Martin Oetting

Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats

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Der gegenwärtige Medienumbruch hat die Wucht eines Paradigmenwechsels, an dessen Ende ein neues Weltverständnis steht. Im Kern sind es Veränderungen in den Teilsystemen der Filterung und Finanzierung, die eine Neujustierung des gesamten Medienapparates erforderlich machen.

06.01.2010 | 

Das Problem einer Revolution ist, dass man sie nicht verstehen kann, wenn man mitten in ihr steckt. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieb Thomas Kuhn wissenschaftliche Revolutionen, in denen bestehende Vorstellungen über den Haufen geworfen und durch gänzlich andere ersetzt werden. Ein Astronom beispielsweise, der jahrzehntelang die Erde als Scheibe begreift, beobachtet, kartografiert, versteht und erläutert, kommt mit seinen Instrumenten und Annahmen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht weiter. Anstelle langsamer wissenschaftlicher Arbeit entsteht ein zerstörerischer Gedanke, der Millionen Stunden Forscherarbeit einfach zur Seite fegt: Die Erde ist eine Kugel! Über Jahrhunderte entwickelte Erklärungen können nun selbst bei sorgfältiger Anpassung nicht mit der neuen Idee vereinigt werden.

Es wird von einem grundlegenden Weltverständnis zu einem ganz anderen gewechselt – von Kuhn damals Paradigmenwechsel genannt. Ein Wandel, der alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellt, denn es entsteht enorme Unsicherheit: die neue Theorie ist frisch und ungeprüft, keiner weiß, ob sie wirklich zutreffender ist als die alte. Und weil die Tradition bedroht ist, wehren sich die konservativen Kräfte: Wissenschaftlerkarrieren stehen auf dem Spiel, Lebenswerke drohen sich in nichts aufzulösen. Es dauert lange, bis sich ein neues Paradigma durchsetzt. Danach ist die Welt eine buchstäblich andere.

Wenn Frank Schirrmacher sein jüngstes Buch “Paypack” um die These konstruiert, dass sein Kopf “nicht mehr mitkommt“, wenn er fragt, wer wen “fresse” in der digitalen Gesellschaft und über den “darwinistischen Wettlauf” im Internet schreibt, dann ist sein Text geradezu ein Paradebeispiel für die Verharrungskräfte während einer Revolution, wie auch Kuhn sie beschreibt. Ganz wie bei wissenschaftlichen Revolutionen sorgt heute der digitale Strukturwandel in den klassischen Institutionen für erhebliches Unbehagen.

Die Veränderungen unserer Medienwelt sind dabei fundamental – wie der Wechsel von der Scheibe zur Kugel. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Dennoch wird in der Öffentlichkeit so getan, als hätten wir die Wahl, bei der bisherigen Organisation unserer medialen Öffentlichkeit bleiben zu können – als sei dies vielleicht allein eine Frage politischer Entscheidung. Allein aus strukturellen Gründen scheint diese Annahme mehr als fragwürdig.

Vier Elemente unserer massenmedialen Systeme

Die digitalen Kulturkämpfe, das Ringen um einen Neuanfang des Mediensystems und die Transformation der medialen Öffentlichkeit lassen sich erklären als ein Auseinanderfallen und eine Neujustierung von vier Teilsystemen unseres Medienapparats.

Diese vier Teile sind:

  1. Das mediale Verteilungssystem: die technische Infrastruktur für die Verbreitung der Inhalte. Früher waren hierfür Druckerpressen, große Vertriebssysteme und knappe Radio- und Fernsehfrequenzen notwendig.
  2. Das mediale Finanzierungssystem: die Art und Weise, wie mit Inhalten Geld verdient wird. Durch eine gleichsam glückliche Fügung gab es bisher viel Geld zur Refinanzierung von Medieninhalten. Solvente Interessengruppe suchten händeringend nach Wegen, um Werbebotschaften unter das Volk zu bringen – sie waren bisher auf den Journalismus als Trägerumfeld angewiesen.
  3. Das mediale Produktionssystem: Die Herstellkapazitäten für Inhalte. Es umfasst all jene, die als Reporter, Redakteure, Journalisten, als Schreiber, Sprecher und Filmer die Inhalte produziert haben, welche dann gesendet oder verbreitet wurden. Oder auch nicht. Was verbreitet wurde und was nicht, hing allein vom vierten Faktor ab.
  4. Das mediale Filtersystem: Die Sortier- und Relevanzmechnanismen, die Inhalte ordnen. Wenn die Kanäle knapp sind, muss entschieden werden, was verbreitet wird und was nicht. Üblicherweise denken wir beim Umgang mit Medien nicht über die Trennung von Produktion und Filter nach. Aber die wirkliche Macht im massenmedialen System haben ja nicht die Redakteure, sondern deren Chefs, letztlich die Verleger. Das Filtern war immer die entscheidende Machtfrage: Derjenige, der die teuren Verteilungssysteme aufgebaut und damit die Werbeeinnahmen hatte, nahm üblicherweise auch das Filtern vor – bei Axel Springer wurde anders gefiltert als bei Rudolf Augstein.

Der Fehler vieler Debatten über den Medienwandel ist es, eine zwingende Verknüpfung zwischen diesen vier Subsystemen zu vermuten. Dies ist ein Irrtum. Vielmehr entstehen die aktuellen Verwerfungen aufgrund von fundamentalen Veränderungen in nur zweien dieser vier Subsysteme.

Revolution, Teil 1: Aufhebung medialer Knappheit

Zum einen kollabiert nach und nach das Subsystem der Finanzierung – die Finanzierungslogik hat bisher darauf basiert, dass mediale Verbreitung knapp ist, ein Medienkanal hat Geld in die Kassen gespült, weil im massenmedialen System immer für die Knappheit des Verbreitungssystems gezahlt wurde, nie für die Knappheit der Nachricht. Im Journalismus wurde nicht reich, wer gut schreiben oder recherchieren konnte. Reich wurde, wer die Druckerpresse oder den Sender kontrolliert hat und damit auch die Werbeeinnahmen. Das ist mittelfristig vorbei.

Als Beispiel mag Coca-Cola dienen: Je mehr potenzielle Konsumenten über „Coke Fridge“ oder Facebook extrem kostengünstig direkt erreicht werden, desto weniger muss in Werbung investiert werden. Denn es gibt ja bei Coca-Cola keinerlei ursächliches Neigung, die Nahost-Korrespondenten der FAZ oder das Hauptstadtbüro von RTL zu finanzieren. Und wenn im Internet dafür noch Werbung geschaltet wird, dann ist sie in jedem Fall billiger, denn was nicht knapp ist, kann nicht viel kosten. Wer diesen Umstand verkennt und diffus die Gesellschaft auffordert, Lösungen zu finden, die den Status Quo bewahren helfen, hat offenbar nicht begriffen, dass es gerade keine automatische ursächliche Verbindung zwischen Unternehmerinteressen und einem funktionierenden Journalismus gibt.

Revolution, Teil 2: Verschiebung der Filterlast

Die zweite fundamentale Veränderung ergibt sich im Subsystem der Filter. Wo dank freier Verbreitungskanäle nicht mehr vor dem Veröffentlichen gefiltert werden muss, verschiebt sich die Filteraufgabe auf den Empfänger – was auch das Problem umreißt, mit dem offenbar Frank Schirrmacher hadert. Verlage und Sender versagen bislang vor dieser Herausforderung, oder bieten schlicht keine Lösungen an. Das bislang einzig wirklich lukrative Instrument, das interessanterweise wiederum auf Werbung basiert, hat Google entwickelt – und daher haben wohl die Verleger Google auch zum Feindbild erklärt. Ist doch das Filtern bislang ihre ureigene Macht, gekoppelt an die Kontrolle über die Verbreitungssysteme, die sie zu bedeutenden Figuren, zur vierten Gewalt im Staat gemacht hat. Interessant ist daran, dass die Verleger ihre Gegnerschaft zu Google allerdings nicht mit dem Filterthema begründen, sondern diffus beklagen, Google würde letztlich guten Journalismus unmöglich machen.

Klar ist eines: das Filtern verlagert sich von wenigen zu vielen und von Gatekeepern hin zu stärker maschinell, kollaborativ oder von beidem geprägten Filtersystemen. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Bewegung wieder umgekehrt werden kann. Forderungen an die Politik, wonach den alten Filtersystemen – die nach Willkür und dem politischen Interesse von Einzelpersonen funktionieren – auch wieder ihre alte Bedeutung zukommen müsse, sind nur schlecht begründbar.

Was ist zu tun?

Es steht außer Zweifel – jede Demokratie braucht funktionierenden professionellen Journalismus. Wir können es uns nicht leisten, dass niemand aufpasst, schmerzhafte Fragen stellt, nachbohrt, sucht, findet, entdeckt und erklärt. Klar erscheint aber ebenso: mittelfristig werden die wahrhaft wertschaffenden Medienmacher – an echten Themen arbeitende Redakteure, Journalisten, Reporter, Volontäre – nicht mehr von den Krumen bezahlt werden, die übrig bleiben, nachdem alle anderen bezahlt worden sind: die Eigentümer der Verbreitungssysteme und all jene, die mitarbeiten, aber keinen journalistischen Mehrwert erzeugen – weil sie Agenturmeldungen kopieren, Bilderklickstrecken erfinden oder Suchmaschinen austricksen.

Das ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht – mittelfristig gesehen. Wenn wir nicht mehr die Aufschläge bezahlen müssen, die fällig waren für den Unterhalt großer Distributionskanäle und für das Premium, das die institutionellen Filter für sich beansprucht haben, dann müsste auch der Journalismus günstiger werden. Vielleicht wäre er auch mit knapperen Werbeeinnahmen finanzierbar? Zu erwarten, dass auch künftig die Verlage und Medienhäuser an diejenigen, die wahrhaftig im Sinne journalistischer Arbeit unterwegs sind, spärliche Gehälter zahlen, nachdem sich alle anderen Kostenstellen am Werbekuchen bedient haben, erscheint dagegen als zweifelhafte Strategie.

Experimente sind der einzige Weg in der Revolution

Als Johannes Gutenberg oder Guglielmo Marconi die Grundlagen gelegt haben, gab es keinen Kompass, keine Leitschnur, keine Regeln, wie daraus einmal funktionierende Mediensysteme als Teil demokratischer Ordnung werden können. Sie sind gewachsen, aus unzähligen Experimenten, zum Teil über Jahrhunderte. Wir erleben gegenwärtig einen Umbruch wie zu Zeiten Gutenbergs. Darum ist es zu früh, alle Antworten zu verlangen. Es bleibt allein das Experiment: Vielleicht mit Mini-Videoteams, die Mikrofernsehen machen, oder indem man versucht zu verstehen, auf welche Weise viele Mitwirkende ein journalistisches Projekt besser machen können. Oder mit einer Seite, bei der die Leser für die Geschichte spenden, die ihnen am wichtigsten erscheint. Natürlich – auch Stiftungen und freiwillige Geldgeber können und müssen wohl eine Rolle spielen. Experimente können übrigens auch scheitern – deshalb sind es ja Experimente.

Eine entscheidende Frage ist wohl, ob in Zukunft tatsächlich der Qualitätsjournalismus nicht mehr bezahlbar ist, oder ob es allein die großen massenmedialen Verteilungssysteme und die daran hängenden Konzerne sind, die laut eigener Aussage aus Online-Werbeeinnahmen nicht finanziert werden können – während sie häufig alles andere als Qualitätsjournalismus betreiben.

Die Kugel gestalten

In ihrer bestehenden Form wird unsere Medienlandschaft nicht weiter existieren. Sie kann es nicht, bei einem derart radikalen Bruch, der ihr die fundamentale ökonomische Grundlage entzieht. Das ist keine düstere Prophezeiung, es ist eine Gewissheit. Offen ist allein, wie lange es dauert. Dieser Text ist daher auch keine Utopie oder Brandrede, sondern nichts als ein weiterer Versuch, das Unvermeidbare zu verstehen.

Ebenso wie es in der Welt der Wissenschaft immer und immer wieder Paradigmenwechsel gegeben hat, gibt und gab es sie in den verschiedensten Bereichen unseres technischen Lebens. Die Elektrizität ersetzte die Dampfmaschine. Das Pferd wurde vom Auto ausmanövriert. Das Telefon machte dem Telegrafen den Garaus. Immer sind dabei Konzerne – Weltreiche manchmal – untergegangen, immer sind dabei neue Welten und Konzerne entstanden. Die wiederum neue (meistens: mehr) Arbeit geschaffen haben und neue Prosperität.

Was uns bei dieser Revolution am ehesten beunruhigen sollte, ist die Art und Weise, mit der große Teile der deutschen Medienlandschaft diese zwingende ökonomische Logik verneinen und der Politik einzureden versuchen, das Problem ließe sich durch Verbote und Rezepte aus der alten Welt regeln. Das legt Sorge um den Medienstandort Deutschland nahe. Kuhn hat erklärt, dass die Welten vor und nach einem Paradigmenwechsel „inkommensurabel“ seien. Mit anderen Worten: so unterschiedlich, so anders, dass es kaum noch möglich ist, sie überhaupt zu vergleichen. Geschweige denn, die Rezepte aus der alten in der neuen Welt anzuwenden.

