Methodenstreit in der Ökonomie: Was kann die Volkswirtschaftslehre für die Gesellschaft leisten?

Unter deutschsprachigen Ökonomen ist eine Debatte über die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre ausgebrochen. Auf beiden Seiten dominieren bisweilen Wortführer, die mehr oder minder freimütig zugeben, die jeweils andere Forschungs- und Lehrausrichtung gar nicht zu kennen. Es fehlt ein gemeinsamer Bewertungsmaßstab.

Viele CARTA-Leser werden es nicht unbedingt bemerkt haben: In Zeiten der größten Wirtschaftskrise mindestens seit der Ölkrise ist unter deutschsprachigen Ökonomen eine gewaltige Debatte ausgebrochen. Worum? Um die richtigen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise? Weit gefehlt. Stattdessen streiten zwei Gruppen innerhalb der ökonomischen Profession an den Universitäten wie die Kesselflicker über die Qualität ordnungspolitischer Lehre und Forschung einerseits sowie die Relevanz mathematischer Methoden in der Wirtschaftswissenschaft andererseits. Zu beobachten ist eine vehemente, öffentliche Debatte um die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre an deutschen Universitäten. Austragungsschauplätze sind vor allem das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Ausgelöst wurde diese Debatte durch einen offenen Brief der beiden emeritierten Kölner Professoren Hans Wilgerodt (85) und Christian Watrin (78). In diesem Brief beklagen die beiden das Ende der Wirtschaftspolitik traditioneller Prägung an ihrer Alma Mater in Köln. Dort sollen einige bislang traditionell wirtschaftspolitisch ausgerichtete Lehrstühle umgewidmet werden, um eine international orientierte Gruppe von sechs jungen Makroökonomen zu gewinnen. Diese sechs Ökonomen – Rüdiger Bachmann (University of Michigan), Christian Bayer (Uni Bocconi, Mailand), Christian Hellwig (UCLA), David Jaeger (City University New York), Leo Kaas (Uni Konstanz) und Alexander Ludwig (Uni Mannheim) – sind zum Großteil eher theoretisch als empirisch ausgerichtet, wenn auch nicht ausschließlich.

Ob Olaf Storbeck wohl wusste, welche Diskussion er auslösen würde, als er über diesen Brief im Handelsblatt vom 17. Februar 2009 unter dem Titel “Der Kölner Emeriti-Aufstand” berichtete? Ich glaube kaum. Mich selbst überrascht die Intensität der Angriffe auf beiden Seiten und das Ausmaß, das die Diskussion mittlerweile angenommen hat.

Als erste Reaktion auf den offenen Brief von Wilgerodt und Watrin folgte ein offener Antwortbrief von Carl Christian von Weizsäcker (71), ebenfalls Emeritus der Kölner Fakultät, der die geplante Kölner Neuausrichtung verteidigt, und über den das Handelsblatt dann am 25. Februar 2009 ebenfalls berichtete (hier). Danach ging es dann Schlag auf Schlag.

Im mindestens wöchentlichen Rhythmus folgten nun Kommentare und Leserbriefe in FAZ und Handelsblatt (alles von Rüdiger Bachmann minutiös auf seiner Webseite dokumentiert). Das Handelsblatt unterstützt dabei prinzipiell die moderne Orientierung in der Wirtschaftspolitik, welche nach angelsächsischem Vorbeil stärker quantitativ ausgerichtet ist und die sich mathematischer Modelle und statistisch-ökonometrischer Methoden bedient. Die FAZ hingegen favorisiert die traditionellere, ordnungspolitische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik, die sehr institutionell angelegt ist und in der die eher qualitative Analyse und die Überzeugungskraft verbaler Argumente dominieren.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Debatte mit einem Aufruf von 83 VWL-Professoren: Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universitäten!, publiziert in der FAZ vom 5. Mai 2009. In dem Aufruf wird die zunehmende Formalisierung der Wirtschaftstheorie kritisiert und die Tendenz, “aus jeweils gewählten Annahmen logische Schlussfolgerungen abzuleiten”. Eine solche Methodik garantiere formale Rigorosität, sei aber für die Analyse realweltlicher Wirtschaftspolitik wenig geeignet (nun ja, vermutlich immer noch besser natürlich als aus Annahmen unlogische Schlussfolgerungen abzuleiten). Das Problem sei aber, dass immer mehr Ökonomen die Realitätsnähe ihrer Analysen dem Ziel formal-logischer Stringenz opferten. Die VWL vernachlässige als Fach “zunehmend den Beitrag, den es zur Lösung praktischer wirtschaftspolitischer Probleme leisten könnte und sollte.”

