NDR will mit „allen juristischen Mitteln“ gegen Depub.org vorgehen

Der NDR ist not amused: Der Sender will gegen das von Depub.org veröffentlichte Tagesschau.de-Archiv vorgehen. Unklar ist jedoch, ob ein erneutes Depublizieren überhaupt durchsetzbar ist.

Seit gestern bietet Depub.org ein republiziertes Tagesschau.de-Archiv im Web an. Aktivisten protestieren damit gegen die Depubliziermaßnahmen öffentlich-rechtlicher Online-Inhalte im Rahmen des 12. Rundfunkstaatsvertrags. Sie zählen dabei auch auf Zustimmung in den öffentlich-rechtlichen Redaktionen:

„Wir sind zuversichtlich, dass auch in den anderen Redaktionen Leute sitzen, die nicht wollen, dass die Artikel aus dem Netz verschwinden.“

Auf ganz so große Sympathie stößt die Aktion beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), dem Betreiber von Tagesschau.de, hingegen offiziell nicht. Der NDR teilte Carta auf Anfrage mit, dass er gegen Depub.org vorgehen werde. NDR-Sprecherin Iris Bents sagte:

Der NDR wird mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies möglich ist.

Aus Sicht des NDR stelle Depub.org einen eindeutigen Verstoß gegen das Urheberrecht dar, so Bents.

Wer hinter Depub.org steht, ist hingegen unklar. Der Server steht im Ausland; der Domain-Inhaber ist nicht ohne Weiteres zu identifizieren. Die Aktivisten von Depub.org haben also vorgesorgt – und erschweren die erneuten Löschversuche durch den NDR.

Offen ist daher, welche Mittel der NDR konkret zur Rechtsdurchsetzung einsetzen wird – was genau also die Einschränkung „soweit dies möglich ist“ bedeutet.

Durch die Ankündigung des NDR dürfte die Diskussion um internationale Löschabkommen eine neue Nuance erhalten.