David Pachali

Freier Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen: Petition für Open Access gestartet

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12.11.2009 | 

Beim Bundestag läuft derzeit eine Petition, die den kostenlosen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen für alle Bürger erreichen möchte. Sie wird mittlerweile vom Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft” unterstützt, unter dessen Dach maßgebliche Wissenschaftsorganisationen bereits die Göttinger Erklärung verabschiedet hatten.

Im Text der Petition heißt es:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

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Ich weiß was, was du nicht weißt – macht 21.000 $

Das zentrale Argument der Petition ist in der Diskussion um Open Access schon lange bekannt: Die öffentliche Hand muss für wissenschaftliche Informationen doppelt zahlen. Wissenschaftliche Einrichtungen werden aus öffentlichen Mittel finanziert, deren Forschungsergebnisse müssen jedoch anschließend wieder zurückgekauft werden – von den Verlagen. Die Preise, die die Bibliotheken etwa für naturwissenschaftliche Zeitschriften zahlen, sind enorm – Wileys “Journal of Applied Polymer Science” zum Beispiel kostet im Jahresabo 21.000 US-Dollar – die öffentliche Hand subventioniert aber im bestehenden Modell weiterhin indirekt private Verlage.

In seinem Blog geht der Initiator der Petition, Lars Fischer, Chemiker und Wissenschaftsjournalist, auf weitere Details der Forderung eines freien Zugangs ein: Die Petition lässt die Diskussion um die Golden und die Green Road in Sachen Open Access außen vor. Beim Golden Road genannten Modell werden wissenschaftliche Publikationen als Originalveröffentlichung in einem Open-Access-Journal oder -Verlag publiziert, bei der Green Road werden Texte zusätzlich zu einer Publikation anderswo in einem elektronischen Archiv zugänglich gemacht, etwa einem Dokumentenserver bei einer Hochschule.

Interessanterweise wird das Wort Open Access im Petitionstext selbst gar nicht erwähnt. Allerdings geht es streng genommen auch nur die Forderung nach einem kostenlosen Zugang. Ein offener Zugang, wie ihn die Berliner Erklärung (PDF) internationaler Wissenschaftsorganisationen beschrieb, umfasst zusätzlich etwa das Recht, in jedem digitalen Medium Kopien und Bearbeitungen zu erstellen, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird – also eine den Bestimmungen bei Creative-Commons-Modellen vergleichbare, aber aufs Digitale beschränkten Lizenz.

Die Petition steht ohne Zweifel unter ungünstigeren Vorzeichen als das leuchtende Vorbild der letzten Jahre, Franziska Heines Petition gegen Internetsperren mit über 134.000 Unterzeichnern. Heines Petition stand im Kontext einer entstehenden netzpolitischen Bewegung, während Open Access immernoch ein randständiges Thema ist. Die für eine Anhörung im Bundestag erforderliche 50.000er-Marke wird nicht leicht zu knacken sein. Bei den aktuellen Protesten der Studierenden war von Open Access bisher kaum etwas zu hören. Warum eigentlich?

Lektüretipp zum Thema: Klaus Franken: Die Zeitschriftenkrise. – Ein fiktiver Briefwechsel zwischen Karl Buchmacher und Harold Moneymaker.

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9 Kommentare

  1. theiresias |  13.11.2009 | 01:27 | permalink  

    Zur Beantwortung der Frage einige Hypothesen:
    Das autonome Lernen und Lesen links und rechts des Semesterplans ist außer Mode gekommen, was u.a. mit verkürzten Studienzeiten bzw. verknappten Studiengängen zu tun hat.

    Eine Veranstaltung, die kein digital dargereichtes Skript respektive Powerpointfolien mitliefert floppt bei Studierendenbefragungen.

