Der Iran, Qualitätsjournalismus und das Echtzeitinternet

Die Ereignisse nach den Wahlen im Iran zeigen einmal mehr, dass insbesondere Zeitungen den neuen Medien im Internet hoffnungslos unterlegen sind. Während Twitter schnell und effizient informiert, halten selbst die Onlineausgaben der Zeitungen nicht mehr Schritt: Der Qualitätsjournalismus braucht neue Techniken für den Umgang mit der digitalen Schnelligkeit.

Die Wahlen im Iran sind nicht so gelaufen, wie viele sich das erhofften. Allen voran dachte sich wohl der alte und neue Präsident, Mahmud Ahmadinedschad, er könne sich ungestraft zum Sieger erklären und über die staatlich kontrollierten Massenmedien einen Sieg feiern, während die Opposition einfach ignoriert und totgeschwiegen würde.

Aber auch unsere klassischen Medien, allen voran die Zeitungen, tun sich mit den Ereignissen im Iran sichtlich schwer. Vor Ort werden sie möglicherweise in ihrer Arbeit behindert, zuhause laufen ihnen die neuen Medien, allen voran Twitter, den Rang ab.

Die beste Figur macht derzeit die Huffington Post, die sich dazu entschlossen hat, einen ihrer Reporter (von der sicheren Heimatfront aus) live bloggen zu lassen. Das mag zwar optisch nicht sehr elegant aussehen, wird den Ereignissen und dem Interesse an einer Realtime-Berichterstattung aber am besten gerecht.

Auf Twitter hat sich der Hashtag „#iranelection“ eingebürgert. Der einzige Nachteil hier ist, dass die vielen Retweets (RT) die Timeline unnötig aufblähen. Ansonsten bekommt man hier aber ein relativ gutes Bild über die Zustände im Iran und dazu jede Menge Links auf weitere Medien, allen voran Blogs.

Wie die Opposition im Iran die neuen Medien geschickt nutzt, kann man an einer Botschaft vom „Wahlverlierer“ Hossein Mussawi erkennen. Weil der Zugang zu seiner Website von staatlichen Stellen offenbar gesperrt wurde, hat man einen Text von ihm kurzerhand fotografiert und als Foto auf Flickr gestellt. Natürlich dauert es dann auch nicht lange, bis eine Übersetzung ins Englische auftaucht. Dieser Text steht auf Scribd, einer Plattform zur Veröffentlichung von Textdokumenten.

Während man also im Iran von unten her (Bürgerjournalismus!) alles daran setzt, die aktuelle Lage ungefiltert im eigenen Land und international bekannt zu machen, verlieren unsere Leitmedien buchstäblich den Anschluss, weil ihre überholten Publikationsrhythmen sowie das Festhalten an unnötig bürokratischen Arbeitsprozessen sie einfach nicht mehr mitkommen lässt.

Das Internet ist mittlerweile zu einem Echtzeitmedium geworden. Journalisten und mehr noch die Medien, für die sie arbeiten, sollten damit umgehen können. Denn Aufgabe der Medien wäre es jetzt, Quellen rasch zu prüfen und dann, der Huffington Post vergleichbar, auch schnell zu veröffentlichen.

Mit ihrer Langsamkeit aber machen die Zeitungen allenfalls deutlich, dass sie nicht mehr so recht in unsere Zeit passen. Selbst die New York Times musste dies neulich (unfreiwillig) eingestehen: Bei einem Hausbesuch der Daily Show (John Stuart) hat sie wirklich nicht gut ausgesehen.