Gundolf S. Freyermuth

iPadologie II: Abschied von der analogen Hardware

 | 37 Kommentar(e)


Das iPad beschleunigt den Übergang von einer analogen und Papier-zentrierten zu einer digitalen und Software-zentrierten Kommunikations- und Wissenskultur. Die Kontrollfunktionen verschieben sich. Das Dispositiv des iPad ist daher sowohl restaurativ wie revolutionär.

26.05.2010 | 

Vor unseren Augen vollzieht sich ein doppelter Medienumbruch. Der eine, von dem in der ersten Folge der iPadologie bereits kurz die Rede war, geschieht innerhalb digitaler Technologie: die Ausbildung eines neuen PC-Paradigmas. Neben Desktops und Laptops treten Tafel-PCs.

Sie entfalten ihre Wirkung jedoch zugleich im Kontext eines größeren, zivilisatorisch noch wichtigeren Umbruchs. Er betrifft seit Ende des 20. Jahrhunderts die Vielzahl analoger Medien, die unser zivilisatorisches Wissen bergen. Sukzessive lösen sich deren Gehalte von ihren überkommenen analogen Speichern und wandern ins digitale Software-Medium. Im Bereich der Töne und Bilder ist diese Migration bereits nahezu abgeschlossen: Auditive, visuelle und audiovisuelle Werke, einst auf Hardware wie Schallplatte, Tonband, CD, Zelluloid, Videoband oder DVD abgespeichert, kursieren heute als “Software-Dateien”, die sich mit beliebiger Hardware nutzen lassen, mit Smartphones, Laptops, Desktops oder digitaler Unterhaltungselektronik wie Hifi-Anlagen, Fernseher oder Projektoren.

Die Durchsetzung von Tafel-PCs scheint nun den – für unsere Kultur weiterhin zentralen – Bereich des Schriftlichen in den Sog der Digitalisierung zu ziehen. Ohnehin werden Texte seit einem Vierteljahrhundert überwiegend an Computern produziert. Endlich aber beginnen sie, sich auch in Distribution und Rezeption von ihrem überkommenen Hardwaremedium Papier zu befreien. Als Software gelangen sie in immer größerer Zahl auf die Displays tafelförmiger PCs, auf Smartphones wie Apples iPhone oder Googles Android, E-Book-Reader wie dem Sony Reader oder Amazons Kindle und vernetzte Touch-Tafel-PCs wie dem iPad.

„Diese neuen Tafel-PCs“, prognostizierte etwa Daniel Akst in der Los Angeles Times, „werden Tinte auf Papier einen kräftigen Schubs in Richtung Papierkorb der Geschichte geben und zur Neuerfindung nicht nur von Büchern beitragen, sondern auch von Zeitungen, Magazinen und anderem Lesestoff, den wir traditionell als Druckware konsumiert haben.“

Papier: Von der Liebe zur Allergie

Bevor ich die Indizien vorstelle, die für einen solchen Wandel sprechen – für die kulturelle Marginalisierung der alten Holzmedien Buch, Zeitung, Zeitschrift –, aber ein persönliches Geständnis: Auch ich habe Papier einst so geliebt …

Als ich vor einem Vierteljahrhundert die ersten Zeilen auf einem Computer schrieb, sammelte ich schöne Bücher, besaß ein ledernes Filofax, das ich mit ausgefallenen Papiereinlagen füllte, und trauerte, während ich dem funkelnagelneuen Nadeldrucker zusah, wie er unter grausamen Sägegeräuschen entsetzlich anzusehende Endlospapier-Seiten ausstieß, dem klassischen Schriftbild meiner Kugelkopfschreibmaschine nach.

Doch mit jedem Jahr, das seitdem verging, wurde mir Papier zu einer größeren Last. Was man liest und mag, muss man umständlich abtippen oder einscannen. Bücher in größeren Mengen verrammeln die Wohnung, machen jeden Umzug zur Qual und verstauben nach der Erstlektüre ziemlich nutzlos vor sich hin, da man so gut wie jedes Textzitat schneller online findet als in der eigenen Tote-Bäume-Bibliothek. Ebenso überflüssig ist alle Post geworden, die nicht Waren, sondern lediglich Informationen befördert. Erst trägt man Briefe und Drucksachen in die Wohnung, dann digitalisiert man die in ihnen geborgenen Daten auf die eine oder andere mühsame Weise, um anschließend das Papier zum Müll zu schleppen. Und nach nur ein paar Tagen Abwesenheit quillt der Briefkasten über, aller Welt signalisierend, dass da eine Wohnung einbruchsreif ist.

Kurzum: Inzwischen hege ich eine tiefe Abneigung gegen Papier. Vor Jahren schon habe ich sämtliche Zeitschriften-Abonnements gekündigt. Meine in einem halben Jahrhundert angehäuften 16.000 Bücher – inklusive der dreizehn, die ich selbst veröffentlicht habe – lagern seit ein paar Monaten in einem 40-Fuß-Container. Die klare Weite buchfreier Wände ist ein Genuss. Und nach zwei Monaten Erfahrung mit dem iPad habe ich beschlossen, kein Buch, keine Zeitung, keine Zeitschrift freiwillig mehr auf Papier zu lesen. – Wobei mich mein Beruf leider weiterhin zu unfreiwilligen Papier-Lektüren zwingt …

Papier <–> Bits: Die analoge Hardware-Krise

Die Stärke meiner Papier-Allergie mag – noch? – extrem scheinen. Grundsätzlich fügt sich die Abkehr vom Papiermedium jedoch in einen kulturellen Langzeittrend, den zuerst Harold Innis in seiner epochalen Studie Empire and Communications (1950) aufzeigte. Denn im historischen Staffellauf der Speichermedien für unser kulturelles Wissen – von Ton und Papyrus zu Pergament und schließlich Papier in seiner Leinen- und Holz-Variante – lässt sich ein Langzeittrend erkennen: zu Materialien, die zum einen größere Textmengen dauerhaft speichern, zum zweiten leichter verfügbar und zum dritten leichter zu transportieren sind.

"Rückkehr zur medialen Urform der Tafel auf höherer technologischer Ebene." Foto: Willow (Chengyin)

"Rückkehr zur medialen Urform der Tafel auf höherer technologischer Ebene." Foto: Willow (Chengyin)

Papyrus war erheblich leichter als Ton, wuchs jedoch lediglich im Nildelta und speicherte wenig dauerhaft. Pergament wog ein wenig schwerer als Papyrus, war jedoch überall herstellbar, wo es Kälber, Schafe oder Ziegen gab, und zudem haltbarer und insofern trotz höheren Gewichts besser zu transportieren. Leinenpapier wiederum war leichter als Pergament, nahezu ebenso dauerhaft, freilich nur begrenzt in Städten herstellbar, nach Maßgabe vorhandener Leinenabfälle. Holzpapier schließlich besaß das gleiche Gewicht, speicherte kaum weniger dauerhaft, ließ sich jedoch industriell in weit größeren Mengen herstellen. Die nächste Stufe der medialen Entwicklung, das konnte Harold Innis Mitte des vorigen Jahrhunderts haarscharf schon erkennen, begann mit der analogen Elektronisierung.

Wenn also die entscheidenden Kriterien für die kulturelle Akzeptanz von Speichermedien – neben ihrer Basisfähigkeit leidlich zuverlässiger Speicherung – erschwingliche Verfügbarkeit und Transportfähigkeit sind, dann kulminiert der Jahrtausende währende mediale Rationalisierungsprozess gegenwärtig im Übergang zum digitalen Transmedium. Denn Software übertrifft die Leichtigkeit und massenhafte Herstellbarkeit von Papieratomen durch die arbiträre Verfügbarkeit und gänzliche Gewichtslosigkeit von Bits und steigert damit – auf Basis der globalen Datennetze – die Erschwinglichkeit und Geschwindigkeit des Transports zur nahezu kostenfreien Echtzeitdistribution.

