Robert Basic: Harlekin in der Social-Media-Manege

Die Grenze vom Erhabenen zum Lächerlichen ist bisweilen schnell überschritten. Diese Erfahrung darf gerade Robert Basic machen, dem es nun doch gelungen ist, seinen Twitteraccount @RobGreen zu verkaufen und gleich wieder zurückgeschenkt zu bekommen. Auf Twitter scheiden sich darüber die Geister.

Vor etwa einem Jahr hat Robert Basic sein Blog verkauft und dafür sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien erhalten. Dazu bekam er eine beachtliche Summe Geld, verloren hat er in der Folge allerdings seine starke Stellung als Meinungsmacher im deutschsprachigen Social Web.

Als er im Dezember 2009 ankündigte, er werde jetzt seinen Twitteraccount @RobGreen meistbietend verkaufen, weil er für sein Projekt Buzzriders Geld brauche, war das Echo deutlich verhaltener. Zudem schien ein Verkauf des Accounts auch nicht zustande zu kommen, so dass die Aktion schon als beendet galt.

Aus heiterem Himmel trat nun doch ein Käufer auf, der allerdings nur einen einzigen Tweet verbreitete, um dann den Account umgehend wieder an Robert Basic zurück zu schenken. Seither schlagen auf Twitter die Wogen hoch und es überwiegt ein kritischer Tenor, wie der Hashtag #RobGreen zeigt. Der genaue „Kaufpreis“ ist nicht bekannt.

Zweifellos bringt die Sache ein paar Schlagzeilen, wirklich gute PR aber sieht anders aus. Robert Basic muss sich die Frage gefallen lassen, ob diese Aktion nicht des Guten zu viel ist und ob er damit seinem Projekt (sowie dem Ansehen seiner Person) nicht mehr schadet als nutzt.

Buzzriders selbst steht inzwischen auch schon im Ruf eines ewigen Stealth-Mode-Projektes, das nicht so recht aus der Konzeptionsphase in die Umsetzung finden will. Ursprünglich sollte damit der Lokaljournalismus neu gedacht und mit den Instrumenten des Social Web umgesetzt werden. So bemerkenswert der Ansatz auch ist, das Projekt hängt seiner ursprünglichen Zeitplanung sichtlich hinterher und kann noch nicht einmal den Ansatz eines funktionierenden Prototypen vorweisen.

Viel besser für Buzzriders wäre es deshalb gewesen, Robert Basic hätte sich flankierend Expertise aus Journalistenschulen oder Akademien geholt, anstatt allein auf die Netz-Community zu setzen. Damit hätte sein Projekt auch integrierend wirken und sich geschickt zwischen der Blogosphäre einerseits und den Traditionsmedien andererseits positionieren können. Nicht auszuschließen ist, dass sich über diesen Weg auch ein seriöser Weg der Vorfinanzierung hätte finden lassen, denn die Versteigerung eines Twitter-Accounts ist eine ganz und gar unwürdige Aktion, mit der die Follower im wahrsten Sinne des Wortes für dumm verkauft werden.

Ein Twitter-Account ist keine beliebige Ware, sondern ein individuelles Gefüge von Beziehungen und damit ein Vertrauenskapital. Welcher gute Kaufmann würde so etwas leichtfertig aufs Spiel setzen?

Robert Basic hat es getan und sich damit eindeutig zwischen die Stühle gesetzt. So steht er zunehmend wie ein Harlekin in der Manege, der darauf hoffen muss, dass über seine Witze herzlich gelacht wird. Mit Social-Media-Expertise hat das wenig zu tun und visionäres Community-Building sieht anders aus.