    Recherchetechniken inklusive Quellenkritik wird in zu wenig Einführungsveranstaltungen vermittelt und in der Folge nicht konsequent gefordert. Gängige Haltung: Man nimmt was man kriegt, ob gedruckt oder Online, wen kümmern da nachhaltigere Fragestellungen. Nach der Abgabe der Seminararbeit bin ich mit dem Thema doch durch …

    Der allmächtige VPN-Tunnel: Vom heimischen Arbeitsplatz stellt man eine Verbindung zum Universitäts- oder Bibliotheksnetz her und nutzt die dort teuer eingekauften Fachdatenbanken, Onlinejournale etc. Den meisten Studierenden dürfte kaum bewusst sein, was das jeweilige Medium (im Jahr!) kostet.

  2. Matthias Schwenk |  13.11.2009 | 12:44 | permalink  

    Ob diese Petition den richtigen Weg in eine “informationsoffenere” Wissensgesellschaft weist? Warum fangen nicht die Wissenschaftler an, in Blogs zu publizieren und kehren den überteuerten Fachzeitschriften den Rücken zu?

    Das Hauptproblem dürfte in der Reputation liegen: Wer in einer angesehenen Zeitschrift publiziert, sammelt damit als Wissenschaftler wichtige Nachweise für die Qualität seiner Arbeit. Ein Blog zählt demgegenüber überhaupt nichts.

    Solange sich also im Wissenschaftsbetrieb nicht die Bewertungsmuster für wissenschaftliches Publizieren grundlegend ändern, wird sich nicht viel tun. Da macht es auch keinen Sinn, per Gesetz den freien Zugang zu Publikationen herzustellen.

  3. Links zur Open-Access-Petition / unterstützende Archive und Bibliotheken » Infobib |  13.11.2009 | 15:01 | permalink  

    [...] Kommentar von David Pachali [...]

  4. David |  13.11.2009 | 18:15 | permalink  

    @1: okay..
    @2: klar, Reputation ist da das Hauptproblem. Aber ein Open-Access-Journal z.B. ist ja kein Blog, es gibt Peer-Review-Verfahren ebenso wie bei Fachzeitschriften (wo das ja auch zumeist nicht die Verlage, sondern die community erledigt). Reputation entsteht, wenn solche Angebote stärker genutzt werden. Dafür lassen sich günstigere Rahmenbedingungen schaffen..

  5. Johannes |  13.11.2009 | 21:56 | permalink  

    Studenten können an allen Fakultäten bundesweit Vorreiter werden und open-acces-Zeitschriften gründen. Im juristischen Bereich ist dies zB schon seit 1995 das Humboldt Forum Recht (HFR) als reines Online-Medium: http://www.humboldt-forum-recht.de .

  6. Lars Fischer |  14.11.2009 | 13:48 | permalink  

    Man kann diese Petition übrigens auch offline unterstützen, indem man folgendes Formular ausdruckt:

    http://snurl.com/t8e0i

    Das ist vielleicht die beste Möglichkeit, wie die protestierenden Studenten in die Bemühungen für Open Access eingebunden werden können: Das ausgefüllte Formular einfach an den Petitionsausschuss faxen.

  7. Medienlinks: Enke, Reiter, niiu, Biermann |  16.11.2009 | 09:40 | permalink  

    [...] Studie: FACEBOOK-Verweigerer sind erfolgreicher im Job welt.de Medienlinks vom 13.11.2009 Freier Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen: Petition für Open Access gestartet: Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen. carta.info [...]

  8. PROMAGO.de Gadgets » Blog Archive » Für freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen |  09.12.2009 | 08:31 | permalink  

    [...] [ Akademisches Wissen soll im Netz kostenlos sein @ Welt Online ] [ Freier Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen: Petition für Open Access gestartet @ Carta [...]

  9. Für freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen | iphone3g-4free.com |  12.12.2009 | 09:25 | permalink  

    [...] [ Akademisches Wissen soll im Netz kostenlos sein @ Welt Online ] [ Freier Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen: Petition für Open Access gestartet @ Carta ] Veröffentlicht in Gadget « Elektrohygiene [...]

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