Hanno Beck

Öffentlich-Rechtliche: Ein Reformvorschlag in Form eines Rundfunkfonds

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Der öffentlich-rechtliche Auftrag ist bei den Rundfunkanstalten nicht immer in den besten Händen. In Zukunft sollten die Gebühren in einen “Rundfunkfonds” fließen, um dessen Mittel sich alle bewerben könnten, die Qualitätsinhalte anbieten wollen.

07.01.2010 | 

von Hanno Beck und Andrea Beyer

Die öffentlich-rechtlichen Sender kommen in diesem Jahr nicht aus den Schlagzeilen heraus, die sie selbst produzieren: Da wird der Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) zum Streitfall für die Politik, die Fernsehspielchefin des NDR wird entlassen, nachdem sich herausstellt, dass sowohl sie als auch ihr Mann unter Pseudonymen Drehbücher verfasst und beim Sender eingereicht haben. Der Bundesverband der Fernseh-und Filmregisseure spricht in einer Reaktion auf diesen Fall von einer „krakenhaften Ausdehnung öffentlich-rechtlicher Anstalten … vor allem in den Bereichen Produktion, Technik und Rechtehandel“.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Skandale um Schleichwerbung, Bestechlichkeit und Vorteilsnahme. So wird der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks im Oktober 2008 wegen Bestechlichkeit und Untreue sowie der Beihilfe zur Bestechung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, eine Fernsehgarten-Moderatorin hat ohne Wissen des ZDF für eine Diätfirma Schleichwerbung gemacht (und wird nach vorübergehender Kündigung wieder eingestellt), und in einer täglichen Serie der ARD wurde über zehn Jahre hinweg systematisch Schleichwerbung betrieben – Firmen konnten sogar Handlungsstränge und Dialoge für ihre Produkte bestellen.

Auch wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk kein Monopol auf Medienskandale hat, so sind diese Vorgänge doch als besonders negativ zu werten, da ein wichtiges Argument für dessen Existenz darin besteht, eine ausreichende Distanz des Rundfunks zur Politik und zum Staat herstellen sowie qualitativ hochwertigen Journalismus anbieten zu können – einem freien Rundfunkmarkt traut man dies nicht zu. Mehr als sieben Milliarden Euro werden jährlich für diese Ziele ausgegeben. Man kann sich fragen, ob dieses Geld gut angelegt ist. Dabei scheint es bei der Gestaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks deutliche Verbesserungspotentiale zu geben.

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Quelle: GEZ, Geschäftsbericht 2004, 2008. Die Differenz der Gesamterträge 2007 und 2008 zu der Summe der Hörfunk- und Fernsehgebühr resultiert aus den Einnahmen aus den Gebühren auf neuartige Rundfunkgeräte, die seit 2007 anfallen.

Zunächst muss man konstatieren, dass die Gebühreneinnahmen der Sender in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gestiegen sind – was angesichts der Gestaltung des Budgetierungsprozesses zu erwarten ist (vgl. Tabelle). Die Bedarfsanmeldung durch die Sender dürfte strategischer Natur sein und enthält keine wirksamen Anreize zum wirtschaftlichen Umgang mit Ressourcen: Ein steigendes Budget führt zu einer höheren Bedarfsmeldung.

Ansätze für ein alternatives Mediensystem

Die Ziele einer Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunkwesens ergeben sich aus den Anforderungen der Verfassung und des Verfassungsgerichts an das duale System. So müssen

  • Vielfalt und Meinungsvielfalt gesichert sein,
  • die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewährleistet sein und
  • die Bestands-und Entwicklungsgarantie dieser Institution sichergestellt werden.

.
Aus medienökonomischer Perspektive sollte ein solches System zum einen mehr Anreize für wirtschaftliches Verhalten (Effizienz) setzen, zum anderen möglichst wettbewerbsneutral sein (Wettbewerbsneutralität). Dabei kann aus dem Grundgesetz kein Gebot abgeleitet werden, ein bestimmtes Ordnungsmodell zu wählen – damit gibt es die Freiheit, über eine Veränderung in der Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunkwesens nachzudenken. Nicht die Institution des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht also auf dem Prüfstand, sondern dessen Institutionen.