Wer an der eskalierenden Migration des textuellen Wissenstransfers von analog zu digital weiterhin zweifelt – wie gerade wieder bei einem einschlägigen Kongress zur Zukunft des Buchs der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner, jedenfalls wenn man der FAZ-Berichterstattung trauen kann –; wer also an eine fortdauernde Dominanz von Papierbuch, Papierzeitschrift und Papierzeitung glaubt, dem sei empfohlen, mit offenen Augen auf unseren Alltag zu schauen. In U-Bahnen, Abfertigungshallen von Flughäfen oder Wartesälen von Behörden sieht man Papier häufiger in den Händen älterer Leser, während jüngere zunehmend auf die Screens von Smartphones und Laptops schauen. Da sitzen sie gewissermaßen und lesen, die zwanzig Prozent der Käufer, die deutsche Tageszeitungen im vergangenen Jahrzehnt verloren haben. Im amerikanischen Alltag fällt zudem die Vielzahl von Menschen ins Auge, die bereits statt Magazinen und Büchern E-Book-Reader mit sich tragen. Die Zukunft, an die viele immer noch nicht glauben wollen, hat längst begonnen.

Jason Epstein, der Grandseigneur des amerikanischen Verlagswesens, schrieb Anfang März mit Blick auf das Amazon Kindle, den Sony Reader und vor allem das iPad in der New York Review auf Books: „Der Übergang der Buchindustrie weg von physischen Warenbeständen, die in Lagerhäusern vorgehalten und mit Lastern zum Einzelhandel transportiert werden, und hin zu digitalen Dateien, die im Datenraum lagern und an nahezu jeden Ort dieser Erde so schnell und so billig ausgeliefert werden wie E-Mail, kommt gerade in Gang und ist nicht mehr rückgängig zu machen.“ Das iPad, vertraute Epstein dann im April New Yorker-Reporter Ken Auletta an, biete den Verlegern eine hervorragende Gelegenheit, ihre Kosten dramatisch zu senken und zugleich wieder die verlegerischen Freiheiten zu erlangen, die sie im Prozess industrieller Verlagskonzentrationen Stück für Stück verloren haben: „Als ich begann, für Random House zu arbeiten (um 1950, GSF), schmissen zehn Lektoren den Laden. Wir hatten einen Verkaufsleiter und Buchvertreter. Wir hatten einen Buchhalter, einen, der die Pressearbeit machte, und einen Präsidenten. Wir waren unglaublich erfolgreich. Wir brauchten nicht achtzehn Verwaltungsebenen mit Abteilungsleitern und Managern. Die Digitalisierung macht das wieder möglich und auch unvermeidlich.“

Die nun anstehende massenhafte Migration aus den diversen analogen Hardwaremedien ins Medium digitaler Software behinderte allerdings in der Vergangenheit ein misslicher Rückstand der Hardware. Desktop- und Laptop-PCs wie auch die meisten Smartphones beschwerten die Rezeption: zum einen durch eine Vielzahl technischer Unzulänglichkeiten (etwa die Größe und Qualität des Bildschirms, die Leistungsstärke der Batterien, die Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit der Vernetzung); zum zweiten durch ihren jeweiligen Formfaktor, ihre physische Gestalt, die mobile und intime Nutzung unmöglich oder zumindest unbequem machte. Abhilfe versprechen nun Touch-Tablet-PCs wie das iPad.

1. iPad <–> Desk- & Laptop: Die digitale Hardware-Krise

Das auffälligste am iPad ist seine Unauffälligkeit. Die erste Erfahrung, die man im Umgang mit ihm macht, ist die von „Natürlichkeit“. Eine Zeit der Einübung, wie man sie von technischen Gerätschaften gewohnt ist, entfällt nahezu vollständig. „Ich war so gefesselt von dem, was der Bildschirm zeigte“, schilderte etwa David Carr in der New York Times den kurzen Augenblick, den er bereits im Januar ein Demo-Gerät ausprobieren durfte, „dass ich praktisch vergaß, ein Stück Technik in der Hand zu halten.“ Nicht anders erging es den meisten, die Anfang April das iPad gründlicher testeten. „Nach ein paar Minuten“, schrieb Joshua Topolsky in Engadget, „nahmen wir das Gerät oder die Technik der Screen nicht mehr wahr – wir sahen ein Buch.“ Und Andy Ihnatko lobte in der Chicago Sun den Umstand, „dass trotz der Neuheit des iPads nach vielleicht zehn Sekunden die Aufgeregtheit in den Hintergrund tritt und du dich komplett auf das konzentrierst, was du gerade machen willst – ein Buch lesen, einen Report schreiben oder die Inbox abarbeiten.“

Der Unterschied zum ersten Umgang mit normaler PC-Hardware ist – auch nach meiner eigenen Erfahrung – schlagend. „Hast du mal einen kompletten Neuling dabei beobachtet, wie er lernt, eine Maus zu benutzen?“ fragte Dan Moren in Macworld und gab selbst die Antwort: „Bevor man überhaupt zum Klicken kommt – oder zum Rechtsklick oder zum Scrollen –, muss man heraus finden, wie sich die eigenen Bewegungen in die eines Pfeils übersetzen, der auf dem Bildschirm herumfliegt.“ Diese „Abstraktionsschicht zwischen dem Nutzer und dem Computer“ fehlt bei dem Touch-Interface. Computerworld-Autor Michael DeAgonia kam zur selben Ansicht: „Auf einmal fühlen sich eine Maus und eine Tastatur an wie etwas, das einer ganzheitlichen Computer-Erfahrung im Wege steht.“ Das iPad dagegen mache „Technologie unmittelbar zugänglich“.

Neben dem Fehlen üblicher Computerperipherie, bemerkte Dan Moren, trage dazu Steve Jobs’ Erfolg im – schon mit dem iPhone begonnenen – „Krieg gegen die Knöpfe“ bei. Andy Ihnatko sah ein „neues Denken“ am Werk, wie es bislang gefehlt habe: eine gezielte Optimierung der Touch-Tafel-Erfahrung durch Reduzierung ihrer Gestalt und Funktionalität. Hightech-Pionier und Verleger Tim O’Reilly meinte: „Wenn das iPhone uns noch nicht deutlich genug sagte, dass die 25jährige Herrschaft der Maus und der Fenster-Nutzeroberfläche, wie sie einst vom ersten Macintosh popularisiert wurde, schon bald Geschichte sein wird, dann schreit das iPad nun diese Botschaft laut und klar heraus.“ Ebenso erhofft Kevin Kelly von Tafel-PCs grundsätzlich eine Beendigung der „Tyrannei der Tastatur“ zugunsten eines Natural User Interface (NUI): „Gesten sind König. Wisch mit deinen Fingern, um zu scrollen, wedele mit den Armen wie bei der Wii, schüttele oder kipp die Touch-Tafel. Genieße ihre Körperlichkeit.“

2. Touch-Tafel <–> Buch & Magazin: Die intime Revolution

Diese Körperlichkeit, die physische Form des Touch-Tafel-PC, nannten die Ideacodes-Designer Emily Chang und Max Kiesler eine „intime Revolution“: „Durch die Kombination der Intimität einer einfachen Screen mit der taktilen Qualität des Multi-Touch-Interfaces stellt sich eine Nutzer-Erfahrung her, die sich sehr von der anderer Geräte unterscheidet.“ Neu sei gerade die Nähe der Touch-Tafel-Gestalt zu einer sehr alten, vertrauten Medienform, analysierte der Buchdesigner Craig Mod im April, noch bevor er ein iPad in der Hand gehalten hatte: „Es ist kein Wunder, dass wir unsere gedruckten Bücher lieben – wir wiegen sie körperlich in den Armen, dicht an unserem Herzen. Anders als das Lesen an Computermonitoren imitiert das Lesen auf einem Kindle oder iPhone (oder iPad, kann man vermuten) diese mütterliche Umarmung. Der Text ist dichter bei uns, die Orientierung angenehmer. Und der scheinbar unbedeutende Umstand, dass wir den Text berühren, spielt in Wirklichkeit eine Schlüsselrolle für die Verstärkung der Intimität dieser Erfahrung.“

Medienhistorisch geht die Intimität der Beziehung zwischen Mensch und Text natürlich entschieden weiter zurück: Das uns vertraute, mit dem Buchdruck entstandene Papier-Buch optimiert lediglich die über Jahrtausende menschlicher Kultur entwickelte Tafel-Form zur Speicherung und Rezeption von Texten – von den ersten Stein- und Tontafeln bzw. Tafelbündeln über den römischen Pergament-Kodex bis zu den neuzeitlichen Papier-Varianten Buch, Zeitschrift, Album und Notizblock (englisch „pad“ oder „notepad“). Die Tafelform prägt so seit der Antike die kulturelle Verarbeitung, Speicherung und Distribution von Informationen. Als Medium stellt sie einen privilegierten, wenn nicht einzigartigen Mittler zwischen Mensch und Welt, Subjekt und Gesellschaft, Individuum und Kultur dar. Ein Urmedium. Mit dem Touch-Tafel-PC findet es seine digitale Gestalt.

