Google, Verizon und die komische Netzneutralität-Geschichte

Google und Verizon dementieren die New York Times-Geschichte, wonach sie einen Deal gegen die Netzneutralität anstreben würden. Stimmt: Die Pläne für ihre Zusammenarbeit sind wahrscheinlich komplexer.

Heute berichtete bekanntlich die New York Times, dass Google kurz davor stehe, mit Verizon einen Vertrag zu schließen, der die Netzneutralität verletzen würde – die bevorzugte Durchleitung von Google-Traffic durch das Verizon-Netz:

The deal „could allow Verizon to speed some online content to Internet users more quickly if the content’s creators are willing to pay for the privilege.“

Google antwortete unter anderem über Twitter:

Und erklärte, wie Holger Schmidt weiß, auch noch einmal:

„The New York Times is quite simply wrong. We have not had any conversations with Verizon about paying for carriage of Google traffic. We remain as committed as we always have been to an open Internet.“

Wenig später erklärte auch Verizon auf seinem Policy-Blog:

The NYT article regarding conversations between Google and Verizon is mistaken. It fundamentally misunderstands our purpose. As we said in our earlier FCC filing, our goal is an Internet policy framework that ensures openness and accountability, and incorporates specific FCC authority, while maintaining investment and innovation. To suggest this is a business arrangement between our companies is entirely incorrect.

Wer genau hinschaut, dem fallen drei Dinge auf:

  • Google und Verizon dementieren nicht, dass sie Gespräche führen. Gegenstand dieser Gespräch kann nur sein, wie Google und Verizon zukünftig besser zusammenarbeiten.
  • Google sagt lediglich, dass man nicht für Traffic bezahlen wolle. Andere Mechanismen der Privilegierung sind also weiterhin denkbar.
  • Verizon behält sich in seiner Erklärung „Innovationen“ für eine bessere Netzwerk-Auslastung ausdrücklich vor.

Wer nun 1 und 1 zusammenzählt, dem sollte klar sein: Google und Verizon reden gerade über eine engere Kooperation, um Google-Traffic „schonender“ durch das Verizon-Netzwerk (insbesondere im Mobilfunk) zu leiten. Vielleicht ist auch ein bisschen Android im Spiel.

Der Deal ist deshalb so komplex, weil es genau darum geht, intensiver zusammenzuarbeiten – ohne die FFC-Regeln zur Netzneutralität zu brechen. Bei der Netzneutralität ist eben fast alles eine Frage der Definition und der richtigen Sprachregelung.

Hinweise und ergänzende Gedanken in den Kommentaren supergern.