New York Times: “strategic limbo” bei pay vs. free

Auf einer Veranstaltung gesteht New York Times-Chefredakteur Bill Keller: Wir wissen noch immer nicht, wie wir Bezahlinhalte einführen sollen. Aber: Zuerst sollte man mal die Zeitung weglegen, um zu verstehen, worum es eigentlich geht.

New-York-Times-Chefredakteur Bill Keller hat eingestanden, wie unsicher und frustriert er in Sachen Online-Bezahlinhalte ist: Keller sagte kürzlich auf einer Veranstaltung vor Mitarbeitern:

…everyone feels a little paralyzed by the unresolved question of pay versus free. I let Denise edit my remarks and she edited out expressions like “quagmire” and “time suck.” But we all feel a little sense of frustration about how long that’s taking, even though I think we understand that if it were a theological decision, it would be made by now. But, unfortunately, it’s a business decision.

Mit “Denise” bezieht sich Keller auf Denise Warren, Geschäftsführerin von NYTimes.com. Während Keller also in seiner Funktion als Chefredakteur (der gerade noch einmal 100 Leute entlassen musste) sofort für Bezahlinhalte ist, ahnt er, dass die Times auf dem glitischigen Terrain der Bezahlinhalte fast nur ausrutschen kann. Zumindest gibt es offenbar keinen Masterplan, der Keller und Warren überzeugt.

Keller gesteht bemerkenswert offen ein, dass man als Verantwortlicher die Printwelt vollständig verlassen muss, um die neue Konstellation zu begreifen:

The single best advice we’ve gotten, I think, is to spend some time living without print. And we’ve both been trying to do that, trying to experience The New York Times and our competition mostly on screens — iPhone, laptop, Kindle, Times Reader –- trying to better understand the joys and frustrations of our journalism delivered online.

[via niemanlab]

Keller machte auch klar, dass es bei den Zukunftsfragen der Site nicht vorrangig nur um Bezahlinhalte gehe. Die wichtigsten Entscheidungs- und Entwicklungsfelder der Times-Website seien:

  1. the future role of Times Topics and other “living articles”
  2. openness of Times content, integration of non-Times content, and social media
  3. integration of print and digital operations, particularly for department heads
  4. improved collaboration between technologists and the newsroom
  5. thinking “web first”
  6. a stronger strategy for cell phones and other mobile devices
  7. redesigning Times article pages to create “an engine of engagement”

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[Dank an Matthias Schwenk und H. E. Martin für den Hinweis]

Update: Die New York Times Company hat im letzten Quartal 17 Prozent Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verloren, im Netz büßten ihre Nachrichtenangebote in dem Zeitraum 18 Prozent an Anzeigenumsatz ein. Die New York Times hat ihre Belegschaft im Jahresvergleich bereits um 20 Prozent verkleinert. [reuters]