Unabhängig von dem Werturteil, das der Idee eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks zugrunde liegt und das man kritisch hinterfragen sollte, muss als erste Rahmenbedingung für eine Reform sichergestellt werden, dass die Idee eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks unangetastet bleibt. Ein realistischer Reformvorschlag muss sich an den politischen und juristischen Gegebenheiten orientieren. Die Inhalte und Formate des bisherigen Angebotes sowie dessen Umfang sollen also nicht hinterfragt werden. Was allerdings hinterfragt werden soll, ist die Rolle der öffentlich-rechtlichen Anstalten – im Folgenden ist also strikt zu trennen zwischen dem öffentlich-rechtlichen Auftrag und den Institutionen, mit denen dieser Auftrag umgesetzt werden soll. Auch das aktuelle Mittelaufkommen soll nicht in Frage gestellt werden, wenngleich die Summe von 7 Mrd. Euro pro Jahr auf Einsparpotentiale hindeutet.

Rundfunkfonds als Alternative

Zunächst geht es darum, den öffentlich-rechtlichen Auftrag aus den bisherigen Institutionen herauszulösen. Zu diesem Zweck soll das bisherige Mittelaufkommen in einen Rundfunkfonds eingestellt werden, aus dem öffentlich-rechtliche Programmangebote finanziert werden. Hiermit soll sichergestellt werden, dass sich nichts an der aktuellen Höhe des Gebührenaufkommens ändert und die Finanzierung des aktuellen öffentlich-rechtlichen Angebots nicht gefährdet wird. Dieser Schritt hat keinen Einfluss auf die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, er ist rein organisatorischer Natur.

Im Gegensatz zum aktuellen System allerdings soll es beim Rundfunkfonds grundsätzlich allen Anbietern freistehen, sich um Mittel aus diesem Fonds zu bewerben, um damit Beiträge zu erstellen, die den Ansprüchen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entsprechen. Der Fonds kann entweder Ausschreibungen für bestimmte Sendungen durchführen oder aber Initiativ-Bewerbungen von Anbietern zulassen. Er vergibt Aufträge für Angebote mit öffentlich-rechtlichen Inhalten und bezahlt – nach einer Qualitätskontrolle – den Produzenten der Beiträge. Auf diesem Weg wird die Entscheidung über die Programminhalte von deren Produktion getrennt. Ein öffentlich-rechtlicher Auftrag benötigt keine öffentlich-rechtliche Produktion; bereits jetzt senden die Öffentlich-Rechtlichen auch von außen zugekaufte Beiträge unabhängiger Produktionsfirmen. Die tagesaktuelle Berichterstattung kann für einen bestimmten Zeitraum ausgeschrieben werden. Ein solches Verfahren gibt den Anbietern täglicher Sendeformate Planungssicherheit, ohne dass Anreize verloren gehen, weiterhin hohe Qualitätsstandards zu liefern.

Mehr Wettbewerbsneutralität

Diese Lösung hat den Vorteil einer größeren Wettbewerbsneutralität: Grundsätzlich kann sich jeder Anbieter um Mittel aus dem Fonds bewerben, damit hat auch jeder Anbieter die gleichen Chancen auf diese Mittel. Solange die Vergabepraxis transparent ist, kann jeder öffentlich-rechtliche Programminhalte mit den dafür bestimmten Mitteln aus dem Fonds produzieren und diese Inhalte an den Fonds verkaufen. Dies entspricht dem üblichen Vorgehen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge.

Mehr qualitätswirksame Anreize

Außerdem dürfte der Kampf um Aufträge aus dem Rundfunkfonds die Qualität der Beiträge verbessern und deren Kosten reduzieren. Im aktuellen System gibt die Bestandsgarantie, gepaart mit dem ständig steigenden Budget und der fehlenden Konkurrenz, keine Anreize zu effizientem Verhalten. Die Möglichkeit, auch auf eigene Initiative Sendungen dem Fonds anzudienen, dürfte zudem erhebliches kreatives Potential bei den Anbietern freisetzen – zum Wohle der Zuschauer.

Auch den öffentlich-rechtlichen Anstalten könnte dieser Wettbewerb zu Qualitätssteigerungen verhelfen, denn sie wären gezwungen, um Mittel zu konkurrieren und sie müssten mit ihren Mitteln effizienter umgehen. Die privaten Anbieter allerdings müssten sich den hohen Qualitätsstandards anpassen, welche der Fonds für die von ihm bestellten Produktionen verlangt.

