Wolfgang Michal

Klaus Staeck: Der Nachplapperer

 | 35 Kommentar(e)


Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, hat sich im Tagesspiegel über die „Blogorrhoe“ im Netz ausgelassen. Gleichzeitig sagt er: „Ich gestehe, ich bin kein Blog-Leser“. Das heißt: Er plappert einfach nach, was er irgendwo aufschnappt.

23.10.2009 | 

Es wäre wirklich verzeihlich und verständlich: Dass ein alter Mann sich nicht mehr an alles Neue gewöhnen will. Zum Beispiel an dieses Dings, wie heißt es noch gleich: dieses INTERNET. Dort sollen ja Leute ungefragt Sachen schreiben. Unerhört! Wenn das die SPD wüsste!!

Einem Mann, zu dessen Aufgaben es ersichtlich nicht gehört, auf dem Laufenden zu sein, würde man solches Geraunze über modernen Schnickschnack nachsehen. Aber Klaus Staeck ist Präsident der Akademie der Künste und sitzt in einem schönen Palast direkt am Brandenburger Tor. Sein Wort sollte Gewicht haben.

Deutsche Journalisten! Die Blogger wollen euch eure Villen im Tessin wegnehmen

Nicht in der Gefahr, der Blogorrhoe zu erliegen: Klaus Staeck (Foto -M-: Carta)

Ich stelle mir z.B. ein Staeck-Plakat vor, das von der Verlegerinitiative „Print wirkt“ an sämtliche Litfass-Säulen des Landes geklebt wird: „Deutsche Journalisten! Die Blogger wollen euch eure Villen im Tessin wegnehmen!“ Oder Sascha Lobo (als Dürers Mutter), mit gefalteten Händen und roter Bürste, darunter die Zeile: „Würden Sie diesem Blogger ein Zimmer vermieten?“

Klaus Staecks politische Plakate waren in den siebziger Jahren das, was für meine Kinder heute die Poster von Radiohead sind: Ausdruck einer Haltung. Einmischung erwünscht. Staeck, das war dieser freche Vorkämpfer für mehr Demokratie, der sich keine Erlaubnis holte, wenn er etwas sagen wollte. Der die freie Meinungsäußerung nicht für eine geschlossene Veranstaltung hielt, in der eine Journalisten-Elite den Kammer-Ton angibt.

Und heute? Heute ist aus dem einstigen Vorkämpfer ein Nachplapperer geworden.

Klaus Staeck verbreitet die alten Kamellen, die seit Jahr und Tag zwischen Journalisten und Bloggern hin- und hergeworfen werden, zum steigenden Verdruss des Publikums. Man könnte eigentlich die Achseln zucken und weitergehen. Doch Staecks Ansichten über das Netz kennzeichnen leider die Stagnation der Medien-Debatte. „Ich gestehe“, sagt Staeck, „ich bin kein Blog-Leser oder -Verfasser, und deshalb auch nicht in der Gefahr, der Blogorrhoe zu erliegen.“ Übersetzt heißt das: Ich weiß nichts von euch, aber ich find euch scheiße.

Ausgerechnet ein Mann, der seinerzeit die Strauß-Bemerkung von den „Ratten und Schmeißfliegen“ geißelte, glaubt nun, die Äußerungen von Bloggern als „Dünnschiss“ abqualifizieren zu müssen („Blogorrhoe“). So, als wüsste er nicht, dass auch in den Kiosken dieses Landes nicht nur Duftkerzen herumliegen. Null Differenzierung. Null Kenntnis. Null Verständnis. Es ist erbärmlich, dass sich ein Repräsentant wie Klaus Staeck auch nach zehn Jahren Debatte noch auf dieses (zugegeben: plakative!) Niveau herab begibt.

Statt wahrzunehmen, dass sich das Schreiben im Netz verändert hat, dass Qualitätskriterien gleichermaßen auf Büttenpapier, auf Bierdeckeln und im Netz gelten, dass viele Blogger sich schneller entwickeln (und professionalisieren) als dies der Journalismus in seinen gedruckten Anfangszeiten hinbekommen hat; statt anzuerkennen, dass nur wenige Leser in die Rolle von Trollen schlüpfen, aber sehr viele mit ihrem Wissen einen wohltuend mäßigenden, relativierenden, korrigierenden Einfluss auf die Schreibenden ausüben; statt sich zu informieren über Suchmaschinen, Netzwerke oder Empfehlungsportale, die auch ungeübte „Surfer“ (wie Staeck) blogorrhoe-frei zu Qualitäts-Webseiten leiten; statt die Kooperationsmöglichkeiten im Netz als ur-(sozial-)demokratische Vision zu begreifen, suhlt sich der „Aufklärer“ Staeck in seinen aufgeschnappten Vorurteilen übers Internet.

