Medienlinks zum Wochenstart: Wen Facebook Places kannibalisiert

Facebook Places zeigt: Craigslist hat das mobile Web verpasst - Metadaten statt Paywalls - Neues Bezahl-iPaper: Murdoch will es wieder wissen - Was Geodaten bewirken können - Sixtus zu Streetview - Geld verdienen als Multimediajournalist(in)- Selbstvermarktung als bloggende(r) Journalist(in)

Toptipp:

Facebook Places: should Craigslist be worried?

Paul Smith glaubt in einem Beitrag für den Guardian, dass nicht so sehr Foursquare, Gowalla und Co. als sozial bzw. spielerische orientiertes Eincheck-Communities durch Facebooks neue Lokalisierungsfunktion Places Gefahr laufen, an den Rand gedrängt zu werden. Opfer werde eher der sehr simpel strukturierte Online-Kleinanzeigenanbieter Craigslist, der Anschluss ans mobile Netz verpasst habe: “Since 1995, Craigslist has been instrumental in migrating a cash-rich revenue stream from newspapers to the internet. But Craigslist hasn’t moved on since. The most obvious evolution of classifieds is the migration to mobile, utilising geolocation. Craigslist has had more than two years to play with the iPhone, yet has no mobile presence other than a third-party app that mimics the navigation of the site, instead of playing to the strengths of the device. The iPad version is even worse – all that on-screen real estate, and it’s still menu-driven. Why not a map, for crying out loud? Craigslist’s own efforts are non-existent – despite its millions of dollars, the site isn’t optimised for mobile browsers.” (Überschriftenlink). Ebenfalls lesenswert: Jemina Kiss argumentiert in einem anderen Beitrag für den Guardian, warum Facebook Places kein Selbstläufer wird: Why Facebook can’t afford to screw up its location feature.

weitere Tipps:

How Metadata Can Eliminate the Need for Pay Walls

Martin Moore erläutert bei Mediashift die Bedeutung von Metadaten (Verschlagwortung) für die Auffindbarkeit und damit auch die Monetarisierung von journalistischen Beiträgen im Internet. Mit stetig steigender Bedeutung von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken als Einstiegswege zu Verlagsseiten seien Metadaten viel wichtiger als der immer noch vorherrschende Portalgedanke: “When you think about it, it seems remarkable that so much content does not have this sort of metadata already. It is like houses not having house numbers or zip codes. Or like movies not having opening or closing credits. Or like a can of food without an ingredients label.” Martin Moore ist Leiter der britischen Nonprofit-Journalismus-Organisation Media Standards Trust, die gemeinsam mit Sir Tim Berners-Lees Web Science Trust ein kostenloses Open-Standard-Tool namens hNews zur einfachen Generierung von Metadaten entwickelt hat.

Murdoch’s New iPaper: One Last Tragic Roll Of The Digital Dice

Paul Carr glaubt, dass Rupert Murdoch’s irrationale Paywall-Strategie in erster Linie dazu dienen soll, den Cash-Flow kurzfristig zu sichern, bis Murdoch senior abtritt. Anders kann sich der Techcrunch-Autor nicht erklären, warum Murdoch ein kostenpflichtige App mit schnell verdaulichen Inhalten für junge Leute auf den Markt bringen will – eine Idee, mit der er in London selbst mit einer kostenlosen Variante gescheitert ist: “What’s remarkable about this current escapade is that Murdoch is actually proposing to sell a product that people have previously failed to even give away for free. [...] News International’s ambition with thelondonpaper was clearly stated: it would win back young, urban readers who had turned their back on traditional newspapers in favour of the Internet. Of course, they failed: despite a polished product – handed out for free each morning at every Tube station in London – the paper published its last issue in 2009, having cost News International’s owner tens of millions of pounds in the process. Young people, meanwhile, carried on getting their ‘light heated news with little analysis and lots of colour’ from the Internet.

Die Geodaten sind frei!