Die Medienwelt ist keine Scheibe mehr. Sie wird zur Kugel. Anstatt darüber zu streiten, wo am Firmament welcher Stern aufgehängt sein soll, ist es heute weitaus wichtiger, mit aller Macht eintausendundein Experiment zu wagen, um dieser Kugel ihre Form zu geben. Sonst tun es andere – vielleicht diejenigen, bei denen das Experimentieren tief in der Unternehmenskultur verankert ist.

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103 Kommentare

  1. breeen |  06.01.2010 | 12:11 | permalink  

    Der Prophet hat gesprochen ;-) Sehr gute Analyse!

  2. Ulrike Langer |  06.01.2010 | 12:19 | permalink  

    Großartig auf den Punkt gebracht. Ich glaube auch, dass die Verleger die entscheidenden Punkte, die hier so stringent dargestellt werden, ganz genau kennen. Es nützt aber nichts: Sie rufen zwar “der Qualitätsjournalismus ist in Gefahr”, lobbyieren aber für ein Leistungsschutzgesetz, dass nicht die Erbringung originärer journalistischer Leistungen stützen soll, sondern den Erhalt des teuren Filter- und Verteilsystems.

  3. Jens Weinreich |  06.01.2010 | 12:25 | permalink  

    Selten eine so fulminante Analyse gelesen. Hart aber herzlich. Und morgen bitte Teil 2: “So geht’s weiter mit dem, was wir mal Journalismus nannten”.

  4. Bjoern Eichstaedt |  06.01.2010 | 12:41 | permalink  

    Gefällt mir gut. Nur, was ich immer noch nicht begreife: haben alle anderen “Payback” nicht gelesen? Oder habe ich ein anderes Buch “Payback” gelesen? Es geht Schirrmacher in keinester Weise um Qualitätsjournalismus, um Verlage oder sonst etwas. Es geht um die Frage von Aufmerksamkeit, das Auslagern von Bewusstsein ins Netz, um neurobiologische Fragen, um künstliche Intelligenz. Aber um das Festhalten am Verleger-System??

  5. Manfred Leisenberg |  06.01.2010 | 12:43 | permalink  

    Ausgezeichnete Darstellung: Revolution= Umschlagen quantitativer Veränderungen in qualitative – das ist hier sehr deutlich zu beobachten

  6. Bjoern Eichstaedt |  06.01.2010 | 12:43 | permalink  

    Ein schöner Text, ein Text mit Inhalt. Nur wie so oft: Schirrmachers “Payback” wurde komplett verkannt. Wer hat dieses Buch wirklich gelesen?

  7. Julian Valkieser |  06.01.2010 | 13:03 | permalink  

    Gerade Deutschland sollte sich langsam aber sicher als Wissensfabrik positionieren bzw. klar machen, dass es unausweichlich in diese Richtung geht. Denn wenn unsere bisher treibenden produzierenden Branchen zu “Billiglohnländern” abwandern, haben wir noch eines:
    Unsere Innovationen, Ideen, Patente – Wissen. Und es ist schlimm, dass gerade deren Vorsteher so inflexibel sind.

    Vielleicht sollte die Politik das ein oder andere wankende Hochhaus vor dem Einsturz retten und einige Etagen abtragen, anstatt Stützpfeiler anzubringen. Macht man das im Finanzbereich nicht auch schon?

  8. Norbert Mayer-Wittmann |  06.01.2010 | 13:09 | permalink  

    Dieser Artikel hat etwas einen ähnlichen Ausgangspunkt wie Clay Shirky’s Artikel, den ich in “Get out of the box!” ( http://past.blog.com/2009/08/04/get-out-of-the-box/ ) zitiere.

    Ich habe Eisensteins Werk schon vor 20 Jahren gekannt — denn ich habe schon damals die Verknüpfung zwischen Internet und Buchdruck erkannt (eigentlich schon vor 30 Jahren, als ich zu meinem Vater — der damals bei eins der Grössten Telekommunikationsfirmen der Welt arbeitete — sagte: Faxmaschinen sind eine Zeitverschwendung, denn die Daten sind nicht “machine readable” [wie es im Fachjargon heisst]).

    Sprache wird sich nicht sehr viel ändern — und Sprache bleibt die grundsätzliche Kommunkationstechnologie.

    Wer meint, Sprache sie unbegrenzt, versteht wenig darüber, wie Sprache funktioniert. Hier ist keine Knappheit aufgehoben, und die Filter funktionieren heute genauso wie im letzten Jahr, im letzten Jahrzehnt, im letzten Jahrhundert, im letzten Jahrtausend,….

    Da aber die deutsche Medienlandschaft besonders rückständig ist, könnte es schon sein, dass Deutschland — im Gegensatz zum Zeitalter des Buchdrucks — weitgehend übergangen wird. Das ist meines Erachtens zum grossen Teil deshlab der Fall, weil viele Deutsche immernoch daran glauben, dass die Trendsetter in der USA seien — und da vermute ich machen sie einen schwerwiegenden Fehler… welchen sie erst merken werden, wenn das Kartenhaus auf dem sie setzen zusammenfällt und allesamt Pleite machen.

    Wer das noch expliziter dargestellt haben möchte, kann mich gerne kontaktieren.

    :) nmw

  9. Peter. |  06.01.2010 | 13:32 | permalink  

    Danke für diesen Artikel, der mich etwas an deinen Text “twittern ist Bürgerpflicht” (oder so ähnlich) erinnert, den ich auch schon sehr eindrücklick fand. Man kann nur hoffen, dass es keine neue “Hexenjagd auf die Ketzer” geben wird, um mal im gleichen Bild zu bleiben. Hoffentlich gibt es ein paar Politiker, die diese Revolution erkennen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

  10. Tobias Schiwek |  06.01.2010 | 13:35 | permalink  

    Super Artikel! Hervorragend analysiert und geschrieben! Hat Spaß gemacht zu lesen.

    Führt mir, der in der Werbebranche arbeitet, auch noch einmal dramatisch vor Augen, dass das Verständnis für diese mediale Revolution vor allem in Unternehmen und auch bei sog. Werbeagenturen noch in keinster Weise angekommen ist. Deren Kultur und Arbeitsweise muss sich ebenso radikal ändern bzw. anpassen!

    Spannend.

  11. Martin Oetting |  06.01.2010 | 13:42 | permalink  

    Zu den Fragen bezüglich Schirrmacher: vielleicht habe ich nicht deutlich genug gemacht, dass ich mich nicht auf das ganze Buch beziehe, sondern dass es mir allein um das Unbehagen geht, das aus den Zeilen spricht, die man im Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung auch bei Spiegel Online und anderswo lesen konnte. Absicht war nicht, Schirrmachers Buch zu kritisieren, sondern ihn allein als ein Beispiel aufzuführen für die konservativen Stimmen, die ganz im Kuhn’schen Sinne mit den revolutionären Veränderungen zu hadern scheinen. (Der Verweis auf den Text von Miriam Meckel auf faz.net weiter unten im Beitrag erfüllt letztlich den gleichen Zweck.)

  12. Linkdump for 06. Januar 2010 | synapsenschnappsen |  06.01.2010 | 14:06 | permalink  

    [...] Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats — CARTA – "Der gegenwärtige Medienumbruch hat die Wucht eines Paradigmenwechsels, an dessen Ende ein neues Weltverständnis steht. Im Kern sind es Veränderungen in den Teilsystemen der Filterung und Finanzierung, die eine Neujustierung des gesamten Medienapparates erforderlich machen." (Tags: Medien Medientheorie Medienkonvergenz ) [...]

  13. Iris Jungels |  06.01.2010 | 14:49 | permalink  

    Gut beobachtet, sauber analysiert und, was wirklich eine Wohltat ist, angemessen kommuniziert!
    Auf die inhaltliche Relevanz dieses Beitrags möchte ich gar nicht weiter eingehen – die ist klar, das haben meine Vor-Kommentatoren schon hinreichend verdeutlicht. Darüber hinaus ist es bemerkenswert, dass sich hier jemand dem Thema mit einem ehrlichen und konstruktiven Forschergeist nähert: keine Eitelkeiten, keine polarisierende Polemik, keine überhebliche Belehrung – das finde ich wirklich bemerkenswert. Das Niveau, das der Text vorgibt, bestimmt die Ernsthaftigkeit des Diskurs – die Form wirkt auf den Inhalt ein – auch in diesem Sinne wünsche ich mir mehr Beiträge dieser Qualität.

  14. andreas milles |  06.01.2010 | 14:55 | permalink  

    ich habs grad schon getwittert – super analyse, hut ab.
    einzig bei punkt 2 würde ich den Satz, dass das filtern sich “von wenigen zu vielen und von Gatekeepern hin zu stärker maschinell, kollaborativ oder von beidem geprägten Filtersystemen” bewegt nicht unterschreiben.

    große konzerne (ich meine damit weniger verlage, eher allgemein) sind auf ihrer jagd nach den konsumenten derweil so verzweifelt – und begeben sich in die nächste abhängigkeit, nämlich zu adwords & konsorten, sodass im endeffekt meiner meinung nach bislang v.a. google und ein bisschen facebook von diesem wandel profitieren & die vorherigen gatekeeper ersetzen.

    grüsse aus leipz,

    ami.)

  15. Schirrmachers kalkulierte Abrechnung | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Schirrmachers kalkulierte Abrechnung |  06.01.2010 | 15:11 | permalink  

    [...] aber eine Entwicklung, die deutlich mehr Vorteile als Nachteile bringt, auch wenn die „Unruhe“ mitten in einer Revolution nicht jedem direkt schmeckt und die sich verändernde Mediennutzung fortlaufend gelernt werden [...]

  16. Mirko Gosch |  06.01.2010 | 15:18 | permalink  

    Hey Martin,

    ein ausgezeichneter Artikel über die Revolution in der Medienlandschaft – es gibt aus meiner Sicht immer noch eine Mehrheit von Menschen in Deutschland, die die selbige Revolution entweder nicht mitbekommen, ihre Relevanz und ihre enorme Veränderungskraft verkennen oder schlicht um ihre angestammten Plüschchefsessel in den etablierten Mediensystemen bangen, ohne sich den Veränderungen zu stellen.

    Ich stimme zu, dass das Ergebnis der Revolution noch lange nicht abzusehen ist. Aufzuhalten ist der Zug nicht mehr.

    Dass der gemeine Medienkonsument sich jetzt viel leichter in einer Position wieder findet, in der er nicht nur konsumiert, sondern durch die Social Media Tools (Blogs, Twitter, Facebook, Youtube) immer häufiger auch -mindestens- zum Mitproduzenten wird, empfinde ich mehr als Chance, denn als Bedrohung.

    Jede und jeder bekommt, sofern er einen Zugang zum Internet hat, im Web 2.0 eine Stimme. Jede und jeder hat das Zeug zum Publizisten, zum Produzenten von Videos und Podcasts. Die Medienlandschaft wird dadurch aus meiner Sicht demokratischer.

    Wir leben in spannenden Zeiten.

    Grüße aus dem verschneiten Norden Deutschlands

    Mirko

  17. Stefan |  06.01.2010 | 15:28 | permalink  

    All das ist hundertmal gesagt worden. Und der Gestus ist immer derselber: die Medien hatten 5 Jahre Zeit, zu adaptieren, aber jetzt sind wir gnadenlos (in unseren Prophezeiungen). Dabei sind all diese Prophezeiungen Voraussagen genau interessengelenkt (siehe Oetting,der sein Geld mit viralem Marketing verdient siehe die “Berater” von Carta) wie die traditionellen Medien (die längst im Netz sind). Das liest sich seit Jahren so. Nicht nur hat kein einziger den Dinosauriern irgendeinen wirklich nützlichen Rat geben können; im Gegenteil: die angebliche Verfallstory ist nichts anderes als der Versuch sich selber eine Erfolgs-Erählung zu geben. Aber so läuft das nie. Ein Kultursozialismus via Stifter, Geldgeber, Kulturflatrate soll der Ausweg sein? Was hier stattfindet ist nichts anderes als eine Marktbereinigung. Der mittelalte Intellektuelle hat die Marktlücke des Beraters entdeckt. Aber das ist es dann auch. Freu mich schon,wenn Carta die 1001. These zum Medienwandel publiziert.

  18. Momo |  06.01.2010 | 15:30 | permalink  

    So,so. Dann denken wir uns doch mal die alten Medien aus dem Netz heraus. Das ist so altbacken, Stand 2005.

  19. nanuk |  06.01.2010 | 15:33 | permalink  

    @gosch: “Jede und jeder bekommt, sofern er einen Zugang zum Internet hat, im Web 2.0 eine Stimme. Jede und jeder hat das Zeug zum Publizisten, zum Produzenten von Videos und Podcasts. Die Medienlandschaft wird dadurch aus meiner Sicht demokratischer.”
    …und zwar als Grundrauschen. Medien definieren sich über Macht. Das wird nicht demokratischer sondern autokratischer. Während Leute wie Du fleissig für Google arbeiten, entstehen megasysteme.

  20. Martin Oetting |  06.01.2010 | 15:53 | permalink  

    @Ami: Aber das Verschieben der Filterfunktion zu kollaborativen Systemen wie Twitter oder technischen Systemen wie Rivva (aktuell mit Abstand meine beliebtesten Filter) ist doch in vollem Gange – oder filterst Du noch anders?