Geschenkt, möchte man abwinken, wäre da nicht jene ärgerliche Bemerkung in seinem Text, die eine Erwiderung geradezu herausfordert. In gezielter Anspielung an die dunklen Zeiten, in denen gewisse Leute mit Fackeln durchs Brandenburger Tor marschierten, beschwört Klaus Staeck die Gefahr eines  „online erwachenden (!)“, bislang massenkulturell-passiven Publikums. Dieses „Erwachen“ erscheint ihm, dem in der Wolle gefärbten Demokraten, „gespenstisch“.

Ich kann Klaus Staecks politische Ur-Angst durchaus verstehen (er ist 1938 geboren!). Aber er diskreditiert hier den Anspruch engagierter Bürger (und dazu zählen auch Krethi und Plethi und die Piraten), im öffentlichen Diskurs der Qualitätsjournalisten mitreden zu wollen. Da könnte ja jeder kommen! sagt Staeck. Das plötzliche Mitreden von Nicht-Journalisten bedeute „die Ablösung qualifiziert ausgebildeter, glaubwürdiger und in diesem Beruf nicht zuletzt ethisch verpflichteter Autoren durch den Schwarm aller, die Zugang zum weltweiten Web haben, und allüberall ihre Meinung kundtun können.“

Es ist in der Tat „gespenstisch“. Klaus Staeck denunziert heute das, was er, der junge Grafiker aus Bitterfeld, in den sechziger und siebziger Jahren mit seiner Plakatkunst (die man eine Frühform des Weblogs nennen könnte) ganz selbstverständlich beansprucht hat. Aber offensichtlich ist er, zusammen mit der SPD, irgendwann im letzten Jahrhundert eingerostet.

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35 Kommentare

  1. Klaus Jarchow |  23.10.2009 | 17:03 | permalink  

    Deutscher Verleger! – Die Blogger wollen dir deine Villa im Tessin wegnehmen!

  2. Klaus Jarchow |  23.10.2009 | 17:07 | permalink  

    Würden Sie diesem Blogger ein Zimmer vermieten?

  3. Klaus Jarchow |  23.10.2009 | 17:08 | permalink  

    Entmannt alle Wüstlinge. Wählt journalistisch!

  4. Klaus Jarchow |  23.10.2009 | 17:09 | permalink  

    Vorsicht, Kunz!

  5. Ulrike Langer |  23.10.2009 | 18:05 | permalink  

    Ich wüsste ja gerne, mit welcher Intention der Tagesspiegel die Rede von Staeck ohne weitere Einordnung dokumentiert hat. Als erschreckendes Zeugnis von Verbohrtheit? Oder weil die Bleisatz-Fraktion in der Redaktion es gut fand, dass den blöden Bloggern mal wieder richtig eins drüber gegeben wurde.

    Ich stimme Ihnen zu (bin übrigens inzwischen auch beim Thema Kulturflatrate etwas milder gestimmt, angesichts der Tatsache, dass wir jetzt wahrscheinlich das größere Übel Leistungsschutzrecht bekommen werden…)

    Meine Meinung zu Staecks Warnung vor der Blogorrhoe kann man hier nachlesen:
    http://medialdigital.de/2009/10/23/qualitatsjournalismus-versus-blogorrhoe/

  6. Ugugu |  23.10.2009 | 18:06 | permalink  

    Ich will keine Villa im Tessin! (Sondern ein Verlegerhäuschen am Mittelmeer.)

  7. Robin Meyer-Lucht |  23.10.2009 | 19:16 | permalink  

    Die Rede von Klaus Staeck hat der Tagesspiegel nur online veröffentlicht. In der gedruckten Zeitung erschien nur dieser eher laue Text:
    http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Der-lange-Atem-Medienpreis-Klaus-Staeck;art15532,2930272

    Ironie also, dass Staecks Text nun über das Netz seine Wirkung enfaltete und in der Zeitung gar nicht vorkam.