Die Antwort kam in Form eines Gegenaufrufes von 188 VWL-Professoren und Forschern: Baut die deutsche VWL nach internationalen Standards um!, publiziert im Handelsblatt vom 8. Juni 2009. Dort wenden sich die Unterzeichner gegen das im ersten Aufruf “gezeichnete Zerrbild der modernen Ökonomik als reiner Wirtschaftslogik.” Die Unterzeichner wenden sich “aber auch gegen die weitere und international nicht übliche Zementierung der nicht fruchtbaren Trennung an deutschen Fakultäten zwischen Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik.” Stattdessen fordern die Unterzeichner “den an internationalen Standards und Strukturen ausgerichteten Aus- und Umbau der volkswirtschaftlichen Fakultäten, um so deutschen Universitäten eine führende Stellung in der internationalen Forschung in voller Breite und mit hoher Qualität zu ermöglichen.” Zugleich bemängeln die Unterzeichner, dass in der Bundesregierung kaum führende Vertreter der VWL zu finden seien (gemeint war hier vermutlich die wirtschaftspolitische Beratung in Deutschland im Allgemeinen).

Die Debatte ist damit keineswegs verstummt, sie wird vielmehr nahezu täglich durch weitere Beiträge gefüttert, alles wie gesagt sehr schön von Rüdiger Bachmann auf seiner Webseite dokumentiert. Was ist von der Debatte zu halten?

In Teilen stehen sich die Befürworter der beiden Seiten völlig unversöhnlich und auch unverstanden gegenüber. Auf beiden Seiten dominieren bisweilen Wortführer, die mehr oder minder freimütig zugeben, die jeweils andere Forschungs- und Lehrausrichtung gar nicht zu kennen, trotzdem aber sehr genau wissen, dass „ihre“ jeweilige Ausrichtung der anderen haushoch überlegen ist. Beide Seiten sprechen sich weitgehend – von nicht ernst gemeinten Höflichkeitsfloskeln abgesehen – gegenseitig jegliche Relevanz ab, machen sich gegenseitig dafür verantwortlich, die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht vorhergesehen zu haben. Als Kunstgriff der Debattenführung werden auf der einen Seite schlechte Theoretiker mit hervorragenden Ordnungspolitikern verglichen und auf der anderen Seite hervorragende Theoretiker mit schlechten Ordnungspolitikern, um dann zu dem Schluss zu gelangen, dass man nichts, aber auch wirklich rein gar nichts von der anderen Seite lernen könne. Als Wissenschaftler kann man, so scheint es in der Debatte bisweilen, ohnehin nichts lernen, man kann dem Volk/der Politik nur ultimative Wahrheiten verkünden, die diese dann leider zu blöd sind zu verstehen. Dies wiederum ist natürlich das alleinige Versagen der Sendungsempfänger ;-)

Auch wenn ich hier Gefahr laufe abzuschweifen – ich beobachte unter vielen akademischen Ökonomen eine, wie ich finde, seltsame Haltung gegenüber der Politikberatung. Die Tatsache, dass der Rat vieler Ökonomen oftmals kein Gehör findet, wird oftmals allein der Politik angelastet, ebenso wie die Tatsache, dass wir im Bereich der VWL schon seit Jahren rückläufige oder konstant geringe Studierendenzahlen haben, den Studierenden angelastet wird oder den „unfairen“ Wettbewerbern (hier vor allem der BWL). Wenn das Produkt (Lehre bzw. wirtschaftpolitische Beratung) am Markt (sei es in der Politik oder unter Studierenden) keinen Absatz findet, könnte es auch sein, dass das Produkt nicht gut ist. Auf „Marktversagen“ würde ich erst als zweites tippen. Aus meiner Sicht gibt es hier in der Tat gewaltige Defizite in der Volkswirtschaftslehre, wie sie sich momentan in Deutschland darstellt.

