufen. Dann ist die Frage, wie ACTA sie stellt, obsolet.

    Die Definition von Medien müssen wir allerdings nicht wieder aufrollen, das haben andere schon getan. Bspw. Schmidt und Zurstiege mit den Ebenen Kommunikationsinstrumente (z.B. Sprache), Techniken (Druck, Internet, TV – damit beschäftigt sich ACTA), Einrichtungen (Verlage), Angebote (Blogbeitrag, TV-Show).

    Dass “Print” sich einfach ins Netz übertragen lässt, möchte ich trotzdem bestreiten. Wenn man die formalen Zwänge einer materiellen Distribution aufs Netz überträgt, kann man gegen genuine Online-Angebote nur verlieren, weil man weder in der Form noch im Vertrieb zeitgemäß und konkurrenzfähig ist. Das könnten die Verlage wahrscheinlich auch leisten. Viele wollen aber nicht.

  9. Lesenswerte Artikel 14. Oktober 2010 |  14.10.2010 | 08:03 | permalink  

    [...] ACTA-Studie: Internet gewinnt leicht, TV stabil und weiter vorne, Print verliert Heutzutage ein ungünstiger Studienname.. [...]

  10. erz |  14.10.2010 | 13:47 | permalink  

    @Till Achinger

    Natürlich müssen wir die Definition von Medien immer mal wieder aufrollen. Zum einen, weil offensichtlich ständig Unklarheit über die Verwendung des Begriffs herrscht. Zum anderen, weil “Medium” als nutzergesteuertes Phänomen nun einmal immer einem potentiellen Wandel unterliegt. Das Schlagwort “neue Medien” kommt ja nicht von ungefähr.

    Aus einer soliden funktionalen Analyse von “Medium” ergibt sich dann auch zwangsläufig, dass es eine eins zu eins Übertragung von Inhalten nicht geben kann. Print ins Internet kopiert ist halt kein Print mehr. Die weitergeleitete Verwertungskette der Printinhalte ist trotzdem das Paradigma, nach dem Verlage größtenteils arbeiten. Dass sie das tun ist dabei weniger das Problem, als dass sie sich nicht mit anderen Paradigmen befassen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn die Entscheider noch nicht einmal wissen, was ein Medium ist und ACTA-Studien für Erkenntnisse halten, dann führt das wieder einmal zu einem Belastungstest für meine Tischplatte. Dieser Unsinn wird auch im Internet allerorts widergekäut. Auf mich hört ja keiner ;-)

  11. Adnan Vatandas |  15.10.2010 | 11:51 | permalink  

    Im Gegensatz zu seriösen Online-Artikeln fehlen in den Printmedien regelmäßig Quellenangaben. Aus diesem Grund sind wohl auch Nachrichten-Blogs populär geworden – der Leser kann sich über die Links in einem Beitrag direkt aus verschiedenen Quellen informieren.

  12. Wolfgang Wegener |  22.10.2010 | 14:09 | permalink  

    @Adnan Vatandas Nicht nur, dass im Gegensatz zu Print in Online-Artikeln die direkte Verlinkung auf die Quellen möglich ist. Wer typischerweise über Suchmaschinen gefunden wird, weiß zudem, dass der Leser Interesse an den im Text aufgeworfenen Fragen hat und kann wesentlich detaillierter schreiben.

    In dem angegebenen Link berichte ich über die Erfahrungen mit meiner kommunalpolitischen Seite, die gestern 20 Uhr 10 Jahre alt wurde (dort findet sich auch ein Link auf faznet zum Thema, der gleich mehr in medias res geht als der oben angegebene Link). Ich bin kein Journalist, sondern Laie, und auf die FAZ möchte ich jetzt und in Zukunft nicht verzichten. Trotzdem tut mir als kleinem Blogger diese Info über die Online-Nutzung gut. Und eins steht fest: Mit der Lokalzeitung ging es (leider) bergab in den letzten zehn Jahren (laut IVW), mit meiner Seite geht es weiter bergauf, wenn auch der Zuwachs pro Zeit geringer wird.

    Glückwunsch übrigens zu 2 Jahren Carta. Ganz schön was entstanden in der kurzen Zeit.

    Glückauf aus dem Harz und weiter so!

  13. Lasershow | Presseartikelverzeichnis - Presseportal |  14.12.2011 | 10:14 | permalink  

    [...] Telefon: (+49) 07541 6018320 Email: info@laserrent.de Internet: http://www.laserrent.deEmotion Laser Systems Emotion Laser Systems erobert mit neuem Angebot die Branche [Friedrichshafen, ...rufen werden. Tradition, Neuerung und Zeitbezug: Diese Merkmale verbindet die Emotion Laser Systems [...]

  14. Spiral of Violence: How the German online media portrays Palestinian terrorism against Israel | Middle East, Israel, Arab World, Southwest Asia, Maghreb |  20.12.2011 | 22:37 | permalink  

    [...] ACTA-Studie: Internet gewinnt leicht, TV stabil und weiter vorne, Print verliert, published on 12.10.2010, (in German, retrieved on [...]

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