    @Stefan: Deine Skepsis in allen Ehren – aber Du befasst Dich überhaupt nicht mit dem ökonomischen Argument. Natürlich hat es schon viele “Untergangstexte” gegeben. Und die waren in der Tat oft aus eigennützigen Motiven heraus verfasst. Was hier steht, sollte aber eigentlich keine interessengeleitete Schreibe sein, sondern davon handeln, dass ich einen Prozess beobachte, der mir – im Hinblick auf unsere demokratische Ordnung – durchaus Sorge macht. Wer bezahlt den wahren investigativen Journalismus, wenn dessen bisherige geschäftliche Grundlage verloren geht?

  21. Gk |  06.01.2010 | 15:58 | permalink  

    Nr. 17, Stefan hat es auf den Punkt gebracht.

    Hinter dem ganzen Rummel um die Tätigkeit des Journalisten im digitalen Zeitalter, dem sog. Qualitätsjournalisten, verbirgen sich Einzelinteressen der Branchenmitglieder, die gerade damit ihre Brötchen nicht verdienen wollen, sondern mit: Beratung im digitalen Printbereich! Das ist für sich betrachtet nicht verwerflich, aber etwas unschön, jedenfalls in dieser Verpackung. Andere, die sich mit dem Betätigungsfeld Beratung ihre Brötchen verdienen, schreiben auch, ja wenig, dafür gratis, nicht so gut, immer mal etwas bissig.

    Nochmal mein Lieblingszitat: „In den nächsten Jahren wird es wohl jeder Branche so gehen: man wird sich umstellen und geschlossene Systeme öffnen müssen.“ von Umair Haques zur Qualität in der offenen Medienlandschaft unter Carta.info am 27.10.2009.

    Und zum Posting selbst, was mich nicht vom Stuhl reißt: Experimentieren klingt gut, kann aber auch richtig in die Hose gehen. Also da rege ich an, dass doch etwas auf die Kostenbremse gedrückt wird, bevor ein Experiment gestartet wird. Es sei denn, man findet wilde, experimentierfreudige Businessangel. ;)

  22. Stefan |  06.01.2010 | 16:11 | permalink  

    @oetting: “Wer bezahlt den wahren investigativen Journalismus, wenn dessen bisherige geschäftliche Grundlage verloren geht?”

    Das sind alles so kurzgedachte Abstraktionen. Investigativer Journalismus in Deutschland wird in Deutschland seit Jahren vom Spiegel betrieben. Es sieht nicht so aus, als ob der Spiegel untergeht. Selbst 2009 wird die Spiegel Gruppe einen deutlichen Gewinn ausweisen. Und interessant ist, dass SPON, wenn man die Overhead Kosten abzieht, Verluste schreibt und weiter schreiben wird. Dann gibt es noch die SZ, vielleicht noch die FAZ – was meinst Du mit Deiner Apokalypse, außer der Hoffnung, auf Foundations. Warum sollte eigentlich dieser Journalismus nicht bezahlt werden? Wer sagt das? Wo ist der Beweis? Gerade der bringt Leser – siehe die Spiegel Banken-Story.

    Es ist noch einmal ausgemacht, was Dir ausgemacht scheint, das das Trägermedium Papier perdu ist. Interessant die aktuelle Coke Werbung in den USA (in TV und Print) unter dem heading “The real thing”. Da kommt jemand mit einer Zeitung ins Stadium, mit seinen Freunden und mit einer Coke.
    Wir haben eine Wirtschaftskrise. Aus ihr auf die Branche an sich zu schliessen ist etwas verwegen. Meine Thesen: 96 Prozent des mehr oder minder autistischen Medienanalysebraintrusts besteht aus Beratern, die entweder bei denen ihr Geld verdienen wollen, die sie runterschreiben oder bei denen, die vom Staat finanziert werden. Nicht illegitim, aber eine Nische. Eine winzige Nische.

  23. Pit67 |  06.01.2010 | 16:15 | permalink  

    @Bjoern: Sehe ich genauso. Interessant, dass sich Payback offenbar an die 250 tsd mal verkauft hat. Und es zwei Lektüren gibt: eine Internet-Lektüre, die behauptet das ginge gegen das Netz und eine Buch-Lektüre, die kapiert, dass es um etwas viel viel Grundsätzlicheres geht. Siehe auch Meyer-Lucht, der behauptet, der Diskurs würde nicht zünden. Ein interessanter Rezeptions-Fall, den Schirrmacher entweder bewusst durch dieses “Ich komme nicht mehr mit” herbeigeführt hat, oder der das Gegenteil von Schwarm-Intelligenz ist.

  24. Martin Oetting |  06.01.2010 | 16:24 | permalink  

    @Stefan Wenn wir uns darauf verlassen wollen, dass der Spiegel die mehr oder minder einzige Adresse hierzulande ist, die investigativen Journalismus betreibt, dann können wir gern ruhig schlafen. Bin aber nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.

    Und es sind ja nicht die Leute vom Spiegel, die Zeter und Mordio rufen. Sondern die anderen (siehe Links im Text: Burda, Springer – die Unterzeichner der Hamburger Erklärung). Und die Unterstützung von der Politik einfordern, gegen diffuse Feinde wie Google und Co. Die sind es, die ich meine. Deren undifferenzierte Klagen und die polemische Abrechnung mit Gegnern, die keine sind, gehen an der eigentlichen Entwicklung vorbei. Während vom Untergang des Qualitätsjournalismus geklagt wird, sind die Klagenden die, die ihn selbst begraben. Das wollte ich hier ein wenig sortiert darstellen.

  25. Stefan |  06.01.2010 | 16:41 | permalink  

    1. Der Spiegel hat die Hamburger Erklärung unterschrieben.
    2. Der Spiegel war die Adresse in den letzten 30 Jahren. Und ist sie offenbar immer noch nicht. Wo hast du denn das Investigative gefunden? Etwa in den Lokalzeitungen? Nenn mir einen eklatanten Fall. Das ist doch eine reine Fiktion der Vergangenheit mit der du deine Zukunftsvision aufbessern willst.
    3. Ach so, Google ist diffus??? Google ist auf dem Weg der mächtigste Medienkonzern der Welt zu werden. Hat mittlerweile wohl Milliarden freie Mitarbeiter, die keinen Cent bekommen. Auch ich gehoere mit diesem Comment dazu.
    4. Und eben das finde ich so langweilig: ein Text darüber, wie man o h n e oder wie man mit Google in die Zukunft gehen kann, der wäre interessant. Aber er wäre nicht so einfach runterzuschreiben, wie diese “Thesen”:

  26. cdv! |  06.01.2010 | 16:41 | permalink  

    Meiner Meinung nach ist es sehr, sehr armselig, nunmehr die Berater-Zunft anzugreifen und ihr zu unterstellen, mit dem Untergangs-Geklage nur die eigenen Taschen füllen zu wollen.

    Die Fakten liegen doch offen: Immer weniger Menschen konsumieren die “alten” Medien, damit funktioniert ihr Geschäftsmodell nicht mehr. Die Nutzung des Internets rückt parallel immer mehr in den Vordergrund.

    Martin hat richtig beschrieben, dass sie, die “alten” Medien nun Macht und Einfluss verlieren und sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Mehr Sorge macht mir derzeit dabei, dass die Politik sich irgendwann auch kümmern wird, allerdings nicht so, wie wir uns alle das erwünschen. Niemand gibt nämlich seine, wenn auch vermeintliche, Macht freiwillig ab.

  27. mfrenzel |  06.01.2010 | 16:45 | permalink  

    Eine gute Zusammenfassung. Allerdings leuchtet mir nicht ein, dass “die aktuellen Verwerfungen aufgrund von fundamentalen Veränderungen in nur zweien dieser vier Subsysteme” entstehen.

    Es zerbricht gerade deswegen das komplette Machtgefüge medialer Oligarchen, weil alle vier Systeme einem grundlegenden Wandel unterliegen. Also auch:

    2. Das mediale Finanzierungssystem: Durch die Vielzahl neuer Medienangebote (Communities, Blogs, Myriaden von Webseiten) sind neben den traditionellen Medien viele neue Trägerumfelder entstanden, die sich durch Targeting Methoden Zielgruppen genau ansteuern lassen. Journalismus wird damit ein Trägerumfeld unter vielen.

    3. Das mediale Produktionssystem. Auch die Herstellkapazitäten durchlaufen gerade einen massiven Umbruch. Neu hinzu kommen beispielsweise “User generated Content”, Webseiten von Initiativen oder Einzelpersonen, journalistische und nicht journalistische Blogs, etc. Viele neue Teilnehmer im Herstellsystem erscheinen.
    Das traditionelle Herstellsystem schlägt hingegen genau den gegenteiligen Weg ein. Reporter, Redakteure, Journalisten, Schreiber, Sprecher, Kameraleute werden entlassen oder wegrationalisiert oder in Modellen wie Newsdesk zu Synergie-Opfern. Insgesamt steigt die Kapazität aller Herstellsysteme, zu denen die traditionellen Wächtermedien im Wettbewerb stehen.
    Interessanter Nebeneffekt: Gleichzeitig sinkt im veränderten medialen Produktionssystem die Kontrollmöglichkeit derer, welche die Finanzierung des bisherigen Systems sicherten.

  28. Carlo |  06.01.2010 | 16:46 | permalink  

    cdv:”Meiner Meinung nach ist es sehr, sehr armselig, nunmehr die Berater-Zunft anzugreifen und ihr zu unterstellen, mit dem Untergangs-Geklage nur die eigenen Taschen füllen zu wollen.” Klar, bist ja selbst einer. _)

  29. Martin Oetting |  06.01.2010 | 17:14 | permalink  

    @Stefan:
    “Ach so, Google ist diffus?” – Nein, nicht Google ist diffus, sondern die Kritik der Medienleute. Google ist ein enorm gut funktionierendes Filtersystem. Die Medienleute behaupten, Google mache Qualitätsjournalismus kaputt. Das kommt davon, wenn man nicht zwischen unterschiedlichen Facetten des Mediensystems trennt.

    “nicht so einfach runterzuschreiben, wie diese ‘Thesen’” – Du magst recht haben. Aber leider macht sich kaum jemand die Mühe auseinanderzusortieren, dass rein ökonomisch ein Umbruch zwingend notwendig ist, wenn das, was vorher knapp war (mediale Verbreitung) plötzlich kostenlos und nicht-knapp wird. Das kann man These nennen. Oder man nennt’s Beschreibung eines Wandels. Und nur, weil es Beharrungskräfte in der Gesellschaft gibt, heißt das doch nicht, dass mittelfristig die zwingende ökonomische Logik dieses Wandels nicht greifen wird? Du gehst weiterhin nicht darauf ein, dass es doch rein ökonomisch Umwälzungen geben *muss*, wenn eine bislang herrschende Knappheit aufgehoben ist. Das kann man doch nicht einfach wegschieben?

    “Etwa in den Lokalzeitungen?” – Wer guckt im Rathaus nach dem Rechten? Wer berichtet darüber, ob der Bürgermeister korrupt ist? Der Spiegel?

  30. Martin Oetting |  06.01.2010 | 17:19 | permalink  

    @mfrenzel
    In der Tat ein guter Punkt. Auch bei der Produktion von medialen Inhalten bricht sich der Wandel seine Bahn, dank Content der “Nutzer”, und aufgrund der Diskussion darüber, was/wer eigentlich künftig als Journalist anerkannt wird. Insofern sollte man Subsystem 3 vielleicht auch als im Wandel begriffen diskutieren. (Das hatte Robin in der redaktionellen Diskussion über den Artikel im Vorfeld bereits angeregt, ich hatte es aber irgendwie nicht ganz begriffen … ;)

    Das Wegrationalisieren in den Redaktionen ist allerdings meiner Ansicht nach nur ein Ergebnis von der Veränderung im Finanzierungssystem – nicht originär Facette des Medienwandels.

  31. Chat Atkins |  06.01.2010 | 17:23 | permalink  

    Dieser Wandel wird auch an den Medienberufen nicht spurlos vorübergehen. in dem Punkt ist mir dein ansonsten großartiger Text in seinem Prophetengestus zu optimistisch. Nicht nur die massenmedialen Schlachtschiffe laufen auf Grund – und mit ihnen die graubärtigen Verleger auf der Brücke: Als Gutenberg den Druckstock erfand, verschwand das Gewerbe der Kopisten, als die Fotografie aufkam, verschwanden die Lithographen und Zeichner etc. Jeder Medienwandel vernichtet etablierte Berufsfelder, so wie einst die Lava die Bewohner von Pompeji. Und so wird es vermutlich auch unserem reproduzierenden Lego-Journalismus ergehen. Das mediale Gleichgewicht hat sich auf die Rezipientenseite verschoben, es entsteht zur Zeit ein ‘selbstschreibendes Publikum’.