Mit dem neuen Anreizsystem müssen weder an den Inhalten, noch an deren Qualität, noch am Mittelaufkommen Abstriche gemacht werden. Wenn aber Wettbewerb dazu führt, dass bei den Öffentlich-Rechtlichen Effizienzpotentiale ausgeschöpft werden, dann dürften der gleiche Programmumfang und die gleichen Programminhalte wie im aktuellen System in Zukunft billiger produziert werden. Dies würde eine Erleichterung für den Gebührenzahler bedeuten.

Mehr Trennschärfe und weniger staatlicher Einfluss

Weiterhin wäre die Fondslösung auch mit der jüngsten EU-Rechtsprechung kompatibel, da auf diesem Weg eine klare Trennung öffentlich-rechtlich gewünschter Inhalte und kommerzieller Inhalte möglich wäre – was über den Fonds finanziert wird, ist öffentlich-rechtliches Programm, alles andere ist kommerziell. Wenn sich auch Produzenten aus den anderen EU-Ländern um Aufträge aus dem Rundfunkfonds bewerben könnten, würde dies den Gedanken eines europäischen Gemeinsamen Marktes stärken.

Die Frage nach dem staatlichen Einfluss auf die Vergabepraxis des Fonds ist schwieriger zu beantworten: dieser hängt von der Organisation des Fonds ab. Die Aufsicht über den Fonds – die Programmgestaltung, Auftragsvergabe, Mittelverwendung und -kontrolle sowie die Qualitätskontrolle muss von einem unabhängigen Gremium übernommen werden, das keinem Einfluss von staatlicher oder politischer Seite ausgesetzt ist.

Im aktuellen System wird diese Aufgabe bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten zum Großteil von den Rundfunkräten bzw. dem Fernsehrat wahrgenommen. Aus pragmatischen Gründen ebenso wie aus Akzeptanzgründen wäre es naheliegend, diese Aufgabe innerhalb des Rundfunkfonds zunächst den bisherigen Rundfunkräten anzuvertrauen, auch wenn die Gefahr besteht, dass die Auftragsvergabe damit zunächst die privaten Sender benachteiligt, da diese sich als Außenseiter um Aufträge bewerben. Auf lange Frist wäre es nötig, diese Räte aus den organisatorischen Strukturen der öffentlich-rechtlichen Sender herauszulösen und dem Rundfunkfonds zuzuordnen. Die Grundstruktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – unabhängige Gremien entscheiden über Programmgestaltung und -finanzierung – bleibt damit erhalten. Demgegenüber ändert sich die organisatorische Einbindung der Aufsichtsgremien. Diese sind nicht mehr für bestimmte Sendeanstalten verantwortlich, sondern allein für ihr Programm.

Will man das Problem staatlicher Einflussnahme auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ernsthaft lösen, sollten weitergehende Schritte erwogen werden. Beispielsweise könnte man die Kontrollgremien – ähnlich wie bei den Sozialwahlen in den Sozialversicherungen – einer Abstimmung unter den Bürgern aussetzen. Auch das dürfte den Einfluss der Politik reduzieren. Eine solche Wahl wäre dem aktuellen System vorzuziehen, in dem die Besetzung der Rundfunkräte sehr heterogen und alles andere als transparent gehandhabt wird. Am Ende dieses Prozesses steht ein Fonds, der öffentlich-rechtliche Mittel verwaltet, um aus diesen Mitteln öffentlich-rechtliche Rundfunkbeiträge zu vergeben und zu finanzieren; kontrolliert und gelenkt von demokratisch gewählten Institutionen.

Die hier vorgeschlagene Lösung bietet die Möglichkeit, mehr Wettbewerb, Effizienz und mehr Anreize zu wirtschaftlichem und korrektem Verhalten zu erreichen, ohne auf die politisch gewollten und verfassungsrechtlich garantierten Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verzichten. Das duale System bleibt voll erhalten.