  8. Harald |  23.10.2009 | 23:49 | permalink  

    Hat der Revoluzzer die Revolution verpasst, hat er etwas falsch gemacht. ;-)

  9. links for 2009-10-24 – synapsenschnappsen |  24.10.2009 | 09:02 | permalink  

    [...] Klaus Staeck: Der Nachplapperer — CARTA "Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, hat sich im Tagesspiegel über die „Blogorrhoe“ im Netz ausgelassen. Gleichzeitig sagt er: „Ich gestehe, ich bin kein Blog-Leser“. Das heißt: Er plappert einfach nach, was er irgendwo aufschnappt." (tags: Staeck_Klaus blogosphere PrintVsOnline) [...]

  10. klaus |  24.10.2009 | 12:54 | permalink  

    Genau solch’ Blog-Artikel wie den hier meint Steack offensichtlich und ich muss sagen – nach Lesen der ersten drei Absätze – : er hat Recht.

  11. Jörg |  24.10.2009 | 14:36 | permalink  

    Klaus Staeck hat schon immer (auch mit seinen Plakaten) unzulässig vereinfacht – das kann er, sonst wohl nix. Und auch jetzt macht er ja wieder nix anderes. Aber ein solcher gefährlicher Vereinfacher hätte niemals Präsident der Akademie der Künste werden dürfen. Dann würde sich heute auch niemand um das Gejammer eines alten Mannes scheren.

  12. Wittkewitz |  24.10.2009 | 16:59 | permalink  

    Das konkt sich.

  13. Plakat-Aktionist Klaus Staeck ist alt geworden « 11k2 |  24.10.2009 | 18:02 | permalink  

    [...] tagesspiegel via carta) (portrait hansweingartz [...]

  14. Merkur |  24.10.2009 | 21:30 | permalink  

    Ich bin noch nie der Super Web2.0 Nutzer gewesen, Social Networking – jaja, Blogs lesen – ach klar, warum nicht, mit Mitte 20 ist das ja normal! Blogs sind für mich die interesanteste Möglichkeit, Meinungen weit Abseits von jeglichen zum wirtschaftlichen Denken verpflichteteten Informationsunternehmen zu bekommen, und sei’s auch nur um die eigene Meinung zu bestätigen.
    Doch wie jeder Trend im Internet fängt dieser Blog-Trend an einfach zu nerven! Von einer schier unendlichen Arroganz getrieben werden Artikel/Einträge wie dieser auf einer Blog-Seite geschrieben von der ich mir anfänglich recht viel versprochen habe – vorallem weil ich geglaubt habe durch eine vielzahl von Autoren auch mehr als nur Meinungen zu einem speziellen Themengebiet zu bekommen. Die Enttäuschung macht sich breit wenn man hier ein Musterbeispiel-Text in aller bester Lobby-Manier bekommt – fast so einseitig und unreflektiert wie das lesen des monatlichen ADAC-Automagazins. Warum werden Klaus Staecks Argumente in diesem Artikel nicht erwähnt und lediglich mit der Formulierung “alte Kamellen” abgetan? Ich kannte die Diskussion um die es dem anschein nach schon länger geht nicht, und abgesehen von der Tatsache ob ich seinen Argumenten zustimme oder nicht – wird er nicht zitiert aus Angst das ein Leser dem doch zustimmen könnte?
    So etwas zu lesen nevt, da geh ich doch lieber wieder zurück zu dien Print-Medien und deren Onlineausgaben! Und um es zu überspitzen: Ihr seid die Mörder des Qualitätsjournalismus, denn Ihr maßt euch an diesen in der Zukunft zu ersetzen, weil Ihr euch der einfachen Gegebenheit bedient dass der Mensch nicht mehr über einen faktischen und sachlichen Text sich seine Meinung bilden will sondern lieber direkt die Meinung zu einem Sachverhalt/einer Thematik aufgesetzt bekommen möchte. Die Crüx daran: Alles was in diesen und vielen anderen Blogs geschrieben wird, basiert auf dass was in den Print-Medien (immer als erstes) journalistisch verarbeitet und verfasst wurde. Wer aber die Problematik darin nicht glaubt schaue sich doch alleine mal die Berichterstattung des letzten Wahlkampfs an, der als langweilig, themenlos und uninteressant dargestellt wurde. Wenn Verlage und Medienformate von wirtschaftlichen Interessen abhängig sind weil sie kaum mehr Einnahmen generieren als die eigentlich erste Anlaufstelle für die Informationsbeschaffung, dann fällt als erstes das investigative des Journalismus weg. Dann fragt auch keiner warum zB Parteien einen Wahlkampf bestreiten und teilweise diesen auch gewinnen konnten ohne vernünftige Lösungsvorschläge zu der gravierensten Wirtschaftskrise dieses Staates in seinen 60 Jahren bieten zu müssen. In diesem wie auch in vielen anderen Blogs habe ich nicht mehr erfahren können als es eh in jeder Zeitung, inklusive Leserbriefe, Kommentare und Gastkommentare, schon stand. Da hat sich für mich das erste mal gezeigt das Blogs den echten, investigativen Journalismus einfach nicht ersetzen können.
    Wenn der Qualitätsjournalismus in Zukunft verschwindet weil er sich selbst nicht mehr bezahlen kann (woran er natürlich auch eine Eigenverschuldung trägt) fällt auch eure Grundlage weg. Und wenn ein Blog wie dieser nicht ein bisschen seine Nase senkt und nicht nur blind Lobbyarbeit für die Piratenpartei macht, macht er sich auch selbst nicht so überflüssig.