Entscheidend für die Dauer und vor allem Intimität der medialen Beziehung dürfte dabei der ursprüngliche Formfaktor gewesen sein: dass eben die Tafel und ihre medialen Abkömmlinge sich in der Hand halten und in unserem Schoß benutzen lassen – beschreiben und bemalen, lesen und betrachten. Genauso eben, wie es Steve Jobs diesen Januar im bequemen Sessel auf der Bühne des Yerba Buena Center for the Arts in Downtown San Francisco seiner Fangemeinde bei der ersten iPad-Präsentation vormachte.

Die Apple-Strategen inszenierten damit – ob nun bewusst oder unbewusst, kalkuliert oder intuitiv – das iPad als Aufhebung einer Verdrängung der medialen Urform Tafel, die zwar schon mit der industriellen Schreibmaschine begann, jedoch mit deren Virtualisierung eskalierte. Denn im selben Maße, in dem Tafeln und Seiten, Notizblöcke und Bücher zu Elementen von Software-Programmen wurden und damit aus unseren Händen hinter die Glasscheiben von Bildschirmen gerieten, verloren wir die intime physische Beziehung zu ihnen. Weder Desktop-Bildschirme noch Laptops ermöglichen entspannte Körperhaltungen oder gar taktile Zugriffe, wie sie seit Jahrtausenden die Varianten von Text- und Bildtafeln bieten. Als misslungene Virtualisierungen standen die bisherigen digitalen Apparaturen daher, wie David Carr in der New York Times schrieb, einem „sehr menschlichen, fast angeborenen Bedürfnis“ entgegen: „Leser wollen berühren, was sie zu lernen suchen.“

Unter dieser Perspektive leiten Touch-Tafel-PCs nicht nur einen technologischen, sondern zugleich auch kulturellen Paradigmenwechsel ein: die Rückkehr zur medialen Urform der Tafel auf höherer technologischer Ebene. Das iPad simuliert deren Gestalt nicht mehr nur im Medium der Software, sondern realisiert sie als digitales Hardware-Artefakt, materiell wie funktional (in der Touchscreen). Die emotionale Erfahrung dieser epochalen Wende mag zu einem nicht geringen Teil die ungewöhnliche, ja fast hysterische Euphorie erklären – und im Gegenschlag die nicht minder hysterische Ablehnung –, die das iPad als erstes halbwegs gelungenes Produkt in der neuen Touch-Tafel-Form bei professionellen Kritikern wie Käufern weckte.

3. Revolution <–> Restauration: Wer kontrolliert die Hardware?

„Das ist der Anfang vom Ende des Computers als Technologie“, prognostizierte Dylan F. Tweney in Wired: „Denn Technologie ist, wie Douglas Adams vor zehn Jahren bemerkte, all das Zeug, was noch nicht funktioniert.“ Der Preis allerdings, den wir für solch perfektes Funktionieren zahlen, schien einigen zu hoch.

Unter der Überschrift „Tinkerer’s Sunset“ – also: „Sonnenuntergang für Bastler“, was deren Lebensabend und bevorstehenden Tod konnotiert – klagte Alex Payne: „Was mich am meisten am iPad stört ist das: Wenn ich als Kind ein iPad anstelle eines richtigen Computers gehabt hätte, wäre ich nie der Programmierer geworden, der ich heute bin … Das iPad mag ein Segen für das traditionelle Erziehungswesen sein, insofern es multimediale Unterrichtsmaterialien ermöglicht, aber es schadet der Art von Hackerkultur, von der die digitale Ökonomie bislang voran getrieben wurde. Vielleicht signalisiert das iPad das Ende der ‚Hacker-Ära’ der digitalen Geschichte.“

Ebenso kritisierte Cory Doctorow die vollständige Geschlossenheit des iPads – das Fehlen jeglicher Möglichkeiten, die Funktionalität des Geräts selbständig zu ergänzen oder auch nur Peripheriegeräte anzuschließen – als Entmündigung und Infantilisierung der Nutzer. – Ähnlich wie Payne und Doctorow argumentiert übrigens auch „Klaus“ in seinem Kommentar zum ersten Teil dieser iPadologie: „Was mich an Computern fasziniert hat, war immer … auch die Möglichkeit, an ihnen zu schrauben, sie umzubauen, sie zu tunen und aufzurüsten. … Auch Spielekonsolen als geschlossene Systeme haben mich nie interessiert, obwohl sie für Spiele manchmal besser geeignet sind, als PCs. Das iPad fällt für mich in die selbe Kategorie …“

Doctorows Vorwurf begegnete freilich Joel Johnson vehement: „Computer werden zu normalen Haushaltsgeräten. Was ist daran so schlecht?“, fragte er in einem Beitrag für das – durch seinen Ankauf des gestohlenen iPhone-Prototypen berühmt-berüchtigte – Technologie-Blog Gizmodo: „Ich bin froh, dass ich nicht mehr in den ‚fucking 70s’ lebe und Computerprogramme aus Zeitschriften abtippen muss. Nichts am iPad deutet auf das Ende von Innovation, Bastelei, Programmieren, Design. Wenn das so wäre, gäbe es nicht in diesem Augenblick im App-Store 150 000 Apps. Was macht das schon, dass du keine iPad-Programme auf einem iPad herstellen kannst? Ich beschwere mich ja auch nicht darüber, dass ich mit meinem Geschirrspüler keine neuen Geschirrspüler herstellen kann.“

In dieselbe Richtung gingen die Überlegungen des Programmierers und Bloggers Daniel Tenner. Auch er verstand das iPad als Indiz dafür, dass Computer eine gewisse technische Reife erlangt haben und sie sich nun wie normale Haushaltselektronik ohne technisches Verständnis oder gar ständige Wartung durch ihre Besitzer nutzen lassen: „Meine Mutter benötigt eine Möglichkeit, die Preise von Flugtickets rauszukriegen, den Wetterbericht zu lesen, auf Facebook zu gehen, Kinokarten zu kaufen, ihre E-Mail zu checken, mich über Skype anzurufen und für Tausend andere kleine Dinge, die nicht sehr schwierig und fordernd sind, weder für sie noch für das Gerät, das sie benutzt. Sie braucht keinen Computer in demselben Sinne, in dem ich ihn brauche.“

Joel Johnsons Vorwurf gegen digitale Veteranen und Vordenker wie Cory Doctorow ging allerdings einen entscheidenden Schritt weiter. Er interpretierte die heftigen negativen Reaktionen auf das iPad als Teil eines Machtkampfs: „Die alte Garde packt DIE ANGST. Sie sehen das iPad und die Begeisterung, die es geweckt hat, und sie realisieren, dass sie selbst unwichtig – oder zumindest unsichtbar – geworden sind. Sie realisieren, dass es möglich geworden ist, einen Computer herzustellen, der nicht ständig kaputt geht, der nicht plötzlich aufhört zu funktionieren, der nicht mehr ständiges Herumbasteln erfordert.“

In der Tat erinnert auch mich – als Computer-Veteran – manches an den Vorwürfen, die in den vergangenen Wochen gegen die Simplizität des iPads vorgebracht wurden, an die heftigen emotionalen Widerstände, die Mitte der achtziger Jahre die ersten Macintosh-Computer (und später auch die ersten Windows-Rechner) mit einfachem GUI-Interface und simpler Maussteuerung weckten – vor allem bei DOS-Virtuosen, die ihre mühsam erworbenen Kursor- und Kommandozeilen-Kompetenzen und damit ihren exklusiven Hardcore-Guru-Status auf einen Schlag entwertet sahen.