    Um ein festtägliches Verleger-Argument mal anders zu wenden: Der “Qualitätsjournalismus” wird tatsächlich kommen, aber in der Form einer gnadenlosen Auslese. Nur wer wirklich schreiben kann – in dem Sinne, dass er auch ein geradezu schriftstellerisches Interesse bei genügend Lesern bindet – der wird das, was in den nächsten Jahren auf die schreibenden Berufe zukommt, subsistenziell überstehen. Die überschätzte Information hingegen, das ‘Heranrecherchieren’ von Fakten, erfolgt heute schon zumeist auf Initiative ‘von außerhalb’ des Journalismus: Ein medienferner ‘Whistleblower’ oder ‘Informant’ alarmierte in der Regel Hasso, seinen medialen Hofhund, der dann auflagenverstärkt loswuffelte. Diese Funktion allerdings kann mit Hilfe von Suchmaschinen auch die anlassgierige ‘Meute’ im Netz mitübernehmen, dazu braucht es keinen ‘professionellen Journalismus’ mehr. Oder aber, der ‘Whistleblower schreibt sich gleich selbst seinen Text. Ein solch kollektiver Schwarm könnte durch schlichte Ballung von Mikromedien wirkungsvoller agieren als jedes Massenmedium – und endlich eine echte Öffentlichkeit erzeugen, fern von jedem Gatekeepertum. Ähnliches gilt auch für ‘Meinung’, also für Leitartikel, Kolumnen etc.: Ein Heribert Prantl findet seine Leser weiterhin, der merkelfromme, längst intellektuell befriedete Philister und Ressortchef im Buxtehuder Käsblatt nicht mehr …

  32. Stefan |  06.01.2010 | 17:24 | permalink  

    @oetting:“Etwa in den Lokalzeitungen?” – Wer guckt im Rathaus nach dem Rechten? Wer berichtet darüber, ob der Bürgermeister korrupt ist? Der Spiegel?”
    Wo lebst du? D i e s e Recherchen hätten Geld gekostet? Wenn es sie gab, was selten genug der Fall gewesen ist, funktionierte das nicht ausgerechnet über grosse Budgets. Mir scheint, du weisst nicht viel vom Journalismus. Und diese Debatte über Subsysteme und wer als “Journalist” anerkannt wird (von wem? ünlicherweise definieren sich berufe danach,ob man davon leben kann). Das ist wirklich sehr gespenstisch, was das da so rumgedacht wird..

  33. Gk |  06.01.2010 | 17:36 | permalink  

    “Journalist” darf sich jeder nennen. Insoweit ist die Debatte, wer als Journalist anerkannt (?) ist, eigentlich völlig blödsinnig. Naja, ich bin dann mal besser wech…

  34. Martin Oetting |  06.01.2010 | 17:58 | permalink  

    @Gk Wer Journalist ist und wer nicht, hat aber ein entscheidendes Gewicht bei der Frage der Preisgabe vertraulicher Quellen, soweit ich weiß. Daher ist das alles andere als irrelevant.

    @Stefan Dass die Rathaus-Recherchen kein großes Geld brauchen, schreibe ich doch. Und dass sie deshalb weiter möglich bleiben können. Weil man eben den Riesenapparat nicht mehr bezahlen muss, sondern nur noch den einen, der da hingeht. Es gibt dazu eine feine Geschichte bei MEEDIA, vom Heddesheimblog: http://meedia.de/nc/details-topstory/article/ich-bin-die-zukunft-des-lokaljournalismus_100024672.html

    @Chat Stimme Dir komplett zu – und ich halte meinen Text auch nicht für überbordend optimistisch.

  35. nanuk |  06.01.2010 | 18:19 | permalink  

    @34: “Wer Journalist ist und wer nicht, hat aber ein entscheidendes Gewicht bei der Frage der Preisgabe vertraulicher Quellen, soweit ich weiß. Daher ist das alles andere als irrelevant.”
    Hä? Das hat mit Vertrauen zu tun oder mit der Marke. Du meinst die Quellen lassen sich erst den Presseausweis zeigen? Ich bin jetzt auch mal ganz weit wech

  36. Gk |  06.01.2010 | 19:24 | permalink  

    Lieber Herr Oetting, Sie wissen gar nicht, über wie viele vertrauliche Quellen Nicht-Journalisten verfügen. :)

  37. Markus Bertling |  06.01.2010 | 19:53 | permalink  

    Kurz zur Diskussion “Was / wer ist ein Journalist”:

    Ursprüngliche, grundlegende Aufgabe des Journalisten: Aktuell relevante Informationen in einem Bereich recherchieren, zusammenstellen, objektiv (haha, besser: intersubjektiv nachvollziehbar) und unabhängig darstellen, besser noch in einen Gesamtkontext einordnen & das Ergebnis einem Publikum präsentieren.

    Die von Martin beschriebene Filterfunktion (sowohl beim Nachrichtenein- als auch ausgang sowie im Prozess der Nachrichtenerzeugung) sowie der priviligierte Zugang zu Informationen (und sei es der dpa-Ticker / die Teilnahme an einer Bundespressekonferenz) waren/sind für Journalisten der ausschlaggebende Vorteil, den sie bisher ausschöpfen konnten.

    Sowohl Aufgaben als auch Vorteile beginnen jedoch zu bröckeln. Informationsbeschaffung durch Recherche (hallo Google, hallo Wikileaks, hallo Twitter,…) sowie das Filtern relevanter Informationen sind auch für Nichtjournalisten möglich. Damit wird das (eh schon diffuse) Aufgabenfeld des Journalisten zumindest in Teilbereichen auch von anderen, nicht originär mit solchen Aufgaben befassten, Bürgern ausgefüllt. Ist Markus Beckedahl (netzpolitik.org) ein Journalist? Ein Blogger? Wenn Stefan Niggemeier bloggt – ist er noch Journalist? Wenn Johnny Häusler bei Spreeblick nicht über Popkultur schreibt, sondern Jamba anprangert oder politische Vorgänge kommentiert: Was ist das? Wenn René von Nerdcore zwischen allen Zombie-Bildern und WTF-Momenten die Unterstützung für Opel anprangert oder die Zensursula-Debatte kommentiert, dann übernimmt auch er zumindest für den Moment Teilaufgaben eines Journalisten. Natürlich habe ich jetzt große Beispiele herausgegriffen – sehe aber keinen Grund, warum das auf lokaler Ebene nicht ebenso funktionieren sollte (abgesehen vom allgemeinen Nichtgeschehen als Bremse für irgendeine Bericherstattung neben dem Kaninchenzüchterverein…). Wer da bezahlen soll, wer das finden & alles lesen soll usw. usf. soll hier gar nicht Thema sein. Sondern der Gedanke, dass es mittlerweile vielen Menschen möglich ist, journalistische (Teil-!!)Aufgaben zu übernehmen.

    Ich glaube das ist der Kern der Frage, die Martin behandeln wollte – und nicht den Besitz eines Presseausweises. Oder?

  38. Sebastian Schäfer |  06.01.2010 | 20:21 | permalink  

    Gute Analyse. Als Ergänzung empfehle ich das Kapitel “The Great Unbundling” aus “The Big Switch” von N. Carr. Eine Zusammenfassung auf meinem Blog, hier ein Auszug:

    Gemäß der bekannten Long Tail Theorie schafft das Internet eine Welt unbegrenzter individueller Vielfältigkeit und befreit uns von der „Tyrannei des kleinsten gemeinsamen Nenners“ der Massenmedien. Fraglich bleibt, ob mehr Auswahl auch bessere Auswahl bedeutet. Trotz allen technischen Fortschritts bleiben einige kulturelle Güter aufwändig zu produzieren, was ökonomisch immer schwerer zu rechtfertigen ist. Während der Leser einer gedruckten Zeitung ein Paket von unterschiedlichen Inhalten kauft, sind diese Synergieeffekte bei einer Online-Ausgabe nicht mehr gegeben. Hier werden die Artikel einzeln „angesurft“ (gefunden über Suchmaschinen, News-Aggregatoren etc.) und müssen somit auch individuell kalkuliert werden. In Zeiten kontextsensitiver Werbung sind damit die Artikel am profitabelsten, die nicht nur viele Leser ansprechen, sondern auch Themen behandeln, zu denen sich teure Anzeigen schalten lassen. Dies trifft wohl eher auf Beiträge zu Krankheiten oder Produktberichte zu, als auf komplexe Themen aus der Politik oder Zeitgeschichte, die zudem meist deutlich aufwändiger zu produzieren sind. Die Gretchenfrage lautet hier, wie sich hochqualitative Inhalte schaffen lassen, bei denen die Werber nach Clickrate abrechnen und die Leser überhaupt nicht bezahlen möchten.

  39. J. Martin |  06.01.2010 | 20:44 | permalink  

    Einhundert Prozent d’accord: die Anzahl derer, denen wirklich aufgeht, wie radikal die Veränderungen sein werden, ist immer noch verschwindend gering. Und sie umfaßt nur wenige Menschen, die an Schlüsselstellen sitzen und die Macht haben, in dem von Dir genannten Sinne zu experimentieren. Mehr als experimentieren können wir auch gar nicht: Die Veränderungen werden so radikal sein, daß wir keine langfristigen Pläne machen können. Die Beharrungskräfte (Schirrmacher inklusive) sind aber natürlich gerade deswegen so stark, weil die Inkommensurabilität so hoch ist und, ganz nach Kuhn, selbst unsere gewohnten und bewährten Argumentationslogiken in diese Inkommensurabilität mit einbezieht.

    Ein guter, wenn auch langwieriger Weg, ein Gefühl für die Radikalität von Paradigmenwechseln zu entwickeln, wäre das Vertrautmachen mit der historischen Epoche des Übergangs vom Spätmittelalter zur Renaissance. Ein kurzer und deutlich praktischerer ist, Thomas Kuhns The Structure of Scientific Revolutions zu lesen. Dieser Text wird von Tag zu Tag zitierfähiger und aktueller …

    Und, nicht zu vergessen: Starker Artikel! :-)

  40. Chat Atkins |  06.01.2010 | 21:03 | permalink  

    @ J. Martin: Laut Thomas Kuhn müssen die Vertreter der alten Schule aber auch ganz buchstäblich aussterben (oder in Pension gehen), bevor sich ein neues Paradigma endgültig durchsetzt. Es wird also noch eine Zeitlang auf dem Holzweg fortgefahren werden …

  41. J. Martin |  06.01.2010 | 21:07 | permalink  

    @Chat Atkins Ich weiß :-)

  42. Andreas_P |  06.01.2010 | 22:54 | permalink  

    Ja, auch ich kann mich dem allgemeinen Tenor anschließen, und dazu darüber hinaus noch ein paar selbst recherchierte Informationen liefern.
    Die Menschheit befindet sich m.E nicht nur in der sog. Medienrevolution, der Systemwechsel ist noch viel grundlegender. Thomas Friedman “The World is flat” beschreibt eine Welt, die sich so schnell verändert wie noch nie zuvor. (zum guten wie zum schlechten). Manuell Castells hat darüber auch ein Buch verfasst, (in dem es aber etwas beschaulicher zugeht (“Network Society”) … “Castells ist der Gründer der ersten halb-virtuellen Universität (uob.es). Die wirkliche Revolution ist dort zu finden, wo es um Denkweisen geht, die über das streng materielle hinauslaufen. Zum Bleistift findet ja auch ebenfalls momentan die “Open-Source/(Free Software / Hardware)”- Revolution statt. Auf der ganzen Welt arbeiten unglaublich viele Menschen (jetzt schon) quasi in Echtzeit an offenen Projekten, die am Ende wieder das Denken verändern können, und vermutlich auch werden. Bestes Beispiel sei hier nur mal kurz der FireFox Browser genannt, der innerhalb kürzester Zeit es geschafft hat, Microsoft das Monopol abzujagen und IE (in Deutschland schon mal) auf Platz Nr. 2 zu versetzen. Google Chrome holt laut Netapplications doch deutlich auf: 4, 63% und düpiert damit Safari. Allerdings noch kennen wenige die offensichtlichen FLOSS-Vorteile aber nicht mehr ewig, gerade heute habe ich ein Entwicklerblog gelesen der alleine einen vielversprechenden Medienplayer entworfen hat. Und zufälligerweise wohnt/arbeitet dieser jemand auf JAMAICA! Eben gerade eingetrudelt ist ebenfalls die Nachricht das Africa die Möglichkeit haben könnte ein “Smart wegen ARM/Snapdragon”-book für ca 99$ zu erlangen. Dabei ist natürlich das GROS der Afrikaner ausgeschlossen, aber ein paar wenige wird es geben, die sich das leisten können und wollen. Selbst akzeptable (3D-Grafik) lastige Open-Source Computerspiele sind verfügbar. Auch hier hat sich einiges getan, und zu guter letzt kommen noch die offenen Standards sowie die offene Hardware (Arduino, ReFab, und ähnliches dazu) inkl. der Piratenpartei…. (die mehr vorm PC sitzen soll, als Politik zu machen). Mit anderen Worten: JA, wir stecken mitten in der Revolution!

  43. Medienwandel: Vom Filtern und Finanzieren » 50hz - Werkstatt für Netzkommunikation |  06.01.2010 | 23:32 | permalink  

    [...] hat Martin für Carta einen Text verfasst, in dem er verdeutlicht, wieso das herkömmliche Mediensystem keine Zukunft hat, wie [...]