Prof. Dr. Hanno Beck lehrt Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim, Prof. Dr. Andrea Beyer lehrt Betriebswirtschaftslehre und Medienökonomie an der Fachhochschule Mainz. Dies ist eine stark gekürzte und leicht editierte Version eines Artikel, den Hanno Beck und Andrea Beyer in der Zeitschrift Wirtschaftsdienst, Heft 12/2009, veröffentlicht haben.

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14 Kommentare

  1. links for 2010-01-08 « Sikks Weblog |  09.01.2010 | 01:09 | permalink  

    [...] Öffentlich-Rechtliche: Ein Reformvorschlag in Form eines Rundfunkfonds — CARTA Hanno Beck und Andrea Beyer haben schimpfen zunächst über das was die letzten Jahre bei den öffentlich-rechtlichen Sendern so schiefgelaufen ist, haben aber auch einen Alternativvorschlag ausgearbeitet, den man sich mal näher anschauen sollte. Rundfunkfonds könnten die Finanzierung der öffentlich rechtlichen Inhalte übernehmen, liefern könnten diese aber auch andere Sender. Das hätte einige Vorteile und ließe sich relativ einfach umsetzen. (tags: wrb Rundfunkfreiheit) [...]

  2. Tim |  10.01.2010 | 09:24 | permalink  

    Sicher sind auch bei diesem Ansatz noch viele Fallstricke verborgen, aber in die Richtung muß es ganz eindeutig gehen. Vielen Dank für einen ausgezeichneten Diskussionsbeitrag!

  3. Gabor Paal |  10.05.2010 | 14:16 | permalink  

    Im Fall der Unterhaltung mag das funktionieren, aber sonst scheint das doch sehr unausgegoren:
    1. Angenommen, Pro7 bewirbt sich um eine “werbefreies” “öffentlich-rechtliches” investigatives Magazin. Da der Sender sich ansonsten nach wie vor ausschließlich über Werbung finanzieren würde, wäre die journalistische Unabhängigkeit am Ende doch nicht gewährleistet.
    2. Jede Sendung beeinflusst das Gesamtprofil eines Senders. Pro 7 würde insofern schon darauf achten, dass die “ÖR” Sendung inhaltlich ins Gesamtkonzept passt und sich nicht mit den anderen werbefinanzierten Angeboten beißt.
    3. Das gleiche bei den Beschäftigten. Ein Autor/Redakteur beim ÖRR unterliegt gewissen Selbstverpflichtungen (die bekannten Skandale waren ja deshalb Skandale, weil die Verpflichtungen nicht eingehalten wurden). Bei den Privaten nicht. Da darf man, externe “Produktionshilfen” in Anspruch nehmen und z.B. fremdfinanzierte Beiträge senden. Ein System, in dem alle Beschäftigen ständig mit einer Schere zwischen “Jetzt mache ich privat” und “jetzt mache ich öffentlich-rechtlich” leben, ist kaum vorstellbar.
    4. Findet ein Wettbewerb um Fonds-Mittel statt, wird er auch über den Preis laufen. Ein Preisdumping bewirkt aber das Gegenteil von journalistischer Qualität.
    5. Es scheint fraglich, dass das skizzierte Gremienmodell wirklich besser, effizienter und transparenter ist als die – zugegebenermaßen nicht immer befriedigenden – Strukturen der Gegenwart. Wenn Bürger Gremien wählen, wie soll das gehen? Alle 4 Jahre Gremienwahl mit Spitzenkandidaten, die irgendwelche Versprechungen machen? Die Gefahr ist groß, dass das System dadurch noch mehr politisiert würde als es ohnehin schon ist.

  4. F. Mainberg |  23.06.2011 | 10:46 | permalink  

    Unabhängig von der Idee des Fonds ist ein Blick auf die Einnahmesituation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu werfen. Die Bemerkung “steigt kontinuierlich” suggeriert, daß bedenkenlos Gebührenerhöhung von der öffentlich-rechtlichen Anstalten verlangt und gewährt wird. Was außer acht gelassen wird: Die gesamte Preisentwicklung geht nach oben. Dabei bewegen sich die Gebührenerhöhungen im Vergleich zu den Preiserhöhungen der Tageszeitungen in relativ gemäßigtem Rahmen.
    Allein zwischen 2008 und 2009 wurden etwa die Abo-Preise ider Tageszeitungen m durchschnitt um 4,6 Prozent und die Einzelverkaufspreise um 6,1 Prozent angehoben. Diese Werte liegen deutlich über der allgemeinen Teuerungsrate. (vgl. “Performance-Analyse Tageszeitungen 2009/2010″ bei Kirchner + Robrecht .) Dagegen ist die Gebührenentwicklung bei den öffentlich-rechtlichen (vgl. http://www.kef-online.de/inhalte/entwicklung.html) fast human zu nennen.