    Für mich sind nun Blogs nur noch für Konsum-Neuerscheinungen, Kurznews im Sport und vielleicht noch Downloads “wichtig”…

  15. Klaus Jarchow |  24.10.2009 | 21:42 | permalink  

    @ Merkur: Welcher ‘investigativer Journalismus’? Haben nicht eher die alten Medien es möglich gemacht, dass mit blanker Inhaltsleere und hohlen Versprechen ein Wahlkampf von jenen alten Größen gewonnen werden konnte, die mit ihren untauglichen Rezepten für die Krise im Kern die Verantwortung tragen? So herum wird ein Schuh daraus – schau dich doch endlich mal um!

  16. Jörg |  25.10.2009 | 14:41 | permalink  

    @ Merkur: Volle Zustimmung! Ich frag mich auch schon lange, wie die Blogger mit ihrer schwer erträglichen Arroganz (darin Staeck sehr ähnlich) wohl dastehen würden, wenn sie keine Nachrichten aus den “Holzmedien” mehr hätten, auf die sie sich beziehen könnten?
    Dazu kommt, dass in den meisten Blogs nicht mal der Versuch gemacht wird, überparteilich oder halbwegs neutral zu erscheinen (da ist carta eine lobenswerte Ausnahme!)
    A là longue werden sich print und Blog arrangieren müssen – sicher auch mit den notwendigen Kollateralschäden!

  17. Wolfgang Michal |  25.10.2009 | 15:43 | permalink  

    @Jörg. Wer Zeitungen aufmerksam liest, dem müsste umgekehrt auffallen, wie oft sich Printjournalisten heute auf Blogs beziehen. Aber diese alte Frontstellung Blogger vs. Journalisten ist doch reichlich altbacken. Wir sollten sie endlich hinter uns lassen. Friedliche Koexistenz, keine Pauschalisierungen, mehr gegenseitige Kenntnis, mehr Respekt – das wär doch was! Ja – ich meine durchaus beide Seiten.
    Was an Klaus Staecks Meinung (die er ja vor Journalisten äußerte) so kontraproduktiv ist, steht bereits oben im Text: Er sagt, ich lese keine Blogs, aber ich finde sie blöd. Na toll! Er hat nicht selbst recherchiert, sondern sich auf jemanden anderen bezogen. Er gibt ein paar Einschätzungen von Gundolf S. Freyermuth wider, das genügt ihm. Aufgrund dieser Einschätzungen kommt er zu seiner pauschalisierenden Beleidigung der Blogger. Übrigens, Merkur (das ist auch so eine Unart von Bloggern, sich hinter Kunstnamen zu verstecken) wird Staeck im Text zitiert, selbst gesagt hat er ja nicht viel.

