Spiegel zur „Trümmerfrau Merkel“: „Aufhören!“

Wenn der Spiegel Horst Köhler stürzen kann, dann wohl auch Angela Merkel. Der neue Spiegel-Titel 24/2010 "Aufhören!" wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende der Regierung Merkel beschleunigen.

Zu behaupten, „Blogs“ hätten Horst Köhler „gestürzt“, wäre grundfalsch. In Wahrheit waren es vor allem die publizistischen Attacken des Spiegel, die den Bundespräsidenten zum Rücktritt bewegten. Die Vorlage lieferte Spiegel Online, vier Tage später legte die Print-Ausgabe nach.

Da die Bild wenig geneigt ist, die schwarz-gelbe Koalition schroff zu kritisieren, da die FAZ über diplomatisch vorgetragene Kritik nur selten hinauskommt und die Süddeutsche Zeitung alleine zu schwach und zu zahm ist (und die ZEIT nur bildungsbürgerlich krittelt: „Das System Merkel taugt für diese Krise nicht“),  fällt nun letztlich dem Spiegel die Aufgabe zu, diese schwache und orientierungslose Regierung mit seinen qualitätsboulevardesken „Sturmgeschützen“ herauszufordern.

Nach dem letzten  Titel „Joachim Gauck: Der bessere Präsident“ kommt Nummer 24/2010 vom 14. Juni mit wohl selbst für Spiegel-Verhältnisse schroffer Eindeutigkeit daher: „Aufhören!“ – darunter mürrisch Angela Merkel und Guido Westerwelle umgeben von der schwarzen Leere ihres Regierens. Davor ein gelbes „Aufhören!“. Schwarz-Gelb eben.

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Im Heft wird die fast zehnseitige Titelgeschichte mit folgenden Worten eingeleitet:

Die Trümmerfrau: Angela Merkel steht vor den Scherben ihrer Kanzlerschaft. Ihr Sparpaket stößt auf Widerstand, der Konflikt unter den Koalitionspartnern eskaliert, das Vertrauen ist aufgebraucht. Der Tag der Bundespräsidentenwahl könnte das Ende der Regierung bedeuten.

Diese Regierung hat ihren Rückhalt bei den Wählern und mindestens ebenso sehr bei der veröffentlichten Meinung verloren. Es ist kaum vorstellbar, dass das System Merkel sich hiervon erholt.