Für mich stellen sich in dieser Debatte prinzipiell zwei Fragen, die eigentlich relativ unabhängig voneinander beantwortet werden können, und zwar:

1) Welche Richtung(en) sollte die VWL an deutschen Universitäten einschlagen?

2) Welche Art von Ökonomen sind am besten für die Politikberatung geeignet?

Für lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg haben weite Teile der deutschen VWL (und auch der BWL) eine Art Dornröschenschlaf, abgeschottet von der internationalen akdemischen “Community” geführt. Dies hat sich insbesondere in den letzten 15-20 Jahren gewandelt, ganz besonders in den letzten 10 Jahren. Eine deutsche VWL gibt es heute nicht mehr. In der allerjüngsten Zeit gibt es zudem den Trend, Forschungsleistungen von einzelnen Forschern und auch ganzer Fakultäten relativ schematisch anhand von Zeitschriftenrankings zu bewerten. Entscheidend für die gemessene Leistung eines Forschers ist die (gewichtete) Anzahl der Publikationen vor allem in internationalen Zeitschriften. Dies ist auch sehr bedeutsam für die Reputation in der relevanten Bezugsgruppe der Ökonomen an Hochschulen (und Forschungsinstituten).

Dass ein Erwachen aus dem Dornröschenschlaf, an dem auch die Studenten aufgrund rückständiger Lehre in Theorie und empirischen Methoden zu leiden hatten, ohne Alternative war, ist unbestritten. Dennoch möchte ich auf einen Punkt hinweisen: Ökonomie ist eine Sozialwissenschaft. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probeme in den USA sind nicht dieselben wie in Europa oder in Deutschland. Für internationale Zeitschriften sind spezifisch deutsche Probleme relativ (nota bene: nicht absolut) uninteressant und daher schwieriger zu publizieren. In internationalen Zeitschriften lässt sich am besten publizieren mit relativ allgemeinen Themen bzw., aufgrund der Größe des Marktes, mit Themen, die für die USA besonders relevant sind. Durch die sehr starke Fokussierung der Anreize hin auf internationale Zeitschriftenpublikationen besteht daher die Gefahr, dass spezifisch deutsche Probleme und Institutionen unterbelichtet werden bzw. ihre Erforschung nicht gleichermaßen gewürdigt wird. Es ist für Ökonomen an Universitäten daher weniger interessant, sich mit den institutionellen Details deutscher Märkte und Wirtschaftspolitik auseinander zu setzen, als mit allgemeineren Fragen, zumindest tendenziell, also “at the margin”.