Wie damals Maussteuerung und GUI leiten heute Touch-Screen und Gestensteuerung einen nachhaltigen Wandel in der – wie zuerst J.C.R. Licklider erkannte – zunehmend symbiotischen Beziehung zwischen der Menschheit und ihren digitalen Maschinen ein. Seinen Wired-Testbericht des iPads begann Steven Levy denn auch mit einer Erinnerung an Computerpionier Ed Roberts: „Sein Name wurde nie berühmt, aber als der Mann hinter dem Altair-Computer – einem Bausatz für verrückte Tech-Hobbyisten, der 1975 herauskam –, war er verantwortlich für den Start der Mikro-Computer-Ära … Ed Roberts starb am ersten April, als die Revolution, die er in Gang setzte, gerade in ihre nächste Phase trat … Ich war mir ziemlich sicher, dass die Zeit reif war für einen iPad-ähnlichen Tafel-Computer, um uns in die nächste Phase des Umgangs mit Computern zu bringen, und der tatsächliche Umgang mit einem iPad hat mich in dieser Ansicht nur bestärkt.“

Medium <–> Wissen: Die Emergenz digitaler Zivilisation

Die Überlegungen, welche Konsequenzen die innovative Hardware von Touch-Tafel-PCs zeitigt oder zeitigen könnte, inwieweit ihre Durchsetzung einen evolutionären oder gar revolutionären Entwicklungssprung bedeutet, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Touch-Tafel-PCs leiten einen technologischen Paradigmenwechsel ein, der in seiner kulturellen Wirkung durchaus dem vom Kommandozeilen-Interface (Command Line Interface, CLI) zur graphischen Benutzeroberfläche (Grapical User Interface, GUI) vergleichbar ist. Vor einem Vierteljahrhundert begann mit der Einführung von Maus und GUI eine dramatische Vereinfachung der Computernutzung. Sie popularisierte digitale Technologie und brachte Desktop- und Laptop-PCs in die Mehrzahl aller Haushalte der entwickelten Welt. Die aktuelle Infragestellung nun der Dominanz von Tastatur, Maus und GUI durch Touch-Screens in Verbindung mit einer natürlichen, weil gestengesteuerter Nutzeroberfläche (Natural User Interface, NUI) bewirkt einen weiteren Vereinfachungsschub. Touch-Tafel-PCs dürften daher das Vordringen des Computers auch in solche Bevölkerungsgruppen und mediale Nutzungsformen befördern, die – wie etwa die Distribution und Rezeption von Texten – bislang noch weitgehend Reservate analoger Medialität sind.
  • Der biologischen Natürlichkeit der Nutzeroberfläche korreliert die kulturelle Vertrautheit der physischen Gestalt von Touch-Tafel-PCs. Einfach zu handhabende Texttafeln haben – von den Stein- und Tontafeln der Antike bis zum modernen Buch oder Notizblock – den kulturellen Wissenstransfer und auch die schriftliche Alltagskommunikation geprägt. Im iPad finden sie ihre digitale Gestalt. Auf höherem technischen Niveau stellt sich bei seinem Gebrauch, das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen, eine haptische Intimität des Umgangs mit Texten und Bildern her, wie wir sie von Büchern, Blöcken oder Alben gewohnt sind.
  • Die sozio-kulturelle Nutzung von Computertechnik und speziell des digitalen Transmediums; das Dispositiv digitaler Medialität also (im Sinne von Michel Foucault), dürfte das iPad sowohl restaurativ wie revolutionär beeinflussen; jedenfalls, wenn sein Gebrauch weiterhin und weltweit so zunehmen sollte, wie es in den ersten beiden Monaten in den USA geschah. Denn seine geschlossene physische Gestalt verhindert – oder erschwert zumindest – einen eigenständigen und eigensinnigen, bastelnd-erforschenden, also „hackenden“ Umgang mit der Hardware. (Eine Beschränkung kreativer Freiheit, die sich in dem Software-Regime des Apple App-Stores noch problematischer fortsetzt; dazu mehr im dritten Teil zur Software(r)evolution.) Andererseits aber zeichnet das iPad – als Resultat wesentlich der PC-untypischen technischen Kontrolle, denen Apple Hardware und Softwareprogramme unterwirft – ein anstrengungsloser Bedienungskomfort und eine so hohe technische Zuverlässigkeit aus, wie sie bislang nicht bei PCs, wohl aber bei Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik und populären Kommunikationsmitteln wie Festnetz- und Funktelefon üblich sind. Das iPad markiert daher die technikhistorische Transformation des PCs von einem Stück „außergewöhnlicher“ Technik für Profis und Geeks zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand.

Wenn aber Touch-Tafel-PCs solch grundlegende Veränderungen im System der Medien bewirken, werden sie auch zu Verschiebungen in der sozialen und kulturellen Tektonik führen. Verkürzt gesagt: In der Folge von Medienumbrüchen steigen Individuen, Gruppen, Firmen und Institutionen auf, welche die neuen Medien und ihre Technologie entwickeln und kontrollieren. Und umgekehrt verlieren jene, welche die alten Medien und ihre Technologien kontrollierten, mehr oder weniger an Einfluss. Die Züge des Kulturkampfes, die amerikanische Kritiker rund um den digitalen Paradigmenwechsel von Desk- und Laptop zum Tafel-PC und den damit verbundenen Übergang vom GUI zum NUI beobachtet haben, zeigen sich um so mehr in der größeren, gesamtkulturellen Medienkrise: beim epochalen Übergang von einer analogen und Papier-zentrierten zu einer digitalen und Software-zentrierten Kommunikations- und Wissenskultur.

„Wird ein Kommunikationsmedium über eine längere Zeitperiode benutzt“, behauptet Harold Innis in The Bias of Communication (1951), „dann bestimmt es zu einem gewissen Grad den Charakter des Wissens, das kommuniziert wird.“ Der alles durchdringende Einfluss solcher Leitmedien werde daher früher oder später als einengend, weil weiterer Entwicklung hinderlich empfunden. Der Vorteil eines neuen Mediums – das etwa größere Datenmengen speichern kann oder schnellere, billigere und interaktive Kommunikation ermöglicht – könne daher schließlich so groß werden, „dass es die Emergenz einer neuen Zivilisation einleitet.“

Papier setzt dem Wissenstransfer, zwischenmenschlicher Kommunikation und dem Erzählen von Geschichten genauso enge Grenzen wie das System der analogen elektronischen Massenmedien. Für die Ansprüche, die sich an den digitalen Online-Medien geschult haben, erweisen sich die analogen (Massen-) Medien seit einiger Zeit als zu langsam, zu standardisiert, zu wenig interaktiv, zu unpersönlich. Die Gestalt einer neuen digitalen Zivilisation wird daher entscheidend von innovativer Kultur-Software abhängen, die diese medientechnisch nunmehr aufgehobenen Grenzen auch medienästhetisch überschreitet – in der Entwicklung neuer Interfaces, neuem Design, neuen Narrationsweisen, neuen Varianten von Literatur und Bildender Kunst, Film und Spiel.