  5. Knitterbart |  25.06.2011 | 14:53 | permalink  

    @F. Mainberg

    Ich würde schon von einer “fast” bedenkenlosen Gebührenerhöhung sprechen. Denn sie wird ab 2013 durch die Hintertür kommen: denn jeder Pravathaushalt wird dann neben der Pflicht zu einer vollen privaten Rundfunkgebühr außerdem durch Rundfunkgebühren erhöhte Nebenkosten des Gewerbes und der Selbstständigen mit jeder Rechnung und an jeder Kasse bezahlen.
    Vergessen haben Sie bei Ihrem Vergleich andererseits, daß man die Tageszeitung noch abbestellen kann – ganz im Gegenteil zur “öffentlich-rechtlichen Zwangsbeglückung”.
    Ebenfalls übersehen Sie, daß bereits die derzeitige Gebühr von 17,98 EUR / Monat prozentual schon über der Entwicklung der Brutto- und erst recht der Nettolöhne in Deutschland liegt.
    Ferner wird immer nur vom Finanzbedarf der Rundfunkanstalten gesprochen, nicht aber öffentlich diskutiert, was “Bedarf” (oder Grundversorgung) einer abnehmenden Bevölkerung ist. Zudem geht es auch vorbei an der Realität einer zurückgehender Anzahl an Gebührenzahlern (durch Bevölkerungsrückgang oder Gebührenbefreiung) – die Politik sucht dann in ihrer Gesetzgebung ausschließlich nach neuen Einnahmequellen. Daß dann in der Folge die an sich gebührenbefreite Oma erhöhte Rundfunkgebührenanteile bei ihren Lebensmitteleinkäufen etc. hat, wird dabei gern unterschlagen.

  6. F. Mainberg |  25.06.2011 | 18:54 | permalink  

    Wollen wir doch nicht vergessen, daß die gebührenbefreite Oma bei ihren Lebensmitteleinkäufen schon längst permanent für das Fernsehen bezahlt, nämlich für das werbefinannzierte Kommerzfernsehen.
    Daß die Entwicklung der Rundfungebühr über der der Lohentwicklung liegt, entspricht nicht den Tatsachen und ist auch unergiebig, weil bei dem entscheidenden Vergleich von Printmedien und öffentlich-rechtlichem Rundfunk in jedem Fall die Preisentwicklung der Printmedien jener des Rundfunks weit voraus ist.
    Zur Grundinformation lohnt sich ein Blick in Wikipedia, wo sich die moderatie Entwicklung der Rundfunkgebühren ablesen läßt Dabei zeigt sich, daß icm Kaufkraftvergleich die Steigerung nahezu minimal ausfällt.

    Daß in den letzten Jahren das Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten noch ausgeweitet wurde 8arte, Phoenix usw.) sei nur so nebenbei bemerkt.

  7. Knitterbart |  26.06.2011 | 18:37 | permalink  

    @F. Mainberg

    „Wollen wir doch nicht vergessen, daß die gebührenbefreite Oma bei ihren Lebensmitteleinkäufen schon längst permanent für das Fernsehen bezahlt, nämlich für das werbefinannzierte Kommerzfernsehen.“
    - altbekanntes und dennoch nicht richtiges Todschlagargument. Selbstverständlich zahlen wir alle für JEDE Form von Werbung (sei es Anzeigenwerbung, Radio- oder Fernsehwerbung, ja sogar für Plakatwerbung). Abgesehen davon, daß der aufgeklärte Kunde durchaus bewußt auf bestimmte beworbene Artikel verzichten kann, muß man natürlich feststellen, daß ein genereller Verzicht auf Werbung einen in die Vorindustrialisierung führt.