  44. Martin Oetting |  07.01.2010 | 08:13 | permalink  

    @Gk “Sie wissen gar nicht, über wie viele vertrauliche Quellen Nicht-Journalisten verfügen.” – Genau. Und in dem Moment, in dem es eine Rechtsstreitigkeit gibt, kann der Journalist seine Quelle schützen. Der Nicht-Journalist aber nicht (unter Vorbehalt eines Rechtskenners, der das besser weiß).

    @Markus Bertling: Ja, darum ging es mir in dem Kommentar natürlich auch – und eben um die Frage, was es für Nicht-Journalisten rein rechtlich bedeutet, wenn sie journalistisch tätig sind.

  45. Martin Oetting |  07.01.2010 | 08:19 | permalink  

    @Sebastian Schäfer “Die Gretchenfrage lautet hier, wie sich hochqualitative Inhalte schaffen lassen, bei denen die Werber nach Clickrate abrechnen und die Leser überhaupt nicht bezahlen möchten.” – Eben aus diesem Grund kann es sein, dass Werbung künftig nicht mehr als Finanzierungsquelle für guten und notwendigen Journalismus ausreicht, weil die Kontextsensitivität und das “Unbundling” den wirklich politisch und gesellschaftlich relevanten Journalismus so unrentabel machen, dass er unternehmerisch nicht mehr finanzierbar ist. Es sei denn, der entsprechende Journalismus ist – befreit von der Notwendigkeit, einen großen Verlegerapparat mitzutragen – vielleicht so günstig, dass man ihn auch mit “Peanuts” bezahlen kann. (Siehe wiederum das Beispiel Heddesheimblog, das ich bei #34 schon verlinkt hatte.)

  46. Gk |  07.01.2010 | 08:41 | permalink  

    @Martin Oetting, Sie argumentieren viel zu pauschal. Auch bei den Nicht-Journalisten gäbe es Ausnahmen. Zudem darf JEDER – und das ist für die Branche nicht gut – Journalist nennen, auch im Nebenberuf. Etwaige Gewinne würden aus freiberuflicher Tätigkeit bei der Finanzverwaltung deklariert werden. Den von Ihnen beschriebenen Problemfall der “Quellenfreigabe” gäbe es kaum oder gar nicht. Oder kennen Sie einen?

  47. JF |  07.01.2010 | 08:53 | permalink  

    Nur um was Unterhaltsames zu diesem ausgezeichnetem Artikel
    beizusteuern, hier eine alte amerikanische Werbung, ein Werbefilm, 10 Min.,
    gemacht etwa 1940, der sich an Studenten wendet und mit dem Beruf des
    Reporters wirbt.
    Das Video, in engl. Sprache, hat die gleiche Qualitaet wie alte Filme,
    vermittelt einen Eindruck wie sich der Betrieb von innen in alter Zeit
    verstand. Kein Problem fuer Medienkritiker!

  48. Linkwertig: Cory Doctorow, Medienwandel, Tumblr, Phitter » netzwertig.com |  07.01.2010 | 09:01 | permalink  

    [...] » Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats [...]

  49. KoopTech » KoopTech empfiehlt ... Medien » Martin Ötting über den “Kommunikationswandel” |  07.01.2010 | 11:36 | permalink  

    [...] sondern das Wort “Kommunikationswandel” in seiner lesenswerten Analyse der revolutionären Veränderungen im Medienbereich verwendet – wahrscheinlich weil [...]

  50. Karl Bold |  07.01.2010 | 11:56 | permalink  

    Und wieder einer, der den Schirrmacher nicht verstanden hat.

    Das Internet tendiert zu kurzen Meldungen und zu rasch wechselnden Themen. Verständnis baut sicher eher durch gründliche Beschäftigung und Wiederholung auf.

    Die Japaner bereisten früher europe in six days. Da wurde mal Neuschwanstein mit Rottenburg verwechselt. Macht ja nichts. Glücklich waren die Asiaten danach dennoch. Aber ähnlich verhält es sich mit dem schneller, oberflächlichen Themenwechsel im Internet. Und genau darauf wies Schirrmacher hin. So schwer zu begreifen?

  51. Martin Oetting |  07.01.2010 | 12:00 | permalink  

    @Karl Bold: Sie haben offenbar meinen Text nicht gelesen. Es geht nur am Rande um Schirrmacher und auch eigentlich nur um dessen Unbehagen. Dieser Eintrag handelt in erster Linie von der zwingenden ökonomischen Notwendigkeit, dass das Internet eine revolutionäre Veränderung der gesamten Medien- und Kommunikationslandschaft nach sich ziehen muss.

    Dem Aspekt, den Sie beschreiben – dass mancher Gedanke mehr braucht als einen kurzen rasch hingehauenen Text – stimme ich voll und ganz zu. Und finde das daher auch alles andere als schwer zu verstehen.

  52. Lesenswertes aus der KW01/2010 « Marketing-Search Blog |  07.01.2010 | 13:06 | permalink  

    [...] Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats (carta) [...]

  53. links for 2010-01-07 « Das Textdepot |  07.01.2010 | 13:30 | permalink  

    [...] Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats — CARTA Sehr guter Artikel von Martin Oetting, in dem er v.a. auf die "Neujustierung von vier Teilsystemen unseres Medienapparats" (Verteilungssystem, Finanzierungssystem, Produktionssystem, Filtersystem) eingeht (tags: media socialmedia journalismus) [...]

  54. Wittkewitz |  07.01.2010 | 13:42 | permalink  

    Die vier Subsystem und Thomas Samuel Kuhn. Sollen wir näher auf Lakatos’ Kritik an Kuhns Thesen eingehen, sollen wir die Inkommensurrabilität nochmal diskutieren? Ja, der Autor hat Shirky, Rosen und Jarvis gelesen. Ob er sie auch wirklich verstanden hat? Ich habe meine Zweifel. Vielleicht hätte er das eine oder andere aktuelle US-Buch aus der zweiten Jahreshälfte zum aktuellen Stand der Verlagsdiskussion lesen können. Da wäre dann aber der ganze Komplex behandelt worden, nämlich inklusive der Rundfunkanbieter. Wenn man von Systemen spricht, wäre es gut, sie zu bestimmen, ihre internen Strukturen und ihre Organisationsform zu klären und mit äußeren Parametern und anderen System in einen funktionalen, historischen und strategischen Kontext zu stellen. So liest es sich wie der 152. Aufguß einer Mediendeutung von Gnaden Shirky et. al. Schön, dass wenigstens in den Kommentaren das Kapitel von Carr auftaucht. Leider fehlen in diesen Betrachtungen die aktuellen Stellungnahmen von Shirky und Rosen zum Thema, die diesen gesamten Artikel inhaltlich und intentional überflüssig machen…

  55. Martin Oetting |  07.01.2010 | 14:03 | permalink  

    @Wittkewitz Das mit Lakatos ziehlt ins Leere, denn Sie verstehen doch hoffentlich auch, dass ich nicht von Wissenschaftsrevolutionen schreibe (und also auch keine entsprechende Debatte anzetteln will), sondern Kuhn nur als Aufhänger benutze, um etwas anderes zu illustrieren. Ansonsten haben Sie insoweit recht, als ich natürlich die Gedanken von Shirky (dessen erklärter Fan ich bin) und anderen kenne und verwende. Aber eben daraus eine Replik an jene versucht habe, die in Deutschland – und eben nicht in den USA – fordern, die Politik müsse nun endlich den Medienmachern gegen Google helfen. Alles, was an aktuellem Wissen in meinem Beitrag fehlt, kann hier ansonsten natürlich gern hinzugefügt werden. Dafür haben wir ja die Kommentare. Und natürlich habe ich nicht alles gelesen, was man zu dem Thema lesen kann. Wer hat das schon? Auch darum ist die offene Publikationsform inkl. Kommentarfunktion ja sowas Feines. Da können dann Leute, die eindeutig mehr wissen, gern ihre Anregungen geben. (Obwohl Sie wohl hier eher angeben als anregen.)

  56. Thomas |  07.01.2010 | 14:30 | permalink  

    @wittkewitz: Oh Gott, der Auskenner Wittkewitz mal wieder.Was der alles gelesen hat und wen der alles berät. Dieses “ihr seid total hinter der diskussion zurück”, dieses wichtigtuerische Bescheidwissen ist in dem Zusammenhang einer solchen Biographie eigentlich nur noch komisch.

  57. msdos |  07.01.2010 | 14:34 | permalink  

    @Thomas: Ich habe mal mit einem Opfer der Wittkewitzschen Beratung gesprochen. Ein völlig unbeacktertes Gebiet, diese Mischung aus Hochstaplertum und Avantgardgetue. Andererseits er verspricht seinen Kunden genau, das er nichts halten kann:Es gibt keine Prozesse. Es gibt keine Optimierungen.

    Es gibt Menschen. Es gibt Aufgaben. Es gibt Kompetenzen.

    Ich bin kein Coach. Ich kann das nicht. Ich will das auch nicht.

    Jeder muss seinen Weg allein gehen, bis auf die, die das gerne zusammen tun möchten. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, dann bin ich richtig bei Ihnen – fürs Firmenwissen, fürs Firmengewissen, für die Organisationsentwicklung oder für einen Schritt auf ganz dünnem Eis.

  58. ommelbommel |  07.01.2010 | 14:38 | permalink  

    So einer ist der Wittkewitz:
    “Gut lesbar muss es sein – und verständlich. Wir recherchieren und schreiben Inhalte mit Gehalt und leiten so interessante Themen und Fragestellungen zu den Menschen. Seien es ganze Bücher als Ghostwriter, Studien, die Konzeption neuer Beilagen, einzelne Artikel oder das Umsetzen einer Strategie – vom Produktdatenblatt bis zum Intranetprojekt. Unsere Kunden sind in der Industrie, im Handel sowie Dienstleister von der Agentur bis zum Verlag.”

  59. J. Martin |  07.01.2010 | 14:45 | permalink  

    @Wittkewitz

    101 $name_dropping != $argument

  60. stern |  07.01.2010 | 14:54 | permalink  

    ja, gern auch für die eads:
    http://www.wittkewitz.de/cms/de/startseite.php

  61. Wittkewitz |  07.01.2010 | 15:03 | permalink  

    @Oetting

    Genau, der Einstieg in den Text zielt ins Leere. Denn Kuhn passt hier gar nicht. Man müsste eher erklären, warum die Syntagmata nebeneinander existieren. Es ist eben nicht erklärt worden, warum es den deutschen Verlagen sehr gut geht und den amerikanischen nicht. Die Probelem liegen eher in der Eigentümerstruktur und dem stakeholder value, der bei den alteingessenen Verlegerfamilien bisher nicht so verbreitet war. Die wollten einfach ihre Macht und ihren Einfluss wahren und waren daher nicht so sehr auf die guten Artikel, die zu schicker Werbung passen angewiesen. Von daher waren Journalisten nur eingeschränkt, wenn es um Golffreunde und ähnliche Familienbande ging. In den USA geht es seit geraumer Zeit nur noch um billige Produktion mit hoher Werbekompatibilität. Dass die Unsitte auch hier umgreift, ist ein Phänomen, das weder printspezifisch ist noch etwas mit dem “Siegeszug” des Web zu tun hat.

    Man könnte auch erklären, warum das erwartete Wunder, dass das Web Wachstum zurückbringt (auf Kosten der Kleinanzeigen), nicht eingetreten ist. Warum Springer und Konsorten nun auf Warren Buffets “Burggraben-Argument” aufspringen? Es scheint zumindest hier in diesem Artikel nicht erklärt.

    Warum “First Mover” im Web fasst immer diejenigen sind, die zuerst ins Grass beißen (Yahoo, Lycos, Siebel etc), wird hier auch nicht ersichtlich.

    Die Verlage haben alle ein großes Problem, dass sie mit fast allen Branchen teilen, ihre Obsession für Wachstum macht sie blind für Wettbewerbsvorteile.

    Es gäbe noch vieles zum Thema zu sagen. Es scheint, dass einige Kommentatoren ein argumentum ad hominem vorziehen. In der Lehre Lehre der Rethorik ist dies immer ein klares Zeichen für einen Mangel an Sachargumenten. Nun denn.

    Es bleibt die Tatsache, dass dieser Fleißtext einfach nur das zusammenfasst, was eigentlich schon viel ausführlicher und deutlich präziser von Shirky, Rosen und Carr publiziert wurde. Es hat also wenig Sinn, die Argumente des letzten Jahres zu bejubeln.

  62. Wittkewitz |  07.01.2010 | 15:08 | permalink  

    @stern

    War sehr spannend, den Relaunch des EADS-Magazins zu begleiten. Eine Zeitung, die in vier Ländern, vier Sprachen und mit vier Kulturen gemeinsam erstellt wird, hatte nicht nur auf redaktioneller Seite ihre Herausforderungen. Aber das würde hier sicher den einen oder anderen Horizont sprengen…

  63. stern |  07.01.2010 | 15:16 | permalink  

    ja, ghostwriter der seine interessen nicht auseinanderhält, mischung von redaktion und verlag, und das alles gibt sich dann auch noch als objektiv aus. finde ich nicht so genial, dass jetzt die ganzen Koofmichs auf objektiv machen

  64. Wittkewitz |  07.01.2010 | 15:22 | permalink  

    @stern

    Aus der Sicht eines anonymen Kommentatoren erscheint diese tiefe Kenntnis der Verhältnisse sehr mutig und profund.