Auf der gerade zwei Monate alten Software-Welt des iPads ruhen große Hoffnungen – von Verlagen wie Lesern, TV- und Filmproduzenten wie Zuschauern, Lehrenden wie Lernenden. Der dritte und letzte Teil der iPadologie wird daher die bisherigen Stimmen zur erwarteten Software(r)evolution versammeln und reflektieren.

Bisher in dieser Trilogie erschienen:

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37 Kommentare

  1. Nicole Haase |  26.05.2010 | 12:43 | permalink  

    Nun ja, so ganz und absolut sollen sich die Medien bitte nicht vom Papier lösen.
    So sehr ich auch ein Fan des iPads bin, es gibt noch ein Gebiet für das ich einfach keinen Ersatz zur Tageszeitung sehe; mein Sonntagsfrühstück.
    Wenn der gesamte Haushalt um den Tisch schwirrt, dann habe ich kein Problem damit, dass die Papier-Zeitung den ein oder anderen Kollateralschaden erleidet. Aber das iPad in Marmelade…?

  2. noName |  26.05.2010 | 13:04 | permalink  

    iPadologie – wieder sehr informativ. Danke.

    Dieses iPad reizt ja schon. Die In-Plane Switching Technologie (IPS) soll zudem gut sein. Hoffentlich meinen die Verlage nicht, dem Nutzer demnächst immer bewegte Bilder anbieten zu müssen, gar noch in 3D. So’n iPad sollte den Konsumenten nicht rappelig machen, sondern konzentriertes, komfortables Lesen ermöglichen. Auch bei der Nutzung des iPads im Web ist die Netzneutralität zu wahren. Apps dürfen nicht alleine durch’s Angebot lotsen…

    Dann wünsche ich mir eine vollständige Outlook- und Excel-Kompatibilität. Und eine Schnittstelle zu Digitalisierungsprogrammen wie beispielsweise ELOoffice. Vielleicht gelingt es irgendwann, dass diverse Papier-Stapel in einem mobilen Teil effektiv untergebracht werden. Also ich bin dann doch mehr für das Super-iPad!

    Bei der Größe des iPads von 9,7 Zoll fände ich eine Navigation allerdings zu protzig. Vielleicht ließen sich iPhone und iPad zu einem Mini-iPad verschmelzen; dann wär’s ok. Für unterwegs ganz praktisch – auch die Telefonfunktion.

  3. Das iPad-Zeitalter – Warum sich Computerhasser an den Produkten von Apple ergötzen « Ich sag mal |  26.05.2010 | 14:14 | permalink  

    [...] in Deutschland steigt in der öffentlichen Diskussion wohl das Fieberthermometer. So setzt sich der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth in einem lesenswerten Beitrag mit der … Es ist wohl ein Streit der digitalen Daniel Düsentrieb-Szene mit den Apple-Enthusiasten, die sich [...]

  4. Das iPad-Zeitalter – Warum sich Computerhasser an den Produkten von Apple ergötzen « Ich sag mal |  26.05.2010 | 14:14 | permalink  

    [...] in Deutschland steigt in der öffentlichen Diskussion wohl das Fieberthermometer. So setzt sich der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth in einem lesenswerten Beitrag mit der … Es ist wohl ein Streit der digitalen Daniel Düsentrieb-Szene mit den Apple-Enthusiasten, die sich [...]

  5. Stefan63atIBM |  26.05.2010 | 15:43 | permalink  

    Mir stellen sich vor allem 2 Fragen:

    Ist der iPad gleich Tablet-PC. Oder wird und muß es eine Vielfalt geben.

    Wie weit ist wirklich der größte Teil der Bevölkerung auf dem Weg zum papierlosen Zeitalter?

    Mehr dazu unter http://stefan63.posterous.com/ist-tablet-pc-gleich-dem-ipad-und-endet-guten#

  6. Frank Hamm |  26.05.2010 | 17:24 | permalink  

    “Andererseits aber zeichnet das iPad [...] ein anstrengungsloser Bedienungskomfort und eine so hohe technische Zuverlässigkeit aus, …”

    Wie ist die “hohe technische Zuverlässigkeit” zu verstehen angesichts der seit fast zwei Monaten anhaltenden und nicht gelösten Wi-Fi Probleme?

    Ein Blick in das Apple-Supportforum zeigt, dass das iPad so hoch technisch zuverlässig wohl nicht sein kann: http://discussions.apple.com/forum.jspa?forumID=1363&start=0

  7. Marcus |  26.05.2010 | 20:47 | permalink  

    Die abstruse Überbewertung des iPads durch den Mitschwimm-Journalismus, hat das Peinliche längst überschritten und ist mittlerweile einfach nur mehr unerträglich.

    Da intellektuell zu vernagelt, übersieht man hier vollkommen, dass sich ein Konzern anschickt, das Netz und die Computernutzung an sich, zum totalen Nachteil des Endanwenders zu verändern.

    Während man sich bisher frei entscheiden konnte, was man auf seinem Computer installieren bzw. verwenden möchte, ändert das Prinzip des rigide kontrollierten App-Stores, diese schöne Gewohnheit nun radikal.
    Der Nutzer, wie auch der Entwickler von Anwendungen, wird vom zu einem bevormundeten Nichts degradiert. Ab nun gilt der Grundsatz: Friss oder stirb.
    Und im Angesicht dessen, jubelt die schreibende Zunft in ihren Journaillen auch noch mit Sabber vor dem Mund und bildet sich irrigerweise ein, dank dieses neuen Systems, würde sich der Mammon zukünftig wie aus einem nie versiegenden Füllhorn über sie ergießen.

    Die Gratis-Kultur des Internets, werden jedoch weder Jobs, noch Murdoch und auch keine euphorischen Blog-Jubelperser wegschreiben und wegreden können.
    Der Journalismus bisheriger Prägung, nämlich jener großer Medienhäuser, geht konsequent seinem Ende entgegen.
    Das High-Tech-Spielzeug eines skrupellosen US-Konzerns, der sich gekonnt mit der Aura der Schöngeistigkeit umgibt, wird daran gewiss nichts ändern können.
    Auch auf dem iPad, werden die Gratis-Inhalte dominieren.
    Was bleibt, sind jedoch die Kollateralschäden, welche die App-Store-Unkultur hinterlassen wird.
    Aber so weit denken die mehrheitlich auf Apple geeichten Schreiberlinge ja nicht.
    Die irrige Aussicht auf mehr Geld, vernebelt einfach den Verstand.

  8. Daily Lifestream Digest for May 26th | Traces |  26.05.2010 | 23:18 | permalink  

    [...] Shared iPadologie II: Abschied von der analogen Hardware — CARTA. [...]