    P.S. Dass investigativer Journalismus in Blogs selten stattfindet, hat vor allem mit Geld zu tun. Hätten Online-Medien die gleiche finanzielle Ausstattung wie Printmedien, wären sie erheblich besser.
    Dass sich Blogger Meinungen “anmaßen” (denn das meinen Sie ja wohl mit Arroganz), kann ich – wenn sie dies mit Argumenten unterfüttern – nicht verurteilen. Warum ist das so schwer erträglich? Täglich maßen sich viele Printjournalisten Meinungen an. Dürfen Leute, die nicht auf Papier veröffentlichen, nichts erwidern, wenn man sie angreift und beschimpft?

  18. Wittkewitz |  25.10.2009 | 16:41 | permalink  

    Das ist das Schöne am Web. Es maßt sich nicht an eine objektive Referenz zu sein. Jeder Artikel, auch wenn er noch so sachlich erscheint, ist eine subjektive Sammlung von Aussagen. Das ist völlig unabhängig davon, ob er auf Papier gedruckt ist oder mit XHTML geparst auf dem Monitor erscheint.
    Nur weil in manchen Artikel direkt Bezug auf eine Bewertung des Autors genommen wird, in dem die Erzählhaltung selbst reflektiert wird, wird ein Text weder besser noch schlechter – er wird interessanter oder langweiliger. Menschen die Journalismus wissenschaftlich betreiben konstruieren aus dieser erweiterten Perspektive eine andere Textgattung.

    Die klassischen Medien erklären nicht, warum sie manche Inhaltre präsentieren und andere verschweigen. Sie erklären auch nicht an welchem Punkt und warum sie aufhören zu recherchieren. Sie sind aus genau diesen Gründen genauso wenig objektiv wie jeder andere Text, der von Menschen geschrieben wird. Im Übrigen ist es sehr ermüdend, dass jetzt jeder ehemalige Uniabsolvent auf der Basis seiner Xenophobie gegenüber neuen Innovationen, die zugehörigen Rationalisierungen veröffentlicht. Wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt jeder seine Kompensationshandlungen in einer Zeitunge oder in Blogs runterschmiert?
    Genau. Wir kommen dahin, dass jeder seine eigenen Relevanzkriterien gefälligst selbst überdenken muss. Die Zeit von “Wo lassen Sie denken?” verblassen so langsam. Man kann dem Web viel vorwerfen, aber das ist sein Verdienst bis heute.

  19. Jeeves |  25.10.2009 | 17:02 | permalink  

    Ich gestehe, ich bin kein Bild-Leser. Ich habe deshalb also kein Recht, die Meinung zu äußern, dass Bild ein verkommenes Hetzblatt ist?

  20. Jörg |  25.10.2009 | 17:49 | permalink  

    @ Wolfgang Michai: Was die friedliche Koexistenz angeht, sind wir ja schon mal einer Meinung, gut!
    Zu der “schwer erträglichen Arroganz” mancher Blogger: Meinung schön und gut, aber der Uralt-Grundsatz der Trennung von Nachricht und Kommentar bleibt für mich weiterhin modern. Bei Bloggern geht das gern mal alles durcheinander – was nicht dadurch besser wird, das auch manche Printmedien davon nicht frei sind.
    Außerdem mein ich mit “Arroganz”, dass sich manche Blogger und Kommentatoren eine letztgültige Weltansicht anmaßen, die andere Meinungen überhaupt nicht mehr zuläßt. Beispiel Koalitionsvereinbarung: Die Tinte ist noch nicht trocken, gelesen kann das Papier eigentlich auch noch keiner haben, trotzdem wissen schon alle, dass das nur Mist sein kann.
    Wer ernst genommen werden will, der kann sich solche Vorurteile nicht leisten!

  21. Wolfgang Michal |  25.10.2009 | 18:25 | permalink  

    @Jeeves. Wenn Sie nur die Meinung anderer Leute über BILD nachplappern, ohne selbst je eine Zeile gelesen zu haben, dann würde ich sagen: ja, es ist ihr Recht, das nachzuplappern, was andere Leute sagen. Es ist aber nicht journalistisch (das ist der Unterschied!). Vermutlich lesen Sie aber doch ab und zu BILD, zumindest die Schlagzeilen, am Kiosk, in der U-Bahn, im Zug, im Urlaub, denn das kann man ja kaum verhindern.