Schluss mit dem Streetview-Gejammer: Frederik Ramm erklärt in der Sendung “Breitband” von dradio, welche Möglichkeiten Geodaten bieten und wie das Projekt Open Street Map funktioniert. Ramm ist Geschäftsführer der Geofabrik, einer Firma, die Geld verdient mit freien Geodaten (Beitrag mitsamt Audiofile in der Überschrift verlinkt). Dazu passend: Alternative Landvermesser – Mapping Aktivismus weltweit (Christian Kreutz beschreibt bei Kooptech wie alternative Landvermesser vor allem in Entwicklung weiße Flecken auf digitalen Karten ausfüllen). Und in eine ähnliche Richtung geht auch dieser Beitrag bei Techcrunch: Crowdsourcing Disaster Relief.

Erst Dienste wie Street View machen den öffentlichen Raum wirklich öffentlich

Eigentlich wollte ich nichts mehr zu Streetview verlinken. Doch dieser Beitrag von Mario Sixtus für das Kennzeichen Digital Blog des ZDF bringt die deutsche Gemüts- und Gemengelage einfach sehr gut auf den Punkt: “Google hat Deutschland mit Streetview nichts weniger geschenkt, als den ersten großen Culture Clash zwischen jenen, für die das Netz ein selbstverständlicher Teil ihres Lebensraums ist und denen, die den durch das Netz angestoßenen gesellschaftlichen Veränderungsprozess mindestens als Zumutung, wenn nicht gar als Bedrohung empfinden. Eigentlich sollten wir Google dafür dankbar sein. Die Fronten sind jetzt immerhin sichtbar.”

Blogging Week: Blogging for Journalists

Adam Westbrook hat seine fünfteilige Blogpostserie abgeschlossen: Warum und wie Journalisten bloggen sollten. Über seine eigenen Erfahrungen als bloggender Journalist schreibt Westbrook: “For me, blogging has transformed from a revision-avoiding-hobby into a career changer. It has got me work, training and speaking gigs, and a bit of money. I’ve seen my readers start small, before growing by more than 10,000 visits a month in just twelve months (I’ll explain how this week). Although it has never made me a penny directly, blogging is a huge part of the work I do, which is why I think almost all journalists need to blog–about something.

Kann man mit Multimedia Geld verdienen?

Das wollte Marcus Bösch per Umfrage wissen. Einige der profiliertesten deutschen Multimediajournalisten haben geantwortet, darunter Fabin Schweyher, Daniel Nauck und Matthias Eberl. Das DW-Ausbildungsblog lab hat alle Antworten in einem 23seitigen pdf gesammelt und die interessantesten Zitate im Blogpost veröffentlicht. Ein Auszug: “Meine Narkolepsiereportage habe ich z.B. an einen Selbsthilfeverein verkauft, der damit auf Ärztekongressen und Messen über die Krankheit aufklärt. Momentan versucht der Verein Geld zu akquirieren, um die Reportage nicht nur im direkten Kontakt, sondern auch im Web zeigen zu können. Das ist ein langsamer Prozess, aber insgesamt sind so bisher etwa 3000 Euro zusammengekommen.”

Fotos im Web veröffentlichen und präsentieren

Ulf Klose will Fotografen die Angst vor Urheberrechtsverstößen im Internet nehmen und ermutigt dazu, gute Aufnahmen über Fotosharing-Plattformen zu verbreiten. Er stellt bei Days and Pictures verschiedene Plattformen und Filtereinstellungen vor. Eine seiner Begründungen, warum er glaubt, dass man (einige) seiner Bilder ins Netz sollte: “Beurteilung anderer Fotografen: wer gut werden will, muss mit Kritik leben. Und Kritik erhält man am Besten von anderen Fotografen. Diese händisch ausfindig zu machen und sie zu fragen, ob sie sich vielleicht zwei, drei Dutzend der eigenen Bilder zwecks Bewertung anschauen würden, wäre wohl ziemlich albern und nervig. Die Veröffentlichung der Bilder im Netz macht all dies überflüssig.”

Die Fachjournalistin Ulrike Langer bloggt auf medialdigital. Carta übernimmt die Linktipps mit freundlicher Genehmigung der Autorin als Crossposting. Backlinks bitte freundlicherweise zu den Original-Linktipps setzen.