Ist das gut so? Ich habe da eine gewisse Skepsis. Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften sind, auch wenn ein Ausschluss de facto praktiziert wird, nahezu grenzkostenlos mehrnutzbar. Für das Lesen eines Aufsatzes ist die verwendete Zeit zumeist ein wichtigerer Kostenfaktor als der Zugangspreis (z.B. über eine Datenbank wie JSTOR). Wer eine Erkenntnis produziert hat, ist für die wirtschaftspolitische Verwendbarkeit nahezu irrelevant, d.h. es spielt keine Rolle, ob ein deutscher Ökonom, ein indischer, ein britischer oder ein amerikanischer oder sonst irgendwer eine bestimmte Einsicht hatte. In internationalen Zeitschriften steht, was auch international von Interesse ist. Was hat der deutsche Steuerzahler davon, dass dieses Wissen gerade an deutschen Hochschulen produiziert wird und nicht in den USA? Spill-overs in die Lehre? OK, aber hier geht ja gerade der Trend in die Richtung, die besten Forscher zunehmend von Lehre zu befreien. Warum also sollte der deutsche Steuerzahler (da wir ja fast nur staatlich finanzierte Hochschulen haben) vor allem allgemein verwendbares Wissen unterstützen, das auch anderenorts produziert werden kann? Wäre es aus Sicht des Steuerzahlers nicht besser, primär solche Forschung zu finanzieren, die sich mit speziell deutschen und europäischen Fragen bzw. Regeln, Institutionen, Problemen beschäftigt? Ist es für den deutschen Steuerzahler tragisch, wenn Grundlagenforschung und allgemeine Zusammenhänge nicht in Deutschland erforscht werden, sondern sonstwo (gerade wenn man berücksichtigt, dass sich ökonomische Erkenntnisse auch nicht patentieren lassen, im Gegensatz zu medizinischen oder ingenieurwissenschaftlichen Forschungsergebnissen und somit dieses Wissen auch zur Verfügung steht, wenn es nicht in Deutschland generiert wird)? Wer eine “Therapie” erfindet, ist doch egal, wenn jeder sie benutzen darf.

Hat der deutsche Steuerzahler wirklich mehr von einer flächendeckenden internationalen Spitzenforschung als von einer stärker auf deutsche Probleme zugeschnittenen Forschung, die institutionelle Besonderheiten stärker berücksichtigt und sich dann ggf. weniger gut publizieren lässt (zumindest “at the margin” muss dieses Argument wie gesagt gelten)? Ich weiß es wirklich nicht, beides hat Vor- und Nachteile, was vielleicht wirklich für ein Nebeneinander anstelle einer ausschließlichen Ausrichtung in die eine oder andere Richtung sprechen würde. Ist es für den deutschen Steuerzahler wirklich so schlecht, dass sich die deutsche BWL eben auch sehr mit deutschen Themen (nicht nur bei Steuern und Bilanzen) befasst und international weniger sichtbar ist? Der Arbeitsmarkt scheint dies – gemessen an Einstiegsgehältern der Absolventen – jedenfalls durchaus zu honorieren. Wir haben in der VWL zumindest in manchen (sicher nicht in allen) Feldern erhebliche Defizite, was die wirtschaftspolitisch relevante Forschung angeht, die auch die institutionellen Besonderheiten berücksichtigt.

Insgesamt fehlt mir in der Diskussion der Bewertungsmaßstab. Beide Gruppen scheinen “ihre” Art der Forschung für besser zu halten, wobei die Bewertungskriterien nicht dieselben sind. Wirtschaftspolitische Relevanz (wie auch immer gemesen) einerseits, möglichst hochrangige Publikationen in ökonomischen Fachzeitschriften andererseits. Dass die Abschottung der VWL in Deutschland vom Rest der Welt wie früher und die ehemals übliche Berufungspolitik (wie in dem o.g. Brief von C.C. von Weizsäcker geschildert) auch für den Steuerzahler mindestens “suboptimal” ist, steht außer Frage. Spannender ist, wie weit die Internationalisierung vorangestrieben werden soll und wie viel Wert auf internationale Publikationen und wie viel auf eher nationale und wirtschaftspolitisch orientierte Engagements gelegt werden soll. Ist bei einer starken Betonung von Publikationsleistungen in internationalen Journalen nicht doch eine Überbetonung wissenschaftlicher Rigorosität der Methoden gegenüber wirtschaftspolitischer Relevanz, zumindest aus deutscher Sicht, zu befürchten? Hier wird zum Teil darauf verwiesen, dass ja auch durchaus beides möglich ist. Das ist im Einzelfall (bzw. einer ganzen Reihe von Fällen) richtig, aber mir geht es um das systematische Argument. Einzelschicksale zählen da nicht – systematisch werden die Anreize aus meiner Sicht momentan durchaus stark in Richtung Rigor und zu Lasten der Relevanz ausgerichtet.