  9. Tarantoga |  27.05.2010 | 08:29 | permalink  

    Maus und Tastatur stellen sicherlich eine Abstraktionsschicht dar, aber diese ist sehr leicht zu lernen und steigert die Effizienz. Der große Fortschritt von der Kommandozeile zur GUI bestand darin, dass der Nutzer nicht mehr alle Befehle auswendig können muss, sondern sie auf dem Bildschirm symbolisiert findet und nur auswählen muss. Diesbezüglich bietet ein Touchinterface nichts Neues. Mein persönliches Anschauungsobjekt des ungeübten Computernutzers ist meine Mutter. Es kommt vor, dass sie anruft, weil sie vergessen hat, wie das E-Mail Icon aussieht. Der Umgang mit Maus und Tastatur bereitet ihr dagegen überhaupt keine Schwierigkeiten. Insofern sehe ich einen Gewinn durch Touch allenfalls in einer größeren Sinnlichkeit der Benutzung.
    Dieser Gewinn an Sinnlichkeit geht jedoch mit einem Verlust an Effizienz einher. Schon die Bedienung des iPhone leidet darunter, dass man für zu viele Aufgaben 2 Hände braucht. Die berühmte Zoom-Geste ist eigentlich eine Katastrophe der Benutzungsfreundlichkeit. Zum Glück kann man jedenfalls im Browser auch per Doppeltouch auf einen Teil der Webseite vergrößern.
    Wegen seiner Größe braucht man beim iPad zum Schreiben eigentlich sogar 3 Hände, mindestens. Die Ablage im Schoss muss es dann richten.
    Ganz eindeutig werden die Nachteile der Fingerbedienung bei copy&paste Aufgaben: Man vergleiche nur einmal wie mühsam es ist mit den Fingern einige Wörter mitten aus einem Textabsatz heraus zu markieren und wie einfach (und nicht weniger intuitiv) das dagegen mit der Maus ist.
    Das eigentliche Problem sehe ich eher darin, dass es der PC nie richtig ins Wohnzimmer geschafft hat. Wenn man PC nur mit einem ungemütlichen Arbeitszimmer und Bürostuhl verbindet, muss einem das iPad wohl wie eine Befreiung erscheinen. Wenn man sich dagegen seit über 10 Jahren an den PC im Wohnzimmer gewöhnt hat, wenn man es schätzen gelernt hat, beide Hände frei zu haben während man liest, wenn man erkannt hat, dass man in jeder beliebigen Körperhaltung auf der Couch lesen kann, wenn nur der Blick auf den großen Monitor gegeben ist, dann ist die Buchform nur ein unpraktisches Relikt aus alter Zeit. Jeff Jarvis fragte sich nicht umsonst, warum er ein Video auf dem winzigen iPad Bildschirm schauen sollte, wo doch der 42” Bildschirm gleich daneben steht.
    Unter diesem Gesichtspunkt erscheint mir Wireless HDMI als die weit wichtigere Zukunftstechnologie.

  10. Peter |  27.05.2010 | 09:20 | permalink  

    Ich habe eine Frage: Ich hatte mal einen Kindle in der Hand und war sehr angetan davon, wie angenehm sich Texte dank der e-ink Technik lesen lassen. Der Ipad hat doch aber ein herkömmliches Notebookdisplay oder? Haben Sie schon längere Texte längere Zeit auf dem Ipad gelesen? Ist das angenehmer als auf einem normalen MacBook? Danke für eine Antwort !

  11. noName |  27.05.2010 | 09:36 | permalink  

    Ein kleiner Einwurf: Die Furcht mancher Medienleute vor den Apps verstehe ich nicht. Solange über den Browser der Zugang zu allen Webinhalten gewährleistet wird, die Netzneutralität gewahrt wird, besteht keine Gefahr, dass Apple die Nutzer ‘leitet’. Dass Java nicht funktioniert, dürfte so einschränkend nicht sein, zumal HTML 5 besser sein soll.

    Jedenfalls sollten die Verlage nicht nur auf’s iPad setzen. Ja, der Kindle ist echt gut, das Display scharf, angenehm zu lesen (@Peter). Schade nur, dass es zum Beispiel bei den Magazinen nur die Wirtschaftswoche gibt. Spiegel & Co. sollten nachziehen.

  12. noName |  27.05.2010 | 10:10 | permalink  

    DD = Distributions-Diversität
    oder spezieller: DDD = Digitale Distributions-Diversität

  13. Merzmensch |  27.05.2010 | 11:13 | permalink  

    Vielen Dank für Essay, sehr informativ, wenn ich auch nicht jeden Punkt einsehe.
    Auf jeden Fall ändert iPad unsere Lesekultur, vor allem, weil dieses System es erlaubt, transmediale Werke zu rezipieren. Denn nun hat man nicht mehr mit der Starre des Gedruckten zu tun, sondern die neuen multimedialen Möglichkeiten werden garantiert einen neues literarisch-künstlerisches Medium schöpfen. (Man denke an Kombinationen zwischen Text und Sound, Bild und Video, Interaktivität etc. – die Elemente, die von den konservativen Papier-Befürworter zunächst mal als “Spielereien” angesehen werden; diese Elemente werden jedoch unsere Rezeptionsweise, unseren Zugang zur Information im Grunde ändern).

    Doch nach der Daten-Speicher-Evolution von Ton/Papyrus durch Papier zu elektronischen Medien stehen uns dokumentarlose Zeiten bevor. Denn wenn auch die Daten für Jahrhunderte gespeichert werden können – ob es künftig möglich sein wird, das Gespeicherte überhaupt aufrufen zu können? Ob die künftigen Archäologen mit der notwendiger Technik ausgestattet werden, um diese seltsamen Gegenstände wieder zum laufen zu bringen? Man denke nur an 5,25?-Diskette: man kann heutzutage kaum noch Lesegeräte dazu finden – und das ca. 20 Jahre nach aktiver Nutzung dieses Mediums.

    Und Papyrus muss man weder einschalten, noch aufladen, Papyrus ist bereits lesbar.

    Ich vermute, unsere Informationswelt wird parallel digitale und analoge Datenspeicherung beibehalten, sonst wird die Gegenwart irgendwann nach Oblivion reisen müssen…

  14. theo |  27.05.2010 | 13:27 | permalink  

    Schöner Werdegang einer Genealogie des bildungsbürgerlichen, inkorporierten Kulturkapitals des Buchliebens zum Nachdenken über die Gegenwart und die Zukunft und über die Lebensphilosphien von Texten via Tafel-PCs.

    Kulturkapital (http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelles_Kapital#Inkorporiertes_Kulturkapital)

  15. Gundolf S.Freyermuth |  27.05.2010 | 13:30 | permalink  

    @Peter: Ich lese seit Dezember auf dem Kindle. Der große Vorteil des E-Ink-Displays besteht darin, dass man gut draußen lesen kann, in der Sonne. Habe gleich über Weihnachten bei uns in Arizona ein Buch nach dem anderen auf der Terrasse verschlungen. Brauche eigentlich inzwischen eine Lesebrille, doch das Display war bei hellem Tageslicht so klar, dass ich das erste Mal seit langem wieder ohne Brille lesen konnte. Sehr schlecht ist es aber bei Kunstlich, etwa abends im Bett. Da ist das Display zu kontrastarm, reflektiert leicht das Leselicht. Die Situation beim iPad hingegen ist genau umgekehrt: Draußen selbst bei der spärlichen Sonne dieses deutschen Frühjahrs ist das Lesen anstrengend. Besser zwar als auf dem Schirm eines Macbooks, aber noch lange nicht angenehm. Drinnen oder abends im Bett dagegen super. Und der Lese-Anschluss ist ja nahtlos: Man liest auf dem Balkon auf dem Kindle, geht rein, öffnet die Kindle-Applikation und liest da weiter, wo man war … Last but not least: Zeitungen und Magazine. Was da fürs Kindle angeboten wird – etwa die FAZ – finde ich unerträglich: reiner Text, kein Layout, unbequem zu navigieren etc. Da kommt beim Stand von E-Ink nichts anderes als ein Touch-Tafel-PC in Frage – wenn die Verlage endlich ordentliche Angebote präsentieren. Doch dazu mehr im dritten Teil der iPadologie.

  16. Gundolf S.Freyermuth |  27.05.2010 | 13:41 | permalink  

    @Merzmensch: Guter Punkt! Wir können das Problem und seine bisherige Lösung sehr gut im audiovisuellen Bereich verfolgen. Obwohl ja immer mehr digital gedreht wird und obwohl nahezu alles, was noch auf Zelluloid gedreht wird, anschließend für die Postproduktion digitalisiert wird und obwohl auch die digitale Distribution wächst, wird all dieses digitale AV-Material in der Regel nicht auf Festplatten oder DVDs, sondern auf Zelluloid archiviert! – Ich denke allerdings, dass Papier auch nicht das beste und sicherste Archivmaterial ist. Film – Varianten von Mikrofiche – scheint mir auch für Texte bzw Text-Bildkombinationen wie Magazine oder transmediale Kombinationen wie in iPad-Apps sinnvoller. – Jedenfalls, wenn man noch traditionell archivieren will. Eine der digitalen Kultur vielleicht angemessenere Form ist die distribuierte redundante Speicherung auf Hunderten von Servern rundum diesen Planeten, wie es das WWW und Google und und ja vormachen … – Auf jeden Fall ein Problem, dass seiner idealen Lösung noch harrt.