    „Daß die Entwicklung der Rundfungebühr über der der Lohentwicklung liegt, entspricht nicht den Tatsachen und ist auch unergiebig, weil bei dem entscheidenden Vergleich von Printmedien und öffentlich-rechtlichem Rundfunk in jedem Fall die Preisentwicklung der Printmedien jener des Rundfunks weit voraus ist.“
    - Ich halte den Vergleich zwischen Kosten von Printmedien und öffentlich-rechtlichem Rundfunk nicht für zulässig (oder “entscheidend”), um zu klären, was teurer geworden ist. Dazu haben beide viel zu unterschiedliche Rahmenbedingungen (und seien es nur die Papierkosten). Vergleicht man dagegen die Rundfunkgebühren (z.B. anhand der Zahlen der KEF zwischen 1991 und 2010) mit den Brutto- und Nettoeinkommensteigerungen desselben Zeitraumes, dann fällt die Rundfunkgebühr deutlich zu hoch aus. Im übrigen fehlt den Printmedien die vergleichbare Finanzierung ihrer Internetangebote. Daß Öffentlichrechtliche Zwangsgebühren auf das Internet dann Modelle wie “Leistungsschutzrechte” oder “Kulturflatrates” entstehen lassen, ist wenig wunderlich.

    „Daß in den letzten Jahren das Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten noch ausgeweitet wurde 8arte, Phoenix usw.) sei nur so nebenbei bemerkt.“
    -Ebenfalls nebenbei bemerkt haben sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in den letzten Jahren auch immer mehr von ihrem Qualitätsprogramm verabschiedet und statt dessen immer mehr auf Quantität gesetzt. Boulevard- und Unterhaltungssendungen füllen mehr und mehr das Programm, welches sich kaum noch unterscheidet von der privaten Konkurrenz. Zahlreiche anspruchsvolle und vielgeliebte Sendungen in Radio und Fernsehen wurden gestrichen. Z.B. wurde gerade dieser Tage die Einstellung – angeblich aus Kostengründen – der Computersendung c’t verkündet, immerhin einer der wenigen Lichtblicke öffentlich-rechtlichen Qualitätsfernsehens.

    Perspektivisch sind unter den Vorgaben von Politik und Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ab 2013 für alle verbleibenden Gebührenzahler stetig steigende direkte und indirekte Rundfunkgebühren zu erwarten, sofern die Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nicht endlich massive Einsparungen vornehmen. Dies ist unumgänglich, da bedingt durch die demographische Entwicklung und gleichzeitig durch Altersarmut zunehmende Gebührenbefreiungen die Gesamtzahl der Gebührenzahler deutlich zurückgehen wird. Dessen sind sich auch die Rundfunkanstalten bewußt. Die Politik reagiert darauf allenfalls mit der Erweiterung der gebührenpflichtigen Gruppen und der Ausweitung der versteckten indirekten Rundfunkgebühren (indem die Gebührenpflicht der Selbstständigen und Gewerbetreibenden ausgeweitet wird). – Hier fehlt es an konsequenten Plänen und öffentlicher Neudiskussion dessen, was Öffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten sollte oder auch nicht. Die Rundfunkanstalten selbst sind bedingt durch ihren eigenen Selbsterhaltungstrieb kaum dazu in der Lage, sich auf ihre Kernaufgabe zu besinnen und innovativ eine Erneuerung des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks anzugehen.

  8. Jürgen Gundlach |  03.08.2011 | 20:43 | permalink  

    In seinem Blog Ententeich kritisiert Thierry Chervel vom perlentaucher die Klage von SZ, FAZ und anderen Printmedien gegen die Tagesschau-App. Er sagt, dies ist die Betonierung des staus quo. Bei der Gelegenheit hinterfragt er auch die Strukturen und Abläufe beiden Öffentlichen:

    „Warum braucht jede öffentlich-rechtliche Anstalt jeweils ein eigenes Gesundheitsmagazin, wo doch alle Sender heutzutage überall zu sehen sind? Am Föderalismus kann’s nicht liegen: In Bayern ist man nicht anders krank als in Bremen. Wäre nicht zum Beispiel eine öffentlich-rechtliches Gesundheitsportal im Netz viel sinnvoller, das seriöse und geprüfte Informationen bietet und in das die Sender ihre Inhalte einspeisen könnten?“

    Das ist der Punkt. Wenn ich nur ans Hybrid-TV denke, dann ist klar, dass sich zukünftige Formate von Sendungen ändern. Kein fester Sendeplatz, eher ein Portal, welches regelmäßig mit Reportagen, Berichten und Sendungen bestückt wird.