    @Jörg: Ja, das ist ein echtes Problem des Online-Schreibens: Dass Meinungen vorschnell geäußert werden. Dass oft nur ein Anlass gesucht wird, das zu sagen, was man sowieso immer schon mal sagen wollte. Auch hier gibt es aber ähnliche Entwicklungen im Print-Journalismus (etwa in Form von „Vorab-Meldungen“ oder „Leitartikeln“).
    Die Vermischung von Nachricht und Kommentar ist heute in fast allen Medien die Regel. Zum einen, weil die (schein)objektive Nachricht längst als versteckte Meinung enttarnt ist (Platzierung, Aufmachung, Auswahl, Überschrift, Weglassen von Informationen etc. machen einiges möglich, da hat Wittkewitz bereits darauf hingewiesen). Zum anderen, weil die unter Druck stehenden Printmedien sehr auf die Emotionalisierung von Nachrichten setzen – siehe BILD). Oder nehmen Sie unser Leitmedium, den Spiegel, der trennt praktisch überhaupt nicht, und doch sprechen wir von einem Nachrichtenmagazin. Aber ist der Spiegel nicht in Wahrheit ein Mehrautoren-Blog, getarnt als Nachrichtenmagazin? Und wird er nicht gerade deshalb gelesen?

  22. Jörg |  25.10.2009 | 19:31 | permalink  

    @ Wolfgang Michai: Franz Josef Strauß seligen Angedenkens, sonst eher nicht mein Lieblingspolitiker, nannte den Spiegel in einer seiner Tiraden eine “Hirnprothese” statt eines Nachrichten-Magazins. Da hatte er irgendwie recht.

  23. Robin Meyer-Lucht |  25.10.2009 | 22:42 | permalink  

    Leute, was zuselt ihr denn hier an Wolfgang Michals Text herum? Der ist nun wirklich nicht typisch für – sollte es sie denn geben – “Arroganz der Blogger”. Der Text von Staeck stand niemals in einer Zeitung – allein schon deshalb ist es absurd zu behaupten, Blogs würden nur Holzmedien recyclen. Es kritteln doch die klassischen Medien quasi simultan am Koalitionsvertrag herum. Außerdem scheint mir die Diskussion gleich wieder sehr ins Grundsätzliche abzugleiten.

    Schade, der Text hätte eine andere Diskussion verdient.

  24. Wittkewitz |  26.10.2009 | 02:16 | permalink  

    Machen wir es kurz und knapp:
    Manche schaffen den Schritt ins neue Jahrtausend. Einige unter ihnen wollten das so. Andere, die es wollten, schaffen es nicht. Manche, die es nicht wollten, schaffen es auch nicht. Andere schaffen es, ohne es gewollt zu haben.

    Wie heißt es so schön: Wenn der Wille eine Bewandtnis hätte, gäbe es keine Konkurrenz. Der Rest ist Evolution. Manche Journalisten werden bis zum Schluß zu ihren Verlegern stehen. Andere werden selbst Verleger. Und die SPD wird weiterhin viel Geld mit ihren Zeitungsbeteiligungen verdienen und SPDnahe Unterlinge werden sie dabei mit Wort und Tat unterstützen.

  25. Das Wundersalbenmassaker « Stefan Niggemeier |  26.10.2009 | 02:24 | permalink  

    [...] von Banalitäten ist. Aber wir leben in einer Zeit, in der es immer noch als klug gilt, sich damit brüsten, Blogs zwar nicht zu kennen, aber ein Urteil über sie zu haben, und es Online-Medien nicht zu [...]

  26. Gary Gaffer |  26.10.2009 | 11:52 | permalink  

    Eine Passage dieses Textes führt mächtig in die Irre und streift die Diskreditierung: Staecks Wortspiel “Blogorrhoe” bezieht sich keineswegs auf den Verdauungstrakt, sondern auf “Logorrhoe”, vulgo “Geschwätzigkeit”. Und ist insofern doch sehr treffend und ungemein gelungen. Vielleicht mal gelegentlich ein Lexikon zur Hand nehmen?

  27. Wolfgang Michal |  26.10.2009 | 12:43 | permalink  

    @Lieber Gary Gaffer, der Bezug wird durchaus offen gelassen. Aber zugunsten von Staeck habe ich (nach Hinzuziehung eines Lexikons) den etwas harmloseren Bezug zum Begriff Diarrhoe angenommen. Diskreditierend wäre der von Ihnen angenommene Bezug zur Logorrhoe. Denn eine Logorrhoe tritt als typischer Zustand bei manischen, paranoiden und schizophrenen Krankheitsbildern auf (oder auch nach Schlaganfällen). Blogger als psychisch krank zu bezeichnen fände ich dann doch noch ein bisschen schlimmer, oder?