  17. Das gedruckte Buch – ein Auslaufmodell? « shockreality's blog |  27.05.2010 | 13:47 | permalink  

    [...] ein Auslaufmodell? Mai 27, 2010 Einen Kommentar hinterlassen Kommentare lesen In seinem Artikel bei Carta legt Gundolf S. Freyermuth für mich überzeugend dar, warum das bedruckte Papier ein [...]

  18. Gründe für eine Zukunft der Zeitung |  27.05.2010 | 16:00 | permalink  

    [...] Die Geschmackssache. Einerseits stimmt es ja: Eine Zeitung hat was Schönes. Andererseits hat selbst Giovanni di Lorenzo schon geklagt, er könne seine “Zeit” nur schwer im Bett lesen. Und die Aussage setzt voraus, die Zeitung sei das einzige Medium mit einer eigenen Haptik, mit einer Sinnlichkeit. Doch streicheln wir eine Zeitung? Selten. Wer sich nach der Lektüre eines Blattes die Hände wäscht weiß auch, dass dies eine mittelmäßig gute Idee wäre. Im Gegensatz dazu streicheln wir aber unser Iphone. Oder unser Ipad. Da besteht eine besondere Bindung zu technischen Geräte, wir haben sie gerne in der Hand. Und somit könne wir auch sagen: “Unser Handy ist etwas sinnliches” – ganz ohne Händewaschen. Zu diesem Thema gibt es einen exzellenten Beitrag auf Carta.info. [...]

  19. Christoph Kappes |  27.05.2010 | 17:59 | permalink  

    Ich bin immer wieder verblüfft, wieviel intellektuellen Überbau namhafte Feuilletonisten und habilitierte Medienwissenschaftler für ein neues Endgerät produzieren.

    Hat es bei Spielekonsolen auch schon so eine Diskussion gegeben? Auch dies sind geschlossene Plattformen, die keine elaborierten Anwendungen zulassen und einfachst zu bedienen sind.

    Hat man auch schon beim Iphone über die neue Beziehung zwischen Mensch und Computer diskutiert? Das gemeinhin als Telefon bezeichnete Gerät ist immerhin eine UNIX-Maschine, die ihr Konsolenwesen verbirgt.

  20. Surfer |  27.05.2010 | 18:15 | permalink  

    Puh, geht das nicht kürzer und fokussierter? Auch diese Länge des Textes spricht mir eher dafür, dass das mit dem Wechsel von Papier zu digital, insbesondere im Buchbereich noch lange dauern wird.
    Ich merke zwar auch, dass digitale Mediennutzung mittlerweile einen viel größeren Raum in meinem Medienkonsum als die papierne einnimmt – schlicht vor allem deswegen, weil ich kaum noch gedruckte Periodika und relativ wenig Bücher lese. Wikipedia hat sicher nicht nur bei mir weitgehend das Lexikon ersetzt. Die Entwicklung und Verbreitung von E-Books und die dafür nötigen Infrastrukturen stecken aber im Vergleich zum gedruckten Buch und auch im Vergleich zum Onlinejournalismus noch völlig im Anfangsstadium, so dass es im Buchbereich sicher noch etliche Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen wird, bis man von einem nennenswerten Wandel und Übergang vom analogen Buchmedium zum digitalen sprechen kann. Tablets und E-Books stoßen diesen Wandel sicher heute schon an und ich stimme auch zu, dass es sich beim Tablet um eine entscheidend neue Geräteklasse handelt, die die Mediendigitalisierung beträchtlich forcieren wird. Aber dieser Wandel wird beim Buch sehr lange dauern, weil man schwerlich umgehend alle bisher bestehenden Bücher wird digitalisieren können. Das ist der entscheidende Unterschied bei der Digitalisierung von Periodika wie Zeitungen und Zeitschriften zu der Digitalisierung von Büchern. Die Buchkultur ist eine viel nachhaltigere und läßt sich daher auch nur viel langwieriger umstellen..

  21. noName |  27.05.2010 | 18:48 | permalink  

    @Christoph Kappes, meinen Sie wirklich die Habilitierten?

  22. e-book-news.de » Blog Archive » Abschied vom Lachs-Papier: Stellt die Financial Times in den nächsten fünf Jahren die Druckerpressen ab? |  27.05.2010 | 19:23 | permalink  

    [...] im vergangenen Jahrzehnt verloren haben”, schrieb Gundolf S. Freyermuth gerade in Folge 2 seiner “Ipadologie” im Hinblick auf die jugendlichen Leser in U-Bahnen und Flughafen-Lounges, die auf die Displays von [...]

  23. AK Digitale Gesellschaft der SPD Schleswig-Holstein |  28.05.2010 | 03:02 | permalink  

    links for 2010-05-27…

    Death of the "open Web": Greatly exaggerated
    How to be wrong and offensive: Argue that the untamed Internet is inspiring "white flight" to Apple's walled garden
    (tags: internet a…

  24. Helmut Schwarzer |  28.05.2010 | 05:25 | permalink  

    Zu Herrn Freyermuths Aeusserungen kann ich nur sagen ” Armer Trottel”. Obendrein schreibt er ein schauderhaftes pseudo-techno-dumm-deutsch.

  25. JF |  28.05.2010 | 12:40 | permalink  

    Der Herausgeber des Blicklog gestand gestern, dass er Apple shorted,
    als boeser Spekulant mal auf was anderes setzt. Nicht nur weil ihym der
    ganze Medeinrummel um iPad auf den Keks geht, sondern auch die
    Marktaussichten vielleicht nicht so toll sind.
    Es ist auf jeden Mal mal eine bewusst offene Provokant, ein Spiel,
    um dann mal zu sehen wie es wirklich ausgeht. Irgendwer muss in der
    Szene ja umruehren. Ein bisschen Staub aufwirblen kann sich nicht schaden:
    http://www.blicklog.com/2010/05/27/bser-spekulant-mit-leerverkauf-ich-gestehe-apple-geshortet-zu/

    Es waere auf jeden Fall nicht das erste Mal dass die Medien letztendlich
    Ungluecksraben per se sind im wriklichen Leben. Naemlich erst mal was
    hochhypen – um dann, ein wenig, mit schlechten Nachrichten aufwarten
    daher zu kommen. Management by surprises and experiences.
    Surprises and expereinces kann es in diesem Fall schon mal deswegen
    geben als man es hier mit Massenmedien zu tun hat und damit mit
    einer ziemlich grossen Zahl von Konsumenten. Und was die machen
    steht da schon mal in den Sternen. Da kann man schon deswegen mal
    etliche Fragzeichen in die Landschaft. Weil so herrlich und so konsequent
    wie die Masse der Konsumeten ignoriert wird ist an und fuer sich ein
    Grund – fuer einen Profi, der sich das Spiel leisten kann, Grund genug
    um da mal auf Leerverkauf zu machen.

    Fuer einen Blick auf den Medienmarkt im weitesten Sinn:
    da diese Hype von den USA ausgeht, ein kurzer Blick auf die Website
    von zwei Zeitungen:
    die Dallas Morning News (seit langem schon auf dem Weg nach uinten)
    die sich dadurch auszeichnet, dass es die Oelverpestung im Golf von
    Mexiko erst gar nicht gibt. Kein Thema ist.
    http://www.dallasnews.com/

    das selbe ziemlich aehnlich im Orlando Sentinel, Florida. Da gibt es
    dieses Thema wohl, aber nur sehr weit unten, und wenn dann eigentlich
    nur eher frivol:
    http://www.orlandosentinel.com/

    Das nur mal, um einen grundsaetzlichen Blick auf den Medienmarkt
    zu werfen. Es ist nicht auszuschliessen dass in USA die Konsumenten
    ihr Verhalten weiter so fortsetzen wie bisher, dass sie naemlich, so ihnen
    eine Zeitung auf den Keks geht, diese als Zeitverschwendung empfinden,
    dann schon auch mal ganz loswerden.

