2010 – Das Jahr der Medienrevolution

Das iTablet könnte das definitive Ende des Gutenberg-Zeitalters bedeuten.

Joanne K. Rowling hat das Prinzip in ihren Harry Potter-Romanen vorweg genommen: die sprechende, die lebendige Zeitung. Wenn die Zauberlehrlinge auf Hogwarts (jener legendären „School for Witchcraft and Wizardry“) ihre Schülerzeitung aufschlugen, begannen die Bilder darin zu „leben“.

Hogwarts liegt heute in Cupertino, Kalifornien. Und so wie die lebendige Zeitung in den Potter-Romanen wird auch das iTablet funktionieren. Fernsehen, Internetsurfen, Fotos anschauen, Magazine blättern oder Zeitungen lesen – all das wird ab Herbst 2010 mit einem einzigen Gerät möglich werden. Die Mediennutzung wird nicht mehr teilbar sein in schauen, hören und lesen, sie wird lesen, hören, schauen und schreiben erstmals integrieren.

Das ist das definitive Ende des gedruckten Zeitalters. (Jaja, schon gut, es wird sicher noch ein paar Liebhaber-Zeitungen in Kleinstauflagen geben).

Das iTablet ist praktisch die XXL-Ausgabe des iPod touch bzw. des iPhones, das heißt, es wird mit einem erweiterten iTunes und zahllosen Apps funktionieren. Auf seiner berührungsempfindlichen Oberfläche wird man blättern können wie in gedruckten Magazinen. Man wird mit dem iTablet sämtliche Medien lesen, hören und schauen können – im Zug, im Urlaub, im Bett, auf dem Klo, im Büro, im Garten, auf der Couch, in der Kneipe, am Schreibtisch. Man wird es in eine Halterung stecken, um es als Laptop zu benutzen, oder als Fernsehapparat im Badezimmer, als Kochratgeber neben dem Küchenherd, als Benutzerhandbuch in der Werkstatt. Es wird enorme Vorteile gegenüber den gedruckten Medien bieten: Schriftvergrößerung und Filmzuspielung, Flashgraphik und Zeitachse, Lexikon und Mailversand, Aktualisierung und Vertiefung, Teilhabe und Abstimmung. Es wird den Medienkonsum so tief greifend verändern, wie es sich nicht einmal die böswilligsten Druckerpresse-Pessimisten vorstellen konnten.

Ja, verdammt, werden Sie sagen, gibt es denn überhaupt kein ABER?

DOCHDOCH. WIR sind das ABER.

Denn wären da nicht der Preis für das Gerät und der Preis für die künftige Nutzung der Medien als Hemmschuh, gäbe es da nicht die Trägheit der menschlichen Verhaltensweisen („ich muss einfach das Rascheln einer Zeitung hören“), und würde nicht die zähe Verteidigung des althergebrachten Geschäftsmodells das Ganze bremsen – die gedruckten Medien wären schon in fünf bis zehn Jahren Geschichte.

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