  28. Tå?u |  26.10.2009 | 14:12 | permalink  

    Die im Leeren hängenden Seitenhiebe auf die SPD nehmen dem in schlechter Sprache verfassten Beitrag noch mehr Lesewert. Im übrigen, in Bezug auf das Offensichtliche hat der Autor selbstverständlich Recht.

  29. Harry Haller |  26.10.2009 | 17:35 | permalink  

    @Jeeves | 25.10.2009 | 17:02 | permalink

    “Ich gestehe, ich bin kein Bild-Leser. Ich habe deshalb also kein Recht, die Meinung zu äußern, dass Bild ein verkommenes Hetzblatt ist?”

    Ich lese nur das Best-of von Bild: Bild-Blog, u.a.. ;-)

    Dein “Recht” nimmt Dir und auch Staeck niemand, genauso wenig einem das Recht unbenommen bleibt, etwas als dümmlich und rüchständig zu betiteln.
    Gruß

  30. Blogbashing – He!ke Rost Photographie |  27.10.2009 | 14:53 | permalink  

    [...] Rede für die Akademie der Wissenschaften, nachzulesen in voller Pracht und Schönheit bei der taz. Dass ihm das nicht irgendwie peinlich [...]

  31. Was auf die Augen « Auf die Augen |  27.10.2009 | 22:56 | permalink  

  32. Die wunderbare Welt von Isotopp |  30.10.2009 | 16:41 | permalink  

    Blogger enthüllt: Es gibt gar keinen Qualitätsjournalismus…

    Schon 2003 stand der Qualitätsjournalismus in der Kritik als sich willfährige Reporter im Irak beim lustigen Kameltreiberklatschen haben einbetten lassen. Trotz Qualitätsjournalistendiplom konzentriert sich die aktuelle Berichterstattung noch immer …

  33. Blogobashing |  31.10.2009 | 11:47 | permalink  

    [...] in entsetzlicher Weise – und ist in der Konsequenz Wasser auf die Mühlen derer, die ebenso reflexhaft auf die Blogosphäre eindreschen. Überaus bedauerlich, dass auch Stefan Niggemeier in seinem Blogbeitrag zum Thema Eva Schweitzer [...]

  34. Jens Best |  05.11.2009 | 21:31 | permalink  

    Die Feindlinien laufen quer durch alle alten politschen Lager – und sie werden nicht von uns “digitalen Aktivisten” gezogen, sondern von Leuten wie Staeck, Burda, Döpfner etc. – Das tägliche Internet-Bashing hat Methode.

    Wenn ich diese Hetz-Zeilen lese….

    “Welche ethischen, letztlich juristischen Grenzen zum Beispiel bei öffentlicher Jagd auf Andersdenkende, Andersrassige, Andersgläubige wird es noch geben, wenn Blogs aus dem Ruder redaktioneller Filterung laufen und zu Sammelbecken von zunächst anonymen geistigen und politischen Finsterlingen werden?”

    …fällt es mir schwer, bei Konferenzen und Terminen, bei denen ich mit den “Uneinsichtigen Besitzstandswahrern” zusammensitze, ruhig und positiv über die Entwicklungen in Gesellschaft und Medien zu diskutieren.

    Trotzdem müssen wir den Dialog zukünftig ruhig und besser koordiniert führen. Ein wenig Lobbyismus in die richtige Richtung kann auch nicht schaden. Und ab und zu mal kurz Dampf ablassen ist auch okay :) http://twitter.com/jensbest/status/5174607444

  35. Moon |  16.06.2013 | 08:12 | permalink  

    @Jörg
    “Beispiel Koalitionsvereinbarung: Die Tinte ist noch nicht trocken, gelesen kann das Papier eigentlich auch noch keiner haben, trotzdem wissen schon alle, dass das nur Mist sein kann.”

    Könnte das vielleicht was mit den vorherigen Erfahrungen, die man mit den Parteien gemacht hat, zu tun haben? Oder mit den Äußerungen der Verhandlungsführer nach dem Gewinn der Wahl?

    Und wurde man nicht wunderbar bestätigt, sieh LSR? Wer da noch benefit of the doubt über hat, ist reichlich naiv.

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