  26. Gundolf S.Freyermuth |  28.05.2010 | 13:25 | permalink  

    @JF: Auch ich habe 90% meiner Apple-Aktien verkauft. Viele vergessen ja, dass der wunderbare Macintosh, der die GUI-Revolution 1984 einleitete, in den ersten Jahren ein ökonomisches Desaster war. Der Apple II verkauft sich damals noch lange besser als der Mac. Der Mac war lange ein Nischenprodukt. Was sich im Rückblick natürlich technik- und kulturgeschichtlich ganz anders ausnimmt … Also: Keine zwangsläufige Korrelation zwischen unmittelbarem ökonomischem Erfolg und langfristiger historischer Bedeutung. – Und was die Bemerkungen zu (deutschen wie amerikanischen) Zeitungen angeht: Ja, nur würde ich nicht von “Unglücksraben”, sondern von weitgehend selbstverschuldetem Unglück sprechen. Dazu mehr in ein paar Tagen im dritten Teil.

  27. Morisko |  30.05.2010 | 13:07 | permalink  

    Ich halte es für ziemlich vermessen, ‘Zeug’ als funktionierend zu deklarieren, wenn es sich um komplexere Systeme handelt. Wann soll der entsprechende Punkt erreicht sein? Ein durchschnittlicher Viktorianer hätte das Transportsystem seiner Zeit (Eisenbahnen/Kutsche) im Sinne des Autors sicher als ‘funktionierend’ bezeichnet. Funktioniert unser heutiges Verkehrssystem – also Autos? Im Sinne des ‘nicht mehr selber herumschrauben’ anscheinend schon. Dann können BMW und Mercedes ihre Entwicklungsabteilungen ja abwickeln.

    Der obige Essay greift auf viele Überlegungen zurück, die schon vor 15 Jahren intensiv diskutiert wurden. Und er greift nicht nur deshalb zu kurz.

  28. Otmar |  01.06.2010 | 08:20 | permalink  

    Mir ist unverständlich wie Medienexperten so grandios auf die “magischen” Marketingkünste eines Steve Jobs hereinfallen und sich gegenseitig in höchste Erwartungen hochschaukeln können.

    Zumal es an heftiger Kritik von US-Usern derzeit nicht fehlt:

    “Nick Denton, the founder of Gawker Media, brutally describes them as “a step back to the era of CD-ROMS.”
    http://www.slate.com/id/2253821/

    The problem with this is that Apple doesn’t give back nearly as much data as having your own website would, Hippeau says. He thinks Apple will have to learn that media organizations live off of this data.

    Pearlstine agrees, saying that the key for traditional publishers is their lists of subscribers. More importantly, they have their payment information. With iPad apps, Apple has that information, and that will be a problem for a lot of media companies.
    http://goo.gl/cKj9

    The entire impulse behind Amazon’s Kindle and Apple’s iBooks assumes that you cannot read a book unless you own it first — and only you can read it unless you want to pass on your device.

    That goes against the social value of reading, the collective knowledge and collaborative discourse that comes from access to shared libraries. That is not a good thing for readers, authors, publishers or our culture.
    http://www.nytimes.com/2010/05/30/opinion/30sun4.html?ref=todayspaper

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will die hervorragende Leistung von Apple mit iPhone und iPad nicht bestreiten. Erschreckend ist nur, dass hier unter dem Begriff iPadologie etwas impliziert wird, was noch zu beweisen ist:

    Wirtschaftlicher Erfolg für Medien mit iPad Apps.

  29. Surfer |  01.06.2010 | 15:19 | permalink  

    Die Hoffnung auf sonderlich große Verwertungsmöglichkeiten von Onlinemedien mit dem iPad ist schon deswegen fraglich, weil Apples iPad ja nicht das einzige Tablet ist. Apps müßten also auf sämtlichen Tablets, warum eigentlich nicht auch auf PCs verbreitet werden …? Schließlich gibt es auch für die Mausbedienung Touch-Pads. Ein Gerät, das noch kaum verbreitet ist und noch kaum jemand kennt, wenn man es nicht zufällig im Elektronikladen sieht.
    In Deutschland wird angeblich der Absatz von 2 Mio. iPads für möglich gehalten. Ohne Zweifel ein großer Batzen. Aber ob deren User bei freiem Internet alle Apps lesen, ist noch fraglich. Wobei ich die weitgehend originale Abbildung bisheriger Printtitel (wie z.B. BILD o. Spiegel) in Apps ganz interessant finde.

  30. Damian Duchamps |  01.06.2010 | 21:07 | permalink  

    Ich denke, die Hauptfunktion des iPad ist wie beim iPhone die eines Katalysathors, der Dinge in Bewegung setzt. Genauso wenig wie die gegenwärtige Smartphone Entwicklung ohne das iPhone in dieser Art nicht in Gang gekommen wäre, so löst das iPad eine Entwicklung aus, die in ihren Folgen noch nicht abzuschätzen ist.

  31. noName |  07.07.2010 | 10:04 | permalink  

  32. JUICEDaniel |  31.07.2010 | 05:23 | permalink  

    Netter Artikel, danke! Frage: Wo ist denn der dritte Teil der iPadologie geblieben? Zitat: “Der dritte und letzte Teil der iPadologie wird daher die bisherigen Stimmen zur erwarteten Software(r)evolution versammeln und reflektieren.”

  33. Gundolf S.Freyermuth |  07.08.2010 | 04:41 | permalink  

    @JUICEDaniel: Danke für die Nachfrage. Die Software musste sich erst einmal langsam entwickeln :-) Im Ernst: Im Mai war die Sachlage noch etwas dünn, weshalb ich ein wenig warten wollte – und dann brach sehr viel Arbeit über mich herein. Ich hoffe, ich werde den dritten Teil noch diesen Monat schreiben können.

  34. JUICEDaniel |  07.08.2010 | 14:44 | permalink  

    Alles klar, danke für die Info. So lange empfehle ich http://juiced.de/blog/steve-jobs-und-das-ipad-kein-messias-und-nur-eine-maschine-1/5997/ :-)

  35. Holmeor Kowa |  25.09.2010 | 00:16 | permalink  

    @Christoph Kappes: “Habilitiert?” Der Autor ist es m. E. nicht; hat sogar erst sehr spät promoviert (mit 50), um für uns jetzt den Forscher zu geben. Leidet, wie der dünne Text zeigt, heute noch an dem Etiketten-Shift vom Journalisten zum Gelehrten. Am Ende ist er beides nicht richtig. Ich ziehe einen guten Journalisten, der GF mal war, einem angestrengten Alt/Jungwissenschaftler vor. Und an diesem Text ist doch nur seine unredigierte Überlänge “digital” – das würde niemand jemals auf Papier drucken, und zurecht. Zuweilen steht da richtiger Quatsch, der die Debatte richtig denunziert und alle Vorurteile nur bedient. Das werde ich nun nicht noch zitieren; beim zweiten Lesen spätestens springt es einen an.

  36. noName |  12.11.2010 | 13:33 | permalink  

    Zur Software-Welt des iPads:

    Das iPad als mobiles (Schreib-)Büro: http://splashtopremote.com/ + http://www.dropbox.de/ +
    Handdiktiergerät mit Software auf Hauptrechner.

    Inspiriert durch: http://www.wiwo.de/technik-wissen/sonne-wind-und-diktiergeraet-447068/

  37. Analoge Reste: Von der mühsamen Ankunft der Buchbranche im Medienwandel » netzwertig.com |  20.10.2011 | 08:01 | permalink  

    [...] der letzten Jahre im Rahmen der Frankfurter Buchmesse regelmäßig als Branchenschreck und/oder –erlösung auf – mit für den deutschsprachigen Markt bis heute marginalen Auswirkungen auf Anbieter und [...]

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