    @all

    Bitte schaut Euch diese Interview an:

    http://www.hauptstadtblog.de/article/6170/bezahlinhalte-im-netz-aufmerksamkeit-rausschmeissen

    Ist auch hier bei carta verlinkt, es ist zwei Größenordnungen relevanter als obiger Text.

  65. Chat II |  07.01.2010 | 15:23 | permalink  

    Immerhin, er sagt, das er sich kaufen lässt. Und nennt das auch noch Reputation;

    “Meinungsführerschaft. Dazu braucht man eigene Gedanken. Dies ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um ein Corporate Blog erfolgreich einzusetzen. Sie brauchen eine oder mehrere Personen, die wirklich etwas zu sagen haben. Das Niederschreiben kann ja eine Agentur oder ein Freier Autor übernehmen (in aller Unbescheidenheit und an die Adresse eventuell prekärer, aber talentierter Blogger die hier mitlesen, kann ich sagen, dass man damit gutes Geld verdienen kann), aber das Denken sollte hauptsächlich in der Firma verbleiben. Denn Inhalte, die außerhalb einer Imagestrategie oder eines Firmenprofils schlicht die Aufmerksamkeit ziehen sollen, sind genauso schädlich wie langweilige Artikel. Beachten Sie besonders die Kommentare und den Dialog über die Kommentarfunktion.”
    http://www.wittkewitz.de/cms/posts/was-firmen-bei-blogs-richtig-machen-koennen18.php

  66. Don |  07.01.2010 | 15:26 | permalink  

    Wittekwitz hat die ZEIT beraten….? Vielleicht will er das mal verdeutlichen, ehe ich es tue.

  67. Wittkewitz |  07.01.2010 | 15:35 | permalink  

    @Don

    Ja gerne her Sargnagelschmiede, das wäre spannend. Ich würde gerne etwas über mich erfahren. Bitte mit Quellenangabe.

  68. Wittkewitz |  07.01.2010 | 15:36 | permalink  

    Is ja super hier, solche Kommentare kenne ich ja sonst nur vom spreeblick…

  69. Don |  07.01.2010 | 15:39 | permalink  

    wait and see

  70. Wittkewitz |  07.01.2010 | 15:40 | permalink  

    Ich dachte schon, dass es hier schnell persönlich wird, bevor Sachargumente mit offenem Visier diskutiert werden. Ein Glück, dass hier nicht in so kleiner Münze die Zeit verplempert wird, sondern jeder Gedanke einzeln seziert wird. Es geht ja schließlich um die Sache und nicht darum, dass ein Horde anonymer Kommentatoren(innen? eher nicht) eine prekäre Form der Will’schen talkshow pflegen…

  71. Peter Strobl |  07.01.2010 | 15:43 | permalink  

    @wittkewitz: kann es sein, dass Sie schlichtweg übergeschnappt sind. Das ist ja bei Ihnen habituell, dieses Bescheidwissen. Vielleicht weils dann umgekehrt wieder Kunden bringt. Grauenhafte Wichtigtuerei a la : “Ich kann auch gerne auch mal einen Vortrag in der Redaktion halten über das moderne Medienrecht und Bildredaktion im Besonderen.”

  72. Martin Oetting |  07.01.2010 | 15:52 | permalink  

    Kleine Bitte allerseits: könnten wir das mit den “ad hominem”-Attacken auf Herrn Wittkewitz an dieser Stelle bleiben lassen? Der erste Kommentar war wichtigtuerisch und von oben herab, und ich habe mich zunächst gefreut, dass ich mit der Meinung nicht allein war. Aber mit Kommentar Nummer 61 schreibt er interessant und äußert sich zum Thema, und das verdient m. E. beachtet zu werden. (Leider habe ich grade nicht die Zeit, darauf zu antworten, aber das mache ich noch.) Was der eine oder andere hier aus anderen Anlässen für ein Huhn zu rupfen hat, gehört aber meiner Ansicht nach hier nicht her. Denn es bringt den Lesern wirklich keinen Gewinn, wenn hier (vermeintliche?) Insidergeschichten über andere Kommentatoren ausgetauscht werden.

    (Ich habe hier nicht mehr zu sagen als jeder andere Kommentator, aber ich kann ja immerhin eine Bitte äußern.)

  73. Robin Meyer-Lucht |  07.01.2010 | 15:55 | permalink  

    Ich möchte mich meinem Vorredner anschließen. rml

  74. Redaktion Carta |  07.01.2010 | 16:03 | permalink  

    *Mit-der-zurück-zum-Thema-Glocke-läut *

  75. Wittkewitz |  07.01.2010 | 16:19 | permalink  

    ach ja

    @Chat II

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, der von ihnen zitierte Artikel vom Blog meiner Seite wittkewitz.de ist eine Zusammenfassung eines Artikels von Chris Brogan. Es wäre schön, wenn sie nicht die Wechsstaben verbuchteln würden, wenn sie jemanden “zitieren”…aus welchen Gründen auch immer…

    and now to something completely different!

    bonne soirée

  76. Wolfgang Michal |  07.01.2010 | 17:09 | permalink  

    Wunderbarer Text. Eins der geforderten 1001 Experimente startet übrigens kommende Woche unter http://www.magda.de: MAGDA – das Magazin der Autoren. Es geht voran!

  77. Chat Atkins |  07.01.2010 | 17:51 | permalink  

    @67 / Wittkewitz: Was hat denn jetzt meine kleine Sargnagelschmiede mit dem großen Ballyhoo hier zu tun?

  78. Robin Meyer-Lucht |  07.01.2010 | 17:56 | permalink  

    Chat & Wittkewitz: könntest ihr das per Mail klären? Hier soll es um die Thesen von Martin Oetting gehen. gruss, rml

  79. Chat Atkins |  07.01.2010 | 18:03 | permalink  

    @ Robin: Ich habe mich bisher als weißer Ritter dieser kommunikativen Tafelrunde immer streng am Thema entlang gehangelt – nur zur Erinnerung.

  80. Wittkewitz |  07.01.2010 | 19:11 | permalink  

    @Chat Atkins

    Ich kenne die Sargnagelschmiede nicht und bin mir sicher, dass sich da einer Deinen Namen geklaut hat. Es geht also nur um Chat II (mein Hinweis auf dessen etwas dürftige Exegese), der offenbar keine eigene Website oder ein Blog hat…

    Da hatte wohl einer eine schlechte Nacht oder einen bösgelaunten Chef, sowas landet immer mal wieder in den Kommentaren, man erkennt es immer am Pseudonym mit nicht-existenter Website…

  81. Johannes |  07.01.2010 | 22:30 | permalink  

    danke für den text. mir hilft so etwas immer, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin. aber das ist wohl auch nicht der zweck der sache. entscheidend ist, einen ansatz zum begreifen zu bekommen, die debatte fortzusetzen, mit anderen debatten abzugleichen, letztlich zu einer eigenen meinung zu gelangen.

    deshalb verstehe ich dieses typische blog-geballer a la stefan auch immer nicht. er mag ja in einigen punkten recht haben, aber die grundsätzlichkeit und die ausdrucksform seiner ablehnung ist so unbeschreiblich dumm und destruktiv. in der realen welt nennt man so einen ein ekel.

    es ist vielleicht eine binse, wenn ich noch anmerken möchte, dass sich qualität am ende immer durchsetzen wird. und das wird auch für den guten journalismus gelten, auch den bezahlten. solange es gute zeitungen und zeitschriften gibt, werden weiterhin viele leute dafür bezahlen. es ist ja noch nicht zuende (der spiegel verkauft gerade so viele exemplare, wie noch nie zuvor).

    der zeitpunkt, an dem viele zeitungen unter die für print und vertrieb mindestens notwendige auflage fallen, wird allerdings kommen. dann sind diese blätter auf das web angewiesen – und werden eine menge leser, die bereit sind zu zahlen, weil sie es jetzt ja auch schon tun, mitziehen. davon bin ich zutiefst überzeugt.

    vielleicht ist es am ende auch ganz anders und es geht ein großes aufatmen durchs land, wenn der journalismus endlich befreit ist von den lästigen zwängen der herstellung auf papier und des vertriebs. ökonomisch und ökologisch betrachtet ist das schon längst von gestern. es fehlt nur noch der kleine technische zwischenschritt und die bereitschaft der meisten, den persönlichen schritt zu machen.

    google hat dann am ende doch keine so überragende rolle, wie viele jetzt denken. denn natürlich liefert google ein breites spektrum an beiträgen zu jedem stichwort. aber zu wissen, wo die wirklich gut gedachten und gut geschriebenen inhalte stecken, ist ja die eigentliche herausforderung. und genau so, wie ein guter gedanke und ein guter text nach wie vor ein schönes und in seiner komplexität kaum analysierbares wunderwerk ist, wird es auch in zukunft verleger geben, die dies spüren, bündeln, publizieren und letztlich so bekannt werden und bekannt machen.

    denn google kann genau das nicht: die seele eines guten textes spüren.

  82. Lesezeichen vom 7. Januar 2010 | PolkaRobot |  07.01.2010 | 23:00 | permalink  

    [...] Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats — CARTA [...]

  83. Martin Oetting |  08.01.2010 | 08:59 | permalink  

    @Wittkewitz, #61: Auf welche Sie Syntagmata beziehen Sie sich in diesem Zusammenhang – mir ist der Bezug nicht klar?

    “Es ist eben nicht erklärt worden, warum es den deutschen Verlagen sehr gut geht und den amerikanischen nicht.” – Das war auch nicht Ansinnen des Textes. Aber hier ein Kurzversuch: was ich zu beschreiben versucht habe, behandelt einen wirklich fundamentalen Wandel aufgrund einer ökonomischen Gesetzmäßigkeit, der mit einer substanziellen Gewöhnung wirklich großer Teile der Bevölkerung an digitale Medien (u.a. auch unterwegs) einher gehen müsste. Und mein Eindruck aus eigenem Erleben ist, dass in weiten Teilen der USA der Umgang mit dem Web längst deutlich selbstverständlicher ist als hier.

    “… stakeholder value, der bei den alteingessenen Verlegerfamilien bisher nicht so verbreitet war” – Hier widersprechen Sie sich doch selbst, oder nicht? Gerade alteingesessene Verlegerfamilien sind doch sozusagen der Inbegriff der Stakeholder-Value-Orientierung, während in vielen Medienunternehmen der USA doch grade der Shareholder-Value-Ansatz die von Ihnen beschriebene Entwicklung hin zu werbekompatibler Schreibe befördert. Was meinen Sie also genau?

    Dass sich der Journalismus in den USA aus kommerziellen Gründen in eine falsche Richtung entwickelt hat, mag sein. Darüber weiß ich zu wenig. Dass er das hier eventuell auch tut, kann ebenso sein. Aber darum geht es mir nicht. Sondern darum (auch auf die Gefahr hin, wie eine Platte mit Sprung zu klingen), dass man nicht einfach wegdiskutieren kann, wenn ein Markt mit hohen Eintrittsbarrieren diese Barrieren mit einem Schlag verliert. Da spielt es keine Rolle, welche Fehler in der Vergangenheit gemacht wurden, oder was für ein Unsinn heute passiert. Da gibt es einen Umbruch – den muss es geben.

    Desweiteren bin ich nicht sicher, wer erwartet hat, dass das Web “Wachstum zurückbringt”? Ich jedenfalls nicht – ganz im Gegenteil gehe ich davon aus, dass das Web zumindest Umsatzwachstum und Gewinne reduziert, denn es hebelt doch – wiederum: davon handelt mein Text – die oligopolistische Struktur der Medienlandschaft aus.

    Die These, dass die Fist Mover als erstes in Gras beißen, ist nicht unproblematisch. Dafür müsste man definieren, was im Web ein First Mover ist? Der, der die erste Suchmaschine baut? Oder der, der die erste funktionierende Suchmaschine baut? Aber wenn wir sie mal aufrecht erhalten wollen, dann ist die Antwort aus meinem Text doch relativ klar – in revolutionären Zeiten weiß niemand, wo es lang geht. Insbesondere die First Mover nicht. Sie sind die Experimentierer. Und diese Experimente gehen eben dann auch gern schief. Andere gucken zu und machen’s besser.

    Was das Interview mit Urs Gossweiler (#64) betrifft: eine feine Sache, ganz herzlichen Dank für den Hinweis. Aber wie soll man das Gespräch mit einem Akteur vergleichen mit dem Versuch hier, eine allgemeinere ökonomische Überlegung in ein paar Zeilen auszuformulieren? Äpfel und Birnen?

  84. Wahre Worte: Zur Zukunft des Qualitätsjournalismus - nicozorn.com |  08.01.2010 | 10:00 | permalink  

    [...] Martin Oetting auf Carta.info: Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats [...]