    Das wird aber die Diskussion sein: Welche Themen genügen dem Prädikat „öffentlich-rechtlicher Auftrag“? Wer schreibt Themen/Sendungen aus? Wer vergibt nach welchen Kriterien die Mittel aus dem Rundfunkfond? Eine spannende Sache kommt auf uns zu.

  9. Erbloggtes |  03.12.2012 | 17:15 | permalink  

    Der obige Artikel wird bald drei Jahre alt. Es ist über ein Jahr vergangen seit dem vorigen Kommentar. Verbessert hat sich nichts, eher verschlechtert. Die Öffentlich-Rechtlichen haben begonnen, ihre Internetangebote zu depublizieren. Die deutschen Verleger kämpfen weiter um den Erhalt des Status quo. Dasselbe tun die Rundfunkanstalten. Offenbar verspüren beide Gruppen eine starke Untergangsangst.

    Und so schreibt Chervel im Ententeich auch gestern einfach noch einmal auf, was Jürgen Gundlach offenbar schon eineinhalb Jahre früher bei ihm gelesen hat. Regionale Gesundheitsmagazine, Sender zu Sender gereichte Spielfilme, “endlose Wiederholungen des ‘Tatorts’, Kutschfahrten durchs Weserbergland” (2.12.2012) gegen “Kutschenfahrten durchs Weserbergland, Volksmusik und ‘Tatort’-Wiederholungen” (22.6.2011). 2011 versuchten Verleger wie Rundfunkanstalten “ihren vormaligen Status zu zementieren”, auch 2012 “zementieren sie nur die sorgsam austarierte Machtverteilung eines Mediensystems aus der vordigitalen Ära”. Es ist also nichts wesentliches passiert, wenn immer noch wahr ist, was auch gestern schon galt. Dann war die Zementierung ja erfolgreich.

  10. Die öffentlich-rechtliche Echokammer unserer Demokratie (und was das Internet damit zu tun hat) « Anders |  02.01.2013 | 09:31 | permalink  

    [...] sind die respektvollen aber deutlichen Diskussionsvorschläge für ein alternatives Mediensystem, wie es noch Hanno Beck im alten Carta von Robin ausformuliert vorgeschlagen hat? ”1% der GEZ für Blogger” ist der verkürzte Slogan, hinter dem viel mehr steckt, [...]

  11. Die öffentlich-rechtliche Echokammer unserer Demokratie (und was das Internet damit zu tun hat) — Carta |  07.01.2013 | 11:51 | permalink  

    [...] aber deutlichen Diskussionsvorschläge für ein alternatives Mediensystem, wie es noch Hanno Beck im alten Carta von Robin vorgeschlagen hat? ”1% der GEZ für Blogger” ist der [...]

  12. Die Haushaltsabgabe darf nicht nur die alten Strukturen finanzieren — Carta |  14.01.2013 | 11:19 | permalink  

    [...] am Haushaltsabgabe-Kuchen beanspruchen können? Ob man diese Pluralisierung über einen Rundfunkfonds oder über ein Netzmedienfördergesetz erreicht, ist dann [...]

  13. Wettbewerb in der öffentlichen Rundfunkfinanzierung — Carta |  25.01.2013 | 17:32 | permalink  

    [...] Rundfunkfinanzierung. So schlugen die Ökonomen Hanno Beck und Andrea Beyer einen Rundfunkfonds vor, in welchem die jetzigen Rundfunkabgaben aufgehen sollen. Um Mittel aus diesem Fonds [...]

  14. Wettbewerb in der öffentlichen Rundfunkfinanzierung | Grundversorgung 2.0 Blog |  27.01.2013 | 15:30 | permalink  

    [...] der öffentlichen Rundfunkfinanzierung. So schlugen die Ökonomen Hanno Beck und Andrea Beyer einen Rundfunkfonds vor, in welchem die jetzigen Rundfunkabgaben aufgehen sollen. Um Mittel aus diesem Fonds könnten [...]

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