Forsa und der Stern: Ein sensationelles Geschäftsmodell

Fast jede Woche steht eine grandiose Polit-Umfrage des Instituts Forsa in der Zeitung. Aber warum? Weil dieses Meinungsforschungsinstitut es wie kein anderes versteht, mit lustigen Zahlen Aufmerksamkeit zu erregen.

Wie kommt es eigentlich, dass „Forsa“ am 25.11.2009 bei der berühmten Sonntagsfrage („Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären…“) für die SPD 19 Prozent ermittelt, während die Institute Allensbach und Emnid am gleichen Tag 23 Prozent ausweisen, und die Forschungsgruppe Wahlen zwei Tage später 24 Prozent ermittelt? Fünf Prozent Unterschied!!? Da würde ich als Auftraggeber mal nach den handwerklichen Grundlagen eines Instituts zu fragen beginnen, das als Fehlertoleranz maximal 2,5 Prozentpunkte angibt.*

Aber vielleicht lieben die Auftraggeber solche Zahlen. Man kann so schön Politik mit ihnen machen – und vor allem Werbung in eigener Sache!

Oder warum sonst druckt der „stern“ jede Woche ungerührt die Ausnahmezahlen von Forsa? Macht er es, damit andere, ebenso gutgläubige Medien eine preiswerte billige Sensationsnachricht („Rekordtief!“) bringen können? Macht er es, um Herrn Güllner einen Gefallen zu tun? Oder macht er es, damit der „stern“ wenigstens irgendwo noch zitiert wird, wenn er es schon mit Journalismus nicht mehr schafft?

*Ich vermute, Forsa-Chef Güllner rechnet so: Erlaubte Abweichung von maximal 2,5 Prozent bei Forsa plus erlaubte Abweichung von maximal 2,5 Prozent bei anderen Instituten ergibt zusammen maximal 5 Prozent Abweichung. Das heißt: So lange der Unterschied zwischen Forsa und den anderen Instituten nicht mehr als 5 Prozent beträgt, sind die Forsa-Zahlen irgendwie seriös. Nun ja.

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Zum Thema Meinungsumfragen ebenfalls bei Carta: Fragwürdige Statistiken: Warum die FDP bei der Forschungsgruppe Wahlen so oft schlecht abschneidet.