  85. Wittkewitz |  08.01.2010 | 11:00 | permalink  

    @Ötting

    Ein Syntagmata sind mehrere Zusammengesetzte. Ich denke, dass eine klare Trennung der organisatorischen Aufgaben eines Verlags weniger hilfreich ist, als es zunächst erscheint. Darüber wurden Legionen von Büchern verfasst. Das Zusammengesetzte sind die jeweiligen persönlichen, historischen und lokalen bzw. überregionalen Gründe für das Überleben eines Verlages. Ihre Einteilung von Punkt 1-3 entspricht ja einer traditionellen Struktur aus Produktion und Absatz wobei der Einsatz von Kapital tatsächlich der spannendere ist. Ich habe wirklich den shareholder-value gemeint, als ich auf das amerikanischen Kapital in den Verlagen abhob, das fern von publizistischem Ethos kurzfristig investiert. Die ZEIT brauchte über zwei Jahrzehnte, um lukrativ zu werden, solchen Atem hat kein Risikokapitalgeber, zumal der immer mit einem exit kalkuliert, der entweder Börsengang oder Verkauf heißt. Die Änderungen des technischen Fortschritts der Absatz- und der Produktionsbedingungen (viele vergessen immer, das Google die Kosten der Recherche in ungeahntem Maße reduziert hat, wenn sie auf auf die billige Druckerpresse Content Management System verweisen) kann ich nicht als Revolution verstehen, da keine leitende Idee diesen Umsturz hervorgerufen hat um zur Macht zu gelangen. Die Verleger hatten die Macht. Die Inflation des Content Managements passierte über die Open Source Bewegung der 2. Generation, also diejenigen, die das kostenlose Spielzeug der Freaks, Geeks und Nerds zu einem leicht bedienbaren Werkzeug machten unter lautem “Klickibunti”-Gejohle der 1. Generation Open Source. Leider wird dieser Unterschied bisher in keiner Betrachtung unterschieden. Denn darin liegt Ursache und Potenzial von social software: es geht um das einfache Bedienen.

    Aber halt! Liegt wirklich ein Wettbewerb vor zwischen Blogs und flickr und dem lokalen Zeitungsverlag? Ich denke, dass das bisher nicht der Fall ist. Wer mehrere Bekannte hat, die täglich im Netz sind, der wird wissen, dass diese bis heut nicht wissen, wie man ein blog bedient – also wie man sich darin zurecht findet. Denn die Suchfunktionen und die chronologische Abfolge ist nur für wenige Nutzer und Leser wirklich attraktiv – eben diejenigen, die eh viel im Netz sind. Es besteht eine sehr enge Bindung vieler Leser zu lokalen Inhalten. Die produzieren bsiher wenige Blogs in umfassender und zuverlässiger Qualität über Jahre hinweg. Aber das kann sich ändern. Dies erscheint aber sehr evolutionär, denn die Leser werden zusammen mit den neuen Möglichkeiten älter und reifer – das ist aber in keiner Weise revolutionär.

    Der Begriff der Revolution beinhaltet ja eben diese neue Idee, die an die Macht will und den bisherigen Souverän ablösen will. Anders die Revolte, die eher aus der Natur und der Liebe zum Schöneren geboren wäre. Das könnte man den wenigen “Ideologen” unter den Blogger ans Revers heften, ich sehe da Markus Beckedahl oder fefe-Felix. Die aber sind außerhalb der Konkurrenz. Denn es gibt keine Zeitung, denen sie irgendwie Konkurrenz machen könnten.

    Es ist anscheinend auch noch immer so, dass auch Sie den Journalismus mit den Medien ineins setzen. Das ist eine sehr rückwärts gewandte Diskussion, die in keiner Weise die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte reflektiert vom Autorenfilm über das Bürgerradio und Fernsehen bis zu Institutionen wie dem NPR in den USA.

    Die Leser haben die Zeitungen mit den Kleinanzeigen und Stellenangeboten bezahlt. Das sich dies änderte, war schon Anfang der Neunziger klar und real geworden mit den reinen Kleinanzeigenblättern, die auch per Druckerpresse und den üblichen Distirbutionwegen verteilt wurden. Auch hier ist ihre Argumentation am Web verfehlt und sehr kurz gesprungen.

    Zurück zum Kern des Pudels:
    “dass es gerade keine automatische ursächliche Verbindung zwischen Unternehmerinteressen und einem funktionierenden Journalismus gibt.”

    Ja, aber? Wäre das nicht der Dreh- und Angelpunkt eines Artikels über Mediensystem? Nein, genau dieser Satz ist ein Hinweis, dass die diversen Systemlehren sich ergehen in Grenzdefinitionen und Strukturen und Elementen. Dann kommt aber nichts mehr. Die Organisation dieser Strukturen und Elemente, also quasi das agens des Wirkens fehlt in ihrem Artikel zur Gänze.

    Der lakonisch Nexus zwischen Gutenbergs beweglichen Lettern (er hat NICHT die Druckerpresse erfunden!) und den Massenmedien als Teil der demokratischen Ordnung halte ich für das, was wirklich einer Revolte bedarf. Denn genau hier, bei dem vermeintlichen Automatismus, der bei carta und anderswo so gerne inflationiert wird, kann eine echte Neuerung ansetzen, die sich der social software bedient. Hier kann man auch Beckedahl und von Schwenzel als Pioniere erkennen, die mehr und andere Nachahmer brauchen für whistleblower, für parteiferne Interessenswahrung, für die Organisation außerparlamentarischer Aktivitäten, um die bürgerlichen Rechte und Pflichten real umzusetzen. Denn das politische Lager, dass sich selbst als “bürgerlich” bezeichnet ist sehr weit vom Kern des Begriffs Bürger entfernt.

    Dieser NExus zwischen digitaler Publikation, Organisation und Koordination und Bürgern/Demokraten ist das eigentliche Neue. Es ist bisher keine Revolution. Aber es hat das Potenzial, die Parteiendemokratien in ein oder zwei Dekaden zu zerbröseln.

    Die Politiker und Zeitungen wissen das, deshalb versuchen sie gemeinsam, die Deutungshoheit zu behalten.

    Das ist übrigens die einzige Knappheit, die Medien bisher ausgenutzt haben: Zugang zu den wichtigen, entscheidenden Personen und Informationen zu haben. Diese Deutungshoheit darüber, was auf welche Weise publiziert wird, war und ist das Kapital und der Wettbewerbsvorteil.

    Ob social software oder das Web allgemein, diese Privilegien ins Wanken bringen, liegt am Willen und der Potenz der Bürger und nicht am Kapital, den Druckerpressen oder der “Inkommensurabilität” der schizophrenen Paradigmen eines Thomas Samuel Kuhn.

  86. Most Tweeted Articles by Fsa09 Experts |  08.01.2010 | 11:36 | permalink  

    [...] gegen kritische Medienwissenschaftlerin – Der Schockwellenreiter 6 Likes Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats — CARTA Der gegenwärtige Medienumbruch hat die Wucht eines Paradigmenwechsels, an dessen Ende ein neues [...]

  87. Martin Oetting |  08.01.2010 | 21:06 | permalink  

    @Wittkewitz (Vorneweg: Ich bin da vielleicht ein wenig pingelig, aber Oetting ist mein Name – im Pass, offline, online, ganz gleich, nicht Ötting.)

    “Die Änderungen des technischen Fortschritts der Absatz- und der Produktionsbedingungen [...] kann ich nicht als Revolution verstehen, da keine leitende Idee diesen Umsturz hervorgerufen hat um zur Macht zu gelangen.” – Weil die politisch geplante Veränderung dieses Motiv braucht, habe ich mir ja grade den Revolutionsbegriff von Kuhn geborgt. Denn bei ihm ist dieses Motiv in den meisten Fällen ebensowenig zu vermuten. Und doch erscheint legitim, hier wie dort von Revolution zu sprechen. Oder nehmen wir die industrielle. Auch dort gab es ja keine leitende Idee, die der Umwälzung ihren gedanklichen Boden bereitet hat. Die kam dann erst dazu, als der Prozess im Gang war. So auch hier. Daher braucht es auch keine Revolten-Blogger für meine Argumentation.

    “Dies erscheint aber sehr evolutionär, denn die Leser werden zusammen mit den neuen Möglichkeiten älter und reifer – das ist aber in keiner Weise revolutionär.” – Da kommen wir vielleicht unserer Meinungsverschiedenheit etwas näher. Es ist vielleicht eine Geschmackssache, welche Veränderungsgeschwindigkeit man als Revolution, und welche als Evolution betrachtet. Ich sehe das eben an dieser Stelle einfach anders.

    “Es ist anscheinend auch noch immer so, dass auch Sie den Journalismus mit den Medien ineins setzen.” – Nein, gerade nicht: Journalismus ist bei mir Teilsystem 3. “Die Medien” sind 1 und 4. Genau diese Trennung ist doch so spannend. Und macht meinen Text und insbesondere den “Kern des Pudels” ja erst möglich.

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich Ihren weiteren Zeilen nicht mehr recht folgen kann – warum die Verbindung zwischen Gutenberg und Massenmedien lakonisch ist, wo aus Ihrer Sicht eine Revolte wahrlich notwendig scheint, und warum Beckedahl und Schwenzel nun mit einem Mal doch Pioniere sind … Sie schreiben verklausuliert und in einer Weise, für die mein Hirn wohl einfach nicht ausreicht.

    Aber eines scheint selbst für mich am Ende durch: wenn ich Sie richtig verstehe, besteht Ihr Argument zum einen darin, dass für Sie die Umwälzung keine mediale sondern eine politische ist oder sein wird. Und zum zweiten darin, dass sie als Aufgabe der Bürger zu verstehen ist, und nicht aufgrund von strukturellen Veränderungen geschieht, wie in meinem Text beschrieben. Und an der Stelle kann ich nur sagen: dann reden wir einfach über verschiedene Dinge. Ich habe hier versucht, einen strukturellen Wandel in der Kommunikationslandschaft zu beschreiben. Sie interessiert, in welcher Weise Social Media politische Umwälzungen beflügeln. Letzteres ist sicher ebenso interessant. Und ich vermute, wir wären uns gar nicht so uneins – wenn ich denn über das Thema geschrieben hätte, das Sie viel mehr zu interessieren scheint.

  88. Neujustierung des gesamten Medienapparates « MEDIENBLICK BONN |  09.01.2010 | 00:51 | permalink  

    [...] Martin Oetting über die erforderliche Medienrevolution und die Gestaltung eben dieser. Unser Blick des Tages vom 09.01.2010 >> Soziale Lesezeichen setzen… Hide Sites $$('div.d3436').each( [...]

  89. Wittkewitz |  09.01.2010 | 02:28 | permalink  

    Ok, dann schlichter:

    Argument 1:
    Syntagmata sind mehrere ineinander verschränkte Sinnzusammenhänge, die von außen und vor allem aus der historischen Perspektive als Ganzes wahrgenommen werden. Diese phänomenale Gestalt vor dem Hintergrund anderer “Systeme” ist keine Kommunikation und auch keine “Medien”. Es handelt sich um ein Amalgam aus Funktionen und Erwartungen, das durch Werkzeuge (Schrift, Druck, Sender, Kultur) bedient wird. Dahinter aber stehen Menschen.

    Argument 2: Ein Räderwerk aus ineinandergreifenden Werkzeugen zu beschreiben, ermöglicht nicht Kommunikation zu erklären, zu beschreiben oder zu deuten. Das geht noch nicht einmal in der reduktionistischen Weise, wie die Informationstheorie es tut.

    Argument 3: Menschen machen Werkzeuge und andere nutzen sie. Der Kern des Pudels liegt darin, zu teilen. Die einen teilen ihre Erfindungen, die anderen liefern Erfahrungsberichte. Durch kybernetische Kalibrierung der Nutzer und Anpassung der Techniker werden die Werkzeuge zielgenauer. Das ist keine Revolution und keine Evolution. Es ist einfach der kulturelle Austausch pro bono. Hört der auf, beginnt das Wirtschaften. Die einen verknappen die Werkzeuge, die anderen ihre Erfahrungen. Beide glauben zu unrecht, ohne den anderen leben zu können. Der Markt bricht zusammen. Keine Revolution. Mangelnder Dialog

    Argument 4: Die Finanzierung kollabiert nicht. Sie sucht lukrative Märkte, wie der Süchtige den Dealer genau dort wo sich Dealer eben aufhalten. Aber die Dealer verkaufen verschnittenes Zeug. So können die Investoren ihre Sucht nicht stillen. Zeitungen sind weniger lukrativ als Bauherrenmodelle in den 80ern. Keine Revolution. Marktversagen?
    Es war einfach eine zu geringe Dosis enthalten. Ernüchterung trat ein.

    Argument 5: Neue Drogen werden entwickelt, die weder die Süchtigen, noch die Dealer kennen. Zunächst werden die Produzenten und ihre wenigen Abnehmer als Spinner abgetan. Social Media entsteht nicht als Publikationsform sondern als Kommunikationswerkzeug analog zu Chat oder SMS. Viele Berater glauben, dass man diese Kommunikation als Droge portionieren und verkaufen kann und treten, hauen und stechen nach den vermeintlichen Konkurrenten.

    Argument 6: Die Journalisten waren diejenigen, die allen erklärten, wie toll die Drogen seien, was für Extasen möglich wären etc. Kurz: Sie haben Geschichten erzählt. Bis zu dem Tag, an dem es keine Geschichten mehr waren sondern nur noch das Anfüllen von Rubriken mit immer neuen Inhaltssimulationen, die ins Korsett passten mussten.

