Algorithmen im Alltag: Wie das Werkzeug seinen Erfinder umarbeitet

Frank Schirrmacher über die epistemische Qualität der Algorithmen: "Wenn nicht alles in der Welt durch Algorithmen zu erklären ist, dann sorgen wir halt dafür, dass nur noch das in der Welt wahrgenommen wird, was nach algorithmischen Prinzipien funktioniert." Ein Auszug aus "Payback".

Fassen wir an dieser Stelle noch einmal zusammen: Teile der modernen Psychologie und die Neurobiologie haben die Mutter aller unserer Programmierungen geschaffen. Sie ist mit unerschütterlicher Energie dabei, uns zu Kindern einer mentalen Revolution zu erziehen. Sie beurteilt menschliches Denken und Verhalten nach Computersimulationen. Sie verwebt alles mit allem: So wie auf einer Webpage unsere Erinnerungen mit unseren Reiseplänen, unser ökonomisches Verhalten mit unserer Risikobereitschaft, unsere Gesundheit mit unserem DNA-Code verschmelzen, so verflechten sich die Wissenschaften mit den Codes der Software – so sehr, dass Computer in einigen Bereichen der Kognitionswissenschaften und der Psychologie längst als Ersatz für menschliche Testpersonen herhalten müssen. Was man dort entdeckt, wird auf Menschen übertragen. Was man nicht entdeckt, existiert nicht. Der Siegeszug der Technologie wurde damit bezahlt, dass man Penroses Warnung gewissermaßen gegen sich selbst kehrte: Wenn nicht alles in der Welt durch Algorithmen zu erklären ist, dann sorgen wir halt dafür, dass nur noch das in der Welt wahrgenommen wird, was nach algorithmischen Prinzipien funktioniert.

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paybackFrank Schirrmacher: Payback – Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen, Karl Blessing, 240 Seiten, Euro 17,95. Hier via Amazon-Partnerprogramm zu bestellen.

Der hier veröffentlichte Text entspricht dem Payback-Kapitel „Wie das Werkzeug seinen Erfinder umarbeitet“. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung –  Copyright 2009 by Karl Blessing Verlag, München.