Sehr erhellend finde ich dazu den Vortrag von Alfred Wagenhofer auf der Jahrestagung des Verbands der Hochschullehre für Betriebswirtschaftslehre (VHB) im Mai 2007 (also vor dem Methodenstreit in der VWL), der genau diesen Punkt für mich durchaus überzeugend macht. Ich teile durchaus die Befürchtung, dass das Pendel zu weit ausschwingt und sich die ökonomische Forschung in Deutschland, nach der früheren Abschottung von der internationalen Wissenschaft, nun bei einer einseitigen Betonung von Publikationsrankings zu sehr um theoretische Fragen allgemeiner Natur oder um globale ökonomische Themen dreht und zu wenig um speziell deutsche und europäische Themen und Institutionen.

Schließlich noch ein paar Sätze zur Frage der Politikberatung. Ich will das auch vor dem Hintergrund meiner eigenen Rolle nicht allzu sehr vertiefen, aber meine Erfahrung ist doch die, dass Forschung und Politikberatung nicht genau dieselben Talente und Fähigkeiten erfordern. Dies jedoch scheint mir der Gegenaufruf der 188 zu suggerieren. Ob Ben Bernanke ein besserer Zentralbanker ist als Jean-Claude Trichet, weil Bernanke besser in akademischen Fachzeitschriften publiziert hat? Keine Ahnung. das ist so ähnlich wie zu behaupten, dass nur Spitzenfußballer auch gute Trainer werden können. Sind Jürgen Klopp und Otmar Hitzfeld schlechte Trainer, weil sie keine echten Spitzenfußballer waren? Oder ist gar Lothas Matthäus ein guter Fußball-Trainer, weil er ein exzellenter Fußball-Spieler war? Hmmm…wirtschaftspolitische Beratung erfordert unter Anderem auch die Bereitschaft, sich mit zahlreichen institutionellen Details auseinanderzusetzen (denn dort steckt oft der Teufel drin) und ein gewisses Verständnis der Rechtswissenschaft. Viele Juristen haben den Ökonomen hier durchaus etwas Wichtiges voraus: Sie kennen die institutionellen Details und wissen, worüber sie reden. Ein von der bestehenden Rechtsordnung völlig losgelöstes Philosophieren ist hingegen nur manchmal hilfreich – in der Regel ist es besser, wenn wenigstens ein Bezug zum bestehenden Rahmen erkennbar ist, sodass Veränderungsbedarf und auch -möglichkeiten auch identifiziert werden können. Das scheint mir manchmal in der Ökonomie zu fehlen.

Was ich am Ende auch noch loswerden will: Besonders geärgert hat mich persönlich in dieser ganzen Debatte ein Beitrag des Wirtschaftsinformatikers Professor August-Wilhelm Scheer, ehemals BWL-Professor in Saarbrücken, der in der Süddeutschen Zeitung vom  09.05.2009 wortreich die Mathematisierung der VWL beklagt hat. Vor etwa 15 Jahren war er nicht unmaßgeblich an der Schließung der Saarbrücker VWL beteiligt, damals einer wirtschaftspolitischen und institutionenökonomischen Hochburg in Deutschland.  Die sog. „Saarbrücker Schule“, die auch die Redaktionsräume der FAZ lange mitgeprägt hat, zeichnete sich dadurch aus, dass wirtschaftspolitische Aussagen stets theoretisch abgeleitet und empirisch basiert wurden. Gerade bei Rudolf Richter und Werner Pommerehne wurden Empirie und Theorie in hervorragender Weise miteinander verknüpft. Saarbrücken war vor etwa 20 Jahren schon da, wo andere erst jetzt ankommen. Die Fakultät war international eng vernetzt und zugleich lange eine Hochburg wirtschaftspolitischer Beratung in Deutschland. Dass Professor Scheer nun das angebliche Fehlen wirtschaftspolitisch relevanter Forschung und Ausbildung kritisert, nachdem er zur Beerdigung  just eines solchen Modells beigetragen hat, kommt mir doch etwas – sagen wir einmal – schelmenhaft vor.