    Argument 7: Journalisten sind keine Filter. Sie verbreiten zu mehr als 80% Inhalte, die sie von außen bekommen als Convenience-Ware, also vorfabriziert. Sie veredeln sie nicht einmal. Da ist keine Filterfunktion, es sei denn, man betrachtet die QUOTE oder auch REICHWEITE als einen Filter für journalistische Arbeit.

    Argument 8: Journalisten, Politiker und Meinungsführer der Interessenverbände müssen Agendasetting betreiben – alle im Auftrag von jemandem, der sie dirigiert. Das ist selten der Zuschauer oder der Leser. Es gibt also keine Apparat sondern Autoren, die zwischen den beiden faktischen Keilen der Reichweite und den Interessen, die in eine Redaktion hinein regieren aufgerieben werden unter der gleichzeitigen Landplage des doppelten Leistens mit halber Mannschaft.

    Argument 9: Den Zeitungen ging es noch vor 10 Jahren blendend. Auch den Rundfunksendern. Heute nutzen viele Menschen ihre Zeit anders, weil sie Informationen anders konsumieren. Sie schreiben stundenlang mit Freunden via twitter oder Facebook kurze Nachrichten, sitzen vor einem Videospiel oder koordinieren Aktionen per Web. Aber sehr viele haben den Fernseher oder die Zeitung einfach so verlassen, ohne ins Web zu gehen. Sie machen etwas. Das ist nämlich deutlich primärer, als Informationen und Leben aus zweiter Hand zu erfahren. Der Glaube an die Deutungshoheit der gedruckten Buchstaben ist unwiederbringlich verloren. Nach dem Tod Gottes sind wir Zeuge, wie der Götze Schrift zu einem bloßen Werkzeug des alltäglichen Austauschs geworden ist. “Steht doch in der Zeitung” ist heute kein Beweis mehr. Das ist die Revolte, die ganz klammheimlich über uns kam. Das Netz konnte nichts dafür, es war nur gleichzeitig reifer geworden.

  90. TELI – Wissenschaftsjournalismus und die Wissenschaftsdebatte 2009» Blog Archive » Mut zum Experiment! |  09.01.2010 | 17:59 | permalink  

    [...] beginnt ein lesenswerter Beitrag auf Carta mit dem Titel: Die vier Subsysteme des Medienapparats. Hier ein [...]

  91. Harald |  10.01.2010 | 00:53 | permalink  

    Guter Artikel, der wieder einmal auf den Punkt bringt, was schon häufig gesagt wurde: Umdenken ist angesagt. Ich selbst habe einen Wandel mitgemacht, der für die Zeit vielleicht exemplarisch ist: in den 80ern in der Stahlindustrie, in den 90er Druckereien, und jetzt seit etwa 10 Jahren Webentwickler. Das war nicht einfach, ich bin dabei nicht wohlhabend geworden.

    Wie weit ein Risiko eingegangen wird hängt aus meiner Erfahrung damit zusammen, Entbehrungen in Kauf zu nehmen, Risiken einzugehen und zu experimentieren. Ein großer Teil der Software, die wir heute im Web verwenden – von Betriebssystem über Server, Programmiersprachen und Datenbanken über Programme für Websites bis hin zu den Ausgabeformaten sind so entstanden. Es sind sicher ein paar dabei reich geworden, aber das sind wenige. Das Heer der Programmierer und Autoren, die -auch – kostenlos liefern, ist mit Sicherheit weitaus größer.

    Meiner Überzeugung nach sollte für qualitativ gute Arbeit auch gutes Geld bezahlt werden. Menschen sollten in der Lage sein, sich ein gutes Leben aufzubauen. Aber wenn so ein radikaler Umbruch ansteht, ist das nicht immer möglich.

    Der Filter für redaktionelle Inhalte sind jetzt deutlich stärker die Leser. Das qualitativ gute Inhalte auch die Leser erreichen, wird hier deutlich, aber eben nur eine bestimmte Zielgruppe. Das trifft auch auf diverse andere Blogs, Foren und Websites zu, die ich mehr oder weniger regelmäßig lese.

    Ich denke, dass sind Journalisten vermehrt auf kleinere Spartenprojekte konzentrieren sollten. Sie sollten selbst die Initiative ergreifen und die Ideen der Experimentierer zur Finanzierung aufgreifen. Es nützt nichts, sich an den bösen reichen Verlegern abzuarbeiten. Es bedeutet dann auch für einen selbst Verzicht und Mut.

  92. Martin Oetting |  10.01.2010 | 10:37 | permalink  

    @Harald Das ist ein hilfreicher Hinweis. Der Begriff “Entbehrungen” hätte gut in den Text gepasst – denn ich stimme zu: wenn es um fundamentalen Wandel geht, kann man nicht erwarten, dass harte Arbeit bezahlt wird, denn es weiß ja noch niemand, was diese Arbeit wert ist. Solange es sich um ein Experiment handelt, sind Ausgang und Nutzen unklar. Daher muss man für sich selbst definieren, welche Art Experimente man einzugehen bereit ist, und welche Einschränkungen man dafür in Kauf nehmen mag. Was nichts anderes bedeutet, als dass unternehmerischer Geist gefragt ist. Und auch wenn das vielleicht ein Stereotyp ist: damit tun wir uns in Deutschland ja heutzutage manchmal doch ein wenig schwerer als in manchen anderen Kulturen.

  93. stilstand» Blogarchiv » Medienhass |  10.01.2010 | 10:52 | permalink  

    [...] her … wir alle kennen längst die tief ausgefahrenen Spuren in der großen Mediendebatte. Intelligente Ausnahmen sind dabei selten. Ein entscheidender Faktor kommt überall zu kurz: Der werte [...]

  94. Harald |  10.01.2010 | 12:46 | permalink  

    Manchmal reicht es einfach auch nur aus, Zeit zu investieren. Natürlich bedeutet das auch Verzicht. Dann wird halt die Zeit und das Geld anstatt in ein Restaurant- oder Kinobesuch in ein Webprojekt investiert (klinkt nach “Papa”, weiß ich ;-)). Is aber so.

    Experimentieren heißt auch lernen, und solange es keine etablierten Konzepte gibt, gibt es auch keine guten Weiterbildungsangebote. Es muss, gerade bei Internetprojekten, nicht gleich die Haupteinkommensquelle sein – wenn es überhaupt etwas erwirtschaftet.

    Der Wandel ist eine Chance. Journalisten haben diese Möglichkeiten, die Setzer (Neudeutsch Mediengestalter) und Verwaltungsangestellten vielleicht noch, die Drucker, Zeitungsausträger und Kioskbetreiber schon weniger. Das sind die wirklich Betroffenen des Medienwandels.

  95. Social Media Schmiede » Gastvortrag an der TU Ilmenau: Lehre & Praxis » abiwm, Gastvortrag, Lehre, TU Ilmenau, Universität, Vortrag, Workshop |  11.01.2010 | 10:57 | permalink  

    [...] Das Studium, insbesondere das Selbststudium, sollte sich dennoch mit der Entwicklung der Medien und möglicherweise bevorstehenden Paradigmenwechseln befassen. Ich begrüße es sehr, dass der Erfahrung von Praxispartnern in der Lehre ein Ohr [...]

  96. spadebill media consulting - Argumente für Umdenker |  12.01.2010 | 08:41 | permalink  

    [...] nicht gehört hat: Das Mediensystem wandelt sich gerade. Aber wie und wieso? Martin Oetting gibt bei Carta.info Antworten. var addthis_pub = ''; var addthis_language = 'en';var addthis_options = 'email, [...]

  97. Heinz Wittenbrink |  12.01.2010 | 14:28 | permalink  

    Ich stimme den Schlussfolgerungen zu – bin aber nicht sicher, ob der Ansatz mit den Systemen und Subsystemen stimmt bzw. ob sich überhaupt ein “Medienapparat” verändert. Ich denke eher, dass in einem ganz neuen System – dem globalen Netz – zunehmend Funktionen eines älteren Systems, z.B. die Verbreitung von Nachrichten, übernommen werden. News im Netz und alles was zu ihnen gehört sind aber kein Ergebnis eines Wandels im alten System – es gäbe sie auch, wenn das alte System gar nicht vorangegangen wäre. Nur werden einfach schrittweise Teile des “alten Mediensystems” in das neue System übernommen und rekombiniert.

  98. Volker |  13.01.2010 | 01:33 | permalink  

    In meinen Augen erscheint dieser Beitrag bezeichnend für unsere heutige Gesellschaft zu sein: Es wird viel Wind um wenig Inhalt gemacht, sorry, wenn ich das zum Einstieg so krass ausdrücke.
    Warum bin ich dieser Meinung?
    Ich stimme Ihnen sicherlich zu, daß wir in einer Zeit des beschleunigten Wertewandels uns befinden, ich stimme Ihnen auch zu, daß diese Entwicklung unumkehrbar zu sein scheint, vorausgesetzt, es würde alles “wie gehabt” entwickeln.

    Nach meiner Meinung haben sich die großen Verlage schon längst auf die veränderte Situation eingestellt und prägen mit ihrer unseligen Präsentationsweise einen neuen Informationsstil, der hauptsächlich das Kurzzeitgedächtnis bedient und oftmals rein vom dargebotenen Inhalt dürftig ist. Werbung umrahmt und unterbricht alle Beiträge, für mich ist das schon ein Bruch, der unselig ist, weil die dargebrachten Inhalte oftmals zu sehr durch die Vielzahl der Werbung relativiert wird, wer kann schon einen Inhalt einen außerordentlichen Wert beimessen, wenn er während der Lektüre des Textes nebenher 25 Werbetexte sehen oder bewußt ausblenden muß.

    Diese ganzen Diskussionen sind für mich auch in einer weiteren Hinsicht erschreckend:
    Während wir uns über solche Dinge hier unterhalten, werden über neue Gesetze und Auslegungen von Gesetzen, über neue Verträge und dem Kleingedruckten zu diesen Verträgen Tatsachen geschaffen, die unsere Freiheitsrechte aushöhlen und/oder abschaffen. Alle diskutieren über die Form, über Webmarketing, über Ranking oder auch über Werbemärkte und Budgets, während “die Henker” still und leise die Messer schärfen, die Fallen aufbauen, Särge bestellen, Notstandsverordnungen erlassen, Schießbefehle ermöglichen, Hinrichtungen ermöglichen.

    Schauen wir uns an, was hauptsächlich gebookmarkt wird, so ist überdeutlich, daß die meisten Menschen sich nur und ausschließlich sich um solche Inhalte kümmern, von denen sie meinen, sie könnten allgemein praktisch verwertbar oder aber ansonsten geeignet sein, ihr Wissen um das, was technisch möglich ist, darzustellen. Verfolgt man Bookmarks wird man ab und an erleben, daß auch tote Links gebookmarkt werden, wenn genügend Leute schon “unterschrieben”, “gespeichert” haben. Eigentlich ist also vielen der Inhalt egal. Diejenigen, die im Hintergrund das Recht verändern, wissen darum. Es ist erschreckend, daß das Nichtlesen offenbar auch bei Parlamentariern stattfindet. Sie nicken ab, winken durch, handeln aus – - – und werden irgendwann wie die meisten von uns aufwachen und feststellen, daß sie es verpaßt haben, die Koffer rechtzeitig zu packen. Wehret den Anfängen, wird viel zitiert oder auch daß diejenigen, die aus der Geschichte nicht gelernt haben dazu verdammt seien, sie zu wiederholen ….

    Es ist soweit, die Geschichte hat längst schon wieder angefangen. Ring Ring Ring —- Aufwachen…

  99. schweizweit.net | Wochenrückblick |  18.01.2010 | 15:25 | permalink  

    [...] Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats [...]

  100. links for 2010-01-18 :: Rehgenten |  19.01.2010 | 05:04 | permalink  

    [...] Kommunikationswandel: Die vier Subsysteme des Medienapparats — CARTA "Der gegenwärtige Medienumbruch hat die Wucht eines Paradigmenwechsels, an dessen Ende ein neues Weltverständnis steht. Im Kern sind es Veränderungen in den Teilsystemen der Filterung und Finanzierung, die eine Neujustierung des gesamten Medienapparates erforderlich machen." (tags: Paradigmenwechsel) [...]

  101. Die Intelligentsia des Kaffees und die Vierte Dimension der Kommunikation | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Die Intelligentsia des Kaffees und die Vierte Dimension der Kommunikation |  26.01.2010 | 09:59 | permalink  

    [...] denke nicht, daß die klassische Kommunikationsindustrie, wie wir sie kennen, sich im Gravitationsfeld des Medienwandels langfristig aufrecht halten kann. Aber im Schnittpunkt der beiden Parameter Individualisierung der [...]

  102. Social Media Nutzung für Journalisten | Köpfe des digitalen Wandels im Journalismus |  30.11.2012 | 10:59 | permalink  

    [...] Die Veränderungen unserer Medienwelt sind […] fundamental – wie der Wechsel von der Scheibe zur Kugel. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Dennoch wird in der Öffentlichkeit so getan, als hätten wir die Wahl, bei der bisherigen Organisation unserer medialen Öffentlichkeit bleiben zu können (Martin Oetting). [...]

  103. Kommunikationswandel | kerkko.fi |  27.04.2013 | 22:08 | permalink  

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